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jetzt.de

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  • 07/03/15--08:43: Wir haben verstanden: KW 27
    • Wenn man Wasser über seinen Laptop kippt, geht er sofort aus - und drei Tage später plötzlich wieder an, als sei nichts gewesen. Macht man dasselbe mit Eistee, passiert erst gar nichts. Und dann schreibt er irgendwann von alleine ständig den Buchstaben "N".

    • Auf Schlauchbootfahrten: Keine Scherze mit dem Bratwurst-Alarm.

    • Eine Theorie, die dringend wissenschaftlich überprüft gehört: Wer einen Song über Stunden auf Repeat hören kann, nimmt auch Drogen.




    • Ein Satz, den man ungefähr ab 30 immer seltener hört: "Und dann bin ich nach Hause gegangen und hab noch 'nen Einblatt geraucht."

    • Um sich in einer Stadt angekommen zu fühlen, braucht man einen Stromkasten.

    • Wenn Erdbeeren 99 Cent kosten, ist der Sommer auf seinem Zenit, danach geht's bergab.

    • Dafür schmecken die Erdbeeren gerade aber auch besonders gut.

    • Menschen, die Frauen mit Röcken auf Fahrrädern "Schicke Unterwäsche" zurufen, haben meistens gar nix gesehen.

    • Kanye-West-Songs sollte man nur noch mit Untertiteln der BBC hören.

    • Sich vor lauter Vorfreude auf nix konzentrieren zu können, ist das schönste Luxusproblem der Welt.

    • Eine frisch geölte Fahrradkette ist der Himmel auf Erden bzw. dem Radweg.

    • Es wird wirklich Zeit, dass Eiswerbung aufhört, erotisch sein zu wollen.

    • Apropos Eis: So richtig billiges Wassereis voller schlimmer Farbstoffe kann man ruhig mal wieder essen.

    • Wer erfolgreich sein will, sollte sich eine Glatze rasieren. 

    • Es kann wirklich, wirklich lange dauern, bis ein Paket ankommt, wenn bei der Post gestreikt wird. 

    • Man sollte Tzatziki machmal erst untersuchen, bevor man es verschlingt. 

    • Die Binsenweisheit stimmt: Beziehungen können so schnell vorbei sein, wie sie begonnen haben. 

    • Es gibt tatsächlich noch Telefonnummern, die aus nur drei Ziffern bestehen.


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  • 07/03/15--10:03: Monster-Kaffeeflecken

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    Morgens ist ja so eine Tageszeit, die jeder sehr unterschiedlich beginnt. Manche, wenige, vermutlich sehr glückliche Menschen, wachen beim ersten Weckerklingeln, stehen auf, machen ein paar Dehnübungen und lesen bei einem frischgepressten Orangensaft die Zeitung. Höchstwahrscheinlich helfen ihnen auch Vögel beim Anziehen. Der Großteil der Menschheit allerdings muss sich aus dem Bett quälen. Für sie ist Kaffee das Elixir, das sie in normale, aufrecht sitzenden Menschen verwandelt.

    Der deutsche Werbetexter Stefan Kuhnigk, der seinen Kaffee vermutlich hektisch im Stehen trinkt, machte aus dem Gebräu nun Kunst. Besser gesagt: aus den Kaffeeflecken. Mittlerweile illustrierte er fast 500 von ihnen. Ein bisschen sehen die Flecken aus wie wir morgens vor der ersten Tasse: wie kleine, schlitzohrige Monster.

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    Vielleicht machen die Kaffeemonster deshalb so viel Spaß: „Der schönste Moment war, als mir jemand sagte, dass sie die Monster jeden Tag zum Lachen bringen“, sagt Stefan Kuhnigk. Also, Übung für alle Morgenmuffel: Den nächsten Fleck einfach mal ganz intensiv anschauen.


    sina-pousset

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    Wichtigster Tag der Woche:
    Am Wochenende bin ich bei meinen Eltern in Eichstätt. Die haben eine Waschmaschine und ich nicht. Meine Oma kommt am Sonntag zu Besuch. Immer wenn ich sie sehe, bekomme ich Zeitungsausschnitte aus der Apotheken-Umschau oder aus der Lokalzeitung. Meine Oma sammelt alle Nachrichten, die ihrer Meinung nach wichtig für mich oder meine Schwestern sein könnten. Meistens geht es um Berufseinstieg, Krankheiten oder ehemalige Klassenkameraden, die meine Oma gerne als Schwiegerenkel hätte.

    Politisch interessiert mich:
    Griechenland. Da ist ja Referendum und es wird sich zeigen, ob sich Yanis Varoufakis den Arm abschneidet, die Drachme wieder einführt oder zurücktritt. Ich werde aber auch verfolgen, wie die CSU jetzt die hässliche Stromtrasse durch Bayern durchsetzen will, ohne ihre Wähler zu vergraulen.

    Kinogang
    Am Donnerstag läuft  der fünfte Teil der Terminator-Reihe an: „Terminator: Genisys“. Den werde ich mir aber nicht anschauen, weil Emilia Clarke ohne Drachen unterwegs ist  und aus Arnold Schwarzenegger immer noch kein großer Charakterdarsteller geworden ist. Außerdem ist es so schön, dass man eh höchstens ins Open-Air-Kino kann. Am Montag kommt „5 Zimmer, Küche, Sarg“ im Kino, Mond & Sterne. Die Vampir-Komödie aus Neuseeland ist einer meiner Lieblingsfilme aus dem vergangenen Jahr, weil er so drollig mit Klischees spielt. Das Tourismus-Büro von Wellington nutzt die Charaktere auch als Werbeträger für ihr Nachtleben:

    http://www.youtube.com/watch?v=WGvyjKLLnp4

    Soundtrack der Woche
    Ich höre selten Musik. Mich stört das nicht, meinen Freund schon. Der ist Musiker und fühlt sich nicht genug unterstützt, wenn ich nur alle paar Monate seine Lieder anhöre. Wenn ich sie höre, finde ich sie dafür aber immer schön.

    http://www.youtube.com/watch?v=jN1q10xcYWY

    Kulturelles Highlight
    Ab Donnerstag findet im Englischen Garten das Sommertheater statt. Dieses Jahr inszeniert  Ulrike Dissman „Was ihr wollt“ von Shakespeare. Ob es ein kulturelles Highlight ist, oder nur ein Fest für die Stechmücken, weiß ich noch nicht. Ich bin erst vor ein paar Tagen nach München gezogen und war noch nie da.

    Geht gut
    Letztes Jahr hat mir ein Freund gezeigt, dass man im Nespresso-Geschäft in der Theatinerstraße im Obergeschoss umsonst Kaffee probieren kann. Das mach ich bestimmt bald wieder, wenn ich vorbeikomme.

    Geht gar nicht
    Nur das Profilbild mit Regenbogenfarben einfärben und alle Veranstaltungen der CSD-PrideWeek diese Woche verpassen.

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  • 07/05/15--10:00: Tanz ums Totem
  • In einer großen Gruppe auszugehen, das ist schon an einem ganz normalen Abend mühsam. Dauernd muss man auf jemanden warten und je größer die Masse, desto träger und schwerer fortzubewegen ist sie auch. Noch anstrengender wird’s auf einem Festival: so viele Leute, so viele Bühnen, so was von kein Handyempfang. Einer will was trinken, der Nächste will tanzen, der Dritte muss aufs Klo. Dass ständig alle aufeinander warten, ist so gut wie ausgeschlossen. Da geht man schnell verloren und auf großen Festivals war’s das dann. Wenn man Pech hat, trifft man sich das nächste Mal im Zelt – vorausgesetzt, alle schlafen zur selben Zeit. Dabei wollte man all die schönen Erlebnisse doch mit den Freunden teilen, mit denen man hergekommen ist!

    Also zurück zu den einfachen Dingen, dachte sich ein schlauer Mensch irgendwann, irgendwo, vor nicht allzu langer Zeit (Genaueres ist leider nicht überliefert), und befestigte einen auffälligen Gegenstand an einer langen Stange, die über die Menschenmenge hinausragte. Seine Methode hatte Erfolg: Seine verlorengegangenen Freunde kamen zurück. Ganz analog, ganz ohne Verabreden, ganz allein auf Sicht.

    Und wie das so ist mit einfachen, aber genialen Ideen: Irgendwann greifen andere Menschen sie auf – und denken darüber nach, wie man sie besser machen kann. Seit drei, vier Jahren, berichten Festivalgänger, sind die Dinger mehr und mehr auf Open-Air-Festen zu sehen. Ist das Prinzip etabliert, kommt das Design. Immer kunstvoller werden die Kreationen. Denn mittlerweile geht es nicht mehr nur ums Wiederfinden, sondern auch um Distinktion.

    Im Netz nennt man sie „Festival-Totems“. Ein guter Name. Denn als Totem bezeichnete der Ethnologie Claude Lévi-Strauss das Symbol einer Gruppe – und tatsächlich sind die meist mit viel Zeit und Mühe gestalteten Festival-Maskottchen längst zu Gruppenabzeichen geworden, die sagen: „Unter diesem Objekt sind wir als Clan vereint.“ Wie eine Art Wappentier bekommen die Totems von ihren Jüngern einen Namen und eine Persönlichkeit zugedacht. Und wachen als Schutzgeister über die Freunde, die unter freiem Himmel feiern.

    Softeis mit verstopftem Rohr





    Lutz (gestreiftes Top, Mitte), 28, Frankfurt:„Wir gehören alle zu Softie, dem Techno-Softeis. Ich habe vier Tage lang an Softie gebastelt und ungefähr hundert Euro fürs Material ausgegeben. Seine Waffel besteht aus einem Eimer, das Eis ist aus Bauschaum. Das Ganze habe ich mit Latexfarbe bemalt, in der spezielle Pigmente sind, die im Dunkeln leuchten. Sieht toll aus! Die Augen und den Mund habe ich aus Weihnachtsbaumkugeln gemacht. Wir haben Softie auch als Fahne ausgedruckt und sie über unserem Camp gehisst, damit wir immer zu unserem Zelt zurückfinden. Eigentlich kann Softie auch Seifenblasen spucken. Aber das Rohr ist verstopft. Wahrscheinlich ist eine Ameise reingekrabbelt.“


    Freude über Fridolin





    Farina, 26, Berlin:
    „Mit Fridolin dem Löwen habe ich vier schöne, kreative Nächte verbracht, bis er fertig war. Sein Kopf ist aus Pappmaché und seine Mähne aus eingefärbtem Schneiderfließ. Das Tolle an Fridolin ist, dass man seinetwegen ständig mit anderen Menschen ins Gespräch kommt. Die Leute freuen sich über ihn und bewundern die liebevolle Arbeit, die in ihm steckt. Und ich freue mich mit. Diese Dankbarkeit, die einem von fremden Menschen entgegengebracht wird, weil man sich mit etwas Mühe gemacht hat, die ist schon toll.“


    >>> eine Glitter schnaubende Giraffe und etwas Origami
    [seitenumbruch]

    Schnaub mal Glitter, Giselle





    Olaf, 41, Hamburg:
    „Das ist Giselle, la Girafe. Allerdings ist das nur ihr Künstlername. Eigentlich heißt sie Gisela Glubsch. Früher hat Giselle Helene Fischer gehört, aber das haben wir ihr ausgetrieben. Jetzt mag sie elektronische Musik und kommt mit uns zu Festivals. Giselles Hals besteht aus Hasendraht, den wir mit Stoff umwickelt haben. Den Kopf haben wir aus Pappmaché gemacht, ihre Wimpern sind aus Malerquasten zurechtgestutzt. Und Giselle kann rauchen und Glitter ausschnauben! Unten am Fuß haben wir einen Schlauch befestigt, was man da reinpustet, kommt aus Giselles Maul wieder raus. Beim Tanzen kann man Giselle mithilfe eines Dorns, der eigentlich für Sonnenschirme gedacht ist, in die Erde drehen. Dann steht sie von alleine. Wollen wir weitergehen, hat Giselle einen eigenen Zivi, Sven, der sie trägt  – die gemeine Hausgiraffe ist zwar handzahm, aber eher schlecht zu Fuß.“

    Allein mit der Taube





    Dennis, 29, Hamburg: „Mein Freund Leo hat die ‚Dancing Pigeon’ gebastelt. Oder viel mehr gefaltet. Das ist nämlich Origami. Allerdings liegen Leo und die anderen irgendwo im Delirium. Wo, weiß ich nicht. Also bin ich alleine losgezogen, um sie zu finden. Oder zumindest einen von ihnen, das würde mir schon reichen. Die anderen kommen dann früher oder später dazu. Die Taube hilft mir bei der Suche. Was wir allerdings festgestellt haben: Tagsüber funktioniert das Ding zwar super, aber nachts braucht man ein Totem, das leuchtet, sonst bringt das nichts. Wir sind noch nicht so professionell.“


    >>> Rettung für den Teppichklopfer und ein spontanes Familienwappen




    [seitenumbruch]

    Könnte auch ein Sexspielzeug sein





    Fabian, 24, Wien:
    „Keine Ahnung warum, aber ich bin irgendwie auf Putzutensilien abonniert. Letztes Jahr hatte ich einen Staubwedel dabei, diesmal ist es ein Teppichklopfer. Aber der hat ja auch wirklich eine schöne Form. Er ist leicht, liegt beim Tanzen gut in der Hand und man kann sich damit frei bewegen. Und bevor die Hersteller Pleite gehen – denn heutzutage klopft ja kaum noch jemand seinen Teppich aus –, hat er als Totem eine neue Bestimmung gefunden. Rettet die Teppichklopfer! Aber das Beste ist: Ich habe genau drei Minuten gebraucht, um das Totem zu bauen. Vorhin hat mich jemand gefragt, ob das ein Sexspielzeug ist. Wie man sieht: Mein Totem ist multifunktional einsetzbar.“

    Mehr Lametta





    Martyn alias Buuf, 25, Groningen / Niederlande:
    „Die Fahne habe ich erst heute Vormittag gebastelt. Ein paar Leute, mit denen ich hier bin, hatten das Material dabei. Aber niemand hat etwas daraus gemacht. Als ich dann die ganzen Totems gesehen habe, wollte ich ein eigenes haben. Also habe ich heute Morgen einfach Tüllstoff an einer Bambusstange befestigt und die Fahne mit Lametta verziert. Ich bin Performer im Paradigm, einem Techno-Club in Groningen. Die ganze Crew ist mitgefahren. Wir sind wie eine Familie. Und jetzt haben wir unser Familienwappen mit dabei.“


    >>> Ein Hase verlängert die Arme und ein Schirm hebt sich vom Himmel ab

    [seitenumbruch]

    Hasentanz





    Paula, 26, Berlin:
    „Unser Motto ist ‚Follow the White Rabbit’. Der Hase war schon im letzten Jahr auf der Fusion mit dabei. So sieht er auch aus. Ein Ohr war abgebrochen und musste wieder fixiert werden. Außerdem hat ihn im letzten Jahr jemand mit roter Farbe besprüht. Dafür trägt er jetzt statt einer Taschenlampe eine Lichterkette mit sich. Uns war vor allem wichtig, dass der Hase leicht ist. Deshalb besteht sein Körper aus Pappe. So macht es Spaß mit dem Hasen zu tanzen, es fühlt sich fast so an, als wäre er die Verlängerung deiner Arme. Und der Hase küsst für sein Leben gern. Man muss ihn anderen Menschen nur vors Gesicht halten und schon wird er geknutscht.“

    Gold vor Blau





    Caroline, 23, Berlin:„Oh, das ist gar nicht mein Totem. Das gehört meiner Freundin Tina. Wir wechseln uns mit dem Tragen ab. Zum ersten Mal hatte sie den goldenen Schirm vor drei Jahren auf einem kleinen Open Air in Mecklenburg-Vorpommern dabei. Seitdem nimmt sie ihn immer mit. Er ist unser Erkennungszeichen, so finden wir uns wieder. Bei zwanzig Leuten und ohne Handyempfang würde das sonst nicht klappen. Gerade hat es schon wieder funktioniert: Zwei meiner Freunde haben mich wegen des Schirms in der Menge entdeckt. Was mir besonders gut an dem Totem gefällt? Das Gold hebt sich so schön vom Blau des Himmels ab.“


    >>> Schaf mit Fanpage und Fisch in Balance


    [seitenumbruch]

    Shaun da Fusion-Bouncer





    Geli, 32, Berlin:„Ich hab’ einfach meinen alten Shaun-das-Schaf-Rucksack umfunktioniert und ihn mithilfe der Träger um eine Malerstange gewickelt. Fertig. Früher war Shaun mal männlich, mittlerweile aber ist er trans* und trägt Lippenstift und Moustache. Shauny, wie wir sie liebevoll nennen, ist jetzt schon das vierte Jahr in Folge auf der Fusion mit dabei. Sie ist die beste Tänzerin überhaupt, soo mit den Armen und Beinen schlenkern kann niemand außer ihr. Sie hat sogar eine eigene Facebook-Fanpage. 'Shaun da Fusion-Bouncer' heißt sie dort. Ich halte Shaun sehr gerne. Ich war mal Tonfrau beim Fernsehen, deshalb fühle ich mich mit der Stange wohl.“

    Fisch ohne Zigarette und Bier





    „Darf ich vorstellen: der Regenbogenfisch. Sein Körper besteht aus Maschendraht, Alufolie und Geschenkpapier. Außerdem trägt er eine Lichterkette, damit man ihn nachts sehen kann. Der Regenbogenfisch ist unsere Kommunikation. Jeder aus unserer Gruppe weiß sofort, wo wir sind, wenn er ihn sieht. Die Teleskopstange lässt sich bis zu vier Meter hoch ausfahren, das ist praktisch, wenn man mitten in der Menge tanzt. Allerdings ist der Fisch dann nicht mehr so leicht zu balancieren. Besser man stellt die Stange am Boden ab. Und man braucht als Träger immer einen Assistenten, der einem das Bier und die Zigarette hält. Denn alle drei Dinge auf einmal, das geht leider nicht.“

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  • 07/06/15--03:41: Der Rekord-Ronald
  • Allein dieser Satz: "More men have walked on the moon than been Ronald McDonald." Der ist schon irgendwie rührig und ein bisschen pathetisch. Und wahr: Zwölf Männer waren bisher auf dem Mond. Neun haben bisher in Werbespots und für Werbeanzeigen Ronald McDonald gespielt, das Maskottchen von McDonald’s.



    Joe Maggard in voller Montur in der Doku "I was Ronald McDonald"

    Der Satz leitet eine Mini-Doku ein, die der Guardian über Joe Maggard gemacht hat, den Mann, der zwölf Jahre lang, von 1995 bis 2007, Ronald McDonald war, länger als jeder andere. Die Doku dauert nur sechseinhalb Minuten, aber es sind sechseinhalb sehr, sehr sehenswerte Minuten. Da ist dieser 59-jährige Mann, der in seinem Leben schon so einiges durchgemacht hat (unter anderem einen Genickbruch und einen Einsatz im Vietnam-Krieg). Der dann Schauspieler wurde. Und Clown. Und der jetzt mit einer umwerfenden Ernsthaftigkeit und Begeisterung davon erzählen kann, wie es ist, zum Clown zu werden. Wie Joe Maggard verschwindet, wenn er sich das Gesicht weiß schminkt und das Ronald-Kostüm anzieht. Wie schön es ist, dann wieder Haare zu haben. Wie er, obwohl ja seit einigen Jahren nicht mehr im Clowns-Job, irgendwie immer Ronald bleibt. Und warum man öfter mal Äpfel essen sollte.

    Wahrscheinlich muss eine Clown-Doku genau so aussehen und sich anfühlen. Ein bisschen melancholisch, weil Maggards Gesicht hinter der Schminke eben doch schon nach Alter aussieht, älter als Ronald, der ja nie alt wird. Ein bisschen absurd, weil es schon komisch ist, wenn der alte Mann im Kostüm ganz ernsthaft sein Auto durch die Stadt fährt. Und ein bisschen rührend, wenn er in Las Vegas Kindern High Fives gibt oder dieses Lied von Judy Collins singt:

    And where are the clowns
    Send in the clowns
    Don't bother, they're here.


    All das sollte eine Clown-Doku sein. Nur eins bitte nicht: lustig.

    nadja-schlueter

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    Im Sommer soll man loslassen, Ferien machen, im Gras liegen und die Hitze heiß sein lassen. Der Sommer ist die unanstrengende, heitere, idealerweise immer ein bisschen in Zeitlupe ablaufende Jahreszeit - alles wird einfacher, leichter, freundlicher. Im Sommer liegt eine chronische Urlaubsmentalität in der Luft, was bleibt einem da übrig, als zu warten, bis die Welt von selbst wieder schneller und dringender wird.

    Klingt herrlich. Stimmt aber nur so halb. Denn der Sommer besitzt diesen scheinheiligen Doppelboden. Nur in erster Instanz ist er die Aufforderung zum Hängenlassen, in zweiter ist er härtester Genuss- und Wohlfühlzwang. Über jedem warmen, sonnigen Tag steht die dringende Aufforderung: Rausgehen! Sommer machen! Weit weg von der Stadt im Strohfeld sitzen und picknicken und den Himmel angucken! Im Waldsee schwimmen! In die Gumpen fahren! Martiniparty auf der Badeinsel! Mindestens fünfmal ins Freibad, mindestens täglich Fahrradtour! Freunde mit Dachterrasse haben! Mit Pool! Und Cabrio und Vespa und Motorrad. Freunde haben, die dauernd irgendwo grillen! Grill sowieso immer dabei haben! Fernseher an den See tragen, DIY-Open-Air machen! Draußen sein, immer, Park, Biergarten, stundenlang mit Flatterhemd durch die Stadt radeln, und dann am besten noch draußen schlafen! Matratze ins Auto, Matratze auf den Balkon! Mein Gott, was der Sommer alles möglich macht.

    Wer da ganz normal weiterlebt, das heißt: abends mal zuhause bleiben will, sich mit Serien ins Bett verkriecht, einfach die Vorhänge zuzieht und so, der wird - vor allem von sich selbst - unter Generalverdacht gestellt, depressiv zu sein. Wenn man mal drüber nachdenkt, ist der Winter da viel seelenfreundlicher, so rein vom Freizeitdruck her. Da will eh keiner raus, da bleibt ja nur das Sofa, die Grobstrickdecke und die viel zu große Teetasse.

    Sommer ist nicht nur da, wo Grills stehen


    Aber im Sommer: Ausflugspflicht! Open-Air-Pflicht! Aktivitätenpflicht! Natürlich, der Sommer ist in unseren Gefilden ein rares, unberechenbares Gut. Aber es wird zu oft so getan, als sei der Sommer ein Geist, ein seltener Vogel, den es zu fangen gilt, und der nur da ist, wo Grills stehen oder Hängematten hängen oder nackte Füße im Wasser baumeln. Dabei ist das Alltertollste am Sommer doch: Er ist überall! Man muss ihn nirgendwo besuchen gehen, abholen oder fangen, nein, der Sommer ist einfach da, man kann ihm gar nicht entkommen!

    Museen und Hallenbäder und die Drinnenplätze von Cafés und Restaurants zählen auch zu den Orten, die man im Sommer zu vermeiden sucht. Was totaler Irrsinn ist, denn an den Orten, an denen der Sommer wie ausgeschlossen wirkt, ist er erst recht, und zwar sozusagen ex negativo. Hier spürt man den Sommer am deutlichsten in den ausbleibenden Besuchern, der Stille und der seltsam entrückten Ausnahmeatmosphäre. Vielleicht gibt es ja in Wirklichkeit gar nichts Sommerlicheres, als ein verlassenes Hallenbad, in das ab und zu aus der Ferne die aufgekratzten Jiekser der vielen Teenager aus dem Freibad nebenan dringen und noch ein paar Sekunden nachhallen.

    Das gleiche gilt fürs Büro, für die eigene Wohnung, fürs Bett. Das, was man vom Sommer eigentlich will, diese freundliche Luft, dieser Geruch von warmem Gras, heißem Asphalt, der dringt sowieso durch die offenen Fenster, und beim Duschen dreht man den Duschhahn kühler als sonst, nachts zieht man kaum noch etwas an, abends bringt man barfuß den Müll runter und freut sich über die müde, kühle Stille im Hausflur. Und der Beton im Hinterhof, der sonst immer, immer, kalt ist, wärmt einem jetzt die Füße. Überhaupt jeder Stein, auf den man sich setzt, ist warm, und man denke nur an all die Zwischenwege, die sonst nerven: das Einkaufengehen, das auf dem Rad von A nach B kommen, alles geht einfacher. Man sieht abends auf die Uhr und freut sich, dass es noch hell ist, obwohl die Zahlen auf der Uhr nach tiefster Nacht aussehen. Das ist alles Sommer. Wenn er da ist, ist er da. Und dann ist er überall.

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    jetzt.de: Warum bejubelt ihr im Titel eures Albums den Weltuntergang?
    Maxim: Das soll ja keine Warnung sein. Wir stehen nicht mit dem Megafon vor dem Getränkemarkt und warnen die Gottlosen vor der bevorstehenden Apokalypse.
    Nico: Wir möchten den Leuten vielmehr die Angst vor dem Weltuntergang nehmen. Freut euch drauf!



    Wenn die Welt untergeht, haben K.I.Z. wenigstens Blumen dabei.

    Ein wichtiger Bestandteil bei K.I.Z. war immer der wortspielerische Umgang mit gesellschaftlich relevanten Themen. Eure erste Single „Boom boom boom“ ist textlich viel direkter als man das von euch gewohnt ist.
    Tarek: Das war eine Herausforderung, die wir bewusst gesucht haben.
    Maxim: Wir hatten auch früher häufig vor, kritische Themensongs zu machen, sind mittendrin aber immer wieder eingeklappt und haben dann doch bloß wieder über Fotzen und Pimmel gerappt. Das ist zwar nicht unbedingt einfacher, aber darin haben wir mehr Routine.
    Nico: Wir haben uns diesmal bewusst das Dogma gesetzt, keine „Fick deine Mutter“- und „Wir sind die besten Rapper Deutschlands“-Texte zu schreiben.
    Maxim: Letzteres wissen ja mittlerweile auch alle.

    http://www.youtube.com/watch?v=J_JqKXvenaE

    Auch bei den vorherigen Alben wurde immer wieder die Frage gestellt: „Dürfen die das?“ Beschäftigt ihr euch bei der Arbeit an neuen Songs mit dieser Frage?
    Nico: Natürlich haben wir uns unsere Gedanken gemacht. Aber dabei ging es weniger darum, ob wir dadurch in den Fokus der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien kommen könnte. Die Frage ist eher, ob es die einzelnen Zeilen wirklich am besten auf den Punkt bringen.
    Maxim: Am wichtigsten ist: Wir müssen selbst dazu stehen können. Dann können wir dafür auch...
    Tarek: ...in den Knast gehen. (grinst)
    Maxim: ...die Konsequenzen in Kauf nehmen. Aber wenn du etwas gesagt hast, was du selbst doof findest und dafür kritisiert wirst, wird es schwer, sich zu verteidigen – weil du den Kritikern insgeheim Recht gibst.

    Wie habt ihr den Artikel auf welt.de wahrgenommen, in dem der Autor die Frage aufwirft, ob euer Video zu „Boom Boom Boom“ eine Anstiftung zum Terrorismus sei?
    Maxim: Der Autor hat in einer Schulung für virales Marketing vermutlich gelernt, dass man einen Online-Artikel mit einer solchen Frage abschließen sollte, damit die Kommentarleiste voll wird und viele Klicks generiert werden – ein Vollidiot scheint er jedenfalls nicht zu sein, wenn auch sehr reaktionär.
    Tarek: Ich fand’s auch unterhaltsam geschrieben. Und wenn ich ein 40-jähriger CSU-Wähler aus Bayern wäre, hätte ich mir das Video daraufhin angesehen.
    Maxim: Die beste Antwort darauf hat dann ja auch unser ehemaliger Label-Chef Marcus Staiger bei Noisey geliefert.

    Wen meint ihr genau mit den im Song erwähnten Partypatrioten?
    Maxim: Das sind die Leute, die sich nach außen hin zwar von Nazis distanzieren, im Grunde genommen aber eine ähnliche Denkweise haben; Leute, die betonen, dass sie es schön finden, aus Deutschland zu kommen und sich darüber definieren. Dieser akzeptierte Patriotismus impliziert aber eben immer auch eine Abgrenzung anderen gegenüber.

    Wie gefährlich stuft ihr diesen akzeptierten Patriotismus ein?
    Maxim: Das ist keine direkte Gefahr für den Ausländer nebenan, sorgt aber dafür, dass wir in unserer freundlichen Demokratie Grenzen schaffen und geflissentlich wegsehen, wenn Flüchtlinge im Mittelmeer ersaufen.

    Beschäftigt ihr euch auf der neuen Platte mehr mit dem Weltgeschehen als früher?
    Maxim: Auf jeden Fall. Weil wir mehr reden, mehr lesen und mit offenen Augen durch die Welt gehen. Deshalb ist unser Verhältnis zur Welt so schlecht.

    Auf „Hurra die Welt geht unter“ setzt ihr euch aber nicht nur mit politischen, sondern auch mit sehr persönlichen Themen auseinander. Tarek, du redest auf der Platte zum Beispiel von Liebeskummer. Ist es dir schwer gefallen, etwas so Persönliches nach außen zu tragen?
    Tarek: Ja, zumal es keine emotionale Verbindung mehr zu der Person gibt, die ich dabei im Hinterkopf hatte. Aber so lernen mich die Fans auch noch mal besser kennen. Vielleicht helfe ich einigen Leuten sogar dabei, besser mit einer ähnlichen Situation klarzukommen. Ein solcher Text macht mich greifbarer, aber auch angreifbarer. Das soll aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass ich nach wie vor noch gerne Kinderwagen die Treppen runtertrete. (grinst)

    Hat sich euer Humor über die Jahre verändert?
    Tarek: Nein, leider nicht. (grinst)
    Maxim: Ach, doch, ein bisschen raffinierter ist er schon geworden – auch wenn ich nach wie vor das Humorverständnis eines Fünfjährigen besitze mit dem Vokabular eines...

    ...Achtjährigen.
    (Gelächter)
    Maxim: Ja, genau. So lange Worte wie furzen, kacken, Pimmel und Fotze vorkommen, bin ich zufrieden. Dieser Humor ist zeitlos. Wer das anders sieht, ist ein ehrenloser Vollidiot.

    Euch gibt es jetzt schon 15 Jahre. Hattet ihr schon mal so etwas wie eine Krise?
    Maxim: Nach dem Hype von „Hahnenkampf“ 2007 gab es eine Phase, in der wir viel bei Nico rumgehangen und GameCube gezockt haben. Eine Phase, in der ich das Gefühl hatte, dass wir krass unlustig geworden sind. Da konnte ich auch nichts mehr schreiben und es hat eine Weile gedauert, für „Sexismus gegen Rechts“ wieder reinzukommen. Übrigens: Als ich letztens in der Eisdiele war, lief dort das „Rohmilchkäse“-Intro der Platte. Das war schön!

    Passiert euch das oft, dass ihr unterwegs seid und dann Songs von euch laufen?
    Tarek: Als ich neulich im Waffelladen war, hat mir die Bedienung dort mit Sirup meinen Namen auf die Waffel gemalt. Das war auch schön!
    Nico: Und als wir mal auf dem Rummel in der Hasenheide in Berlin-Neukölln waren, da lief „Spast“.
    Maxim: Ja, da waren wir stolz! Das war am allerschönsten!
    Nico: Und als wir nach einer Show in Jena mal in eine Stripbar namens Titty Twister gegangen sind, hat dort netterweise eine Frau für uns zu „Geld essen“ gestrippt. Das war am allerallerschönsten!

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    Bloß nicht als Tourist erkannt werden, schon gar nicht als deutscher. Kein Sonnenhut. Keine Socken. Auch nicht in normalen Schuhen, man weiß ja nie. Nichts ist erniedrigender als der Gang ins Tourismusbüro. Wenn man sich dort aller Coolness zum trotz eine Stadtkarte mitnimmt, wird diese, wenn überhaupt, nur heimlich an dunklen Straßenecken hervorgeholt und im Zwielicht entziffert. Falls er dann doch mal auf ein Wahrzeichen der Stadt stößt, zeigt er sich davon so beeindruckt wie vom Parkplatz im heimischen Nachbarort. Denn: man kennt ja das Klischee vom deutschen Touristen, stets ausgerüstet mit Bauchbeutel, Reiseführer und Karte. Oder er liegt rot gefärbt am Strand.

    Und davon müssen wir uns abgrenzen. Denken wir zumindest.

    Allerdings scheint der deutsche Individualreisende im Ausland nicht wirklich besser anzukommen als der mit den besockten Sandalen. Anders ist nicht zu erklären, warum die isländische Mini-Webserie „Cloud of Ash“ ausgerechnet den neuen deutschen Touristen als Charakter aufgegriffen hat. Und der ist ein überheblicher Nörgel-Hipster.
     
    https://www.youtube.com/watch?v=KIMWSttZlc0

    Für die Sehenswürdigkeiten hat er nur Verachtung übrig. Die lokale Küche ist nicht speziell genug. Island, das ja eigentlich so cool sein soll, entpuppt sich als Land der Idioten.

     http://www.youtube.com/watch?v=eCuMd_zCWdc

    Als so ein Kostverächter, der in seiner kollektiven Suche nach Individualität eigentlich schon wieder zum Mainstream-Touristen wird, möchte man als deutscher Urlauber nicht dargestellt werden. Aber: es stimmt. Der Berliner Kulturwissenschaftler Johannes Novy forscht nämlich zum Post-Tourismus in Städten. Und er hast festgestellt: Der Post-Tourist übernachtet nicht in Hotels, er zeigt wenig Interesse für Attraktionen, sucht dafür aber unkonventionelle Erfahrungen und hält sich lieber in Wohngebieten als in der Innenstadt auf. Bei den Einheimischen ist er genauso unbeliebt wie das Original. Deshalb sollte man zukünftig im Urlaub doch wieder lieber auf die Stadtkarte schauen und den Kopf in den Nacken legen, wenn man ein Gebäude schön findet. Denn eigentlich freuen sich Einheimische darüber am meisten: wenn man ihre Stadt bewundert.

    magdalena-naporra

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    Wollte man das Vokabular für romantische Beschnupperungs-Prozesse auf Freundschaften übertragen, dann ließ ich Anna wohl abblitzen. Wobei es anfangs gut für uns aussah. Das erste Mal begegneten wir uns orientierungslos vor unserer Fakultät. Wir waren beide zu spät für die Einführungsveranstaltung zu unserem Studiengang. Zusammen suchten wir den Raum, schlichen uns in die letzte Reihe und schrieben eifrig jedes Wort des Dozenten mit. Als verunsicherte, kontakthungrige „Erstis“, die wir waren, reichte dieses Erlebnis, um uns zu Verbündeten zu machen. Abends schrieben wir uns SMS, in denen wir unsere Freude über die Begegnung mit der jeweilig anderen bekundeten. In Gedanken verglich ich Anna und mich bereits mit meiner Patentante und meiner Mutter, die sich auch bei der Orientierungswoche ihres Studiums kennengelernt hatten.



    Das Freunde-Reservoir ist voll. 

    Das war wohl der erste Hinweis, dass ich nur krampfhaft nach einer Bezugsperson in meinem neuen Leben suchte und deshalb den individuellen Charakter der Person vernachlässigte.

    Denn als mein Kontaktheißhunger abklang und wir die Smalltalk-Ebene verließen, merkte ich, dass ich Anna als Person gar nicht besonders spannend fand. Zunehmend langweilten mich unsere Gespräche, in denen sie so gut wie allem, was ich sagte, bedingungslos beipflichtete. In Vorlesungen nervte es mich, wenn sie versuchte, eine Unterhaltung zu beginnen, während ich zuhören wollte. Ich empfand sie mehr und mehr als zu anhänglich und uneigenständig. Die Freundschaft mit Anna gab mir keinen Input, sie wurde für mich unattraktiv.

    Als ich das realisierte, hatte sie mich allerdings schon unter „Bezugsperson“ abgespeichert. Das passte ja auch zu den Signalen, die ich ihr anfangs vermittelt hatte. Ich begann, mich zu entziehen und ließ unseren Kontakt ausplätschern. Irgendwann wechselte Anna den Studiengang und damit erledigte sich das Thema Freundschaft endgültig.

    Ich dachte eigentlich, ich sei eine Menschenfreundin


    Allerdings rüttelte dieses Erlebnis an meinem Selbstverständnis: Eigentlich gehöre ich zu der Sorte Mensch, die melancholisch wird, wenn sie sich von ihrem Sitznachbarn im Flugzeug verabschiedet. Es gibt einen Teil in mir, der möchte, dass alle Menschen, mit denen ich je schöne Begegnungen hatte, mich auf ewig durch mein Leben begleiten. Deshalb dachte ich stets, dass ich jeden Menschen, sofern er Interesse daran hätte, in mein Leben lassen würde. Ich hielt mich für eine Menschenfreundin - bis ich auf Anna traf und merkte, dass mir meine Zeit und Energie zu wertvoll ist, um sie in eine Beziehung zu investieren, von der ich mir nichts verspreche.

    Seitdem fällt es mir öfter auf, dass ich genau abwäge, ob ich jemand neues in meinem Leben haben will. Bei der Kommilitonin, die ich „ganz nett“ finde, beim Typen, der nach einem funkenlosen Date mit mir befreundet sein will oder bei meiner alten Mitbewohnerin – ich merke, dass ich nicht mehr bereit bin, für diese Menschen meine Abende zu opfern. Denn ich habe mich eingerichtet in diesem Studium, in dieser Stadt. Meine Wochen und Wochenenden sind vollgestopft. Die freie Zeit gewinnt an Wert. Ich habe bereits tolle Freunde, mit denen ich viel rede. In meinem Studium denke ich viel. Da erscheint es mir zu mühsam, die Dinge zu tun, die nötig sind um aus einer Bekanntschaft eine Freundschaft zu machen. Mich in weitere Menschen hineinzuversetzen, ihre Geschichten zu hören und meine zu erzählen. Der Gedanke, in das Leben einer weiteren Person verwoben zu werden, und diese Person auch in mein Leben einzubinden, bedeutet für mich  momentan eher Sozialstress als Spaß.

    Ich würde es nicht kategorisch ausschließen noch neue Freundschaften zu knüpfen, denn träfe ich jemanden, mit dem ich „voll auf einer Welle“ wäre, dann würde ich ja doch die Zeit finden. Aber man könnte sagen, dass ich meine Standards erhöht habe. Ich wohne nicht mehr in einem 3000 Seelen-Kaff, bin nicht mehr Austauschschülerin oder Erstsemester – ich befinde mich also nicht mehr in einer Phase, in der man mit Menschen abhängt, nur weil sie Menschen sind.

    Manchmal meldet sich dann trotzdem der Toleranz-Imperativ bei mir und sagt, dass ich weltverschlossen und kapitalistisch bin – weil ich instinktiv überlege, was ich aus einer Freundschaft ziehen kann, bevor ich sie eingehe. Anderseits: Ist es nicht besser, wenige intensive Beziehungen pflegen, als zig Leute nur zu streifen? Es ist ja auch ein sehr befreiendes Gefühl, nicht mehr auf neue Freunde angewiesen zu sein. Meine Begegnung mit Anna lehrte mich zumindest, dass ich womöglich sogar offener anderen Menschen gegenüber bin, wenn ich nicht krampfhaft nach Freunden suche. Dann fallen einem auch schneller deren Eigenheiten auf – und man kann die Freundschaft beenden, bevor sie richtig losgegangen ist.

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    Schon mal von "Prince Harvey" gehört? Nein? Wir auch nicht, bis heute. Dabei handelt es sich nämlich auch nicht um einen geheimen Sohn britscher Royals, sondern um einen Rapper aus New York, der bis vor kurzem sehr unbekannt war. Auf seinem Soundcloud-Account gibt es bisher drei Songs, der älteste ist zwei Jahre alt, aber laut eigener Bio ist Prince Harvey jemand, der sich in der New Yorker Rap-Szene bereits einen Namen gemacht hatte - bis sein Laptop kaputt ging und die externe Festplatte mit allen bisherigen Tracks geklaut wurde.


    Prince Harvey - zu arm für einen neuen Laptop, aber zumindest schick fotografiert.

    Ohne Equipment lässt sich allerdings nur schwer ein Album aufnehmen, und laut eigener Aussage hatte Harvey im teuren New York kein Geld für einen neuen Laptop. Da kam er auf eine Idee: In Apple-Stores gibt es unbegrenzten Zugriff auf Computer und Programme wie "Garage Band", mit denen man selber Musik aufnehmen kann. Harvey sprach daraufhin, so sagt es zumindest die Legendenbildung, einen befreundeten Apple-Mitarbeiter an, der "ein bisschen die Regeln verbog" und ihm zeigte, wie man Dateien auf den dortigen Computern speichert, ohne dass sie direkt wieder gelöscht werden.
    https://soundcloud.com/princeharvey/the-new-black
    Vier Monate lang arbeitete Harvey daraufhin an seinem neuen Album in einem Apple-Store in Soho. In einem Interview mit Elite Daily sagte er, manche Sicherheitskräfte hätten ihn dabei zwar immer wieder beobachtet, aber er sei geschickt gewesen und deshalb nicht aufgeflogen. Wobei man sich natürlich schon die Frage stellen muss, wie jemand unauffällig vor einem Computer steht und rappt.

    So oder so - am Ende hat es Harvey geschafft und zwölf Tracks für sein Album fertigbekommen und alle berichten über den Typen im Apple Store. Das Album wird übrigens "PHATASS" heißen, ein Akronym für "Prince Harvey at the Apple Store Soho" ist. Und spätestens da wird die ganze Geschichte vielleicht doch ein bisschen zu professionell.

    charlotte-haunhorst

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  • 07/07/15--09:07: "XXL-T-Shirts sind erotisch"



  • jetzt.de: An vielen Schulen müssen Schüler in „allzu aufreizender Kleidung“ bis zum Ende des Schultags ein übergroßes T-Shirt tragen. Wie finden Sie das?

    Barbara Vinken: Das ist doch ziemlich witzig. Stellen Sie sich dieses Bild vor: die ganze Schule in Riesen-T-Shirts!   

    Es gibt aber auch jede Menge Kritik an dieser Disziplinierungsmaßnahme. 
    Scheint mir aber eher eine elegante Lösung zu sein. Im öffentlichen Raum und in der Schule muss man sich, denke ich, mit Rücksicht auf sein Gegenüber anziehen.

    Bestraft man damit nicht die Falschen? 
    Den Vorwurf des Victim Blaming muss man natürlich ernst nehmen, doch in diesem Fall bekommen ja Schüler und Schülerinnen gleichermaßen ein T-Shirt verpasst. Überall auf der Welt gibt es Regeln für angemessene Kleidung. Männer dürfen beispielsweise auf keinem Tennisplatz der Welt mit nacktem Oberkörper spielen. Der Hindernisläufer Mahiedine Mekhissi-Benabbad lief im vergangenen Jahr bei der Leichtathletik-EM als erster durchs Ziel, zog sich aber auf der Zielgeraden sein Hemd aus und wurde disqualifiziert. Es gibt bei Männern genauso Regeln. Und es geht auch gar nicht nur um „aufreizend“ oder nicht.

    Sondern? 
    Um angezogen oder nicht. Eigentlich ist das ausnahmsweise eine Geschichte, die Männer vielleicht noch stärker betrifft, weil da das Nackte nicht erotisch codiert ist, wie das beim Frauenkörper fast immer der Fall ist, sondern einfach unangezogen, ja aggressiv wirkt. Wenn bei Jungs etwa die Hose so weit nach unten rutscht, dass man ihren nackten Hintern sieht, dann signalisiert das: Du gehst mir gerade so was am Arsch vorbei! Wenigstens unterstellt man das nicht von ungefähr dem Look. An der Norm des Angezogenseins festzuhalten, finde ich sinnvoll. Aktuell scheint das in den Schulen schwierig zu sein.   

    Hot Pants zu tragen heißt also nicht angezogen zu sein? 
    Wenn sie nur den halben Po bedecken, schon. Die Mode spielt immer mit dem Verhältnis von bedeckt und unbedeckt. Es kommt weniger auf das Was als auf das Wie an. Ein Minirock kann angezogen sein. Auch ein bauchfreies Oberteil. Man muss die Regeln kennen, um sie durchbrechen zu dürfen. Als Schülerinnen plötzlich bauchfrei in die Schule kamen, gab es auch Empörung, weil das „schamlos“ sei. Dabei ist der nackte Bauch am Ende eine, wenn auch nicht immer vorteilhafte, Verrückung des Ausschnittes. Wenn jetzt Lehrer und Eltern das Gefühl haben, dass die Schüler sich nicht mehr anziehen, dann gibt es da offensichtlich ein Kommunikationsproblem, und mit einer solchen Aktion darauf aufmerksam zu machen, scheint mir angemessen. Zumal die Oversized- T-Shirts ja ein modisch tragbares Statement sind.   

    Inwiefern? 
    Mit den XXL-Shirts wird das als schamlos empfundene Zeigen verhüllt und am Ende allen Schülern ein Hip-Hop- und wilder Surfer-Look verpasst. In der Frauenmode ist Oversize spätestens seit den Boyfriend-Jeans total angesagt.

    ... und auch erotisch konnotiert. 
    Und deswegen sind diese Aktionen okay. Dass man Oversized-Mode sexy findet, liegt nicht an dem zu großen T-Shirt selbst, sondern an der Geschichte, die man damit verbindet, und die ist immer: Die Frau ist gerade aus dem Bett gestiegen und hat das zu große T-Shirt, die zu große Hose, den zu großen Pullover ihres Freundes geklaut. Das gibt dem Ganzen einen erotischen Thrill. Zudem kann es bei einem Oversized-Shirt oder -Kleid sehr viel einfacher passieren, dass man eine nackte Schulter zeigt, als bei einem Stück, das wie angegossen sitzt. Das weiße T-Shirt ist im Grunde genommen sowieso ein sehr erotisches Kleidungsstück, denken wir nur an Marlon Brando oder James DeanSchon gut, dass in den Schulen schwarze T-Shirts verteilt werden, mit dem Schullogo darauf!  


    [plugin imagelink link="http://www.barbaravinken.de/files/news/characteristics.jpg" imagesrc="http://www.barbaravinken.de/files/news/characteristics.jpg"] (Quelle)
    Prof. Dr. Barbara Vinken ist eine der bekanntesten Modetheoretikerinnen und Professorin an der LMU.


    Wie stehst du zu Disziplinierungsmaßnahmen mit XXL-T-Shirts? Hier geht's zur Diskussion auf SZ.de.  

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    Hillary Clinton






    Das gibt’s zu kaufen: Alles, was man für„fun in the sun“ so braucht. Das ist das Motto von Hillary Clintons Online-Shop. Auf der Startseite grillt eine Gruppe junger Leute in einem Garten, der auch eine New Yorker Dachterrasse sein könnte. Neben den Standard-Sets an Tassen, T-Shirts und Aufklebern mit dem großen blauen „H“ macht die potenzielle Obama-Nachfolgerin Obi und Co Konkurrenz. Die „Grillary“-Kollektion und der „Chillary“-Bierkühler sollen die Herzen der Barbecue-Fans erobern. Ob die Grillzange 35$ wert ist? Vielleicht zahlt man hier die Wortwitze mit.  

    Hier sieht’s aus wie: wenn Butler’s und H&M ihre „Youngster“-Kollektion zusammenwerfen und gemeinsam „freche Produkte“ anbieten.

    Das sagte der Image-Berater: „Hillary, die Leute dürfen nicht denken, dass Sie keine Männer mögen. Wir brauchen Hoodies, Grillzeug und was fürs Bier! Aber in cool, nicht für diese verbrannten Florida-mit-dem-Plastik-Stuhl-im-Wasser-Sitzer. In cool! Und lustig!“  

    Das sollen die Leute denken: „Witzig. Die Frau hat Humor.“  „Bring ich zur nächsten Manhatten-Rooftop-Party mit.“  

    Das denken die Leute:„Arme Wurst in Grillschürze.“

    >>> Donald Trump: Kronleuchter, Krawatten und der Geruch des Erfolgs
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     Donald Trump






    Das gibt’s zu kaufen: Alles, was gold ist und glänzt. Der reichste Präsidentschaftskandidat verkauft ein breites Repertoire an Möbeln, Accessoires und Golfzubehör. Wer braucht Plastiksticker und Fan-Shirts, wenn man auch gleich nach „Erfolg“ oder „Triumph“ oder einfach nur „Trump“ riechen kann? Der Shop kommt ohne Wahlslogan aus. Die Message ist klar: „Ich hab Style und das Geld.“  

    Hier sieht’s aus wie: im Nobelkaufhauses KaDeWe am Berliner Ku`Damm. Und es riecht nach Geld. Nach viel Geld.

    Das sagte der Image-Berater:„Zeig, was du hast. Wir orientieren uns an den oberen drei Prozent der Bevölkerung.“  

    Das sollen die Leute denken: „Das Geld kommt nicht von irgendwo. Irgendwas muss der ja können. Und wer irgendwas kann, kann auch Präsident werden.“ 

    Das denken die Leute:
    „Trump toppt sogar die Rich Kids of Instagram.“


    >> Schlimmer als ein Schwimmbad-Shop: Jeb Bushs Online-Store
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    Jeb Bush






    Das gibt’s zu kaufen
    : Sehr viele Sticker. Auf denen wurden alle Kombinationsmöglichkeiten von rot, weiß und blau ausgeschöpft. Die Produkte machen keinen Spaß, nutzen die Werbefläche aber optimal: Überdimensionale JEB-Prints auf Tassen, Pullis und Thermobechern. JEB! IN GROSSBUCHSTABEN! Der Nachname Bush taucht hingegen nirgends auf. Will sich da jemand unbedingt von der Verwandtschaft abheben?

    Hier sieht’s aus wie: in einem Souvenirshop im tiefsten Oklahoma, wo lange nicht abgestaubt wurde.  

    Das sagte der Image-Berater:
    „Dein Bruder war eine texanische Lachnummer. Von dem müssen wir uns abgrenzen! Sei du selbst! Jeb, not George! Zeig Eigenständigkeit! Keine Ledergürtel, Waffenhalter, Cowboyhüte!“  

    Das sollen die Leute denken: „Ganz anders als der große Bruder. Viel bescheidener. Amerika hat noch ’ne Chance.“  

    Das denken die Leute:„Bush ist Bush. Aber vielleicht wird Jeb ja der neue Trend-Name für den Jungs-Jahrgang 2016...“

    >>> Barack Obama verkauft Hipster-Produkte
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    Barack Obama






    Das gibt’s zu kaufen: Dinge, die Obamas Coolness manifestieren. Der Styler-Präsident und Jungwählerversteher weiß, was in ist. Passend zum jüngsten politischen Ereignis, der Gleichstellung der Homoehe, gibt’s eine breite Regenbogen-Kollektion. Wer nicht mehr genau weiß, warum er Obama gewählt hat, kann die Wahlziele am eigenen Körper zur Schau stellen. Oder sich eine seiner bekanntesten Reden als Hipster-Print übers Bett hängen. Oder Klimaprojekte mit dem Kauf einer Trinkflasche unterstützen. Die „Action“-Sticker wurden schon um 50% reduziert, Obama muss schließlich keinen Wahlkampf mehr finanzieren.  

    Hier sieht’s aus wie: in einer Mischung aus Urban Outfitters, American Apparel und einem Szene-T-Shirt Shop zum Selbstbedrucken.

    Das sagte der Image-Berater: „Wir haben’s eh schon geschafft. Lass mal nur noch Sachen verkaufen, die wirklich weggehen. Regenbogen kommt grade gut.“  

    Das sollen die Leute denken: „30$ würde ich eh für ein T-Shirt ausgeben, dann kann’s auch von Obama sein. Außerdem nennt er seine T-Shirts „Tees“, der Typ muss cool sein.“  

    Das denken die Leute:„Wie politisch ist eine Trinkflasche?“


    >>> Der jüngste Kandidat hat den langweiligsten Shop
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    Marco Rubio







    Das gibt’s zu kaufen: Tassen, T-Shirts und Mützen mit Rubios Slogan „A new American Country“. Passend dazu trägt der Online-Shop auch den Titel „A New America Store“. Der einzige kreative Geistesblitz: In einer Werbekampagne rief der Republikaner seine Wähler auf, sich ihr eigenes „Marco Polo“ zu kaufen. Verstanden? M-A-R-C-O's Polo. Witzig.  

    Hier sieht’s aus wie: in einem dieser kleinen Läden an der Schwimmbadkasse, wo man noch schnell eine Cap kauft, weil man die eigene vergessen hat. Nicht schön, aber erfüllt seinen Zweck.      

    Das sagte der Image-Berater:
    „Man darf nicht merken, dass Sie der jüngste Kandidat sind. Bleiben wir bei blau, rot, weiß.“  

    Das sollen die Leute denken
    : „Seriös, erwachsen, clean. Der perfekte Schwiegersohn!“  

    Das denken die Leute:
    „Ein bisschen mehr Cuba Libre hätte dem Design gut getan.“

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  • 07/08/15--03:01: Zeit macht schön

  •  Hurra: Je länger wir einander kennen, desto egaler ist uns das Aussehen. 

    Lernen sich zwei Menschen kennen, der eine schön, der andere nicht so. Ein paar Monate später sind sie ein Paar. Was ist passiert? 

    Es ist kein seltenes Phänomen. Aber eines, das immer wieder Getuschel und Geraune verursacht: Wie hat die nur diesen Typen klargemacht? Beziehungsweise: Was hat der Typ nur, was wir alle nicht sehen?

    Eine gute Frage, um sie mal wissenschaftlich zu untersuchen, dachten sich Forscher an der Universität von Austin, Texas. Also ließen sie Studenten die Attraktivität ihrer Kommilitonen bewerten. Jungs bewerteten Mädchen, Mädchen bewerteten Jungs.

    Am Anfang des Semesters waren sich alle mehr oder weniger einig, wer am attraktivsten sei. Drei Monate später wiederholten die Forscher die Umfrage. Und staunten: Nachdem die Studenten nun lange Tage gemeinsam im Klassenzimmer verbracht hatten, waren sie sich völlig uneinig, wer am attraktivsten sei. Die Heißesten vom Semesteranfang hatten ihre Stellung teilweise verloren – dafür tauchten plötzlich Studenten auf der Rangliste auf, die vorher niemand für attraktiv gehalten hatte.

    Was war passiert?

    [plugin imagelink link="https://cinefilles.files.wordpress.com/2012/12/knocked-up.jpg" imagesrc="https://cinefilles.files.wordpress.com/2012/12/knocked-up.jpg"] Die Schöne und der weniger Schöne: Katherine Heigl und Seth Rogen in "Beim ersten Mal". 

    „Die Wahrnehmung von potenziellen Paarungspartnern ändert sich, je mehr Zeit man mit ihnen verbringt“, erklärte eine der beteiligten Psychologinnen der New York Times. Einerseits gebe es die „Seth-Rogen-Story“ (ein Bezug auf die US-Komödie „Beim ersten Mal“): Ein auf den ersten Blick unattraktiver Mensch wirkt auf eine bestimmte Person plötzlich anziehend. Es funktioniere aber auch andersrum: „Jemand kann unattraktiver werden, wenn man ihn besser kennenlernt.“

    Die Forscher zogen daraus einen Schluss, der ganz schön gut klingt: Wenn wir alle auf lange Sicht verschiedene Menschen für Mr. oder Ms. Right halten, gibt es am Ende mehr Chancen für alle, jemanden abzukriegen. Und weniger Verlierer, für die sich gar niemand interessiert.

    Um das noch genauer zu untersuchen, starteten die Wissenschaftler eine Studie mit Paaren. Sie wurde diesen Monat in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlicht. Die Forscher luden 167 Paare ein, einige waren seit kurzem zusammen, andere seit Jahrzehnten. Einige waren nach wenigen Wochen ein Paar geworden, andere hatten sich davor schon Jahre gekannt. Nun bewertete eine Jury die Attraktivität der einzelnen Menschen.

    Wenn aus Freunden Liebhaber werden, ist oft einer von beiden hässlicher. 


    Das Ergebnis bestätigte, was die Umfrage unter den Studenten nahegelegt hatte: Paare, die ihre Beziehung direkt nach dem Kennenlernen begonnen hatten, waren tendenziell gleich attraktiv. Hatten sie sich aber vorher schon lange gekannt oder waren gar Freunde, bevor sie zu Liebhabern wurden, war häufiger einer der beiden weniger attraktiv als der andere. In anderen Worten: Die Seth Rogens hatten auf lange Sicht gewonnen. Sie hatten jemanden außerhalb ihrer Liga bekommen.

    Und gleich noch eine gute Nachricht: Das Phänomen tritt immer häufiger auf. Eine Umfrage des Kinsey Institute unter amerikanischen Singles ergibt, dass 33 Prozent der befragten Männer und 43 Prozent der Frauen sich schon mal in jemanden verliebt haben, den sie anfangs nicht attraktiv fanden. Die Herausgeber der Umfrage nennen das Phänomen „Slow Love“ und sagen, es sei stark auf dem Vormarsch. Warum? Weil junge Menschen immer später heiraten. Und weil Zeit, wie wir gerade gelernt haben, der Freund der eher Unattraktiven ist. Was im Klassenzimmer der Studenten in Austin passiert ist, geschieht also gerade mit einer ganzen Generation: Die nicht so Attraktiven bekommen mehr Gelegenheit, als schöner wahrgenommen zu werden.

    Bleibt die Frage, was die eher Unattraktiven denn tun können, um plötzlich heiß zu werden. Diejenigen, die in der Umfrage sagten, schon mal „Slow Love“ erlebt zu haben, verrieten es: „Tolle Gespräche“, „gemeinsame Interessen“ und ein guter „Sinn für Humor“ hätten sie zum Umdenken gebracht.

    Fazit also: Hurra! Denn die Studie entschärft ja nebenbei auch ein weitverbreitetes Vorurteil unserer Zeit - die angebliche Veroberflächlisierung der Liebe durch Tinder. Das Links-Rechts-Wischen aufgrund des Aussehens mag zwar ein oberflächlicher Weg der Liebes-Anbahnung sein. Aber es ist eben auch nur: der Anfang. Wer sich erstmal mit jemand deutlich attraktiverem auf einen Kaffee trifft, kann noch locker zu dessen Partner werden. Er braucht nur Geduld (und, klar: guten Humor und spannende Interessen). Diejenigen, die schon auf den ersten Blick attraktiv sind, haben es da schwerer. Sie können eigentlich nur noch verlieren.

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    Nein, man kann das jetzt nicht kleinreden. Es ist kein Zufall. Und es ist auch nicht "völlig aus dem Takt", wie der Kollege hier mit maliziösem Lächeln behauptet, der sich viel auf seine Musikalität einbildet. 

    Es ist: die Gartenschaufel mit dem spektakulärsten Taktgefühl der Welt.

    http://www.youtube.com/watch?v=oeb5LdAyLC8 via kottke.org

    Damit deklassiert die Schaufel übrigens auch den bisherigen Ersten auf der Weltrangliste der unerwartet musikalischen Objekte: die Tür, die Miles Davis covert.

    http://www.youtube.com/watch?v=wwOipTXvNNo 

    jan-stremmel

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  • 07/08/15--06:33: Schwimmen im Museum
  • Schon gut, was die Leute vom nationalen Architekturmuseum in Washington, D.C., sich so ausdenken. Letztes Jahr stellten sie ein riesiges Labyrinth in ihre Säulenhalle - dieses Jahr übertreffen sie sich nochmal selbst: Seit Samstag ist die Halle ein gigantisches Bällebad.

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/07/indoor-ball-pit-bubble-ocean-the-beach-snarkitecture-national-building-museum-111.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/07/indoor-ball-pit-bubble-ocean-the-beach-snarkitecture-national-building-museum-111.jpg"]

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/07/indoor-ball-pit-bubble-ocean-the-beach-snarkitecture-national-building-museum-32.jpg" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/07/indoor-ball-pit-bubble-ocean-the-beach-snarkitecture-national-building-museum-32.jpg"]

    In Zusammenarbeit mit einem Architekturbüro haben die Kuratoren die Installation "Beach" entworfen: Einen weißen Strand mit Liegestühlen, von dem aus man über ein Meer aus knapp einer Million weißen Plastikbällen blickt. Spiegel an den Sperrholzwänden sorgen dafür, dass das Meer tatsächlich unendlich wirkt. Die Besucher dürfen jetzt darin baden, aber, wie die Kuratoren schreiben, auch gerne am Strand ein Buch lesen.

    Geboren in der Kinderecke von Fastfood-Lokalen und Möbelhäusern, erlebt das Bällebad seit einigen Monaten eine Renaissance im Internet (wie wir hier schon mal notiert haben): als internationales Symbol für Spaß, als Gipfel des Unernstes. Dass es nun ausgerechnet in einem Architekturmuseum gelandet ist, zeigt möglicherweise, dass der Weg durch die Institutionen abgeschlossen ist. Das Bällebad ist Teil des Architektur-Kanons.

    [plugin imagelink link="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/07/indoor-ball-pit-bubble-ocean-the-beach-snarkitecture-national-building-museum-gif-2.gif" imagesrc="http://static.boredpanda.com/blog/wp-content/uploads/2015/07/indoor-ball-pit-bubble-ocean-the-beach-snarkitecture-national-building-museum-gif-2.gif"]


    jan-stremmel

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    >>> Für die Auflösung bitte weiterklicken / -scrollen.


    [seitenumbruch]



    Auflösung: Palina Rojinski. Die 30-Jährige kann sich nach dem Ende ihrer Karriere als "Got to Dance"-Jurorin ganz auf eigene Posen konzentrieren. Für ihre nächste Show ist sie in Hong Kong unterwegs.


    >>> Wer möchte Sex mit sich selbst haben?

    [seitenumbruch]






    >>> Für die Auflösung bitte weiterklicken / -scrollen.





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    Auflösung: James Blunt. Blunt (engl. offen, direkt, auch umgangssprachlich Joint), der in seinen Songs sonst eher sanfte Töne summt, macht seinem Namen auf Twitter Ehre.


    >>> Wer lobt die Tattoos seiner Fans?

    [seitenumbruch]







    >>> Für die Auflösung bitte weiterklicken / -scrollen.




    [seitenumbruch]



    Auflösung: Miley Cyrus. Die Sängerin, die selbst einiges an Tinte auf dem Körper trägt, inspirierte drei Fans, sich tätowieren zu lassen.






    Fuuuuuckkkkk yaaaasssss! Summmm supppppa fweakz got some bad a$$ ❤️💲🎉 tattoos!!!!! Ein von Miley Cyrus (@mileycyrus) gepostetes Foto am 28. Jan 2015 um 0:15 Uhr




    Sie entschieden sich für die Emojis „Love“, „Money“, „Party“ – ein Tribut an Mileys gleichnamigen Song, den sie gerne mit breitgespreizten Beinen auf einem vergoldeten Geländewagen performt.


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    Niemand kennt eine Straße so gut wie die Menschen, die in ihr leben. Deshalb bitten wir hier regelmäßig junge Münchner, uns ihre Straße zu zeigen – die schönsten Ecken, die besten Läden, die schrulligsten Typen, die nettesten Anekdoten. Heute: 

    Florian, 33, Schauspieler, Autor





     Die „Schleise“, wie wir sie nennen, ist eigentlich eine Prunkstraße im Dornröschenschlaf. Mein Bruder sagt immer, wir müssen es nur aussitzen, irgendwann erwacht sie. Man muss sich das mal vorstellen, die Schleißheimer Straße führt durch fünf Bezirke. Eine der längsten Straßen der ganzen Stadt. Aber mein Teil ist eigentlich nur der zwischen Maßmannpark und Nordbad. Allein auf dieser Strecke kann man sich aber jederzeit durch die Nationalitäten essen. Es gibt afrikanisches Essen, chinesisches, vietnamesisches, japanisches, bayerisches, einfach alles.
     
    Besonders mag ich zur Zeit den türkischen Imbiss Saray in der Schleißheimer 77, den betreibt so ein türkisches Paar. Total nett, super Dürüm, türkische Salate und türkisches Gebäck. Immer frisch. Und man kriegt hier auch den original türkischen Chai. Ich sitze da sehr gerne und hole mir neue Ideen für Drehbücher.
     
    Auch der Italiener Blu Notte ist eine Empfehlung. Die haben nur vier Plätze und im Sommer zwei Tische draußen, da sitze ich gerne und schaue, was so passiert in der Straße. Der Görreshof ist perfekt für bayerische Küche, hier gibt es ein günstiges und sehr gutes Mittagsmenü für 8,90 Euro und einen witzigen Biergarten, der sich über eine Einfahrt bis in den Hinterhof erstreckt. Beim Vietnamesen Kim Phat bestellte ich immer Thaicurry rot.
     
    Ich bin vor sechs Jahren hergezogen, es war meine erste Wohnung in München und ich will nicht mehr weg. Das ist genau meine Ecke hier. Hier ist die Maxvorstadt sehr bescheiden und vielfältig, niemand will mehr sein, als er ist. Aber natürlich passiert auch hier langsam der übliche Wandel. Die beste Boazn der Straße, Nessie, zum Beispiel gibt’s schon nicht mehr. Das war eine plüschige Zeitreise und die 70-jährige Wirtin Johanna kannte jeden mit Namen.
     
    Dafür ist das Du&I noch da und der Fairplay Saloon. Der ist legendär. Man kann dort Billard spielen, Bundesliga anschauen und immer jemanden treffen, der interessant ist. Das ist ja auch nicht gang und gäbe. Hier erzählt man sich ganz geradeheraus sein Leben. Und der Chef, Pano, weiß immer Bescheid, was in der Straße gerade passiert – das ganz normal Leben halt. Eine tolle neue Bar gibt es übrigens da, wo früher eine alte Boazn war: gleich um die Ecke in der Georgenstraße. Ein paar coole Jungs haben da das Schorsch aufgemacht, das hat nur Donnerstag bis Samstags offen und im Sommer ab Mittwoch.
     
    Im Winter geh ich gern ins Nordbad, vor allem in die Sauna, denn der Saunabereich da ist super renoviert. Denkt man ja von außen im ersten Moment nicht. Dass es gegenüber im Karstadt unten eine Feinkostabteilung gibt, ist auch großartig. Vor allem der Fisch dort ist sensationell.
     
    Ich bin zwar kein Mitglied im, aber großer Fan vom Jugendzentrum für Senioren, ins Leben gerufen von Abi Ofarim. Alte Menschen können sich dort treffen, gemeinsam Musik hören, Spiele spielen, malen. Es gibt Lesungen und Vorträge. Ein Fitnessprogramm auch. Ich finde das ein großartiges Konzept.
     
    Nicht zu vergessen ist hier in der Ecke natürlich außerdem noch das Stadion, die Fußballkneipe, in der man auf Rängen an den Wänden sitzt und Fußball schauen kann. Wenn ein großes Spiel ist, musst du dich ungefähr fünf Stunden vorher schon draußen anstellen, damit du einen Platz kriegst. Eine Institution.

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  • 07/09/15--04:30: Tisch? Decke!
  • Braunauer Eisenbahnbrücke





    Deine Decke liegt:
    im Idealfall direkt auf dem Fuße eines Brückenpfeilers. Da rattern die Züge nach Österreich, Italien oder Ungarn dann nur noch ein paar Meter über deinem Kopf hinweg, zu deinen Füßen sprudelt die Isar und alles fühlt sich nach ewiger Jugend, weiter Welt und dem perfekten Sommer an.
     
    Die sind auch da: Giesinger Senioren, badende Hippies und Punks, Hundespaziergänger.
     
    Ein Bier bekommst du nach 20 Uhr: bei Christa Fingerle. Der gehört nämlich einer der nettesten und urmünchnerischsten Kioske der Stadt: der Kiosk an der Braunauer Eisenbahnbrücke.
     
    Brauchst du nicht: Feuchttücher zum Hände- oder Besteckwaschen. Fließend Wasser gibt’s hier reichlich.
     
    Die nächste Toilette: Tja. Wir sind an der Isar . . .
     
    Getränkeempfehlung: Bodenständiges: kühles Bier, Radler oder Limo.
     
    Danach: kleine Nachtwanderung durch die Isarauen, dann in eine Untergiesinger Boazn einkehren.
     
    Noch besser wär’s, wenn: Einige sagen ja, der Zuglärm müsse weg. Wir sagen: Niemals! Der macht ja erst die magische Atmosphäre. Die kurzen Gesprächspausen, die das Rattern der Waggons erzwingt, kann man außerdem hervorragend zum meditativen Innehalten und Einen-Schluck-Bier-Nachtrinken nutzen. Mercedes Lauenstein
     

    Bordeauxplatz





    Deine Decke liegt:
    bei Windböen aus der richtigen Richtung stoßweise im feinen Sprühnebel der Wasserfontäne des Bordeaux-Brunnens (auch bekannt als Brunnen mit jagdbereiten Tieren). Und das auf einer Wiese, die man dringend als flauschig bezeichnen muss. Die liegt außerdem in einer langgezogenen Schlucht aus Häusern, die, wenn man sich ganz flach auf dem Boden presst, fast hoch wirken – und damit quasi urban. Sehr ambitioniert angelegte Blumengärten und einen sehr unambitioniert angelegten Spielplatz gibt es auch.
     
    Die sind auch da: keine Hunde – die sind auf dem Gras nämlich verboten. Dazu ein paar schöne, halb-junge Menschen, die schwedische Holzwurfspiele oder Federball mit der Eleganz von Rasentennis spielen. Und die paar Säufer, die die Polizei in den vergangenen Jahren nicht vertrieben hat.
     
    Ein Bier bekommst du nach 20 Uhr: im Ostbahnhof – und das vor allem am Wochenende auch noch bis spät in die Nacht. Oder in einer der vielen Kneipen in der Umgebung.
     
    Brauchst du nicht: Eigentlich brauchst du gar nichts. Die Wiese ist sauber genug für direktes Draufsetzen. Manchmal purzeln Kinder in den ganz seichten Brunnen und das ersetzt dann notfalls sogar das Unterhaltungsprogramm. Zu essen gibt es drumherum eh alles. Und zwar in sehr gut.
     
    Die nächste Toilette: wäre in den vielen Lokalen ringsherum. Nur Pinkeln und nicht essen ist aber nicht sehr nett. Deshalb: Ostbahnhof. Kostet 50 Cent, ist dafür aber auch fast sauber.
     
    Getränkeempfehlung: Na ja, ein Bordeaux passt schon gut. Gin Tonic aber auch. Eher aus echten Gläsern als aus Pappbechern.
     
    Danach: geht’s vermutlich ins Bett. Wer am Bordeauxplatz picknickt, wohnt meistens auch in der Gegend – und feiert deshalb nicht mehr so viel.
     
    Noch besser wär’s, wenn: die Hanfpflanze, die man in einem der Fenster manchmal erahnen kann, tatsächlich echt wäre und das Unterhaltungsprogramm irgendwann um einen SEK-Einsatz erweitert würde. Jakob Biazza

    >>>Die Angst vor tollpatschigen (oder wahnsinnigen) Fahrradfahrern, die einen von der Mauer stoßen.<<<
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    Panzerwiese





    Deine Decke liegt:
    im kniehohen, sonnenwarmen Gras. Ein bisschen wie Ferien auf dem Bauernhof, nur ohne Tiere, aber mit ganz viel Feld und Wiese. Die riecht nach Sommer und Grillwürstchen, von den paar Leuten, die sich trotz Verbots trauen, was zu braten. Wer sich weiter raus aufs Feld traut, hört auch die ambitionierten Volleyballer am Wiesenrand nicht mehr. Wenn man die Plattenbauten vom Harthof ausblendet, kommen sogar leichte Provence-Gefühle auf. Bei gutem Wetter glitzert die Allianz Arena rüber.
     
    Die sind auch da: Ab und zu flitzen ein paar verirrte Jogger über deine Decke. Ansonsten: niemand! Das ist ja das Großartige. Wenn du nicht gerade im tiefsten Münchener Norden wohnst, ist die Wahrscheinlichkeit, hier Bekannte zu treffen, sehr gering. Das macht die Panzerwiese zum perfekten Ort für ein ungestörtes Date.

    Ein Bier bekommst du nach 20 Uhr: nur noch in der Stadt. Deshalb lieber am U-Bahnhof Dülferstraße im Einkaufszentrum vorher schon eindecken und dafür ein spätes Eis bei Quattro Gelati essen.
     
    Brauchst du nicht: das Tempelhofer Feld in Berlin. Die Panzerwiese ist genauso schön, und du musst keine Angst vor Windsurfern haben.
     
    Die nächste Toilette: Wer den zehnminütigen Weg zum Einkaufszentrum nicht schafft, dem bleibt nur der Wald.
     
    Getränkeempfehlung: aus praktischen Gründen eher Wein als Bier (siehe Die nächste Toilette). Oder einen Yoghurt-Lassi-To-Go aus dem Aangan, einem indischen Restaurant direkt am U-Bahnhof.
     
    Danach: noch ein bisschen länger bleiben, den Sternenhimmel bewundern und der Stadt beim Leuchten zusehen.
     
    Noch besser wär’s, wenn: man sich einfach in die Stadt beamen könnte, sobald die Nacht zu kühl wird. Eva Hoffmann

    Mauer unterhalb des Müllerschen Volksbads





    Deine Decke liegt:
    Eigentlich brauchst du keine. Du kannst dir aber natürlich trotzdem eine unterlegen, wenn du willst. Dann sitzt du ein bisschen weicher auf der Mauer, kannst die Beine baumeln lassen, unten rauscht die Isar, auf der Ludwigsbrücke braust der Stadtverkehr vorbei, manchmal bimmelt die Tram, in deinem Rücken ist sommerliches Spaziergang- und Radfahrertreiben und du hast die Museums- und die Praterinsel im Blick. Totale Entspannung gibt es hier nicht, aber es fühlt sich einfach sehr mittendrinnig an.
     
    Die sind auch da: Spaziergänger und Radfahrer, manche davon je nach Wochentag und Tageszeit auch ziemlich gehetzt. Hin und wieder auch Touristen.
     
    Ein Bier bekommst du nach 20 Uhr: beim Döner „Sofia“ in der Rosenheimer Straße.

    Brauchst du nicht: Wie gesagt: eine Decke. Und überhaupt großes Picknick-Equipment, das nervt nur, weil der Platz ja begrenzt ist. Zum Essen also am besten was Handliches mitnehmen, Antipasti in Plastikschalen oder Erdbeeren zum Beispiel.

    Die nächste Toilette: ist im Café im Müllerschen Volksbad.

    Getränkeempfehlung: auf jeden Fall was, das man nicht anmischen muss und das schon in einer Flasche oder Dose ist. Stimmungsmäßig passen hier die Klassiker am besten: ein Bier, ein Radler, ein Spezi.
     
    Danach: was essen, weil ja nur Platz für einen Snack war. Also Breze und Obazda im Muffatbiergarten oder ein Stück Pizza bei Pizzesco in der Rosenheimer Straße.
     
    Noch besser wär’s, wenn: man nicht dauernd Angst haben müsste, dass einen ein tollpatschiger (oder wahnsinniger) Radfahrer oder Fußgänger von der Mauer in die Isar stößt. Der Karl-Müller-Weg ist nämlich sehr schmal. Nadja Schlüter

    Bavaria





    Deine Decke liegt:
    im Idealfall ganz oben an der Bavaria, wo der Hang noch flach ist und du entspannt dein Picknickgut ausbreiten kannst. Außerdem hast du von dort die gesamte Theresienwiese im Blick. Der Soundtrack dazu: Gehämmer, Motorengeräusche, metallische Klicks und Klacks. Hat ein bisschen was von Freiluftkino, wenn vor deinen Augen das Oktoberfest aufgebaut wird. Wurde der Hang frisch gemäht, geht vom trockenen Gras ein leichter Heuduft aus. Ein Top-Kontrast zum Baustellenflair.
     
    Die sind auch da: Touristen, eh klar. Und der nette Kassierer am Eingang zur Bavaria, der dich für 3,50 Euro in den Kopf der Statue klettern lässt.
     
    Ein Bier bekommst du nach 20 Uhr: im Wirtshaus am Bavariapark. Dort gibt’s sogar Weißbier zum Mitnehmen – im Plastikbecher.
     
    Brauchst du nicht: einen Sonnenschirm. Ringsherum stehen genügend Bäume.
    Die nächste Toilette: U-Bahnhof Theresienwiese.
     
    Getränkeempfehlung: Radler-Maß.
     
    Danach: geht’s in die Kongress Bar. Auch nicht weit weg: das Feierwerk. Da warst du lange nicht mehr und das ist falsch.
     
    Noch besser wär’s, wenn: man seine Decke ganz vorne in die Seitenflügel der Ruhmeshalle legen könnte. Wegen der Aussicht. Der Bereich ist für Besucher allerdings gesperrt. Josef Wirnshofer

    >>>Candle-Light-Romantik auf der Brücke<<<
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    Gotzinger Platz





    Deine Decke liegt:
    auf der Wiese oder einer der Bänke des Gotzinger Platzes in Sendling, der von der St. Korbinians Kirche, einem schönen alten Wohnblock und der im Jugendstil erbauten Gotzinger Schule eingerahmt wird. Hier, unweit von Schlachthof und Großmarkt, ist München Großstadt und Dorf zugleich.
     
    Die sind auch da: nicht viele Leute. Ein paar Gassigeher, Architekten, Fotografen und andere Freischaffende, die in der Nähe ihr Büro haben.
     
    Ein Bier bekommst du nach 20 Uhr: an der Tankstelle in der Implerstraße.
     
    Brauchst du nicht: Essen. Die beiden fantastischen libanesischen Imbisse Beirut Beirut (Falafel) und Manouche (libanesische Pizza) befinden sich in unmittelbarer Nähe in der Valleystraße. Ein besseres Picknick-Essen gibt es nicht.
     
    Die nächste Toilette: gibt es nur, wenn man in einem der Lokale auf der Implerstraße nett fragt.
     
    Getränkeempfehlung: Bier! Passt am besten zur barocken Schönheit des Platzes. Oder eine Flasche libanesischer Rotwein vom Manouche.
     
    Danach: in die Beard Bar in Sendling, in den Viehhof (Open-Air-Kino oder in den Biergarten) oder zum Feiern in die Gruam unterhalb der Eisenbahnbrücke.
     
    Noch besser wär’s, wenn: ein Kiosk in der Nähe wäre. Annabel Dillig
       

    Wittelsbacherbrücke





    Deine Decke liegt:
    Mit einer Decke kommst du hier leider nicht weit. Dafür mit einem kleinen Klapptisch. Du setzt dich in eine der Ausbuchtungen oben auf der Brücke, Tischchen in die Mitte, Kerze drauf, Romantik an. Von hier aus kannst du den Blick auf die Isar genießen, musst dafür aber den Verkehr neben dir ignorieren.
     
    Die sind auch da: Radfahrer, Touristen, die Fotos von dir machen, Autos. Unten an der Isar sind dafür Menschen, die bei einem Bier die Füße ins Wasser baumeln lassen und dabei Bestnoten fürs sommerlich Aussehen einfahren.
     
    Ein Bier bekommst du nach 20 Uhr: an einem der beiden Kioske.
     
    Brauchst du nicht: Getränke, weil: Kioske.
     
    Die nächste Toilette: Beide Kioske haben Toiletten.
     
    Getränkeempfehlung: Ein Rotwein macht sich da schon hervorragend.
     
    Danach: setzt du dich entweder runter an die Isar, oder du schlenderst die Kolumbusstraße hoch Richtung Wuid-Bar.
     
    Noch besser wär’s, wenn: du das Ganze an einem Sonntag machst. Dann stört der Verkehr kaum. Patrick Wehner

    >>>"High aufm Monopteros"<<<
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    Schwindinsel





    Deine Decke liegt:
    auf sehr hartem bis felsigem Untergrund mit Kronkorken, Kippen und alter Grillkohle. Dafür dämpft das Rauschen der Staustufen Stadt- und Menschenlärm komplett.
     
    Die sind auch da: Abiturienten und Ethnologiestudenten, die fertig mariniertes Fleisch aus Plastikschüsseln grillen, Sekt aus der Flasche trinken und kritisch gucken, wenn jemand Neues dazustößt.
     
    Ein Bier bekommst du nach 20 Uhr: Wenn dich Lufthansa-Kissen und etwas zu loungige Loungemusik nicht stören: am Praterstrand.
     
    Brauchst du nicht: hohe Schuhe. Der Weg zur Schwindinsel führt durch viel Natur.
     
    Die nächste Toilette: auch Praterstrand (nett Fragen gibt Karma-Punkte). 
     
    Danach: Wenn man die Füße so in der Isar baumeln hat (Baden ist offiziell verboten), will man die Schwindinsel eigentlich nie mehr verlassen.
     
    Noch besser wär’s, wenn: man eine sehr dicke Decke dabei hätte. Oder gleich eine Matratze. Kathrin Hollmer
     

    Monopteros





    Deine Decke liegt:
    „high aufm Monopteros“, zumindest laut dem Song „Sommer in der Stadt“. Und tatsächlich wird man da oben ganz sumsig: vom gleichmäßigen nimmermüden Trommeln, das vom Schwabinger Bach herüberweht, vom Ploppen der Federbälle, vom Klirren der Krüge vom Chinesischen Turm.

    Die sind auch da: alte und junge Verliebte, Scrabble- und Backgammonspieler, Touristen; nur bei schlechtem Wetter ist man dort oben ungestört;

    Ein Bier bekommst du nach 20 Uhr: am Milchhäusl oder am Kiosk zwischen Chinesischem Turm und Seehaus.

    Brauchst du nicht: eine wasserfeste Unterlage. Der kleine Tempel ist überdacht. Brauchst du auch nicht: ein Spiel oder Buch. Das Wimmelbild vor einem ist Unterhaltung genug.

    Die nächste Toilette: ist am Chinesischen Turm Biergarten.

    Getränkeempfehlung: Rotwein oder Rosé. Einfach das Glas gegen die Sonne zwischen den Kirchtürmen halten und mit dem abendroten Himmel vergleichen.

    Danach: geht's in die Goldene Bar, zum Weitertrinken bei Fräulein Grüneis oder zum Abkühlen in den Eisbach.

    Noch besser wär’s, wenn: nicht zwischendurch auch Techno-Rikschas und Bierbike-Gegröle zu hören wären. Annabel Dillig

    >>>Rosen! 200 verschiedene Sorten!!<<<
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    Friedensengel





    Deine Decke liegt:
    auf den breiten Steinstufen, auf denen der Friedensengel steht. Davor, dahinter und drumherum windet sich die Prinzregentenstraße durch satte Laubbäume, Gebüsch und viel Grün. Ein konstantes Brummen umgibt diesen Ort. Stört aber nicht. Auf der Terrasse unter dem Friedensengel plätschert dazu pausenlos eine Wasserfontäne. Zusammen ergibt das ein Rauschen, das fast schon meditativ wirkt. Für Fans vom Monaco Franze bietet der Friedensengel obendrein einen Nerd-Bonus: Schon Franz Münchinger hat sich hier gern aufgehalten, eine ganze Folge der Fernsehserie spielt hier.

    Die sind auch da: Jogger, die in schweißtreibendem Stakkato die Treppe zum Friedensengel hochsprinten. Abends auch Outdoor-Gymnastikgruppen, die um den Brunnen herum ihr Zirkeltraining abhalten. Und natürlich SUV-Fahrer. Ist schließlich Bogenhausen.

    Ein Bier bekommst du nach 20 Uhr: im Fräulein Grüneis am Eisbach.

    Brauchst du nicht: Mückenspray.

    Die nächste Toilette:öffentliche Toilette am Prinzregentenplatz

    Danach: schlenderst du entlang der Isar zu einem Konzert im Muffatwerk. Josef Wirnshofer

    Rosengarten





    Deine Decke liegt:
    in einem der unterschätztesten Parks der Stadt. Und da auf einer Wiese unter niedrigen Bäumen, drumrum Beete mit Rosen (200 verschiedenen Sorten!). Es gibt lauschige Schattenplätze auf Bänken, kleine Statuen und verschlungene Wege unter Blätterbögen hindurch. Quasi: romantisch!

    Die sind auch da: sehr ruhiges Publikum. Spazierende Senioren, Paare, Einzelgänger. Größere Gruppen trifft man hier selten. Nur auf der Wiese, wo keine Beete mehr sind, und im Bach tollen und plantschen an heißen Tagen auch kleine Kinder. Aber Freibadstimmung wäre anders.

    Ein Bier bekommst du nach 20 Uhr: beim Kiosk an der Wittelsbacherbrücke (gute zehn Minuten zu Fuß).

    Brauchst du nicht: eine Decke – zumindest, falls du gar nicht so gern auf dem Boden sitzt. Im Rosengarten stehen nämlich überall Stühle rum, die man zu kleinen Sitzgruppen zusammenstellen kann.

    Die nächste Toilette: erreichst du in einer Minute. Am Eingang an der Sachsenstraße stehen drei Dixie-Klos.

    Getränkeempfehlung: Der Rosengarten ist ein Ort für leichte Sommergetränke. Irgendwas Prickelndes. Gerne auch antialkoholisch und mit frischer Minze drin.

    Danach: Kontrastprogramm: ins Charlie. Ist halt supernah.

    Noch besser wär’s, wenn: das Café Bald Neu länger aufhätte als bis 18 Uhr, dann könnte man dort noch einkehren. Nadja Schlüter

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    Donald Trump, die alte Immobilien-Tycoon-Dumpfbacke, möchte gerne Präsident der USA werden. Das wird ihm vermutlich nicht gelingen, aber davon ahnt er noch nichts. Und während er also sein Wahlwerbung-Ding macht und dabei mal hier ein bisschen Unsinn redet, mal da ein bisschen Nonsense schnattert, gibt es Menschen, die seine mitunter ziemlich amüsant-verstörenden Äußerungen protokollieren.

    Zum Beispiel die Menschen hinter der Website fusion.com, die jetzt eine Erweiterung des Internet-Browsers Chrome programmiert haben, die hinter jeder (!) Erwähnung des Namens Donald Trump, egal auf welcher Website, eine seiner dümmlichen Äußerungen schaltet. Das ist sehr lustig zu lesen und wahrscheinlich die weltbeste Werbung, die es für Google Chrome je gab.

    Meldungen oder Überschriften in Zeitungen heißen dann nicht mehr etwa „How much money will running for president cost Donald Trump?“ sondern „How much money will running for president cost Donald ‚I have a great relationsship with the blacks’ Trump“? Selbst sein Wikipedia-Artikel ist dann nicht mehr mit „Donald Trump“ sondern zum Beispiel „Donald 'when was the last time you saw a chevrolet in Tokyo’ Trump“ überschrieben. Macht ziemlich Spaß.



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  • 07/09/15--06:09: Arbeit schlägt Studium!

  • Sieht nicht verlockend aus? Ist aber tausendmal besser als Studieren!

    Dinge aus meiner Studienzeit, an die ich mich erinnern kann:

    • Ein Haushaltsbuch, in dem ich zusammenrechnete, wie lange das Geld noch reicht

    • Bratnudeln mit Ei und Mais am Monatsende 

    • Lernmarathons, bei denen ich zehn Stunden in der Bibliothek sitzen musste, während draußen die Sonne schien 

    • Campingurlaube in Spanien


    Ich weiß nicht, woran die Generation meiner Eltern oder Großeltern sich aus dem Studium erinnert. Aber, wenn ich ihren Erzählungen so zuhöre, denke ich: Es muss das Paradies gewesen sein. Anders ist zumindest nicht zu erklären, wieso einem ältere Menschen immer wieder sagen „Ach das Studium – das war die beste Zeit meines Lebens.“ Menschen wie ich, die mit 26 seit zwei Jahren arbeiten, werden hingegen mit Sätzen wie „Du Arme“ oder „Willkommen im echten Leben“ bedacht. Weil, aus ihrer Sicht ja auch klar: Wenn das Studium vorbei ist, kann’s nur noch bergab gehen.

    Dabei ist das Quatsch. Die beste Zeit des Lebens ist nicht das Studium. Es ist die Zeit, in der man mit dem ersten Job Geld verdient. Denn die drei Dinge, die im Studium am meisten nerven, sind mit dem ersten Job vorbei: Zwang, ständiges Pleitesein und Angst.

    Die Sache mit dem Zwang wird rückblickend wohl am stärksten verklärt. Manche behaupten sogar, im Studium habe man so viel Freizeit wie sonst nie und würde sich nur mit Dingen beschäftigen, die einen wirklich interessieren. Das hat sich allerdings spätestens mit der Einführung des Bologna-Systems erledigt. Viele Studieninhalte sind mittlerweile Pflicht, da ist es egal, ob man anstatt Statistik II zu lernen lieber in der Sonne sitzen würde. Und die glorifizierten Semesterferien werden mittlerweile auch mit mindestens einem Praktikum gefüllt – wenn nicht freiwillig, dann, weil es in der Studienordnung vorgeschrieben ist. Die 30 Tage Jahresurlaub aus dem Berufsleben klingen da schon vielversprechender. Da erwartet keiner, dass man sich noch sozial engagiert oder sonstwie den Lebenslauf aufpoliert. Wenn frei ist, ist man wirklich frei.

    Natürlich macht man im Job auch nicht nur Sachen, die man spitze findet. Aber vor die Wahl gestellt, ob ich unbezahlt im Neonlicht einer Bibliothek lernen oder gegen Geld im Neonlicht eines Büros arbeiten möchte – ich weiß, wofür ich mich entscheiden würde. Denn das ständig leere Konto im Studium ist ein weiterer Punkt, weshalb der erste Job einfach die bessere Zeit ist.

    Von monatlich 670 Euro Bafög-Höchstsatz in einer Stadt wie München zu leben, macht keinen Spaß. Sich tagelang von Nudeln oder Cornflakes mit H-Milch zu ernähren, sowieso nicht. Das wird im Nachhinein auch gerne glorifiziert: „Wir hatten kein Geld, aber wir waren glücklich“. Die Wahrheit ist: Kein Geld zu haben nervt nicht nur, es macht auch abhängig. Dabei wird gerne behauptet, das Studium sei so toll, weil man nur für sich selbst verantwortlich sei. Weil man sich vor niemandem rechtfertigen muss. Aber das stimmt nicht. Man muss sich im Studium vor den eigenen Eltern verantworten. Weil die im Regelfall die Geldgeber sind.

    Auch das fällt mit dem ersten Job weg. Da rechtfertigt man sich vor niemandem, wenn man sich das zehnte Sommerkleid kauft oder jeden Abend noch ein teures Bier am Kiosk. Das Geld hat man ja selbst verdient. Und nächsten Monat kommt neues rein. Im Studium bei den Eltern anzuklopfen oder einen Studienkredit aufzunehmen, ist da weitaus unangenehmer.

    Am schlimmsten wird diese finanzielle Abhängigkeit, wenn man darüber nachdenkt, das Studium zu schmeißen: Dann können die Eltern oder das Bafög-Amt nämlich sehr wohl sagen „Zweites Studium? Bezahlen wir nicht.“ Im Job kann einen niemand daran hindern zu wechseln, wenn man unglücklich ist. Natürlich gibt es da auch finanzielle Engpässe, aber da ist man dann wirklich nur selbst für verantwortlich.

    Wer jetzt nörgelt, dass das selbstgemachte Leiden seien und man im Studium ja einfach auch arbeiten könne: falsch. Kann man eben nicht immer. Und selbst wenn: Dann arbeitet man und muss nebenbei noch einen zweiten, unbezahlten Beruf stemmen: Das Studium. So richtig Freizeitdauerspaß ist das nicht.

    Das schlimmste an der Studienzeit ist aber die Angst. Angst, es nicht zu packen, danach keinen Job zu finden, andere und sich selbst zu enttäuschen. Und auch das ist mit dem ersten Job vorbei: Denn dass man irgendwie unterkommt, hat man dann ja schon gemerkt. Und dann sollte man erstmal viel Geld ausgeben für etwas richtig Gutes zu Essen, ohne Bratnudeln und Mais. Und Urlaub machen, mit Mietwagen und ohne Zelt. Für mich klingt das nach der ziemlich besten Zeit des Lebens.


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