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  • 11/10/15--07:30: Serientäter
  • Auf Instagram findet man sie zu Tausenden. Ach was, zu Zehntausenden: Fotos von Menschen, die sich die Darsteller ihrer Lieblingsserie als Tattoo stechen ließen. Fotos von Armen und Beinen, Oberschenkeln, Schulterblättern, Knöcheln und Hüftknochen, auf denen Gesichter und hin und wieder auch komplette Körper zu sehen sind. Don Draper aus Mad Men, Daryl Dixon aus The Walking Dead, Tyrion Lannister aus Game of Thrones. Aber auch Kenny McCormick aus Southpark, Leela aus Futurama und Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory. Das Phänomen „Serie“ scheint sich aus der digitalen Welt hinausverlagert und in die reale eingedrungen zu sein – in Form von blauen, schwarzen und bunten Farbzeichen, die Menschen auf der ganzen Welt auf ihrem Körper tragen. Doch woher rührt das Bedürfnis, sich Serienhelden aus dem Fernsehen und auf die Haut zu holen?



    Serienheld mit Stil: Don Draper aus der 60er Jahre-Serie "Mad Men"

    Ulrike Landfester ist Kulturwissenschaftlerin an der Universität St. Gallen. Sie forscht über den Zusammenhang von Tätowierung und Schriftkultur. Serien, so Landfester, sind ein „künstliches Alternativ-Kontinuum“ – eine vom Menschen erschaffene Parallelwelt also. Die Zuschauer lieben diese Welt, weil sie die Hauptdarsteller in ihr wiedererkennen und mit ihnen wachsen. „Indem sie sich die Darsteller tätowieren lassen, überschreiten die Zuschauer die Grenze von ihrem eigenen Alltag zu dem Kontinuum“, sagt Landfester.  

    Dass man diese Grenzen überhaupt überwinden möchte, liegt Landfester zufolge auch daran, dass wir  zunehmend den Kontakt mit der physischen Realität verlieren. „Nicht einmal mehr beim Schreiben erleben wir haptische Präsenz: Auf dem Computerbildschirm haben wir keinen Bezug mehr zu den Buchstaben.“ Deshalb, meint die Wissenschaftlerin, sei es kein Wunder, dass wir uns zunehmend nach körperlicher Wirklichkeit zurücksehnen. Und diese zum Beispiel mithilfe von Tattoos einfordern: Das Stechen, dieser schmerzhafte Prozess, erinnert uns an unsere eigene Lebendigkeit. 

    Ein Loser als lebenslanges Motiv?





    Fast wie ein Foto: Walter White aus "Breaking Bad"

    Dazu kommt die individuelle Bedeutung, die jede Serienfigur für ihren Träger hat. Erwartungsgemäß entscheiden sich Menschen eher für solche, mit denen sie sich identifizieren und die sie bewundern: Walter White aus Breaking Bad, Ragnar Lothbrok aus Vikings, Buffy, die Vampirjägerin. Starke Figuren scheinen auf den ersten Blick gefragter als Nebenfiguren und Außenseiter. Doch überraschend oft sind auch Außenseiterfiguren beliebte Motive. Zum Beispiel Randy Marsh, Stans exzentrischer Vater aus Southpark, oder Bart Simpsons bester Freund, der Loser Milhouse van Houten. Neben ihn lassen sich die Fans oft eines seiner Zitate stechen – „My Mom thinks I’m cool“, „Everything’s coming up Milhouse“, „Nobody likes Milhouse“.  



    Loser in Unterhosen und Pantoffeln - Randy Marsh aus der Zeichentrickserie "Southpark"

    Ein Loser als lebenslanges Motiv? Dass man sich dazu entschließt, kann mehrere Gründe haben, sagt Landfester. Zum einen kann es sein, dass der Träger sich einfach stark mit der Figur identifiziert. Nebenfiguren sind häufig sehr spezifische Charaktere, sie lassen dem Regisseur mehr künstlerische Freiheit als die Hauptfiguren. Die sollen ja schließlich den Mainstream erreichen, Randfiguren sind da meist spezieller. Zum anderen kann der Träger auch aus dem Gefühl heraus gehandelt haben, seine Lieblingsfigur sei zu Unrecht ein Außenseiter, sagt Landfester. Auf der eigenen Haut darf sie dann immerhin die Hauptrolle spielen. Ein möglicher dritter Grund: „Es gibt nicht nur Rampensäue“, sagt Landfester. „Manche Menschen empfinden sich selbst als Nebenfiguren im Leben. Mit der Tätowierung positionieren sie sich entsprechend.“  

    Interessant ist: eine Figur muss für ihren Träger nicht zwangsweise positiv besetzt sein. „Indem ich mir einen negativen Charakter stechen lasse, unterwerfe ich ihn mir: Ich trage ihn herum. Er muss mit mir mit – egal, ob er will oder nicht“, sagt Landfester.  



    Gestochene Hommage an die Mysterie-Serie "Lost" (2004 - 2010)

    Die Tätowierung eines Serienhelden verrät demnach einiges über ihren Träger und ist gleichzeitig eine Art öffentliches Bekenntnis zu der Serien-Fangemeinschaft. Wobei das bei manchen Tattoos gar nicht so offensichtlich ist: Dass ein Achteck mit Schwan in der Mitte oder die Zahlenreihe 4 8 15 16 23 42 mit Lost in Verbindung steht, erkennt man auf den ersten Blick nicht. Selbst der Ausruf „Bazinga!“ aus The Big Bang Theory gehört (noch?) nicht zum Allgemeinwissen. Und genau das eint die Fan-Gemeinde.



    Verschlüsseltes Insider-Wissen: Schemenhafte Köpfe der Hauptdarsteller aus "The Big Bang Theory". Bazinga!

    Dass einige Fans dieses Wissen nicht nur in Internet-Foren oder bei Fantreffen teilen, sondern sich tätowieren lassen, zeigt vor allem eines: Wie groß der Hype um Serien geworden ist. Sie gehören zum Alltag, treffen den Zeitgeist. „Mit der Tätowierung zeige ich: Das ist zeitgenössische Kunst. Das ist etwas, das meine eigene Identität beeinflusst“, sagt Landfester. Ähnlich wie die Tattoos von Musik-Ikonen in den 90er-Jahren (Kurt Cobain, Tupac Shakur) vereinen die Tätowierungen von Seriendarstellern Populärkultur und Insider-Wissen, dazu drücken sie Verbundenheit zu einer ganz bestimmten Gruppe aus. Ganz gleich, ob es sich dabei um Don Draper, Daryl Dixon oder Tyrion Lannister handelt.

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    Wer schreibt?


    Jens, Paul, Serena und Johannes, die zusammen beim Stadtmagazin arbeiten. Gruppen-Name: “KOLLEGAHS”.

    Und wie und warum?


    Es gab mal was zu planen. Vor Ewigkeiten. Eine Betriebsfeier oder einen Kollegen-Ausflug oder einen Beitrag, an dem sie gemeinsam gearbeitet haben. Tut auch gar nichts zur Sache, denn das ist mittlerweile lange her und der Chat seitdem irgendwie ausgefranst. Mal Witze, mal “Bin krank”, mal Lästern über Kollegen, mal “Müssen was besprechen”. Das Problem daran: Keiner weiß so genau, auf welcher Ebene man sich hier begegnet. Ist das noch ein beruflicher Chat? Also einer, den man lesen muss, um wichtige Infos nicht zu verpassen? Oder ein privater, in dem man eher Freundschaft als Kollegentum pflegt? Oder ist es einfach beides, bloß für jeden unterschiedlich viel? Jedenfall verwirrend. Und unlösbar.

    Und wie sieht das konkret aus?




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  • 11/11/15--04:27: Knödel für alle
  • Vor einigen Wochen gab es auf Buzzfeed eine Fotostrecke, die auch uns in der jetzt-Redaktion sehr erfreut hat: Politiker, dank Photoshop mit einem "Man Bun" ausgestattet - so bezeichnet man den Dutt für den Herren, der seit vergangenem Jahr konsequent als großer Trend deklariert wird. Vorausgegangen war dem ganzen ein Twitter-Gag auf Kosten von Donald Trump, dessen Haare ja tatsächlich eine hoffentlich nie versiegende Witzequelle sind (an dieser Stelle sei auch noch die Fotostrecke "Things that look like Donald Trump" empfohlen).
    [plugin imagelink link="https://pbs.twimg.com/media/CQJg87XUcAAAQA9.jpg" imagesrc="https://pbs.twimg.com/media/CQJg87XUcAAAQA9.jpg"] Das Orginal mit Donald Trump

    Anstatt wie so viele andere virale oder angebliche Hipster-Trends direkt wieder in der Versenkung zu verschwinden, entwickelt der Man Bun gerade ein dynamisches Eigenleben. So gibt einen Instagram-Account, der sich einzig Disneyland-Besuchern mit Dutt widmet...
    [plugin imagelink link="http://www.klonblog.com/images/2015/08/manbunsofdisneyland-klonblog2.jpg" imagesrc="http://www.klonblog.com/images/2015/08/manbunsofdisneyland-klonblog2.jpg"]
    [plugin imagelink link="http://www.klonblog.com/images/2015/08/manbunsofdisneyland-klonblog9.jpg" imagesrc="http://www.klonblog.com/images/2015/08/manbunsofdisneyland-klonblog9.jpg"] via klonblog

    ... und youtube wird mit Man-Bun-Tutorials überchwemmt:
    https://www.youtube.com/watch?v=Fpet5FRAtGw

    Ergo: Jeder Mann, so stellt es sich zumindest die Industrie vor, will nun einen Man Bun haben. Plausibel, dass Groupon da direkt einen zum Anstecken auf den Markt geworfen hat. Das Versprechen: "Attachable hairpiece lets you have a man bun when you want it and take it off when you don’t". Der Beschreibungstext dazu lässt sich natürlich auch ironisch lesen: "This attachable—and, equally important, detachable—man bun lets you blend in with your surroundings, putting it on when you smell fair-trade coffee or hear a banjo, and taking it off when someone utters the word bro." Aber auch das gehört bekanntermaßen ja zum Hipstertum dazu. Die Männer lieben es zumindest, laut Groupon wurden bereits über tausend Man Buns verschickt.
    [plugin imagelink link="http://www.klonblog.com/images/2015/11/Clip-In-Man-Bun-Klonblog2.jpg" imagesrc="http://www.klonblog.com/images/2015/11/Clip-In-Man-Bun-Klonblog2.jpg"] So ein Man Bun zum anstecken geht natürlich auch nur, wenn die Haare eine gewissen Grundlänge haben - sieht sonst wohl eher seltsam-vogelnestig aus

    Bei all dieser Dutt-Flut sollte man eine Sache natürlich nicht vergessen, die für jeden Trend gilt: Nur, weil etwas in Mode ist, ist es nicht automatisch auch schön. Eine Studie in den USA hat zumindest vor einem halben Jahr Frauen gefragt, wie sie zum Dutt für den Mann stünden. Das Ergebnis: 63 Prozent hassen ihn, 58 Prozent würden nie einen Kerl mit Dutt daten. Die Studie wurde übrigens von einem Rasiererhersteller gesponsert.

    charlotte-haunhorst

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    Meine Fragen nach den Tränen beginnen mit der Geschichte eines Freundes, die so traurig ist, dass man sie lieber nicht erzählen möchte. Es reicht ohnehin zu sagen: Dieser Freund verlor einen lieben Menschen, und das auch noch zu früh. Nach ein paar Tagen, vollgestopft mit Trauer und Erledigungen, besuchte er die Beerdigung. Bei den rührseligen Worten des Pfarrers über den lieben Menschen mussten einige entfernte Bekannte weinen – sogar die Verkäuferin aus der Ortsbäckerei. Meinem Freund hingegen kam keine einzige Träne. Dabei stand er dem lieben Menschen doch besonders nahe. Dabei war er, wie er fand, doch der Verletzteste von allen.



    So traurig! Aber wo bleiben die Tränen?

    Nachdem der Freund mir von diesem Tag erzählte, sprachen wir fast einen ganzen Abend lang übers Weinen und nicht-Weinen. Uns wunderte, dass man gelegentlich zu heulen beginnt, obwohl das gar nicht nötig wäre. Zum Beispiel, wenn man von sich selbst oder von anderen enttäuscht ist. Wenn man von einem Film oder einem Buch gerührt ist. Manchmal auch aus Übermüdung in Kombination mit einer Kleinigkeit, die nicht so läuft, wie man es sich wünscht. Steckt man dann hingegen in einer Situation, die so wahnsinnig traurig ist, dass man gar nicht anders können sollte als zu weinen – dann lassen einen die Tränen im Stich. So, wie sie es bei dem Freund auf der Beerdigung taten.

    Warum sind Tränen so unberechenbar? Und geht es vielen Leuten so und nicht nur einzelnen? Weil der Freund und ich darauf keine Antworten fanden, begann ich, in meinem Umfeld und in Internetforen nachzuforschen. Mein Befund: Auch andere Menschen konnten in schlimmen Situationen nicht weinen. Zum Beispiel bei einem Abschied für eine sehr lange Zeit, beim Schlussmachen, auf Beerdigungen und bei der Nachricht über die Krankheit des Großvaters.

    Wenn man in Momenten allergrößter Trauer nicht weinen muss und kann, ist das nicht nur verwirrend – sondern auch sehr schade. Denn vor anderen Tränen zu zeigen, bedeutet ja, seine Gefühle (mit)teilen zu können. Man sagt einem Menschen ganz unmittelbar und authentisch: Ich brauche Trost. Oder: Ich fühle mit dir. Und immer auch: Du kannst ruhig sehen, wie es mir geht, bei dir muss ich mich nicht verstellen. Diese gemeinschaftsstiftende Funktion des Weinens haben Soziologen bereits erforscht und für wichtig erklärt. Genau wie das auf-den-Mund-Küssen sind emotionale Tränen etwas, das uns Menschen menschlich macht und von anderen Lebewesen unterscheidet.

    "Unsere Zeit ist eher cool-orientiert"


    Wenn Tränen so wichtig für eine Gesellschaft sind, dann muss man erst recht die Frage stellen: Warum lassen sie uns manchmal im Stich?

    Um diesem seltsamen Widerspruch auf die Spur zu kommen, kontaktierte ich alle Tränenforscher, die ich ausfindig machen kann – und davon gibt es nicht allzu viele. Kein Wunder, denn Tränen sind ein ziemlich frustrierendes Forschungsgebiet: Während sich zwar auf physiologischer Ebene erklären lässt, wie das Weinen funktioniert, gibt es für das „Warum“ oder das „Warum nicht“ kaum aussagekräftige Befunde aus der Biologie oder Psychologie. Die Einzige, die mir weiterhelfen kann, ist die emeritierte Kölner Professorin Renate Möhrmann. Aus kulturwissenschaftlicher Perspektive hat sie drei Jahre lang zum Thema Tränen geforscht und das Buch „So muß ich weinen bitterlich“ herausgegeben.

    „Es gibt Zeiten, in denen viel geweint wird und Zeiten, in denen wenig geweint wird. Unsere Zeit ist eher cool-orientiert – dieses Wort cool taucht überall auf. Diejenigen, die weinen, sind heute die Schwachen“, erklärt Möhrmann. Noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts sei das ganz anders gewesen: Damals starb in fast jeder Familie ein Säugling, und man weinte zusammen. Heute hingegen seien Trauer- und Beerdigungserfahrungen so selten geworden, dass man das gemeinsame Weinen verlernt habe.

    Wenn unsere Zeit so cool-orientiert ist, warum werden wir manchmal in ganz undramatischen Situationen weinselig? „Der Mensch braucht Tränen – irgendwo muss man weinen“, sagt Möhrmann. Viele Menschen würden sich während Beerdigungen und bei Abschieden in einer Schockstarre befinden. Erst viel später könnten sie das mit Tränen verarbeiten. Die Folge sei, "dass es zu einer Verschiebung von Emotionen kommt. Das bedeutet, die Schauplätze des Weinens verändern sich." Wo heute am meisten geweint wird? "Zuerst im Kino und dann beim Fußball."

    Das kann man damit erklären, dass Menschen im Kino mit dem Leid der Anderen in Großaufnahme befasst sind und über die eigene Hilflosigkeit verzweifeln. Man sitzt Unterarm an Unterarm mit Fremden zusammen, bleibt im Dunkel des Kinosaals und durch die auf die Leinwand gerichteten Blicke anonym. Beim Fußball sind Tränen akzeptiert, seitdem sie auch auf dem Platz gezeigt werden. Gerade für Männer, für die die Gebote der Coolness immer noch im stärkeren Maße gelten als für die Frauen, sei der Fußball deshalb ein wichtiger Ort.

    Unsere Tränen sind also gar nicht unberechenbar. Stattdessen kommen sie nur zeitverzögert – weil wir in einer coolen Zeit leben und weil die Wenigsten von uns lernen mussten, wie man trauert.

    Die Reaktion meines Freundes auf diese Erklärungen: „Das leuchtet ein. Aber trotzdem ist es blöd – dass wir nicht ein bisschen aufrichtiger sein können, meine ich.“

    Da erzähle ich ihm von der Empfindsamkeit im 18. Jahrhundert, die Möhrmann ebenfalls wissenschaftlich untersucht hat. Damals gab es den weinenden Helden, dessen Tränen als Authentizitätsgarant angesehen wurden. Vielleicht, beschlossen der Freund und ich, können wir ihn in Zukunft ja als Vorbild nehmen und uns gegen zu viel Coolness wehren.

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  • 11/11/15--07:15: Feministisch tindern?
  • "Ficken?" "Bei dir oder bei mir?" – solche Nachrichten kennen wohl die meisten weiblichen Tinder-User. Die Dating-App verspricht schnellen, unkomplizierten Sex – zumindest scheinen viele der männlichen Nutzer das zu glauben. Mit ihren dreisten Fragen stoßen sie allerdings häufig auf das Unverständnis ihrer "Matches". Was nicht wirklich überrascht, bei Nachrichten wie "You look sort of like a slut but in a good way" oder "Would you rather go down on an airplane or a hard dick?"  

    Sexistische Annäherungsversuche wie diese soll es nicht geben bei "Bumble" – der Dating-App, die sich selbst feministisch nennt, weil Frauen dort den ersten Schritt machen müssen. Exakt 24 Stunden haben sie nach jedem Match Zeit, um eine Nachricht zu versenden – ansonsten wird der potenzielle Flirtpartner gelöscht (gleichgeschlechtliche Partner haben beide 24 Stunden Zeit). Die Idee dahinter: Der Rollentausch soll Männern derart schmeicheln, dass sie gar nicht erst auf die Idee kommen, sich daneben zu benehmen.  



    Samantha muss den ersten Schritt machen. Sonst läuft hier gar nix.

    So jedenfalls der Gedankengang von Whitney Wolfe. Die ehemalige Vizemarketingchefin von Tinder gründete Bumble im November 2014. Anlass war der Rosenkrieg, den sie kurz zuvor mit ihrem Ex Justin Mateen führte. Mateen, damals Tinder-Marketingchef und somit auch Wolfes Vorgesetzter, hatte seine Freundin via SMS als "Schlampe" bezeichnet – woraufhin Tinder-CEO Sean Rad ihr nahegelegt haben soll zu kündigen. Tatsächlich verließ die 26-Jährige das Unternehmen. Jedoch nicht, ohne Tinder wegen sexueller Belästigung und Diskriminierung zu verklagen. Im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung erstritt Wolfe eine Million Dollar – und startete Bumble.  

    Inzwischen nutzen mehr als eine Million iPhone-Nutzer weltweit die Dating-App, die aussieht wie eine gelb gefärbte Version von Tinder. Von diesem Monat an soll sie auch für Android-Geräte erhältlich sein, ein genauer Termin steht noch nicht fest. 

    Die deutschen Nutzer sind bisher mäßig überzeugt von Bumble. Allerdings vor allem deshalb, weil es in vielen Städten kaum andere Nutzer gibt. "Es gab am Anfang drei Fotos, die ich leichtfertig weggewischt habe. Seitdem kommt immer die Meldung, es gebe gerade keine Auswahl", sagt zum Beispiel Anna aus Stuttgart. Die 32-Jährige war lange Zeit auf Tinder – und wurde dort häufig nach Nacktfotos gefragt. Die Idee hinter Bumble findet sie gut. Dass nach der Vernetzung der App mit Facebook auch der Arbeitgeber im Profil erscheint, gefällt ihr jedoch weniger. Sven aus Augsburg hätte die App gerne genutzt: "Weniger Stress für den Mann", sagt der 26-Jährige. Nach zehn Fotos war der Spaß auf seinem Display allerdings schon wieder zu Ende. Natalia aus Wien hat nach wenigen Tagen einige Treffer. Sie empfindet es aber als "krass" zu wissen, dass sie die Initiative ergreifen muss, um zu verhindern, dass ein Match verfällt: "Es ist schwer, aktiv zu werden, wenn man nur zwei bis fünf Fotos sieht", sagt die 24-jährige Studentin. "Ich kann jetzt nachvollziehen, wie es den Männern gehen muss. Kein Wunder, dass sie oft mit irgendwelchen Maschen ankommen: Wenn sie eine Person nur sehen und sonst nichts von ihr wissen, gibt es wenig, auf das sie eingehen können."  

    In Deutschland gehen Frauen beim Flirten noch immer davon aus, dass der Mann den ersten Schritt macht


    In den USA, wo bereits mehr Menschen die App nutzen, ist die Resonanz durchaus positiv. In einem Elite Daily-Artikelüber ihre eigenen Erfahrungen schreibt etwa die Autorin Kimmy Foskett, sie liebe die Idee hinter Bumble: "It feels feminist, and I consider myself one. It’s a huge positive that one cannot just receive a dick pic, or a series of repugnantly sexualized Emojis in place of a ‚Hello, how are you?’"  

    Doch ist die App tatsächlich feministisch? Immerhin ändert sie an dem vorherrschenden System nichts weiter als die Reihenfolge – die bei anderen Dating-Apps übrigens nicht vorgegeben ist. "Bumble ist keine Dating-App, es ist eine Bewegung", sagt Gründerin Wolfe im Gespräch mit dem Time Magazine: "Das könnte verändern, wie Frauen und Männer miteinander umgehen, wie Frauen und Männer ausgehen und was Frauen von sich selbst halten."  

    Soweit würde Paula-Irene Villa nicht gehen. Die Soziologin von der Ludwigs-Maximilan-Universität München forscht zu den Themen Gender Studies und Cultural Studies. Sie beschäftigt sich mit der Auswirkung von Diskursen in den sozialen Medien. Villa ist der Ansicht, dass in Deutschland gerade junge Frauen beim Flirten noch immer stark davon ausgehen, dass der Mann den ersten Schritt macht: "Da sind Frauen – genauso wie Männer übrigens – nach wie vor sehr, sehr konservativ geprägt durch die Erziehung." Dass eine App daran langfristig etwas ändern könnte, denkt Villa nicht, dazu sei ihr Einflussbereich einfach zu klein. Dennoch befürwortet sie die Entwicklung neuer Formen und (digitaler) Orte, die einen positiven Umgangston in der Dating-Welt fördern. "Es ist schon ein interessanter Ansatz, dass bei dieser App nur die Frau entscheiden kann, ob ein Prozess in Gang gesetzt wird oder nicht", sagt sie. "Das ist eine Form zu sagen: Hier läuft es anders. Wer mitmachen will, muss das akzeptieren."    

    Okay, die Männer müssen auf eine Nachricht der Frau warten. Doch wer garantiert, dass sie nicht ein "dick pic" nach dem ersten "Hallo, wie geht’s?" versenden? Bumble hat mittlerweile zwar einen "VIP-Status" für richtlinientreue Nutzer etabliert. Bei einer App, die sich an eine breite Öffentlichkeit richtet, ist es jedoch mehr als fraglich, dass wirklich alle die Netiquette wahren. "Das muss man in der Praxis abwarten", sagt Villa. "Ehrlich gesagt glaube ich überhaupt nicht, dass Dating-Apps feministisch sein können. Höchstens dann, wenn sie aus Szenen heraus entstanden sind, die sowieso schon feministisch sind – die deren Mitglieder also digital vernetzen." Frauen müssten zudem nicht unbedingt zaghafter sein als Männer, meint die Soziologin: "Es gibt auch Frauen, die sich derb, obszön oder pornografisch verhalten." Ganz abgesehen von den Resultaten hält sie die selbsterklärt feministische App für eine wichtige Alternative zu den etablierten Varianten: "Die Vorgabe, dass im ersten Schritt die Frau aktiv sein muss, setzt ein starkes Signal. Und das ist zunächst einmal sehr gut: Weil es dazu auffordert, darüber nachzudenken, wie es sonst so läuft."

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  • 11/11/15--07:39: Was wäre heute ironic?
  • Jeder, wirklich jeder kennt diesen Song:

    http://vimeo.com/25672798

    Und jeder, wirklich jeder hat schon einmal die Klugscheißerdiskussion "Neee, das ist nämlich nicht ironisch, wenn man im Stau steht oder es auf der Hochzeit regnet. Einfach nur ärgerlich" geführt. Aber darum soll es zum Glück gerade (noch) nicht gehen.

    Alanis Morissette hat den Song nämlich gerade wieder performt. In der "The Late Late Show", gemeinsam mit Showmaster James Corden. Das Outfit aus dem Original-Video haben die beiden dafür extra adaptiert.

    [plugin imagelink link="http://www.cropped-magazine.de/wp-content/uploads/2015/11/Alanis-Morissette-Ironic-in-der-2015er-Version.gif" imagesrc="http://www.cropped-magazine.de/wp-content/uploads/2015/11/Alanis-Morissette-Ironic-in-der-2015er-Version.gif"]
    [plugin imagelink link="http://ak-hdl.buzzfed.com/static/2015-11/10/12/enhanced/webdr05/anigif_enhanced-17565-1447177657-7.gif" imagesrc="http://ak-hdl.buzzfed.com/static/2015-11/10/12/enhanced/webdr05/anigif_enhanced-17565-1447177657-7.gif"]

    Der Songtext wurde allerdings aktualisiert. Die Zeilen lautet nun zum Beispiel:
    "Like an old friend sending you a Facebook request / and you find out they're racist, after you accept" oder:
    "It's like swiping left / on your future soulmate / A traffic jam / when you tried to use waze"

    Das Video ist leider bisher nicht auf Youtube in Deutschland verfügbar, aber hier beim Guardian kann man es ansehen. Einen Seitenhieb auf die sehr männlich dominierte Talkshowlandschaft gibt es darin übrigens auch - also gut, dass der Moderator sich aus Selbstschutz zumindest zwei Zöpfe aufgesetzt hat.

    Und zu dem Vorwurf, dass auch diese Inhalte natürlich wieder eher ärgerlich als ironisch sind, hat Alanis auch etwas gesagt: Nämlich, dass die Leute selbst immer so täten als seien sie unfehlbar. Dabei ist das natürlich niemand. Sie habe das Wort einfach falsch verwendet. Wäre das ja auch geklärt.

    charlotte-haunhorst


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  • 11/12/15--01:02: Alte Schule
  • Muss man sich mal kurz vor Augen führen: Als sich Main Concept 1990 gegründet haben, waren die Scorpions gerade die größte Band Deutschlands. Rapper waren in der öffentlichen Wahrnehmung noch keine credibilen Superstars, sondern wenn überhaupt Vanilla Ice oder MC Hammer. Und München eigentlich schon so wie heute. Man muss das im Hinterkopf haben, um zu verstehen, wie seltsam es gewirkt haben muss, als der MC David P., Produzent Glammerlicious und DJ Explizit anfingen, gemeinsam Rap-Musik zu machen und damit aufzutreten. Wie viel seltsamer es wurde, als David P. plötzlich nur noch auf Deutsch rappte. Und wie wichtig das alles für die Stadt war!




    Main Concept heute …
     
    Nicht im kommerziellen Sinne. Die Band war immer etwas zu sperrig, etwas zu eigenbrötlerisch wohl auch, um ganz groß zu werden. Außerdem entschied sich der Frontmann irgendwann, im Hauptberuf Arzt zu werden. Aber Main Concept haben die Stadt geprägt. Als Band. Als Konzert-Veranstalter. Und als Innovatoren: 2000 veröffentlichten sie mit „Plan 58“ die erste und bislang wohl auch einzige deutschsprachige Freestyle-Platte. Ein Album also, auf dem alle Texte live erdacht, statt vorher aufgeschrieben waren. Großes Ding!
     
    Jetzt feiert das Trio Jubiläum. Mit einem neuen Album, das man sich dringend anhören sollte: „Hier und Jetzt“ (erscheint am 13. November). Und einem Release-Konzert, das man sich dringend ansehen sollte: Samstag, 14. November, Muffathalle. Höchste Zeit also, mal nachzufragen, wie man das macht: 25 Jahre in derselben Besetzung zusammen und dabei irgendwie immer relevant zu bleiben. Und welche Menschen, Orte und Begebenheiten dafür entscheidend waren: 25 Gründe für 25 Jahre Main Concept.

    Menschen


    1. Peter Fröhlich
    Glam: Mit ein paar Schulkameraden, darunter Peter, habe ich 1987 angefangen, in dessen Hobbykeller richtig Musik zu machen. Peter war schon damals Informatiker. Der hat Software geschrieben, mit der man Samples vom Computer aufs Keyboard legen konnte. Das haben wir dann mit einem weiteren Rechner und dem Musikprogramm Cubase kombiniert und so unsere ersten Beats gemacht. Mittlerweile lebt Peter in Baltimore und ist Professor für Informatik.
     
    2. Michael Kuchar aka Kuchengeorge
    David P.: Michael ist einer meiner ältesten Freunde. Weil er mir mal eine Kassette mit Alben von den Fat Boys und den Beastie Boys mitgebracht hat, bin ich überhaupt erst zum Hip-Hop gekommen und habe angefangen, meinen ersten Text zu schreiben – natürlich noch auf Englisch. Der Anfang davon ging so: „My name is Dave P/I’m not the number three/I’m the number one, ’cause the people like me.“ Den habe ich mit Kuchar zusammen damals im Musikunterricht vorgetragen und ein anderer Kumpel hat dazu den Beat getrommelt. Der Kuchar war auch auf vielen Konzerten mit dabei – eine Zeit lang sogar als Backup-Rapper.
     
    3. Andreas Purzer
    David P.: Mit Andreas Purzer hatte ich mein erstes Interview, weil der damals für das Hip-Hop-Fanzine In Full Effect geschrieben hat. Bei ihm habe ich die Demos anderer Bands wie Advanced Chemistry und Die coolen Säue gehört – eine erste Bestätigung für mich, dass man auch auf Deutsch rappen kann, was damals noch nicht Usus war. Auch den allerersten deutschen Doppelreim habe ich beim Purzer gehört, auf dem Demo von Flowmatics: „Das amerikanische Geplapper, das verstehst du ja eh nie/drum rappe ich auf Deutsch und nicht auf Kisuaheli.“ Der Purzer hat später auch den Kontakt zu unserem ersten Label Move Records hergestellt.
     
    4. Astrid Weindl
    David P.: Die Astrid hat als Sozialpädagogin im Jugendzentrum Berg am Laim gearbeitet und dort schon früh Hip-Hop gefördert: Jams veranstaltet, Kontakte hergestellt, alles mögliche. Nach meinem Abi 1994 habe ich bei ihr im Jugendzentrum mein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert und von dort aus mit ihr und Kuchar zusammen auch die erste „Living Large“-Jam organisiert – die größte regelmäßige Hip-Hop-Jam in München. Irgendwann hat Astrid dann ihr eigenes Projekt realisiert: das Jugendkulturhaus „Die Färberei“. Und weil genug Räume vorhanden waren, haben wir uns da unser Studio eingerichtet. Das besteht dort bis heute.
     
    5. Rio Lobo
    David P.: Rio Lobo haben wir im Freizeitheim am Biederstein kennengelernt – einem der ersten Jugendzentren in München, in denen Hip-Hop präsent war. Rio Lobo war eine Art Mentor in Sachen Freestyle für mich – und damit der Grundsteinleger für meinen späteren Ruf als guter Freestyler. Er hat damals jedenfalls immer alle weggebattelt, was auch daran lag, dass er sehr gut in Englisch war. Heute arbeitet er deshalb auch als Dolmetscher.
     
    6. TecRoc
    David P.: Als ich Hip-Hop für mich entdeckt habe, haben alle noch auf Englisch gerappt – außer TecRoc. Der war Ur-Old-Schooler und konnte sich deshalb alles erlauben. Der wurde nicht mal doof angeschaut, wenn er auf Deutsch gerappt hat. Seine Freestyles hat er immer angefangen mit: „Ich bin der Tiggedi-tiggedi-TecRoc . . .“ Der hat aber auch sonst alles gemacht: gebreakt, gesprüht und gerappt – und damit viele Münchener Hip-Hopper beeinflusst. TecRoc macht auch heute immer noch Musik, aber vor allem Electro-Funk.
     
    7. Ali von Square One
    David P.: Ali und Square One haben uns zwar nicht direkt beeinflusst, waren aber lange das Aushängeschild für Rap aus München. Jedenfalls wurde ich im Biedersteiner Freizeitheim von Freunden mal dazu genötigt, dem was vorzurappen . . .
    Glam: . . . Sonderlich beeindruckt war er davon aber nicht. (alle lachen)
    David P.: Der Ali hatte damals eine Jacke, auf der „Pars – The Untouchable Icepick“ eingestickt war, weil er ethnisch ein Parse ist. Diesen Schriftzug fand ich wahnsinnig cool. Das wollte ich auch! Also habe ich ihn angebettelt, mir den Namen der Stickerei zu verraten. Aber das hat er nicht getan.
    Glam: Rio Lobo hat’s dir dann aber erzählt, oder?
    David P.: Ja, genau. Die Stickerei war in der Frauenstraße, die gibt es heute nicht mehr. Dort habe ich mir „Dave P. – The Lyrical Proof“ auf meine schwarze Daunenjacke sticken lassen.




    … und 1993.
     
    8. Blumentopf
    Glam: Blumentopf waren vor allem für David wichtig, weil da plötzlich vier Typen aus München waren, die gut, humorvoll und auf Deutsch gerappt haben, was es in der frühen Deutschrap-Phase in dieser Kombination kaum gab.
    David P.: Viele Rapper waren früher sehr verbissen und ideologisch unterwegs. Deswegen haben wir anfangs auch mehr mit Writern zu tun gehabt, bis wir dann 1993/1994 über unseren Freund Chi-Z die Töpfe kennengelernt haben. Die haben Rap zwar auch sehr ernstgenommen, aber auf eine lockere Art. Sehr schade, dass sie vor kurzem ihr Band-Ende verkündet haben.
    DJ Explizit: Knapp vor ihrem 25-jährigen Jubiläum.
     
    9. Beginner
    David P.: Im MZEE Magazin habe ich damals einen Artikel über die Beginner gelesen. Daraufhin habe ich Jan (Eißfeldt beziehungsweise Delay; Anm. d. Red.) angerufen und mir deren Demo schicken lassen – das ich super fand. Daraufhin haben wir die Band dann nach München eingeladen und uns auf Anhieb gut verstanden. Einige Zeit später sind wir mit ihnen und MC Rene als „Klasse von 94“ auf Tour gegangen und haben in Jugendzentren vor 100 bis 500 Leuten gespielt – und meist auch dort gepennt. Die Beginner sind gute Freunde und daher auch auf unserem neuen Album „Hier und Jetzt“ vertreten.
    Glam: 1999 waren wir mit den Beginnern dann auf „Bambule“-Tour. Da ging der erste Deutschrap-Boom los.
    David P.: Jeden Tag mussten die Locations umgebucht werden – von 500er- in 5000er-Hallen. Die Beginner waren plötzlich so etwas wie Popstars. Das haben wir mit einer Mischung aus Befremdung und Faszination mitverfolgt.
    Explizit: Uns war aber schnell klar, dass wir diesen Weg mit unserer Musik nicht gehen wollen. Nicht gehen können.
    David P.: Wir hatten damals auch Angebote von Major-Labels. Und ich stand damit vor der schwierigen Frage: Werde ich nun Rapper? Oder Arzt? Ich habe mich für Letzteres entschieden. Weil ich keine Lust hatte, ein Teil dieser oberflächlichen Musikindustrie und dafür auch noch kommerziell zu werden. Und weil ich nicht nur Gutes reden, sondern tatsächlich auch Gutes tun wollte.

    >>>Mit Lou Bega im Jugendzentrum Biederstein<<<
    [seitenumbruch]10. Jugendzentrum am Biederstein
    David P.: Das war damals der Treffpunkt für die Münchener Hip-Hop-Szene. Im November 1990 hatten wir dort unseren ersten großen Auftritt bei der „Munich Allstar Jam“, bei der wir Teil der Münchner Szene wurden. Bei dieser Jam ist übrigens auch die damalige Rap-Gruppe von Lou Bega aufgetreten, der Jahre später mit „Mambo No. 5“ einen Welthit hatte.
     




    1990: Etster großer Auftritt beim "Munich Allstars"-Jam.

    11. Jugendzentrum Berg am Laim
    David P.: Später wurde das Jugendzentrum Berg am Laim unser Hip-Hop-Spot Nummer eins in München. Das war bald sogar für Gesamt-Hip-Hop-Deutschland wichtig. Denn zum einen waren dort viele renommierte Old-School-Writer wie Neon und Cemnoz, zum anderen hat Achim Walta dort seinen Zivildienst absolviert. Der hat von dort aus später unter anderem das Label MZEE gegründet, auf dem in den Neunzigern Platten von wichtigen deutschen Hip-Hop-Bands wie Advanced Chemistry, den Stieber Twins und den Massiven Tönen erschienen sind.
     
    12. Kulturstation
    David P.: Hier hatte ich meinen allerersten Auftritt, noch bevor es Main Concept offiziell gab.
    Glam: Das Stück, das David dort performt hat, habe ich aber schon produziert. Und ich habe auch schon zusammen mit David auf der Bühne gestanden – als Tänzer! (lacht)
    David P.: In der Kulturstation habe ich 1991 außerdem das erste Mal Advanced Chemistry gesehen und im Anschluss daran lange mit Linguist, einem der Rapper, gesprochen. Der hat mich darin bestärkt, deutsche Lyrics zu schreiben. Das habe ich mir zu Herzen genommen und von da an nur noch auf Deutsch gereimt. Als ich die deutschen Texte dann jedoch Anfang 1992 bei einem Auftritt in der Berdux-Halle performt habe, haben viele Leute tatsächlich noch gebuht. Rap auf Deutsch war damals noch uncool.
     
    13. Muffathalle
    David P.: Unseren ersten Auftritt in der Muffathalle hatten wir 1993. Später haben wir noch sehr oft dort gespielt. Außerdem haben wir da zehn Jahre lang die „Living Large“-Jams veranstaltet und donnerstags regelmäßig im Muffatcafé aufgelegt. Die Muffathalle war ein wichtiger Meeting Point für die Münchener Szene. Deshalb findet unsere Jubiläumsparty auch dort statt.
     
    14. 58Goetheplatz
    David P.: Der Goetheplatz ist der Ort im Main-Concept-Kosmos. Der wird auf vielen unserer Platten besungen. Michael Kuchar hat dort gewohnt und tut es immer noch. Bei dem haben wir immer viel gechillt. Das war unsere Hood. Und diesen Zahlen-Anhang gab es beim Hip-Hop immer schon – im Film-Klassiker „Stylewars“ aus den Achtzigern gab es zum Beispiel TAKI 123. Die 58 hat mit der Buslinie zu tun, die damals dort fuhr, und die ich morgens immer nehmen musste, um zur Schule zu kommen. Wer mehr über diese mystische Zahl wissen will, soll sich einfach die „58 Analysis“-Freestyles auf „Plan 58“ anhören . . .

    >>>Vom Kennenlernen bis heute<<<
    [seitenumbruch]15. Kennenlernen
    David P.: Mein Kumpel Markus Lovadina hat mich früher oft auf Hip-Hop-Partys mitgenommen. Bei einem Konzert von Raw Deal im Theatron habe ich über Lovadina dann Glam kennengelernt.
    Glam: David hat mir erzählt, dass er rappt, und weil ich auf der Suche nach einem MC war, haben wir angefangen, zusammen Musik zu machen. Das war 1990, noch vor den Sommerferien.
    Explizit: Ich habe 1986/1987 im Partykeller eines Freundes in Pasing regelmäßig Hip-Hop-Partys veranstaltet, bei denen auch Glam aufgelegt hat. So haben Glam und ich uns kennengelernt.
    Glam: Und nachdem ich angefangen hatte, mit David zu arbeiten, fehlte uns noch ein DJ. Nach den Sommerferien 1990 kamen wir dann zu dritt zusammen – die Geburtsstunde von Main Concept.
    Explizit: Auf den Namen kamen wir übrigens, weil wir große Fans der beiden amerikanischen Hip-Hop-Gruppen Main Source und Original Concept waren. Daraus ist bei uns dann Main Concept geworden.





    Großes Batlle: David P. (Goetheplatz) vs. tatwaffe (Köln).
     
    16. Erster Auftritt außerhalb Münchens
    David P.: Das war 1992. Bei einer Jam in der Weißen Rose in Karlsruhe, auf der wir neben Leuten wie Cora E., Boulevard Bou und MC Rene aufgetreten sind. Auch Wasi von den Massiven Tönen war da, der nun auch auf unserem Album dabei ist. Bei dieser Jam haben wir die „richtige“ Hip-Hop-Szene kennengelernt. Vorher wussten wir ja nur, was in München abgegangen ist, und das war eine reine Rap-, keine ganzheitliche Hip-Hop-Szene. Dort haben wir auch direkt gemerkt: Als Münchner muss man sich seinen Respekt hart erarbeiten. Gegenüber uns Bayern gegenüber bestehen einfach die üblichen Vorurteile.
     
    17. Die erste Platte
    Glam: 1993 haben wir unsere erste Maxi „So hat das Volk seinen Verstand verloren/Auf der Jagd“ veröffentlicht. Auf Move Records – das ein Hardcore-Label war.
    David P.: Die Platte habe ich dann an der Schule aus dem Rucksack heraus verkauft. Sonderlich gut kam sie aber nicht an, weil die Leute damals eher Die Ärzte und Die Toten Hosen gehört haben. Rapmusik war damals noch weit von dem Status und der Akzeptanz entfernt, die sie heute innehat.
     
    18. Freestyle-Battle
    David P.: 1993 fand im Vorfeld der „Living Large“-Jam in München ein Freestyle-Battle statt. Ich habe damals wahnsinnig viel gefreestylet und bei diesem Battle dann tatsächlich gegen Tatwaffe von Die Firma aus Köln gewonnen. Da er meinen Sieg auf den Heimvorteil geschoben hat, hat er eine Revanche in Köln gefordert – wo ich wieder gewonnen habe. (grinst)
     
    19. Debütalbum „Coole Scheiße“
    David P.: 1994 kam unser Debütalbum „Coole Scheiße“ raus – eine der ersten komplett auf Deutsch gerappten Platten überhaupt. Darauf gibt es auch den Song „Immer das alte Lied“ mit MC Rene und den Beginnern, auf dem wir uns respektvoll von der Old School emanzipieren.
     
    20. Die Klasse von 95
    David P.: Nachdem wir mit MC Rene und den Beginnern als „Die Klasse von 94“ unterwegs waren, wurde ein Jahr später „Die Klasse von 95“ ins Leben gerufen. Da waren die Beginner zwar nicht mehr dabei, dafür aber Bands wie Massive Töne, Der Tobi & das Bo und Fettes Brot. Gemeinsam haben wir den gleichnamigen Sampler veröffentlicht und sind auf Tour gefahren – wie Klassenfahrt. Damals hat Rap in Deutschland eine Kehrtwende gemacht, weil wir Hip-Hop nicht mehr so verbissen, sondern viel lockerer angegangen sind als die Old School. Das hat der Musik sehr gut getan.
     
    21. Gründung des eigenen Labels 58Beats
    Glam: Im Rahmen der „Living Large“-Jam 1997 haben wir einen Track mit Problemz aufgenommen, einem MC aus Brooklyn. Weil unser zweites Album „Genesis Exodus Main Concept“ da aber schon fertig war, wir den Song aber trotzdem gerne veröffentlichen wollten, haben wir gesagt: „Okay, das machen wir selbst.“ Die Geburtsstunde von 58Beats.
    David P.: Wir hatten eigentlich nie das Ziel, ein Plattenlabel zu gründen. Das ist eher aus der Not heraus entstanden. In der Zwischenzeit sind dort aber auch Platten anderer Künstler wie Vier zu Eins, Roger Rekless, Creme Fresh und Boshi San herausgekommen.
     
    22. „Plan 58“: Freestyle auf Platte
    David P.: Auf der „Bambule“-Tour 1999 mit den Beginnern haben wir leibhaftig mitbekommen, wie Hip-Hop in Deutschland plötzlich groß wurde. Wir haben unsere Live-Shows damals aber vor allem um meine Freestyles herum aufgebaut und keine kommerzielle Musik gemacht. Der einzig logische Schritt war für uns daher 2000 die Veröffentlichung von „Plan 58“ – der ersten und meines Wissens bislang auch einzigen deutschen Freestyle-Platte. Davor und danach gab es auch noch zwei Freestyle-Touren, eine mit Samy Deluxe und eine mit Blumentopf. Auch das war ein Novum, weil wir die Shows komplett durchgefreestylet haben – und zwar so gut, dass die Leute riesigen Spaß hatten.
     
    23. Der erste splash!-Auftritt
    David P.: Unseren ersten Auftritt auf dem splash!, Deutschlands größtem Hip-Hop-Festival, hatten wir 1999. Vor 20 000 Zuschauern. Auch da habe ich überwiegend gefreestylet, und das hat selbst vor einem so großen Publikum funktioniert. Dafür habe ich viele Respektsbekundungen bekommen – selbst heute noch.
     
    24. „Hier und Jetzt“
    Explizit: 2005 haben wir „Equilibrium“ rausgebracht. Für unser neues Album „Hier und Jetzt“ haben wir also genau zehn Jahre gebraucht.
    David P.: Und wenn es das Bandjubiläum nicht gegeben hätte, wären wir mit der Platte garantiert wieder nicht fertig geworden. Das Jubiläum hat den nötigen Druck erzeugt, den wir offenbar brauchen, um ein neues Album zu machen.
     
    25. Ein Vierteljahrhundert Main Concept
    Glam: 25 Jahre. Ist schon was Besonderes!
    David P.: Vor allem in derselben Besetzung seit Tag eins. Mir fällt keine deutsche Hip-Hop-Band ein, die das von sich behaupten kann. Obwohl, doch: Die Fantastischen Vier. Die sollte man an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen.

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  • 11/12/15--04:25: Die Wohnungsmacken
  • Hallo Besucher! Was du wissen musst:

    1. In der Dusche kommt das Wasser erst zu heiß, dann wird es kurz kalt, dann gewünscht warm (liegt wohl an der Gastherme).

    2. Das Radio auf dem Küchentisch muss man nach vorne kippen, damit es angeht (hat einen Wackelkontakt).

    3. Die Küchentür muss man andrücken, wenn man sie schließt, sonst springt sie wieder auf (ist verzogen). 

    4. Bitte vorsichtig aufs Klo setzen (die Halterung der Klobrille ist auf einer Seite kaputt).

    Wenn du das weißt, kann dir in meiner Wohnung nichts passieren. Sie ist ein guter Ort. Sie hat bloß diese paar kleinen Eigenheiten, aber mit denen kommt man schnell klar. Ich zumindest habe mich längst dran gewöhnt – wenn ich die Küchentür schließe, dann bleibt sie auch geschlossen, und am Morgen halte ich die Duschbrause etwa zehn Sekunden auf Armlänge, bevor ich losdusche.



    Achtung, da funktioniert was nicht!

    Jede Wohnung hat solche Macken, ein paar Dinge, die nicht richtig funktionieren, bei denen man vorsichtig sein muss oder bei denen die Handhabung abweicht von der, die man von fabrikneuen Türen oder Toiletten oder Radios kennt. Wohnungen sind da im besten Falle wie Partner: Man fühlt sich wohl mit ihnen, aber so ein paar Kleinigkeiten nerven oder sind schrullig. Das hat das Leben gemacht. Sowohl beim Partner, der auf eine bestimmte Art und Weise erzogen wurde, der bestimme Sachen erlebt hat und bestimmte Veranlagungen hat, als auch bei der Wohnung, in der die Vormieter Dinge getan und Spuren hinterlassen haben, oder das Raumklima (besonders kalt/warm/feucht/trocken) für dieses und jenes gesorgt hat.

    Und so, wie man beim Partner weiß „Wenn ich da hinfasse, muss er/sie lachen“ oder „Wenn ich das anspreche, wird er/sie sauer“, so weiß man auch bei der Wohnung, dass hier und da was wackelt und bei der und der Bewegung sicher was runterfällt oder umkippt. Und so, wie man lernen muss, die Partner-Schwächen und -Macken zu akzeptieren, sich daran vorbeizumogeln oder sie sogar liebzugewinnen, so muss man das auch bei der Wohnung lernen. Zwischen verzogener Tür, der Klospülung, die sich immer verhakt, und dem Toaster, aus dem man das Brot nur mit einer Gabel kriegt, erarbeitet man sich mit der Zeit eine ganz eigene Choreographie, bewegt sich sicher und tänzerisch damit und drumherum.

    Ein Aufenthalt in einer Wohnung ist dann am besten, wenn man weiß, wie man mit ihr umgehen muss


    Jemand anderem diese Choreographie zu erklären, sorgt für eines der schönsten Zuhause-Gefühl überhaupt. Weil man dann merkt, wie sicher man sich mittlerweile zwischen den ganzen kleinen Gefahr- und Missgeschick-Quellen bewegt, wie vertraut einem alles ist. Und sich daran erinnert, wie man anfangs selbst dauernd vergessen hat, dass die Tür klemmt. Umgekehrt merkt man, dass man irgendwo nicht zuhause ist, an kaum etwas so sehr wie an den Macken, mit denen man in einer fremden Wohnung zusammenprallt. Dann steht man mit der Türklinke in der Hand mit großen Augen vorm Gastgeber, in dem Glauben, etwas kaputt gemacht zu haben. Und wie schön ist es dann, wenn der andere lacht und abwinkt und „Ach, das passiert dauernd“ sagt.

    Die besten Gastgeber oder Airbnb-Vermieter sind darum auch die, die einem all diese Dinge erklären. Die einen mit der Wohnung bekannt machen, sodass sie einem nichts Böses mehr will. Das ist weniger so, als müsste man das wissen, um sich in der Wohnung wohlzufühlen, sondern mehr so, als müsste man auf all diese Dinge achten, damit die Wohnung sich mit ihrem Gast drin wohlfühlt. Ein Aufenthalt in einer Wohnung ist dann am besten, wenn man weiß, wie man mit ihr umgehen muss.

    Was man ja auch mal machen könnte: ein bisschen reparieren. Oder sich einen neuen Toaster kaufen. Aber wenn eine Wohnung keine Macken hat, ist das ja auch irgendwie nicht richtig. Dann wirkt sie zu neu oder zu steril und ihr fehlt das, was man vermutlich „Seele“ nennt oder „Charakter“. In einer Beziehung ist es ja auch nicht gern gesehen, den anderen umerziehen zu wollen, und eigentlich will man ja auch irgendwas, an dem man sich reiben kann. Darum sollte man auch seine Wohnung nicht umerziehen. Lieber die Tür fest zudrücken und dankbar dafür sein, dass sie einem so gute Dienste leistet, solange man weiß, wie man sie anfassen muss.

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  • 11/12/15--07:33: Den Krieg im Gesicht
  • [plugin imagelink link="http://cdn2.trueactivist.com/wp-content/uploads/2015/11/war2.jpg" imagesrc="http://cdn2.trueactivist.com/wp-content/uploads/2015/11/war2.jpg"]

    Der Krieg scheint die Gesichter zu verengen. Fast so, als wollten sie sich vor dem Erlebten zurückziehen. Als würde ein Sog sie zum Zentrum eines Fadenkreuzes saugen, das irgendwer über sie gespannt hat. Und als würde sie sich danach nie mehr ganz entknautschen. Geschichten stünden den Menschen ins Gesicht geschrieben, heißt es. Furchtbare Phrase. Aber Himmel, diese Gesichter erzählen schon von etwas. Und zwar eher von nichts Gutem.

    [plugin imagelink link="http://cdn2.trueactivist.com/wp-content/uploads/2015/11/war3.jpg" imagesrc="http://cdn2.trueactivist.com/wp-content/uploads/2015/11/war3.jpg"]

    Die Fotografin Lalage Snow hat eine Bilderserie veröffentlicht, zwar schon 2012 - das Internet spült sie aber gerade wieder nach oben. Die in ihrer Eindringlichkeit ohnehin zeitlose Serie zeigt, wie der Krieg die Beteiligten verändert. Sie hat dafür 14 britische Soldaten fotografiert, die in Afghanistan stationiert waren. Portraits, entstanden vor, im und nach dem Einsatz. Und zwar über einen Zeitraum von nur sieben Monaten.

    [plugin imagelink link="http://cdn1.trueactivist.com/wp-content/uploads/2015/11/war10.jpg" imagesrc="http://cdn1.trueactivist.com/wp-content/uploads/2015/11/war10.jpg"]

    Man will bei Menschen, die das Grauen gesehen haben, ja instinktiv etwas in die Augen hineinlesen: Haben sie ihren Glanz verloren? Wirken sie fahl? Schauen sie verloren in die Ferne? Aber das ist es nicht. Die Augen bleiben das ganze Leben lang eine Konstante. Was sich verändert, ist alles drum herum. Es fällt ein, oder quillt auf. Es verhärtet sich oder hängt schlaff herab. Normalerweise dauert das Jahrzehnte. Hier genügen ein paar Wochen.

    [plugin imagelink link="http://cdn1.trueactivist.com/wp-content/uploads/2015/11/war13.jpg" imagesrc="http://cdn1.trueactivist.com/wp-content/uploads/2015/11/war13.jpg"]

    Protokolle gibt es von den Portraitierten übrigens auch. Texte über Ängste, verlorene Freunde oder Knie, die irgendwann aufgeben. Eigentlich braucht es die Texte aber nicht.

    [plugin imagelink link="http://cdn2.trueactivist.com/wp-content/uploads/2015/11/war5.jpg" imagesrc="http://cdn2.trueactivist.com/wp-content/uploads/2015/11/war5.jpg"]

    jakob-biazza

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    Die Antilopen Gang, am ehesten bekannt durch ihren Song "Beate Zschäpe hört U2", verschenkt ein Album mit 14 neuen Tracks. Kann man sich hier runterladen. Kann man hier Streamen:

    http://www.youtube.com/watch?v=1-TZT1bx6PQ&index=1&list=PL1FUaEXiMDXn2qD7hDWVVG1dNwwPZ-W3n

    Bekommt man hier im Schnelldurchlauf:

    http://www.youtube.com/watch?v=d6p5a0J02a0

    Gern geschehen.

    jakob-biazza

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  • 11/13/15--01:49: Wir haben verstanden: KW 46
    • Wenn Bands ins Best-of-Stadium kommen, werden sie verdächtig.

    • Wie gern man jemanden hat, merkt man besonders, wenn man ihm das Falsche schenkt.

    • Erst, wenn Filzstifte "bluten" können, kosten sie auch übertrieben viel Geld.

    • Sowohl bei Helene-Fischer-Fans als auch bei hatenden Katholiken kippt der Ton irgendwann tendenziell ins Rechtsradikale.

    • Von Helmut Schmidt gibt es mehr Schwarz-Weiß-Fotos als von James Dean.





    • Trotz Linksverkehr gilt auch auf Englands Rolltreppen: rechts stehen, links gehen. Sehr verwirrend.

    • Da schließt sich übrigens die ungeklärte Frage an: Gilt in englischen Schwimmbädern eigentlich Linksverkehr in der Sportbahn?

    • Auch Männer mit wenig Haaren können sich jetzt einen Dutt machen.

    • Um einigermaßen fit zu sein, muss man entweder weniger als fünf oder mehr als sieben Stunden geschlafen haben. Alles andere ist der Tod!

    • Fliegt man ab dem Flughafen München vor halb acht Uhr morgens, reichen 20 Minuten von der S-Bahn bis zum Gate.

    • Mädchen, die Gluten essen, sind hot.

    • Hotels haben immer genau zwei Seiten: eine schöne Seite (Meerblick, Bergblick, Wüstenblick) und eine Kackseite (Belüftungsblick, Klimaanlagenblick, Wandblick). Meistens erwischt man die Kackseite. 

    • Als Kunst kann vieles durchgehen - sogar eine Leinwand voller Nägel.

    • Krasses Team: Pinguine.

    • Horror: Als Physiotherapeutin einem Mann eine Abfuhr geben und ihn danach noch mehrmals massieren müssen.

    • Schlimmste Alltagsqual: eine juckende Stelle, die man in der Öffentlichkeit nicht kratzen kann, ohne sich zu blamieren.

    • Wenn jemand, der sonst sehr ausführliche Nachrichten schreibt, auf einmal einsilbig wird, kann das zwei Gründe haben: Entweder geht es ihm nicht gut. Oder er hat ein neues Handy.

    • Wenn "taff" deinen Post teilt, bist du unten angekommen.

    • Wörter werden mindestens 30 Prozent lustiger, wenn man ihnen die Endung "-inger" ahängt.

    • Läuft gerade viel: "Zack Boom Toppinger" von Main Concept.

    • Packungsbeilagen sind immer so in der Packung, dass man die Tabletten nicht ohne Widerstad und viel Wut wieder reinkriegt.

    • Wahrscheinlich, damit man die Packungsbeilage rausnimmt und liest.

    • Meistens wirft man sie dann allerdings in den Müll und sucht sie später im Internet, weil man komische Nebenwirkungen hat.

    • Im Kampf dicker roter Kater gegen süßes Eichhörnchen gewinnt Gott sei Dank das süße Eichhörnchen.

    • Im Kampf Mensch gegen dicker roter Kater gewinnt dicker roter Kater.


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  • 11/13/15--03:31: Missy Elliott ist wieder da!
  • Wenn Musiker nach einem Jahrzehnt an alte Erfolge anknüpfen wollen, geht das oft daneben. Nicht bei Missy Elliott. Was wir grade bei der Videopremiere ihrer ersten Single seit zehn Jahren erleben, ist eines der lässigsten Comebacks der jüngeren Musikgeschichte.

    Sie war ja schon damals die Königin des Hip Hop. Räumte Preise ab, arbeitete mit Outkast, Timbaland, Lil‘ Kim und P. Diddy zusammen und ließ uns tanzen und nicken, wie kaum eine zweite. Keine Frage: Missy „Misdemeanour“ Elliott war eine der Gallionsfiguren des 90s-Rap. Und dann war sie nach ihrer letzten Albumveröffentlichung im Jahr 2005 auf einmal weg. Jetzt ist sie wieder da.

    Nach einem Jahrzehnt Ruhepause erschien gestern die neue Single der Queen of Hip Hop. Erstklassige Unterstützung bekommt Missy dabei von der Hitmaschine Pharrell Williams, mit dem sie nun gemeinsam den Song “WTF (Where They From)” der Welt präsentiert.

    https://www.youtube.com/watch?v=NUbdAzGe0vE

    Die Bilanz: Rhymes, Moves und das bei Missy obligatorische Beanie sitzen. Auch sonst macht das Video Spaß: Es gibt Missy als Discokugel (mit Glitzer-Lippen), ein rappendes Marionettentheater und Breakdancing auf Hoverboards.

    Der Clip versrprüht Retro-Flair der alten Elliott, ohne abgekupfert zu wirken. Die Rapperin beweist: Ihre Lässigkeit ist nicht aus der Mode – Im Gegenteil, sie ist im neuen Jahrtausend genau richtig. Die einzige Frage, die wir uns gerade hüftenschwingend stellen: WTF Missy, wo warst du denn so lange?

    sina-pousset

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  • 11/13/15--06:20: Auf der Hut!
  • Im Internet trägt die Schlange seit neustem Hut. Sehr, sehr gute Idee. Denn: Die Reptilien, die zu den gefürchtetsten Tieren der Erde gehören, werden so auf einmal ganz – man will es kaum sagen – niedlich. Der Beweis: Snakes In Hats.

    [plugin imagelink link="http://40.media.tumblr.com/dfd08926ada95c42b2adea4783cad29d/tumblr_mjtr3pSgko1s8hre2o1_1280.jpg" imagesrc="http://40.media.tumblr.com/dfd08926ada95c42b2adea4783cad29d/tumblr_mjtr3pSgko1s8hre2o1_1280.jpg"] Schicke Schlange.

    Nebenbei bietet der Tumblr-Blog die wohl charmanteste Phobien-Therapie aller Zeiten. Denn die huttragenden Schlangen sind nicht nur niedlich, sondern auch hilfreich: Die Fotos zeigen, dass Ängste im Kopf enstehen. Sonst könnte ein kleines Detail kaum ein Monster in ein Lieblingstier verwandeln.

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/cute-snakes-wear-hats-100__700.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/cute-snakes-wear-hats-100__700.jpg"] Zauberhaft.

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/cute-snakes-wear-hats-106__700.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/cute-snakes-wear-hats-106__700.jpg"]Schlange? Aaaaah! Schlange mit Hut? Awwww!

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/cute-snakes-wear-hats-801__700.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/cute-snakes-wear-hats-801__700.jpg"]

    Menschen mit Herpetophobie (Furcht vor Schlangen und Reptilien) können in Zukunft also hoffentlich entspannter durchs Unterholz wandern. Wir warten jetzt nur noch auf Spinnen mit Spazierstock und Kakerlaken im Damennachthemd.

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/cute-snakes-wear-hats-gif-11__700.gif" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/cute-snakes-wear-hats-gif-11__700.gif"] Variante "Chaplin".

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/cute-snakes-wear-hats-80__700.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/cute-snakes-wear-hats-80__700.jpg"] Familienvater mit Hut.

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/cute-snakes-wear-hats-101__700.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/cute-snakes-wear-hats-101__700.jpg"] Cobra-Style.

    Anlässlich dieser Erkenntnisse setzen wir unserer Paraskavedekatriaphobie (Angst vor Freitag, dem 13.) jetzt mal ganz schnell den Hut auf.

    sina-pousset

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    Liebe Jungs,
     
    neulich erzählte mir eine Freundin, die ein paar Jährchen nun schon keine zwei mehr vorm Alter stehen hat, also in ihren Dreißiger ist, dass sie da so einen Moment mit einem 18-Jährigen hatte. In einer Bar, rauchend, trinkend, Konversation betreibend. Er habe sie dabei die ganze Zeit so, naja, fasziniert angeschaut und ein gewisses Love-interest nicht verbergen können.





    Nun hat er sie aber nicht direkt angebaggert. Dafür war er zu schüchtern. Ein Angebot von ihrer Seite aber hätte er sofort angenommen. Sofort. Könnte sein, dass er sich an dem Abend heimlich nichts sehnlicher gewünscht hat, als dass diese heiße, interessante Frau Mitte 30 ihn an der Hand nimmt und mit nach Hause nimmt für die Nacht. Und vielleicht für noch ein paar Nächte mehr. Das konnte man erstens spüren, sagt meine Freundin. Und zweitens hat es ihr der große Bruder dieses 18-Jährigen am Tag drauf auch noch unmissverständlich gesteckt: Der fand dich rattenscharf.
     
    Das ist deshalb ja etwas ungewöhnlich, weil die Norm doch eher die umgekehrte Situation ist: Ältere Jungs stehen auf jüngere Mädchen. Jüngere Mädchen stehen auf ältere Jungs. Und auch ganz generell gilt ja immer: Alte Männer haben ein größeres Attraktivitätspotenzial als alte Frauen. Aber irgendwie habe ich trotzdem das Gefühl, diese beschriebene 18-Jähriger-verzehrt-sich-nach-Mittdreißigerin-Begegnung ist kein Einzelfall. Da gibt es eben doch irgendeine erotische Knisterei zwischen jungen Typen und älteren Frauen. Und die haben wir noch nicht ganz verstanden.
     
    Die einfache Antwort eurerseits wäre jetzt: WTF ihr sexistischen Mädchen, auch wir haben das Recht auf ein Pendant zu eurer Bill-Murray-Sehnsucht! Aber ist es wirklich so einfach? Kann man das so simpel erklären?
     
    Wir haben das Gefühl, da schwingt noch etwas anderes mit. Wir denken da unter anderem an das Buch „Der Vorleser“. Wir spüren auf eurer Seite so eine etwas untypische Sehnsucht nach Passivität und Dasein als williger Untertan, so eine fast schon masochistisch-erotische Lust am Braver-Zögling-sein. Zumindest auf Zeit. Denn auch das ist ja interessant: Die Kombi junger Typ und ältere Frau kenne ich eher aus Affären als aus langfristigen Beziehungen. Und dann ist da noch der Eindruck, als sei so ein Verhältnis mit einer älteren Frau auch eine Art Ritterschlag für euch. Hm! Ihr seht: So richtig gut passt das für uns alles nicht zusammen. Oder doch? Aber wie denn nun? Aufklären, bitte!
     
    Eure Mädchen

    >>>Die Jungsantwort von elias-steffensen<<<
    [seitenumbruch]
    Liebe Mädchen,

    gut, dass ihr fragt. Das Thema ist nämlich tatsächlich etwas komplexer, funktioniert auf mehreren Ebenen und hängt vom Alter ab. Also von unserem. Und ihr stochert schon recht wild im Nebel rum.





    Grobe Faustregel mal vorab:

    • Fünf Jahre älter geht immer.

    • Zehn Jahre älter geht bis 30 immer und wird dann langsam Geschmackssache.

    • 20 Jahre älter wird spätestens ab 20 deutliche Geschmackssache.


    Geschmackssache ist wertfrei. Und „geht immer“ verändert seine Bedeutung mit dem Alter. Immer noch unserem.

    Weil: Ihr müsst mal versuchen, euch in so einen 18-Jährigen reinzubeamen. Mit etwas Glück hat er die Pickel gerade gegen ein bisschen Bart eingetauscht. Wahrscheinlich ist das eine aber noch nicht so richtig, richtig weg, und das andere noch nicht so richtig, richtig da. Was in Summe viel Talg im Gesicht ergibt. Wahrscheinlich hat er schon ein bisschen Sex gehabt, mit etwas Pech aber auch noch nicht. Und wenn er schon Sex hatte, reden wir wohl auch eher von einem Glückstreffer – er hatte schon mal eine Ausstrahlung, die souverän/nett/überzeugend/attraktiv/cool/süß genug war, um euch zu gefallen. Aber was er dafür jetzt genau richtig gemacht hat, weiß er noch nicht (weiß er später auch nicht wirklich, aber vielleicht ein bisschen mehr).

    Er ist also in aller Regel noch halbfertig. Und euch gegenüber in der Entwicklung noch immer etwa zwei Jahre hinterher. Und wenn er, weil er früher gereift ist, schon aufgeschlossen hat, kann er sich an das Gefühl, hinterher zu sein, meistens noch erinnern. Ergo: schüchtern. Und jetzt steht er da also, versucht, souverän zu rauchen und Bier aus der Flasche zu trinken, und hat diese Frau vor sich, die ihn an sexueller und Lebenserfahrung mannshoch überragt. Ja, was meint ihr denn?!

    Die strahlt das doch aus. Und wie. Und in so einem ungleichen Verhältnis gleich noch mehr. Die wäre auch so „rattenscharf“ (muss man vielleicht wieder öfter benutzen, das Wort!). Aber sie ist natürlich mehr. Sie wäre, nähme sie ihn tatsächlich mit, die absolute, reine Vergewisserung seiner nahen oder womöglich sogar schon erfolgten Reife. Der letztgültige Beweis: Knabenliga ist rum – von hier an Herrentennis, bitches! Das Prinzip funktioniert locker ein paar Jahre.

    Und ja, da können schon Spuren von „Der Vorleser“ enthalten sein. „Passivität und Dasein als williger Untertan“ – meinetwegen. Außerdem gibt’s ja auch wirklich was zu lernen, von so einer rattenscharfen (ja, muss man wieder öfter benutzen) Mittdreißigerin. Aber das Coming-of-Age-Element ist größer.

    Das wäre also der 18-Jährige. Und eigentlich lässt sich das mit der größeren Erfahrung, die wir bei älteren Frauen suchen, auch auf höhere Altersstufe heben. Nur eben mit anderem Hintergrund. Erfahrung macht ja alles leichter. Oder wohl besser: routinierter. Vor allem im Zwischenmenschlichen. Und da vor allem die Unverbindlichkeit: „Die Kombi junger Typ und ältere Frau kenne ich eher aus Affären, als aus langfristigen Beziehungen“, hast du geschrieben. Ich glaube, die Beobachtung stimmt. Und ich glaube, dass es kein Zufall ist. Vermutlich suchen wir, wenn wir etwas älter sind, bei einer älteren Frau meistens Unverbindlichkeit. Weil das unkomplizierter erscheint. Weil die Codes klarer sind. Glauben wir zumindest.

    Mit 35 weißt du halt, dass nicht jeder Barflirt sofort eine Beziehung werden muss. Und du scheust dich nicht, das auch klar zu sagen. Und mit 40 suchst du, hoffen wir mal, keinen Kindsvater, wenn du dir nen 25-Jährigen aufreißt. Sondern Spaß. Und Spaß ist ja toll. „The older the berry, the sweeter the juice“, rappt der prolligere Bruder aus „The Empire“ über seine Cougar-Freundin (gespielt von Naomi Campbell). Erfahrung. Routine. Spaß. Wir wollen das zumindest mal glauben.

    Ach so: Da sind wir jetzt natürlich nur im Kosmos „Bars und Rauchen und Flaschenbier und so“. Richtige Beziehungen sind wieder was ganz anderes. Die müssten wir noch mal gesondert verhandeln. Aber ihr wollt Bill Murray ja auch nicht unbedingt gleich heiraten, oder?

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    Der erste Impuls ist klar: Man kann es nicht mehr ertragen. Dieses ewige Lamentieren, Kritisieren, Distanzieren, Verstehen und Nicht-Verstehen der – Achtung – Generation Y. Es ist doch alles gesagt. Von ihr. Vor allem aber über sie. Und trotzdem sollte man dem ersten Impuls hier einmal nicht nachgeben. Alles ist noch nicht gesagt. Oder zumindest noch nicht im richtigen Ton.




    Was ist eigentlich Moral?

    Mit „Streetphilosophy“ bekommen wir ab Sonntag auf Arte eine neue Sendung. Und mit Moderator Jonas Bosslet einen sehr brauchbaren Stellvertreter.

    Am Anfang jeder Ausgabe steht ein Credo oder eine philosophische These, zu der Bosslet Philosophen, Wrestler, Schauspieler und Waldschrate an unterschiedlichen Orten in und um Berlin trifft. Er trinkt mit ihnen Bier, fährt mit ihnen in einem goldenen Porsche, geht mit ihnen baden. Sie reden über Camus, Sisyphos, über das Bestehen, das Scheitern und das sich Anpassen ans System. Es geht darum, dass wir eigentlich keinen Plan haben, wohin unser Leben uns führt. Dass wir überfordert sind mit den Freiheiten, Rollenmustern und Lebensentwürfen. Und Bosslet hangelt sich auf der Suche nach dem Sinn stellvertretend durch dieses Gestrüpp aus Chancen und Sackgassen hindurch.

    Und das: richtig gut! Bosselt frotzelt und witzelt, ist manchmal rotzig, aber immer sehr empathisch und aufrichtig, wenn er mit den Leuten redet. Und schafft damit, zusammen mit dem Produktionsteam um Simon Hufeisen und Dominik Bretsch: etwas sehr Neues. Etwas überraschend Rohes und Ehrliches.




    Und was ist Schicksal?

    In einer Folge trifft Bosslet Mode-Rebell Carl Jakob Haupt bei dessen Vernissage. Der Designer hat gerade einfache, schwarze T-Shirts zum heißen Scheiß erhoben – und die Berliner Szene feiert ihn dafür. Es ist wohltuend ehrlich, wenn Bosslet am nächsten Morgen beim Müsliessen zu Haupt sagt: „Ich dachte, ihr seid affektierte Wichser, die sich einfach nur geil finden." Der Zuschauer aber entdeckt dann langsam, dass Haupt eben eine Rolle spielt. Eine, die er selbst gewählt hat. Eine, die eigentlich eine Persiflage auf den Modebetrieb ist.

    Dass die Episoden in "Oh Boy"-haftem Schwarz-Weiß gefilmt wurden, dass Bosslet in einer Folge mit einer alten Ente durchs Bild fährt, dass er Bandana und Trawler-Mütze trägt, dass Schimpfwörter fallen –  all das wird in "Streetphilosophy" nicht zur bloßen Attitüde, ist kein narzisstischer Selbstzweck. Es wirkt aufrichtig. Und sieht eben gut aus. Authentisch nennt man das wohl.

    Die zwei ausgebildeten Journalisten Simon Hufeisen und Dominik Bretsch entwickelten die Idee zu "Streetphilosophy". Hufeisen lebte zusammen mit Jonas Bosslet in einer Berliner WG, als das Konzept entstand. „Jonas ging manchmal am Donnerstag aus dem Haus und kam irgendwann am Sonntag wieder zurück. Verstrahlt, ohne Handy“, erzählt Hufeisen. Er sei von Anfang die erste Wahl gewesen. Einer, "der Berlin in der Nacht abbrennen kann, mit dem es nie langweilig wird." Man kann sich gut vorstellen, dass Bosslet an solchen Wochenenden alles gelernt hat, was es für diese Sendung braucht. Oder besser: alles über Bord geworfen hat, was er für diese Sendung nicht braucht.




    Jonas Bosselt mit Schauspieler und Musiker Robert Gwisdek.

    Manchmal wirkt das alles auch ein wenig albern. Wenn er mit einem Zauberkünstler in einem See baden geht, um den Existentialismus zu erleben. Oder wenn er bei der Vernissage begleitet von der Kamera durch die Menge schreitet, um zu erfahren, wie sich Fame anfühlt.

    Wenn die Generation Y aber tatsächlich so ist, wie man in "Streetphilosophy" den Eindruck bekommt, dann kann man das Reden über sie vielleicht doch ertragen. Sehr gut sogar.

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    Wenn die Berliner am Sonntagmorgen nach dem Feiern müde ins Bett fallen, legen sich auch Olaf und Birgit endlich schlafen. Das Paar aus Berlin-Hellersdorf macht jedes Wochenende die Nächte durch. Sie in der „Tube Station“ auf der Friedrichstraße, wo man zu Hip-Hop tanzt, er im Techno- und House-Club „Fiese Remise“ in Kreuzberg.

    Birgit und Olaf sind in diesen beiden Clubs die „Ordnungskräfte für sanitäre Anlagen“ – sie betreuen die Toiletten. Im Interview erzählen sie von Berliner Nächten, mitteilsamen Clubgängern, ihrem Verhältnis zu Drogen – und von Frauen am Pissoir. Alles in breitem Berlinerisch und immer wieder unterbrochen von Birgits schallendem Lachen.



    Klo-Hüter und Ansprechpartner: Birgit und Olaf
     
    jetzt.de: Habt ihr euch während der Arbeit kennengelernt?
    Birgit: Ja, das ist eine richtige Liebesgeschichte. Wir haben uns durch Zufall beim Putzen getroffen: ich am Klo, Olaf bei der Müllentsorgung. Wir sind dann in Kontakt geblieben, haben über Jahre hinweg immer wieder miteinander telefoniert und ich habe ihn im Krankenhaus besucht, als es ihm nicht gut ging. Wir haben uns immer gegenseitig aufgebaut. Irgendwann hat es gefunkt.

    Wie seid ihr denn zu eurem Job gekommen?
    Olaf: Ich musste wegen einer Krankheit vor 15 Jahren mit meinem ursprünglichen Job aufhören, habe dann bei einer Toilettenfirma angefangen und meine Frau kennengelernt. Vor ungefähr elf Jahren haben wir uns selbstständig gemacht, seitdem arbeiten wir auf Club-Toiletten.

    Die Club-Toiletten hüten, das bedeutet sicher viel mehr als nur Saubermachen, oder?
    Birgit: Die Gäste reden viel, umarmen einen und machen manchmal auch das eine oder andere Angebot. Ich könnte jeden Abend mit zwei jungen Männern nach Hause gehen. (lacht)
    Olaf: Oft müssen wir auch einfach nur zuhören. Die Leute erzählen dann von ihren Problemen auf Arbeit oder mit der Freundin. Dann sind wir eben mal Mutti oder Vati für die Gäste. Aber das geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. (lacht)

    So gesprächig sind die Feiernden im Club oft durch Drogen wie MDMA und Kokain . . .
    Birgit: Wenn die Leute zu zweit oder zu dritt in eine Kabine gehen, dann entweder, um sich zu vergnügen oder, um Drogen zu nehmen. Das wissen wir schon. Später erkenne ich das dann an den Augen.
    Olaf: Aber die sind ja alle erwachsen. Die können schon damit umgehen und Probleme gibt es deswegen kaum. Gedealt wird bei uns auf dem Klo auch nicht. Zumindest bekommen wir das nicht mit. So viel Respekt herrscht immerhin noch.

    "Einmal kamen zwei Mädchen aufs Männerklo, haben sich die Hosen runtergezogen und ins Pissoir gepinkelt."


    Passiert es, dass Leute, nachdem sie was genommen haben, aggressiv werden oder plötzlich wegklappen?
    Birgit: Einer hat vor meinen Augen mal seine Freundin geschlagen. Ich habe ihr gesagt, dass sie so einen Scheißkerl nicht nötig hat. Damit habe ich ein Pärchen auseinandergebracht. Oft passiert so was aber nicht.
    Olaf: Es kippt auch kaum jemand um. Und wenn doch, dann reden wir mit den Leuten. Sollte das nichts bringen, holen wir die Türsteher. Anfassen dürfen wir niemanden. Ich habe aber mal am Bahnhof Zoo gearbeitet und da einen Drogentoten gefunden. Ein junger Mann mit einer Heroinüberdosis. Ich verstehe das nicht. Wahrscheinlich suchen diese Leute nach dem Kick.

    Aber es gibt sicher auch lustige Geschichten, oder?
    Birgit: Das stimmt. Einmal kamen zum Beispiel zwei Mädchen aufs Männerklo spaziert, haben sich die Hosen runtergezogen und ins Pissoir gepinkelt. Die ganzen Typen standen mit offenem Mund drum herum und ich habe mich nicht mehr eingekriegt vor Lachen.

    Bekommt ihr auch manchmal Drogen angeboten?
    Olaf: Mir hält immer mal wieder jemand einen Joint hin, aber das will ich nicht. Ich habe ein Mal in meinem Leben gekifft und das war’s. Mittlerweile habe ich sogar mit dem Rauchen aufgehört.
    Birgit: Manchmal kommt einer und fragt „Willste wad?“ Aber ich lehne das immer ab. Unsere Stammgäste wissen das auch, aber manchmal kommen auch Leute rein, die sich nicht benehmen können. Ich sage zu unseren Türstehern immer, dass ich nur die Hälfte der Leute reinlassen würde.

    Ihr haltet an den Abenden aber ja genauso lange durch wie die Gäste. Ist es da nicht verlockend, auch zu Hilfsmitteln zu greifen?
    Olaf: Ach Quatsch. Mir reichen ein Kaffee und vielleicht noch ein Energydrink.
    Birgit: Ich mache vorher ein Nickerchen, trinke meinen Kaffee und rauche meine Zigaretten. Mehr braucht es gar nicht.

    Wie war das früher, als ihr noch selbst nachts durch die Berliner Clubs gezogen seid?
    Olaf: In der DDR gab es keine Drogen, zumindest habe ich davon damals nichts mitbekommen. Damals haben wir ein paar Bierchen und einen Weinbrand getrunken und das hat gereicht. Wir waren auch nur von 21 bis 1 Uhr auf der Piste. Länger ging es damals gar nicht. Heute fängt es da erst an.
    Birgit: Ich war früher fast jeden Tag unterwegs. Ich war richtig süchtig danach. Heute gehe ich noch manchmal ins Ballhaus Berlin. Aber wir sind ja eh immer auf der Arbeit im Club.

    Und dann wird auch getanzt?
    Birgit: Ich kann alles! Hip-Hop, Techno, Elektro. Mir macht das Spaß.
    Olaf: Ich bin eigentlich eher ein Schlagerfreak.

    Fühlt man sich irgendwann zu alt für den Job?
    Birgit: Was heißt denn hier alt? Also hör mal! (beide lachen) Uns macht der Job Spaß und ich vermisse den Club manchmal richtig. Einmal bin ich, obwohl ich krank war und gerade aus dem Krankenhaus kam, immer mindestens 15 Minuten da gewesen. Sonst hätte was gefehlt. Der Club ist eben wie Familie.

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    Das Eiffelturm-Peace-Zeichen auf einem Gehweg in Paris.

    Es ist keine drei Tage her, seit Paris von IS-Terroristen angegriffen wurde. Tage, an denen wir voller Fassungslosigkeit vor unseren Bildschirmen saßen, mit Freunden sprachen und versuchten, zu begreifen, was da passiert ist. Doch das reicht nicht. Zu vieles ist noch zu unklar, zu verwirrend, zu voll sind die Köpfe mit Fragen, Ängsten, Hoffnungen, Bildern, Momenten.


    Wir haben diese Gedanken und Momente hier aufgeschrieben. Ungeordnet, ohne eine Gewichtung. Einfach nur, um sie auszusprechen. Um zu trauern, um zu hoffen, um weiter drüber reden zu können. Um nicht zu vergessen, was da war:

    Die kurzen Momente nach den ersten Explosionen, als es aussah, als würde das Fußballspiel im Stadion kurz zusammenzucken.

    Der Torjubel beim 2:0 für Frankreich, der so absurd wirkte: Da jubeln Fußballer, weil sie nicht wissen, dass draußen gerade Menschen andere Menschen töten und dass auch im Stadion Bomben hätten explodieren sollen.

    Mehmet Scholls leerer Blick auf sein Mikrofon.

    Die Angst im Gesicht des kleinen Jungen, der nach dem Spiel ins Fußballstadion zurückgerannt kam.

    Das Mädchen, das in einem Handyvideo zu sehen ist, wie es an einem Fenster des Bataclan hängt, hoch über der Straße.

    Die junge Frau, die weinend erzählt, dass sie im Bataclan eine Stunde lang in einer Blutlache lag und sich tot gestellt hat.

    Die Frage: Wie hält man das aus? Sich eine Stunde lang zwischen Leichen nicht bewegen? Nicht schreien?

    Die Unglaublichkeiten, die Matthias Matussek nach den Anschlägen auf Facebook geschrieben hat.

    Die Lippen von François Hollande, die er während seiner ersten Rede vor angespannter Wut oder Trauer oder Fassungslosigkeit zu dünnen Strichen zusammenpresst.

    Die Häufigkeit, in der Hollande das Wort “Krieg” benutzt.

    Die Mutmaßungen, was die Attentäter gerade machen, die noch frei da draußen herumlaufen? Was essen sie? Wo schlafen sie? Worüber reden sie? Was geht in diesen kranken Hirnen jetzt vor?

    Diese Band, die das alles so verdammt nah ran holt: Ich habe Karten für das Eagles-of-Death-Metal-Konzert in München. Würde ich in Paris leben, wäre ich im Bataclan gestanden. Hinten. Da also, wo man vermutlich reinkommt. Wo die Attentäter reingekommen sind. Da, wo man als erster stirbt. Würde ich in Paris leben, wäre ich jetzt wahrscheinlich tot. Und meine Freundin wahrscheinlich auch.

    Der Gedanke: War in diesem Konzertsaal vielleicht einer meiner Freunde und Bekannten aus Paris?

    Die Erleichterung, als diese dann endlich auf SMS antworten, dass es ihnen gut geht.

    Die Erkenntnis: Der “Safety-Button” auf Facebook hat wohl doch seine Berechtigung.

    Der Hashtag #porteouverte, unter dem Hilfesuchende im Chaos Menschen finden konnten, die ihnen Unterschlupf boten.

    Die Vorstellung, was für Szenen sich an diesen Türen und in den Wohnzimmern dahinter Freitagnacht abgespielt haben müssen.

    Die Vorstellung, dass so vielleicht Freundschaften fürs Leben entstehen.

    Die Frage: Was macht man eigentlich, wenn man merkt, dass Menschen mit Maschinenpistolen in eine Menge schießen? Geht man hinter anderen Menschen in Deckung? Oder stellt man sich vor sie? Und was sagt das eine oder das andere über einen aus?

    Das Video, in dem Donald Trump sagte, dass das nicht passiert wäre, wenn alle Franzosen Gewehre hätten.

    Die leeren Pariser Straßen am Samstagvormittag.

    Der junge Mann, der sein zerstörtes Smartphone in die Fernsehkameras hält, weil es einen Bombensplitter abfing, der sonst seinen Kopf getroffen hätte.

    Die Augenzeugen, die sagen, sie hätten die Schüsse für Knallfrösche gehalten oder beim Konzert für einen Teil der Show. Weil Maschinenpistolenfeuer in Paris einfach so unreal ist.

    Die Augenringe von Thomas de Maizière, die von TV-Interview zu TV-Interview immer dunkler werden.

    Die Angst, dass jetzt Nato-Truppen in Syrien einmarschieren, wie sie nach dem 11. September in Afghanistan einmarschiert sind. Und dass wieder keiner wissen wird, was eigentlich passieren soll, wenn man den IS besiegt hat.

    Die Feststellung, dass keines der Länder, in dem Truppen in den vergangenen Jahren zur angeblichen “Demokratisierung” einmarschiert sind, heute wirklich demokratisch ist.

    Der Moment, in dem bei Bild.de die Meldung “Einer der Attentäter war in Griechenland als Flüchtling registriert” aufleuchtet. Und man weiß: Fuck, das wird dieser ganzen eh schon sehr unseligen Debatte keine gute Wendung geben.

    Die leichte Angst, wenn das Smartphone sein Eilmeldungs-Fiepen macht: Was ist jetzt passiert?

    Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, der im Deutschlandfunk so kluge Sachen wie “Die Willkommenskultur ist der größte Feind der Terroristen” sagt. Und das Wissen, dass viele Hörer darüber nur zynisch lachen.

    Die Forderung nach Vorratsdatenspeicherung - die es in Frankreich seit mehr als zehn Jahren gibt.

    Trikolore-Facebook-Profilbilder bei Leuten, die Pegida geliked haben.

    Die Erkenntnis, dass es im Libanon am Wochenende auch Anschläge gegeben hat, aber keine Farb-Option auf Facebook.

    Die Angst, Freunde oder Familienmitglieder hassen zu müssen, weil sie etwas über gefährliche Flüchtlinge sagen. Im schlimmsten Fall, dass sie das ja schon immer gesagt haben.

    Die Frage, ob es es Fatalismus ist, wenn man sagt, dass man nichts, aber auch gar nicht gegen solche Anschläge machen kann?

    Die Unsicherheit, ob man sich nach diesem Wochenende über den Tatort beschweren darf.

    Die Unsicherheit, ob man schlecht über Menschen denken darf, die statt einer Beileidsbekundung ihren neuen Blogpost auf Facebook angeteasert haben: “Die 15 schönsten Urlaubsziele auf Bali”?

    Und doch auch immer wieder technische Fragen: Wie viel Schuss sind in so einem Magazin? Und wie viele kommen da in der Sekunde raus?

    Die Panik, die am Sonntagabend an einem der Tatorte noch einmal ausgebrochen ist.

    Die Frage, wie man selbst reagieren würde, wenn es heute morgen in der Innenstadt einen lauten Knall gegeben hätte.

    Das Grübeln darüber, ob Deutschland bislang nur mehr Glück hatte als Frankreich.

    Die Angst davor, dass dieses Glück nicht ewig halten wird.

    Das komische Gefühl, das man jetzt hat, wenn man an große Menschenansammlungen denkt.

    Das komische Gefühl, dass das komische Gefühl so schnell nicht mehr weggehen wird.


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    http://www.youtube.com/watch?v=HjR_m9YFWTE (Hier zum Original-Video auf Facebook)

    Zehn Minuten brachten Alex Diehl, 27, fast drei Millionen Video-Aufrufe. Am vergangenen Freitag sah der Singer-Songwriter aus Waging am See im oberbayerischen Landkreis Traunstein das Freundschaftsspiel der Fußballnationalmannschaften Frankreich gegen Deutschland im Fernsehen. Der Sport wurde an dem Abend zur Nebensache, als in der ersten Halbzeit Explosionen zu hören waren und fast zeitgleich an sieben Orten in Paris bei Anschlägen und Schießereien Hunderte Menschen getötet und verletzt wurden.   

    Die ganze Nacht lang verfolgte Alex Diehl Liveblogs auf Nachrichtenwebseiten und schrieb – in zehn Minuten, wie er dem BR sagt – ein Lied, in dem er seine Gefühle verarbeitete. Er filmte sich mit seiner Handykamera im Wohnzimmer, singend und gitarrespielend. Am Samstagabend stellte er den dreieinhalb Minuten langen Song "Nur ein Lied" schließlich auf seine Facebook-Seite und schrieb dazu: "Ich habe ‚Ein kleines Lied’ geschrieben... (...) Mir blieb der Atem weg, als ich den Knall hörte."  

    "All das was sich bei mir über Wochen und Monate angestaut hat, habe ich aufgeschrieben", sagte Diehl dem BR. Mit seinem Lied fasst er in Worte, was viele nach den Anschlägen in Paris empfinden. Im Refrain heißt es: "Und ich hab keine Lust nur zuzusehen, wie das alles hier in Flammen aufgeht. Ich hab zu viel Angst, um still zu sein, es ist nur ein Lied, doch ich sing’s nicht allein." Damit trifft er einen Nerv, speziell in den sozialen Medien, in denen viele User mit Trikolore-Profilbildern und Eiffelturm-Peace-Zeichen Solidarität mit den Opfern der Anschläge und ihren Angehörigen ausdrücken. Auf Facebook wurde es innerhalb eines Tages mehr als eine Million Mal aufgerufen. Inzwischen haben mehr als 2,5 Millionen Menschen das Video auf Facebook gesehen, 57.000 Mal wurde es geliked und 75.000 Mal geteilt. Außerdem wurden Versionen davon schon auf Youtube kopiert. Diehl arbeitet auch selbst, wie er in einem Kommentar unter dem Video schrieb, an einem neuen Video des Songs für Youtube.

    Die Reaktionen auf Diehls Song sind durchweg positiv. In den mehr als 4.500 Kommentaren schreiben User von Rührung, "Gänsehaut pur" und "Tränen", bezeichnen Diehl als "Held des Tages" und danken ihm. Der Songtext wurde außerdem ins Englische übersetzt.   

    Diehl selbst ist von dem Erfolg seines Videos überrumpelt. Die Videos auf seinem Facebook-Account, auf dem er sonst Fotos und Videos aus dem Studio und von der Bühne, Aufnahmen von sich beim Wandern oder vom Zwetschgenknödelkochen mit seiner Oma kochen, haben sonst um die tausend Aufrufe. Politisch will er sich nicht einordnen lassen. "Ich möchte nicht links, nicht rechts stehen. Ich möchte einfach menschlich sein", sagte er dem BR. Dass er Pazifist ist, macht schon der Hintergrund in seinem Videodeutlich, ein Plakat der Friedensbewegung. Und im Text von "Nur ein Lied" heißt es: "Denn wie John Lennon glaub ich daran, the world could live as one."

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    Erstmals kann man nun auch im Zelda-Kosmos offiziell als weibliche Heldin spielen. Im neuen Nintendo-3DS-Spiel "Hyrule Warriors Legends", das im März 2016 erscheint, kann man einen weiblichen Link als Spielfigur wählen. Sie wird "Linkle" heißen, Overknees und Zöpfe tragen und zwei Armbrüste haben.  Ob das der feministische Durchbruch in der Spielewelt ist, darf bezweifelt werden. Es wirkt eher so, als haben sich die Programmier eine "sexy" Variante von Link ausgedacht. Vorgestellt hat Nintendo die neue Figur in einem Tweet vergangene Woche, Gerüchte über einen weiblichen Link gab es schon länger.





    Klassische Video- und Computerspiele funktionieren meistens nach demselben Prinzip, nach dem auch Märchen funktionieren. In den "Super Mario"- und "Donkey Kong"-Spielen rettet Super Mario Prinzessin Peach. In "Starfox Adventures" bringt Fox McCloud die Füchsin Krystal in Sicherheit. In "The Legend of Zelda" befreit Link, der Held mit Schwert und Schild, Prinzessin Zelda. Held rettet also Frau in Not. 

    Die angestaubten Geschlechterrollen in Videospielen werden seit ein paar Jahren immer mehr hinterfragt, Sexismus in Computerspielen wird immer wieder thematisiert, nicht nur in neuen Spielen, sondern auch in den Klassikern, mit denen viele aufgewachsen sind und nach wie vor aufwachsen. Geändert hat sich an der Rollenverteilung bisher trotzdem wenig, zumindest offiziell. In den offiziellen Nintendo-Spielen sind weibliche Heldenfiguren wie in Super Mario Bros. 2, wo man auch als Peach gegen die Bösen kämpfen kann, selten. Dafür kann man auf Youtube zahllose Spiele-Hacks finden. 2013 zum Beispiel baute der Entwickler Mike Mika für seine dreijährige Tochter eine Version von "Donkey Kong", in der sie als Heldin Pauline Super Mario rettet:

    http://www.youtube.com/watch?v=JeXDNg7scyU




     

    Kathrin Hollmer 

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  • 11/16/15--09:19: xx
  • Eigentlich ist es im Le Petit Cambodge, einem kleinen kambodschanischen Restaurant an einer Straßenecke in Paris, immer zu voll. Man kann von hohen Barhockern aus in die offene Küche schauen, in der schnelle Hände verschiedene Zutaten in eine Schale schmeißen. Bobun, eine Art Reisnudelsuppe, ist hier die Spezialität. Im Le Petit Cambodge saß ich oft mit meinen Freunden, teilte mir mit meiner Mutter den Nachtisch und stritt mit meinem Freund. Ich war dort, um Dinge zu feiern oder zu vergessen. Es war ein Stück Zuhause. Wenn ich die Augen schließe, bin ich dort. Ich höre die melodischen französischen Stimmen, die sich überschlagen, sehe die Köche, wie sie sich in ihrer Pause Pizza liefern lassen, weil sie Reis nicht mehr sehen können. Ich sehe den Kellner, der meine Telefonnummer notiert und mich anruft, sobald ein Platz frei ist. Ich sehe das Leben, das dort tobt.

    Die Bilder passen nicht zu denen, die seit Freitagnacht im Fernsehen laufen. Ich starre auf den Bildschirm und sehe dort eine Karte, die ich zu gut kenne. Es ist Paris, die Stadt, in der ich ein Jahr lang studiert habe und die sich seitdem wie meine Heimat anfühlt. Jetzt sehe ich die Orte, die ich kenne und liebe, in den Nachrichten. Sehe Bilder von toten Körpern, erschossen, mit weißen Tüchern zugedeckt. Ich lese Straßennamen, die ich an freien Nachmittagen ziellos auf- und abspaziert bin, auf denen ich zur Metro gerannt und im Winter ausgerutscht bin. 

    Im 11. Arrondissement trifft das junge auf das alte Paris. Es gibt einen Biobäcker, ein paar neue, hippe Coffeeshops, einen Kunstbuchladen und Boutiquen neben Blumenläden und Tabakgeschäften. Man kann am Kanal Salsa tanzen und Menschen in Notizbücher zeichnen sehen. In dem Viertel leben meine Freunde, dort befindet sich meine alte WG. Meine Mitbewohner, die zu meiner Familie wurden, die mir französische Schimpfwörter beibrachten und ich ihnen deutsche. 

    Im Sommer sitzen die Menschen dort dicht gedrängt am Kanal, trinken Bier aus Plastikbechern, picknicken mit Käse und Baguette und lassen ihre Beine über dem  Wasser baumeln. Ein bisschen ist es, wie Urlaub in der Stadt. In den kalten Monaten, auch im November, sitzen sie in Decken gewickelt und unter Heizstrahlern an Tischen auf den Bürgersteigen und bieten der Herbstluft die Stirn. Meine ehemalige Mitbewohnerin schreibt mir am Wochende: „Das hier war unser Kokon.“ Jetzt haben ihn die Terroristen aufgeschlitzt. „Geht es allen gut?“, schreibt mir eine Freundin Samstagmorgen. Ich kapiere erst nicht, dass diese Frage meine Routine durchbricht: Nachrichten verfolgen, schockiert sein, diskutieren, schlafen gehen und vergessen. Dieses Mal betrifft es mich, meine Freunde. Auf Facebook tauchen immer mehr Nachrichten in meiner Timeline auf: „Keine Sorge, mir geht es gut.“ Eine Freundin, die nur ein paar Minuten vom Kanal entfernt arbeitet, postet am Freitag: „Alles ok, wir haben uns im Büro verbarrikadiert.“

    Ich gehöre zu einer Generation, die mit alltäglichem Terror aufgewachsen ist. Und ich erlebe, wie der Terror langsam immer näher kommt. Es ist das erste Mal, dass eine Terror-Nachricht so nah an meinem Leben einschlägt. Ich war auch nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo wütend, traurig, fassungslos. Aber ich hatte keine Angst um meine Freunde. Sie fragen mich: „Wo sind wir denn jetzt noch sicher?“ Ich weiß es nicht.

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