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  • 11/16/15--09:48: "Das hier war unser Kokon"


  •  

    Eigentlich ist es im Le Petit Cambodge,  einem kleinen kambodschanischen Restaurant an einer Straßenecke im 10. Arrondissment, immer zu voll. Man kann von hohen Barhockern aus in die offene Küche schauen, in der schnelle Hände verschiedene Zutaten in eine Schale schmeißen. Bobun, eine Art Reisnudelsuppe, ist hier Spezialität. Im Le Petit Cambodge saß ich oft mit meinen Freunden, teilte mit meiner Mutter den Nachtisch und stritt mit meinem Freund. Ich war dort, um Dinge zu feiern oder zu vergessen. Es war ein Stück Zuhause. Wenn ich die Augen schließe, bin ich dort. Ich höre die melodischen französischen Stimmen, die sich überschlagen, sehe die Köche, wie sie sich in ihrer Pause Pizza liefern lassen, weil sie die Reisnudeln nicht mehr sehen können. Ich sehe den Kellner, der meine Telefonnummer notiert und mich anruft, sobald ein Platz frei ist. Ich sehe das Leben, das dort tobt.

    Diese Bilder passen nicht mehr zu denen, die Freitagnacht im Fernsehen kommen. Ich starre auf den Bildschirm und sehe dort eine Karte, die ich zu gut kenne. Es ist Paris, die Stadt, in der ich ein Jahr lang studiert habe und die sich seitdem wie meine Heimat anfühlt. Jetzt sehe ich die Orte, die ich kenne und liebe, in den Nachrichten. Sehe Bilder von toten Körpern, erschossen, mit weißen Tüchern zugedeckt. Ich lese Straßennamen, die ich an freien Nachmittagen ziellos auf- und abspaziert bin, auf denen ich zur Metro gerannt und im Winter ausgerutscht bin.

    "Wo sind wir denn jetzt noch sicher?"


    In diesem Viertel trifft das junge auf das alte Paris. Es gibt einen Biobäcker, ein paar neue, hippe Coffeeshops, einen Kunstbuchladen und Boutiquen neben Blumenläden und Tabakgeschäften. Man kann am Kanal Salsa tanzen und Menschen in Notizbücher zeichnen sehen. Dort leben meine Freunde, dort befindet sich meine alte WG. Meine Mitbewohner, die zu meiner Familie wurden, die mir französische Schimpfwörter beibrachten und ich ihnen deutsche.
    Im Sommer sitzen die Menschen dort dicht gedrängt am Kanal, trinken Bier aus Plastikbechern, picknicken mit Käse und Baguette und lassen ihre Beine über dem Wasser baumeln. Ein bisschen ist es, wie Urlaub in der Stadt. In den kalten Monaten, auch im November, sitzen sie in Decken gewickelt und unter Heizstrahlern an Tischen auf den Bürgersteigen und bieten der Herbstluft die Stirn. Meine ehemalige Mitbewohnerin schreibt mir am Wochenende: „Das hier war unser Kokon.“ Jetzt haben ihn die Terroristen aufgeschlitzt.

    Es ist das erste Mal, das eine Terror-Nachricht so nah an meinem Leben einschlägt. Ich war auch nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo wütend, traurig, fassungslos. Aber ich hatte keine Angst um meine Freunde. 
    Dieses Mal betrifft es mich, meine Freunde. Auf Facebook tauchen immer mehr Nachrichten in meiner Timeline auf: „Keine Sorge, mir geht es gut.“ Eine Freundin, die nur ein paar Minuten vom Kanal entfernt arbeitet, postet am Freitag: „Alles ok, wir haben uns im Büro verbarrikadiert.“

    Ich gehöre zu einer Generation, die mit alltäglichem Terror aufgewachsen ist. Und ich erlebe, wie der Terror langsam immer näher kommt. Auf die Frage meiner Freundin, wo sie denn jetzt noch sicher seien, antworte ich: Ich weiß es nicht.

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  • 11/16/15--10:21: Weg, bevor der Winter kommt
  • An fast jeder Straßenecke stehen Soldaten, den Finger am Abzug des Sturmgewehrs, während sie ins Innere der vorbeifahrenden Autos spähen. Aaref sitzt in einem Taxi auf dem Beifahrersitz, nippt Kaffee aus einem Plastikbecher und zieht dann kräftig an seiner Zigarette. Am weiß-roten Kontrollhäuschen der Armee lehnt er sich nach vorne, sodass ihn der Soldat gut sieht, und grüßt: „Möge Gott dich stärken, Ahmad!“ Soldat Ahmad zwinkert Aaref zu und fragt: „Kifak?“ – „Wie geht’s?“ Nachdem sie die üblichen Floskeln ausgetauscht haben, geht die Fahrt weiter.

    Der Fahrer biegt in die nächste Häuserschlucht des Viertels Bab al-Tabbaneh in der libanesischen Hafenstadt Tripoli ein – aufgerissene Fassaden links und rechts, die das Innere der Gebäude nach Außen kehren: zerstörte Bade-, Schlaf- und Wohnzimmer, nackt und schutzlos. Je tiefer das Taxi in die enge Straße eindringt, umso mehr scheint es, als könnten die Häusergerippe jeden Moment über einem zusammenbrechen. „Ich will hier weg. Es gibt im Libanon keine Chancen für mich“, sagt Aaref. „Ich habe Angst, dass ich in Tripoli zugrunde gehe.“ In ein paar Tagen wird der 25-Jährige deshalb seine Heimat verlassen. Mit Freunden will er im Schlauchboot über das Mittelmeer nach Griechenland fahren und dann zu Fuß weiter. Sein Ziel ist Deutschland.



    Aaref, 25, will mit Freunden nach Griechenland und dann weiter nach Deutschland fliehen

    Es sind also nicht nur die Syrer auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg, die sich in diesen Tagen von Tripoli aus nach Europa aufmachen: In den letzten Monaten sollen laut libanesischer Medienberichte mehrere tausend junge Libanesen ihr Land verlassen haben. Offizielle Zahlen liegen nicht vor. Warum begeben diese Menschen sich mit den syrische Flüchtlinge auf die gefährliche Reise ins Ungewisse? Befürchten sie, dass der Krieg in Syrien doch noch auf den kleinen Nachbarstaat übergreift?

    Tatsächlich spielen der Syrienkrieg und seine Begleitsymptome eine entscheidende Rolle für die Auswanderungswelle. Vor allem in Tripoli befeuert der Krieg eine Jahrzehnte alte religiös und politisch motivierte Fehde zwischen zwei Vierteln: Dort bekämpfen sich Sunniten auf Seiten der syrischen Opposition in Bab al-Tabbaneh und Alawiten aus Dschabbal Mohsen, die das Assad-Regime unterstützen.



    Die Häuser in Bab al-Tabbaneh sind gezeichnet von gewaltsamen Konflikten

    Das Resultat daraus ist die Trümmerlandschaft, in der Aaref aufgewachsen ist. Er bezahlt dem Taxifahrer umgerechnet 50 Cent und steigt aus dem Wagen. Er steht am Fuße eines Hügels. Dort oben, nur ein paar Meter entfernt von ihm, beginnt Dschabbal Mohsen – der ewige Feind. Die Grenze ist ein Hochhaus. Die vielen Einschusslöcher in der Fassade sind nur dürftig verputzt. „Wir sind mit den Geschichten aufgewachsen, dass die Kämpfer aus Dschabbal Mohsen blutige Massaker in Bab al-Tabbaneh angerichtet haben. Wenn einer von uns dorthin ging, wurde auf ihn geschossen, und dasselbe galt in unserem Viertel“, sagt er. Ende 2014 verschärfte die libanesische Armee die Sicherheitsmaßnahmen in beiden Bezirken. Erst seitdem sei es einigermaßen ruhig geworden, sagt Aaref.

    Vor vier Jahren, sagt Aaref, sei alles noch schlimmer geworden. Damals kamen die Syrer nach Tripoli


    Auch Aaref war ein Kämpfer. Er war gerade einmal 16 Jahre alt, als ihm ein Bekannter eine Waffe in die Hand drückte und ihn auf die Straße schickte. Doch anstatt zu töten, wurde er damals zum Helfer: „Während der Kämpfe traute sich das Rote Kreuz nicht in unseren Bezirk. Also habe ich die Verletzten ins Krankenhaus gefahren. Viele starben auf meiner Rückbank.“ Das Auto hat er erst vor ein paar Tagen verkauft. Nicht, weil ihn die Erinnerungen quälen, sondern weil er dringend Geld braucht. Knapp 3000 Euro wird ihn die Reise nach Europa kosten. Dafür verkauft er sein altes Leben. Denn Aaref will der Gewalt und der extremen Armut in Tripoli entkommen: „Wir sind Bürger zweiter Klasse. Es gibt keine Arbeit, keine Perspektive, keine Gesundheitsversorgung . . . Die meisten Libanesen denken, wir aus Tripoli seien alle Terroristen, und die Politiker lassen uns am langen Arm verhungern.“

    Vor vier Jahren, so erzählt Aaref, sei ihre Lage noch schlimmer geworden. Damals kamen die syrischen Flüchtlinge in den Libanon. Mittlerweile sind es über eine Million, in einem Staat mit gerade mal viereinhalb Millionen Einwohnern. „Auch wenn es den Syrern hier nicht so gut geht wie vor dem Krieg, haben sie doch mehr Arbeit und Essen als wir“, behauptet Aaref. Warum? Ganz einfach, meint er, für das Gehalt eines Libanesen, etwa zehn Euro pro Tag, würden Arbeitgeber heute lieber zwei Syrer einstellen. Wie die syrischen Flüchtlinge nach Europa aufzubrechen, sieht er deshalb als einzigen Ausweg: „Ich kann als Libanese nicht mehr als Müllmann oder auf dem Bau arbeiten. Das machen alles die Syrer. Und wenn für mich hier kein Platz mehr ist, dann muss ich gehen.“



    Der Hafen von Tripoli. Hier beginnt für Syrer und Libanesen die gefährliche Reise über das Mittelmeer.

    Aaref war noch nie in Europa. Wie stellt er sich das Leben in Deutschland eigentlich vor? Er zählt auf: „Ich glaube, in Deutschland gibt es viel mehr Sicherheit und Menschlichkeit als hier. Ich hoffe, dass ich dort Arbeit finden kann, um meine Familie hier zu unterstützen.“ Er hat gehört, dass tausende Deutsche gegen Flüchtlinge, Migranten und deren Kultur demonstrieren. Aaref ist gläubiger Sunnit und in einer muslimischen Gemeinschaft aufgewachsen. Aber diese Ressentiments beunruhigen ihn nicht: „Sie haben wahrscheinlich Angst vor einer Islamisierung. Aber wir sind keine radikalen Islamisten, nur, weil wir fünfmal am Tag beten.“

    >>>> „Ich will nicht auf dem Meer sterben“, sagt Isa, 24. Trotz seiner Angst will auch er die Flucht wagen.
    [seitenumbruch]
    Tatsächlich flieht Aaref selbst vor religiösen Extremisten, die in seinem Viertel immer mehr Fuß fassen. Lea Baroudi kennt diese Probleme der jungen Menschen in Tripolis Problembezirken: Sie ist Gründerin der Nichtregierungsorganisation March, die in Bab al-Tabbaneh und Dschabbal Mohsen Kulturprojekte organisiert. „Wer in Armut und gesellschaftlich marginalisiert aufwächst, ist besonders einfach zu manipulieren. Es gibt in Tripoli radikal islamistische Gruppen, die dort Mitglieder rekrutieren“, sagt sie.



    Strandkiosk in Tripoli. Deutschland ist weit entfernt, doch die Flagge ist auch hier zu sehen.

    Die neuinterpretierte „Hidschra“ – die Auswanderung aus Tripoli – habe zwar in diesem Jahr stark zugenommen, sagt Baroudi, doch eine Neuerscheinung sei sie nicht. Schon während des Bürgerkriegs verließen Hunderttausende den Libanon. Schätzungen zufolge leben über 13 Millionen Libanesen im Ausland. „Obwohl der libanesische Bürgerkrieg vor über 25 Jahren beendet wurde, ist in Tripoli die Zeit stehen geblieben. Viele wollten weg, wussten aber bisher nicht wie. Jetzt sehen sie das Meer als Ausweg“, sagt Baroudi.

    Baroudi hat während ihrer Arbeit in Tripoli mit jungen Menschen gesprochen, die so schnell wie möglich das Land verlassen wollen. „Wir warnen sie davor, dass ihre Vorstellung von einem neuen Leben nicht der Realität entspricht. Und dass sie schon auf dem Weg dorthin im Mittelmeer ertrinken könnten“, sagt Baroudi und fügt resigniert hinzu: „Die neue Auswanderungswelle ist ein Schrei nach Hilfe, aber unsere Politiker werden wieder einmal nicht hinhören.“

    „Ich will nicht auf dem Meer sterben“, sagt Isa. Der junge Mann steht am Hafen von Tripoli und starrt auf die ruhige See, die Hände fest um das Lenkrad seines rostigen Fahrrads geklammert. Hinter ihm liegen morsche Schiffswracks an Land. Die Seemänner am Hafen sagen, dass ein paar der Boote schlicht ausgedient haben, andere kenterten vor der Küste und wurden angespült. In den vergangenen Wochen ertranken drei von Isas Freunden im Mittelmeer auf dem Weg nach Griechenland. „Mein Leben liegt in Gottes Hand. Er bestimmt, was mit mir passieren wird“, sagt Isa tapfer. Doch es scheint, als sei er von seinen eigenen Worten nicht so recht überzeugt. Obwohl Isa nur ein Jahr jünger ist als Aaref, wirkt er viel zerbrechlicher. Seine Augen blicken stets fragend. Seine Gesichtszüge sind weich, fast kindlich.



    Isa fürchtet sich vor dem Meer. Drei seiner Freunde sind in den vergangenen Wochen ertrunken.

    Isa kommt aus einem Viertel, das neben Bab al-Tabbaneh und Dschabbal Mohsen liegt. Die Mutter starb, als er acht Jahre alt war. Seitdem wohnt er allein mit seinen zwei Brüdern und dem Vater. Im Gegensatz zu vielen Gleichaltrigen, machte er sein Abitur und schloss eine Ausbildung als Hotelier ab. „Als Schüler war ich glücklich, nicht wie andere Jungs auf der Straße abhängen zu müssen. Viele nehmen Drogen und haben sich längst aufgegeben. Probleme werden oft mit Gewalt gelöst“, sagt Isa.

    Ein radikaler Sheikh bot Isa an, ihn fürs Kämpfen zu bezahlen. Aber Isa wollte nicht auf Menschen schießen


    Als er nach der Ausbildung keinen Job fand, bot ein radikaler Sheikh an, ihn fürs Kämpfen in Syrien oder in Tripoli zu bezahlen. Isa verweigerte. Allein der Gedanke schreckte ihn ab, mit einer Waffe auf Menschen zu schießen, die er vielleicht sogar kannte. Ein paar Wochen vor der Anwerbung starb sein zwölfjähriger Cousin Rabia. Während eines Schusswechsels auf der Straße traf den Jungen eine Kugel in den Kopf. Heute, ein Jahr später, hat Isa Rabias Tod noch nicht überwunden: „Manchmal vergesse ich, was passiert ist, und erzähle anderen, dass ich Rabia gleich abholen und mit ihm zusammen essen, spielen und für die Schule lernen werde.“

    Der gewaltsame Tod von geliebten Menschen, die Angst ums eigene Überleben, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, ein Leben am Rande der Gesellschaft – Isa will das alles hinter sich lassen. Doch er weiß nicht, ob er als Libanese überhaupt Chancen in Deutschland hat.

    Isas und Aarefs Beispiele lassen einen mit Fragen zurück. Mit grundsätzlichen Fragen der Flüchtlingskrise: Wer hat überhaupt das Recht auf Flucht nach Europa oder auf einen Neuanfang dort? Wer definiert das? Wird Isa und Aaref zu viel Hoffnung gemacht? Sind sie am Ende vielleicht die Opfer der Auswanderungsbewegung in Tripoli, weil andere ihnen zurufen „Jetzt oder nie!“? Europa wird umzäunt und auf dem Meer wird es stürmischer, denn der Winter naht. Jetzt oder nie?

    Isa zeigt auf eine blau-weiße Fähre, die in einem abgesperrten Bereich des Hafens anliegt. Knapp 210 Euro kostet das Ticket von Tripoli nach Mersin in der Türkei. Was danach auf ihn wartet, kennt Isa nur aus den Nachrichten: mit Schmugglern nach Griechenland, lange Märsche und Zugfahrten auf der Balkan-Route, tagelanges Warten an Grenzen – Deutschland liegt noch in weiter Ferne. Im Gegensatz zu Aaref wird Isa ohne Freunde reisen. Was fühlt er, so ganz auf sich allein gestellt? Den Blick starr geradeaus aufs Meer gerichtet, die Stirn in Falten gelegt, versuchen seine Lippen, ein Wort zu formen. Dann flüstert Isa einen der wenigen deutschen Ausdrücke, den er kennt: „Angst“.


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    Sie zeigen Schilder, auf denen #noussommesunis ("Wir sind vereint)" steht, senken ihr Köpfe, ein Sprecher sagt: "Sie wollten, dass Frankreich schwach wird. Aber sie haben unsere französischen Herzen nur stärker gemacht." In einem Video drücken Studenten der „Étudiants Musulmans de France“ (EMF) ihre Solidarität mit den Opfern und Hinterbliebenen der Anschläge in Paris aus. 

    http://www.youtube.com/watch?v=o3FCX0bHRdY

    Auf ihrer Hompage schreiben sie, keine Ideologie dieser Welt könne diese Welle der Gewalt rechtfertigen. Sie fordern Entschlossenheit im Kampf gegen den Terror. 

    Sie äußern aber zugleich auch die Sorge, dass nach den Anschlägen nun sowohl die Stigmatisierung als auch die Gewalt gegen Muslime zunehmen könnte. Das sei zuletzt nach der Attacke auf die Redaktion des Satire-Magazins "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt im Januar der Fall gewesen. Sie rufen  zu "Ruhe und Besonnenheit" auf. Die Studenten warnen davor, alle Muslime im "politisch-medialen Diskurs" in einen Topf zu werfen. 

    patrick-wehner









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    Mindestens einer der Attentäter in Paris war erst 20 Jahre alt. Wird der Terrorismus immer jünger? „Wir reden bei Radikalisierung grundsätzlich von einem Jugendphänomen“, sagt Ahmad Mansour. Der Islamismusexperte ist als junger Palästinenser in Israel beinahe selbst radikaler Islamist geworden. Obwohl er aus einem aufgeklärten, liberalen Elternhaus kam.

    Als Psychologe lebt Mansour seit zehn Jahren in Deutschland und beschäftigt sich mit Projekten und Initiativen, die Extremismus bekämpfen und Demokratie und Toleranz fördern. Außerdem ist er Programme Director bei der European Foundation for Democracy in Brüssel, Gruppenleiter bei Heroes, einem Projekt gegen Gewalt und Unterdrückung im Namen der Ehre, und Familienberater bei Hayat, einer Beratungsstelle für Deradikalisierung. Gerade ist sein Buch „Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen“ erschienen.

    jetzt.de: Erinnern Sie sich noch daran, wie sich Ihre eigene Radikalisierung angefühlt hat?
    Mansour: Natürlich. Das lief nicht von heute auf morgen. Es war ein Prozess. Aber einer, und das ist sehr wichtig, der mich glücklich gemacht hat. Ich war ein Mensch, der endlich Freunde gefunden hatte, der endlich eine Aufgabe hatte. Und eine Möglichkeit, sich von seinem Elternhaus abzugrenzen. Ich gehörte auf einmal zu einer Elite. Alles emotional sehr positiv.

    Moment, man muss sich Islamisten also als glückliche, als erfüllte Menschen vorstellen?
    Na ja, sie haben zunächst das Gefühl, angekommen zu sein, sich befreit zu haben, neu geboren zu sein. Plötzlich eröffnen sich ihnen viele neue Chancen und Möglichkeiten. Aber das ist kein Dauerzustand. Es ist eine Art Anfangshoch, auf das aber bald extreme Belastungen folgen. Es verlangt einem Menschen schließlich viel ab, eine Ideologie zu leben. Das sind strenge, teilweise brutale Anforderungen. Denen gerade im Alltag gerecht zu werden, kann aufreibend sein.

    Gibt es wiederkehrende Motive bei der Radikalisierung?
    Grundsätzlich gilt: Diejenigen, die uns monokausale Erklärungen liefern, haben das Problem nicht verstanden. Es gibt sehr unterschiedliche Gründe, die zur Radikalisierung führen können. Die wirken für sich betrachtet, das sieht man ja bei mir, möglicherweise banal. Jugendliche können in der Radikalität eine Identität suchen oder eine Vaterfigur – oder auch nur etwas, das ihren Alltag strukturiert. Sie wollen sich befreien oder durch die Ideologie eine Art von Aufwertung erfahren. Was wohl die meisten eint: Sie waren vorher unzufrieden. Sie haben eine Last mit sich herumgetragen. Und sie haben durch die Ideologie das Gefühl bekommen, von dieser befreit zu werden. Neu anfangen zu können.




    Ahmad Mansour

    Sind bestimmte soziale oder politische Milieus dafür besonders anfällig?
    Nein, das kann jeden treffen, unabhängig von Schicht und Bildung – mit oder ohne Migrationshintergrund.

    Und radikalisieren sich junge Menschen anders als Erwachsene?
    Wir reden bei Radikalisierung grundsätzlich von einem Jugendphänomen. Natürlich radikalisieren sich auch Ältere. Aber das große und entscheidende Problem sind die Jugendlichen. Und das Alter geht bei denen immer weiter runter. Vor ein paar Jahren haben wir grob über 18- bis 27-Jährige geredet. Heute geht das immer öfter schon mit 15-Jährigen los.

    Warum?
    Weil es viel einfacher ist, an sie heranzukommen. Sie sind oft noch orientierungsloser und weniger gefestigt.

    Weiß man, wie sich der Schritt zu Gewalt und Mord vollzieht?
    Ganz klar: Nein. Das weiß man nicht. Aber das ist meiner Meinung nach auch erst mal nicht entscheidend. Wichtiger erscheint mir der Hinweis, dass auch die Menschen, die noch nicht gewalttätig sind, nicht harmlos sind! Menschen, die in einer Gesellschaft leben, deren Werte sie ablehnen oder bekämpfen, sind eine Gefahr für uns. Wir reden hier von Leuten, die einen Buchstabenglauben an religiöse Schriften haben und sich damit entmündigen. Sie geben die Verantwortung für ihr Handeln ab. Ein hochgefährlicher Prozess, der natürlich zu bewaffneter Gewalt führen kann – besonders, wenn die Opfer- und Feindbilder, die sie vermittelt bekommen, mit extremen Emotionen besetzt werden. Leider entwickeln wir immer erst dann ein Problembewusstsein, wenn das passiert ist. Wenn es Anschläge gab. Das Problem beginnt aber viel früher: an den Schulen, auf den Straßen. Da müssen wir die Jugendlichen erreichen. Diejenigen, die bereits Anschläge verüben wollen, sind für uns verloren. Die müssen wir mit dem Sicherheitsapparat bekämpfen.

    >>>Was man tun kann, wenn ein Mensch sich radikalisiert? Viel. Das Wichtigste: "Kontakt halten. Nachfragen, wie es dem Menschen geht. Emotionalität wiederherstellen."<<<
    [seitenumbruch]

    Wenn sich ein Mensch wirklich radikalisiert hat, kommt man als Gesellschaft also nicht mehr an ihn ran?
    Kaum. Viel einfacher ist es, die Jugendlichen vorher zu erreichen. Bevor die Salafisten das tun.

    Was braucht es da?
    Umdenken.

    Von wem?
    Uns allen! Das, was wir gerade machen, ist zu einfach, und es erreicht die Jugendlichen zu wenig. Wir müssten die Schulen reformieren, damit wir dort Radikalisierungstendenzen erkennen. Wir müssen die Jugendlichen in den Schulen für Demokratie und Menschenrechte begeistern. Wir müssen dort mit ihnen über aktuelle politische Themen reden. Wir müssen ihnen politisches und kritisches Denken beibringen. Und wir müssen unsere Sozialarbeit reformieren. Momentan ist die in den Siebzigern und Achtzigern hängengeblieben ist.

    Was heißt das?
    Dass Sozialarbeit beispielsweise viel zu wenig im Internet stattfindet. Wir müssen die sozialen Medien zurückerobern. Das sind inzwischen rechtsfreie Räume, in denen die Radikalen die Macht haben.

    Das klingt jetzt sehr drastisch. Radikalisieren sich Menschen denn überhaupt im Netz, wie allgemein behauptet wird?
    Ja und nein. Das Internet verstärkt das alles, weil es die Ideologien jederzeit zur Verfügung stellt. Aber es gibt immer auch Bezugspersonen im realen Leben. Und deshalb brauchen wir auch endlich eine mutige, ehrliche Islam-Debatte. Die Radikalisierung ist unser Kind. Das Ungeheuer ist unter uns entstanden. Es ist ein Teil von uns. Deshalb müssen wir in der Lage sein, einen Glauben, ein Islamverständnis anzubieten, das keinen Boden für Radikalisierung bietet.

    Heißt das, die islamische Gemeinschaft muss sich ihrer Meinung nach hinterfragen?
    „Gemeinschaften“ ist das zentrale Wort – im Plural. Es gibt DEN Islam nicht. Es gibt nur unterschiedliche Islamauslegungen. Und diejenigen, die Mahnwachen abhalten, die sind teilweise Teil des Problems. Sie mögen Gewalt und Terror ablehnen. Aber wenn sie ein Islamverständnis predigen, das auf der Tabuisierung von Sexualität basiert, auf Geschlechtertrennung, wenn sie einen Gott predigen, der nur bestraft und mit der Hölle droht, wenn sie Schwarz-Weiß-Bilder vermitteln, wenn sie Opfer- und Feindbilder schaffen, wenn sie bei der heiligen Schrift buchstabentreu bleiben, statt sie zu kritisch und historisch zu interpretieren und den Jugendlichen damit die Möglichkeit verwehren, Zweifel zu haben und kritisch zu hinterfragen: dann ist es ein Islamverständnis, das oft die Basis schafft, auf der die Radikalen ihre zukünftige Ideologie aufbauen können.

    Kann ich etwas tun, wenn ich merke, dass ein Freund sich radikalisiert?
    Viel! Man kann sich Hilfe suchen. Es gibt Beratungsstellen, die man anrufen kann. Man kann die Eltern auf seine Sorgen aufmerksam machen. Und man kann – und das ist sehr, sehr wichtig – den Kontakt halten. Nachfragen, wie es dem Menschen geht. Emotionalität wiederherstellen. Wenn der Kontakt abbricht, wenn man kein Interesse mehr zeigt, führt man diese Menschen direkt in die Hände der Salafisten.

    Meint das auch, die Diskussion zu suchen, zu widersprechen bei radikalen Thesen?
    Nein, nein. Keine großartigen theologischen Gespräche. Das bringt nichts. Man muss Interesse zeigen. Das kann natürlich auch mal über kritische Frage passieren. Aber die emotionale Bindung ist viel wichtiger.

    Was sind Anzeichen, dass ein Mensch sich radikalisiert?
    Am auffälligsten ändert sich die Rhetorik. In Gesprächen, aber auch beispielsweise bei Facebook-Posts. Man muss sehen: Verändert sich seine Argumentation? Zieht er sich bei bestimmten Themen ganz zurück? Ändert sich das Verhalten dem anderen Geschlecht gegenüber? Dafür muss man aber natürlich tiefergehende Gespräche führen. Nur auf die Kleidung zu schauen, wie das viele leider tun, genügt nicht.

    Heißt aber auch: Wenn jemand bereits in radikalen Strukturen drinsteckt, bekomme auch ich als Freund ihn da nicht raus?
    Kaum. Umso wichtiger ist es, das vorher zu tun.

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    Mit Rassismus ist das ja so: Man denkt immer, so blöd kann einfach niemand sein. Ernsthaft zu behaupten, Menschen mit einer anderen Hautfarbe seien auf irgendeine Art und Weiser schlechter als andere. Und dann gibt es doch immer Menschen, die einem das Gegenteil beweisen (und das machen sie mittlerweile leider täglich). Was hilft dagegen?

    Die schnöde Antwort ist vielleicht: Liebe!

    Die Fotografin Donna Pinckley fotografiert seit 2014 Menschen verschiedenster Herkunft, die allerdings alle zwei Dinge gemein haben: Sie leben in den Südstaaten der USA. Und sie lieben jemanden, der anders aussieht als sie. Unter den Bildern hat Pinckley Sätze notiert, die diese Paare sich schon anhören mussten. Unschöne Sachen.

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/interracial-couples-racism-sticks-stones-donna-pinckley-15.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/interracial-couples-racism-sticks-stones-donna-pinckley-15.jpg"] "Da draußen gibt's auch schwarze Mädchen."

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/interracial-couples-racism-sticks-stones-donna-pinckley-16.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/interracial-couples-racism-sticks-stones-donna-pinckley-16.jpg"] "Sie will doch nur eine Greencard über dich."

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/interracial-couples-racism-sticks-stones-donna-pinckley-10.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/interracial-couples-racism-sticks-stones-donna-pinckley-10.jpg"] "Kein anderer Mann wird dich je wieder wollen."

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/interracial-couples-racism-sticks-stones-donna-pinckley-13.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/interracial-couples-racism-sticks-stones-donna-pinckley-13.jpg"] "Magst du keine schwarzen Frauen?"

    Auf die Idee zu dem Projekt kam die Fotografin nach eigener Aussage, als sie bei einer anderen Arbeit eine Mutter darüber sprechen hörte, was ihre Tochter sich alles anhören müsse, nur weil sie einen andersfarbigen Mann date. Auf einmal wurde ihr bewusst, wie oft sie solche Geschichten schon gehört hatte – die Bildserie "Sticks and Stones" entstand. Dass die Bilder in schwarz-weiß gehalten sind, hat natürlich auch einen Grund: Es ging de Fotografin eben nicht um die Hautfarben der Portraitierten. Sondern um die Zuneigung, die sie zueinander empfinden. Nehmt das, Rassisten!

    Charlotte Haunhorst

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    Wer schreibt?


    Jens und seine Freundin Isa (nein, nicht die Ex-Freundin).

    Und wie und warum?


    Ach, miese Stimmung halt. Wegen Kleinscheiß. Und dann mussten beide los und Isa hat sich irgendwie reingesteigert und dann haben sie angefangen, das schriftlich zu klären. Was nie eine gute Idee ist. Nie. Vor allem nicht, wenn beide gleichzeitig mit was ganz anderem beschäftigt sind. Dann ist es nicht mal mehr ein Streit zwischen Tür und Angel, sondern einer zwischen zwei Welten, den man besser aufgehoben hätte, bis man sich in seiner gemeinsamen Welt wiedertrifft. Aber wer schafft das schon, wenn der andere so leicht erreichbar ist und sich ein Vorwurf so schnell und so leicht tippen lässt?

    Und wie sieht das konkret aus?




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  • 11/18/15--04:11: Spenden für Sommersprossen
  • Auch wenn einem gerade gar nicht nach Witzen zumute und man sehr verführt ist, dauernd „Mir egal, lass mich in Ruhe, Welt!“ zu sagen, dreht sie sich halt doch weiter, die Welt. Und präsentiert einem dann zwischendurch so Sachen, von denen man sich fragt, ob sie ein Witz sind oder nicht. Weil sie sehr nach Witz aussehen. Aber alle so tun als sei es keiner.

    Aber mal konkret jetzt. Es gibt da so eine Kickstarter-Kampagne, die heißt „Freck Yourself“. Und wenn die Menschen da draußen für diese Kampagne erstmal 215.000 Dollar gespendet haben, dann gibt es Sommersprossen für alle: Man klebt sich eine Art Schablone ins Gesicht, bemalt sie mit Henna-Farbe, zieht sie wieder ab – und ist für etwa 48 Stunden sommersprossig. Beworben wird das Ganze mit diesem Video, das wie eine einzige Satire wirkt. Diese dreieckigen Kosmetik-Aufkleber? Sommersprossen, die für „rebellische Träumer“ stehen? Und dann fährt jemand auf Rollschuhen? Auf Rollschuhen mit Sternen drauf?? Auf denen „FRECK YOURSELF“ steht???



    Ja, da habt ihr alle drauf gewartet, gell?

    In den Medien nimmt man das bisher aber ernst, zum Beispiel hier, hier und hier. Die Cosmopolitan hat die „Faux Freckles“, also falsche Sommersprossen, vor einigen Tagen zum neusten Beauty-Trend ausgerufen. Das hat man auch letztes Jahr schon mal gehört, als Frauen anfingen, sich Sommersprossen mit Stiften aufzumalen. Und irgendwie wäre es ja auch logisch, wenn das mit der Sommerpsrossen-Schablone stimmte. Bescheuert, aber logisch. Denn man kann Details an seinem Körper ja längst anpassen, man kann sich die Haare färben und die Haut bräunen und die Brüste vergrößern lassen. Dagegen sind ein paar Sprossen ja eigentlich harmlos.

    Allerdings gehören Sommersprossen ja zu der Gruppe der sogenannten „Schönheitsfehler“, die als sexy gelten. Als nächstes erwarten wir darum: eine Kickstarter-Kampagne, um eine Zahnspange für die ultrasexy Zahnlücke zwischen den Schneidezähnen zu finanzieren. Und eine für eine Segelohren-Maschine. 

    Valerie Dewitt

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    Und dann findet ausgerechnet Helge Schneider die richtigen Worte nach einem Abend, an dem in Deutschland die Terrorgefahr so konkret wurde wie schon lang nicht mehr. Wegen Hinweisen auf ein Attentat mit islamistischem Hintergrund auf die HDI-Arena in Hannover wurde dort am Dienstagabend das Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden abgesagt, die Bewohner von Hannover wurden gebeten, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.

    Und Helge Schneider? Macht seine Witzchen. Und damit das einzig Richtige. 

    http://www.youtube.com/watch?v=lOZ2VLSccds (zum Original-Video auf Facebook

    Ziemlich genau um 22 Uhr stellte er ein Video auf seine Facebook-Seite. Darin sieht man den Komiker und Musiker, wie er sich selbst in seinem Hotelzimmer mit einem Smartphone filmt. Im Hintergrund läuft sanfte Klaviermusik, Helge Schneider schält eine Mandarine und sagt, lakonisch, wie nur Helge Schneider das kann: „Ich musste grad 'ne Lesung absagen in Hannover. Aus Sicherheitsgründen. Jetzt bin ich in meinem Hotel und ess’ ne Mandarine. Man sagt, Vitamine wären gesund.“ Kauend und mandarinenkernespuckend fügt er noch an: „Wenn das so weitergeht und ich am Ende morgen auch noch mal absagen muss, dann komm’ ich Donnerstag wieder.“  

    Mehr als 130.000 Menschen haben das Video auf Facebook geliked, in den Kommentaren und auf Twitter bekommt er viel Zustimmung. Für die Botschaft „Ich komme wieder“. Für die helgeesken Kampfsporttritte, die der alte Mann am Ende des Videos macht. Aber vor allem: weil es so verdammt gut tat, zu lachen, nach und an Tagen, an denen man eigentlich keinen Grund dazu hat. An denen man in Live-Blogs oder im Fernsehen die Entwicklungen in Paris und Hannover verfolgt und bei jedem Handy-Vibrieren zusammenzuckt, aus Angst, was in der nächsten Eilmeldung steht. 

    Man fragte sich das schon, als Jan Böhmermann in seinen hundert Fragen nach den Anschlägen in Paris nach der korrekten Schreibweise von de Maizière (Accent grave oder aigu?) fragte, und, ob Lutz Bachmann schon mal ein erotisches Erlebnis mit einem Mann hatte. Und auch jetzt wieder, wenn man sich die Tweets unter dem Hashtag #DoItLikeDeMaiziere durchliest.

    Dort wird seit Dienstagnacht über den Bundesinnenminister gespottet, der in der Pressekonferenz zum Terror-Alarm in Hannover sagte, dass er über die konkreten Gründe, die ihn veranlasst haben, das Spiel abzusagen, schweigt. Denn: „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.“ Natürlich hat er mit diesem Satz erst recht verunsichert, deshalb parodieren die Leute das vor allem auf Twitter. 



    (Quelle: Facebook.com/mickybeisenherzoffiziell)

















    Helge Schneiders Video und die Tweets unter #DoItLikeDeMaiziere zeigen, dass Witzchen und Meme nie so wichtig und sinnvoll waren wie jetzt, und dass wir sie selten so dringend gebraucht haben. Die Anschläge von Paris, der Alarm in Hannover, sind Angriffe auf die europäische Lebensweise und -kultur. Dazu gehört Humor, Satire und auch Spott. Wenn wir uns das verbieten, ist das als würden wir die Waffen strecken.



     

    Charlie Hebdo, die französische Satirezeitung, die in diesem Jahr selbst Ziel eines islamistischen Anschlags war, druckte diese Woche auf ihrem Cover einen Mann, der, durchlöchert von Kugeln, Champagner trinkt. Die Titelzeile lautet: „Sie haben die Waffen. Wir scheißen auf sie, wir haben den Champagner!“ Im Leitartikel dazu steht, dass die einzige Antwort auf die Terroristen lauten müsse, dass der Terror, den sie verbreiten, vergebens ist.  

    Darum: Lacht! Über Helge Schneider und Jan Böhmermann, über de Maizière und auch über Katzen, die Angst vor Gurken haben. Sonst haben die Terroristen gewonnen.

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    Nach dem Bombenanschlag auf einem Marktplatz in Yola im Nordosten des Landes, bei dem 30 Menschen starben, haben sich Facebook-Nutzer aus der Umgebung als „sicher“ markieren können. Facebook aktivierte dafür seine Safety Check-Funktion. Damit reagierte das Unternehmen auf die Kritik aus den vergangenen Tagen. 



     Bist du sicher? Und wie entscheidet Facebook, wann es dich das fragt?

    Safety Check sollte ursprünglich nur bei Naturkatastrophen zum Einsatz kommen. Doch während der Terroranschläge in Paris am vergangenen Freitag entschloss sich Facebook, die App für den Standort Paris zu aktivieren. Mit der gut gemeinten Aktion handelte sich das Unternehmen auch viel Ärger ein: Warum, fragten Nutzer (unter anderem Elie Farez, der Autor des viel geteilten Blog-Beitrags über die Schieflage der Anteilnahme für Terror-Opfer in Paris und Beirut), konnten die Pariser sich als sicher markieren – aber zum Beispiel niemand in Beirut während der Anschläge am Donnerstag? Man warf Facebook Einseitigkeit, Doppelmoral und eine zu starke Konzentration auf die westliche Welt vor. 

    Am Samstag reagierte Facebook mit einem Statement: Safety Check sei ein noch relativ neues Feature, das jetzt zum ersten Mal für ein anderes Ereignis als eine Naturkatastrophe eingesetzt wurde. Man habe sich während der Anschläge dafür entschieden, Safety Check zu aktivieren, da viele Nutzer sich ohnehin über Facebook austauschten. Grundsätzlich wolle man die App in Zukunft jedes Mal aktivieren, wann und wo immer sie nützlich sei.

    Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagte aber, man müsse noch genaue Kriterien ausarbeiten, wann die App am nützlichsten sei, denn solche Anschläge seien „all too common“. Schon im Statement vom Samstag hieß es, dass die App zum Beispiel im Falle von Beirut eventuell nicht sinnvoll gewesen wäre, denn die Stadt gehöre „zu den Teilen der Welt, in denen Gewalt alltäglicher ist und in denen bedauerlich oft schreckliche Dinge passieren.“ Darum komme sie auch in Kriegsgebieten nicht zum Einsatz, weil es keinen klaren Endpunkt des Ereignisses gebe und man nie sicher sein könne, dass eine Person wirklich in Sicherheit sei. 

    Die Geschichte der Funktion: 2011 während des Erdbebens und des Tsunamis in Japan nutzten Überlebende aus dem Katastrophengebiet Facebook, um ihren Freunden mitzuteilen, dass es ihnen gut ging. Daraus entwickelte Facebook die Idee für Safety Check, das im Herbst 2014 vorgestellt wurde. Personen, die sich laut ihrem Facebook-Profil an von Naturkatastrophen betroffenen Orten aufhalten, werden seitdem aktiv dazu aufgefordert, ihren Status anzugeben: Indem sie „I am safe“ (oder „I am not in the area“) klicken, wird diese Information für alle Facebook-Freunde sichtbar. Ein unkomplizierter Weg, besorgte Menschen zu beruhigen, ohne hunderte Nachrichten schreiben oder beantworten zu müssen. Seit ihrem Start kam die App bereits fünf Mal zum Einsatz, das erste Mal nach dem Erdbeben in Nepal im Mai 2015.

    Nadja Schlüter 

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  • 11/18/15--07:17: Im Zwischenraum


  • Das Ausschaffungsgefängnis des Flughafens Zürich-Kloten

    Noch bis Samstag läuft in München das internationale Festival der Filmhochschulen. Gezeigt werden 52 Filme von 36 Filmschulen aus 21 Ländern. Einige der Filmemacher haben sich mit dem Thema Flüchtlinge auseinandergesetzt – darunter Khaled Mzher, 31, aus Syrien und Lisa Gerig, 25, aus der Schweiz. In Khaleds Spielfilm „Wada’“ kämpft Ibrahim mit seiner eigenen Ratlosigkeit: Während er in Berlin ein ruhiges Leben führt, verschwindet sein Bruder im Chaos des syrischen Bürgerkriegs. Soll er aufbrechen und den Bruder suchen? Oder soll er in Deutschland bleiben? Kann er überhaupt etwas tun, um seiner Familie und seinen Freunden in Syrien zu helfen? Lisa beschreibt in ihrer Dokumentation „Zaungespräche“, wie es Asylsuchenden im Ausschaffungsgefängnis am Zürcher Flughafen ergeht. Dort warten die Inhaftierten oft monatelang auf ihre Abschiebung.
     
    jetzt.de: Abschlussarbeiten mit Flüchtlingen sind in quasi allen Studienfächern gerade ganz schön in Mode. Da liegt der Verdacht immer etwas nahe, dass das Thema gewählt wird, weil es Öffentlichkeit verspricht.
    Lisa: Mein Film „Zaungespräche“ ist schon eineinhalb Jahre alt. Er wurde jetzt nur wieder aktuell. Mit dem Thema beschäftige ich mich schon seit etwa fünf Jahren: Damals habe ich angefangen, Deutschunterricht für Flüchtlinge zu geben, das war der erste Kontakt. Weil ein Freund von mir abgewiesen wurde, habe ich mit den Besuchen im Ausschaffungsgefängnis am Zürcher Flughafen angefangen. Und wer diesen Ort mal kennenlernt und sieht, wie brutal das dort vor sich geht – kann nicht mehr wegschauen.




    Khaled Mzher studierte am Institute of Dramatic Arts in Damaskus, bevor er 2007 nach Polen emigrierte. An der National Polish Film, Television and Theatre School in Lodz studierte er von 2009 bis 2011. Seit 2012 ist er Regiestudent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Potsdam.
     
    Wie war das bei dir, Khaled?
    Khaled: „Wada’“, der Film, den ich hier vorstelle, wurde ebenfalls schon 2013 gedreht. Wie mein Hauptdarsteller Ibrahim komme ich aus Syrien, lebe aber seit vier Jahren in Berlin – als Student, nicht als Geflüchteter. Meine Familie ist aber noch in Damaskus. Wir sind täglich in Kontakt, sprechen über das, was gerade passiert – über die Entwicklung des Bürgerkriegs, aber auch die Stimmung innerhalb der Familie. 2013 war wirklich eine sehr intensive Zeit. Ich konnte kaum schlafen. Ich schaute täglich vier bis fünf Stunden lang Nachrichten, Minimum. Ich hatte tiefschwarze Augenringe und war einfach nur sehr, sehr gestresst. Damals wäre es vollkommen verrückt gewesen, auch nur zu versuchen, mich einem anderen Thema zu widmen.
     
    Es steckt also viel von deiner eigenen Biografie und deinen Ängsten in deinem Hauptdarsteller?
    Khaled: Als es in Syrien losging, war ich hier in Berlin. Ich lebte also an einem super sicheren Ort, genoss eine sehr gute Ausbildung. Das hat eine Art Schuldgefühl in mir hervorgerufen: Weil ich hier war und meine Familie dort, in dieser furchtbaren Lage. Genau das ist auch das Problem meines Hauptdarstellers: Er ist ratlos, weiß nicht, ob er zurückgehen oder bleiben soll. Beziehungsweise, ob er überhaupt etwas machen kann, um seinen Angehörigen zu helfen. Dieses Gefühl teilen wir.
     
    Wolltest du das mit deinem Film aufarbeiten?
    Khaled: Kann sein. Aber es ist noch mehr: Die Medien vermeldeten ständig nur kalte Fakten: Das ist passiert, dann dieses, dann jenes. So viele Menschen sind gestorben. Ich hatte das Gefühl, dass nicht danach geforscht wurde, warum das alles passierte. Im Film habe ich deshalb versucht, so wenig Informationen anzubieten wie möglich. Stattdessen wollte ich, dass die Zuschauer verstehen, was die Leute hier eigentlich durchmachen und fühlen.




    Ahmad Faraj als Ibrahim in dem Spielfilm "Wada'"

     „Zaungespräche“ findet hauptsächlich auf einer Meta-Ebene statt: Die Flüchtlinge, die in dem Gefängnis auf ihre Abschiebung warten, kommen selbst nicht zu Wort, weil in dem Gebäude Kameras nicht erlaubt sind. Wie war das, stellvertretend für andere eine Geschichte zu erzählen?
    Lisa: Ich habe die Leute, mit denen ich gesprochen habe, darüber informiert, was ich tun will, und ihnen gesagt, dass sie auch selbst Schwerpunkte setzen können, wenn sie wollen. Aber es bleibt natürlich meine subjektive Sicht auf ihre Geschichte. Und mein Vertrauen in das, was sie mir erzählen. Mir ging es zunächst aber vor allem darum, dass die Leute überhaupt von diesem Gefängnis erfahren und davon, dass die Menschen dort zum Teil 18 Monate lang eingesperrt sind.
     
    Ihr sagt beide nichts Konkretes über die Fluchtursachen eurer Protagonisten.
    Lisa: Weil mein Anspruch ein anderer ist: Mein Film ist nicht der Versuch, die Beweggründe der Protagonisten zu erklären oder gar zu bewerten. Ich will dem dem Zuschauer nicht sagen: Er ist deshalb hier und hat darum das Recht zu bleiben. Ich will seinen Aufenthalt nicht legitimieren oder kritisieren, sondern einfach seine Situation in diesem Moment darstellen.[seitenumbruch]
    Konnten sich eure Protagonisten mit den Geschichten, die ihr erzählt, denn identifizieren?
    Khaled: Ahmad Faraj, mein Hauptdarsteller, stand zum ersten Mal vor einer Kamera. Aber er identifizierte sich sofort sehr stark mit seiner Figur. Ahmad ist ein wahnsinnig feinfühliger alter Mann. Klar, wir haben diese fiktive Story geschaffen, dass eines seiner Familienmitglieder verschwunden ist und niemand von dessen Verbleib weiß. Das ist Ahmad nicht passiert. Dennoch konnte er sehr leicht einen Zugang zu seiner Figur finden. Er kommt aus Nordsyrien, aus der Gegend um Aleppo. Wegen der Kämpfe dort musste seine Familie an einen anderen Ort ziehen. Er wusste sofort, wie sich das für seine Rolle anfühlen musste.




    Szenen aus den Flüchtlingsfilmen "Zaungespräche" und "Wada'"
     
    Wie war das für die Protagonisten der „Zaungespräche“? Sie sind gleichzeitig ja auch so etwas wie das Objekt des Films.
    Lisa: Von den Insassen, die ich besucht habe, habe ich sehr oft gehört, dass sie sich vergessen fühlen an diesem Ort. Sie wissen oft nicht, wo sie sind, sie wissen nicht, warum sie dort sind, und sie wissen nicht, wie lange sie dort sein werden. Zu merken, dass da jemanden ist, der ihnen irgendwie eine Stimme gibt und versucht, sie hör- und sehbar zu machen: Das tat ihnen, glaube ich, sehr gut.
     
    Bist du noch in Kontakt mit den Leuten, die in dem Film vorkommen?
    Lisa: Zwei der Protagonisten, afghanische Brüder, sind über Calais nach England. Sie haben dort, weil es ja außerhalb des Schengenraums ist, noch mal um Asyl gefragt und warten jetzt auf die Entscheidung. Mit ihnen kann ich skypen. Murat, ein anderer Protagonist, ist verschwunden. Ich weiß nicht, wo er ist. Ich würde ihm gerne einmal den Film zeigen, aber ich kann ihn nicht finden. Er wurde drei Monate nach unseren Gesprächen aus dem Gefängnis entlassen. Die Schweiz konnte ihn nicht abschieben. Deshalb mussten sie ihn freilassen, und da ist er verschwunden.
     
    Und wie geht es den Brüdern in England?
    Lisa: Nicht gut. Sie sind zerfressen von Sorgen um ihre Familie in Afghanistan. Die beiden mussten fliehen, weil sie gegen das Gesetz des Imams Alkohol verkauft hatten und deshalb bedroht worden waren. Ihre Mutter wird jetzt auch bedroht, weil sie nicht sagt, wo ihre Söhne sind. Ich glaube, diese Form von Schuld, die Khaled vorher beschrieben hat, ist bei ihnen sehr, sehr ausgeprägt.




    Lisa Gerig studiert seit 2010 Film an der Zürcher Hochschule der Künste. Die Dokumentation "Zaungespräche" ist ihr Diplomfilm.
     
    Wie wahrt man Distanz bei solchen Geschichten? Beziehungsweise: Wolltet ihr das überhaupt?
    Lisa: Klar, dieses Thema ist sehr emotional. Darum habe ich versucht, gedanklich immer wieder ein paar Schritte zurückzutreten, um auch politisch begründen zu können, warum das unhaltbare Zustände sind. Nicht zu emotional zu werden und einfach nur zu sagen: die leiden! Obwohl das so ist. Ich wollte mit Fakten begründen, warum sie leiden. Zum Beispiel, weil sie in den ersten drei Monaten ihres Freiheitsentzugs keinen Rechtsbeistand haben.
    Khaled: Bei mir basierten die Dreharbeiten anfangs schon sehr auf Emotionen. Nach und nach musste ich die dann strukturieren. Als Regisseur kann man nicht nur den eigenen Gefühlen folgen und mit den Figuren sympathisieren. Erst aus einer gewissen Distanz heraus wird der Film glaubhaft für das Publikum.
    Lisa: Man darf sich nicht in der eigenen Wut oder in der Empörung verlieren. Sonst kann man die Geschichte nicht mehr so erzählen, wie sie beim Zuschauer ankommen soll.
     
    Wie sollte sie denn bei den Zuschauern ankommen?
    Khaled: Mir war wichtig zu zeigen: Die Menschen, die jetzt zu uns kommen, sind nicht irgendwelche Nummern – das sind Leute, die richtig interessant sein können. Genau deshalb wollte ich mit Menschen von der Straße arbeiten. Ahmad hat sich als wunderbarer Schauspieler herausgestellt. Aber in der U-Bahn würde sich nie jemand fragen, ob er talentiert ist.
    Lisa: Mein Film hat einen aufklärerischen Aspekt. Mein Ziel war es, die Leute mit Informationen auf eine Situation aufmerksam zu machen und dadurch Emotionen auszulösen. Ich glaube, wenn man weiß, dass Menschen eingesperrt sind, löst das in einem Zuschauer immer etwas aus. Ohne, dass ich ihm explizit sagen muss, was er empfinden soll.
     
    Und wie haben die Zuschauer bisher reagiert?
    Khaled: Es gab sehr verschiedene Reaktionen. Die meisten mochten aber, dass der Film mit einer aktuellen politischen Situation zu tun hat. Vielleicht empfinden sie das als so etwas wie eine Legitimierung, als eine Notwendigkeit.
    Lisa: Bei mir haben viele einfach sehr ungläubig reagiert. Das Ausschaffungsgefängnis ist wohl ein Ort, der gerne versteckt wird. Ich höre oft Fragen wie: „Aber haben die echt nichts gemacht?“ oder „Können die echt 18 Monate inhaftiert sein?“. Dann gibt es die Leute, die kommen und sagen: „Sag du mir mal: Was ist denn die Lösung?“ Und es gibt Leute, die sich gleich engagieren wollen. Das sind dann sehr erfreuliche Reaktionen. Allerdings habe ich den Film auch noch nie in einem „feindlichen Lager“ zeigen können. Ich würde ihn gerne mal so in einer Gemeindeversammlung in irgendeinem Schweizer Kaff mit möglichst vielen Gegenstimmen zeigen und schauen, wie die Leute reagieren.

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    Dieses Schaufenster, das in seiner Schlichtheit und Aufgeräumtheit trotz seines Traditionalismus kaum zu übertreffen ist, verbirgt vielleicht eine traurige Geschichte. Mindestens aber eine symptomatische. Denn die Boazn beim Nockherberg, zu der es gehört, ist nicht mehr. Was von ihr übrig blieb, ist dafür aber womöglich die Essenz dessen, was eine Kneipe in München braucht: ein bisschen Holz, ein bisschen (falsches) Tannengrün, eine bayerische Flagge und in der Ecke noch einen Schluck Jägermeister. Ein wahres Sinnbild.

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    In einem Moskauer Sportcenter werden wohl neuerdings Selbstverteidigungs-Kurse angeboten, in denen man lernen soll, einen Selfie-Stick innerhalb von Sekunden zur Waffe zu machen. Denn nicht nur würden Touristen generell immer öfter zu Opfern von Überfällen, auch seien Menschen, die sich gerade mit einem solchen Selfie-Stick fotografieren, ideales Ziel eines Taschendiebes. Weil sie in diesem Moment so unkonzentriert seien. Dinge dieser Art zumindest berichten laut BBC und anderen Quellen angeblich russische Nachrichtenportale. Nachzuprüfen ist das eher schwer, wenn man des Russischen nicht mächtig ist.

    Klingt so oder so eigentlich nach einer astreinen Hoax, einem dämlichen PR-Gag mit Viraleffekt. Schon allein, weil die halbe Argumentation hinkt: Wer ein Selfie macht, merkt nicht, dass er beklaut wird? Das Gegenteil müsste der Fall sein: Es dürfte wohl kein Instrument geben, das so zuverlässig vor Taschendiebstahl schützt, wie der Selfiestick. Immerhin ist Sinn und Zweck der Übung, sich selbst zu beobachten, zu fotografieren, zu dokumentieren. Wäre da nun ein Bösewicht an der eigenen Tasche zugange – man würde es höchstwahrscheinlich registrieren.





    Aber selbst wenn diese Meldung nun eine Hoax wäre – kann es denn wirklich sein, dass der Selfie-Stick PR braucht? Man weiß es nicht. Immerhin haben viele Betreiber von Touristenattraktionen weltweit mittlerweile ein Selfie-Stick-Verbot verhängt. Sorge einfach für zu viele Unfälle, dieses Gerät der Eitelkeit. Allerdings muss man da jetzt wieder sagen: Den Leuten ihren Selfie-Stick abzunehmen, wird da auch nicht helfen. Wer sich mit dem Telefon fotografiert, ist schließlich genauso unachtsam. Sollen ja schon Menschen bei von Klippen gestürzt sein, und überhaupt: Mittlerweile sterben weltweit mehr Menschen an Selfies, als an Haiangriffen.

    Außerdem ist Gewalt ja keine Lösung. Wer zurückhaut, der kassiert doppelt. Das lernt man doch schon im Kindergarten. Aber vielleicht nicht in Russland.



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    Der erste Anrufer blieb noch relativ pauschal: "Geht zurück in eure Heimat, ihr Moslems", sagte er. Der zweite wurde schon konkreter:"Wir bringen euch alle um, wartet nur ab." Beim dritten wurde es dann richtig persönlich: "Hallo Youssef. Ich weiß genau, wer du bist. Ich werde dir auflauern. Und dich erwischen."  

    Youssef Adlah, 26, sitzt in einem Café in Berlin Mitte, im Nebenzimmer raucht eine Männerrunde Wasserpfeifen. Youssef bleibt sehr entspannt, wenn er von den insgesamt sechs anonymen Drohanrufen vom vergangenen Wochenende erzählt - kurz nach den Anschlägen in Paris und Beirut. Er sagt: "Die meisten dieser Anrufer waren vermutlich verängstigte Menschen, die einfach irgendwen beschimpfen wollten. Aber der dritte, der hat sich so klar ausgedrückt, das hätte auch ein Anwalt oder Arzt sein können."



    Youssef Adlah. 

    Doch warum riefen diese Menschen ausgerechnet auf seinem Handy an? Weil er Muslim ist? Vielleicht. Aber sicher auch wegen Google. Youssef Adlah ist  Mitbegründer von i-Slam, einem muslimischen Poetry-Slam-Verein. i-Slam wird als Non-Profit-Organisation von Google gesponsert. Das bedeutet: Wer „Islam“ eintippt, landet schnell auf seiner Seite. Und fand dort, zumindest noch am Samstag, Youssefs Handynummer. Der Verein hat Youssef überzeugt, sie runterzunehmen, er selbst wollte erst nicht nachgeben. Er wollte lieber mit den Anrufern reden. Ihnen sagen, dass sie mit ihren Drohungen sich doch genau so wie die verhassten islamistischen Terroristen verhalten. „Aber die haben einfach alle zu schnell aufgelegt", sagt er und lacht. Er hab sich noch nie in seinem Leben so wichtig gefühlt. Youssef will das Ganze mit Humor nehmen. So wie hier, in einem seiner Texte über Pegida: 

    http://www.youtube.com/watch?v=1hJ8td45Mqw

    Mit zehn Jahren kam Youssef aus Syrien nach Deutschland. Er ging hier in Berlin zur Schule, studiert gerade und gründete nebenbei mit Freunden den Verein. „In der arabischen Kultur hat Dichtkunst schon immer eine wichtige Rolle gespielt hat und Poetry Slam ist eine geniale Brücke zwischen unterschiedlichen Menschen“, sagt er. Dementsprechend ist i-Slam nicht nur für die muslimische Community. Die Poeten treten auch auch bei offenen Wettbewerben und auf der Straße auf. Sie wollen diskutieren, gesellschaftliche Debatten aufgreifen und werden dafür auch bereits von diversen deutschen Institutionen unterstützt.Und trotzdem muss Youssef gerade beobachten, dass er als Muslim, unabhängig davon, was er für die Gesellschaft tut, bei manchen Menschen nicht willkommen ist.

    „Wir haben ein Problem mit Rechten hier in Deutschland", sagt er und wird auf einmal sehr ernst. "Diese Anrufer denken vermutlich selbst, dass sie keine Rassisten seien. Diese ganzen Bewegungen mit „ida“ am Ende behaupten das ja auch. Dabei ist der Islamhass salonfähig geworden.“

    Irgendwann gibt er zu: "Ich würde lügen wenn ich jetzt sage, dass mich die Drohungen im ersten Moment nicht gekratzt haben. Dass ich nicht erstmal die Straße gescannt hätte als ich danach das Haus verlassen habe. Aber ich werde denen nicht den Gefallen tun und mir Angst einjagen lassen."
    Er will die Dinge weiterhin positiv sehen. Hoffnung und Vertrauen stiften, anstatt Hass. Also redet er darüber, warum die vielen Menschen aus Syrien, die gerade zu uns kommen, eine großartige Chance für Deutschland seien. Wie er sich gefreut hat als Angela Merkel sagte „Wir schaffen das“. Und weniger darüber, was die Terrormiliz Islamischer Staat in seiner Heimat Aleppo angerichtet hat.
    Gegen die unbekannten Anrufer hat er Anzeige erstattet. Auch wenn die Polizei ihm sagte, man könnte da nicht viel machen und die Anrufe auch nicht zurückverfolgen. Und er hat einen Text geschrieben, den er in einem Facebook-Video vorliest. Er heißt „Todesangst“ und die letzte Zeile lautet: „Egal, wie sehr ihr mir auch droht – ich werde mich niemals vor euch fürchten, denn ich fürchte nicht mal meinen Tod.“ Die Leute haben ihm ermutigende Kommentare darunter geschrieben. Dinge wie: „Starke Antwort, weiter so!“ und „Ihr seid super“.

    http://www.youtube.com/watch?v=b7XQZvGSx0c&sns=em

    Youssef will sich jetzt ein Diensthandy zulegen und diese Nummer auch wieder auf die Webseite stellen. Damit derartige Anrufe nicht auf seinem Privathandy landen. Ansonsten ist die Sache für ihn erledigt. „Es gibt eine arabische Redewendung, die so etwas besagt wie ‚Man soll im Abflussrohr nicht rühren‘. Daran halte ich mich. Sonst ernte ich eh nur Gestank.“

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  • 11/20/15--02:33: Lammbock kehrt zurück
  • Was lange währt, wird endlich gut: „Lammbock“, unser liebster Kiffer-Film, bekommt nach 15 Jahren Wartezeit eine Fortsetzung: „Lommbock“. Schauspieler Moritz Bleibtreu verkündete gestern auf Twitter und Facebook die freudige Nachricht: „It‘s official“. Dazu postete er ein Foto des Drehbuchs.



    Kai, Stefan und die Erika-Eleniak-Theorie. 



    Es scheint ein echtes Gourmet-Revival zu werden: Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz alias Stefan und Kai sind wieder dabei, das Drehbuch schrieb, wie schon 2001, Christian Zübert. Im Sommer 2016 sollen die Dreharbeiten beginnen. 

    http://www.youtube.com/watch?v=9aSjKzNzc8I
    Auch in der Fortsetzung gibt es hoffentlich viel Coolness im Subtext.

    Von der Handlung ist noch nicht viel bekannt. Filmstarts.de jedenfalls berichtet: Die verpeilt-verkifften Freunde Stefan und Kai sind (wie auch die Lammbock-Fans) ein paar Jährchen gealtert. Kai betreibt in Würzburg den Asia-Lieferservice Lammbock (unbekannt: Gibt es dort Bami-Gourmet?), Stefan lebt mittlerweile drogen- und sorgenfrei in Dubai. Für die Organisation seiner Hochzeit kehrt er in die Heimat zurück.

    Jetzt haben wir natürlich ganz viele Fragen: Starten Kai und Stefan gemeinsam ins internationale Drogengeschäft? Ist Mehmet Scholl dieses Mal dabei? Wann kommt der Film in die Kinos? Und vor allem: Wo ist Frank?! Aber erst einmal heißt es: Contenance. Fans sind sich zumindest sicher: die Fortsetzung wird „die Jacobs-Krönung der Filmgeschichte.“

    Sina Pousset

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  • 11/20/15--04:56: Unbezahlt ist ungesehen
  • Eigentlich heißt Marie nicht Marie. Ihr Name soll nicht genannt werden. Sie selbst kann zwar in ihrer Abteilung offen über die Arbeit der Praktikanten-Initiative sprechen, aber nicht alle bei der UN freuen sich über den engagierten Nachwuchs.



     Letzte Woche wurden die Praktikanten der UN am Internationalen Praktikantentag wegen dieser Schilder aus dem Gebäude geworfen

    Jetzt.de: Vor drei Monaten gab es in New York und Genf zum ersten Mal Proteste gegen die schlechten Arbeitsbedingungen von Praktikanten bei der UN. Letzte Woche wart ihr mit einer größeren Aktion in den Medien. Worum ging es da?

    Marie: Am Dienstag war internationaler Praktikantentag. Zu diesem Anlass wollten wir natürlich auch auf die verbesserungswürdigen Bedingungen der über tausend Praktikanten aufmerksam machen, die jedes Jahr bei den Vereinten Nationen arbeiten. Für den Abend hatten wir eine Paneldiskussion geplant und am Nachmittag sollte eine Fotoaktion stattfinden. Gerade, als wir unsere Fotos vor dem UN-Gebäude machen wollten, fing es an zu regnen. Als wir dann ins Gebäude gegangen sind, um dort ein paar Bilder im Trockenen zu machen, wurden wir gleich vom Sicherheitspersonal aufgefordert, unsere Schilder zu entfernen und die Aufnahmen zu unterlassen.

    Darf man bei der UN nicht protestieren?
    Die Aktion war eigentlich nicht als Protest geplant. Im Gegenteil: Die Aktion war eine Idee von unserer Partnerinitiative aus Genf und eher als kleiner Flashmob gedacht. Wir hatten Schilder dabei auf denen stand „Unbezahlt ist Ungesehen“. Dazu hatten wir viele einsame Schuhe als Symbol für all diejenigen vor uns gestellt, die sich gar nicht erst ein Praktikum bei der UN leisten können. Ähnliche Fotos hatten wir früher schon mal für unsere Facebook-Seite gemacht. Wir hatten aber nicht damit gerechnet, dass der Zwischenfall mit dem Sicherheitspersonal solche Wellen schlagen würde. Uns lag es eher daran, auf die Bedingungen von Praktikanten aufmerksam zu machen.

    Im August hattet ihr einen Beschwerdebrief an Ban Ki Moonveröffentlicht. Gab es da jemals eine Antwort?
    Leider keine von Ban Ki Moon persönlich. Stattdessen hat uns einer seiner Untergeneralsekretäre geantwortet. Uns wurde ein Gespräch mit der Führung der Personalabteilung angeboten.

    Ein kleiner Erfolg?
    Erst mal waren wir darüber schon froh, aber auf unsere zahlreichen E-Mails und Anrufe, um dann wirklich ein Treffen zu vereinbaren, kam leider bis jetzt keine Antwort. Mittlerweile ist uns klar geworden, dass wir unsere Forderungen an den entsprechenden Verwaltungs- und Haushaltsausschuss richten müssen- dort müssen wir mit den Deligierten der verschiedenen Ländern reden.  

    Was fordert ihr genau? 
    Das Mindeste: Wir fordern nicht mal einen richtigen Lohn. Uns ist schon klar, dass man sich als Praktikant nichts dazu verdienen kann. Aber wenn man in Genf oder New York arbeitet, braucht man zumindest ein Stipendium für die Lebenshaltungskosten. Ansonsten können sich nur soziale Eliten ein Praktikum leisten und das widerspricht eigentlich dem Ethos der UN. In einem Bericht ist von mehr als 4000 UN Praktikanten in einem Zeitraum von zwei Jahren die Rede, da werden aber UN-Sonderorganisationen gar nicht erfasst. Aus der Statistik geht auch hervor, dass die Mehrzahl der Praktikanten aus den westlich-europäischen Ländern kommt. Junge Menschen aus Entwicklungsländern können sich einfach kein Praktikum leisten und haben damit auch schlechtere Chancen überhaupt irgendwie bei der UN zu arbeiten. Zudem fordern wir eine bessere Organisation und Qualitätskontrolle der Praktika bei der UN. 

    Wie macht man als Praktikantin den UN-Delegierten so ein Thema schmackhaft?
    Viele sind überrascht, dass sich unsere Initiative nicht nach dem Brief wieder aufgelöst hat und wir weitermachen. Intern wird vermehrt über unsere Initiative gesprochen und trotzdem sind sich viele Delegierte über die schwierige Lage der Praktikanten nicht bewusst. Oft fordern sie mehr  Informationen, obwohl es Dokumente dazu gibt, die für jeden einsehbar sind. Viele sind von den Fakten überrascht. Da merkt man, dass das Thema bis jetzt keinen besonders hohen Stellenwert hatte.



     Jedes Paar leerer Schuhe steht für einen jungen Menschen, der sich kein Praktikum bei der UN leisten kann

    Hast du Angst, dass Eure Initiative in den Tiefen der Bürokratie versickert?
    Man darf sich nicht von den langsamen Mühlen abschrecken lassen. Es ist schon mal ein kleiner Fortschritt, dass sich die Delegierten überhaupt mit uns treffen. Uns wird immer wieder gesagt, dass der offizielle Weg sehr lange dauern wird, wenn wir von innen etwas bewegen wollen. Aber wir lassen uns davon nicht entmutigen.

    Also weitermachen?
    Auf jeden Fall. Ich hoffe wirklich, dass wir es auf lange Sicht schaffen, die Initiative am Leben zu halten. Alle von uns sind höchstens nur sechs Monate vor Ort. Dementsprechend ist eine der größten Herausforderungen für unsere Initiative, dass unsere Arbeit nicht einfach versandet und dass die Informationen an die kommende Generation weitergegeben werden. Wir wollen uns außerdem besser aufstellen, zum Beispiel mit einer Webseite. Nach wie vor ist es nicht leicht, an neue Praktikanten ranzukommen, weil es keinen Verteiler mit E-Mailadressen von allen Praktikanten der UN gibt. Auch deswegen soll die Praktikanten-Initiative eine feste Institution werden, an die sich zukünftige Praktikanten wenden können. Wir haben einen langen Atem.

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  • 11/20/15--05:51: Gemeinsam einsam
  • Das ewige Problem der Fernbeziehung: Ich bin hier und du bist da. Auf moderne Weise gelöst hat dieses Problem ein junges Paar aus New York und Seoul. Gemeinsam dokumentieren sie auf Instagram in Bildern ihre getrennte Welt – und schieben die via Photoshop einfach zusammen.

    Herausgekommen sind schöne Bilder, die zeigen, wie sich eine Fernbeziehung manchmal anfühlt: wie gemeinsam einsam zu sein.

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-e.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-e.jpg"] So geht Fernbeziehung: "We gaze at each other and share the same feeling at the same time but from a different place."

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-i.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-i.jpg"]

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-k.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-k.jpg"]

    Auf den Fotos sieht man banale Dinge, die sie gerne teilen würden: vom Eis bis zur Steckdose, Taxi, Klo oder Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren.

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-b.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-b.jpg"]

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-h.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-h.jpg"]

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-a.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-a.jpg"]

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-g.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/11/long-distance-relationship-korean-couple-photo-collage-half-shiniart-g.jpg"]

    Auch wenn sie sich bei Skype wahrscheinlich ebenso anzicken, wie jedes Fernbeziehungspaar: Zumindest beweisen die beiden, dass manche getrennte Leben eben doch zusammen gehören. Eine großmütterliche Weisheit lässt sich also auch auf die moderne Beziehung anwenden: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

    Sina Pousset

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    Die Jungsfrage:

    Liebe Mädchen,

    blond würden die meisten von euch ja zum Beispiel nicht kategorisch ausschließen. Mit bisschen Bauch geht auch für viele. Braunhaarig finden einige von euch toll, oder auch Typen mit schwarzen Haaren. Mit noch ein bisschen mehr Bauch geht oft auch, und Waschbrett eh. Reich ist selten schlecht, arm macht aber meistens auch nix. Und überhaupt geht – je nach Geschmack – ja sauviel: dick, dünn, breit, schmal, cool, nett, wild, brav, gestriegelt, zerzaust, überparfümiert, ungeduscht, mit Anzug oder Jeans oder T-Shirt oder Hemd oder weiß der Henker was.



     

    Was aber auffallend oft nicht geht: klein. Beziehungsweise kleiner als ihr. Sagt ihr selbst! Schon klar, ist kein Naturgesetz. Bewegt sich nicht auf dem Niveau von „Gegenstände fallen immer nach unten“ oder der „TSV 1860 ist auf einem Abstiegsplatz“. Aber den Satz „Gut, dass du so groß bist, dass ich hohe Schuhe anziehen kann“, habe ich bislang tatsächlich von jeder Freundin gehört. Reicht nicht, um von einer repräsentativen Umfrage zu sprechen, aber für eine grobe Idee schon. Andere Typen erzählen schließlich von ähnlichen oder sogar absolut identischen Formulierungen.

    Und deshalb frage ich mich und jetzt auch euch: Was ist das mit eurer und unserer Körpergröße? Warum wollt ihr, dass wir euch (in einer Beziehung) körperlich überragen? Und zwar am besten sogar dann noch, wenn ihr auf Stöckeln aufgebockt seid? Auf uns wirkt das nämlich tatsächlich wie ein etwas archaischer Wunsch – Beschützerdings, anlehnen, Bären vertreiben, einhändig Glühbirnen reinschrauben.

    Aber eigentlich kann es das doch nicht sein, oder? Zumindest nicht ganz. Weil: Reicher als ihr müssen wir ja Gott sei Dank auch nicht mehr sein. Und ich würde jetzt sagen, dass Geld in unserer Zivilisation mehr bewirken kann, als die Fähigkeit, Bären zu erwürgen. Will sagen: Körpergröße/-stärke/-abmessungen bringen doch rational keinen Evolutionsvorteil mehr, richtig? Aber bei euch offenbar doch noch ein bisschen. Irgendwie.

    Erklärt mal. Von uns aus auch gerne von oben herab.

    Eure Jungs

    >>>> Die Mädchenantwort von Valerie Dewitt
    [seitenumbruch]
    Die Mädchenantwort:





    Liebe Jungs,

    wie gerne würde ich jetzt sagen: Quatsch! Großer Riesenquatsch mir Soße! Ob wir lang oder kurz gewachsene Männer bevorzugen, ist genauso subjektives Attraktivitätsempfinden wie blond oder brünett. Kann ich aber nicht sagen. Weil ihr leider Recht habt. Die meisten mir bekannten Frauen wollen einen Partner, der größer ist als sie (ich auch). Die meisten mir bekannten Frauen haben einen Partner, der größer ist als sie (ich auch). Und es scheint wirklich was mit der Kombination Mann-Frau zu tun zu haben – denn wenn ich darüber nachdenke, mit welchem Typ Frau ich gerne zusammen wäre oder welchen Typ Frau ich attraktiv finde, dann ist die Größe kein entscheidendes Kriterium. Eine Frau muss nicht größer sein als ich, damit ich sie anziehend finde, ein Mann schon. Und jetzt muss ich rausfinden, warum das so ist. Puh!

    Gehen wir erstmal die naheliegendste Erklärung an, die du schon genannt hast: archaischer Wunsch, Beschützerdings, anlehnen, Bären vertreiben (bzw. vertrieben bekommen). Wenn ich da jetzt mal von mir ausgehe, muss ich sagen, dass ich mich gerne beschützt fühle. Ich lehne mich auch gerne an. Bären bin ich noch nicht begegnet. Aber ich glaube, wenn ich mal einem begegne, kann ich mir keinen Mann an meiner Seite vorstellen, der den vertreibt. Und darin liegt auch schon das Gegenargument versteckt: Klar werden wir gerne beschützt – aber wir wollen nicht beschützt werden müssen. Und wir wollen euch genauso beschützen. Beschützt werden soll eben immer der von uns, der Schutz braucht. Und wenn wir zusammen von einem Bären angegriffen werden, dann wäre es am allerbesten, wir würden ihn zusammen vertreiben (am allerklügsten wäre es aber vermutlich, wir würden zusammen sehr schnell abhauen (und nicht auf einen Baum klettern, da kommt der Bär nämlich rauf!)). Beschützerdings ist es also nicht. Und wenn doch, dann sehr, sehr unterbewusst. So rein rational finden wir das nämlich bescheuert und unemanzipiert.

    Kommen wir also zu einer anderen, unfassbar banalen, aber wie ich finde sehr schlüssigen Erklärung: Normalität. Und Norm. Und Heteronormativität auch noch. Die deutsche Durchschnittsfrau ist 1,65 m groß. Der deutsche Durchschnittsmann 1,80 m. Ich googele mich jetzt nicht durch die durchschnittlichen Körpergrößen aller Länder der Erde, aber meine Lebenserfahrung sagt mir: Männer sind im Durchschnitt meistens größer als Frauen. Laut Wikipedia war das schon 5000 vor Christus so, da war ein Ackerbauer und Viehzüchter in Mitteleuropa im Schnitt 1,63 m groß bzw. klein. Heutige Frauen wären also meistens größer als er – aber seine damalige Frau maß halt nur 1,51 m. Wikipedia sagt auch: Frauen sind im Durchschnitt kleiner, weil sie allgemein kürzere Beine haben.

    Kurz (hihi) und ohne Wikipedia gesagt: Wir sind es so gewohnt. Männer sind meistens größer als wir. Heterosexuelle Paare bestehen sehr häufig aus kleinerer Frau und größerem Mann. Sieht man ja jeden Tag so auf der Straße, im Bus, im Restaurant. Auch im Film und im Fernsehen und auf Werbeplakaten. Ist es mal andersherum, fällt das auf. Erstens uns selbst. Es fühlt sich seltsam an, wenn man sein Leben lang den Kopf beim Küssen nach hinten legen und das Gesicht nach oben wenden musste – und auf einmal alles nach unten. Oder wenn der Kopf beim Umarmen nicht mehr unmittelbar auf einen Körper trifft. Aber naja, wir sind ja flexibel, man kann sich umgewöhnen.

    Das größere Problem ist, dass die Menschen über diesen Größenunterschied sprechen. Bei den wenigen mir bekannten Paare, bei denen die Frau größer ist als der Mann, wird das in Gesprächen über eben jene Paare gerne und oft erwähnt. Homosexuelle Paare haben da tatsächlich einen Vorteil: Da ist Körpergröße nur ein Thema, wenn sie sich bei den beiden Partnern extrem unterscheidet und darum auffällt.

    Am Ende möchte ich aber doch noch mal sagen: Quatsch! Großer Riesenquatsch mit Soße! Ist das alles. Sollte uns alles wurscht sein und wir sollten immer genau die Schuhe anziehen, auf die wir Lust haben, egal, wie wir darin neben irgendwem anders aussehen. Zum Glück gibt es die schon, die Wurschtigkeit-Vertreterinnen: Frauen, denen es völlig egal ist, ob ihr Typ von unten her raufschaut oder von oben runter.

    Für den Umgang mit allen anderen Frauen folgender Hinweis: Am größten ist man am Morgen, da sind die Wirbelsäule und die Bandscheiben noch nicht so zusammengequetscht vom Tagwerk. Am besten also gleich nach dem Aufstehen losflirten und nicht erst erst am Abend in der Bar.

    Eure Mädchen

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  • 11/20/15--10:54: Wir haben verstanden: KW 47
    • Männer, die behaupten, Frauen um Strumpfhosen zu beneiden, hatten noch nie eine an, deren Zwickel ständig rutscht.

    • Wenn man ein Passfoto im Automaten macht, weiß man wieder, warum man dafür eigentlich einen Fotografen bezahlen sollte.

    • Wir fanden Xavier Naidoo ja schon scheiße bevor das Mainstream wurde.




    • Das Beste am neuen James Bond: der Trailer für "Star Wars".

    • Einen Mitbewohner zu finden, der exakt dieselben Ansprüche an Sauberkeit + Ordung hat, ist extrem schwierig.

    • Egal, wie stark oder schwach diese ausgeprägt sind.

    • Gebrannte Mandeln gehen immer.

    • Das Leben braucht manchmal auch schlechte Filme.

    • Aber nicht den neuen James Bond!

    • Nach zehn Minuten im Wald läuft man automatisch langsamer.

    • Spezielle Windelmülleimer sind vollkommen unterbewertet.

    • Seit Neuestem schreiben Freunde, die übers Wochenende ins Nachbarland fahren, wieder Nachricht wie "Komme später, hat länger gedauert an der Grenze".

    • Angst vor Terror ist ja weniger Angst ums eigene Leben, sondern eher Angst davor, es könnte die Menschen, die einem am liebsten sind, treffen.

    • Radikalisierung macht glücklich. Kurzzeitig zumindest.

    • Die Zeit ist wieder reif für mehr Sportmetaphern!

    • Liebster User-Kommentar diese Woche (über Xavier Naidoo): "Ich sehe den eher als einen Beweis für den stillen Sieg der offenen Gesellschaft. In einem Land, in dem ein junger Mann mit einem so vielschichtigen Migrationshintergrund in national-durchgeknallten Kreisen so mit offenen Armen aufgenommen wird, kann gar nicht alles so schlecht sein."

    • Zweitliebster User-Kommentar: "oder wie ein twitter kommentar meinte: einen homophoben religionsklemmi zur schwulsten veranstaltung des jahres zu schicken - ganz schön progressiv, die liebe ard..."

    • Um 6 Uhr Morgens sollte kein Mensch dieser Erde ein Parfum aussuchen müssen. Auch nicht, wenn‘s am Flughafen billiger ist.

    • Irgendwas gratis kriegen, fühlt sich immer ein bisschen nach Lottogewinn an.

    • Ayurveda lehrt: nur essen, was auf beide Handflächen passt.

    • Burger sind also ayurvedisch.

    • Nach Streit sehr effektiv: aggressives Laubkehren.

    • Denkt mal drüber nach: Zusammen heißes Wasser trinken ist eine anerkannte soziale Aktivität.


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  • 11/22/15--23:24: Hallo Netz! Bin schwul!
  • Erst mal ist alles wie immer: Wie ein Steh-auf-Männchen springt Manniac mit seinen stacheligen blauen Haaren ins Bild und begrüßt seine Fans mit einem breiten Grinsen. Er spricht wie ein geübter Moderator, deutlich und bedacht. Aber statt wie sonst von seinem letzten Urlaub zu erzählen oder ein lustiges Erklärvideo über Kondome zu kommentieren, sagt er diesmal ganz nüchtern: „Ich bin schwul.“ Dann macht er noch ein bisschen Quatsch und bläst unter Konfettiregen in eine Papiertröte.  

    Für treue Manniac-Fans dürfte diese „Coming-out-Story“ eigentlich keine große Überraschung gewesen sein. In früheren Videos hatte der Youtuber schon öfter angedeutet, dass er schwul ist. Warum er es trotzdem noch mal offiziell gemacht hat? „Ich habe in meinen Videos immer ganz selbstverständlich Typen eingeblendet, die ich heiß finde. Oft kamen dann so Kommentare wie ‚Häh? Verstehe ich nicht, bist du schwul?‘. Das hat mich irgendwann so genervt, dass ich das ein für alle Mal klarstellen wollte.“  



    Viele homosexuelle Youtube-Stars outen sich mit einem Video. Fans tun es ihnen gleich

    Wenn es gut für ihn läuft, schauen sich mehr als eine Million Menschen die Videos auf seinem Youtube-Kanal Manniacs Life an. Für seine aufwendigen und humorvollen Clips hat er schon verschiedene Preise gewonnen. Über seine Coming-out-Story zerbrach Manniac sich besonders lange den Kopf: „Bei diesem Video war mein Anspruch extrem hoch, weil mir das Thema wirklich am Herzen liegt. Es musste besonders gut werden.“   Manniac ist nicht der erste Youtuber, der die Plattform zu diesem Zweck nutzt. Coming-out-Videos sind schon fast zu einem eigenen Genre geworden. Wenige Wochen vor Manniacs Coming-out ging ein Video der deutschen Youtuberin Melina Sophie mit dreieinhalb Millionen Klicks viral – sie sagt ihren Zuschauern darin, dass sie lesbisch ist. Es folgten viele Videos von Fans, die es ihr gleichtaten.  

    Angefangen hat das Ganze in den USA: Nachdem die gleichgeschlechtliche Ehe dort im vergangenen Sommer landesweit legalisiert wurde, schwappte eine weltweite Regenbogen-Euphorie durchs Netz und über die Facebook-Profilbilder. „Homosexualität ist ein bisschen sichtbarer geworden“, sagt Manniac. „Mit der wachsenden Solidarität im Netz trauen sich auch immer mehr Leute, sich online zu outen.“  

    Zwanzig Millionen Menschen sahen sich das Coming-out der Zwillingsbrüder aus Ohio an


    Besonders beliebt sind in den USA die sogenannten Live-Coming-outs: Youtube-Stars filmen, wie sie sich vor Familienmitgliedern und Freunden bekennen, und stellen die Videos danach online. Im Vergleich zu den Rhodes Bros wirken Manniacs Zuschauerzahlen fast ein bisschen mickrig: Mehr als zwanzig Millionen Menschen haben sich bisher angeschaut, wie die Zwillingsbrüder aus Ohio ihrem Vater am Telefon erklären, dass sie beide schwul sind. 

    Die Präsenz des Themas hält Johannes Wahala für einen Fortschritt. Wahala ist Psychotherapeut und Leiter der Wiener Beratungsstelle Courage für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen. In seinem Job hat er täglich mit jungen Menschen zu tun, die wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden und in ihrem sozialen Umfeld kein Verständnis finden. Für diese Menschen sei das Internet innerhalb der vergangenen zehn Jahre eine große Befreiung gewesen: „Youtube-Videos und Online-Foren sind oft der einzige Ort, an dem gleichgeschlechtlich orientierte Jugendliche erste Informationen über ihre Sexualität suchen und Vertrauenspersonen finden. Virtuelle Räume sind genauso wichtig, wie die Alltagserfahrungen der Betroffenen. Sie helfen besonders jungen Leuten, ihre Sexualität zu akzeptieren.“  

    >>>> Unter dem Video von Melina Sophie schwanken die Kommentare zwischen Zuspruch, dem Vorwurf, sie würde sich „nur für die Klicks“ outen, und üblen Beleidigungen.

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    Youtube spaltet die Generationen, sagt Wahala. „Ich habe eine sechzigjährige Transgenderfrau kennengelernt, die sich in ihren ersten vierzig Lebensjahren nur als ‚krank‘ wahrgenommen hat. Einfach, weil ihre Umwelt ihr das gespiegelt hat und es nirgendwo andere Vorbilder gab. Die Transgender-Jugendlichen von heute setzen sich an den Laptop und finden alles, wovon diese Frau nicht mal träumen konnte. Sogar Hormone lassen sich mittlerweile online bestellen.“ In Chatrooms, Beratungsforen oder auf Dating-Seiten suchen sich die Jugendlichen ihre Informationen selbst zusammen. Ein öffentliches Coming-out werde dadurch aber nicht leichter, sagt Wahala.  

    „Coming-out“ kommt von „coming out of the closet“, bedeutet also „aus dem Schrank herauskommen“. Das suggeriert ein Befreiungsgefühl, das auch viele schwule und lesbische Jugendliche in ihren Videos beschreiben. „Als ich mir zum ersten Mal eingestanden habe, dass ich schwul bin, war das schon ein erstes Coming-out mir selbst gegenüber und eine große Erleichterung“, sagt Manniac. „Sich auch vor seiner Umwelt nicht mehr zu verstecken, ist dann der nächste Schritt und mindestens genauso schwierig.“ Auch Wahala berichtet von Klienten, die nach wie vor lieber „im Schrank“ leben, aus Angst, von der eigenen Familie und den Freunden nicht verstanden oder verurteilt zu werden. Besonders in ländlichen Regionen sei das Coming-out nach wie vor ein Tabu-Thema.  

    Aber was passiert, wenn junge Menschen nicht „aus dem Schrank kommen“? Eine psychologische Studie von 2009 belegt, dass die Selbstmordrate bei homosexuellen Jugendlichen fünf bis acht Mal so hoch ist wie bei Heterosexuellen im gleichen Alter. Auch die Youtube-Stars berichten von mangelndem Verständnis aus dem eigenen Umfeld und von Mobbing bis hin zu körperlicher Gewalt. Sie haben für diese Erfahrungen ein eigenes Therapieformat gefunden: die Abrechnung mit den ehemaligen Mobbern per Anruf. Und vor laufender Kamera, natürlich. Solche Aktionen werden von den Fans gefeiert und bringen den Youtubern Klicks im fünfstelligen Bereich.  

    Manniac war sich sicher, dass seine Fangemeinde das Coming-out-Video positiv auffassen würde: „Der Großteil der Zuschauer hat sehr solidarisch reagiert. Echten Fans ist meine Sexualität eben egal. Die fragen sich eher, wie ich meine Haare so hinkriege.“ Ein paar, die es nicht glauben wollten, hätten noch ein zweites Mal nachgefragt, aber alles in allem sei das Netz sehr nett gewesen. „Vielleicht lag es daran, dass meine Fans das schon so halb wussten. Aber erst mal erfordert ein Online-Outing viel Mut. Man macht sich verletzbar und das vor einer sehr großen und unkontrollierbaren Öffentlichkeit.“  

    Die Videos ermutigen Zuschauer zum Coming-out. Einige haben danach Probleme mit der Familie


    Bei anderen Youtubern sieht die Kommentarlandschaft teils weniger freundlich aus als bei Manniac. Unter dem Video von Melina Sophie zum Beispiel schwanken die Beiträge zwischen Zuspruch, dem Vorwurf, sie würde sich „nur für die Klicks“ outen, und üblen Beleidigungen. Kein Wunder, dass die meisten Youtube-Outings von Leuten stammen, denen bereits eine feste Fangemeinde den Rücken stärkt.  

    „Wer sich selbst noch sehr unsicher mit seiner Sexualität ist, wird sicher nicht gleich ein Video hochladen“, sagt auch Wahala. Die Nachrichten, die Manniac nach seinem Beitrag erhielt, zeigen deutlich, dass ein Outing im privaten Umfeld schon schwer genug sein kann: „Nach deinem Video habe ich mich auch endlich getraut, aber ich wurde von zu Hause rausgeschmissen“, schrieb ein Fan, „Ich werde jetzt von meinen Mitschülern gemobbt“, ein anderer.  Für Manniac erübrigt sich damit die Frage, ob ein Coming-out heutzutage überhaupt noch nötig ist: „Die Nachrichten und Reaktionen meiner Zuschauer zeigen, dass Homosexualität noch immer keine Selbstverständlichkeit ist, auch nicht im Netz. Und solange ich nicht von einem Typen schwärmen kann, ohne dass die typischen ‚Häh?‘-Kommentare auftauchen, wird es weitere Outing-Videos auf Youtube geben müssen.“ Manniac hofft, dass sein Video andere bestärkt und ermutigt, ebenfalls zu ihrer Sexualität zu stehen. „Außerdem hilft so ein Online-Outing bei der Partnersuche“, sagt er und lacht.

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