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    Darth Vader ist ein ziemlich guter Bösewicht: kalt, grausam und unnahbar. Aber was macht der eigentlich, wenn er nicht gerade im Lederkostüm Angst und Schrecken verbreitet? Nach Feierabend ist Darth Vader kaum anders, als der Durchschnittsbürger – zumindest wenn es nach dem polnischen Webdesigner und Fotografen Pawel Kadysz geht. Er begleitet Lord Vader in seinem jüngsten Fotoprojekt bei ganz unroyalen Tätigkeiten: beim Einkaufen und Sonntagsspaziergang, Zähneputzen und Zocken auf dem Sofa.

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    Auch im neusten Teil des Epos, der diese Woche mit einem intergalaktischen Knall in die Kinos kam, gab es wieder maskierte Fieslinge zu sehen (wir verbieten uns an dieser Stelle, zu spoilern). Zumindest ist es unterhaltsam, zu sehen, dass die dunkle Seite der Macht hinter der Maskerade auch ganz anders kann.

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    Darth sieht im rosa Bademantel gleich weniger furchteinflößend aus als in schwarzer Kluft. Ganz normal ist der dunkle Lord allerdings doch nicht: Beim Plätzchenbacken hilft ihm nicht nur der Handmixer.

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    Der 28-Jährige Kadysz will jeden Tag ein Selfie als Darth Vader posten – angesetzt hat er das Projekt, das erst wenige Wochen alt ist, auf 365 Tage. Möge die Macht mit ihm sein.

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    Sina Pousset


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    Die Jungsfrage:

    Liebe Mädchen,

    ich habe mir Werner Bartens beim Mittagsessen in der Kantine gestern mal bewusst angeschaut: makellose Haut! Er schreibt also wohl aus einer privilegierte Situation heraus, wenn es in seinem Text in der SZ heißt: „Das geschickte Marketing mit Verpackungen und Give-aways für die Girlie-Generation trägt dazu bei, dass die neuen Pillen kaum noch wie ein Medikament wahrgenommen werden, das eben auch Risiken und Nebenwirkungen hat, sondern wie ein Lifestyle-Produkt.“ Und wenn er eine Expertin dann noch sagen lässt: "Die Schönheitsversprechen spielen eine wichtige Rolle für viele junge Frauen, die sich stark über ihr Äußeres definieren."

    Wobei man sagen muss, dass der Text vom SZ-Kollegen ansonsten ja eigentlich sehr besonnen ist und eher betont, dass Ärzte ihre Patientinnen schlecht beraten. Und nicht, dass die Frauen vor lauter Freude über einen pinken Girlie-Schminkspiegel ihr Hirn abgeben.

    Andere sind da weniger besonnen. Von einer „Lifestyle-Droge“ schreiben die. Und dass Mädchen und junge Frauen die Pille „in erster Linie“ nähmen, „um schöner zu werden“. Und die Techniker Krankenkasse, die beschreibt in ihrem „Pillenreport 2015“, wie „besonders junge Erstanwenderinnen mit den vorteilhaften Wirkungen der neueren Pillen auf Haut und Haare“ gelockt würden.

    Was wir (auch durch diese Artikel) wissen: Die Pille ist ein Medikament mit krassen Nebenwirkungen. Hormonkram. Thrombosen-Gefahr. Serious Shit! Was uns an diesen Artikeln aber wundert: Unterm Strich vermitteln sie halt doch den Eindruck, dass ihr das alles nicht wisst. Oder es euch nicht interessiert. Oder für euch zumindest „der kurzfristige Nutzen größer und greifbarer [erscheint] als ein möglicher langfristiger Schaden, der zudem vielleicht ja doch nie eintritt“ (noch mal die Expertin vom Bartens).

    Und das glauben wir nicht so recht. Ihr vermeidet ja schließlich auch Deos mit Aluminium, Zigaretten mit den ganz krassen Zusatzstoffen und Geschlechtsverkehr ohne Kondome. Ihr seid also, was eure Gesundheit betrifft, sonst grundklug. Und hier jetzt nicht? Fänden wir seltsam.

    Deshalb müsst ihr uns da mal aufklären: Erzählen die Artikel komplett Blödsinn? Ist nur ihre angenommene Kausalität falsch? Oder haben sie in einem Punkt doch recht: Beraten Frauenärzte tatsächlich oft schlecht? Haben die euch die Pille also tatsächlich früher oder sogar aktuell wegen Hautproblemen verschrieben? Und falls ja: Sagt ihr dann wirklich „Ach so, ein Give-away für die Girlie-Generation ist auch dabei? Dann nur her damit!“ Oder sagt ihr dann: „Geht’s noch?!“

    In ganz kurz also: Warum nehmt ihr die Pille?

    >>>> Die Mädchenantwort von Sarah Beha [seitenumbruch]Die Mädchenantwort:





    Liebe Jungs,

    schöne Textquellen, die ihr da rausgesucht habt. Klar wollen die in erster Linie darauf aufmerksam machen, dass die neuesten Pillen, also die der 3. und 4. Generation, eben doch nicht das sind, was sie versprechen zu sein (so eine Art Wundermittel, von dem man abnimmt, schönere Haut, tolle Haare und größere Brüste bekommt) und dass diese Pillen das Thromboserisiko sogar erhöhen. Und es ist wirklich toll, dass darüber berichtet wird und dass ihr euch dazu auch Gedanken macht.

    Aber sie vermitteln eben auch so ein Bild, bei dem ihr stutzig werdet und ich fuchsteufelswild: Die doofe „Girlie-Generation“ denkt, sie kann sich schönschlucken und blendet die Nebenwirkungen der Pille einfach aus. Und so ist es sicherlich nicht.

    Ich erklär euch jetzt mal, wie das bei einer jungen Frau in einer Frauenarztpraxis so abläuft. Vielleicht nicht in jeder, aber doch in einigen. Also: Sie geht zu ihrer Ärztin, weil sie die Pille will. Sie gehört zu den 88 Prozent der Frauen zwischen 14 und 17 Jahren, die die Pille laut einer Studie des Robert-Kochs-Instituts von 2008 zur – oh welch ein Wunder – Verhütung nimmt. Denn seien wir mal ehrlich, Kondome sind zwar auch eine sichere Verhütungsmethode, aber ohne fühlt es sich eben doch besser an. Oder sie hat so starke Regelschmerzen (1,2 Prozent) oder Zyklusstörungen (8,1 Prozent), dass sie sie deshalb braucht. Oder – und das war in der damaligen Studie ein Anteil von 1,9 Prozent !!!! – sie nimmt die Pille, weil sie Akne hat.

    Vielleicht hat sie sich schon etwas informiert, vielleicht will sie die Pille, die ihre beste Freundin nimmt. Wahrscheinlich macht sie sich Sorgen, dass sie zunimmt oder weniger Lust auf Sex hat oder Stimmungsschwankungen bekommt oder sonst noch eine der Nebenwirkungen, von denen ihr ihre Freundinnen schon erzählt haben. Vielleicht erhofft sie sich größere Brüste oder eine bessere Figur, weil das doch bei einer ihrer Freundinnen auch so war.

    Die Ärztin hört ihr zu, sie erklärt ihr vielleicht sogar, wie die Pille funktioniert und auch, was für Nebenwirkungen auftreten können (falls welche auftreten sollten, könne man ja dann einfach ein anderes Pillen-Präparat ausprobieren). Sie fragt sie, ob sie raucht, ob sie übergewichtig ist, und ob in ihrer Familie schon mal jemand eine Thrombose hatte. Wenn sie das alles verneinen kann und noch ihre Ängste und Wünsche äußert, dann bekommt sie wahrscheinlich eine der neueren Pillen verschrieben.

    Selbst erlebt: Du erzählst, dass du von Fällen gelesen hast, in denen eine Frau wegen der Pille eine Thrombose bekam, und fragst, ob es denn keine Alternative gebe und bekommst als Antwort: „ Sehen Sie es doch mal so: Wenn Sie schwanger werden würden, wäre das Thromboserisiko viel höher.“

    Tja, was soll man da noch sagen. Klar kann man es uns zum Vorwurf machen, dass wir jeden Tag irgendwelche Pillen zu uns nehmen, über die wir anscheinend zu wenig wissen. Klar könnte man den Mädchen (laut der oben genannten Studie 1,9 Prozent), die die Pille wegen Hauproblemen nehmen, unterstellen, dass sie sich stark über ihr Äußeres definieren und den langfristigen Schaden einfach ausblenden. Aber, was diese ganzen Texte ja eigentlich auch betonen: Die Pille ist ein Medikament und ein Medikament wird vom Arzt verschrieben.
    Und bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker…

    Man kann also Texte zu diesem Thema verfassen und anklagend behaupten: „Als die Antibabypille vor mehr als 50 Jahren auf den Markt kam, wurde sie zum Symbol der sexuellen Revolution. Heute ist sie eine Lifestyle-Droge. Denn viele Mädchen und junge Frauen nehmen sie in erster Linie, um schöner zu werden.

    Oder man könnte sich die Frage stellen: „Warum, verdammt noch mal, klären die Ärzte Ihre Patientinnen nicht richtig auf?“ Man könnte zum Beispiel mal auf die Internetseite des Berufsverband der Frauenärzte oder auf die der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe gehen und dann bemerken, dass in den dortigen Stellungnahmen auch keine ganz klare Distanzierung zu den Pillen der 3. und 4. Generation gemacht wird. Und das, obwohl aktuell ein wahrscheinlich langjähriges Gerichtsverfahren gegen den Pharmakonzern Bayer beginnt. Eine junge Frau hatte eine Thrombose erlitten und nur knapp überlebt. Von dem erhöhten Thromboserisiko ihrer Pille hat sie erst über die Medien erfahren. Im Beipackzettel ihrer Pille stand dazu nichts. Man könnte sich also fragen, warum das so ist.

    Aber man kann natürlich auch einfach die verantwortungsbewussten Frauen verteufeln, die verhüten, die jahrelang Hormone zu sich nehmen, die Nebenwirkungen in Kauf nehmen und vielleicht einfach gehofft haben, dass die neuen Präparate besser als die alten sind. Und dann kann man behaupten, die Pille sei eine Lifestyle-Droge und die eitlen jungen Damen bekämen lieber eine Thrombose als einen Pickel.

    Warum nehmen wir also die Pille? Wir nehmen sie, weil es eine sehr sichere Verhütungsmethode ist, weil sie oft als alternativlos dargestellt wird und weil wir der Meinung unserer Ärzte vertrauen, die uns nicht ausreichend über die Risiken informieren.

    Weswegen wir sie ganz sicher niemals nie nicht nehmen: Weil wir mal wieder einen neuen rosa Schminkspiegel oder sonst ein "cooles" Give-away, auf dem dann dick und fett noch der Name der Pille drauf steht, brauchen.

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  • 12/18/15--10:55: Wir haben verstanden: KW 51
    • Wenn man die Mails im Mailprogramm "Entourage" nach Größe ordnet, teilt das Programm sie in die lustigen Kategorien "Groß", "Sehr groß" "Riesengroß" und "Enorm" ein.

    • Bier. Eigentlich ein völlig ekelhaftes Gesöff.

    • Wer älter als 18 ist, sollte keine Drogenwitze mehr machen.

    • Die besten Erinnerungen spielt man nicht zu häufig im Kopf ab - aus Angst, sie könnten ausleiern.

    • Es ist ein sehr erhebendes Gefühl, wenn ein Countdown einstellig wird.






    • Vorweihnacht-Super-GAU: Du kaufst jemandem ein Geschenk und er bekommt genau das gleiche zwei Wochen vor Weihnachten von jemand anders geschenkt.

    • Es gibt SUV-Felgen, die "Dezent" heißen …

    • Seltsamerweise immer noch eine häufige Reaktion, wenn man die eigene Hochzeit ankündigt: "Bist du etwa schwanger???"

    • Wenn eine junge Frau in einem Film oder einer Serie kotzt, ist sie übrigens schwanger. Immer.

    • Und wenn ein wichtiger Mann sich extrem gefasst an seinen sehr großen Schreibtisch in seinem enormen Büro setzt und die Papierstapel und Stifte ganz ordentlich zurechtschiebt, holt er danach eine Knarre aus der Schublade und schießt sich in den Kopf. Immer.

    • Sagt schon was aus: Der Flughafen in Warschau heißt "Chopin-Flughafen". Der in München "Franz-Josef Strauß".

    • Alles im Leben fällt leichter, wenn man einen flauschigen Bademantel dabei trägt.

    • Hilft wirklich gegen traurig sein: RomCom und ein Pott Eiscreme.

    • Man kann sich auch im Liegen hervorragend betrinken.

    • Nur aufstehen wird dann schwieriger.

    • Das Ende aller Paar-Romantik: Zusammen anfangen, Game of Thrones zu gucken.

    • Schlecht: Wenn der Film-Bösewicht unter der Maske aussieht, wie ein Milchbubi.

    • Die Zeit, Hals über Kopf Last-Minute Urlaube zu buchen, steht kurz bevor.


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  • 12/19/15--03:00: Wacholder Unsinn?!
  • Samstagnacht vor ein paar Wochen. In einer lauten Kneipe beugt ein Freund sich über den Tresen und brüllt den Barmann an. "Hast du zum Monkey 47 auch das 1724 Tonic Water? Das erschlägt ja die Arooomen nicht so!"

    Es ist ein paar Jahre her, da trank am Wochenende plötzlich jeder Gin Tonic. Der war nämlich so schön herb im Vergleich zu Wodka Lemon, den wir sonst getrunken hatten, wenn Bier zu schwach war. Auch wenn wir längst nassgetanzt und besoffen waren, fühlte sich ein Gin-Tonic-Mund immer schön trocken und sauber an. Von Aromen sprach damals keiner. Ganz zu schweigen von Arooomen.



    Spaß oder Spießer: Spannungsfeld Gin


    Jetzt ist eine neue Ära angebrochen. Die der Gin-Auskenner. Die Gin-Auskenner sind ein typisches Symptom unserer Zeit, weil sie zeigen, dass guter Geschmack das letztgültige Statussymbol ist. Und leider auch, wo guter Geschmack zu Blasiertheit wird.

    Die Gin-Auskenner sind eigentlich ganz normale Menschen. Ich weiß das, weil viele meiner Freunde seit kurzem Gin-Auskenner sind. Sie studieren Medizin oder arbeiten als Junior-Architekten, da sind sie noch ganz verschieden. Aber in ihren Wohnzimmern steht, oft auf einer hüfthohen Holzanrichte, der immer gleiche kleine Wald aus Flaschen. Ein Wald aus Gin. In den greifen die Auskenner abends rein, wenn Freunde da sind. Nach ein paar Sekunden, die aussehen wie eine reifliche Überlegung, ziehen sie eine Flasche heraus. Und dann erzählen sie.


    Mit der Gurke fing es an. Heute legt man Fruchtzesten-Teebeutel in den Gin Tonic.



    Von London Gin, Dry Gin, Old Tom Gin, Sloe Gin und Genever. Und zwar so, als seien das keine farblosen Spirituosen, sondern indogermanische Stämme, die sie seit langem studieren. Sie sagen auch nicht mehr Gin Tonic, sondern Gin and Tonic, die Zeit muss schließlich sein. Und wenn die Zeit mal nicht ist, haben sie eine Abkürzung: "GnT". Und mit diesem GnT experimentieren die Gin-Auskenner: Sie bereiten ihn mit Rosmarinzweigen zu, mit Orangenschalen oder Pfefferkörnern. Sie schenken sich gegenseitig zum Geburtstag kleine Probierkistchen mit neuen Tonic Waters aus Patagonien oder der Bretagne. Dann sagen sie Sätze wie: "Das Thomas Henry hat einfach eine ganz tolle Kohlensäure."

    Ich erinnere mich, dass es mit dem Hendrick's Gin anfing. Der kam hier vor ein paar Jahren an und hatte ein Gimmick im Gepäck: Man bestellte ihn "mit Gurke". Eine Zeit lang konnten wir mit diesem Detail Eindruck schinden. Erst vor Barkeepern, die dann wissend nickten. Dann nur noch vor den paar Menschen, die wirklich nie in Bars gingen: "Puh, hey, mit Gurke?! Wer schmeißt denn Gemüse in seinen Drink, haha! Aber oh, hmmey, schmeckt ja echt gut, merk ich mir!"

    So verbreitete sich der Geheimtipp von Gelegenheitstrinker zu Gelegenheitstrinker. Und weil irgendwann jeder das Gimmick mit der Gurke kannte, musste was Neues her. Es folgten: der Miller (den man ohne Gurke bestellt, weil er mit Gurke destilliert wird). Der Sipsmith (den der Auskenner wegen der Fruchtnoten mit Fentimans Tonic Water kombiniert). Der Monkey 47 (aus dem Schwarzwald!), der Adler (Berlin!), und natürlich der Duke aus der Münchner Maxvorstadt. Statt Gurke bekommt man in manchen Bars heute Teebeutel mit Fruchtzesten ins Glas.

    Der Barmann sagt: "Wodka ist für Wirkungstrinker, Gin für Bildungstrinker."



    Und es ging aufwärts mit der Auskennerei. Heute klingen ganz normale junge Menschen an Kneipentresen, als säßen sie im Pullunder in einem holzgetäfelten Raucherzimmer und dekantierten Rotwein für die Herren von der Fuchsjagd. Vorher haben sie das Zeug noch getrunken und gelallt: "Lecker, nich' so süß wie Cuba Libre!" Jetzt nippen sie und sagen: "Puh, also Gordon's kann ich ja echt nicht mehr trinken." Das Gin-Trinken ist zur Wissenschaft geworden. Wobei ich da vielleicht Wissenschaftlern Unrecht tue. Die prahlen seltener mit ihrem Wissen.

    In Hamburg gibt es eine Bar, die mehr als 80 Ginsorten anbietet. Das ist nichts Besonderes, solche Bars gibt es jetzt überall. Aber der Barkeeper dieser Bar in Hamburg hat dem Spiegel einen erstaunlichen Satz diktiert: "Wodka ist für den Wirkungstrinker, Gin ist für den Bildungstrinker."

    Und das ist genau der Punkt: Die Gin-Auskennerei dient der sozialen Distinktion. Gin Tonic, Verzeihung, Gin and Tonic, ist in diesen Graden der Kennerschaft nicht mehr nur ein Getränk mit Wacholder-Note, es ist ein Statussymbol wie ein Porsche. Der richtige Gin, kombiniert mit dem richtigen Tonic, das sind Codes, mit denen man Geschmack beweist wie mit den richtigen Manschettenknöpfen oder dem doppelten Windsor. Klar kann man auch Tengelmann-Gin und Schweppes saufen. Aber dann ist man halt ein Prolet.

    Noch ein Zitat: "Das zu mögen, was massenweise zu haben ist, gilt als schlechter Geschmack." Das schrieb im Herbst das Zeit-Magazin in einem Text, der erklärte, worüber sich die wohlhabende Mittelschicht zurzeit definiert: über die Einzigartigkeit von seltenen Produkten. Vom Fahrrad bis zur Auflaufform. So ist es auch mit der Gin-Auskennerei.

    Schon klar: Ein bisschen Distinktion wissen wir alle zu schätzen. Wir hören nicht irgendwelche Musik und tragen nicht irgendwelche Schuhe und es macht Spaß, über solche Ebenen zu kommunizieren. Die Distinktion beginnt aber zu kippen, wenn man alles gleichzeitig sein will: Bewusster Genussmensch, aber auch trinkfest, gediegener Connaisseur, aber auch lässiges Feiertier. Es gibt einen Punkt, an dem Geschmack zu Blasiertheit wird, Haltung zum Krampf. Und vielleicht ist dieser Punkt genau dort, wo man anfängt, sich über Kohlensäure in Tonic Water zu unterhalten. Über Luft in Wasser.

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  • 12/19/15--18:07: Vielen Dank!
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    deine jetzt-Redaktion

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    Paul heißt natürlich anders. Was er tut, ist illegal. Er verkauft seit mehr als zehn Jahren Cannabis. Wir haben uns mit ihm lange über das Dealen in München unterhalten. Über seine Kunden, über seine Lieferanten. Und über Vertrauen in einer Branche, in der es wenig Vertrauen geben kann.

    Aus verständlichen Gründen kann er viele Details nicht preisgeben, ohne zu viel von sich zu erkennen zu geben. Deshalb haben wir zusätzlich beim Leiter des Drogenderzernats bei der Münchner Polizei nachgefragt, wie aktiv die Dealer-Szene in München ist: Wie viel wird im Jahr sichergestellt? Was passiert mit Menschen, die erwischt werden? Ist die Konzentration an THC, dem Wirkstoff im Cannabis wirklich so stark angestiegen, wie alle behaupten. Die Informationen sind grau abgesetzt.





    Wie wird man denn Dealer? Wie hast du angefangen?
    Klein. Ich habe bei einem Kumpel, der etwas mehr gemacht hat, hin und wieder 50 bis 100 Gramm geholt. Davon habe ich Freunden was abgegeben und damit meinen eigenen Bedarf finanziert. Noch ohne finanziellen Gewinn also. So bin ich da reingekommen. Und dann wurde es stetig mehr.

    Wie?
    Indem ich Menschen kennengelernt habe, die etwas mehr besorgen konnten.

    Wo lernt man die kennen?
    Immer durch Kontakte – aus dem Freundeskreis, aus dem Sportverein, aus der Uni.

    Wie viel verkaufst du jetzt?
    Es schwankt. Aber schon ein paar Kilo im Jahr.

    Wie viel in München insgesamt mit Cannabis gehandelt wird, lässt sich nicht sagen. Ein Anhaltspunkt ist höchstens die Menge an Drogen, die die Polizei sicherstellt. Auch die sichergestellte Menge hat aber nur bedingte Aussagekraft, sagt Markus Karpfinger, Leiter des Münchner Drogenderzernats bei der Polizei: „Betäubungsmittelkriminalität hat ein hohes Dunkelfeld. Sichergestellte Mengen lassen keine Rückschlüsse darauf zu, wie viel Ware im Umlauf ist. Wir hatten schon Jahre, in denen wir mehr als 100 Kilogramm in München sichergestellt haben. Manchmal, zum Beispiel 2014, sind es auch nur ca. 20 Kilogramm. Die Zahl schwankt, und ist auch stark von Zufällen abhängig.“ 
Auf eine Zahl kann Karpfinger noch verweisen: Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden in München im Jahr 2013 insgesamt 503 Verfahren bezüglich Handel und Schmuggel mit Cannabis erfasst.

    Über was für eine Marge reden wir da?
    Das ist wie beim ganz normalen Handel: Es hängt sehr davon ab, in welchen Einheiten ich einkaufe. Im Schnitt aber wohl irgendwas zwischen 20 und 30 Prozent.

    Wie transportierst du das, wenn du es abholst?
    Immer anders. Mal zu Fuß, mal auf dem Rad. Manchmal auch im Auto oder Taxi. Selten zweimal hintereinander auf demselben Weg. Von da, wo ich es kaufe, bis zu den Orten, an denen ich es lagere, ist es aber nie weit.

    Wo und wie lagert man so viel Gras?
    (lacht) Soll ich dir jetzt die Adressen sagen? Auf jeden Fall nicht an einem Ort, sondern verteilt. In Einheiten, die so klein sind, dass man keine ganz ernsthaften Probleme bekommt, falls doch mal was schiefgeht.

    Strafbar ist der Handel mit Cannabis immer, egal wie groß die Menge ist. Nur wenn kein Handel vorliegt, bleibt der Besitz von geringen Mengen unter sechs Gramm Cannabis meist ohne strafrechtliche Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft geht dann von Eigenbedarf aus. Der stellt zwar auch eine Straftat dar und wird von der Polizei zur Anklage gebracht, die Staatsanwaltschaft lässt die Anklage bei Ersttätern aber meistens fallen.

    Tauschst du dich mit irgendwem drüber aus, wie groß die Einheiten sein können?
    Ich habe Kunden, die Anwälte sind. (lacht)

    Angenommen, es geht doch mal was schief: Gibt es einen Ehrenkodex, dass man Lieferanten nicht verrät?
    Bei mir schon. Die Menschen, bei denen ich kaufe, kenne ich alle schon lang. Das sind fast alles Freunde. Die würde ich niemals hinhängen. Aber noch mal: Das sind keine Dimensionen, bei denen mir ein Deal mit der Staatsanwaltschaft etwas bringen würde.

    Denkst du, deine Kunden wären auch so loyal dir gegenüber?
    Bei fast allen: ja. Zum einen, weil keiner bei mir so viel kauft, dass es für ihn irgendeinen Unterschied machen würde, wenn er meinen Namen nennt. Zum anderen gilt hier dasselbe wie bei den Menschen, bei denen ich kaufe: Ich kenne eigentlich alle persönlich. Sonst würde ich es auch nicht machen.

    Leute, bei denen die Polizei Betäubungsmittel findet, werden immer nach ihren Bezugsquellen befragt, sagt Markus Karpfinger. Wie viele davon ihre Quellen preisgeben, darüber führe man aber keine Statistik. „Klar ist: Je mehr Strafe jemand zu erwarten hat, desto eher ist er geneigt, durch Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden das Strafmaß zu minimieren.“

    Bekommst du Kunden also auch nur über Bekannte vermittelt? Werbung kannst du ja nicht machen.
    Quasi ausschließlich, ja. Und dann sind es eigentlich immer gute Freunde von denen. Das ist mir auch wichtig. Ich möchte auf keinen Fall einfach nur der Dealer für Menschen sein und so viel raushauen, wie geht. Mit den Leuten, die kommen, kann ich ratschen, das ist zum Teil über viele Jahre gewachsen. Es sind gefühlt immer noch Bekannte, denen ich etwas mitbringe. Natürlich verdiene ich auch etwas damit. Aber eben nicht auf Teufel komm raus. Das macht mein Leben auch insgesamt unkomplizierter: Weil ich die Leute kenne, wissen sie, dass ich eben auch mal nicht erreichbar bin. Nur ganz wenige rufen deshalb ständig an und nerven mich.

    Hast du Regeln, wie Leute dich kontaktieren dürfen?
    Klar. Aber die erzähle ich dir sicher nicht. Höchstens so viel: Es wird nix am Telefon geredet.

    >>> Unter Pauls Kunden sind auch Lehrer und Familienväter. Wenn er merkt, dass seine Kunden Suchtprobleme haben, spricht er sie darauf an.

    [seitenumbruch]

    Was sind das für Leute, die bei dir kaufen?
    Ganz normale, gediegene Münchner: Anwälte, Lehrer, Studenten, Familienväter.

    „Wir erfassen den sozialen Hintergrund der Beschuldigten nicht“, sagt Karpfinger. „Aber die Erfahrungswerte sagen: Das ist ein ziemlicher Querschnitt aus allen Alters- und sozialen Schichten, vielleicht mit einem Schwerpunkt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In diesem Alter ist man wohl geneigter, Drogen auszuprobieren. Und dann sind da auch ältere Beschuldigte, ich sage mal: aus dem Bereich der Alt-68er.“

    Wir reden also tatsächlich von einer Volksdroge, die sich in allen gesellschaftlichen Schichten findet?
    Wenn ich mich bei mir umschaue: absolut, ja. Da ist alles dabei. Auch völlig arrivierte Menschen, die hin und wieder abends chillen. Die würden sonst halt ein Bier trinken. Wobei ich das Kiffen damit auf keinen Fall verharmlosen will. Ich habe meine private Einstellung da inzwischen etwas verändert.

    Inwiefern?
    Das Gras, das du heute bekommst, ist so hochgezüchtet, dass es eine viel krassere Wirkung hat als früher. Mit der kann man umgehen. Aber man sollte sich schon bewusst sein, dass wir hier über eine Droge sprechen. Wirklich prall zu sein, ist schon ein extremer Zustand. Jeder, der etwas anderes behauptet, macht sich etwas vor.

    Immer, wenn die Polizei Drogen sicherstellt, wird ein Gutachten angefertigt. „Da wird gemessen, wie viel Wirkstoff tatsächlich in den Betäubungsmitteln feststellbar ist. Und der THC-Gehalt bei Marihuana hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Früher lag er bei zehn Prozent, heute liegt er in der Regel zwischen 20 und 30 Prozent.“

    Du verkaufst das Zeug aber doch.
    Ja. Weil ich denke, dass die Menschen für sich selbst verantwortlich sind und wissen müssen, was sie tun.

    Hast du Leute erlebt, die bei dir einkaufen, bei denen du gemerkt hast, dass sie Suchtprobleme haben?
    Zum Glück noch nicht oft.

    Was hast du dann gemacht?
    Einer war ein Freund, den ich schon lange kannte. Ich habe viel mit ihm geredet und ihm klar gemacht, dass er was tun muss. Gegeben habe ich ihm auch nichts mehr. Der hat das dann tatsächlich in den Griff bekommen und kifft nur noch selten. Bei einem anderen habe ich das auch versucht. Der ist irgendwann nicht mehr gekommen.

    Weißt du, wo dein Zwischenhändler das Gras herbekommt?
    Nicht bis ganz zurück. Will ich auch nicht wissen.

    Weil es weiter oben in der Kette doch ungemütlicher wird?
    Zumindest so weit, wie ich die Kette kenne, sind das alles ziemlich normale Menschen, keine Mafiosi, falls du dir das gerade so vorstellst. Beim Handel mit Gras ist das meistens noch entspannter als bei anderen Drogen.

    Das meiste Cannabis, das in München verkauft wird, kommt aus Holland, sagt Markus Karpfinger vom Münchner Drogendezernat. „Viel kommt aber auch über die Balkanroute. Albanien zum Beispiel ist da zu nennen.“

    Trotzdem gibt es auch da schlimme Auswüchse. Gras, das mit Blei beschwert wurde. Leute, die mit Vergiftungen ins Krankenhaus kommen. Kannst du die Qualität irgendwie kontrollieren oder beeinflussen?
    Beeinflussen nicht. Ich hatte aber einmal eine Lieferung, die voll mit Bleistaub war. Das merkt man zum Glück meistens rechtzeitig.

    Und dann?
    Habe ich’s zurückgegeben.

    Gibt das Stress?
    Ein bisschen. Aber es gibt auch keine Alternative. Ich würde das jedenfalls nie verkaufen.

    Dass Gras mit Blei oder anderen Substanzen beschwert oder gestreckt wurde, hat die Münchner Polizei bislang bei ihren Funden noch nie feststellen können, so Karpfinger. Mit Blei versetztes Gras sei momentan vor allem in Leipzig und Umgebung im Umlauf. Dealer nutzen Bleistaub, um das Gewicht ihrer Betäubungsmittel zu erhöhen, damit höhere Umsätze zu erzielen sind. Mehr als 120 Leipziger wurden bislang in Krankenhäuser eingeliefert, weil sie das mit Blei versetzte Marihuana geraucht hatten. 

    Wie anspruchsvoll sind deine Kunden hier sonst? Merken die Qualitätsunterschiede und sprechen dich drauf an?
    (lacht) Schon. Ich hatte am Anfang mal eine Zeitlang nur Homegrown (Gras, das privat angebaut wird, Anm. d. Redaktion). Da haben ein paar dann im Scherz rumgepöbelt: „Hast du immer noch die deutsche Hecke oder gibt es inzwischen wieder was anständiges?“ Ist aber schon länger her.

    Fragen die Kunden hier auch schon nach bestimmten Sorten oder Geschmacksrichtungen?
    Nein. Dafür ist das Angebot zumindest in München einfach nicht groß genug.

    Wie stehst du zur Legalisierung?
    Ich bin absolut für die Legalisierung. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn man auch in München endlich entspannt irgendwo sitzen und einen Joint rauchen könnte. Andere Städte wie Köln oder Berlin sind da wenigstens inoffiziell weiter. Hier haben die meisten immer noch Paranoia, sofort in Handschellen auf dem Boden zu liegen, wenn sie draußen rauchen.

    Für dich fiele im Fall der Legalisierung aber auch deine Einnahmequelle weg. Oder würdest du so etwas wie einen Coffee-Shop aufmachen?
    Nein. Für mich war das nie ein echter Job. Wenn’s legal wird, ist das die perfekte Gelegenheit für mich, aufzuhören.

    Klingt, als wäre das nicht ganz so einfach.
    Natürlich nicht. Es ist ein sehr angenehmes Nebeneinkommen. Aber tatsächlich habe ich auch ohne die Legalisierung schon einen groben Zeitplan, wann ich aufhöre. Das sind aber private Gründe. Ich mache das seit mehr als zehn Jahren. Irgendwann wird man auch müde.

    Schläfst du gut?
    Nicht immer. Man kann das nie ganz vergessen.

    Hast du je überlegt, noch andere Drogen zu verkaufen?
    Nie! Das wäre mir zu gefährlich. Vor allem habe ich aber keinen Bock, an echte Junkies zu verkaufen. Die drehen dir dann tatsächlich mal durch, wenn sie unbedingt was brauchen. Das würde ich nicht packen. Die Leute, die bei mir kaufen, sind alle sehr entspannt. Die kaufen inzwischen ziemlich vorausschauend und wenn es mal nichts gibt, gibt es eben nichts.

    Dieser Text ist Teil des Themenschwerpunkts „360Grad – Die Legalisierung von Marihuana“ von sz.de und jetzt.de. Hier liest du ein Interview mit einem Besitzer eines Headshops, in dem Bongs und Pfeifen verkauft werden - und in dem manchmal das LKA auftaucht.

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  • 12/20/15--19:00: Newsletter-Abmeldung
  • Schade! Wir hoffen, du kommst trotzdem mal wieder auf jetzt.de vorbei.

    Deine jetzt-Redaktion 

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    Vielen Dank,
    deine jetzt-Redaktion.

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    Deine jetzt-Redaktion

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  • 12/21/15--00:47: Ein neues jetzt.de
  • [plugin imagelink link="http://49.media.tumblr.com/e1b192e926ae19e9c82759857022784f/tumblr_nzk7vys1Pi1ulntj6o2_r1_1280.gif" imagesrc="http://49.media.tumblr.com/e1b192e926ae19e9c82759857022784f/tumblr_nzk7vys1Pi1ulntj6o2_r1_1280.gif"]

    Wer aufmerksam war, hat es vielleicht schon gemerkt in den vergangenen Tagen: Es war hier ein bisschen weniger los. Wir haben unser Programm ein bisschen zurückgefahren und weniger neue Redaktionsbeiträge verföffentlicht. Denn wir waren ziemlich beschäftigt. Weil wir jetzt.de gerade neu erfinden. Wir haben beschlossen, unsere Seite zu resetten. jetzt einen Relaunch zu verpassen.

    Wir werden in den kommenden Wochen vor allem daran arbeiten, mit einem neueren, aktuelleren, zeitgemäßeren jetzt zurückzukommen.

    Diesen Prozess wollen wir auf einem eigens dafür eingerichteten Blog begleiten: auf mehrjetzt.tumblr.com. Wir werden bis zum Relaunch in etwa einem Monat erklären, warum wir Sachen über Bord werfen, warum wir Altes wieder ausgraben und Neues erfinden. Wir werden über die Fragen schreiben, die wir uns gestellt haben und uns noch stellen werden, und über die Ergebnisse, zu denen wir schon gekommen sind. Wir werden versuchen, das Gefühl zu vermitteln, das wir daraus destilliert haben: das Gefühl, das jetzt für uns ausmacht.

    Wir freuen uns, wenn du dabei bist!

    Viele Grüße, Deine jetzt-Redaktion

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    Wahrscheinlich haben es die meisten schon mitbekommen: Wir resetten unsere Seite. Es steht ein Relaunch an. Auf einem eigens dafür eingerichteten Blog mehrjetzt.tumblr.com begleiten wir diesen Prozess. In diesem Text soll es speziell um Fragen gehen, die den jetzt-Kosmos betreffen.

    Wir haben vorab schon einige der aktivsten Nutzer per jetzt-Botschaft über das meisteninformiert, was wir jetzt hier noch mal aufschreiben. Der Gedanke dahinter war: Erst mal mit einigen wenigen in Ruhe reden, sich Feedback einholen, schauen, ob wir wichtige Fragen vergessen haben. Und dann - natürlich - alle informieren. Das hat nur bedingt funktioniert, der Inhalt unserer Botschaft verbreitete sich im Kosmos, es wurde an mehreren Stellen im Kosmos diskutiert. Nicht so geordnet, wie wir es uns vorgestellt hatten. Aber das ist auch okay. Trotzdem wollen wir hier noch mal alles aufschreiben, damit es keine Missverständnisse gibt und damit alles an einer Stelle gesammelt ist.

    Was es in Zukunft nicht mehr geben wird


    Es war eine der schwersten Aufgaben, die wir in den vergangenen Wochen und Monaten zu lösen hatten: die Frage zu beantworten, was aus der jetzt.de-Community wird. Aus dem jetzt-Kosmos, den Usern, die hier jeden Tag unsere Texte kommentieren, selbst Texte schreiben, einander dafür Lesenswert-Herzen schenken, genauso wie Zeit für offene Kritik.

    Um es kurz zu machen: Die Möglichkeit, dass jeder jederzeit eigene Texte schreiben kann, wird es nach dem Relaunch nicht mehr geben. Auch die Community-Funktionen wie Gästebücher und jetzt-Botschaften nicht.

    Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Wirklich nicht. Denn die Usertexte, -Aktionen, -Tagebücher und -Momente waren lange ein wichtiger Teil von und eine große Bereicherung für jetzt. Es gab und gibt dort unglaublich tolle Texte, kluge Charaktere, eine mehr als intakte Debattenkultur und ein Miteinander, wie man es im Netz nicht oft finden konnte und kann. Dafür wollen wir Danke sagen, liebe jetzt-User. Hier, aber auch in diesem Text mit einer Sammlung einiger der schönsten Kosmos-Momente.

    Das Problem: All das ist langsam, aber sicher immer weniger geworden. Weniger aktive User, weniger Interaktionen zwischen diesen Usern, weniger Gästebucheinträge, weniger jetzt-Momente, weniger User-Texte. Gleichzeitig wuchs der Teil der Leser, die unser Angebot auf dem Smartphone nutzen (und dort natürlich keine langen Texte schreiben). Es wuchs der Teil der Leser, die tatsächlich mehr Leser waren als User (und zwar kommentieren, aber nicht unbedingt selbst Texte schreiben oder ein eigenes Profil mit Gästebuch und anderem wollten). Und das bis zu einem Punkt, an dem wir einsehen mussten, dass ein “weiter so” keinen rechten Sinn mehr ergibt. Dass wir leider nicht in der Lage sind, für einige wenige ein so umfangreiches Angebot aufrechtzuerhalten, beziehungsweise es im Zuge eines Relaunchs noch einmal mit so viel Energie und Ressourcen aufzufrischen, wie notwendig gewesen wäre, um den jetzt-Kosmos wieder an seine lebendigsten Zeiten anknüpfen zu lassen.

    Klar, einige alteingesessene jetzt-User sind noch immer sehr aktiv. Das wussten wir und das konnte man auch heute sehen und spüren: in Botschaften, die wir bekommen haben, nachdem wir von den Veränderungen erzählt haben, und als über unsere Pläne diskutiert wurde. Diese Treue schätzen wir sehr, und für diese Gruppe tut es uns wahnsinnig leid, dass ihre digitale Heimat sich so stark verändern wird und dass ihnen einige dieser Veränderungen nicht gefallen werden. Aber wie gesagt: Sie sind leider mittlerweile eine deutliche Minderheit unserer Nutzer. Und jetzt ist - daraus sollte man auch kein Geheimnis machen - ein Angebot, das sich auch irgendwie finanzieren und deshalb für viele Leute attraktiv sein muss.

    Was es in Zukunft (wieder) geben wird


    Wir hoffen trotzdem, dass auch viele von euch von auf dem neuen jetzt weitermachen. Dass ihr dort weiter mit uns und untereinander über Texte diskutiert. Denn auch wenn es künftig keine umfangreichen Community-Funktionen mehr geben wird - es wird Platz für Diskussionen sein, es wird Platz sein, seine eigene Geschichte zu erzählen. Und wir wünschen uns sehr, dass dort auch wieder so klug und lebhaft und offen diskutiert wird wie im heutigen jetzt-Kosmos.

    Wir werden zum Beispiel den Tagesticker wieder einführen. Vermutlich unter einem anderen Namen und in anderem Gewand, aber wir werden zum Relaunch von jetzt ein neues Diskussionsformat einführen, das wieder tägliche Debatten zu einem aktuellen Thema ermöglicht. Der Tagesticker (egal ob von der Redaktion oder von den Usern selbst) war immer ein fester Bestandteil und wichtiger Fixpunkt in unserem Kosmos. Deshalb möchten wir ihn wiederbeleben und zu einem Ort machen, an dem aktuelle, relevante Themen diskutiert werden.

    Wir möchten außerdem einen WhatsApp-Kanal einrichten, über den wir Erfahrungen unserer Leser zu bestimmten Themen sammeln und in einem nächsten Schritt auf jetzt veröffentlichen wollen - egal, ob Punkte für die wöchentliche Verstandenliste gesucht werden oder die eine Geschichte zu einem bestimmten Thema, die vielleicht jemand von unseren Lesern viel besser erzählen kann als einer unserer Redakteure.

    Denkbar sind auch Formate wie „Die Recherche“ bei sz.de oder Schreibwettbewerbe für eine Leserkolumne. Natürlich sind wir auch für weitere Ideen offen, die sich innerhalb dieser Gruppe realisieren lassen. Anregungen sind herzlich willkommen (zum Beispiel per Mail an relaunch@jetzt.de), schreibt uns eure Ideen, schreibt uns Wünsche, ob Konkretes zum neuen Tagesticker oder Vages zu einem “Man müsste doch eigentlich mal”-Einfall. Redet mit beim neuen jetzt!

    Wie die Übergangsphase aussieht und was mit den Inhalten aus dem Kosmos passiert


    Voraussichtlich in einem Monat wird der Relaunch stattfinden. Natürlich wird das alte jetzt in seiner jetzigen Form nicht von heute auf morgen abgeschaltet. Es ist uns bewusst, dass hier viele User einen großen Teil ihres digitalen Lebens gespeichert haben, der ihnen wichtig ist und nicht verloren gehen soll. Es verbergen sich in den Usertexten viele Schätze, deren Verlust für uns alle sehr schade wäre.

    Das alte jetzt wird deshalb nach und nach auf das neue jetzt übertragen, und Funktionen, die es in Zukunft nicht mehr geben wird, werden erst nach und nach abgeschaltet. Wir versuchen hier, die drängendsten Fragen dazu zu beantworten:

    Was passiert mit meinen Texten?
    Die bleiben auf jeden Fall erhalten. Wir werden das alte jetzt so lange zugänglich machen, bis jeder die Möglichkeit hatte, seine Inhalte zu sichern. Auch über den Relaunch hinaus, voraussichtlich über einen Zeitraum von mindestens einem Monat.

    Was passiert mit meinen Botschaften?
    Auch die werden so lange aufgehoben, bis das alte jetzt abgeschaltet wird. Das gilt auch für Gästebucheinträge, Forenbeiträge usw.

    Wie lange kann ich mich noch einloggen?
    Solange das alte jetzt noch da ist, kannst du dich noch einloggen und damit deine Texte und Botschaften sehen und sichern. Also auch über den Relaunch hinaus, voraussichtlich über einen Zeitraum von mindestens einem Monat.

    Wie lange kann ich noch Texte schreiben?
    Ab dem Launch der neuen Seite, also in etwa ab Ende Januar, können keine neuen Texte mehr geschrieben werden.

    Wie lange kann ich kommentieren?
    Ab dem Launch der neuen Seite können auf dem alten jetzt keine neuen Kommentare mehr geschrieben werden.

    Wie kann ich auf dem neuen jetzt kommentieren?
    Auf unserer neuen Seite werden wir Disqus einsetzen, ein weit verbreitetes und gut funktionierendes Diskussions-Tool, mit unter anderem die Kollegen von sz.de gute Erfahrungen gemacht haben. Du kannst dich dort jetzt schon anmelden und dort auch deinen momentanen jetzt-Usernamen sichern. Es gibt dort keine Klarnamenpflicht.

    Bis wann kann ich meine Texte, Bilder, Botschaften usw. noch löschen bzw. sichern?
    Löschen: Solange das alte jetzt da ist. Du wirst dich ja auch noch weiterhin einloggen können.
    Sichern: Voraussichtlich werden die alten Texte auch nach dem Abschalten des alten jetzt noch vorhanden sein: auf dem neuen jetzt, in neuer Optik. Sie werden dorthin umgezogen. Aber: Sie werden wahrscheinlich nicht mehr sortiert erscheinen, solche Listen wie auf “jetzt.de/username/texte” wird es nicht mehr geben. Sie sind dann also schwerer auffindbar, und wer sie dann erst sichern will, muss sie einzeln suchen. Also besser vorher machen. Weil einige danach schon gefragt haben: Einen Download-Button, mit dem sich ein ganzer User-Account samt Botschaften, Texten, Gästebucheinträgen als pdf oder ähnliches herunterladen lässt, können wir leider nicht anbieten. So eine Funktion wäre natürlich angenehm, ist aber ziemnlich aufwändig. Zu aufwändig für uns. Aber es gibt ein paar Tools, die zumindest bei manchen Sachen eine Hilfe sein können, apollyon hat das hier schon ganz gut beschrieben.

    Wir hoffen, keine wichtige Frage vergessen zu haben. Falls doch, bitte Bescheid geben. Du kannst uns hier antworten oder eine Mail an relaunch@jetzt.de schreiben.

    Eure jetzt-Redaktion



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  • 12/22/15--02:25: Klare Ansagen
  • Alle reden über Flüchtlinge. Aber so richtig konkrete Ansagen dazu, wie es in mit ihnen weitergehen soll, werden von Seiten der Politik oft nicht gemacht. Und dann ist da auch der Gedanke, dass uns dieses Thema noch sehr lange beschäftigen wird. Dass es das Thema unserer Generation ist, jetzt und in Zukunft. Also haben wir mal nicht die altgedienten Politiker gefragt, sondern ihren Nachwuchs: die Jugendorganisationen der Parteien. Was ist deren Meinung, was sind deren Lösungsansätze? Denn sie sollten uns ja offene und vorausschauende Antworten geben können – oder?

    Wir haben einen Fragebogen erstellt und ihn an die Jugendorganisationen von CDU, SPD, Linken, Grünen, FDP und AfD geschickt. Die Spielregeln: Der- oder diejenige, der oder die den Bogen ausfüllt, macht das stellvertretend für die Organisation. Eine Ausnahme bildet die letzte Frage, in der wir explizit nach einer persönlichen Erfahrung fragen. Damit die Antworten möglichst präzise und vergleichbar sind, haben wir ihre Länge begrenzt – mit der Regel, dass wir alles, was über die angegebene Zeichenzahl hinausgeht, nicht veröffentlichen.

    Alle sechs Jugendorganisationen haben mitgemacht. Sechs Mal Antworten auf jeweils acht Fragen zum Thema Flüchtlingspolitik. Ja: Das ist eine Verkürzung. Aber: Es schafft Klarheit. Konkrete Ansagen und ein paar sehr ehrliche Worte, an denen man ablesen kann, welche Organisation wo steht. Und die helfen, sich eine Meinung zu bilden und eine Haltung zu finden.






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    Ich bekam diese Mail:

    "Sehr geehrte Frau Schlüter,
    die Adresse info@jungealternative.de gehört zur kommunalen Wählervereinigung ‚Junge Alternative Zülpich’, die mit der Jugendorganisation der AFD nichts gemein hat.
    Beste Grüße
    Timm Fischer  
    Vorsitzender JA Zülpich"

    Vorher hatte ich an genau diese Mailadresse geschrieben. Ich wollte unseren "Fragebogen zur Flüchtlingspolitik", den wir an die Jugendorganisationen der Parteien verschickt haben, auch bei der Jungen Alternative, der Jugendorganisation der AfD einreichen – und hatte mich bei der Adresse vertippt, .de statt .com.

    "Ups, peinlich", dachte ich, als mich dann Timm Fischers Antwort erreichte. Timm Fischer, 35, ist der Vorsitzende der freien Wählergruppe "Junge Alternative" in Zülpich bei Köln, deren Wähler aus dem gesamten politischen Spektrum der Mitte kommen, weder extrem links, noch extrem rechts. Schnittmenge mit der AfD also eher so null. Darum habe ich Timm Fischer mal angerufen und nachgefragt, wie er das findet, wenn er Mails von Menschen bekommt, die denken, dass sie mit dem Nachwuchs von Deutschlands neuer Partei für Rechts-Wähler kommunizieren.



    E-Mail versenden erfolgreich. Aber leider an den falschen Empfänger.

    jetzt.de: Was hast du gedacht, als meine Mail kam?
    Timm Fischer: Ich dachte: "Schon wieder!" und hab erst mal geguckt, ob es eine Spam-Mail ist. War aber keine. Und da wusste ich: Ist wohl die Verwechslung, die uns schon bekannt ist.

    Das passiert also öfter?

    Ja, seit dem ersten Aufstreben der AfD und ihrer Jugendorganisation. Es kam auch schon mal die inoffizielle Anfrage, ob man unsere Domain kaufen könne...

    Inoffiziell?
    Ja, von einer Privatperson. Wir dachten uns aber, dass es mit der AfD zu tun hat, weil es zu der gleichen Zeit war, als es die ersten Meldungen über deren Jugendorganisation gab. Haben wir aber direkt abgelehnt, ohne auch nur über Geld zu sprechen.

    Welche falsch verschickten Nachrichten kriegst du denn so?

    Es kommen öfter Mitgliedsanträge oder sogar interne Informationen von verschiedenen Landesverbänden.

    Du kennst dich jetzt also gut aus mit der AfD?

    (lacht)
    Naja, wir haben das jetzt nicht studiert oder irgendwo gespeichert.

    Antwortest du auf diese Mails?
    Meistens schreiben wir, dass sie sich vertan haben – aber auf die internen Mails antworten wir meistens nicht.



    Timm Fischer, unfreiwilliger AfD-Auskenner

    Wieso nicht?

    Na, als eine Art kleine Rache wegen der Namensdopplung. Die passt uns ja auch nicht hundertprozentig!

    Wegen der Politik der AfD?

    Ja. Das ist jetzt noch kein großes Problem, weil wir hier in der Stadt noch keine AfD haben und die Jugendorganisation darum auch nicht neben uns auf dem Wahlzettel steht. Aber über kurz oder lang wird es die sicher auch hier geben. Man dachte ja eine zeitlang, es hätte sich bald erledigt mit der AfD, aber durch die ganze Flüchtlingsthematik ist sie wieder da.

    Schon mal drüber nachgedacht, sich umzubennen?

    Nein, wenn eine Verwechslung passiert, dann ja eher die, dass jemand aus Versehen uns wählt, der die AfD wählen wollte, als andersrum. Und das wäre wieder eine Art Mini-Rache!

    Ist dir irgendeine Nachricht besonders in Erinnerung geblieben?

    Nein, mich wundert nur manchmal die Selbstverständlichkeit, mit der die Leute schreiben. Selbst, wenn es die richtige Adresse wäre, ist es ja immer noch eine allgemeine info@-Adresse ­ – und die fangen ihre Nachrichten trotzdem mit "Was ich Ihnen noch mal sagen wollte..." an. Aber vielleicht sind die, die da schreiben, auch einfach noch sehr klein...

    Und wenn man darauf mal ernsthaft antworten würde? Indem man so tut, als sei man wirklich von der AfD...

    Ach, man muss ja auch nicht unnötig Ärger provozieren. (lacht)

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    Das ist...

    Veit Kuehne, der vergangene Woche Pegidagründer Rene Jahn als „Rechtsradikalen“ bezeichnete und daraufhin vom Publikum beschimpft und von den Organisatoren immer wieder unterbrochen wurde. Der Hintergrund: Zum sogenannten Bürgerdialog riefen nicht nur Pegida, sondern auch die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung und der Dresdner Oberbürgermeister auf. Noch während der Veranstaltung ging das Video viral und Veits Reaktion wurde online tausendfach geteilt und gefeiert. Allerdings nicht von allen: Am nächsten Tag hatte der Aktivist eine beunruhigende Facebook-Nachricht von Pegida-Gründer Rene Jahn im Postfach, der ihm mit einer Klage drohte. 



     

    Doch Veit ließ sich nicht einschüchtern und fragte die Facebook-Gemeinde um Rat.  Sofort boten ihm mehrere Anwälte und Richter online ihre Hilfe an. Sie alle sind sich einig: Jemanden als „rechtsradikal“ zu bezeichnen ist nicht strafbar. „Sollte es tatsächlich zu einem Rechtsstreit kommen, freue ich mich drauf, das in einem Gerichtssaal wiederholen zu dürfen“, sagt Veit im Interview. 

    Der kann...

    den Mund aufmachen wenn es drauf ankommt. Wenn die Dresdner Politik nur ein Jahr nach der Gründung von Pegida rechten Parolen eine offizielle Bühne bietet. Wenn Rechtsextremismus wieder Aufwind bekommt und zu den Gegendemonstrationen nur noch einige hundert Menschen kommen. Wenn denen, die für eine offene Stadt sind, die Worte fehlen. Während in der Kreuzkirche offen gegen Flüchtlinge gewettert wurde und rechte Aussagen weder unterbrochen, noch kommentiert wurden, brachte der Satz „Pegida ist das Problem dieser Stadt“ das Publikum zum Ausrasten. „Mit dieser extremen Reaktion hatte ich nicht gerechnet“, sagt Veit im Interview. „Aber sie spiegelt auch die Stimmung in der Stadt. Und sie bestätigt mich darin, dass man nicht aufhören darf, Kontra zu geben.“  

    Der geht...

    trotzdem weiterhin zu allen Dialogveranstaltungen mit Pegida. Als die Bewegung sich gründete, suchte Veit sogar noch das offene Gespräch mit den Initiatoren Kathrin Oertel und Rene Jahn. Damals glaubte er noch an einen offenen und respektvollen Austausch. Die Kommentare auf seiner Facebookseite zeigen allerdings, dass die Stimmung in Dresden Seitdem gekippt ist. Trotzdem nimmt sich Veit die Zeit, auf gehässige und beleidingende Kommentare selbst zu antworten. „Das Gespräch darf nicht abbrechen, dann überlassen wir Pegida das Feld“, meint er. Über seine Facebookgruppe International Friends Dresden veranstaltet er wöchentliche Gesprächsrunden für Neu- und Altdresdner, zu denen er auch aml Rene Jahn persönlich einludt.
    Kontra geben bedeutet für Veit auch, Dresden eine andere Stimme zu geben als die der Fremdenfeindlichkeit. Er gründete deshalb den Blog Humans of Dresden, wo täglich Bewohner der Stadt mit ihren individuellen Geschichten vorgestellt werden: Aktivisten, Ehrenamtliche,   Flüchtlinge und manchmal auch Pegida-Anhänger. Die Message: „Wir wohnen alle in dieser Stadt. Hinter jedem Gesicht steckt eine eigene Geschichte und die sollten wir uns anhören.“  

    Wir lernen daraus, ...

    dass in Dresden etwas wahnsinnig schief läuft, wenn die Landeszentrale für politische Bildung eine Bühne für Pegida organisiert. Dass Pegida damit nach nur einem Jahr tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Dass Meinungsfreiheit bei Pegida eben nur die Freiheit einer Meinung bedeutet. Dass es viel Energie bedarf, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Dass es sich aber lohnt. Und dass Facebook einem dabei helfen kann. Dass es genug Anwälte gibt, die Lust haben, einen Rechtsstreit gegen Pegida zu gewinnen.  

    Nur Google weiß über ihn, dass...
    Veits politische Karriere mit 15 Jahren bei der FDP begann. Auch heute bezeichnet er sich als liberal, auch wenn man das in Dresden nicht gerne hört: „Die Vorstellung, dass alle, die sich gegen Pegida äußern, linksextreme Krawalllustige sind, ist totaler Quatsch. So will man sich nur vor Kritik schützen und weitere Ängste schüren“, sagt er.   


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    Vergangenes Jahr um diese Zeit gab es kein Weihnachten. Das hatte ich sorgfältig so geplant. Es ist nicht so, dass ich Weihnachten nicht mag. Im Gegenteil. Ich liebe das ganze Drumherum. Die Weihnachts- a.k.a. Wintermärkte, das hektische Rumgewusel kurz vor Heiligabend und das klebrige Gefühl, das sich im ganzen Körper ausbreitet, nachdem man zu viel Glühwein getrunken hat. Nur auf den 24. hatte ich eben keine Lust. Wie wäre es, das ganze Weihnachtstralala zu genießen, aber eben auf diesen einen Abend zu verzichten? Dieser Abend, den die meisten Menschen mit ihrer Familie feiern und der mindestens so viel Konfliktpotenzial birgt wie die erste Autofahrt mit den Eltern nach der Führerscheinprüfung.

    Der 24. ist für die Familie reserviert. Menschen, die sich dem entziehen, haben in der Regel einen triftigen Grund. Eigene Kinder zum Beispiel. Arbeiten müssen. Oder im Ausland sein. Wobei die Person dann trotzdem per Skype unter den Weihnachtsbaum gebeamt wird, alle Lieder mitsingen muss und symbolische Gutschein-Geschenke verteilt. So einen Grund hatte ich nicht. Deshalb kam ich in den Wochen vor Heiligabend aus dem Rechtfertigen kaum noch raus. Hast du Streit mit deiner Familie? Ist etwas Schlimmes passiert? Winterdepression? Die Begründung „Ich habe einfach keine Lust auf Weihnachten“ wird von den Wenigsten akzeptiert. Und am wenigsten von der eigenen Familie. „Ich feiere dieses Jahr allein“ wird als symbolischer Mittelfinger an die ganze Verwandtschaft aufgefasst.

    Weihnachten ist eine Zeitreise


    Und das ja auch ein bisschen zu recht. Aber eben nicht, weil man die Familie nicht mag, sondern weil es so schwer ist, mit dieser Entscheidung in Ruhe gelassen zu werden. Beim Studienwunsch redet mir niemand rein. Ich kann nach Hause bringen, wen ich möchte. Und so langsam akzeptieren die Eltern auch, dass man in der Lage ist, sich selber mal was anderes als Nudeln zu kochen. Aber Weihnachten? Da fühlt man sich zurückkatapultiert in eine Zeit, in der man noch absolut gar nichts mitzureden hatte, weil eh alles klar war.

    Mit der bewussten Entscheidung gegen diese Zeitreise wächst auch der Druck von außen, doch noch ein Last-Minute Ticket zu buchen. Und der lässt auch wirklich erst dann nach, wenn das letzte Sparticket bei der Bahn verkauft und der letzte Billigflieger nach Hause abgeflogen ist. Also am 24. Und dann? Ruhe. Eine ganz verrückte Ruhe. Wer nicht gerade neben einer Kirche wohnt, sollte sich jetzt mal aufs Sofa legen und einfach nur lauschen. Klar, man könnte jetzt so richtiges Anti-Programm machen, sich einen Wein gönnen, Serien schauen und Pizza bestellen. Aber man kann sich auch einfach auf dieses Sofa-Zeit-Vakuum einlassen und den Schwebezustand genießen. Der fühlt sich an, als würde man ein ganz besonderes Stück Zeit geschenkt bekommen, das es so nur am 24. Dezember zwischen 18 und 22 Uhr gibt. Eine Zeit, in der absolut nichts passiert. Es kann auch gar nichts passieren. Wer sollte schon anrufen? Was müsste schon bis morgen fertig sein?

    Am 24. Dezember ist Alleinsein eine besondere Herausforderung. Aber anders als beim Alleinsein im Café oder in der Bar, gibt es hier niemanden, der einen skeptisch beobachtet. Der soziale Druck ist gleich Null, weil alle in ihren Wohnungen sitzen. Jetzt lohnt es sich besonders, mal eine Runde um den Block zu drehen. Mitten auf der ausgestorbenen Hauptstraße zu spazieren. Die Nase an überladene Glitzerschaufenster zu drücken. Und sich später im einzigen offenen Asia-Imbiss etwas für zu Hause mitzunehmen, um sich so schnell wie möglich wieder ins Sofa-Vakuum zu begeben. Im Idealfall schläft man dann einfach ein und Weihnachten ist vorbei. Oder man entscheidet sich doch noch für den obligatorischen Familienanruf. Und dann passiert etwas Seltsames.

    Wenn man nämlich plötzlich diese seit über zwanzig Jahren vertraute Geräuschkulisse im Hintergrund hört, während Mama aufzählt, was es alles zu essen gab und wer wieder viel zu laut und schräg in der Kirche gesungen hat, dann wünscht man sich vielleicht doch ein bisschen, dabei gewesen zu sein. Aber man merkt auch, dass die Entscheidung, nicht dort zu sein, in ihrer Endgültigkeit akzeptiert wurde. Und dass das alle schade finden.

    Es geht nicht um pubertäres Aufbegehren


    Dabei geht es ja gar nicht ums Türenknallen. Ich wollte mit dieser Entscheidung niemanden verletzen, kein Familiendrama heraufbeschwören. Im Gegenteil. Ich bin sehr gerne mit meiner Familie zusammen. Aber eben lieber im entspannten Zustand. Die Verwandtschaft vor der Eskalation zu bewahren, indem man sich selber rausnimmt, ist also eher ein Liebesbeweis, als eine Beleidigung. Wenn ich ehrlich bin, so ganz unbeteiligt war ich an diesen Weihnachtsdramen nämlich auch nie. Es geht also nicht um postpubertäres Aufbegehren.

    Das erste Mal allein Weihnachten feiern ist das letzte große Stück Emanzipation von den Eltern, das man sich nach Auszug und finanzieller Unabhängigkeit noch erkämpfen muss. Aber wenn die Entscheidung dann einmal akzeptiert wurde, lässt es sich im nächsten Jahr wieder umso besser zusammen feiern. Dann kann man gemeinsam mit der Familie auf dem Sofa liegen und den Stress mit einer neuen Gelassenheit genießen.

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  • 12/23/15--23:00: Und?
  • Freundin T. also, und zwar mit dem Bekannten P.: Eine ganz übliche Bar-Feierszene eigentlich. Ein bisschen tanzen, ein bisschen flirten. Und dann eben ein bisschen miteinander nach Hause gehen. Ich habe da an sich ein recht gesundes Desinteresse – wollte ich sagen. Aber eigentlich stimmt das natürlich nicht. Man hat schließlich eben gerade kein Desinteresse, auch kein gesundes, wenn Freunde und Bekannte jemanden abschleppen. Es gibt ja so schon kaum etwas Aufregenderes als die Anziehung zwischen Menschen. Bei Freunden gebieten es dann wohl auch noch Anstand und Interesse, nachzufragen.
     
    Wenn man selbst schon lang in einer durchaus stabilen Beziehung steckt, ist das allerdings ein besonders kniffliges Kapitel im großen Buch „Wie ich mich als Pärchen gegenüber Singles verhalte“.




    „Wir so: Der Opa und ich, wir haben in 56 Ehejahren nicht einen Tag getrennt geschlafen. Du so: Arme Wurst.“

    In diesem Fall sogar noch etwas kniffliger. Ich mag Freundin T. sehr gerne und halte den Bekannten P. für einen kapitalen Scheißkopf; wenn auch in sehr nett. Freundin T. hatte in den vergangenen Monaten (eigentlich Jahren) wenig Glück bei der Partnersuche, der Bekannte P. etwas zu viel. Das ist keine gute Kombination, also war ich angemessen besorgt. Und weil Sorge doch schnell mit einem Bein im Feld von Mitleid - also fast auch im Bereich der Überheblichkeit - steht, war ich auch noch besorgt, zu besorgt zu wirken. Mütterlich. Oder paternalistisch. Oder eben irgendetwas anderes, das man gegenüber Freunden nicht sein sollte.
     
    Es wird also nicht überraschend, dass das „Und?“, das ich am nächsten Tag am Telefon irgendwann nonchalant fallenlassen wollte, und tatsächlich nach sieben Sekunden maximalverkrampft hervornäselte, mit Anlauf misslang. Wenigstens gefühlt schaffte ich es sogar, die beiden Pole freundschaftlicher Grenzwertigkeit in diese eine Silbe zu packen: übertriebene, und damit kleinmachende Sorge – und Sensationsgier.
     
    Denn das ist es doch, was viel zu oft rüberkommt, wenn Pärchen-Menschen ihre Single-Freunde nach deren Flirts, Affären oder One-Night-Stands fragen. Entweder, sie klingen wie ihre eigenen Großmütter, oder wie eine Reporterin der Gala, die wissen möchte, wie der Fürst von Irgendwas denn nun so war – knick knack.
     
    Wie ihre eigenen Großmütter, weil ihr Wertesystem („Wir so: Der Opa und ich, wir haben in 56 Ehejahren nicht einen Tag getrennt geschlafen. Du so: Arme Wurst.“) in der Frage mitschwingen kann. Dann nämlich, wenn das „Und?“ wissen will, ob der Sexualpartner von gestern denn nun Beziehungsmaterial von morgen sei. Endlich mal. Weil das doch schließlich das einzige sei, was zählt. Weil es so leicht assoziiert, dass der andere ja bestimmt auch will, was man selbst hat – eine Beziehung. Und weil es narzisstisch ist, wenn man mit dieser Annahme falsch liegt. Und demütigend, wenn man recht hat.
     
    Wie säftelnde Boulevardmedien wiederum, weil die wahrscheinlich legitime Neugier doch so furchtbar leicht kippt. Weil: Neu- und Sensationsgier – den will ich kennenlernen, der das in jeder Lage absolut trennscharf auseinanderklamüsert. Und allzu leicht labt man sich dann doch insgeheim etwas an der ganz außeralltäglichen, noch bettwarmen Erotik, die so ein One-Night-Stand oder Flirt oder eine Affäre zurücklässt – zumindest, wenn es gut war.
     
    Was nun den Ausweg aus dem Dilemma betrifft: Habe ich nicht. Wie auch? Es ist ja tatsächlich eine dieser ungeneralisierbaren Von-Fall-zu-Fall-anders-Situationen, abhängend davon, wie man in der Freundschaft sonst miteinander redet, wie viel und in welchem Ton man sich solche Dinge erzählt und wie glücklich oder unglücklich das Single-Leben ist? So Kram eben. Aus der Mögliche-Fragen-Liste, die ich unter Freunden und Kollegen in den vergangenen Tagen gesammelt habe, war mir jedenfalls diese am sympathischsten: „Habt ihr geknutscht?“ Die lässt viel Luft nach oben und etwas nach unten. Man kann also noch gut ausweichen, bevor es krampfig würde. Und ein niedliches Wort enthält sie auch.
     
    Der Scheißkopf P. stellte sich übrigens als ganz umfassend galanter Gentleman heraus. Er klärte im Vorfeld (und offenbar auch noch im genau richtigen Ton), dass er keine Beziehung will. Und am nächsten Tag fuhr er Freundin T. wie versprochen nach Hause. Frühstück hat er ihr auch noch gemacht. T. äußerte sich begeistert, will aber auch nicht mit ihm zusammen sein.

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  • 12/24/15--03:00: An einem Sonntag im April
  • Man sollte sich ja eigentlich eh viel öfter freuen, kein Kind mehr zu sein. Hauptsächlich, weil man alleine wohnen darf und selbst entscheiden, wann man aufsteht, was man isst, wer sich wie lange bei einem zu Hause aufhält und was man sonst so aus seinem Leben macht. In diesem Winter sollte man sich aber besonders freuen, kein Kind mehr zu sein. Kinder nämlich wollen an Weihnachten Schnee. Alle Kinder. Immer. Und in diesem Winter gibt es keinen Schnee. Vielleicht gibt es einfach nie wieder Schnee. Es gibt ja nicht mal Frost oder Glatteis oder abgefrorene Finger auf dem Fahrrad. Einige sagen, München wird in Zukunft das Klima Veronas haben, Nürnberg das von Turin. Kinder fänden das blöd. Ich finde das toll.

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    Ich finde die Jahreszeit, die da gerade neu entstanden ist, überhaupt sehr interessant. Es ist ja nicht einfach nur ein warmer Winter, der die Stadt erfasst hat. Es ist ein komplett verwirrter Mutant aus Herbst und Frühling. Es ist so ein Science-Fiction-Winter, ein ganz seltsamer meteorologischer Zustand, der fast schon eine dunkle Endzeit-Szenario-Vorahnung in sich trägt.
     
    Manchmal jedenfalls glaube ich, mich in einem Emmerich-Film zu befinden. In einer Szene, in der kurz mal von den alarmierten, sich schon komplett in Katastrophen-Action befindenden Protagonisten im Pentagon zu den ganz normalen, nichts ahnenden Leuten nach Hause geschnitten wird. Und die wundern sich ganz still und naiv über die Veränderung der Natur: „Huch“, sagt eine Frau in Bogenhausen zu ihrem Mann, „der Feigenbaum auf dem Balkon treibt Blüten.“ Man sieht jemanden frühstücken, in einem dieser sehr lichtdurchlässig renovierten Häuser in Laim vielleicht, bei offenem Fenster und Sonnenschein. Und rein kommt eine dicke, schwarze Fliege und nervt diesen Jemand und sein Käsebrot, und im Hintergrund schmücken Kinder barfuß und im Unterhemd den Weihnachtsbaum. Es ist frisch draußen, aber nicht kalt. Man sieht das an Jungs, die in knielangen Hosen Fußball spielen. Und an Menschen, die auf dem Schwabinger Weihnachtsmarkt Glühwein trinken und dabei Pullover und Turnschuhe tragen. Na, und so weiter.
     
    So kommt mir das vor. Aber es stört mich überhaupt nicht. Ich mag es, dass ich nachts im Frühlingsmantel von Schwabing ins Kino am Stachus spazieren gehen kann, ohne dass mir Nase, Zehen und Finger abfrieren. Im vergangenen Jahr habe ich mir mitten auf einem zwar schneelosen, aber eisigen Winterspaziergang bei minus fünf Grad durch die Altstadt noch in einem hysterischen Ich-erfrier-gleich-Anfall beim Sport Scheck in der Fußgängerzone für 150 Euro warme Skiunterwäsche gekauft und sofort anbehalten. Ich hatte sie seither nie wieder an. Das Zeug lag nur in meinem Schrank rum und hat meine Sammlung hässlicher, platzraubender Winterkleidungsstücke vergrößert.
     
    Es hat mich schon immer geärgert, dass man in unseren Breitengraden so viele verschiedene Klamotten vorhalten muss, weil die Temperaturunterschiede so gewaltig sind. Beziehungsweise: waren! Bin ich froh, dass diese Zeiten vorbei sind. Jetzt brauche ich meine Wollunterwäsche nicht mehr. Vorm Sport Scheck recken die Menschen in diesem Jahr zu Weihnachten ihre Gesichter der Sonne entgegen und ziehen die Übergangsjacke aus, weil sie nicht wie ich vor einem Jahr einen hysterischen Kälte-, sondern einen Hitzeanfall erleiden. Ich finde das toll. Ich liebe es, nicht mehr am Woolrich-Laden vorbeizugehen und mir zu denken: Wäre wohl das einzig vernünftige, sich endlich mal so eine langweilige, aber dafür effiziente Jacke gegen die Kälte zuzulegen. Oder ein Paar von diesen hässlichen gefütterten Stiefeln, die alle gleich aussehen.

    Ich verspüre auch nicht mehr die Not, nach Süditalien auszuwandern in den Wintermonaten. Ich kann hier bleiben. Überhaupt gehe ich derzeit gern raus und schaue mir, ohne zu frieren, diese komplett neuartige, herrlich milde und seelenfreundliche Jahreszeit an. Aller Endzeitgefühle zum Trotz. Die Menschen in Lenggries oder so, die vom Skifahrgeschäft leben, die tun mir leid. Aber ich tue mir ganz und gar nicht leid. Und um grauen Schneematsch in den Straßen und abgefrorene Zehen tut es mir erst recht nicht leid.

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    Niemand kennt eine Straße so gut wie die Menschen, die in ihr leben. Deshalb bitten wir hier regelmäßig junge Münchner, uns ihre Straße zu zeigen – die schönsten Ecken, die besten Läden, die schrulligsten Typen, die nettesten Anekdoten. Heute:
     



    Xenia, 23, Veranstaltungskauffrau


    Ich wohne erst seit ein paar Wochen in der Ganghoferstraße, aber ich finde es hier jetzt schon besser als alle anderen Viertel, in denen ich je gewohnt habe.
     
    Direkt vor meiner Haustür ist die Café-Bar Mustang, eine Art kroatische Kneipe mit Spielautomaten, türkisen Plastik-Sesseln und einer ganz einfachen Getränkekarte. Immer geöffnet. Ich komme ab und zu hierher und nehme Bier mit. Die Betreiber sind sehr nett und lustig. Einmal musste ich für jedes Bier, das ich kaufen wollte, einen „Sliwo“ trinken. Irgendwas Interessantes erlebt man hier immer und es hat etwas sehr Authentisches und Sympathisches.
     
    Ums Eck sind noch das Brückenstüberl und das Pfeuferstüberl. Das sind ganz normale Boazn, bei denen man sich sicher sein kann, dass die nicht übermorgen schon wegen Gentrifizierung schließen müssen, sondern hier noch ein paar Jährchen prima leben können. Das ist mir mit meiner Lieblingskneipe im Glockenbach passiert. Das ist halt das Schöne hier am Eck, es ist alles noch ganz normal und ausgeglichen. Im Glockenbach zu wohnen, das hat immer so „fancy“ geklungen, ich musste trotzdem immer raus ins Westend oder in andere Viertel fahren, wenn ich meine Freunde treffen wollte – weil es sich am Gärtnerplatz einfach keiner mehr leisten kann, regelmäßig einen Kaffee trinken zu gehen.
     
    Außerdem gibt’s, obwohl das hier ja schon in vielerlei Hinsicht ein ganz schönes Industriegebiet mit vielen Büros und Firmen ist, überraschend viel Grün. Zum Beispiel den schönen Bavariapark und den Westpark. Und die alte Kongresshalle mit der Kongressbar und dem Biergarten. Da habe ich schon meine ersten Sommer in München verbracht, weil ich das Gelände so gern hab. Und die alte Kongresshalle wird ja meines Erachtens nach als Veranstaltungsort total unterschätzt.

    Ein sehr gutes Curry soll es wohl beim Inder Ayurveda geben – das auszuprobieren, steht auf jeden Fall noch aus!
     
    Gleich gegenüber von meiner WG sind unter der Brücke zum Bavariapark die Otto-Steidle-Künstlerateliers, in denen alle drei Jahre junge Künstler für eine gewisse Zeit arbeiten dürfen. Im vergangenen Sommer gab es auch mal eine Ausstellung der verschiedenen Künstler, und man konnte sich die Ateliers von innen ansehen.

    Interessant ist auch so ein Club direkt hier ums Eck, das Nerodom. Untertitel: „Der Schwarze Club“. Da feiern die immer so Vampir- oder Mittelalterpartys, und dann sieht man Goths oder Maskierte vorbeiziehen.
     
    Jeden Donnerstag ist an der U-Bahn Station Schwanthalerhöhe außerdem ein sehr netter Wochenmarkt mit Produkten aus der Region. Für Cappuccino und den mit Abstand besten Kuchen des ganzen Westends gehe ich gerne ins Heldenspeißen. Eigentlich ist das eine Salatbar mit großer Auswahl an selbstgemachten Salaten aus allen Ecken der Welt. Mutter und Tante eines Freundes von mir betreiben die Bar. Um den Abend mit ein paar Drinks ausklingeln zu lassen, ist das Ca Va in der Kazmairstraße eine super Bar – das Essen dort kann ich auch nur empfehlen.

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  • 12/24/15--23:00: Der Punkrock-Richter
  • Wenn Schulklassen eine Verhandlung am Sozialgericht Berlin besuchen, begegnen sich Yonas’ beide Welten manchmal. Neulich stand nach der Sitzung mal wieder ein Mädchen vor dem Richterpult und hielt ein paar CDs in der Hand. Sie wollte ein Autogramm von ihm, dem Vorsitzenden Richter. Doch an dem Gericht herrschen Kontrollen wie am Flughafen. Und so hatten die Sicherheitsleute ihr den Filzstift abgenommen, bevor sie den Saal überhaupt erreicht hatte. Eine Anekdote, wie sie nur Yonas Farag erzählen kann - Deutschlands einziger Richter, der auch Punkrocker ist.


    Yonas Farag bewegt sich in zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. 

    Es ist Donnerstagvormittag in Berlin. In der Nähe des Wannsees fährt ein weißer Mercedes Sprinter auf einen Parkplatz. Dellen, Kratzer und Aufkleber-Reste, eine Schiebetür, die nur noch von außen aufgeht. Selten sieht ein Bandbus so sehr nach Bandbus aus. Yonas Farag, 33, nimmt noch einen Zug an seiner Kippe, hievt seinen Rollkoffer auf die Rückbank und steigt hinterher. Wenn er wie heute Morgen noch im Büro war, stößt er als letzter zur Band. Bassist Hirsch und Schlagzeuger Max Power sitzen schon da. Sie machen sich auf den Weg nach Cuxhaven. Am Abend spielen sie dort auf dem Deichbrand-Festival.
     
    Yonas Farag ist Gitarrist bei Montreal, einer der bekannteren deutschen Punkbands. Seit 2003 haben sie fünf Alben aufgenommen und sind durch 17 Länder getourt. In der gleichen Zeit hat Yonas auch Jura studiert, ist Rechtsreferendar geworden, dann Staatsanwalt. „Punk wird ja häufig verstanden als Dosenbier und Schäferhunde“, sagt er. „Davon sind wir weit entfernt.“ Heute ist er Richter am Berliner Sozialgericht. Und immer noch bei Montreal.

    Die Frage: Punk und Staatsdienst, ist das noch ein Widerspruch? Yonas arbeitet immerhin in einem Land, in dem der Fraktionschef der CDU nach dem Wahlsieg bei der Bundestagswahl 2013 einen Song der Toten Hosen gegrölt hat. Wie subversiv ist Punkrock noch? Und wie liberal der Justizapparat, wenn es um die Hobbys seiner Beamten geht? Die Geschichte von Yonas Farag zeigt, dass es im Jahr 2015 womöglich keinen besseren Job für Punkrocker gibt, als Beamter im Staatsdienst zu sein.

    Die Berliner Senatsverwaltung bestellt Yonas ein. Auf dem Tisch: Songtexte seiner Band


    Dabei macht Yonas zu Beginn seiner Juristenlaufbahn andere Erfahrungen. Als junger Staatsanwalt klingelt einmal das Telefon im Sitzungssaal. Die Senatsverwaltung für Justiz, die oberste Aufsichtsbehörde der Berliner Gerichte, bestellt Yonas für den nächsten Tag ein. Als er zum Termin erscheint, liegen Songtexte seiner Band ausgedruckt auf dem Tisch. Zum Beispiel der zum Song „Solang die Fahne weht“, die erste richtige Single von Montreal. Das Video läuft zu der Zeit auf MTV. Es geht um Anpassungsdruck in den Subkulturen. Eine Zeile lautet: „Hast du keinen Nietengürtel, bist du nichts in deinem Viertel“. „Meine Vermutung ist, die haben einfach den Titel gelesen und an die Neonazi-Wiking-Jugend oder so was gedacht“, sagt Yonas.

    Die Bedenken kommen nicht von irgendwoher. Tatsächlich arbeitete im oberfränkischen Lichtenfels bis vergangenes Jahr ein bekannter Neonazi als Richter. War den Behörden vorher irgendwie entgangen. In Baden-Württemberg wurde wiederum ein Lehrer und Death-Metal-Musiker 2010 von der Schulaufsicht gedrängt, sein Referendariat abzubrechen. Vorwurf: Seine Band Debauchery würde Gewalt und Missbrauch von Frauen verherrlichen.

    Yonas sitzt also in der Senatsverwaltung und erklärt, was Montreal so machen. Am Ende glauben sie ihm, dass die Band mit Rechtsextremismus nichts zu tun hat. „Ich dachte, die Sache hat sich damit erledigt.“ Doch bald darauf meldet sich das Vorzimmer des Generalstaatsanwalts, des obersten Staatsanwalts in Berlin. Yonas muss wieder antreten. Zwei Stunden dauert das Gespräch diesmal. Musik fällt unter die Kunstfreiheit und muss nicht als Nebentätigkeit genehmigt werden. „Ich glaube, er wollte mir ins Gewissen reden, dass ich das trotzdem besser bleiben lasse. Der hat das Reizwort Punk gehört und uns sofort in einer Ecke verortet.“ Später bekommt Yonas einen Brief, in dem nur steht: Einer Genehmigung bedarf sein Hobby nicht. Alles gut.

    Yonas und seine zwei Bandkollegen kommen aus der Kleinstadt Schwarzenbek östlich von Hamburg. 1999 fangen sie an, zusammen Musik zu machen, seit 2003 als Montreal. Da ist Yonas schon Jurastudent. „Nach dem Abi wollte ich erst mal Musik machen. Ich dachte, nebenbei kann ich noch was Sinnvolles tun. Dümmer wird man davon ja nicht.“ Der Band wegen bleibt er zum Studieren in Hamburg. Im vierten Semester erscheint das Debüt-Album „Alles auf Schwarz“.

    Das erste Staatsexamen schreibt Yonas 2006 – parallel ist er mit der Bloodhound Gang auf Tour


    Ankunft auf dem Deichbrand-Festival. Ausladen, Aufbau, Warterei und ein paar Wodka-Bull. Dann gehen Montreal auf die Bühne. Das Rockfestival gehört mit 45 000 Besuchern inzwischen zu den größten in Deutschland. Der Donnerstag ist ein Warmlaufen fürs Wochenende, noch sind nicht alle Besucher angereist. Zur Showtime um 19 Uhr ist das Zelt ordentlich gefüllt. Das Karohemd, mit dem Yonas morgens aus dem Büro gekommen ist, hat er abgelegt. Darunter trägt er ein weißes, ärmelloses Shirt. Es wirkt wie ein klassisches Unterhemd, wie es Leute mit Bürojob eben so tragen. Wäre da nicht der Schriftzug auf der Vorderseite: „Fass mir an die Füße“ – ein Fanshirt der befreundeten Punkband Das Pack. Dazu trägt Yonas immer noch eine graue Jeans und Leinenturnschuhe. Für die Verwandlung vom Richter zum Punkrocker muss er sich nicht umziehen.

    Das erste Staatsexamen schreibt Yonas 2006, parallel ist er mit der Bloodhound Gang auf Tour. „Am Montag hatte ich eine Prüfung, am Samstag zuvor haben wir in Nürnberg gespielt. Auf der Rückfahrt ist unser Bus liegengeblieben. Das war der Moment wo ich dachte: Jetzt geht’s zu Ende. Aber irgendwie sind wir nach Hamburg zurückgekommen und das war meine beste Klausur im ganzen Examen.“ Im entscheidenden Jahr seines Studiums spielen Montreal mehr als hundert Konzerte.

    >> Auch in anderen Punkbands spielen Musiker, die sonst für den Staat arbeiten <<
    [seitenumbruch]

    Was tun, wenn die Gerichtspräsidentin fragt, ob man auf der Weihnachtsfeier spielen möchte?



    Yonas’ Arbeitsplatz, das Sozialgericht Berlin, liegt direkt gegenüber des Hauptbahnhofs. Ein Neorenaissance-Bau von 1875, große schwere Eingangstür, alte Holztreppen führen nach oben. In Sitzungssaal 208 sitzt Yonas in Robe, neben ihm zwei ehrenamtliche Richterinnen. Eine Vertreterin des Versorgungsamts kommt mit Rollköfferchen herein, kurz darauf der Kläger, ein Rentner im gestreiften Hemd. Seit einem Herzinfarkt hat er einen Schwerbehindertenausweis, irgendwann kam noch Diabetes dazu. Er klagt auf einen höheren Grad der Behinderung. Yonas hört sich die Beschwerden des Mannes an, fragt nach, zitiert aus Gutachten. Die Sitzung gleicht mehr einem Beratungsgespräch als einer Verhandlung. In dem Fall sieht er keine Chancen für die Klage. Auf seinen Rat hin zieht der Kläger sie zurück. „Seien Sie vorsichtig“, sagt Yonas zum Abschied, langsam verlässt der Mann den Saal.

    Yonas’ Büro im Sozialgericht liegt in einem Anbau an das historische Gebäude. Eine kleine Topfpflanze steht darin, Wasserflaschen, auf dem Tisch liegen Akten, daneben ein paar überreife Bananen, die einen süßlichen Geruch verbreiten. Nichts deutet darauf hin, dass hier der Gitarrist einer Punkband seine Urteile tippt.

    Wenn Yonas direkt von der Arbeit in den Tourbus steigt, braucht er Zeit zum Umschalten. Auf weiten Strecken hat er manchmal Akten dabei. Die fünfstündige Fahrt zum Deichbrand nach Cuxhaven fällt auf eine ruhige Woche am Gericht. Yonas döst, blättert durch die Zeit und den Kicker. Die ersten Stunden spricht er wenig. „Bei uns wird zwar nicht groß rumgepöbelt und gesoffen, aber das sind halt meine besten Freunde und mit denen rede ich anders als mit Klägern oder Anwälten.“ In Yonas’ Beruf geht es um Menschen, die auf einen Schwerbehinderten-Parkausweis hoffen. Im Tourbus geht es darum, dass der Kaiser’s im Wedding abgerissen wird – „der einzige Supermarkt, den man mit dem Auto anfahren konnte, um nach Festivals das Leergut abzugeben. Da kommt ja schon immer einiges zusammen.“

    Ist er auf der Bühne und im Verhandlungssaal der gleiche Typ? Zumindest erfüllt er beide Rollen mit großer Unaufgeregtheit. Auf Tour haben Montreal nur einen Soundmischer dabei, sonst machen sie alles selbst. Sie gehen einfach auf die Bühne, sagen „Hallo“ und legen los. Nach dem Konzert posiert Yonas im Graben vor der Bühne für Selfies. Vor einer Gerichtssitzung reicht er den Beteiligten die Hand, fragt nach, ob die offenen Fenster okay sind. Dass bei seinem Eintritt in den Saal alle aufstehen, scheint ihm eher unangenehm zu sein. Manchmal sagt er sofort: „Bleiben Sie sitzen.“

    Im Backstage-Bereich eines großen Festivals geht es zu wie auf einem großen Familientreffen. Nur mit mehr Alkohol und weniger Frauen. Man begrüßt sich, trinkt ein Bier zusammen, spielt eine Runde Tischtennis. Irgendwann komme natürlich oft die Frage, was man sonst eigentlich so mache. „Manchmal gab es erstaunte Blicke zu meinem Beruf.“ Aber eine Diskussion darüber hat er noch nie geführt.

    Eigentlich ist sein Job sogar ziemlich praktisch für ein Musikerleben. Montreal waren im Frühjahr auf einer kleinen Deutschland-Tour, im Sommer spielen sie große Festivals, im Herbst nochmal eine Clubtour. Alle zwei Jahre gehen sie ins Studio. Um das Management kümmert sich zwar Hirsch, aber auch Yonas ist gut beschäftigt. Trotzdem reichen die Einnahmen nicht, dass alle drei Bandmitglieder davon leben könnten.

    Das Richterdasein bietet Yonas ein sicheres Einkommen mit vielen Freiheiten: Wenn nicht gerade Verhandlungen anstehen, deren Termine er selbst festlegt, hat er keine festen Arbeitszeiten. Niemand kontrolliert seine Anwesenheit am Gericht. Normalerweise geht er trotzdem jeden Tag ins Büro. „Für den Auftritt am Donnerstag hatte ich einfach zwei Tage vorher Urlaub beantragt.“

    Andere Jobs beim Staat sind ähnlich Band-kompatibel. Yonas kennt eine ganze Reihe Leute aus befreundeten Punkbands, die als Lehrer arbeiten: Der Sänger der Band Benzin, die sich im April nach zehn Jahren aufgelöst hat. Auf dem Deichbrand redet Yonas darüber mit den Jungs von KMPFSPRT, von denen gleich zwei als Lehrer arbeiten. Auch die Hamburger Skapunk-Legenden Rantanplan hatten lange einen Lehrer in der Band. Es gibt natürlich auch politische, linke Punkbands, die niemals einen Eid auf den Staat leisten würden. Aber viele Punkrocker führen ein erstaunlich bürgerliches Leben. „Was mir daran gefällt, ist die Narrenfreiheit, die man hat. Ich will aber auch nicht mit allen in einen Topf geworfen werden. Viel linker Punk ist stumpfes Parolengedresche.“

    Seit dem Termin beim Generalstaatsanwalt muss sich Yonas am Gericht nicht mehr für seine Musik rechtfertigen. Die Gerichtspräsidentin hat mit seinem Hobby kein Problem. „Als wir das letzte Mal mit Montreal in Berlin gespielt haben, waren sogar richtig viele Richterkollegen da.“ Sie habe ihn auch gefragt, ob er nicht auf der Weihnachtsfeier spielen könne. In solchen Momenten hält Yonas die beiden Welten dann doch lieber auseinander.

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  • 12/25/15--03:00: Wir haben verstanden: KW 52
  • Zu Weihnachten gibt es nur zwei Arten von Menschen: Jene, die einfach hinfahren, wo sie hinfahren müssen – und jene, die durchdrehen, weil sie verreisen müssen.

    Ein gutes, hochwertiges, handliches, platzwundermäßiges Gepäckstück ist das wichtigste Utensil zur Weihnachtszeit.





    Zeitalter der Mobiltelefonie – das bedeutet halt leider auch, dass man sonntags an der Bushaltestelle Anrufe vom obersten Chef kriegen kann.

    Oberste Chefs rufen übrigens mit unterdrückter Nummer an.

    Omas auch.

    Es gibt ein paar Serien, die man synchronisiert sehen kann, obwohl man das Original kennt. "Californication" gehört nicht dazu.

    Spätestens wenn das Café an der Ecke, das immer, immer, immer offen hat, zur Winterpause schließt, sollte auch der Rest der Welt nicht mehr arbeiten müssen.

    Und wenn dann auch noch die Süßigkeiten- und Getränkeautomaten an den U- und S-Bahnen leergekauft sind und auch aussehen, wie in Winterpause, spätestens dann sollte man einfach umdrehen und auch Winterpause machen.

    Wasserflaschen immer wieder mit Leitungswasser auffüllen ist zwar superumweltbewusst. Aber der Geruch, den die Öffnung mit der Zeit annimmt...

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