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  • 06/29/15--07:52: Die rote Linie
  • Eigentlich sind Streetart-Künstler gewöhnt, dass ihre Kunst nur eine kurze Halbwertszeit hat. Schließlich ist nicht jeder Künstler automatisch ein Banksy, für den Stiftungen Glasplatten erwerben, um seine Werke zu schützen.

    Auch der britische Sprayer Mobstr war somit daran gewöhnt, dass seine Kunst im öffentlichen Raum schnell überpinselt oder mit einem Hochdruckreiniger weggeschwemmt wird. In einem Interview sagte er sogar einmal, das würde ihn nicht weiter böse machen - es sei einfach der natürliche Kreislauf.

    Und doch hat Mobstr, der seinen Künstlernamen nach eigenen Angaben einem Hummer (=Lobster) dieses Namens verdankt, aus diesem Kreislauf nun Kunst gemacht. Es fing an mit dieser Wand:
    [plugin imagelink link="http://www.mobstr.org/images/HOME/RED/1.jpg" imagesrc="http://www.mobstr.org/images/HOME/RED/1.jpg"]

    Mobstr selbst schreibt auf seinem Blog dazu, dass er an dieser Wand regelmäßig mit dem Fahrrad vorbeigefahren sei. Dabei fiel ihm auf, dass Graffitis im roten Bereich stets übergemalt wurden, die im Backsteinbereich hingegen weggewaschen. Diese Grenzen wollte er austesten.
    [plugin imagelink link="http://www.mobstr.org/images/HOME/RED/3.jpg" imagesrc="http://www.mobstr.org/images/HOME/RED/3.jpg"]

    Die Reaktion folgte prompt:
    [plugin imagelink link="http://www.mobstr.org/images/HOME/RED/4.jpg" imagesrc="http://www.mobstr.org/images/HOME/RED/4.jpg"]

    Daraufhin wurde er wagemutiger:
    [plugin imagelink link="http://www.mobstr.org/images/HOME/RED/18.jpg" imagesrc="http://www.mobstr.org/images/HOME/RED/18.jpg"]
    [plugin imagelink link="http://www.mobstr.org/images/HOME/RED/23.jpg" imagesrc="http://www.mobstr.org/images/HOME/RED/23.jpg"]
    Wie der Kampf um die rote Linie ausging, kann man hier im Video oder in Mobstrs Blog verfolgen.

    charlotte-haunhorst

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    2. Benutze Instagramm, dann wirst Du reich. 

    3. Erflogreiche Menschen stehen spät auf. Kein Scheiß. Steht hier:  
    http://tipps.jobs.de/studie-spaetaufsteher-sind-erfolgreicher/#.VZEUJIfOqdM 4.Trinke mehr Alkohol. Dann wirst Du erfolgreicher. 

    5. Trinke mehr Alkohol. Dann wirst Du gebildeter.

    6. Esse morgens deinem Müsli- dann wirst du erfolgreicher. 
     



     1. Reiche Menschen führen eine To-Do-Liste. 




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  • 06/29/15--09:19: Regenbogenfähnlein im Wind?


  • "Regenbogenfahnen sind keine Form von Solidarität, sondern Selbstinszenierung in einer homogenen Gruppe", findet jakob-biazza.


    Klausi ist jetzt auch für Schwule. Auf Facebook jedenfalls. Da hat er eine Regenbogenfahne über sein Profilfoto gelegt. Er reagierte damit, wie so viele andere im Netz gerade auch, auf die Entscheidung des amerikanischen Supreme Court, die gleichgeschlechtliche Ehe landesweit zu legalisieren. Großer Schritt! In den vergangenen Monaten war Klausi auf Facebook nämlich für Tauchreisen zu den Philippinen – jedenfalls sah man ihn da noch mit Schnorchel und Flossen am Strand.



    Jetzt also die Flagge. Und mit ihr wohl die Botschaft: Ich freue mich für Homosexuelle, dass sie in den USA jetzt dieselben Rechte genießen wie Heterosexuelle. Ich finde die Homo-Ehe eine prima Sache. Ich unterstütze das Anliegen. Ich bin nämlich für Gleichberechtigung. Irgendwas in der Art. Kann man ja als aufgeklärter Westeuropäer wenig dagegen sagen. Und genau das macht den Vorgang so verflucht verdächtig. Vor allem, wenn man sich die Adressaten ansieht: die eigenen Facebook- oder Twitter-Freunde.

    Es gibt, das vergisst man ja so leicht, weil das Netz als Heilsbringer der Pluralität gilt, quasi nirgends eine solche Meinungshomogenität wie im eigenen Facebook-Freundeskreis. Solidarität braucht, will sie Gewicht haben, aber zweierlei: jemand, dem es dreckig geht, Menschen also, die auf einen übermächtigen Gegner blicken. Und eine Öffentlichkeit, die diese Ungerechtigkeit wenigstens stillschweigend toleriert oder unterstützt. Eine solche Öffentlichkeit ist die eigene Timeline aber eben nicht.

    Öffentliche Solidarität mit der Facebook-Mainstream-Meinung ist deshalb eben keine echte Solidarität. Es ist Selbstinszenierung. Man versichert sich der eigenen Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Einer Wertegemeinschaft. Das hat die argumentative Kraft von Kabarettisten, die den SPD-Mitgliedern im Publikum erzählen, wie machtverliebt Angela Merkel ist. Und es bringt dieselben Normen mit sich: Wer keine Flagge zeigt, wird beinahe schon verdächtig, das Thema Gleichberechtigung nicht wichtig zu finden.

    "Wir kotzen auf all die Menschen, die nun plötzlich sagen, dass sie unsere Freunde sind."


    Eine Regenbogenfahne, ein „Je suis Charlie“-Logo, ein „Atomkraft? Nein Danke“-Schriftzug im Social-Web gaukeln echte politische Überzeugung also nur vor. Tatsächlich sind sie nur die Fortsetzung des Urlaubsfotos mit anderen Mitteln. Und das im besseren Fall.

    Im schlimmeren sind sie gleich Heuchlerei. Auch Arnold Schwarzenegger hat seinem Profilbild (ordentlich ramponierter Terminator mit dicker Pumpgun auf der Schulter abgelegt) einen Regenbogenanstrich gegeben. Der Typ, der als Gouverneur von Kalifornien 2005 und 2007 ein Gesetz zur Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe mit seinem Veto belegt hat. Er konnte damals zur Rechtfertigung ein paar legale Argumente anführen. Vor allem musste er als Gouverneur aber eine andere Öffentlichkeit bedienen als jetzt, wo er wieder Action-Schauspieler ist. Damals war Solidarität schwieriger.

    Deshalb soll das hier auch mit Bernard Holtrop enden. Der Charlie-Hebdo-Zeichner zeigte sich sehr irritiert über den Zuspruch, den er und sein Magazin nach den Anschlägen bekamen: „Wir haben viele neue Freunde gekriegt: den Papst, Königin Elisabeth, Putin. […] Wir kotzen auf all die Menschen, die nun plötzlich sagen, dass sie unsere Freunde sind.“ Wäre ich homosexuell – ich glaube, mir ginge es gerade ziemlich ähnlich.

    >>> Auf der nächsten Seite liest du: Warum Facebook-Protest genauso ernstzunehmen ist wie jeder Protest >>>
    [seitenumbruch]


    „Solidarität ist nicht automatisch weniger ernst gemeint, nur weil sie auf Facebook gezeigt wird“, sagt kathrin-hollmer. 


    Sobald im Netz irgendeine Art politischer Protest oder politischer Meinung geäußert wird, ob mit einem Hashtag oder, wie im aktuellen Fall, mit einem Regenbogenfilter über Facebook- und Twitter-Profilbildern, beginnt der Mechanismus von vorne: Ist das überhaupt politischer Protest?, fragen Politiker und Kulturpessimisten dann. Und: Ist es nicht viel zu bequem, von der Couch aus gegen etwas zu sein? 

    „Slacktivism“, nennen das die Kritiker: fauler Aktivismus, weil er angeblich so einfach ist. Und man sich danach zurücklehnt mit dem Gefühl, schon genug getan zu haben, ohne die Absicht, jemals wirklich etwas zu unternehmen.  

    Wie dieser Vorwurf nervt! Wie allein das Wort Slacktivism nervt! Wir müssen nicht diskutieren, dass ein Profilbild schneller ausgetauscht ist als ein Banner auf eine Demo getragen. Online-Aktivismus bedeutet weniger Aufwand im klassischen Sinn. Aber das ist völlig okay. Denn nur weil Meinung zwischen Wohnungsgesuchen und Urlaubsfotos geäußert wird, heißt das nicht, dass sie automatisch weniger wert, weniger ernst gemeint oder echt ist. Jede Art von öffentlich gezeigter Solidarität ist auch Selbstinszenierung. Doch nur im Internet wird einem das auch vorgeworfen. Das ist ungerecht und ziemlich rückständig.  

    Wer kann sagen, ob jemand nur sein Profilbild regenbogenfarben einfärbt und sich dann nie wieder mit der Gleichbehandlung von Partnerschaftsmodellen beschäftigt? Und ob diejenigen, die in der ersten Reihe mitprotestieren, mehr hinter ihrem Anliegen stehen als jemand, der einen Hashtag twittert?   

    Gegner im besten Fall zum Nachdenken bringen - mehr schaffen Demos auch nicht!



    Egal ob jemand bei einer Demo mitläuft oder sein Profilbild ändert, er beschäftigt sich wenigstens kurz mit den Hintergründen und signalisiert, dass er für Gleichbehandlung ist und die jüngste Entscheidung in den USA gut findet. Bei jedem Protest geht es darum, ein Zeichen zu setzen, es geht um Solidarität, ein politisches Statement. 

    Mir ist klar, dass ein Regenbogenfilter nicht die Welt verändert, aber er ist ein wichtiger Anfang. Und wer mit dem Internet aufgewachsen ist, für den macht es keinen Unterschied, ob er eine Regenbogenfahne aus dem Fenster hängen lässt oder sie über das Facebook-Profilbild legt.  

    Ich bin nicht naiv. Ich weiß, dass es auch Leute gibt, die ihr Profil ändern ohne viel darüber nachzudenken, aber ich bin optimistisch genug, um fest daran zu glauben, dass es nur eine Minderheit ist. Denn Online-Protest hat viel bewirkt. Seit #Aufschrei überlegen viele Menschen genauer, ob das, was sie sagen, jemanden verletzen könnte, seit #Justice4Trayvon diskutieren nicht nur die USA, sondern die ganze Welt über Polizeigewalt und Rassismus. Über #Arabellion und #ArabSpring spürte man den Arabischen Frühling auf der ganzen Welt und #StopActa holte 2012 sogar Menschen auf die ganz echte Straße – wo man nie jemandem die Aufrichtigkeit seiner Solidarität abspricht.  

    Ich habe einige Facebook-Bekannte, denen ich zutraue, dass sie nichts von der aktuellen Debatte wissen. Wenige von ihnen sind vielleicht sogar gegen eine Gleichstellung. Die werden nun da, wo sie sonst Katzen- und Burger-Fotos liken, auf ein gesellschaftlich wichtiges Thema hingewiesen, ja, vielleicht sogar aufgeklärt. Mehr schaffen Demos auch nicht. Im Gegenteil: Der Regenbogen-Protest im Internet ist sogar nachhaltiger, weil die Profilbilder wenigstens ein paar Wochen bestehen bleiben werden.  

    Dass auch die Regenbogenprofilbilder etwas bewirken, ist spätestens bewiesen, seit der russische Politiker Witali Milonow die Aktion als „Homosexuellen-Propaganda“ bezeichnete und eine Facebook-Sperre im Land forderte.  

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  • 06/30/15--03:50: Beachen beim Bund
  • Männer in Tarnanzügen sprinten durch den Wald. Im Jeep cruisen sie über matschige Straßen, sie klopfen sich anerkennend auf die Schulter, daneben steht in einer Sprechblase:„Gemeinsam Ziele erreichen.“ Die zwei Videoclips, die seit Juni in den Münchener U-Bahnen gezeigt werden, könnten Werbung für ein Computerspiel oder ein besonders männliches Deo sein. Sie sind aber von der Bundeswehr. Am Ende kommt ein fröhlicher Tusch und der Slogan  „Wir.Dienen.Deutschland.“  

    Seit die Wehrpflicht 2011 abgeschafft wurde, ringt die Bundeswehr um jedes neue Mitglied. „Die Personalwerbung der Bundeswehr ist in einer stetigen Weiterentwicklung“, sagt ein Sprecher in Köln, deshalb müsse man „neue Kommunikationswege einschlagen.“ Die Zahl der Wehrdienstleistenden ist innerhalb der letzten fünf Jahre von über 60.000 auf weniger als 11.000 geschrumpft. Wer die Wahl hat, entscheidet sich für Work & Travel, Freiwilligendienste im Ausland oder ein frühes Studium – eher selten für die Bundeswehr.  

    Das soll sich jetzt ändern. Die U-Bahn-Videos sind Teil einer deutschlandweiten Werbekampagne, die besonders junge Menschen zwischen 17 und 29 Jahren ansprechen soll. „Kernzielgruppe“ nennt der Sprecher der Bundeswehr diese Leute. Sie sollen sich von Tim Pochert, dem Vorzeige-Protokollsoldaten aus dem Video angesprochen fühlen. Statt der schnöden Jobbeschreibung „Freiwilliger Wehrdienst im Wachbataillon“ klingt Pocherts Aufgabe sehr viel spannender: „Wir stehen am roten Teppich in der ersten Reihe.“ Heißt aber eigentlich nur: Strammstehen, wenn die Queen, der Papst oder Merkel aus dem Flugzeug steigen.  



     Ein Ausschnitt aus dem Werbeclip für das "Adventure Camp 2014" der Bundeswehr.


    Dieser Eventcharakter der Bundeswehrwerbung ist nicht neu. Mit „Berg- oder Beachtyp?“ wurde letztes Jahr in der Bravo für Sommercamps der Bundeswehr geworben, im Winter eröffnete der erste Flagshipstore in Berlin und der Bundeswehrtruck tourt ähnlich wie die Coca-Cola-Trucks in der Weihnachtszeit mit verschiedenen Kriegsgimmicks durch Deutschland. Früher standen Jobsicherheit und festes Einkommen im Mittelpunkt der Werbung. Heute sind es Abenteuer und Fitness.  

    Dieser Trend zeigt sich auch auf der Jugendseite treffbundeswehr.de: Bilderrätsel, Entdeckungstouren und Volleyballturniere. „Die Auseinandersetzung mit Waffen und Töten wird bewusst vermieden“, sagt Friedemann Vogel, Juniorprofessor der Universität Freiburg. In einer Studie hat er die Jugendwerbung untersucht. Tourismus statt Auslandseinsatz, Sport statt Drill, „Ganz vorne mit dabei sein“ statt „in der Schusslinie stehen“. Krieg und Waffen werden dabei in den Abenteuer- und Freizeitbereich verlegt und die Bundeswehr zum Eventanbieter. Für Jugendliche ein ähnliches Abenteuer wie Paintball oder Quad fahren.

    Stimmt, sagte der Sprecher: Man kann jungen Leuten keine "realen Einsatzbilder" zumuten.



    Was der Sprecher der Bundeswehr übrigens nicht erwähnt: Jeder Dritte bricht den freiwilligen Wehrdienst innerhalb der ersten sechs Monate wieder ab. Juniorprofessor Vogel macht die Schön-Wetter-Werbung dafür verantwortlich: „Die Leute werden mit einem falschen Bild gelockt. Vor Ort  merken sie plötzlich, hoppla, ist ja doch nicht wie in den Videos.“ Mit seiner ausführlichen Studie, sagt Vogel, erntete er viel Kritik seitens der Bundeswehr, aber auch Zustimmung. Zum Beispiel vom damaligen Pressesprecher, der ihm in allen Punkten zugestimmt habe. Ja, die Bundeswehr müsse sich als hipper Arbeitgeber inszenieren, um junge Menschen zu erreichen. Man könne den jungen Leuten eben keine „realen Einsatzbilder“ zumuten.  

    [plugin imagelink link="http://www.lehrerfreund.de/medien/_assets_bilder/der_lehrerfreund/_divers/bravo-bundeswehr-werbung/bundeswehr-adventure-camp-screenshot.jpg" imagesrc="http://www.lehrerfreund.de/medien/_assets_bilder/der_lehrerfreund/_divers/bravo-bundeswehr-werbung/bundeswehr-adventure-camp-screenshot.jpg"]In der Bravo warb die Bundeswehr für ihre "Adventure Camps"

    Laut Professor Vogel wirkt die Inszenierung aber unterschiedlich gut: Menschen mit höherem Bildungsabschluss könnten die Inszenierung besser durchschauen und ausblenden als weniger gebildete. Vogel glaubt, „wer im richtigen Leben auch schon eine arme Wurst ist, den lockt diese Abenteueraussicht. Es wird die Möglichkeit vermittelt, aus dem Alltag ausbrechen zu können. Psychische und Physische Belastung hat in diesem Bild keinen Platz, tritt in der Realität aber umso schneller ein.“ 

    Teil der Werbekampagne ist auch der Besuch von sogenannten Karriereberatern in Schulklassen. Dass hier ähnliche Actionbilder wie in der U-Bahn-Werbung vermittelt werden, hält die Menschenrechtsorganisation Terre des Hommes für einen Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Für Vogel unterscheidet sich diese Taktik aber nicht besonders von den U-Bahn-Clips. „Die neueste Werbekampagne zeigt einfach nur, dass die Kritik keine Spuren hinterlassen hat. Es bleibt eine politische Entscheidung, ob ich junge Leute mit falschen Bildern locke oder nicht. Und so lange keiner dagegen klagt, bleibt uns auch die öffentliche Werbung in der Stadt nicht erspart.“

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  • 06/30/15--07:10: Gifs auch in schön!
  • Wir reden jetzt nicht über lustig oder unlustig. Denn dass ein Gif wie dieses ...

    [plugin imagelink link="https://media.giphy.com/media/lkimmb3hVhjvWF0KA/giphy.gif" imagesrc="https://media.giphy.com/media/lkimmb3hVhjvWF0KA/giphy.gif"]

    ... oder auch dieses ...

    [plugin imagelink link="https://media.giphy.com/media/yoJC2L7hrhjxXI2Ygw/giphy.gif" imagesrc="https://media.giphy.com/media/yoJC2L7hrhjxXI2Ygw/giphy.gif"] (beide übrigens unter den Gewinnern der GIFY Awards 2015)

    ... lustig ist und oft der beste Weg, um ein Gefühl auszudrücken, darüber brauchen wir nicht diskutieren. Wie Emoticons und den "Gefällt mir"-Daumen können wir uns Gifs aus unserer digitalen Kommunikation nicht mehr wegdenken. Aber wir reden jetzt mal nur über Ästhetik. Und rein ästhetisch ist bei Gifs, diesem Retro-Format aus den 80ern, das seit etwa 2010 ein Comeback erlebt, doch, sagen wir, Spielraum nach oben.

    Meist sind die Bilder aus Filmszenen oder Auftritten von Prominenten zusammengebastelt. Sind die Aufnahmen schon etwas älter, ist das Gif hinterher krisselig. Und irgendwie sieht man doch immer wieder die gleichen Bilder.

    Wenn jemand mit einem Bild ausdrücken will, dass er sehr müde, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er sich für dieses entscheidet:

    [plugin imagelink link="http://media.giphy.com/media/2ysQLHpf7awuY/giphy.gif" imagesrc="http://media.giphy.com/media/2ysQLHpf7awuY/giphy.gif"] (Quelle)

    Und wenn er gerade etwas geschafft hat, das ihn besonders freut, liegt dieses nahe:

    [plugin imagelink link="http://media0.giphy.com/media/flo7vS2shAZl6/giphy.gif" imagesrc="http://media0.giphy.com/media/flo7vS2shAZl6/giphy.gif"] (Quelle)

    Wie gesagt, alles lustig und auf den Punkt und eigentlich super. Aber nur, bis man die Gif-Kunstwerke der slowenischen Künstlerin Petra Švajger sieht.

    Wenn sie sich einen Hasen in die Hand niest:

    [plugin imagelink link="http://33.media.tumblr.com/55df047999909c2517e4e9a529fcedbd/tumblr_nqc8kkUrdE1qic6joo1_500.gif" imagesrc="http://33.media.tumblr.com/55df047999909c2517e4e9a529fcedbd/tumblr_nqc8kkUrdE1qic6joo1_500.gif"](Quelle)

    Oder super ernst den Vulkanier-Gruß zeigt:

    [plugin imagelink link="http://38.media.tumblr.com/9bac41790806ee3faeadb3c0ae7ad285/tumblr_nnnn6b3gNg1qic6joo1_r1_500.gif" imagesrc="http://38.media.tumblr.com/9bac41790806ee3faeadb3c0ae7ad285/tumblr_nnnn6b3gNg1qic6joo1_r1_500.gif"](Quelle)

    Petra Švajgers Tumblr beweist, dass Gifs keine allgemein bekannten Motive brauchen, um zu wirken. Und dass Abwechslung von Filmszenen und Promi-Auftritten ziemlich guttut.

    Also, das nächste Mal, wenn wir ein Gif suchen, das "Abschied" signalisiert. Warum nehmen wir nicht das hier?

    [plugin imagelink link="http://33.media.tumblr.com/a7a3363707a42d6e29237a4324740f3d/tumblr_nlmvw8bqxo1qic6joo1_500.gif" imagesrc="http://33.media.tumblr.com/a7a3363707a42d6e29237a4324740f3d/tumblr_nlmvw8bqxo1qic6joo1_500.gif"](Quelle)

    Oder das hier, für so etwas wie stilvolle Langeweile:

    [plugin imagelink link="http://33.media.tumblr.com/d1b8c21329cada5f53aa6286b9177eb0/tumblr_nnduvspHMt1qic6joo1_500.gif" imagesrc="http://33.media.tumblr.com/d1b8c21329cada5f53aa6286b9177eb0/tumblr_nnduvspHMt1qic6joo1_500.gif"] (Quelle)

    Oder das hier, einfach weil es wunderschön ist?

    [plugin imagelink link="https://m2.behance.net/rendition/pm/22834199/disp/a59938ca06753fdce2924467a4fe50e7.gif" imagesrc="https://m2.behance.net/rendition/pm/22834199/disp/a59938ca06753fdce2924467a4fe50e7.gif"](Quelle)

    kathrin-hollmer

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  • 06/30/15--07:49: Mach sie suchen
  • Gleich vorweg: Es wird jetzt ziemlich kitschig. Aber nur kurz, versprochen. Vor ein paar Tagen postete die Amerikanerin Jen Hurd Bohn folgendes Foto auf Facebook:



    (Quelle)

    Sie war in Paris und auf dem Eiffelturm beobachtete sie ein Paar, das sich gerade verlobt hat. Mit Überraschung, Rührung, Küssen und allem was dazu gehört. Bohn hat die Szene auf mehreren Bildern festgehalten. Sie wollte ihnen die Fotos schicken, verlor sie aber aus den Augen. "Helft mir, sie zu finden!", schrieb sie auf Facebook, und in den Kommentaren, dass sie vermutet, dass die beiden US-Amerikaner sind (wegen ihrer Kleidung).

    Bohns Facebook-Post wurde auf der ganzen Welt tausendfach geteilt, in den USA schaffte er es sogar in mehrere Nachrichtensendungen.

    Bislang wurde das "mysteriöse" Paar noch nicht gefunden, aber darum soll es in diesem Text gar nicht gehen. Es geht um die Suche an sich.

    Der Reflex, die Crowd zu fragen, wenn man jemanden sucht oder etwas wissen will, das über das Internet an sich, also mit Google, Wikipedia oder anderen Seiten, nicht geklärt werden kann, ist vermutlich so alt wie das Internet selbst: Man kennt immer jemanden, der jemanden kennt, der etwas wissen oder jemanden kennen könnte, der etwas weiß. Das funktioniert in der analogen Welt so und im Internet, wo man eine noch größere Crowd einspannen kann, noch besser. Und die Crowd macht gerne mit. Weil sie sich freut, wenn sie helfen kann, und auch über ein Happy End. Auf diesem Impuls basieren die vielen "Spotted"-Gruppen auf Facebook, in denen meist am Tag nach Partys Flirt-Partner der vergangenen Nacht gesucht und selten wiedergefunden werden.

    Jemanden aus den Augen zu verlieren, den man gerne noch kennengelernt, nach der Handynummer oder wenigstens dem Namen gefragt hätte, und dann über das Internet wieder zu finden, mag romantisch klingen. Es muss aber nicht zwangsweise wirklich romantisch sein.



    (Quelle)

    Vor kurzem suchte ein 22-jähriger Tourist aus Italien nach dem Mädchen, mit dem er auf dem Karneval der Kulturen Ende Mai in Berlin geknutscht hatte. Er hatte nicht nach ihrer Telefonnummer gefragt und sie im Laufe des Abends aus den Augen verloren. Wieder zu Hause in Italien startete er mit einem Video und gemeinsamen Fotos von dem Abend eine Suchaktion. Über ein Blog und italienische Boulevardmedien verbreiteten sich die Geschichte und der Hashtag #aiutiamogiovanni(ital. für: Lasst uns Giovanni helfen!) auch in Deutschland. "Die rührendste Liebes-Geschichte des Sommer", lautete eine Schlagzeile.

    Ob das Ganze wirklich rührend ist, kann wohl nur die junge Frau beantworten, deren Foto durch die sozialen Medien und Zeitungen in Italien und Deutschland gereicht wurde, ohne dass gefragt wurde, ob sie damit einverstanden ist. Vielleicht war der Abend ja nur in Giovannis Augen schön, erinnerungswürdig und wiederholenswert. "Woher wissen wir, dass sie ebenfalls an einem Widersehen interessiert ist?", fragte auch die Vice vor ein paar Tagen in einem kritischen Artikel dazu. Doch das ist der hilfsbereiten Crowd egal.

    Das Paar, das sich auf dem Eiffelturm verlobt hat und jetzt auf der ganzen Welt gesucht wird, ist bestimmt interessiert an den zufällig entstandenen Fotos ihrer Verlobung. Aber auch daran, dass vorher Zehntausende fremde Menschen die Bilder übers Internet teilen?

    kathrin-hollmer

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    Das Internet ist voll von Studien, die uns erzählen, was gut für uns ist und was nicht. Manches davon ist wissenschaftlich haltbar, anderes hingegen völliger Schmarrn. Aber manchmal eben auch recht witziger Schmarrn. Aber was käme raus, wenn man diese Ergebnisse wörtlich nehmen würde? Der jetzt.de-Guide zum besseren Leben.






    Wie werde ich erfolgreich?   



    1. Morgens einfach mal länger im Bett liegen bleiben. Denn erfolgreiche Menschen stehen später auf

    2. Leg dir eine Glatze zu. Weil: Männer mit Glatze sind erfolgreicher. Ob das für Frauen auch zählt, wissen wir leider nicht. 

    3. Trinke mehr Alkohol. Denn, man ahnt es vielleicht schon: Erfolgreiche Menschen trinken mehr Alkohol.  

    4. Iss morgens dein Müsli- so wie es deine Mutter dir immer gepredigt hat. Sie könnte Recht gehabt haben. 

    5. Mach morgens dein Bett. Jeden Tag. Ausnahmslos. Auch hier lag Mama vielleicht richtig. 


    Wie werde ich reich? 



      1. Kein Fernsehen mehr. Auch nicht im internet. Aus der Spaß. 
     
      2. Benutze täglich Instagram, dann klappt das auch mit der schwarzen Visakarte.  

      3. Arbeite einen Plan für deinen Tag aus

      4. Führe eine To-do-Liste. Menschen, die das machen, sollen im Schnitt wohlhabender sein. 

      5. Hey. sei doch einfach reich! Denn Reiche werden immer reicher.

        

    Wie werde ich gebildet? 



    1.  Sieh dir Sendungen mit Stefan Raab an. Solange es noch geht.  

    2.  Sei nicht Deutsch.    

    3. Sei stattdessen lieber Migrant, denn unter Menschen mit Migrationshintergrund ist die Rate von Akademikern im Schnitt höher.   

    4. Lösche deinen Facebook-Account.    

    5. Ja, auch deinen Twitter-Account.


    Wie werde ich fürs andere Geschlecht attraktiv?



    1. Leg dir einen Ringfinger zu, der etwas länger als der Zeigefinger ist. 

    2. Sieh zu, dass sich der andere oder die andere in dich verliebt

    3. Schaff dir einen Hund an.

    4. Du brauchst einen gelblichen Teint. Nicht blass, nicht braun. Gelblich. 

    5. Werde deine hängenden Schultern und verschieden langen Beine los


    Wie lebe ich gesund?


    1. Schwitze viel. Aber pass auf, könnte sich eventuell mit "Wie werde ich für das andere Geschlecht attraktiv(er)?" beißen. 

    2. Trinke ein kleines Glas Wodka, morgens und abends. Mittags aber besser ein großes, iss dazu eine Bockwurst. 

    3. Schwänz die Schule, dann wirst du auch vor Heuschnupfen verschont

    4. Verbring die dadurch gewonnene Zeit aber besser nicht in Fast-Food-Restaurants. Weil: viele Burger, viele Allergien.

    5. Grille dein Stück Fleisch oder deine Halloumi am besten direkt auf dem Feuer. Ohne irgendwas dazwischen. 


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  • 06/30/15--09:15: Worum wettest du?
  • Fangen wir doch gleich mal mit einer Wette an: Wetten, du weißt nicht, was „Shart“ ist? [plugin psychotest]
    [seitenumbruch]Okay, dachten wir uns schon. Dann stell dir doch jetzt mal folgende Situation vor: Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis bollert bei Ikea versehentlich mit seinem Einkaufswagen in deinen. Was sagst du? [plugin psychotest]
    [seitenumbruch]
    Beschreib dich doch einfach mal selbst: Welches dieser Adjektive trifft denn am besten auf dich zu? [plugin psychotest]
    [seitenumbruch]Supernette Einladung deiner Freunde: „Hey, Samstag ab 11 Brunch bei uns!“ Sagst du natürlich sofort zu. Donnerstags dann die Nachricht: „Hey, Brunch fällt aus – dafür ziehen wir um! Ihr seid natürlich weiterhin alle willkommen...“ Wie reagierst du?

    [plugin psychotest]
    [seitenumbruch]Deine Statusmeldung bei Whatsapp?

    [plugin psychotest]
    [seitenumbruch]Und unter welchem Namen taucht dein Handy auf, wenn du es über Bluetooth verbindest?
    [plugin psychotest]
    [seitenumbruch]Angenommen, du hast ein Auto: Wonach riecht’s da drin?

    [plugin psychotest]
    [seitenumbruch]Das Test-Ergebnis: Du wettest um ...

    [plugin psychotest ergebnis="1"]

    Hier findest du alle Ergebnisse.


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    Du wettest um...

    ... die Ehre



    Manchmal auch um einen ganz niedrigen Geldbetrag oder ein kleines Eis. Und manchmal macht dich das auch etwas traurig. Der Peter mit seinem aufbrausenden Wesen, der hat mal versucht, dich in eine Tausend-Euro-Wette zu drängen, die du gewonnen hättest. Da wäre noch ein bisschen Sonderausstattung für den Skoda gegangen. Blöd. Ach, wärest du nur ein bisschen mutiger – zusammen mit deinem besonnen-überlegten Wesen gewinnst du Wetten ja eigentlich immer. Sonst würdest du sie schließlich nicht eingehen. Oft hat aber – bis du deinen Fahrradhelm abgesetzt und Für und Wider abgewogen hast – irgendwer das fragliche Thema eh schon gegooglet. Das geht ja schnell heutzutage. Und dann, seufz, wird’s wieder nix mit der Spannung. Dafür drohen aber halt auch keine Verluste und du kannst dir die Premium-Zahnzusatzversicherung am Monatsende immer leisten.

    ... einen absurd hohen Einsatz



    Dein Fahrrad an diesen Spacken zu verlieren, das hat wehgetan. Zugegeben. Andererseits: Was soll man auch machen? Er hat dich eben herausgefordert. Und wenn jemand deinen Ruhepuls von 175 derart in die Höhe treibt, dann wird es eben ungemütlich. Muss man reagieren. Und dann doch lieber so. Weil: Im Grunde verhindern Wetten als Druckventil bei dir ja Schlimmeres. Handfeste Keilereien zum Beispiel. Und man muss sagen: Seit Benni in Raten zu 50 Euro den Tausender abstottert, den er an dich über die Frage verloren hat, ob bei den „Simpsons“ nun Karotten oder Maiskolben auf die Vorhänge gedruckt sind, bist du eh schwer im Plus.

    Tatsächlich sind das auch die Themen, die deine sehr kurze Lunte in Brand stecken: Kleinigkeiten. Mücke, Elefant – und boom. Das ist deine Kette aus Ursache, Wirkung und Resultat. Sätze, die du – vor allem seit sich alles ergooglen lässt – oft sagst: „Okay, keiner fasst sein Handy an. Wir klären das hier ganz direkt.“ Und natürlich der Klassiker: „1000 Euro! Überweise ich dir sofort online, wenn das stimmt!

    ... etwas Peinigendes



    Eine Wette ist bei dir nicht so sehr Wettstreit oder Diskussion über ein Thema, es ist eher die Verlängerung der bunteren Teile deiner Persönlichkeit. Wenn du wettest, und meistens passiert das in dieser quietschigen Neonwelt jenseits des vierten Drinks, dann um Dinge, die für den Verlierer peinlich sind (ohne aber zu einer sadistischen Demütigung zu werden): Einmal im Ententanz in die Kantine zum Beispiel. Gerne auch: „Lass dir die Haare wie eine Ananas stylen.“

    Das kindliche Wesen, das diese Einsätze ersinnt, hast du aus der Schulzeit herübergerettet. Als ehemaliger Klassenclown bist du noch immer der Typ fürs Grobe: Penis- und Furzwitze, feuchte Futzis und Zitate aus Lammbock. Zu deinem aktiven Wortschatz gehören die Wörter „shart“, „wegflexen“ und „Gamechanger“.


    >>> Der große Taktiker und Inspirationsquelle "Jackass"
    [seitenumbruch]
    ... etwas Kalkuliertes



    Schon damals, als es bei den Großeltern um die Verteilung der Süßigkeiten ging, hast du dich ganz zurückhaltend gegeben und deinen Bruder „Ich will den Riegel mit Knusper, ich will den Riegel mit Knusper!“, rufen lassen – weil du wusstest, dass deine stille Genügsamkeit die Oma am meisten beeindruckt. Und sie dir darum später einen Extra-Riegel zusteckt. Du bist eben ein echter Taktiker und weißt, wie du dir einen Vorteil verschaffst. Du bist noch nie ohne Knusperriegel von den Großeltern nach Hause gegangen und erste Dates überzeugst du grundsätzlich von einem Treffen im Café bei dir um die Ecke (kurzer Weg, falls man zusammen heimgehen will – nicht so viel Lebenszeit verloren, falls es beschissen läuft).

    Und genau so wettest du auch. Wenn du schon mal die Chance hast, was zu gewinnen, und dir den Gewinn auch noch aussuchen darfst, dann überlegst du ganz genau, was du grade brauchst. Das Finanzamt hat dir geschrieben und die Belege vom letzten Jahr fallen immer noch im Schuhkarton unter dem Bett durcheinander? „Wer die Wette verliert, muss dem anderen die Steuer machen!“ Aus deinen Kopfhörern kommt seit dem Wochenende auf der rechten Seite nur noch Rauschen? „Der Verlierer muss dem Gewinner weiße Urban Ears kaufen!“ Ein Wetteinsatz ist für dich halt kein Spaß, ein Wetteinsatz ist knallharte Kalkulation. Dass du die Wette verlierst und dann dem anderen die Steuer machen musst, das Risiko gehst du ein. In Stochastik hattest du schließlich immer eine Eins.

    ... des Wettens willen



    Wetten, die extra Wetteinsätze brauchen? Sind was für Langweiler! Wenn jemand „Ich wette fünf Euro, dass ich Recht habe!“, sagt, schläfst du praktisch sofort ein. Du wettest nur, wenn die Wette selbst der Einsatz ist, wenn es da richtig wummst, wenn es Überwindung kostet, sie auszuführen. Schon zu Schulzeiten hast du deine Klassenkameraden mit deinem ewigen „Wetten, du traust dich nicht...“ auf Trab gehalten und dafür den ein oder anderen Verweis bekommen (die, die nackt über den Schulhof laufen mussten, um die Wette zu gewinnen, aber auch).

    Dein Leben ist eine Abfolge von Mutproben und Szenarien, die peinliche Momente herausfordern. Inspirationsquelle „Jackass“. Ein bisschen bist du wie die, die um etwas Peinigendes wetten und als Wetteinsatz „Lass dir die Haare wie eine Ananas stylen“ vorschlagen. Bloß, dass die Ananasfrisur bei dir eben die Wette selbst ist. Und das ist ungleich bösartiger. Da geht’s nur noch um die reine Schadenfreude, ohne Umwege, ohne Vorspiel – immer gleich rein in die Fresse. Und wer dich zum Wettpartner hat, der braucht keine Feinde mehr.

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  • 07/01/15--04:28: Endlich daheim
  • Auch das ist ja leider eine Etappe dieses Erwachsenwerdens: aus beruflichen Gründen in neue Städte ziehen, ohne dort Verwandte, Freunde oder überhaupt irgendeine Ahnung zu haben. Als ich vor zwei Monaten nach München gezogen bin und weder wusste, was der Stachus ist, noch wie viele Pinakotheken es denn jetzt eigentlich gibt, begann so eine Etappe für mich: Berlin trifft München. Neue Menschen. Neue Clubs. Neue Codes. Und mit ihnen diese fieberhafte Suche nach Orten, die uns einflüstern: Du wohnst jetzt hier, du gehörst dazu. 

    In unseren Heimatstädten ist das noch klarer. Da bedeutet Zugehörigkeit, die guten, die passenden Läden zu kennen. Leider machen wir den Fehler, diese Logik auch auf neue Städte anzuwenden. Also lauschen wir in der Kantine, was aktuell die „szenigsten Kneipen“ sind (die wir in fremden Städten mit etwas Pech vielleicht sogar so nennen). Wenn wir dann zum ersten Mal Besuch bekommen, spazieren wir brav ins Museum Brandhorst, trinken einen Kaffee im Vorhoelzer Forum auf dem Dach der TU und abends noch ein Bier in einer dieser Kneipen, die ein Blog empfiehlt.  

    Vielleicht haben wir in der Kantine besonders gut zugehört und kennen schon einen coolen Club oder die beste Eisdiele, damit wir noch mit Insiderwissen glänzen können. Alles in allem können so ein paar sehr schöne Tage vergehen. Spätestens, wenn der Besuch dann weg ist, klopft aber wieder diese fiese Frage an. „Naaaa“, erkundigt die sich mit schnarrender Stimme, „wie sehr zu Hause fühlst du dich denn schon wirklich?“ 



    Im Nachtleben finden wir vielleicht Inspiration. Aber nicht den Boden unter den Füßen, den wir in einer neuen Stadt brauchen.


    Und mit der Stimme kommt die Wahrheit: dass die aufgeregte Suche nach dem Place-to-be oder der Versuch, die szenigste Kneipe aufzuschnappen, eigentlich nie das bringen, was wir suchen – das Gefühl, irgendwie angekommen zu sein. 

    Weil: Die Welt der Kneipen und Clubs mit ihren schillernden Höhen und ihren rauschenden Tiefen ist ja gerade nicht das, was uns an einem Ort erden könnte. Und die Glitzerwesen, die wir dort kennenlernen, sind eher nicht die Menschen, die uns beim ersten Heimweh den Rotz von der Nase wischen. In den Szene-Läden finden wir vielleicht Inspiration, aber nicht den Boden unter unseren Füßen. Und den brauchen wir für die ersten Schritte in einer neuen Stadt dringender. 

    Mit dem Gefühl des lockeren Dazugehörens ist es allerdings wie mit der Liebe – oder Mülleimern auf Münchens Straßen: Wer krampfhaft danach sucht, wird nicht fündig. Denn das Gefühl ist scheu. Es lässt sich nicht erzwingen. Es umgibt uns eher dort, wo wir es nicht erwartet haben: Wenn wir nach der Arbeit noch schnell schwimmen gehen zum Beispiel, und plötzlich genauso selbstverständlich unsere Bahnen ziehen, wie alle anderen. Dann ist es, als hätte uns das Chlorwasser assimiliert, uns eins gemacht mit den Bürgern dieser Stadt. Wir tauchen kurz auf und schauen uns um, aber keiner merkt was. Szenen grenzen aus. Wasser macht gleich. Keiner merkt hier, dass wir bis vor Kurzem nicht mal wussten, wo der Stadtteil liegt, indem das Schwimmbad ist. 

    Die Augen von Barkeepern können nicht so glitzern wie die von Kioskmännern. 



    Ähnlich ist das am Kiosk. Im Englischen Garten rumzulungern, ist noch lange kein Zeichen dafür, auch wirklich in München zu wohnen. Alle paar Tage am Kiosk im Englischen Garten eine Tüte mit gemischten Gummibären oder ein Päckchen Kippen zu kaufen, schon. Spätestens, wenn in den Augen des Kioskmanns plötzlich ein kleines Glitzern auftaucht, weil er schon weiß, was es sein soll. Barkeeperaugen können so nicht glitzern. 

    Es sind deshalb immer zuerst die Banalitäten, die uns wirklich beim Ankommen helfen. Die Wartezeit im MVV-Kundenzentrum, bei der wir wirken, als wäre das schon lange so, dass wir hier Monatskarten kaufen. Der Fahrradschlauch, den wir ja wohl nicht für unser Touri-Mietrad kaufen, sondern für das Rad, das uns so selbstverständlich zu unserem Arbeitsplatz trägt, wie andere Räder andere Bewohner dieser Stadt. 

    Wenn wir sie gefunden haben, kann uns die Normalität das gute Gefühl geben, das Leben gehe auch in einer fremden Stadt ganz normal weiter. Wer Sätze sagen kann wie „Das ist mein Bäcker“, der hat es geschafft. Der ist viel näher dran am persönlichen Flair, das sich Menschen wünschen, die zu Besuch in einer fremden Stadt sind, als derjenige, der Clubs aus Blogs kennt. 

    Glücklicherweise steht der Gipfel der Banalität, der uns in einer neuen Stadt ein kleines Zuhause gibt, an jeder Straßenecke: der Stromkasten. Ein Bier auf dem Stromkasten ist für solche bestimmt, die schon wissen, dass man gar nicht erst nach der szenigsten Kneipe suchen muss, sondern sein Bier lieber gleich am Kiosk kauft. Und wer so auf einem Stromkasten sitzt und über die Straße schaut, hat nicht nur einen guten Überblick, sondern endgültig das Gefühl: Ihr da unten, Bier hier oben. Und ich bin auch dabei.

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  • 07/01/15--07:17: Vater und Tochter
  • Sie sind berühmt, diese Zeilen:

    They tried to make me go to rehab
    But I said no, no, no

    [...]
    I ain't got the time
    And if my daddy thinks I'm fine

    Just try to make me go to rehab
    But I won't go, go, go


    Sie stammen aus Amy Winehouses Song  "Rehab", der 2006 als erste Single aus ihrem Album "Back to Black" veröffentlicht wurde. Und alle wissen, dass es wahre Zeilen sind: Am 23. Juli ist es genau vier Jahre her, dass Amy Winehouse an den Folgen ihres Alkohol- und Drogenmissbrauchs mit nur 27 Jahren gestorben ist. Einen richtigen Entzug hat sie nie gemacht. Und ihr Vater hat angeblich einmal gesagt, dass sie den auch nicht machen muss.



    Mitch Winehouse und seine Tochter Amy. Gesund war ihre Beziehung wohl nicht.

    In den britischen Kinos läuft am 3. Juli der Dokumentarfilm "Amy" von Asif Kapadia an, der im Mai in Cannes Premiere feierte, ab 10. Juli wird er weltweit in die Kinos kommen. Kapadia zeichnet darin Amy Winehouses Lebensweg nach, mit einer riesigen Menge an Videomaterial und Fotos sowie Audiointerviews mit engen Freunden, Managern, ihrem Ex-Mann Blake Fielder-Civil und ihrem Vater. Mit dem Endergebnis, sagte Asif Kapadia in einem Gespräch nach der Deutschlandpremiere der Doku auf dem Münchner Filmfest, seien alle Beteiligten zufrieden – bis auf Mitch Winehouse, Amys Vater. Der sei wütend geworden. Verständlich. Denn der Film zeigt ihn zwar nicht als Ober-Bösewicht – aber eben doch als Mann, der sich den Ruhm der eigenen Tochter zunutze macht und sie immer wieder der Öffentlichkeit aussetzt, statt sie vor ihr zu schützen.

    Seinen Ärger äußerte Mitch Winehouse auch öffentlich: Der Film sei "irreführend" und enthalte einige "grundlegende Unwahrheiten", lautet sein offizielles Statement. Von den Produzenten und dem Regisseur verlangte er eine Überarbeitung, die diese jedoch verweigerten. Mitch Winehouse droht nun damit, er könne jederzeit gerichtlich gegen die negative Darstellung der Familie und seiner eigenen Person in dem Film vorgehen. Die Filmemacher bestehen darauf, die Darstellung von Amys Leben in ihrer Doku sei "absolut objektiv".

    Als Amy sich auf eine Insel zurückzog, um der Öffentlichkeit zu entgehen, besuchte ihr Vater sie – zusammen mit einem Kamerateam


    Der Streit, der da um die Erzählung eines Lebens geführt wird, ist absurd – denn der einzige Mensch, der die wahre Erzählung dieses Lebens kennt, nämlich Amy Winhouse selbst, ist tot. Dass der Film "absolut objektiv" ist, ist also eine ziemlich vermessene Behauptung. Was man aber sagen kann: Asif Kapadia ist mit Distanz an die Sache herangegangen. Er kannte Amy Winehouse nicht persönlich, er hat sich vor dem Film nie mit ihr beschäftigt, bloß mal ihre Musik gehört. Und er hat am Ende das Bild wiedergegeben, das sich ihm aus der Sammlung von Material aus verschiedensten Quellen geboten hat. Amys alter Freund und erster Manager Nick Shymansky erzählte der New York Times von seinem ersten Besuch in Kapadias Büro, "where the walls were covered in research and a detailed timeline of Ms. Winehouse’s life. ‚It was like going into a murder detective’s office,’ Mr. Shymansky said." Detektivarbeit also, Forschung über ein Leben. Näher kommt man vielleicht nicht an das heran, was Objektivität sein könnte.

    Und das, was diese Forschung über Amys Vater herausgefunden hat, spricht eben nicht für eine positive Rolle in ihrem Leben. Er bestand zum Beispiel darauf, dass sie vertraglich schon festgelegte Konzerte noch spielt, obwohl sie dazu offensichtlich nicht in der Lage war. Und als seine Tochter sich nach St. Lucia zurückzog, um der Öffentlichkeit aus dem Weg zu gehen und zur Ruhe zu kommen, da besuchte er sie – mit einem Filmteam, um ein Dokumentation über sie zu drehen. Sie heißt "My Daughter Amy" und darin sieht man etwa 25 Minuten lang fast nur: Mitch Winehouse. In "Amy " sieht man, wie er seine Tochter überredet, auf St. Lucia ein Selfie mit zwei Fans zu machen, obwohl sie nicht möchte. Daraufhin muss sie sich von ihm eine Standpauke anhören, ob das denn nötig gewesen sei, sie solle doch bitte nett zu ihren Fans sein. So richtig sympathisch wirkt er da die ganze Zeit über nicht.

    Objektivität gibt es nicht und niemand weiß, ob alle von Kapadias Interviewpartnern die Wahrheit erzählt haben. Und niemand weiß, wie Mitch Winehouse das Verhältnis zu seiner Tochter empfunden und wie er seine Rolle in ihrem Leben wahrgenommen hat. Aber man darf dem Film wohl schon glauben, dass irgendetwas da schiefgelaufen ist. Dass ein bisschen von diesem Drama in Amy Winehouses Leben mit der Beziehung zu ihrem Vater zu tun hatte. Denn wenn da ein Mensch ist, der die Öffentlichkeit loswerden will, dem der eigene Vater dann mit einem Kamerateam auf die Pelle rückt – und der trotzdem den Schriftzug "Daddy" auf die Schulter tätowiert hat, dann spricht das für vieles, aber ganz sicher nicht für ein gesundes Vater-Tochter-Verhältnis.

    Nadja Schlüter

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  • 07/01/15--08:27: Große Runtertreibung
  • A wie Anzeigetafel


    Die Isar ist die beste Anzeigetafel für das Sommerlevel der Stadt. Gemessen wird es in der Einheit „Vorbeitreibende Schlauchboote pro Stunde“. Erst, wenn du mit dem Zählen nicht mehr hinterher kommst, kannst du reinen Gewissens behaupten: Es ist Sommer in München.
     



    Von vorne nach hinten: Quereinsteiger, Nicht-Paddler und Untiefen-Warnsystem.

    B wie Bratwurst-Alarm


    Einige der Kiesbänke zwischen Bad Tölz und München sind natürliches Habitat des FKK-Freundes. Das führt für Schlauchbootreisende zu mitunter gewöhnungsbedürftigen Überraschungen: Eben erfreute man sich noch an der schönen → „Into-the-Wild“-Szenerie am Ufer, und plötzlich blickt man vollkommen unvorbereitet auf einen breitbeinig daliegenden nackten Mann fortgeschrittenen Alters. Das kann ziemlich shocking sein, weshalb es sich empfiehlt, den Menschen, der am Bug für das → Untiefen-Warnsystem verantwortlich ist, auch zu instruieren, in solchen Fällen rechtzeitig Bratwurst-Alarm auszurufen.
     

    C wie Challenger-Problem


    In der Schlauchboot-Branche scheint es eine interne Absprache zu geben: Je günstiger das Schlauchboot, desto Raumschiff muss der Name klingen: Das Modell „Voyager“ ist für 69 Euro zu haben, das „Challenger“ gibt’s dort ab 39 Euro. Das Problem: Diese Boote sind nicht aus einem Material gemacht, mit dem man sich ins Weltall wagen sollte – und ehrlich gesagt auch besser nicht über Isar-Steine oder in Böschungen. Deshalb bilden diese SparangeBoote auch den Großteil der → Kadaver und führen zum → Luxusproblem.
     

    D wie Drehmomente


    Ebenso unfreiwillige wie unvermeidliche Rotationen des Boots in Isar-Kurven, meistens begünstigt durch → Quereinsteiger und → Nicht-Paddler: Das Heck wird plötzlich zum Bug (was zu Ausfällen des → Untiefen-Warnsystems führt). Diesen Umstand wollen alle Bootsinsassen schnell beseitigen, können sich aber meistens länger nicht einigen, ob man in der bereits eingeschlagenen Drehrichtung weiterrotiert oder dagegen arbeitet.
     

    E wie Edmund-Einstieg


    Eine bequeme, von der S-Bahn in Wolfratshausen gut erreichbare Einstiegsstelle befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Haus von Edmund Stoiber und wird daher in Fachkreisen Edmund-Einstieg genannt. Wer ihn kennt, weiß auch, dass man dort in die Loisach steigt, die wenig später erst in die Isar mündet. Wenn man direkt in die Isar will, muss man von der S-Bahn etwas weiter in die andere Richtung laufen und steigt bei der Brücke kurz vor Puppling ein. Der Vollständigkeit halber: Wer das → Tölzer Upgrade will, also von Tölz nach Wolfratshausen fahren, steigt dort hinter dem Wehr des Isarkraftwerks nördlich von Tölz ein.
     

    F wie Finale


    Auf der Strecke nach München empfiehlt es sich, nicht einfach die Isar bis in die Stadt weiterzuschippern. Ab der Thalkirchnerbrücke ist das Bootfahren erstens verboten, zweitens ist es eh viel spaßiger, noch einen Abstecher zu machen und die Fahrt an der Floßlände enden zu lassen. Dazu muss man an oder kurz hinter der Großhesseloher Brücke von der Isar in den Kanal umtragen und dann noch einmal links in den Floßkanal abbiegen. Dafür warten ein paar schöne Gefälle und die Welle an der Floßlände, die man als krönenden Action-Abschluss der Reise nehmen kann.
     

    G wie Georgenstein


    Ungefähr auf der Höhe von Baierbrunn ragt in Fahrtrichtung rechts ein etwa fünf Meter hoher Felsen aus dem Wasser: der Georgenstein. Auf dem Felsen steht eine Figur des heiligen Georg. Früher querte hier eine Römerstraße die Isar. Im Strömungsschatten des Felsens kann man gut anlegen (wer’s genau sehen will, möge sich die Stelle einfach auf Google Earth anschauen, da sieht man nämlich zwei vorbildlich geparkte Schlauchboote), dann den Felsen erklimmen und ins ausreichend tiefe Wasser springen.

    >>>Kadaver und andere Luxusprobleme <<<
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    H wie Hochwassernachrichtendienst


    Je mehr Wasser, desto rasanter wird die Fahrt, und bei Hochwasser wird es sogar richtig gefährlich (→ Obacht). Deshalb vor Abfahrt mal auf der Webseite des Hochwassernachrichtendienstes vorbeischauen (hnd.bayern.de ) und den aktuellen Wasserstand checken. Bei mehr als einem Meter wird es an manchen Stellen anspruchsvoll, alles deutlich drüber heißt: Schlauchboottrip lieber vertagen. Ganz einfach zu merken ist eine Regel, für die man nicht mal Internet braucht, sondern nur einen Blick auf die Isar: Wenn das Wasser braun und schlammig ist: nicht fahren.
     

    I wie „Into the Wild“-Szenerie


    Je weiter flussaufwärts man losfährt – vor allem auf der Strecke zwischen Bad Tölz und Wolfratshausen –, desto abgeschiedener fließt die Isar dahin, und desto mehr fühlt man sich wie auf Exkursion in Alaska. Früher oder später sagt deshalb auch garantiert jemand den Satz: „Ist ja wie in Kanada hier.“ Dieses Wildnisgefühl ist zwar schön, kann bei schlechter Planung aber zu Verpflegungsengpässen führen.

    J wie Jute-Kühlschrank


    Gängigste und – abgesehen von einer sperrigen Kühlbox – effektivste Methode, um Getränke zu kühlen: Einen Jutesack mit Flaschen füllen, ans Boot binden und hinterherziehen. Setzt allerdings ein intaktes → Untiefen-Warnsystem voraus, das Alarm schlägt, sobald man weniger als eine Halbe Wasser unterm Kiel hat.
     

    K wie Kadaver


    Je länger der Sommer, desto häufiger sieht man kaputte Schlauchboote am Ufer, die von → Y-Ästen oder spitzen Steinen aufgeschlitzt und dann von ihren Besitzern achtlos zurückgelassen wurden. Sie sind oft ein Resultat aus einem in Schieflage geratenen → Material-zu-Selbstvertrauen-Koeffizienten, dem → Challenger-Problem oder dem Ignorieren der → Zwei-Kammern-Warnung.
     

    L wie Luxusproblem


    Direkt verknüpft mit dem → Challenger-Problem: Weil man sich kein teures Schlauchboot kaufen will („Ich fahr ja nur zweimal im Jahr die Isar runter“), wird’s eben wieder das günstige Modell, das leider nach spätestens drei Fahrten zum → Kadaver geworden ist. Sich jetzt ein teures zu kaufen, käme aber einer Kapitulation gleich, außerdem nimmt man sich vor, das nächste viel pfleglicher zu behandlen. Nach drei Sommern hat man genauso viel Geld ausgegeben wie für ein teures Boot.
     

    M wie Material-zu-Selbstvertrauen-Koeffizient


    Je stabiler das Boot, desto übermütiger steuert man über aus dem Wasser ragende Felsen und lässt in → Drehmomenten den Naturgewalten einfach ihren Lauf. Das ist ein großer Spaß – und manchmal leider etwas trügerisch. Dann ist → Luxusproblem deluxe angesagt.

    >>>Die Ggroßgefahren: Piraterie und Rauchen <<< 
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    N wie Nicht-Paddler


    Es gibt in fast jedem Boot einen, der eigentlich nur fläzen und sich den ganzen Tag treiben lassen will. Wird er zum Paddeln aufgefordert, hält er sein Paddel eher alibimäßig ins Wasser, als wirklich zur Fortbewegung beizutragen. Früher oder später fällt das aber auf, weil es einen → Drehmoment gibt, bei dem das Boot immer in Richtung des Nicht-Paddlers strebt.
     

    O wie Obacht!


    Die Isar ist ein Fluss mit Wildwasserklassifizierung I bis II. Heißt übersetzt: unschwierig bis mäßig schwierig. Trotzdem kann es auf der Isar gefährlich werden, wenn man völlig blauäugig – oder, was laut Wasserwacht leider zu häufig vorkommt, völlig blau – herumpaddelt und nicht auf mögliche Gefahren achtet. Selbst bei niedrigem Wasserstand möchte man zum Beispiel lieber nicht über Bord gehen und von der Strömung in einen Haufen Äste in einer Kurve gedrückt werden. Weitere Gefahren sind laut Münchner Wasserwacht vor allem Wehre und Wasserwalzen, die sich bei hohem Wasserstand hinter Stufen und Kanten bilden, Kanäle von Kraftwerken, in die man sich auf keinen Fall verirren darf, und Floßrutschen, die nur Geübte befahren sollten. Kleinere Boote können dort leicht kentern.
     

    P wie Piraterie


    Auf dem Streckenabschnitt auf Höhe des → Georgensteins teilen sich Flöße und Schlauchboote dasselbe Fahrwasser. Immer wieder kommt es dabei zu Enter- oder Erpressungsversuchen mit dem Ziel, ein bisschen Bier aus dem Floßfass zu ergaunern.
     

    Q wie Quereinsteiger


    Der durchschnittliche Schlauchbootreisende auf der Isar absolviert vor der Abfahrt keine Paddelausbildung. Erstaunlich viele wissen nicht mal, dass man rechts paddeln muss, wenn man nach links fahren will. Quereinsteiger sind deswegen oft die Hauptverantwortlichen für → Drehmomente und in → Schreischnellen meistens die lautesten.
     

    R wie Raucherboot


    Das Raucherboot ist das Boot, in dem man besser nicht sitzt. Denn egal, wie vorsichtig die Raucher rauchen, irgendwann fällt garantiert ein Stückchen Glut auf das Gummi des Boots – ein entscheidender Schritt in Richtung → Kadaver, vor allem, wenn man jetzt die → Zwei-Kammern-Warnung missachtet.
     

    S wie Schreischnellen


    Auf der Isar-Schlauchbootstrecke am häufigsten vorkommende Stromschnellenart. Unterscheidet sich von der echten Stromschnelle darin, dass sie nicht mal ansatzweise so gefährlich ist, die Schlauchbootreisenden aber trotzdem zu lautem Schreien veranlasst.
     

    T wie Tölzer Upgrade


    Die zwei Standard-Strecken, die an einem Tag zu bewältigen sind, führen von Wolfratshausen nach München, oder von Bad Tölz nach Wolfratshausen. Erstere ist auch was für → Quereinsteiger und notorische → Nicht-Paddler. Bei der Tölzer Strecke muss man mitunter kräftig rudern und die Zahl der → Schreischnellen steigt erheblich.
     
    >>>Von Untiefen, Y-Ästen und, natürlich, einem Xylophon<<<
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    U wie Untiefen-Warnsystem


    Bootsinsasse, der am Bug sitzt und sich dafür verantwortlich fühlt, zu warnen, wenn unterwegs Felsen, Untiefen oder, besonders wichtig, → Bratwurst-Alarm drohen. Ist sowohl für das Schlauchboot als auch den Inhalt des → Jute-Kühlschranks von enormem Vorteil. Funktioniert aber meistens nicht.
     

    V wie Verpflegung


    Muss ausreichend mitgenommen werden, vor allem beim → Tölzer Upgrade, wo es zwar viel → Into-the-Wild-Szenerie gibt, aber nur eine Einkehrmöglichkeit: den Gasthof von Einöd, wo es passieren kann, dass der Wirt einen besonders schlechten Tag hat und Schlauchbootreisende in nassen Badehosen lieber aus dem Biergarten jagt, als ihnen ein Eis oder eine Breze zu verkaufen.
     

    W wie Wirtschaftswissenschaft


    Hat mit Schlauchbootfahren eigentlich gar nichts zu tun. Aber: Nirgends bekommt man das Prinzip von Angebot und Nachfrage so deutlich zu spüren, wie wenn man nach zwei heißen Wochen beschließt, sich in München ein Schlauchboot zu kaufen. Die sind dann nämlich in den meisten Läden ausverkauft.
     

    X wie Xylophon


    Instrument, das niemand auf eine Schlauchbootfahrt mitnimmt. Warum auch?
     

    Y wie Y-Äste


    Besonders große Gefahr, weil sie aufgrund ihrer speziellen Form theoretisch in der Lage sind, gleich zwei Luftkammern eines Schlauchboots bei nur einem Zusammenprall zu zerstören (→ Zwei-Kammern-Warnung).
     

    Z wie Zwei-Kammern-Warnung


    Die meisten Boote haben drei Luftkammern, damit man nicht gleich sinkt, falls man eine durchlöchert. Wenn die erste dahin ist, ist das allerdings ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass man seinen Fahrstil dringend ändern und/oder das → Raucherboot mit sofortiger Wirkung zu einem Nichtraucherboot erklären sollte. Denn wenn nur noch zwei Kammern übrig sind, kann man sich keine weiteren Verlust mehr leisten.

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  • 07/02/15--00:38: "Es passt einfach nicht"
  • "Ach, wir denken nicht in diesen Schubladen." Ich hatte Lauras neue Bekanntschaft als Affäre bezeichnet. Abends winkte er ein flüchtiges "Hallo!" ins WG-Wohnzimmer, morgens schlich er mit einem leisen "Tschüssi!" aus der Wohnung. Klassische Affäre eben. Damals erntete ich einen verächtlichen Blick. Laura fand mein Label spießig, ihr Verhältnis zu Jonas sei einfach nur "unkompliziert".  

    Offen und unkompliziert. Das war es auch. Zumindest am Anfang. Laura lernte Jonas beim Open-Stage-Abend in einer Kellerbar kennen. Als das Geschrammel unerträglich wurde, nahm sie ihn mit zu uns nach Hause. Für Jonas gab es am nächsten Morgen keinen Kaffee, dafür Lauras Handynummer. Damit war der Grundstein für die nächsten Wochen gelegt: Keine zu tief rührenden Gespräche, keine Spieleabende mit Freunden und eben auch kein WG-Frühstück. 



     Muss man eine Beziehung beenden, die offiziell gar keine ist? Und wenn ja: wie?  

    Jonas Besuche wurden regelmäßiger. Dann kam die Einladung zum gemeinsamen Tatort-Abend mit seinen Freunden. Tatort-Abende sind ernst. Jedenfalls liegen sie deutlich außerhalb der Affären-Zone. Plötzlich bekam Laura Panik. Sollte sie bald den Eltern vorgestellt werden? Eigentlich wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, das Verhältnis zu beenden. Aber kann man eine Beziehung beenden, die offiziell gar keine ist? Muss man das überhaupt? Und vor allem, wie?  

    Es gibt verschiedene Optionen, wie man aus einer Affäre rauskommt. Entweder wird eine richtige Beziehung draus, dann sind beide glücklich. Oder einer zieht weg. Dann ist das ein natürliches Ende und meistens auch für beide okay. Manchmal hat aber auch einer von beiden einfach keine Lust mehr. So wie bei Laura und Jonas. Dann muss er oder sie Schluss machen, oder jedenfalls sowas ähnliches. Nennen wir es den "Mini-Breakup". Und der ist das Komplizierteste an dieser ansonsten unkompliziertesten aller Beziehungsformen.

    Das Unkomplizierte ist der Reiz jeder Affäre. Es bedeutet aber auch, dass man eigentlich keine Ahnung hat, wie der andere zu einem steht. Will er wirklich nur Sex? Braucht er Ablenkung nach einer schlimmen Trennung? Oder sucht er in Wahrheit nach der großen Liebe, traut sich aber nicht, das zuzugeben? 

    Eine Affäre kennt man ja kaum - was soll man da groß Gefühle erklären, außer "es passt einfach nicht"? 



    Diese Undefiniertheit einer Affäre macht den Mini-Breakup manchmal komplizierter als den Schlussstrich in einer richtigen Beziehung. Da gibt es meist einen konkreten Anlass: Betrug, Differenzen beim Kinderwunsch, Alltagsterror. Es folgen Tränen, eine Wiedervereinigung, dann doch die Trennung - eine intensive Auseinandersetzung mit dem Partner und der harten Entscheidung.

    Beim Mini-Breakup, dem ja normalerweise nicht mehr als ein paar Wochen gemeinsamer Abenteuer im Bett vorausgegangen sind, fallen die Argumente oberflächlich aus. Man kennt sich nicht besonders gut und kann die Gefühlslage kaum besser als mit einem "es passt einfach nicht" erklären. Die Gegenfrage "Aber warum?" verbietet der Stolz - wer will schon zugeben, dass er sich von einer Affäre mehr erhofft hätte. Auch Jonas hat nie gefragt. "Klar, easy, ganz unkompliziert", sagte er. Das entsprach den Spielregeln.  

    Mochte Laura womöglich einfach keinen Tatort? Jonas wird es nie erfahren. Die Konsequenzen eines Mini-Breakups sind wie bei einer wirklichen Trennung: Kontaktabbruch, keine nächtlichen Anrufe mehr und Freundschaft erst wieder in einem halben Jahr. Das Gute daran: Nach einem Mini-Breakup fällt man auch nur in ein Mini-Loch. Und kann sich von dort aus ganz bald wieder in die nächste Mini-Beziehung stürzen.

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  • 07/02/15--03:10: Wer hat's gesagt?



  • unglaubliche Energie im Saal

    a) Heidi Klum 
    b) Clueso 
    c) Papst Franziskus   

    >>> Für die Auflösung bitte weiterklicken - mobil: weiterscrollen.

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    b) Clueso. Weil das Abschlusskonzert in seiner Heimatstadt Erfurt ausverkauft war, hängte der Musiker ein Extrakonzert dran. Clueso-Fans kommentierten das, wie man es von Clueso-Fans erwartet: „Und ich war so sehr dabei.“ #Awww.
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    Working to get more compassionate food choices into schools. Better for kids and animals.
     
      
    a) Arnold Schwarzeneggerb) Pamela Anderson d) McDonald's  [seitenumbruch]



    b) Pamela Anderson, Philantropin und 13-faches Playboy-Model. Die PETA-Botschafterin setzt sich seit Jahrzehnten für wohltätige Zwecke ein, gründete sogar ihre eigene Charity-Organisation. Dabei verbindet sie gerne mal Karriere und Karitatives. „10 days left to support human, animal & environmental rights AND win a private tour of the Playboy Mansion w/ Pamela“.
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    My wife has the "Lionel Messi of legs"    

    a) Tom Brady b) David Beckham c) Robbie Williams
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    c) Robbie Williams. Twittert gerne unter dem Hashtag #Rydaforever über sich und seine Frau Ayda Field. Wenige Tage vorher geriet sie wegen Vorwürfen von sexueller Belästigung in die Schlagzeilen – sie sei vor ihrem Assistenten halbnackt herumgelaufen, habe detailliert über ihr Sexleben berichtet und ihn nach seiner Meinung zu diversen ihrer Körperteile befragt. Kleiner Trost: Zumindest Robbie findet ihre Messi-Beine toll.

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    Schon klar: „Grease“, für seine Zeit total wichtig. Genrebildend auch. Jim Jacobs und Warren Casey haben da ein paar ganz große, dauergewellte Melodien mit viel Pop-Pomade rausgeschlenzt. Und der Kollege ums Eck, der trägt seine T-Shirts ja auch wie Travolta damals. Trotzdem: Das Death-Metal-Gewitter, das Andy Rehfeldt, ein Musikproduzent aus Kalifornien, da herumgepackt hat, die grollenden Gesänge, dieses flinke Gitarren-Gegniedel, die Donner-Drums, das hat schon etwas mehr Wumms.

    Und außerdem gibt er dem Musical, mit Verlaub, die Zeitlosigkeit, die es verdient. Es gibt ja kein Genre, das sich derart überzeugend gegen Trends, Strömungen oder Friseurbesuche wehrt, wie Metal.
     
    http://www.youtube.com/watch?v=8GGWRAT-W7o#t=31

    Andys Neuvertonungen sind übrigens ein hochambitioniert betriebener Nebenjob. Eigentlich arbeitet er in einem Tonstudio. Das lässt aber offenbar so viel Zeit, dass auf seinem Youtube-Kanal inzwischen schon mehr als 100 Videos zusammengekommen sind. Auch Mary Poppins darf bei ihm zum Beispiel schwer guttural singen.

    http://www.youtube.com/watch?v=iU2hy0L5lgg

    Ach so. Andersherum macht er auch. Aber da beschweren sich die Metal-Fans dann ziemlich.

    https://www.youtube.com/watch?v=OBmM79YadYM

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    Hellblau zum Wohnen, rot zum Essen, orange für Abfall und grau zum Arbeiten. Jeder der mehr als 8000 Container auf der „Colombo Express“ erfüllt eine eigene Aufgabe, je nach Farbe. Menschen, die auf der Flucht sind und sonst nirgendwo aufgenommen werden, sollen hier leben, arbeiten und sich dabei auch noch selbst versorgen. Die grünen Container sind nämlich zum Ackerbau gedacht. Klimatisch wäre das auch kein Problem, das Schiff soll mitten im Mittelmeer zwischen Afrika und Europa liegen. Keine klaren Grenzen, kein Staat, keine Probleme. So erklärt das Designertrio Faust van Kekem zumindest seinen Entwurf einer „Republik ohne Papiere“.  

    [plugin imagelink link="http://faustvankekem.com/en/wp-content/uploads/sites/2/FaustvanKekem-Republique-Sans-Papiers-17-1061x212.jpg" imagesrc="http://faustvankekem.com/en/wp-content/uploads/sites/2/FaustvanKekem-Republique-Sans-Papiers-17-1061x212.jpg"] Colombo Express hätte Platz für mehr als 50.000 geflüchtete Menschen

    Wenn die Küstenwache vor Italien, Spanien oder Griechenland Boote mit Flüchtlingen abfängt, könnten diese bequem zur „Colombo Express“ transportiert werden. Das Schiff existiert wirklich, allerdings (noch) nicht als Wohnanlage. Es ist eines der größten und ältesten Containerschiffe der Welt und noch immer in Betrieb. Etwa 50.000 Flüchtlinge könnten in der Tetrishaften Containerburg untergebracht werden. Das ist die durchschnittliche Zahl der Menschen, die jährlich in Europa Zuflucht über das Mittelmeer suchen.  

    [plugin imagelink link="http://www.faustvankekem.com/en/wp-content/uploads/sites/2/FaustvanKekem-Republique-Sans-Papiers-21-516x367.jpg" imagesrc="http://www.faustvankekem.com/en/wp-content/uploads/sites/2/FaustvanKekem-Republique-Sans-Papiers-21-516x367.jpg"] Je nach Farbe wird in den Containern geschlafen, gegessen oder gespielt 

    Das stylische Design und die durchdachte Details des Entwurfs wirken auf den ersten Blick so echt, als könnte die Colombo Express schon morgen die ersten 50.000 Passagiere aufnehmen. Die Designer prophezeien: Wenn sich die Politik den Entwurf zu Herzen nimmt, könnten gleich mehrere dieser Schiffe gebaut und aneinandergereiht werden. „Auf lange Sicht hätte man dann gleich eine schwimmende Verteidigungsmauer auf den europäischen Gewässern“, schreiben sie auf ihrer Homepage. Mit der lästigen Aufnahmeprozedur an Land müsste man sich dann auch nicht mehr rumplagen. Die Kosten für ein solches Schiff würden weit unter den jährlichen Ausgaben der verschiedenen Küstenwachen liegen und außerdem könnten die Flüchtlinge ja gleich die Colombo Express ansteuern, statt die gefährliche Weiterfahrt in ein europäisches Land auf sich zu nehmen. Und spätestens da fragt man sich: „Moment, meinen die das ernst?!“

    [plugin imagelink link="http://faustvankekem.com/en/wp-content/uploads/sites/2/FaustvanKekem-Republique-Sans-Papiers-16-407x434.jpg" imagesrc="http://faustvankekem.com/en/wp-content/uploads/sites/2/FaustvanKekem-Republique-Sans-Papiers-16-407x434.jpg"] Die Colombo Express existiert wirklich, nur noch nicht als Wohnanlage

    So halb. Der Entwurf ist eine Dystopie: Ein utopischer Entwurf, der besser nie realisiert werden soll. Das Schiff gibt es, Menschen suchen nach einem Ort, an dem sie bleiben dürfen und die Logistik würde auch aufgehen. Trotzdem hat noch kein Staat diese Lösung in Betracht gezogen. Natürlich nicht, schreiben auch die drei Designer in ihrer Erklärung zum Projekt. Die Künstler wollen „eine kritische Auseinandersetzung mit der europäischen Flüchtlingspolitik anstoßen.“ Der scheinbar perfekte Entwurf zeigt auch, dass es immer Lösungen gibt, wenn sie nur gut genug geplant sind.

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  • 07/02/15--08:40: Leck mich!
  • Der Besserwisser






    So erkennst du ihn von Weitem:
    Bevor du ihn siehst, wirst du ihn schon hören, denn er sagt alles extralaut. Während er von seiner aktuellen Lieblingssorte „Mango-Schweinsbraten“ schwärmt, textet er auf seinem Handy - natürlich ausschließlich in GROSSBUCHSTABEN.

    So verhält er sich:
    Endlich hat der Besserwisser ein halbwegs akzeptables Publikum, das muss ausgenutzt werden. Unter anderen Umständen würde er nach einem Balkon fragen, um zum Volk sprechen zu können. Er kennt sich wahnsinnig gut aus mit der perfekten Zusammensetzung der Zutaten, um das ultimative Eis herzustellen. Hat er zwar selbst noch nie gemacht, aber im Internet gibt es da total super Tutorials. Vor lauter Erzähl-Eifer merkt er auch nicht, dass er sein Fixi ständig dem Hinter- oder Vordermann gegen ein Körperteil rammt. Absperren? Nee, dauert ja nicht lang. Blöd wird es, wenn er die Vitrine erreicht, da muss er sich ganz schön um das Hipsterrad drumherumbeugen, um an sein Eis zukommen. Außer ihm hat dann leider auch keiner vom schnöden Fußvolk vor der Vitrine Platz. Danke auch.

    Das bestellt er:
    Eigentlich „Mango-Schweinsbraten“, aber das gibt's ja nur in dieser ultrageheimen neuen Eisdiele in einem Viertel, das erst in zehn Jahren so richtig geil sein wird. Oder auch nicht. Total enttäuscht fragt er nach „Zitrone-Basilikum-Baiser“, was mit einer hochgezogenen Augenbraue des Verkäufers quittiert wird. Am Ende nimmt er eine Kugel Schokolade, weil „da kann man ja nicht ganz so viel falsch machen.“

    Der Denker






    So erkennst du ihn von Weitem:

    Erstmal gar nicht, er sieht nämlich nicht so aus, als würde er zur Eisdiele laufen. Erst ungefähr zehn Meter hinter der Schlange kehrt er um und stellt sich an. Dann bilden sich immer wieder große Lücken vor ihm...

    So verhält er sich:
    ...denn er merkt grundsätzlich nie, wenn die Schlange weiterrückt. Ungeduldige Kinder nutzen das zu Recht schamlos aus und mogeln sich einfach an ihm vorbei. Für den Rest der Schlange ist er ein personifiziertes Geduldsspiel. Natürlich weiß man, dass es nicht schneller geht, nur weil alle ordentlich aufrücken. Aber wenn man dem Glück so nah ist und einer steht nichts-checkend im Weg herum, werden ausgeglichene Menschen zu Wutbürgern. 

    Das bestellt er:
    Ja, was denn nun? Da hätte der Denker jetzt mindestens 18 Minuten Zeit für eine Entscheidung gehabt, vor der Vitrine reagiert er aber, als sähe er zum ersten Mal in seinem Leben: Eiscreme. Nanu, was soll er jetzt da bloß bestellen? Nochmal kurz die Tafel checken, dann erneut alle Sorten direkt in der Vitrine durchlesen (hinter ihm bilden sich schon vulkanoide Gesichtsausdrücke). Schokolade? Erdbeer? Es dauert. Am Ende wird es Vanille, aber sicher ist er sich nicht, ob das die richtige Entscheidung war. Deshalb glotzt er noch eine Weile ungläubig die Kugel auf seiner Waffel an, bis er zahlt. Nachdem ihm der Verkäufer dreimal den Preis gesagt hat. Eben alles: schwierig.

    >>> Das Model, die Extrawurst und die Primel >>>
    [seitenumbruch]

    Das Model






    So erkennst du es von Weitem:

    Unfassbar toller Körper, klar. Wahnsinnig gut angezogen. Anbetungswürdig. Lächelt freundlich. Stille Kopf-Frage beim eigenen Geschlecht: „Warum bin das nicht ich?“ Beim anderen Geschlecht: „Sexsexsex!“ Innere Verzweiflung, dann Ratlosigkeit ob der Schönheit, dann Skepsis: Der/die isst doch bestimmt nieee Eis. Verhaltener Neid.

    So verhält es sich:
    Alles, was es tut, ist toll. Wie es da so steht, wie es da so lacht, schmacht! Shit: Jetzt ist man selbst mit bestellen dran und verhält sich wie der Denker. Ach, ausnahmsweise hätte die Schlange ruhig mal länger sein können, damit man mehr Starrzeit gehabt hätte. Schade.

    Das bestellt es:
    Vier Kugeln mit Sahne und Schokosoße. Ungerechte Welt, elendige!

    Die Extrawurst






    So erkennst du sie von Weitem:

    Skeptischer Blick, immer scannend. Wie in Terminator wird die Umwelt optisch aufgesaugt und beurteilt. Was da überall für Gefahrenherde lauern könnten! Allein schon die Tatsache, dass man in der prallen Sonne gesundheitliche Schäden riskiert, nur um ein eigentlich gesundheitschädliches Produkt zu konsumieren! Aber die Kinder jammern halt schon ...

    So verhält sie sich:

    Stichwort: Kinder. Die hat die Extrawurst meistens dabei. Völlig hysterisch hüpft der Nachwuchs wie ein Flummiball in der Schlange auf und ab. Wir! Bekommen!! Eiiihiiiis!!! Ein großer Tag – Zucker und Fett mit elterlicher Erlaubnis. Jetzt wird nur diskutiert, wie viele Kugeln. Die Extrawurst möchte möglichst wenig wegen Karius und Baktus, die bemitleidenswerten Kindern natürlich möglichst viel. Wegen Spaß - ein Wort, das die Extrawurst selten benutzt.

    Das bestellt sie:
    Erstmal muss sondiert werden, wo Laktose drin ist. Dann, welche Sorte mit Ei gemacht wird. Vanille! Mein Gott, wer hätte das gedacht? Ein Skandal! Dann wird gefragt, wie viel Zucker wo verwendet wird und welche Sorte vegan und biozertifiziert manufakturiert wurden. Derweil hängen die Kinder mit Tränen in den Augen an der Taschenablage der Vitrine. Womit haben sie nur solche Eltern verdient? 

    Die Primel






    So erkennst du sie von Weitem:

    Man trägt Sommerschal, denn wer weiß, in welches Wetter man noch so stakst bei so einem deutschen Hochsommer? Der Sommerschal muss natürlich möglichst luftig und dünn sein, trotzdem schwitzt man wie blöd am Hals. Sei`s drum: Die Primel sorgt lieber vor. Deshalb kann sie auch guten Gewissens ein ganzes Safari-Outfit in der Großstadt tragen, inklusive Socken in den Outdoor-Sandalen.

    So verhält sie sich:
    Natürlich schwitzt die Primel, ist ja heiß – wegen dem Sommerschal doppelt, da hilft auch die luftdurchlässige beige Hose nichts. Deshalb wird gejammert. Eigentlich wollte sie auch gar kein Eis. Wenn sie eines gewollt hätte, dann woanders. Nämlich in der Eisdiele bei ihr zuhause, wo sie aufgewachsen ist. Denn nur die können gutes Eis. Ein Krampf ist das alles in dieser vermaledeiten Großstadt!

    Das bestellt sie:
    Erdbeere – auch wenn sie schon zwei Meter vor der Vitrine moniert, dass da gar keine ganzen Erdbeerstückchen drin sind. Das sei bestimmt aromatisiert und gefärbt mit Rote-Beete-Saft. Gut, dass sie ihre Rescue-Bachblüten für später dabei hat. Am Ende bekommt sie einen Allergieschock, weil die Erdbeeren tatsächlich künstlicher Zellstoff waren. Das muss sie unbedingt bei WISO im ZDF melden. Zuhause schreibt sie einen Brief auf der Schreibmaschine.

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  • 07/03/15--06:04: Nicht ganz Grün

  • Schuh aus Schleppnetz: so sieht der Prototyp aus.

    Die Farbe der Schuhe sieht nach Sommer aus: Türkis. Eigentlich hat sie aber nichts mit Sommer zu tun. Türkis ist die Farbe der Fischernetze, die die Organisation Sea Sheperd für die Herstellung der Sneaker vor der westafrikanischen Küste einsammelte. Der Turnschuh, den Sportartikelhersteller Adidas in Kooperation mit der Umweltorganisation Parley diese Woche vorstellte, soll ein Prototyp für eine neue Generation von Sportbekleidung sein. In Zukunft will der Konzern nicht nur nachhaltige Materialien verwenden, sondern auch umweltschädliche weiterverarbeiten. Damit zeigt sich der Sportschuh, eigentlich eher Symbol für Billig-Produktion in Dritte-Welt-Ländern, von einer neuen Seite. Adidas und andere Sportmarken wie Nike haben sich in den letzten Jahren verstärkt um ein nachhaltigeres Image bemüht – ein Schuh aus Meeresplastik passt dazu ziemlich gut.

    Das  Thema Plastik ist nämlich nicht gerade unbedeutend: Fast 300.000 Tonnen Müll schwimmen in den Weltmeeren, hauptsächlich bestehend aus den Verschlüssen von Plastikflaschen, Verpackungsmaterial und alten Fischernetzen – größere Teile können Tiere ersticken lassen, Mikropartikel gelangen über den Magen der Fische schließlich wieder auf den Teller. Spätestens seit 2014 in einem offiziellen Bericht das Ausmaß der Plastik-Verschmutzung der Meere wurde, suchen Wissenschaftler, Ingenieure und auch Privatpersonen nach neuen Wegen, der Verschmutzung Herr zu werden, zum Beispiel durch Surfbretter oder Plastikflaschen aus Ozeanmüll.

    [plugin imagelink link="http://i.huffpost.com/gen/3136190/thumbs/o-ADIDAS-CREW-570.jpg?5" imagesrc="http://i.huffpost.com/gen/3136190/thumbs/o-ADIDAS-CREW-570.jpg?5"]Die Parley-Crew nach ihrer 110-tägigen Expedition.

    Adidas verwendete für den Prototyp illegale Tiefsee-Schleppnetze, die nicht nur als Reste im Ozean zurückbleiben können, sondern so ziemlich alles lebende am Meeresgrund einfangen. Gut vorstellbar, wie der Müll-Sneaker von betont umweltbewussten Großstädtern zu Krempelhosen kombiniert wird: „Ja, ist ganz aus illegalem Tiefsee-Schleppnetz.“ So gezielt dieser Zug von Adidas gewesen sein mag – Vorstandsmitglied Eric Liedtke ist immerhin auch Kommiteemitglied der NGO Parley – dahinter steckt trotzdem ein sinnvolles Anliegen. Nur 5% des Plastiks wird momentan recycled. Unternehmen könnten an dieser Rate etwas ändern, egal mit welcher Motivation es geschieht.

    Im Verlauf dieses Jahres will Adidas Plastikmüll fest in sein Sortiment aufnehmen. Dabei könnte das Material ebenso für T-Shirts oder andere Bekleidung wie für Schuhe verwendet werden. Eine nette, vielleicht sogar schlaue Idee – wichtig sei aber vor allem die Bekämpfung der Ursache, sagte Cyrill Gutsch, Gründer der Adidas-Partnerorganisation Parley. Das heißt, nicht nur das Konsumentenverhalten anzupassen, sondern das unvernichtbare Material selbst neu zu erfinden. Es sein ein „Designfehler“, gehöre weder in die Natur oder in den Bauch eines Fisches, so Gutsch– und somit auch nicht in einen Schuh. Deshalb versucht die Organisation ein Alternativmaterial zu entwickeln, dass sich mit der Zeit von alleine zersetzt. Noch aber liegt diese Lösung in weiter Ferne. Bis dahin kann man zumindest mal türkise Sneaker tragen.

    sina-pousset

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    Über meinem Schreibtisch hängt eine umgedrehte Küchenreibe. “Witzig!”, sagt mein Besuch und deutet auf die Reibe und die Stifte darin.
 “Ja, oder?”, sage ich. “Hab’ ich im Internet gesehen.”


    Das stimmt. Aber es ist nicht so, dass mir die Anleitung für diese Stiftebox in meine Timeline gespült wurde. Oder dass sie auf einem hippen DIY­-Blog aufploppte, den ich sowieso täglich besuche. Die umfunktionierte Küchenreibe an der Wand ist das Ergebnis stundenlanger, fahriger Googelei nach einer maximal exotischen Möglichkeit, meine Stifte aufzubewahren.



    Schweißtreibend!

    So ist das, wenn ich merke, dass ich etwas brauche; wenn mir eine Lampe fehlt oder eine Garderobe im Flur oder eben eine Stiftebox. Ich kann mich nicht überwinden, in einen Laden zu gehen und etwas zu kaufen, bevor ich nicht überprüft habe, ob man das Ganze nicht auch selbst machen kann. “Das geht doch bestimmt noch ausgefallener”, denke ich und verbringe ganze Samstagvormittage vor Youtube­Tutorials und auf Flohmärkten und am Ende kaufe ich eine Reibe in einem holländischen Onlineshop und gebe sechs Euro für den Versand aus.

    All das erzähle ich natürlich nicht. Wenn jemand zu mir kommt und sich wundert, dass meine Garderobe eigentlich eine Holzleiter ist oder meine Lampe eine Gießkanne, dann winke ich lässig ab und sage Dinge wie: “Ach das? Hatte ich noch rumstehen.” Dann sind alle furchtbar beeindruckt angesichts meiner zauberkraftartigen Fähigkeit, aus allem noch etwas zu machen.

    Sobald etwas richtig viel Arbeit macht, ist es nicht mehr cool


    Das freut mich natürlich immer. Aber manchmal, da fühlt sich das ein bisschen an wie lügen. Weil ja niemand weiß, wie viel Arbeit da drinsteckt. Weil alle immer denken, die Ideen kämen mir zugeflogen oder zumindest von einem skandinavischen Design­Blog, den ich vor zwei Jahren entdeckt habe und den außer mir niemand kennt.

    Wie viel Arbeit das ist, immer unfassbar individuell zu sein, darüber redet niemand. Als würde es den Zauber zerstören, wenn ich sage, dass die Leiter nicht von meinem Dachboden, sondern von Ebay Kleinanzeigen kommt und dass ich dreißig Kilometer gefahren bin, um sie abzuholen. Sobald etwas offensichtlich Arbeit macht, ist es nicht mehr cool. Wirklich beeindruckend ist es ja nur, wenn jemand großartige Dinge in sagenhaft kurzer Zeit vollbringt. Erzählt also jemand, er habe in irgendetwas richtig viel Arbeit reingesteckt, dann erinnert das schnell an langwierige Lampionbastelanleitungen aus der Brigitte. Lässig ist das aber nicht mehr.

    >>>Die Heimlichtuerei ist deprimierend<<<
    [seitenumbruch]Der Typ etwa, der alle Bands immer vor allen anderen kennt, erzählt nie, wie er das eigentlich macht. Es wirkt fast so, als würden alle frisch rausgebrachten Alben von einer göttlichen Instanz direkt in seinen Kopf überspielt. Der musikalische Early­ Adopter erzählt niemals von einsamen Nächten in der Klausurenphase, in denen er sich mit müden Augen und einem Saftglas Salzstangen neben sich durch Soundcloud­-Playlists wühlt, obwohl er eigentlich lernen müsste.

    Oder das schicke Mädchen aus dem Studium, das Dinge tragen kann, die sonst niemandem stehen ­ - Ponchos zum Beispiel oder Midi­-Röcke. Wenn man sie fragt, wo sie das her hat, was sie trägt, dann lacht sie bescheiden und sagt: “Selbstgemacht.” Und man stellt man sie sich vor, wie sie zwischen zwei VWL­Vorlesungen schnell einen Poncho auf dem Küchentisch schneidert.

    Sie erzählt natürlich nicht, dass sie selbst keine eigene Nähmaschine hat und darum immer übers Wochenende zu ihrer Oma nach Bottrop fahren muss, wenn sie etwas nähen will.
    “Gebt es zu!”, will man all diesen Menschen zurufen, “Gebt zu, dass das furchtbar viel Arbeit ist!” Von außen betrachtet ist diese Heimlichtuerei nämlich auf Dauer vor allem eines: ziemlich deprimierend.


    Bislang galt allgemein: Manche Menschen können's einfach. Und die brauchen nicht mehr als ein paar Minuten am Tag, um coole Dinge zu wissen und zu nähen und zu bauen. Zeit zu sagen: Stimmt nicht! Individuell sein ist viel Arbeit, kreativ sein auch.
 Was spricht dagegen, zum Aufwand einer Idee zu stehen? Dann ist man zwar vielleicht nicht mehr vom Glitzerstaub der Individualität umgeben, aber man gäbe allen anderen ein deutlich besseres Gefühl. Man ließe sie glauben: Wenn ihr genauso viel Zeit investieren würdet, dann könntet ihr das auch.

    Und überhaupt: Das schicke Mädchen wäre doch gleich viel symphatischer, wenn es antworten würde: “Den Poncho? Hab’ ich drei Tage mit meiner Oma dran gearbeitet. Und ich weiß jetzt alles über den Krieg und gute Frikadellen.”

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    Liebe Mädchen,

    wenn wir uns freuen, also jetzt nicht in der Variante „Ui, nett“, sondern in der „Oooiiidaaaaa, wie hart geil ist das denn?!?!“-Version, dann wirkt viel stoische Kraft auf unseren Körper. Stellt euch mal eine geballte Faust vor. Eine richtig eng geschlossene. Habt ihr’s? Gut, dann rechnet das jetzt mal auf den ganzen Körper hoch. Denn ungefähr das passiert: Bei großer Begeisterung scheint sich bei uns viel zu ballen. Körperspannung, Erdung und dann vielleicht noch ein bisschen Energie-Entladung – durch Trommeln zum Beispiel. Nicht mehr unbedingt auf der Brust, aber auf Tischen oder Menschen oder was sonst gerade so da ist, das schon. Wir haben da kaum Einfluss drauf. Es passiert einfach mit uns.





    Große Euphorie hat bei uns also etwas tendenziell Primatenhaftes. Denkt an Cristiano Ronaldo, wenn er ein Tor geschossen hat und an der Eckfahne seine Brustmuskeln herzeigt - und zieht 40 Prozent vom Gepose und die beschissene Frisur ab. Bei euch ist das anders. Ihr freut euch mehr in Adjektiven, bei denen ich mir jetzt schon vorstellen kann, wie ihr mit den Augen rollt, wenn ihr sie hier lest. Aber das ist mir egal. Ich weiß ja, dass ich Recht habe. Ihr freut euch nämlich irgendwie ätherischer, luftiger, körperloser. Nicht so geballt. Und weil das bei euch alles eher eine große Leichtigkeit hat, hebt ihr beim Freuen manchmal ganz leicht ab. Und seltener auch ein paar Mal hintereinander. Ihr hopst dann ein ganz winziges bisschen. Ungefähr so wie Reese Witherspoon als Tracy Flick in "Election":

    [plugin imagelink link="http://media.giphy.com/media/hYWUrlSgajE9G/giphy.gif" imagesrc="http://media.giphy.com/media/hYWUrlSgajE9G/giphy.gif"]
    Das kann sich in einem beschwingten Heisasa-Gang ausdrücken, zum Beispiel, wenn ihr uns (oder einander) auf dem Bahnsteig entgegeneilt. Aber ihr könnt es auch im Sitzen. Doch, doch: Sitzhopsen, das gibt’s. Und es verwirrt uns nicht nur technisch. Wir fragen uns auch und vor allem, was das über euch aussagt.

    Wir haben hier in einem Nebensatz ja schon mal die Theorie geäußert, dass ihr uns bei Begrüßungen ganz leicht anhopst, damit wir euch hochheben. Jetzt wollen wir das mal ausführlicher wissen. Denn Hopsen, das sieht ja auch immer etwas niedlich aus. Und eigentlich ist niedlich sonst keines von den Adjektiven, denen ihr hinterher jagt. Oder doch? Geht es am Ende genau darum? Macht ihr das also bewusst? Im Ernst? Oder ist es Koketterie? Könnt ihr Grad und Höhe steuern? Oder habt ihr über das alles keine Kontrolle? Was ist da also los? Lasst mal hüpfen, die Antwort.

    >>>Die Mädchenantwort von merle-kolber<<<
    [seitenumbruch]



    Zu Beginn eine Anekdote, die mein Großvater sehr gerne erzählt: Als ich sehr klein war, vielleicht vier Jahre alt, kam er uns besuchen. Ich freute mich riesig auf ihn, musste allerdings auf dem Weg zur Haustür noch eine Treppe überwinden. Für eine Vierjährige ist das anstrengend. Aber ich wollte ihn so gern begrüßen, dass ich die Treppe runterfegte und die letzten zwei Stufen sogar übersprang. Ich hopste alsound landete mit beiden Füßen auf dem Boden, um ihn dann zu umarmen und mich hochheben zu lassen. „Und wie du dann so da standest, voller Stolz über deinen Sprung und gleichzeitig so fröhlich, da wusste ich, dass du gut durchs Leben kommst“, sagt Opa immer am Ende der Anekdote und lacht in seinen Rauschebart hinein.

    Hopsen ist für mich also von klein auf mit etwas Positivem verbunden. Wer hopst und dabei nicht stürzt, hat's drauf und macht andere Menschen gleichzeitig auch noch fröhlich. Das hat dazu geführt, dass ich zu einem Hopse-Mädchen wurde. Das hat auch viel mit Emotionen zeigen zu tun: Ich muss Menschen nicht sagen, dass ich mich freue, ich kann es ihnen zeigen. Der Text wird gelobt? Hopser. Wiedersehen nach langer Zeit? Hopser. Es gibt Eis? Dreifach-Hopser.

    Das ist natürlich ein bisschen albern und kindisch und hat vermutlich auch viel mit „Süß-sein-wollen“ zu tun. Es gibt Frauen, die deshalb mit den Augen rollen. Die absolut keine Hopser-Frauen sind. Das sind dann auch solche, die zu einem Geschenk sagen „Danke, ich hab mich sehr gefreut“, und lächeln. Das war's.

    Mir reicht diese unterkühlte Freude nicht. Ich gehöre auch zu den Menschen, die gerne umarmen. Lieber albern als unemotional. Lieber für „süß“ befunden und dann unterschätzt werden als künstlich hart zu sein. Nur weil man hopst, heißt das ja nicht automatisch, dass man weich ist. Zuckerguss über Stahl und so. Aber es hat zumindest die eindeutige Aussage: Ich freu' mich gerade wirklich, ohne großes Ruminterpretieren. Da liegt übrigens auch der Unterschied zwischen uns Mädchen und euch Jungs: Ihr freut euch über Geschenke immer wie besagte Anti-Hopser-Mädchen. Und da weiß ich dann auch nie so recht, ob ihr euch wirklich freut oder eher beschämt seid.

    Und, um da auf deine Frage zurückzukommen: Natürlich ist das manchmal inszeniert. Aber ist das wirklich so schlimm? Man schadet damit niemandem, im Gegenteil: Alle freuen sich - und ein bisschen süß gefunden zu werden ist nicht das Allerschlimmste auf der Welt, oder?

    Allerdings, das muss ich mir selbst eingestehen: Hopserei hat ein Verfallsdatum. Spätestens, wenn man selber Kinder hat und denen nicht die Show stehlen will, muss Schluss sein. Bei Kinderlosen würde ich die Grenze, abhängig vom Kontext (beruflich hopst es sich schwieriger als privat), bei Mitte 30 setzen. Spätestens da wird es unauthentisch, da kann man noch so viel vom inneren Kind faseln.

    Wer dann die Hopserei zu sehr vermisst, dem sei hier noch ein Hoffnungsschimmer mitgegeben: Mit zunehmendem Alter wird sie nämlich wieder gesellschaftsfähig. Schonmal eine hopsende Omi gesehen? Vielleicht eine, die, wenn die Enkel sie besuchen auf ihrem Sessel oder Rollstuhl leicht aufspringt? Bei der wird niemand sagen, das sei albern. Das ist dann einfach wieder: süß.

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