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  • 02/09/15--07:22: Der Ausziehkummer
  • Das Besondere an einer Mitbewohnerbeziehung sind die alltäglichen Intimitäten, die man mit niemandem sonst teilt: dass man sich nicht von dem Bärchen-Schlafanzug aus der Kindheit trennen kann, der einem nur noch bis zu den Knöcheln reicht. Wann man wie viel Zeit auf der Toilette verbringt. Was für eine Sauerei entsteht, wenn man am Ende einer langen Nacht irgendwas mit viel Knoblauch kocht. Wie man am Morgen nach dieser langen Nacht oder mit Fieber und fettigen Haaren aussieht.

    Ein Mitbewohner wird schnell zur Gewohnheit. Er ist einfach da, immerzu und selbstverständlich. Deshalb gibt er einem genauso wie der alte Bärchen-Schlafanzug ein vertrautes Gefühl. Man teilt mit ihm nicht nur das Bad, den Küchentisch und die Milch. Sondern auch den Alltag in der WG, das Zuhause.

    Das Zuhause wechselt man als junger Mensch allerdings häufig – und mit ihm den oder die Mitbewohner. Wenn man sich aus freien Stücken für den Auszug entscheidet, kann sich das wie Schlussmachen anfühlen. Eine WG ist schließlich auch eine Partnerschaft. Die Entscheidung, sie zu beenden, hat meistens nichts mit der Mitbewohnerbeziehung zu tun. Viel häufiger sehnt man sich nach etwas Neuem oder einen besseren Wohnlage, will mit dem Freund oder der Freundin zusammenziehen oder doch mal alleine wohnen. Dann fällt es schon schwer, die Nachricht vom Auszug überhaupt zu überbringen, am Küchentisch oder im Flur. Man befürchtet, den anderen zu verletzen oder kämpft mit einem latent schlechten Gewissen.



    Getrennte WG, getrennte Wege.

    Hat man das Trennungsgespräch hinter sich gebracht, sein Zimmer in Kisten gepackt und den WG-Schlüssel zurückgelassen, fangen die Schwierigkeiten erst richtig an. Das heimelige Schlafanzug-Gefühl geht verloren, an seine Stelle rückt wie nach dem Ende einer Liebesbeziehung ein ganz gemeiner Trennungsschmerz: der Ausziehkummer.

    In der Anfangsphase des Ausziehkummers stellt man sich immer die eine Frage: Warum bin ich bloß gegangen? Dazu wird vermisst und schönerinnert, was das Zeug hält. So wie die Beziehung mit dem Ex mit Abstand betrachtet wieder leuchtet, war das gemeinsame WG-Leben rückblickend perfekt: das eine Mal lachend auf dem Boden sitzen, ohne zu wissen, warum. Die tiefgründigen Gespräche am Küchentisch – mit so viel Rotwein! Am nächsten Morgen zwei Brummschädel und die Erkenntnis, dass geteiltes Leid sogar schön sein kann. Nicht zuletzt das weltbeste Pilzrisotto des Mitbewohners. Das waren die besten Zeiten des Lebens – und die Idee auszuziehen total bescheuert.

    An was man sich nicht erinnert, das sind die Haare im Abfluss und die leeren Milchtüten im Kühlschrank. Man verdrängt, wie hartnäckig der andere den Putzplan zu ignorieren wusste. Wie sich im Flur eine Armee von verknoteten Mülltüten sammelte, weil dieses Mal endlich der Mitbewohner zum Container gehen sollte. Vor allem aber vergisst man die Gewohnheitsfalle, der man nachsagt, sie könne sogar die Liebe einfangen. Auch in der WG hat sie ihren Dienst geleistet. Der Mitbewohner musste sich die Aufmerksamkeit ständig mit dem köchelnden Nudelwasser und dem Wäscheständer teilen. Für jemanden, der sowieso immer da ist, gibt man sich nicht so viel Mühe. Am Anfang des Ausziehkummers will man das jedoch nicht wahrhaben. Lieber trauert man.

    Was man vorher erfolgreich verdrängen konnte, realisiert man spätestens beim ersten Wiedersehen. Das fühlt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit genauso komisch an wie das zufällige Treffen mit dem Ex auf der Straße. Plötzlich muss man sich überlegen: Was verbindet uns außer der gemeinsamen Vergangenheit? Was teilen wir, wenn nicht die Milch? Sind wir nun gute Freunde, Freunde, Bekannte oder einfach nur Ex-Mitbewohner? Und wie oft wollen wir uns in Zukunft sehen? Bei dieser Frage kann es sein, dass sich die ehemaligen Mitbewohner unterschiedliche Antworten wünschen. Genau wie nach dem Beenden einer Beziehung wird auch bei einer WG-Trennung vielleicht eine Person die gemeinsame Zeit viel stärker zurücksehnen als die andere. Ist man derjenige, der ständig anruft und ständig Absagen bekommt, tut der Ausziehkummer besonders weh.

    Das Gute an all den Fragen ist, dass sich für sie Kompromisse finden lassen. Diese muss man natürlich zusammen suchen – bei einem Kaffee, Rotwein oder dem weltbesten Pilzrisotto des Ex-Mitbewohners an einem Küchentisch, an dem man nur als Gast sitzt. Gegenüber hockt dann ein Mensch, der plötzlich nicht mehr Gewohnheit ist. Jemand, für den man den Bärchen-Schlafanzug gegen etwas Schickeres tauscht. Man schenkt ihm die volle Aufmerksamkeit und kann jetzt Dinge erfahren, die man vorher nicht wusste oder wieder vergessen hat. Man kann Gemeinsamkeiten entdecken und das Eigene des Anderen schätzen lernen. Während man tratscht und staunt und lacht, fragt man sich plötzlich: Lohnt sich der Ausziehkummer?

    Abgesehen davon bedeutet irgendwo auszuziehen immer auch irgendwo einzuziehen. Ob ein Neuanfang nun in der Gestalt einer eigenen Wohnung daherkommt, den nächsten Schritt in einer Beziehung bedeutet oder eine neue WG ist – man gewinnt etwas Neues dazu. Nach dem ersten Fremdeln lernt man das zu schätzen. Für den Ausziehkummer bleibt dann immer wenig Platz. Erst in dieser Phase kann man ohne Übertreibungen sagen, wie viel einem die Mitbewohnerbeziehung tatsächlich bedeutet hat. Wenn es viel war, wird sich die Freundschaft mit dem ehemaligen WG-Partner einspielen und zur neuen Gewohnheit werden. Spätestens dann hat man den Trennungsschmerz überwunden und weiß: Ausziehkummer lohnt sich nicht.


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    Neue „smarte Fernseher“ funktionieren auch mit Spracherkennung. Wer „Volume Down“ sagt, muss nicht mehr nach dem Leiser-Knopf auf der Fernbedienung suchen. Das ist ziemlich praktisch. Nicht so praktisch ist, was Samsung jetzt in seinen Lizenzvereinbarungen schreibt (die Einzelheiten dazu bei sz.de): "Bitte seien Sie sich bewusst, dass Ihre gesprochenen Worte aufgezeichnet und an einen Drittanbieter geschickt werden." Der moderne Fernseher hört mit und gibt weiter, was er hört. Wie ein Spion. Zeit, beide mal einem genaueren Vergleich zu unterziehen: Fernseher vs. Spione.

    Wichtigster Ausrüstungsgegenstand





    Gegenbewegung





    [seitenumbruch]

    Ausgeplaudert






    Den Nachbarn im Visier






    [seitenumbruch]

    Dürfen immer nur schmückendes Beiwerk sein






    Gegenspieler






    [seitenumbruch]

    Kaputt





    Mit Kanzler





    Sehr ähnlich, aber doch ganz anders






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  • 02/09/15--23:43: Spicker am Handgelenk
  • Ist es A? B klingt aber auch verdammt richtig. C, ich weiß nicht, aber D, ja, es könnte auch Dsein – Prüfungen nach dem Multiple-Choice-Verfahren haben ihre ganz eigenen Tücken. Wenn man jetzt bloß mal kurz im Netz nachsehen dürfte. Aber das Smartphone muss natürlich während der Prüfung in der Tasche bleiben. Und an einigen Universitäten wie etwa der City of London University heißt es neuerdings auch noch: Uhren ab. Durch das Aufkommen von internetfähigen Uhren, sogenannten Smart Watches, wachse die Gefahr, dass Studenten sich mithilfe ihrer Computeruhr durchs Examen schummeln. Aber ist das wirklich realistisch?



    Viel Potential steckt in der sensiblen Technik: So verfügen Smart Watches nicht nur über eine Internetverbindung, sondern können auch Werte wie Blutdruck oder Pulsschlag erheben.

    Eine Gruppe von Forschern um Alex Migicovsky von der University of Michigan hat sozusagen die Probe aufs Examen gemacht. Und zwar gleich mit einem richtig ausgeklügelten System. Sie nutzen die Pebble Smartwatch, die einen Schwarz-Weiß-Bildschirm hat mit derselben Technik wie Lesegeräte für elektronische Bücher. Die Forscher schrieben ein kleines Programm für Apples iPhone, besorgten sich bei einem Anbieter kostenlos Speicherplatz auf in einem übers Internet zugänglichen Server. Dort bauten sie während einer simulierten Prüfung eine Datenbank für die am häufigsten gewählten Antworten auf – fertig war die Echtzeit-Spick-Zentrale, eine Art Publikumsjoker für Nerds.

    Mit wenigen Tastendrucken auf ihren Uhren konnten die Testteilnehmer ihre Antwort eingeben, nahezu verzögerungsfrei erschien das Ergebnis auf den Uhren der anderen Prüflinge – für die Verbindung mit dem Internet sorgten die iPhones der Tester. Diese wiederum waren via Bluetooth-Funk mit den Uhren verbunden. Das Ergebnis aber, wie raffiniert, wurde nicht etwa irgendwie im Klartext dargestellt. Sondern für einen, der nicht im Bilde war, so gut wie unsichtbar – als kleine Pünktchen, die sich in den Ziffern der Digitaluhr versteckten. Erschien das Pünktchen an der dritten Ecke einer Ziffer, war die dritte Antwort die am häufigsten gewählte.

    Migicovsky und Kollegen ging es aber nicht darum, von MC-Tests geplagte Studenten mit raffinierter Schummel-Software zu versorgen. Die Frage war vielmehr: Steckt in den computerähnlichen Geräten, die man am Körper trägt, als Brille, als Knopf am Jackett oder eben auch als klobige Armbanduhr, auch ein Potenzial, mit dem systematisch betrogen werden könnte? Nicht nur bei Prüfungen an der Uni, sondern auch in vielen anderen Lebensbereichen? Ihr Schummel-System zeigt, dass das mit vergleichsweise wenig Aufwand möglich ist.

    Smart Watches gibt es mittlerweile von einer ganzen Reihe von Herstellern, manche haben sogar eine eigene Internetanbindung und sind damit unabhängig von Smartphones. Im Frühjahr schließlich soll auch die im Herbst mit großem Pomp ankündigte Computeruhr von Apple auf den Markt kommen. Viele in der Branche rechnen damit, dass Apple nicht nur viele davon verkaufen, sondern auch der gesamten Industrie einen Schub geben wird. Das wird sie brauchen, denn noch sind die Computer fürs Handgelenk kein richtiger Verkaufsschlager.

    Sieht man sich aber um, zum Beispiel auf der Konferenz Wearable Technologies in München, dann wird deutlich, wie viel Potenzial in dieser Technik steckt, aber auch wie viele sensiblen Daten hier erfasst werden. Die tragbaren Sensoren und Computer erfassen alle möglichen Werte, vom Pulsschlag über den Blutdruck bis zur Hautfeuchte. „Das Gerät am Handgelenk ist ein Fenster in den Körper“, sagt Simon Drabble von Adidas. Technik der Firma ist bei Profis längst im Einsatz, zum Beispiel der Fußball-Nationalmannschaft. „Es geht um die Lieferkette der menschlichen Leistungsfähigkeit.



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  • 02/09/15--23:55: Tagesblog - 10. Februar 2015
  • 13:00 Uhr: Ich merke schon, harte Themen sind heute nix. Dann halt die ganz softe Klickbait-Nummer, bevor ich in die Mittagspause gehe: Zwei Hamster beim Valentinsdate. Viel Spaß!
    https://www.youtube.com/watch?v=rPLiGyWy5bQ&feature=player_embedded

    ++++

    12:30 Uhr: Und noch ein bisschen was fürs Auge: The Atlantic hat momentan eine tolle Fotostrecke mit Kanada von oben online. Ganz oft sieht es so aus, als hätte sich jemand mit seiner Handschrift in der Landschaft verewigt, auch in dem Bild unten erkenne ich schon fast einen Schriftzug, ich weiß nur noch nicht genau, was er mir sagen will.
    [plugin imagelink link="http://cdn.theatlantic.com/assets/media/img/photo/2015/02/human-landscapes-of-canada/c19_00036/main_1500.jpg" imagesrc="http://cdn.theatlantic.com/assets/media/img/photo/2015/02/human-landscapes-of-canada/c19_00036/main_1500.jpg"]
    via the Atlantic

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    12:00 Uhr:
    Pünktlich zur Mittagspause etwas, worüber jetzt alle über ihren Buletten mal nachdenken können: Immer mehr Menschen haben Probleme mit "Revenge Porn", also wenn Ex-Partner private Fotos nach der Trennung ins Netz stellen. Vergangene Woche habe ich mit Dr. Ansgar Koreng von der Berliner Kanzlei JBB über das Thema gesprochen und er hat, wie ich finde sehr anschaulich, erklärt, wie man sich gegen solche Bilder wehren kann.




    ++++

    11:15 Uhr:
    Eine seeeeehr lange Konferenz geht vorbei und bevor hier der nächste Text in die Pipeline rutscht, für euch ein bisschen Unterhaltung: Dieses Angebot habe ich neulich auf Facebook gesehen. Das ist sogar noch pragmatischer, als wegen der Steuer zu heiraten...




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    09:40 Uhr:
    News:

    • Wir beschäftigen uns weiter mit Swiss-Leaks: Bei der Bank HSBC wurden Kundendaten gestohlen, nun droht über 1000 Deutschen ein Strafverfahren, die dort Gelder vor dem deutschen Fiskus versteckt hatten

    • Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama deutlich gemacht, dass sie weiterhin keine Waffen in die Ukraine liefern möchte, Obama wäre hingegen mittlerweile dafür

    • Ein bisschen gemein, aber auch lustig: Der neue Pegida-Ableger "Direkte Demokratie für Europa" hat auf der Deutschlandkarte im Hintergrund des neuen Logos Schleswig-Holstein vergessen

    • Die beiden Studenten, die während der WM 2014 besoffen in Nürnberg einen Nolde aus dem Museum gestohlen haben, haben dem Unispiegel jetzt ihre Geschichte erzählt. Beim Lesen denkt man die ganze Zeit "Heieieiei"


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    09:15 Uhr:
    Und bevor ich jetzt die Nachrichtenlage checke, noch ein Lesehinweis: Im Kosmos sind gerade "Nostalgiewochen", das heißt, viele User erzählen, warum sie sich hier angemeldet haben. Gestern Abend schwappte dann der Text von Userin asphaltfrühling rein und an dieser Stelle musste ich wirklich schlucken:
    "Meine Geschichte bei jetzt.de ist vor allem auch geprägt durch einen Verlust. 2004 starb meine große Jugendliebe, wir waren beide bei jetzt.de, während unzähliger Krankenhausaufenthalte war es unsere Kommunikationswiese, wir schrieben über uns, über unser Leben, über das Leben wie es hätte sein sollen, wenn die Welt ein gerechterer Ort wäre. Immer wieder schrieb ich über Abschied, über Trauer, über vermissen. Über meine Versuche ein neues Leben zu beginnen, über neue Männer und Frauen in meinem Leben, über Liebe, Musik und den Spagat zwischen erinnern und Vergessen."

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    09:00 Uhr:
    Guten Morgen lieber Kosmos! Ich war gestern zum ersten Mal auf der Berlinale und habe direkt einen echten Promi gesehen (also nicht so Ex-Freund eines Models Niveau). Wer errät, wer es ist, bekommt - ähm - ein Buch!


    Okay, ist echt ein bisschen tricky.

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    In der Affäre um die gestohlenen Kundendaten der HSBC Schweiz rücken die deutschen Kunden in den Fokus. In den internen Dokumenten finden sich 2106 Personen mit Bezug zu Deutschland. Circa ein Drittel von ihnen nutzte anonymisierte Nummernkonten, mehr als 200 Kunden besaßen Tarnfirmen. Laut den HSBC-Dokumenten wurden von deutschen Kunden etwa 3,3 Milliarden Euro angelegt. Das durchschnittliche Vermögen pro Person lag damit bei mehr als 1,5 Millionen Euro.

    Für viele dieser Kunden könnte das Datenleck gravierende Folgen haben. Von der Existenz fast 1000 zusätzlicher deutscher Namen erfahren die Steuerfahnder erst jetzt. Nach Erkenntnissen von SZ, NDR und WDR lagen den deutschen Behörden bisher lediglich 1136 Namen vor – also nur rund die Hälfte der mehr als 2100 deutschen Namen. Französische Steuerermittler hatten ihren deutschen Kollegen bereits im Oktober 2010 eine vorsortierte Liste mit 1136 Namen von mutmaßlich deutschen Kontoinhabern übermittelt. Zuvor hatte Whistleblower Hervé Falciani, Ex-Computerfachmann der HSBC in Genf, Tausende Kundendaten entwendet und den französischen Behörden übergeben.



    Die "Swiss Leaks"-Enthüllungen um die Schweizer HSBC Bank haben eine weltweite Diskussion um die Rolle der Banken angeregt. Aus der britischen Regierung hieß es, „die Ära des Bankgeheimnisses ist vorbei.“ Unter den angeklagten Bankkunden befinden sich auch ca. 2106 Deutsche.


    Durch die Recherchen von mehr als 140 Journalisten aus 45 Ländern, geleitet vom Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ), wurde bekannt, in welchem Ausmaß die HSBC Schweiz ihre Kunden bei der Verschleierung von Geldern unterstützt hatte. Außerdem sollen die Banker Geschäfte mit mutmaßlichen Waffenschiebern, Blutdiamantenhändlern und der al-Qaida nahestehenden Personen gemacht haben. Sprecher der Bank räumten ein, dass es bei der HSBC „Verhaltens- und Kontrolldefizite“ gegeben habe, dafür übernehme man die Verantwortung.

    Die Enthüllungen haben die weltweite Diskussion um die Rolle von Banken neu angeheizt. Politiker aus aller Welt forderten ein Ende fragwürdiger Bankgeschäfte. Aus der britischen Regierung etwa hieß es, „die Ära des Bankgeheimnisses ist vorbei.“ Ein belgischer Untersuchungsrichter, der seit November 2014 gegen die Schweizer HSBC-Tochter wegen Steuerbetrugs und Geldwäsche ermittelt, drohte am Montag mit einem internationalen Haftbefehl gegen führende Manager der Gesellschaft.
    Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) forderte auch in Deutschland Ermittlungen gegen die Bank, wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Gabriel sprach von „bandenmäßiger Steuerhinterziehung in erheblichem Umfang“. Die gestohlenen Bankdaten liegen Behörden in mindestens zwölf Ländern vor, mehr als eine Milliarde Euro an Steuern und Strafen konnte zurückgeholt werden.

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  • 02/10/15--00:19: Er hat gesprochen
  • Es war wie immer bei Preisverleihungen: Einige ältere Männer umstehen wenig weltläufig ein Mikrofon, bestreichen einander mit plattitüdenen Botschaften, und dann werden übergroße Urkunden und noch scheußlichere Pokale oder Medaillen überreicht. Der Jubelgreis räuspert sich und setzt, um das duldungsstarre Publikum endgültig einzuschläfern, zu großen, womöglich sogar zu epochemachenden Worten an.

    Am Freitag war es anders. Bob Dylan erhielt in Los Angeles bei einer Grammy-Superduper-Charity-Gala irgendeinen zu Recht unbekannten Preis, doch sein Laudator war der Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter, neunzig inzwischen und etwas wacklig, aber Ladies and Gentlemen – Carter war der 39. Präsident der Vereinigten Staaten und sagte in dieser Eigenschaft völlig zu Recht, dass Dylans Worte über Frieden und Menschenrechte „weit prägender, machtvoller und bleibender“ seien als alles, was von allen amerikanischen Präsidenten je zu diesen Themen kam.



    Bei der Grammy-Verleihung am vergangenen Freitag spricht Bob Dylan über Vorbilder und Songs, Shakespeare und Joan Baez.


    Bei dieser Arie hätte es bleiben können, auch beim musikalischen Rahmenprogramm, bei dem Bruce Springsteen, Neil Young und Sheryl Crowe Werke des Jubilars aufführten. Aber dann kam der Meister und bat ums Wort.

    Bob Dylan, diese kleine Info sei den Nicht-Initiierten gegönnt, redet sonst nie. Wenn er sich nach seinen Konzerten von den Zuhörern verabschiedet, wird die allfällige Andeutung eines Lächelns bereits als halbes Epos ausgedeutet. Der Mann, unterbricht hier die Gerechtigkeit, der Mann hat doch für sein Lebtag genug geschrieben, Lieder, die die Welt bewegt haben („Blowin’ in the wind“), Lieder, die zum Ergreifendsten gehören, was neben Mörike und Wordsworth oder vielleicht noch Baudelaire im obersten Gemach der Weltliteratur Platz hat („Visions of Johanna“ zum Beispiel oder „Tangled up in blue“), der Mann muss bei Gott nichts mehr sagen beziehungsweise sagt es Goethes Mignon für ihn: „Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen.“

    Um Missverständnisse auszuschließen, erläuterte der preisgekrönte Sänger gleich zu Beginn, dass seine Lieder aus dem gleichen Urgrund stammten wie die Mysterienspiele, mit denen Shakespeare aufwuchs. Shakespeare? Die dreitausend musikindustriellen Honoratioren drunten müssen erregt an ihren Hörhilfen gezupft haben. What’s that? Ja, Shakespeare!

    Brav dankte Dylan dem Folk-Trio Peter, Paul & Mary, den Byrds, aber auch Sonny & Cher dafür, dass sie seine Songs popularisiert hätten. Es war dann nicht mehr seins, sie wirkten wie Werbeclips, was ihn aber – und hier wird der Reklamesänger für „Victoria’s Secret“ und Chrysler sogar selbstironisch – heute nicht mehr störe. Er dankte dem Produzenten John Hammond, der ihm seinen ersten Vertrag gab, er pries seine Förderin Joan Baez für ihr lebenslanges Engagement und sogar für ihre Stimme. Das ist ein heikler Punkt, denn er selber verfügt über nichts Vergleichbares. Dylan liest genau, was über ihn geschrieben wird, und ärgert sich anscheinend bis heute, wenn an seinem stimmlichen Vortrag herumgemäkelt wird: „Warum sagen die Kritiker, die nörgeln, ich klinge wie ein Frosch, dasselbe nicht bei Tom Waits?“

    Plagiatsvorwürfe haben ihn von Anfang an begleitet, und so nimmt er die Gelegenheit wahr zu erklären, wie er zu seinen Liedern kommt, nämlich durch die anderer. „Wer ‚John Henry‘ so oft gesungen hat wie ich, kommt irgendwann auf ‚How many roads‘.“ So lobte er einerseits die autonome Kunst und reihte sich andererseits ein in eine musikalische Tradition, die beim Alten Testament und in den schottischen Highlands beginnt und den Schwachsinn aber ganz bestimmt ausschließt, der tagtäglich aus Nashville in alle Ohren gepresst wird. Ah, die Zuhörer unten!

    Es war, als gäbe der fast gleichaltrige Peter Handke ohne Vorwarnung Auskunft über seine Lehrmeister und vor allem darüber, was ihn weiterschreiben lässt auf seiner eigenen Never Ending Tour. Und falls sich das noch nicht herumgesprochen haben sollte: Bob Dylan ist, wenn nicht der amerikanische Handke, so doch der amerikanische Shakespeare.


     


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    Die USA setzen trotz massiver Vorwürfe gegen Russland im Ukraine-Konflikt auf eine diplomatische Lösung, schließen aber auch Waffenlieferungen an die Ukraine nicht aus. Dies sei eine Option, die von seinen Beratern geprüft werde, sagte US-Präsident Barack Obama am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Weißen Haus. Obama betonte allerdings, dass er noch keine Entscheidung getroffen habe. Er legte sich auch nicht auf ein bestimmtes Ereignis fest, von dem an er Waffen liefern werde. Die Ereignisse in der Ukraine würden stattdessen kontinuierlich analysiert, sagte der US-Präsident. Bevor er eine Entscheidung treffe, werde er sich mit Merkel und anderen Verbündeten abstimmen, versprach er. Obama strebt zwar weiterhin gemeinsam mit der Kanzlerin eine diplomatische Lösung der Ukraine-Krise an. Im Falle des Scheiterns werde der Westen aber eine „starke Antwort“ geben.



    Montag, 9. Februar: In der Diskussion um die Ukraine-Krise traf Angela Merkel Barack Obama im weißen Haus.


    Merkel bekräftigte, dass sie Waffenlieferungen skeptisch sehe. Wichtig sei es jedenfalls, dass die Einigkeit der USA und Europas fortbestehe, „auch wenn es in einzelnen Fragen unterschiedliche Meinungen gibt“. Die Kanzlerin betonte, man müsse eine friedliche Lösung suchen und die diplomatischen Mittel ausschöpfen, „obwohl wir schon viele Rückschläge erlitten haben“ und obwohl es keinerlei Garantie für den Erfolg gebe.

    Obama ließ keinen Zweifel daran, dass er Russland für die verschärfte Lage in der Ostukraine verantwortlich macht. „Russland hat mehr Panzer ins Land gebracht und unterstützt die Separatisten bei weiteren Geländegewinnen“, sagte er. „Wir dürfen es nicht akzeptieren, dass Grenzen neu gezogen werden mithilfe von Gewalt.“ Man müsse Moskau klarmachen, „dass es einen hohen Preis zu zahlen hat“. Obama ermahnte zugleich die ukrainische Führung um Präsident Petro Poroschenko und Premier Arsenij Jazenjuk, Reformen in der Ukraine voranzutreiben.

    Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Staatspräsident François Hollande wollen sich an diesem Mittwoch in Minsk mit dem ukrainischen Staatschef Poroschenko und Kremlchef Wladimir Putin treffen, um Möglichkeiten zur Beendigung des Krieges in der Ukraine auszuloten. Das Treffen ist jedoch noch nicht sicher. Putin werde keinen Druck akzeptieren, ließ der Kreml wissen. „Niemand hat je mit dem Präsidenten im Ton eines Ultimatums geredet oder kann mit ihm so reden, selbst wenn er das möchte“, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow im russischen Radio. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, „allen ist natürlich klar, wenn die aktuellen Bemühungen keinen Erfolg haben, dann wird der Konflikt militärisch eskalieren“. Und dann werde „sicherlich auch hier in Europa die Frage von Waffenlieferungen diskutiert werden“.
    Die EU-Außenminister beschlossen am Montag neue Sanktionen gegen Russland, ließen sich aber für den Fall erfolgreicher Ukraine-Verhandlungen eine Hintertür offen. Sie verabschiedeten Einreiseverbote und Kontensperrungen gegen 19 Personen. Um die geplanten Verhandlungen in Minsk nicht zu belasten, treten die Sanktionen erst kommenden Montag in Kraft. Bei einem Erfolg in Minsk könnten sie noch gestoppt werden.

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  • 02/10/15--00:32: Endlich schuldenfrei
  • Cait Flanders hatte ein dickes Problem. Sie hatte in jüngster Zeit viel zu viel Geld ausgegeben, und saß nun auf einem Schuldenberg von 20000 Euro. Die 27-Jährige litt unter ihrer finanziellen Misere, konnte nicht mehr schlafen. „Ich fühlte mich als Verliererin“, sagt sie. Aus Scham vertraute sie sich weder ihrer Familie noch Freunden an. Aber sie machte ihre Schulden in einem Blog („Blonde on aBudget“– Eine Blondine, die sparen muss), öffentlich. „Das zwang mich, Rechenschaft abzulegen“, erklärt sie ihren Schritt. Damit erregte sie Aufsehen in ganz Kanada.



    Die kanadische Bloggerin Cait Flanders machte ihre Schuldeprobleme auf ihrem Blog "Eine Blondine, die sparen muss" öffentlich.

    Minutiös rechnete sie ihrem Publikum von da an vor, wie viel sie von ihrer Schuld abtrug, wo sie scheiterte und wo sie Fortschritte erzielte. Sie mied Einkaufszentren und Online-Läden „wie die Pest“, ging abends nicht mehr aus und zog wieder bei den Eltern ein, um die Miete zu sparen. Sie ließ die schulterlange Mähne nicht mehr beim Friseur schneiden, versteckte ihre Kreditkarten zu Hause. Statt mit Freunden Alkohol zu trinken, ließ sie sich nüchtern nach Hause fahren. Kurz gesagt: Sie vermied alles, was sie zum Geldausgeben verleiten konnte.

    Nach sechs Monaten war ihre Schuld um 7000 Euro kleiner. Als sie dem Ziel der Schuldenfreiheit immer näher kam, wurden Medien auf die Bloggerin aufmerksam. „Diese 27-Jährige trug 28 115 Dollar Schulden ab – in weniger als zwei Jahren“, titelte etwa die nationale Zeitung The Globe and Mail. Cait Flanders, die sich nicht scheute, mit ihrem richtigen Namen im Internet aufzutreten, traf einen Nerv bei ihren Landsleuten. Und ihre Offenheit unterscheidet sie von vielen Kanadiern. Die stehen zwar tief in der Kreide – derzeit im Schnitt mit 55000 Euro pro Kopf -, aber sie machen sich darüber viel zu wenig Sorgen. Im Gegensatz zur kanadischen Nationalbank, der Bank of Canada, die im Dezember deutlich vor der rekordhohen Verschuldung der kanadischen Haushalte warnte. Sie hält die private Verschuldung der Bürger für das größte Risiko in der kanadischen Wirtschaft.

    Während der Finanzkrise 2008 kam Kanada relativ glimpflich davon. Und da die Zinsen schon seit Jahren sehr tief sind, haben sich die Kanadier freudig billiger Kredite bedient. „Für jeden Dollar ihres verfügbaren Einkommens sind sie mit 1,63 Dollar verschuldet“, sagt Scott Hannah, Vorstand der der gemeinnützigen Schuldenberatung Credit Counselling Society in Vancouver. „Die Leute fühlen sich viel zu wohl mit ihren Schulden“, meint der Schuldenexperte. In seinem Büro berät er regelmäßig Konsumenten, die mit ihrer Kreditkarte mit mehr als 70000 Euro im Minus sind. Falls in Kanada die Zinsen eines Tages steigen, droht vielen Kanadiern der Bankrott.

    Bei Cait Flanders fing es wie bei so vielen einst mit einer kleinen Schuld an. Ihre Eltern hatten ihr 3200 Euro für die Universitätskosten geliehen. Das hätte sie eigentlich schnell zurückzahlen können. Sie hatte schließlich auch ein Jahresgehalt von fast 40 000 Euro, das sie für eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst bezog. Die meisten Kanadier dagegen müssen im Schnitt mehr als 20000 Euro Studentendarlehen an die Regierung abstottern. Oft geht es lange, bis sie nach ihrem Studium eine Stelle finden. „Sie brauchen im Schnitt zehn Jahre, bis sie ihren Schuldenberg abbezahlt haben“, sagt Scott Hannah.

    Das war bei Cait Flanders nicht der Fall. Trotzdem versank sie schnell in Schulden, obwohl sie kein Luxusleben führte. Sie sieht auch heute nicht wie eine Frau mit teurem Geschmack aus. Ihre Zimmer in einem Wohnturm in Port Moody, einer Vorstadt von Vancouver, sind spartanisch eingerichtet, ihre Kleiderschränke wirken fast leer. „Ich habe auch nicht fünfzig Paar Schuhe besessen“, sagt sie.

    Aber als sie von der Westküste in die Großstadt Toronto zog, floss das verdiente Geld schnell weg: „Ich kaufte alles neu: Auto, Möbel, stets das Schönste, und alles teuer.“ Sie ging ständig aus, sagte zu allem ja, obwohl sie sich diesen Lebensstil gar nicht leisten konnte. Sie überzog ihre Kreditkarten massiv und sah sich aus Angst die Abrechnungen gar nicht mehr an. „Das war ein riesiges Warnlicht“, sagt sie. Erst als nur noch 100 Dollar auf dem Bankkonto lagen, wachte sie auf. Endlich. Und begann ihren Blog.

    Ihre immer größer werdende Schar von Lesern spornte sie bei ihren Sparbemühungen an. Erst als sie die Kreditkartenschuld zurückgezahlt hatte, erfuhren ihre fassungslosen Eltern davon. „Sie hatten geglaubt, ich sei so klug im Umgang mit Geld“, sagt Cait.

    Nun zog sie in eine eigene Wohnung in Port Moody, aber sonst sparte sie wie verrückt: keine Schuhe, Kleider, Einrichtungsgegenstände, Bücher mehr. Stattdessen benutzt sie die Bücherei. Als sie ihre Schulden eines Tages ganz abbezahlt hatte, fing sie ihren Blog mit einem Freudenschrei an: „Hallo Freiheit!“ Viele Leute wollten wissen, wie sie das gefeiert habe. Aber Cait Flanders findet, sie habe ja keinen Preis gewonnen: „Ich habe mich nur aus dem Sumpf gezogen, in dem ich aus freien Stücken versunken bin.“

    Sie hat sich selber gerettet, aber für Kanada ist sie pessimistisch. „Die Leute borgen sich zu viel Geld“, sagt sie. Die Zinssätze seien zwar derzeit sehr tief, aber das werde sich eines Tages ändern. Ihre Befürchtungen werden von vielen Experten geteilt. Im Blog konzentriert sich Cait Flanders nun darauf, die Leute zu ermuntern, ihr Sparkonto zu füttern. „Ich versuche, von der Hälfte meines Einkommens zu leben“, sagt sie. „Den Rest lege ich auf die hohe Kante.“ Nur Lebensmittel, Benzin und absolut notwendige Dinge kommen heute in ihrem Budget vor. Trotzdem sei sie völlig zufrieden: „Ich bin seit über einem halben Jahr nicht mehr auf Einkaufstour gegangen und finde das großartig."


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  • 02/10/15--00:39: Hauptsache, es fährt
  • Wenn es stimmt, was Forscher sagen – dass junge Menschen keine Autos mehr wollen – dann sagt das viel über die heutigen Autos und über das Jungsein als solches. Das hat sich ziemlich verändert in den vergangenen Jahrzehnten, denn es gab Zeiten, da ging hier ohne Autos: gar nichts. Bei James Dean und Steve McQueen, den Kings of cool, war das Auto immer auch Teil des Gesamtkunstwerks, Elvis verschenkte Cadillacs, und in seinem wunderbaren „American Graffiti“ ließ George Lucas 1973 eine Gruppe von Teenagern einen ganzen langen Film lang mit verchromten, kaugummifarbenen Autos herumfahren. Natürlich hatte jeder sein eigenes, an dem er herumbastelte. Und noch in den Neunzigerjahren funktionierte das Spiel: Das schwedische Pop-Duo Roxette machte ja auch nichts anderes, als mit „Sleeping in my car“ Teenagerträume zu bedienen. Natürlich ging es bei „Sleeping in my car“ nur am Rande ums Autofahren, und der Rücksitz war schon gar nicht zum Schlafen da, oh no.



    Richtig günstig war die S-Klasse von Mercedes nie. Aber warum muss die Luxus-Limousine immer teurer werden? Schöner wird sie ja leider nicht.

    Irgendwie konnte dann jeder James Dean spielen, selbst wenn er nur einen Golf hatte. Hauptsache fährt. Oder?

    Dass Jugend und Autos so wunderbar zusammenpassten, dafür gab es einen guten Grund: Autos waren, wenn man ein bisschen was verdiente und sich das Leben einigermaßen gut einteilte, noch erschwinglich. Vor 35 Jahren zum Beispiel kostete ein Neuwagen im Schnitt 8420 Euro. Heute kostet ein neues Auto dagegen um die 27000 Euro. Einfach nur so zum Herumcruisen kauft sich so was kein junger Mensch mehr – wie denn auch?

    „Über die letzten 34 Jahre sind die Durchschnittspreise der verkauften Neuwagen pro Jahr um 3,5 Prozent gestiegen“, heißt es in einer Studie des Car-Centers der Universität Duisburg-Essen, und auch für dieses Jahr rechnet das Institut mit weiter steigenden Listenpreisen.

    Dass Neuwagen heute mehr als dreimal so viel kosten wie früher, dafür gibt es einen guten Grund: Sie sind anders gebaut. Sie sind im Schnitt größer, haben stärkere Motoren, und vor allem: sie haben eine Menge Technologie an Bord, die kostet und die sich die Hersteller bezahlen lassen. Fahrerassistenzsysteme, Notbremsassistenten mit automatischer Fußgänger-Erkennung, alle möglichen Airbags, Bremsassistenten und Einparkhilfen. Elvis verschenkte seine pinken Cadillacs noch ohne Fußgänger-Erkennung, und bei Roxette spielten Bremsassistenten noch keine große Rolle. Aber heute ist das anders. Heute lassen sich gerade Fahrzeuge der Oberklasse nicht mehr ohne solche Extras verkaufen.

    Es geht bei all dem um Margen, also die Gewinnspannen der Autokonzerne. Die steigen, je teurer so ein Auto am Markt ist; und je mehr Extras geliefert werden und je mehr Luxus verbaut wird, desto höhere Preise können aufgerufen werden. Bei einem hochgerüsteteten 7er BMW bleibt für das Unternehmen mehr hängen als bei einem 3er.

    Dass der Anteil von Dienst- oder Firmenwagen heute bei mehr als 60 Prozent aller neu zugelassenen Pkw liegt, wundert kaum: Die Hersteller verkaufen gerne ihre teuren Limousinen, und die sind meistens nichts für die Kaffeekassen der Privatkäufer. Da immer mehr sportliche SUV verkauft werden, dürften die Preise weiter steigen. SUVs sind oft stärker motorisiert und kosten mehr als andere Autos. Da aber der Anteil von SUV am deutschen Markt 2015 noch weiter zunehmen und laut Car-Center wohl einen Anteil von 20 Prozent erreichen wird, heißt das: Die Preise werden weiter anziehen.

    Dass junge Menschen immer seltener Autos kaufen und lieber welche leihen, liegt auch mit daran: Sie sind einfach zu teuer geworden.


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    Als ich noch zur Schule ging, gab es bei uns im Jahrgang ein Paar, das täglich und offensiv auf dem Pausenhof knutschte. Im Unterricht hielten sie Händchen und wenn jemand fragte, wie sie sich die Zeit nach dem Abi vorstellten, sagten sie: „Auf jeden Fall zusammen". Das Gefühl hielt zwei Jahre. Dann machte sie mit ihm Schluss, wegen eines anderen. Der gewöhnliche Lauf der Dinge in einer Oberstufe.
    Nicht ganz gewöhnlich war allerdings die Reaktion des Nun-Ex-Freundes: Aus Wut stellte er ein Video, das die beiden beim Sex gedreht hatten, auf eine Pornowebsite und verbreitete den dazugehörigen Link innerhalb der Schülerschaft. Es dauerte keine 24 Stunden, bis das Video wieder offline war. Bis dahin hatte jeder die beiden nackt gesehen.

    „Revenge Porn" lautet die englische Bezeichnung für so ein Verhalten – wenn Menschen nach einer Trennung oder Verletzung intime Bilder oder Videos des Ex-Partners weiterverbreitet. In manchen Ländern gibt es explizite Gesetze gegen derartige Vergehen, zum Beispiel in Israel. Aber auch in Deutschland kann das Verbreiten privater Fotos ohne Einwilligung des Abgebildeten eine Straftat sein. Zeigt das Material Minderjährige oder pornografische Inhalte, ist eine Strafverfolgung sogar sehr wahrscheinlich.

    Dr. Ansgar Koreng ist Anwalt bei der Berliner Kanzlei JBB mit Schwerpunkt auf Medien- und IT-Recht. Er sagt: „Intime Bilder seines Ex-Partners ohne dessen Einwilligung zu veröffentlichen, kann sowohl das Urheber- als auch das Persönlichkeitsrecht verletzen." Das Urheberrecht ist betroffen, wenn die abgebildete Person das Foto selbst gemacht hat, zum Beispiel als Selfie. „Dann ist sie auch Urheber und darf darüber entscheiden, wo es veröffentlicht wird", sagt Koreng.

    Wenn das Bild jemand anders gemacht hat, greift für den Abgebildeten hingegen das Persönlichkeitsrecht – und das besagt, dass man ohne deren Einwilligung keine Bilder von anderen Personen veröffentlichen darf. Das gilt meistens auch, wenn die Menschen darauf angezogen sind. „Ausnahmen gibt es nur, wenn das Bild entweder dem höheren Interesse der Kunst gilt oder ein zeitgeschichtliches Ereignis widerspiegelt, was bei privaten Nacktbildern aber selten der Fall ist", sagt Koreng. Urheber- und Persönlichkeitsrecht gelten dabei sowohl für Fotos als auch für Videos.

    Obwohl man also prinzipiell das Recht hat, privates Material aus dem Netz entfernen zu lassen, ist die Umsetzung oft schwierig. Der beste Fall ist dabei, wenn man genau weiß, wer das Bild hochgeladen hat: „Wenn es zum Beispiel vom Ex-Freund auf seinen privaten Blog gestellt wurde, kann ein Anwalt ihn abmahnen, also auffordern, das Bild wieder runterzunehmen. Wenn der Ex-Freund sich dann weigert, muss man eine einstweilige Verfügung besorgen oder gegebenenfalls klagen", sagt Koreng.

    Schwieriger wird es allerdings, wenn das Bild auf der Seite eines fremden Betreibers auftaucht, also zum Beispiel auf einem Tumblr. „Dann muss man sich an den Betreiber der Plattform wenden und die Rechtsverletzung schildern. Wichtig ist dabei, einen Link zu dem Bild beizufügen, damit dieses auch gut auffindbar ist. Der Betreiber muss daraufhin innerhalb einer angemessenen Frist das Bild herunternehmen. Er darf einem aber nicht sagen, wer das Bild hochgeladen hat", sagt Koreng. Meistens beträgt die Frist eine Woche.

    Der Zeitfaktor ist bei privaten Bildern im Netz generell entscheidend: Nur wer innerhalb von einem Monat nach Kenntnisnahme der Rechtsverletzung – also dem Moment, in dem man erfahren hat, dass die Bilder online sind – zum Anwalt geht, kann auch eine einstweilige Verfügung beantragen. Meldet man die Rechtsverletzung erst später, gibt es nur noch die Möglichkeit einer Klage, was über ein Jahr dauern kann. Bis dahin hat das Bild meistens noch viele andere Verbreitungswege gefunden. Prinzipiell kann man aber jeden, der das private Material veröffentlicht, abmahnen oder verklagen. Man kann ihn allerdings nicht unbedingt zwingen, die Bilder auch vom privaten PC zu löschen.

    Denn die Frage, ob man Nacktbilder auch zurückverlangen kann, ist derzeit rechtlich umstritten: „Das OLG Koblenz hat kürzlich in einem Fall entschieden, dass ein Mann Nacktfotos einer Frau, die er im Rahmen einer Affäre von ihr gemacht hatte, löschen musste. Das war allerdings eine Einzelentscheidung", sagt Koreng. Ein anderes Gericht könnte also anders über einen solchen Fall entscheiden, er selbst würde deshalb von solchen Klagen derzeit abraten.

    Wenn intime Fotos im Netz auftauchen, ist es also meistens eine gute Idee, schnell zum Anwalt zu gehen. Prinzipiell kann man aber auch erst einmal zur Polizei gehen und dort Anzeige erstatten. Bis das Bild dann offline ist, dauert es allerdings meistens länger, da der weitere Prozess erst einmal über die Staatsanwaltschaft laufen muss.

    Charlotte Haunhorst, 26, ist bei der Recherche für diesen Text auf die Dänin Emma Holten gestoßen, die Opfer von Revenge Porn wurde. Als sie merkte, dass sie nicht gegen jeden, der ihre Bilder gesehen hat, wehren kann, reagierte sie ziemlich cool: Sie machte neue Nacktfotos von sich. Ästhetische, die ihr auch selbst gefielen.

    Fünf Tipps, wie du dich gegen Nacktbilder im Netz wehren kannst:

    1. Prinzipiell kann man jeden rechtlich belangen, der private Bilder ohne Zustimmung ins Netz stellt. Hat man das Bild selbst gemacht, greift das Urheberrecht, ist man nur darauf abgebildet, das Persönlichkeitsrecht.

    2. Wie bei allen juristischen Dingen: Möglichst alles schriftlich machen. Nur so kann man später beispielsweise nachweisen, dass man die Fristen für eine Abmahnung eingehalten hat.

    3. Ist nachweisbar, dass jemand unerlaubterweise Bilder von dir im Netz verbreitet hat, muss diese Person auch die Kosten für deinen Anwalt tragen. Allerdings kann es dabei Probleme geben, wenn ihr zunächst versucht habt, das Problem privat zu lösen – dann kann argumentiert werden, dass der Anwalt gar nicht notwendig war. So fies es also auch ist: Bei einer bereits stark zerrütteten Beziehung kann es besser sein, nur noch über den Anwalt zu reden.

    4. Das Veröffentlichen privater Bilder ohne Einverständnis ist oft eine Straftat. Wer beispielsweise wegen Nacktfotos gemobbt wird, kann unter Umständen auf Schmerzensgeld klagen. Ist man selbst Urheber der Bilder, kann man auch Geld für die Verbreitung verlangen.

    5. Auch wenn es schwer ist: Minderjährige sollten sich beim Kampf gegen Nacktfotos mit ihren Eltern absprechen. Wer jünger ist als 18, kann nämlich keinen Anwalt beauftragen.

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  • 02/10/15--07:42: Lass' mich dir erklären!
  • Und dann erklärte der Kollege der Kollegin tatsächlich, was ein Browser ist. Nicht 1998. 2015! Er traute ihr, obwohl sie in einer Online-Redaktion arbeitet, nicht einmal grundlegendste Computerkenntnisse zu. Das mag daran liegen, dass sie eine Frau ist. Das mag daran liegen, dass er gern klugscheißerische Monologe hält. Aber eigentlich lag es schon daran, dass sie eine Frau ist.





    Dass Männer herablassend, bevormundend, ja gönnerhaft Frauen erklären, wie Computer, Autos und die Welt funktionieren, ist sexistisch und lächerlich und blöd. Und hat einen Namen: „Mansplaining“ (zusammengesetzt aus man und to explain). Vergangenen Freitag wurde der Begriff vom australischen Wörterbuch Macquarie Dictionaryzum Wort des Jahres 2014 gekürt.

    Dabei ist das Phänomen nicht neu und auch den Neologismus "Mansplaining" hat die Schriftstellerin Rebecca Solnit bereits 2008 geprägt. Damals schrieb sie in dem Essay „Men Explain Things To Me“über eine Party, auf der ein Mann zu ihr sagte, er habe gehört, sie schreibe Bücher. Sie erzählte ihm daraufhin von ihrem aktuellsten, einem Buch über den Fotografen Eadweard Muybridge. Er unterbrach sie und fragte, ob sie von dem sehr wichtigen Muybridge-Buch gehört habe, das in jenem Jahr erschien, und erzählte ihr dann lang und breit von diesem Werk, wobei er nur wiedergab, was er darüber gehört hatte. Gelesen hatte er es nicht. Eine Freundin musste den Mann mehrfach unterbrechen, bis er kapierte, dass die Autorin des Werkes ihm gegenüberstand.

    Rebecca Solnit nannte sein Verhalten in ihrem Essay noch nicht „Mansplaining“, im selben Jahr aber tauchte das Wort bereits in Blogs auf, die sich auf ihren Text bezogen, und auch Solnit schrieb später darüber, wie viele andere Autoren, Blogger und Twitter-Nutzer.

    Nun kommen Modewörter aus den USA immer mit Verzögerung in Europa oder Australien an. Trotzdem ist die Geschichte von „Mansplaining“ erstaunlich. Bereits 2010 nahm die New York Times den Begriff in die Auswahlliste zum Wort des Jahres. 2012 nominierte es die American Dialect Society als „most creative word of the year“, und 2014 wurde es ins Oxford Dictionaries aufgenommen. Und nun also die Kür zum Wort des Jahres in Australien. Dabei erschienen im vergangenen Jahr in anderen Medien bereits erste Abgesänge auf das Wort. Salon.com konstatierte im Oktober, dass das Internet den Begriff zerstört habe. Vor allem auf Twitter und Blogs wie „Academic Men Explain Things to Me“ werde es für alles benutzt, was Männer zu oder über Frauen sagen.

    Ähnlich ging es in Deutschland dem Hashtag und Begriff #Aufschrei. Irgendwann wurde #Aufschrei schwammig und in ganz anderen Zusammenhängen als ursprünglich verwendet:









    So scheint es auch „Mansplaining“ zu ergehen. Der Begriff wird sogar verwendet, wenn Kim Jong Un - umgeben von Männern - etwas an einem iPhone zeigt:





    Trotz dieser Neudefinierung: „Mansplaining“ benennt ein ernstes Problem, das immer noch relevant ist. Wenn auch anders. Männer, die Frauen unterschätzen, könnte man ja als Relikt der fünfziger Jahre abtun, ebenso wie das An-die-Hand-nehmen-und-Dinge-erklären-Wollen als Macho-Phänomen. Aber Mansplaining geht nicht nur von Männern aus und richtet sich nicht nur gegen Frauen. Auch Frauen erklären Männern überdeutlich Dinge, von denen sie Männern nicht zutrauen, dass sie sie wissen. Und, daran merkt man, dass nicht nur die Gender-Klischees in unserem Kopf dieses Verhalten auslösen, auch Frauen anderen Frauen und Männer Männern.

    Ob aus Sexismus oder sonstiger Ignoranz heraus, Dinge doziert zu bekommen, die man bereits weiß, nervt und verschwendet Zeit. Denn darauf läuft es hinaus. Die Kollegin hätte in der Zeit, in der sie sich von ihrem Gegenüber einen Browser definieren ließ, lieber über die Vorzüge der einzelnen gestritten. Ja, als Frau! Doch sie hat einfach nichts gesagt. Sie heuchelte wenigstens kein Interesse. Aber sie schwieg. Aus Höflichkeit. Aus Angst, pampig rüberzukommen, wenn sie ihn unterbricht. Und auch aus einem Ärger über sich selbst, weil sie den Moment verpasst hatte, zu sagen: „Ich weiß.“ Und das ist das eigentliche Problem des „Mansplaining“: Es zieht viel zu oft Schweigen nach sich. Von Frauen und Männern.

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  • 02/10/15--08:30: Tinder für Kiffer
  • Man muss ja nicht alle Details aus dem eigenen Leben gleich beim ersten Date ausplaudern. Wenn man auf etwas Längerfristiges aus ist, kann man sich überlegen, ob man die erwähnt, die besonders viel Platz im Alltag einnehmen. Eine Allergie auf Steinobst wäre dann eher egal, ein Sohn hingegen könnte erwähnenswert sein. Und die Tatsache, dass man gerne und sehr regelmäßig kifft?

    Für Todd Mitchem aus Denver in den USA ist das einer der wichtigsten Punkte, den er Frauen mitteilt. Aber leider auch einer, durch den er einen Nachteil hat. Zumindest hat er einen Korb bekommen, als er einer Frau beim ersten Date sagte, er sei Cannabis-Konsument. Und das hat ihn so sehr geärgert, dass er auf eine Geschäftsidee kam.



    Perfekte Pot-Partner

    Todd Mitchem ist der Erfinder von„High There!“, einer Dating-App, die seit ein paar Tagen durch die Medien gereicht (z.B. Mashable, The Guardian oder The Independent) und gerne als „Tinder für Kiffer“ betitelt wird: Wie bei Tinder sieht man in der App das Foto eines potenziellen Dating-Partners und die räumliche Entfernung zu diesem, dann kann man nach rechts wischen, wenn man Kontakt aufnehmen möchte, oder nach links, wenn nicht. Zusätzlich geben High There!-Nutzer Informationen über ihr Kiff-Verhalten an: wie sie am liebsten konsumieren (als Joint oder mit dem Vaporizer), wie hoch ihr Energielevel nach dem Kiffen ist (niedrig, mittel oder hoch) und auf was sie am meisten Lust haben, wenn sie high sind (rausgehen, drinbleiben, chatten, essen). So sollen Träge zu Trägen finden, Vaporizer-Fans zu Vaporizer-Fans, Fressflasher zu Fressflashern. Aber eben vor allem: Kiffer zu Kiffern.

    „High There!“ ist nicht das erste Dating-Portal für Cannabis-Konsumenten. Schon seit dem vergangenen Jahr gibt es das Portal„My420Mate“. In der Selbstbeschreibung der Seite heißt es:

    Für viele Menschen ist Cannabis ein großer Teil ihres Lebens und sie sind nicht bereit, es für einen Partner aufzugeben. Für Online-Dater kann es unangenehm sein, ein „Und...rauchst du Gras?“-Gespräch zu beginnen. Wann sollte man das tun? Wie viel Zeit sollte man in die Beziehung investieren, bevor man darüber spricht? Was, wenn du deinem potentiellen Partner erzählst, dass du Gras rauchst und er das Weite sucht? Dann hättest du deine Zeit an eine Beziehung vergeudet, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

    Der Tenor ist also: Es ist schwer, als Kiffer jemanden zu finden, der einen versteht. Darüber definiert sich auch HighThere! Dort steht in der Beschreibung, die App „löst das Problem“, indem sie dabei hilft, jemanden zu finden „der deine Entscheidung zu konsumieren versteht und unterstützt“ und „einen sicheren Ort zu finden, an dem du dich ausdrücken kannst“. Laut Erfinder Mitchem soll man mit HighThere! übrigens nicht nur potentielle Partner, sondern auch neue Freunde treffen können, oder als medizinischer Konsument andere medizinische Konsumenten, um sich auszutauschen.

    Eigentlich klingt das nach einer guten Idee, weil es immer eine gute Idee ist, Menschen mit gleichen Interessen zusammenzubringen. Und wenn es Dating-Portale für Katzenliebhaber, Furries und Trekkies gibt – warum dann nicht auch eins für Kiffer?

    Allerdings geht es ja nicht nur um gemeinsame Interessen. Hätte Todd Mitchem seinem Date gestanden, dass er ein Trekkie ist, wäre sie wahrscheinlich nicht sofort weggelaufen. Aber man kann es wohl nicht leugnen: Beziehungen, in denen ein Partner viel kifft und der andere nicht, geraten leicht in eine Schieflage. Man ist einfach zu oft auf einem unterschiedlichen Level. Das kann ein Problem sein. Und das ist wohl auch der Grund dafür, dass die Selbstdefinition von HighThere!, genauso wie die von My420Mate, weniger nach gleichen Interessen klingt als nach: gleichen Problemen. Ein bisschen nach „Wir armen, unverstandenen Kiffer!“, nach dem Gefühl, diskriminiert zu werden. Ein Nutzer schreibt in den Bewertungen: „yeah!!! welcome stoners! finally a place for us“.

    Das mag damit zu tun haben, dass der Erwerb und Besitz von Cannabis vielerorts immer noch illegal ist (HighThere! ist darum auch nur in den 23 US-Staaten verfügbar, in denen Cannabis legal oder mindestens für medizinische Zwecke zugelassen ist – an allen anderen Orten wird die App per Geotracking gesperrt) und Kiffer von weiten Teilen der Gesellschaft kriminalisiert werden. Trotzdem kann man es auch ungesund finden, wenn der Konsum von etwas einen so großen Teil der eigenen Persönlichkeit einnimmt, dass man glaubt, es nur mit jemandem aushalten zu können, der das gleiche und im gleichen Maße konsumiert. Denn dann geht es am Ende ja nicht mehr um den anderen, sondern nur noch um den Konsum. Zwar nicht gleich auf „Requiem for a Dream“-Niveau – aber dennoch ist Konsum, egal von was, zunächst immer ein nach innen gerichteter, subjektiver Akt, etwas, das man mit sich alleine macht, sich alleine zuführt. Konsum teilen, das geht eigentlich nicht – was geht ist, dabei nicht alleine zu sein. Es bleibt aber weniger ein gemeinsames Erlebnis als wenn zwei zusammen wandern gehen oder in riesigen Tierkostümen herumlaufen, also etwas nach außen Gerichtetes tun.

    Immerhin kommt in der High There!-Selbstbeschreibung nicht nur das Wort „problem“, sondern auch das Wort „fun“ vor. Dafür sind Dating-Apps nämlich hauptsächlich da: Spaß. Und dafür, den auf sehr bequemem Weg zu finden. „It’s just a way to meet other people who smoke weed“, schreibt ein besonders lakonischer Nutzer in den Kommentaren, „I live in Detroit, I can meet these types just walking out of my front door.“ Dabei ist die Idee ja, dass man dafür eben nicht mehr aus der Tür muss. Zumindest nicht, wenn man einer der Kiffer ist, die als Energielevel „niedrig“ angegeben haben.


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  • 02/10/15--23:56: Der Ausbeutung ausgeliefert
  • Es musste schnell gehen, damals im Elendshaus von Kirchtrudering. Und so ließ das Sozialreferat eigenmächtig Stromleitungen verlegen und schickte die Rechnung an den Vermieter. „Rechtlich nicht ganz koscher“ sei das gewesen, räumt Behördenchefin Brigitte Meier (SPD) ein. Nur: Es ging darum, dass Eltern für ihre Kinder Essen zubereiten können. Erst später, als tatsächlich Gefahr für Leib und Leben bestand, fühlten sich die Behörden sicher und ließen das heruntergekommene Zweifamilienhaus teilweise räumen.



    Elendshäuser sind kein Einzelfall: In ganz Bayern werden immer wieder Fälle bekannt.

    Das Elendshaus am Mitterfeld, für das noch vor wenigen Monaten 60 bis 70Menschen trotz katastrophaler Verhältnisse horrende Mieten zahlten, hat eine Diskussion darüber entfacht, welche Handhabe der Staat gegen menschenunwürdige Wohnverhältnisse hat. Meier und mit ihr die große Mehrheit des Stadtrats wünschen sich, dass die Behörden in solchen Fällen frühzeitig eingreifen können. Nicht erst, wenn die Bewohner schon in Gefahr sind.

    Das Münchner Rathaus appelliert daher an den Freistaat, verbindliche Mindeststandards für Wohnungen festzulegen: bestimmte Quadratmeterzahlen je Bewohner etwa oder die Pflicht, Strom, Heizung und Warmwasser bereitzustellen. Wohnungsaufsichtsgesetz lautet das Zauberwort, in der SPD kursiert dazu bereits ein Entwurf. Nur: Allzu große Chancen, ihn durchzubringen, bestehen nicht, das zeichnet sich bereits ab. Der zuständige Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hält das vorhandene Instrumentarium für ausreichend. Bei einem Fachgespräch im Sozialausschuss des Landtags argumentierten Herrmanns Experten denn auch gegen die Einführung neuer bürokratischer Hürden. Den Kommunen, sagte Stefan Kraus von der Obersten Baubehörde, stünden durch das Baurecht ausreichend Hebel zur Verfügung. Dort sei schließlich festgelegt, welche Räume als Wohnräume genutzt werden dürfen. Schlafplätze im Keller seien nicht genehmigt, die Behörden könnten deren Vermietung untersagen.

    Tatsächlich gibt es diverse Möglichkeiten, ausbeuterische Vermieter dranzukriegen. Einzeln vermietete Matratzen etwa machen ein Wohnhaus zur gewerblichen Herberge – das verstößt gegen die städtische Zweckentfremdungssatzung. Gesundheitsgefährdende Zustände lassen sich mit Verweis auf das Infektionsschutzgesetz ahnden. Und dann gibt es noch das Landesstraf- und Verordnungsgesetz, auf das sich die Behörden bei konkreten Gefahren für Leben und Gesundheit berufen können.

    Theoretisch können natürlich auch die Bewohner von Elendshäusern juristisch gegen Wucher vorgehen oder vom Vermieter die Reparatur defekter Installationen verlangen. Meier ist aber davon überzeugt, dass dies kaum vorkommt. Die zumeist aus Osteuropa stammenden Bewohner von Elendshäusern trauten sich gar nicht, gegen ihren Vermieter vorzugehen – aus Angst, ihre Wohnung zu verlieren. Diese Menschen hätten zumeist „keine Chance, auf dem regulären Wohnungsmarkt unterzukommen“, berichtet Meier. Allein über die Vorgaben des Baurechts lasse sich das Problem nicht lösen. Man wolle Familien vor ungeheizten, feuchten oder stromlosen Wohnungen bewahren. Meier erinnert sich gut daran, wie ihre Behörde in Kirchtrudering die Stromleitungen legen ließ: „Wir wussten damals nicht, wie die Familie über das Wochenende kommt.“

    Das dortige Elendshaus ist kein Einzelfall – im Sozialreferat sind mehrere vergleichbare Fälle bekannt. Laut Petra Kramer von der Obersten Baubehörde handelt es sich auch um „kein spezielles München-Problem“. In Vaterstetten, Nürnberg, Erlangen, Regensburg und im Landkreis Erding mussten die Behörden bereits mehrmals tätig werden. Die kommunalen Spitzenverbände wehren sich dennoch gegen ein neues Gesetz – mit Verweis auf kleine Kommunen, denen es an Personal für die Zusatzaufgabe fehle. Der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Lotte hofft nun zumindest auf einen Kompromiss. An diesem Mittwoch will seine Fraktion über den Gesetzesentwurf diskutieren. „Es wird schwer werden“, weiß Lotte. Aber das Thema sei zu wichtig, vermutlich gebe es eine „extrem hohe Dunkelziffer“.



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  • 02/11/15--00:04: Therapie hinter Gittern
  • Wegsperren ist noch immer eine beliebte Losung, wenn es um Straftäter geht. Wegsperren allein ist aber zugleich die schlechteste Lösung. Denn: Etwa acht von zehn Insassen von Justizvollzugsanstalten in Deutschland leiden unter mindestens einer psychischen Erkrankung. Vor allem die Kombination von Persönlichkeitsstörungen und Sucht ist dabei gefährlich. Sie erhöht das Risiko für eine neue Straftat, wenn die Haftzeit um ist, warnen Psychologen und Psychiater. Eine Behandlung sei hier nicht nur nötig, sondern diene auch dem Schutz der Gesellschaft. Doch nur einzelne Haftanstalten haben eine Abteilung für Psychiatrie, und nur selten kommen externe Therapeuten zur Behandlung in die Einrichtung. Doch auch für Inhaftierte ohne psychische Erkrankung fordern Experten mehr psychologische und soziotherapeutische Betreuung, um die Zahl der Rückfälle zu senken. Konservative fordern hingegen vor allem das Wegsperren. Straftäter-Therapie bringt doch nichts und kostet viel, so die gängige Argumentation.



    Wegsperren ist noch immer eine beliebte Lösung im Umgang mit Straftätern - doch Haftstrafen erhöhen das Rückfallrisiko.

    Diese kommt nicht von ungefähr. In den 1970er-Jahren veröffentlichten Forscher mehrere Übersichtsarbeiten zu Straftäter-Therapien. Ihr ernüchterndes Fazit: Nichts wirkt. 40 Jahre später sind forensische Psychologen und Psychiater allerdings deutlich optimistischer. Zu Recht.

    Die deutschen Wissenschaftler Martin Schmucker von der Universität Erlangen-Nürnberg und Friedrich Lösel, der an der University of Cambridge in Großbritannien forscht, haben vor Kurzem eine Meta-Analyse erstellt, die zeigt, dass die Therapie von Sexualstraftätern deren Rückfallrisiko um 26 Prozent senkt. Das ergeben Berechnungen aus Daten von mehr als 10000 Inhaftierten. Je nachdem, wie gut die Behandlung umgesetzt wurde und wie sauber die Studien durchgeführt wurden, gibt es auch Erhebungen, die von bis zu 50Prozent weniger Rückfällen berichten.

    „Das ist deutlich weniger, als Psychotherapie bewirkt, wenn sie außerhalb von Gefängnismauern und bei Patienten angewandt wird, die eine psychiatrische Störung aufweisen, aber keine Straftaten begangen haben“, sagt der forensische Psychiater Christian Huchzermeier vom Institut für Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Bei Gewaltstraftätern sei die Therapie ungefähr so effektiv wie das Medikament ASS, wenn es zur Vorbeugung von Erkrankungen der Herzkranzgefäße eingesetzt wird. „Trotzdem zweifelt keiner an der Wirkung des Medikaments und seiner Berechtigung in der Prävention“, sagt Huchzermeier.

    Auch gibt es Gründe, warum die Psychotherapie hinter Gittern nicht mit der außerhalb mithalten kann. „Vergleichen Sie mal den Behandlungserfolg einer leicht depressiven Patientin mit großer Familie, Freunden und finanziellem Rückhalt mit der eines Mannes, der in Haft sitzt, mittel- und arbeitslos ist, keinen Kontakt zu seiner Familie hat und dessen Freunde zum Teil auch kriminell sind“, sagt Psychologe Lösel. Zudem berge der Vollzug eine Ansteckungsgefahr: „Die Inhaftierten beeinflussen einander oft negativ, lernen zum Beispiel kriminelle Techniken, die sie nach ihrer Haft anwenden.“ Lösels Übersichtsarbeiten bestätigen: Sexualstraftäter, die innerhalb einer Gemeinde lebten und dort psychotherapeutisch betreut wurden, hatten geringere Rückfallraten als jene, die in Haft behandelt wurden.

    Dennoch: Straftäter-Therapie wirkt. Da sind sich Forscher weltweit einig. Unklar ist aber, welche Methode bei wem unter welchen Bedingungen am besten wirkt. Klar ist immerhin, dass Strafen wenig bringen. Generell erhöhen Gefängnisstrafen die Rückfallraten von Straffälligen, lange Haftstrafen umso mehr. Ein richtiger Prozess statt außergerichtlicher Verhandlungen bei minderschweren Delikten, harte Urteile und auch Entschädigungsforderungen machen eine neue Straftat ebenfalls wahrscheinlicher. Die Rückfallrate steigt dann um 14 Prozent. Auch der Versuch, jugendliche Straftäter durch ein paar Tage Haft abzuschrecken, bewirkt Studien zufolge eher das Gegenteil. Die Schock-Inhaftierten begehen ein Viertel mehr Straftaten als jene, denen die Maßnahme nicht auferlegt wurde. Auch die sogenannten Boot Camps sind nicht von Erfolg gekrönt: Durch Disziplinierung und Drill erreichen Behörden entweder nichts oder mehr Kriminalität. Bewährungsmaßnahmen und eine engmaschige Betreuung erwiesen sich hingegen als hilfreich.

    Die besten Ergebnisse erzielen jedoch die Therapien. Am effektivsten ist die chirurgische Kastration von Sexualstraftätern, die in Deutschland auf freiwilliger Basis noch erlaubt ist. Sie senkt das Risiko für neue Übergriffe bis zu 15-mal mehr als andere Behandlungsmethoden. Aber: Die Männer, die sich dazu entschließen, sind rar und meist nicht die gefährlichen. Die Methode wird heutzutage zudem weitestgehend nicht mehr angewandt. Die sogenannte chemische Kastration mit Hormonpräparaten, die den Testosteron-Spiegel senken, ist ebenfalls wirksam. Die Gefahr hierbei: Sobald der Straftäter die Medikamente absetzt, kehrt sein Hormonhaushalt wieder auf den natürlichen Level zurück. Sein Trieb kann in vollem Ausmaß zurückkehren. Durch die Präparate hat er aber nicht gelernt, ihn zu kontrollieren, warnen Experten.

    Deshalb klammern zahlreiche Forscher die beiden Ansätze in ihren Studien aus. Sie empfehlen psychosoziale Methoden, insbesondere kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren. Darin bearbeiten die Teilnehmer Denk- und Verhaltensmuster. Durch die Analysen der Tat und eigener Gedanken sollen sie erkennen, welche Eigenschaften sie zum Delikt gelenkt haben. Sie lernen zudem, mit Fantasien umzugehen, damit diese nicht mehr zu drastischen Handlungen führen.

    Besonders wirksam sind Verfahren, die das Rückfallrisiko des Täters und seine persönlichen Behandlungsbedürfnisse berücksichtigen. Sehr gefährliche Straftäter etwa brauchen längere und intensivere Therapieangebote. Manch einer hat ein Suchtproblem, das in die Kriminalität führte, ein anderer ist sehr impulsiv und hat deshalb eine Straftat begangen.

    Vier von zehn JVA-Insassen waren immerhin selbst Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch, oft in der Kindheit oder Jugend. Aufgearbeitet haben sie das meist nicht. Ebenso bedacht werden sollte: Ist der Täter minderbegabt, kann er seine Handlungen reflektieren oder braucht er vor allem praktische Übungen statt Gesprächen? Missachten Behandler die Grundsätze, riskieren sie, an den Straftätern vorbeizutherapieren und deren Rückfallrisiko sogar zu erhöhen. Je enger die Behandlung sich jedoch an den Prinzipien orientierte, umso besser waren die Ergebnisse.

    „Dabei ist es oft egal, ob ein Insasse durch Auflagen zur Behandlung gezwungen wurde oder von sich aus eine Änderung anstrebt“, sagt Friedrich Lösel. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Behandlung auch bei zunächst wenig motivierten Tätern wirken kann. Der Psychotherapeut Huchzermeier erklärt: „Man geht heute davon aus, dass der Wunsch, sich positiv zu verändern, in jedem prinzipiell angelegt ist und hervorgerufen werden kann.“ Auch bei therapieunwilligen Straftätern könne es gelingen, eine Veränderungsbereitschaft zu erwirken, wenn man spezielle psychotherapeutische Techniken zum Motivationsaufbau einsetzt.

    In Deutschland verlangt seit 1998 ein Gesetz, dass Gewalt- und Sexualstraftäter mit einer Gefängnisstrafe von mehr als zwei Jahren eine Therapie machen müssen. Es gibt zudem sozialtherapeutische Anstalten, in die sich JVA-Insassen verlegen lassen können. Für Straftäter, die während der Tat wegen einer psychischen Erkrankung nicht zurechnungsfähig waren, gibt es speziell gesicherte Psychiatrien, den Maßregelvollzug. Erreicht werden damit allerdings noch lange nicht alle. Die Leiter der Psychotherapeutischen Fachambulanzen Nürnberg, München und Würzburg, die Sexualstraftäter ambulant behandeln, berichten, dass vier von zehn ihrer Patienten in Haft keinerlei Therapie erhalten hätten.

    Forschern und Therapeuten ist der Status quo in Deutschland nicht genug. „Strafen laufen ab. Etwa 99 Prozent der Inhaftierten kommen irgendwann auch wieder heraus. Dann ist die Frage: behandelt oder nicht?“, sagt der forensische Psychiater Frank Urbaniok, Leiter des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes (PPD) im Amt für Justizvollzug im Schweizer Kanton Zürich und Forscher an der Universität Konstanz. Klar sei: Von allein ändere sich ein Straftäter in Haft selten. Urbaniok fordert daher, dass bereits zum Gerichtsprozess Gutachten in Auftrag gegeben werden, die das Risiko eines Täters untersuchen. Bislang wird das hierzulande am Ende der Haftzeit oder vor Lockerungsmaßnahmen geprüft. Wer zur Verhandlung ein mittleres oder hohes Rückfallrisiko habe, müsse in Haft an einer Therapie teilnehmen, wenn dadurch die Gefahr eines weiteren Deliktes gesenkt werden könne. Der PPD in der Schweiz mache mit einem solchen Vorgehen gute Erfahrungen. Die Rückfallraten von Urbanioks Therapieteilnehmern sind um bis zu 80 Prozent niedriger als die von nicht behandelten Straftätern.

    Huchzermeier sieht das ähnlich: „Meine Utopie ist, dass die JVA keine reine Verwahranstalt mehr ist, sondern alle Vollzugseinrichtungen therapeutische Angebote machen, in denen Psychiater und Psychologen, Sozialarbeiter, aber auch die JVA-Bediensteten an der prosozialen Entwicklung der Straftäter mitwirken.“ Wir lebten dann in einer hochdifferenzierten Gesellschaft, die delinquente Personen nicht nur ausgrenzt, sondern sich Gedanken macht, wie Straftäter wieder ins normale Leben einbezogen werden können.

    Bleibt schließlich die größte Sorge von Therapiegegnern: die Kosten. Die Sorge ist unberechtigt: US-Forscher haben kalkuliert, dass jeder Dollar, der in eine wirksame Behandlung gesteckt wird, dem Staat 7,55 Dollar erspart.



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  • 02/11/15--00:12: Das neue Bio
  • Für die einen ist es eine Lebenseinstellung. Für die anderen einfach nur ein gutes Geschäft: Vegane Ernährung liegt im Trend, immer mehr Menschen steigen auf rein pflanzliche Kost um. Verzicht üben muss dabei heute niemand mehr. In den Filialen der ersten rein veganen Supermarktkette Veganz etwa mangelt es an nichts. Wer die Läden betritt, taucht ein in eine Warenwelt, die einige Überraschungen zu bieten hat. Dazu gehört etwa die echt wirkende Pute im Gefrierschrank für gut 50 Euro, die nach Angaben des US-Herstellers unter anderem aus Soja, Pflanzenstärke und Zucker modelliert wurde. Selbst für Haustiere ist gesorgt: Einen Gang weiter gibt es eine Auswahl an pflanzlichem Hundefutter.



    In Frankfurt gibt es mit 'Veganz' einen Supermarkt in dem rund 6000 rein pflanzliche Artikel verkauft werden.

    Vegane Produkte sind längst mehr als einfach nur Nischenartikel. Dem will nun auch die Messe Biofach gerecht werden, die an diesem Mittwoch in Nürnberg beginnt und als einer der wichtigsten Treffpunkte der internationalen Ökoszene gilt. Erstmals gibt es dort in diesem Jahr eine Sonderschau, die sich dem völlig tierfreien Konsum widmet, mehr als 730 Aussteller stellen vegane Produkte vor.

    Die Nachfrage ist groß. Sojamilch, Tofuwürstchen und andere vegane Produkte landen immer häufiger im Einkaufswagen. Das schlägt sich auch in den Branchenzahlen nieder. Der Umsatz wächst rasant, seit 2010 mit jährlichen Zuwachsraten, die im Schnitt bei 17 Prozent liegen, wie der Datenanbieter Statista angibt. Der Umsatz mit vegan deklarierten Artikeln – darunter fallen etwa auch Kosmetika, Kleidung und vegane Blumenerde – wird inzwischen auf mehr als 700 Millionen Euro im Jahr geschätzt. Zum Vergleich: Der gesamte deutsche Biomarkt legte 2014 um fünf Prozent auf knapp acht Milliarden Euro zu.

    Veganes und vegetarisches Essen sei der nächste große Trend in der Biobranche, erwartet der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Auch beim Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) zeigt man sich beeindruckt. „Mit diesen Wachstumsraten wird der vegane Trend auch für den konventionellen Handel interessant“, sagt ein Sprecher. Er vermutet, dass wachsende Kritik an der Tierhaltung dazu beigetragen hat.

    Zugleich warnt der Handelsverband aber davor, den Boom zu überschätzen. Nach wie vor sei die Zahl der Veganer in Deutschland relativ gering. Das bestätigt auch eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Yougov. Nur 1,1 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich überwiegend vegan ernähren. Dagegen bekannten sich 88 Prozent zu regelmäßigem Fleischkonsum. Studien zeigen zudem: der typische Veganer ist weiblich und hat studiert. Fest steht aber auch, dass das vegane Leben ganz schön teuer werden kann. Ein 500-Gramm-Becher Eis kostet bei Veganz fünf Euro und mehr. Veganes Shampoo oder Duschgeld ist bis zu vier Mal teuerer als ein konventionelles Produkt.

    Die großen Handelskonzerne, selbst Aldi und Lidl, haben mittlerweile erkannt, dass sich mit der veganen Lebensphilosophie gutes Geld verdienen lässt. Alle bieten zumindest ein kleines Sortiment an, und das wird stetig ausgebaut. „Wir beobachten eine steigende Nachfrage, auf die wir uns bewusst einstellen“, sagt ein Rewe-Sprecher. Mit der Ausweitung des Angebots steige auch der Umsatz dieser jungen Warengruppe. Konkurrent Edeka geht noch einen Schritt weiter, mit einer neuen Eigenmarke für Fleischersatzprodukte, die nicht nur vegetarischen, sondern auch veganen Standards entsprechen soll.

    Einer, der den Trend frühzeitig erkannt hat, ist der ehemalige Daimler-Manager Jan Bredack, der 2011 Veganz, die erste rein vegane Supermarktkette in Europa, gegründet hat. Seine Vision: „Wir wollen verändern, mitreißen, animieren und die Menschen zum Nachdenken bringen.“ Der Erfolg gibt ihm recht. Inzwischen betreibt die Firma neun Geschäfte in Deutschland, Österreich und Tschechien. Bis Ende 2015 sind europaweit 21 Filialen geplant.

    Verbraucherschützer verfolgen den Boom mit gemischten Gefühlen. Susanne Moritz von der Verbraucherzentrale Bayern kritisiert, dass viele vegane Fertigprodukte stark verändert seien. „Um die gewünschte Konsistenz und das Aussehen zu erreichen, werden viele Zusatzstoffe, Aromastoffe und andere Hilfsmittel eingesetzt. Mit naturbelassener Ernährung hat das wenig zu tun.“ Hinzu komme, dass es keine strengen Herstellungsrichtlinien gebe, wie für Bioprodukte. Vegane Produkte sind mit einem „V“ gekennzeichnet. Das bedeute jedoch nicht, dass sie automatisch auch bio seien. Ein weiteres Manko sieht die Verbraucherschützerin in den Angaben auf den Verpackungen. Viele der veganen Produkte kommen aus dem Ausland, weil das inländische Angebot fehlt. „Wir stellen fest, das immer wieder Erklärungen auf Deutsch fehlen, das ist nach EU-Recht nicht erlaubt.“ Außerdem fragt sie sich, „wo der Nachhaltigkeitsgedanke bleibt, wenn Waren um die halbe Welt transportiert werden müssen“.


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    16:00 Uhr: So, liebe Friendos - ich muss dann mal wieder! Übergebe hier an die Herren von der Spätschicht, die euch in Kürze noch mit Content der Güteklasse A+ versorgen werden. 

    Ich hüpf dann mal los in die Kälte, bis bald, ihr Schnurzel!

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    +++

    15:30 Uhr:
     Eine Meldung aus der Reihe "zu gut, um wahr zu sein": Ein Londoner Techno-DJ nimmt versehentlich einen leeren USB-Stick mit in den Club. Und legt dann fünf Stunden lang denselben Beat auf. Und keiner merkt's. 

    Ist natürlich nur Satire. Auf diesem Weg ein Tipp: Wunderground ist eine Art "Postillon" für Clubmusik- und Drogen-Themen. Schon witzig! 

    +++


    Punkt 15:20 Uhr - und worauf hätte ich jetzt maximalen Megamultibock? Natürlich auf ein Bad in Bällen. Und damit bin ich nicht allein.

    Says Nadja Schlüter: Rein da!






    +++

    13:30 Uhr:
    So, Freunde, weiter geht's - ich jongliere heute so nebenbei den Tagesblog mit, deshalb die leichte Verschwiegenheit hier heute... 

    [plugin imagelink link="http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ja/jan-stremmel/text/regular/1034660.jpg" imagesrc="http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ja/jan-stremmel/text/regular/1034660.jpg"]

    NEUER CONTENT, GEILER CONTENT:

    Powerpraktikantin Lucia hat bemerkt: Die Menschen in ihrer Facebook-Timeline teilen auffallend oft sehr ähnliche Dinge. Eine Gruppe Mädels teilt grundsätzlich NUR Giftwarnungen in chinesischem Kinderspielzeug. Dutzende Jungs posten kaum was anderes als Sportvideos. Es ist wohl so: Auf Facebook will jeder ein kleiner Experte sein. Für Politik-News, Fail-Videos oder Fotokunst. Also haben wir eine Typologie draus geschnitzt. Wir nennen sie die Typologie der geilen Teiler. Das Ergebnis gibt's hier!



    +++

    9:50 Uhr:
    Und hier bin ich, Jansenmeier, was geht bei euch heute so? In der Welt geht heute folgendes:

    - Man schaut hoffnungsvoll nach Minsk, wo heute Abend Merkel, Hollande, Putin und Poroschenko zum Friedensgipfel zusammenkommen. Wird es einen Waffenstillstand geben? 

    - Jon Stewart hört auf - hier ein guter Text vom SZ-Kollegen, der erklärt, warum Stewarts "Daily Show" für junge Amerikaner wichtiger war als jede Tageszeitung.

    - Die Angriffe auf Flüchtlingsheime in Deutschland nehmen stark zu. Von 2012 bis 2014 hat sich die Zahl versechsfacht.  

    - Negative Zinsen, wohin mit dem Geld? In der FAZ schreibt heute Claudius Seidl: Heult nicht lang rum - haut das Zeug einfach raus! 

    +++

    9:29 Uhr:
    Als Jan vorhin erfahren hat, dass er heute den Tagesblog befüllen muss, hat er übrigens in etwa so geschaut:
    [plugin imagelink link="https://www.audubon.org/sites/default/files/styles/bean_wysiwyg_full_width/public/PSLongEaredOwl1.jpg?itok=c__riHZN" imagesrc="https://www.audubon.org/sites/default/files/styles/bean_wysiwyg_full_width/public/PSLongEaredOwl1.jpg?itok=c__riHZN"]

    Im Ernst: Ich bin vorhin auf diesen Text über Eulenfotos gestoßen. Und irgendwie dran hängen geblieben. Wegen der vielen, wirklich krass guten Eurlenporträts (ja, da muss man echt "Porträts" sagen) und weil der Fotograf in dem Text etwas sehr Interessantes über seine Arbeit sagt: Eulen seien die Tiere, bei denen es am schwersten ist, sie zu einem Blick in die Kamera zu bewegen. Viel schwerer als zum Beispiel als bei einem Nashorn.

    ++++

    9:17 Uhr:
    Guten Morgen. Wir haben ein bisschen Verspätung heute, weil das Grippe-Karussell sich im Modus "Extraschnelle Bonusrunde" dreht und unser eigentlich eingeplanter Tagesblogger Simon leider krank ist. Später übernimmt Jan, der muss aber erst noch wach werden. Bis dahin unterhalte ich euch hier: Chris.

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  • 02/11/15--00:19: Noch reicher
  • Die Superreichen in Deutschland verfügen über viel mehr Geld als bisher angenommen. Wegen statistischer Ungenauigkeiten wird das Vermögen der Multimillionäre und Milliardäre gar nicht oder kaum erfasst, zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die der SZ vorliegt. Die Forscher haben diese Ungenauigkeit mit einer neuen Methode verringert. Die Folge: Sie schätzen, dass das Gesamtvermögen der Deutschen bis zu 9,3 Billionen Euro beträgt; das sind drei Billionen Euro mehr, als bei der letzten amtlichen Erhebung im Jahr 2012 ermittelt.



    Und noch ein Täschchen: Wofür die Superreichen ihr Geld ausgeben und wie viel sie überhaupt noch besitzen, ist statistisch schwierig zu erfassen.

    Auch die Verteilung des Vermögens zwischen den Superreichen und den Normalbürgern verändert sich drastisch. „Die reichsten Deutschen verfügen über einen deutlich größeren Anteil am Gesamtvermögen der Deutschen als bisher geschätzt“, sagt DIW-Forscher Markus M. Grabka, einer der beiden Autoren der Studie, die im Auftrag der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung erstellt wurde. So gehören den 0,1 Prozent der reichsten deutschen Haushalte 14 bis 16 Prozent des Gesamtvermögens. Das ist dreimal so viel wie jene fünf Prozent, von denen die Statistiker bisher ausgingen. Der Anteil des reichsten Prozents der Deutschen steigt von bisher angenommenen 18 Prozent auf 31 bis 34 Prozent; ihnen gehört also ein Drittel des Gesamtvermögens. Und die reichsten zehn Prozent der deutschen Haushalte vereinigen sogar 63 bis 74 Prozent des Gesamtvermögens auf sich, ermittelten die DIW-Forscher; bisher war man von lediglich 60 Prozent ausgegangen.

    „Auch unsere Schätzungen sind mit Unsicherheiten behaftet“, räumt Forscher Grabka ein. Deshalb habe man zwei Szenarien entworfen, die zu verschiedenen Prozentzahlen führen. Aus diesem Grund seien die eigenen Ergebnisse in Spannen angegeben. „Wir sind aber davon überzeugt, dass unsere Methode der Realität der Vermögensverteilung in Deutschland viel näher kommt als die bisher verwendete.“

    Das Vermögen der Deutschen wird alle drei Jahre vom sogenannten sozio-oekonomischen Panel ermittelt. Das ist eine telefonische Befragung von 25000 zufällig ausgewählten Bundesbürgern. „Es ist unwahrscheinlich, dass dabei ein Milliardär ausgewählt wird, und wenn er ausgewählt wird, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er keine Auskunft gibt“, sagt Grabka. Daher sei die Statistik in Deutschland deutlich verzerrt. Sie erfasse einen großen Teil der Superreichen nicht; dabei balle sich gerade in ihren Händen das Vermögen.

    Hinzu kommt ein anderes Problem: In Deutschland lassen sich die Angaben der befragten Bundesbürger nicht mit Steuerdaten kombinieren. Denn die Vermögenssteuer, die Aufschluss über die Verteilung von Vermögen geben könnte, wurde 1997 abgeschafft. In anderen Ländern, zum Beispiel den USA, gibt es die Steuer dagegen noch, weshalb die Daten zur Vermögensverteilung dort zuverlässiger sind.

    Die DIW-Forscher haben in einem aufwendigen Verfahren nun eine neue Methode angewandt. Dabei griffen sie zunächst auf die verfügbaren Daten des US-Wirtschaftsmagazins Forbes zurück. In der Forbes-Liste der Reichen waren im Jahr 2013 mehr als 50 Deutsche mit einem Vermögen von mindestens einer Milliarde Dollar aufgeführt. Diese Angaben kombinierten die Forscher mit einem statistischen Verfahren, wonach der oberste Rand der Vermögensverteilung einer bestimmten Struktur folgt. „Daraus konnten wir ableiten, wie die Statistik aussehen würde, wenn die Reichsten der Reichen befragt worden wären“, sagt Grabka. Zum einen ergibt sich daraus, dass das Gesamtvermögen der Deutschen viel höher ist – zum anderen, dass ein viel größerer Teil des Vermögens in weniger Händen liegt.

    Auch diese Rechnung sei mit Vorsicht zu genießen, sagt der DIW-Forscher, schließlich gebe es keine amtlichen Steuerdaten, es handle sich nach wie vor um eine Schätzung, aber: „Es gibt derzeit in Deutschland nichts Besseres.“



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  • 02/11/15--00:30: Lückenbüßer-Polizei
  • Es gibt eine feste Adresse in Deutschland für die Rechte des Bundestags, und das hat nicht nur mit Zuständigkeiten zu tun. Immer wieder hat das Bundesverfassungsgericht, Schlossbezirk 3, Karlsruhe, dem Parlament starke Beteiligungs- und Informationsrechte gegenüber der strukturell überlegenen Bundesregierung zuerkannt, vom Auslandseinsatz bis zur Euro-Krise. Am Dienstag hat der Zweite Senat über eine Klage der Bundestagsfraktion der Linken gegen eine aus ihrer Sicht unzureichende Antwort auf eine kleine Anfrage zur Rolle der Bundespolizei bei Großeinsätzen verhandelt.



    Bundespolizisten werden häufig bei Demonstrationen oder Fußballspielen eingesetzt. Bei Großlagen stellen sie bis zu 20 Prozent  der Polizeikräfte.

    Es geht also um das Paradeinstrument der Opposition, weil sie die Regierung damit zur öffentlichen Antwort auf heikle Fragen zwingen kann – in Zeiten der großen Koalition ist das wichtiger denn je. Und der Gegenstand der Anfrage könnte, kurz nach den Polizeieinsätzen anlässlich der Dresdner Pegida-Demonstrationen, kaum aktueller sein. Die Linke wollte sich über Einzelheiten der Beteiligung der Bundespolizei an Großeinsätzen kundig machen. Anlass waren eine Demonstration am 1. Mai 2011 in Berlin sowie eine Kundgebung am 19. Februar 2011 in Dresden zum Jahrestag der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg – mit 20 000 Gegendemonstranten. Doch die Bundesregierung ließ viele Fragen unbeantwortet: Zuständig seien die Länder, die Bundespolizei sei dort nur unterstützend tätig geworden. Das Recht zur parlamentarischen Kontrolle müsse deshalb von den Landtagen wahrgenommen werden, sagte Innenstaatssekretär Ole Schröder in Karlsruhe. Rechtsanwalt Wolfgang Ewer, der die Linksfraktion vertritt, wollte dagegen den Part der Parlamentarier nicht auf die bloße Kontrolle reduziert sehen. Als Gesetzgeber hätten sie einen „Mitgestaltungsauftrag“, für dessen Erfüllung sie auf die Ressourcen der Bundesregierung zurückgreifen müssen.

    Mehrere hochrangige Polizeipraktiker versicherten dem Gericht, dass die Bundespolizei in die Rolle des reinen Befehlsempfängers schlüpft, sobald sie im Landesauftrag tätig wird. Ob die Demonstration aufgelöst werde, ob Pfefferspray oder Wasserwerfer eingesetzt würden – all dies entscheide der Einsatzleiter der Landespolizei, sagte Carl-Ulrich Stoltz, Leitender Polizeidirektor bei der Bundespolizei.

    Dass sich dennoch die Frage nach einer „parlamentarischen Kontrolllücke“ stellt, machte Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle freilich vor dem Hintergrund einer grundsätzlichen Entwicklung deutlich. Die Aufgabe der Bundespolizei bestehe ja inzwischen zu einem großen Teil in Einsätzen bei Demonstrationen oder Bundesligaspielen. Müsse das nicht doch irgendwie vom Bundestag kontrollierbar sein? Michael Zorn, Chef der niedersächsischen Bereitschaftspolizei, berichtete, es gebe in einigen Ländern „Überlegungen“ zur Reduzierung der kostspieligen Bereitschaftspolizei. Bei „Großlagen“ stelle die Bundespolizei schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Kräfte. Zu den Nöten kleiner Länder konnte Verfassungsrichter Peter Müller eine Episode aus seinem „früheren Leben“ als saarländischer Ministerpräsident beisteuern. Das Saarland habe einst ein Abkommen mit Luxemburg zur Bereitstellung von Polizeihubschraubern geschlossen – um hinterher festzustellen, dass das Saarland gar keine Hubschrauber habe.

    Wie häufig Beamte des Bundes in den Ländern als Lückenbüßer einspringen, zeigt auch die stattliche Zahl von 75 Unterstützungseinsätzen im Jahr 2014. Zweifellos ein politisch interessantes Feld für künftige Anfragen. Ein Urteil wird in einigen Monaten verkündet. In Karlsruhe, Schlossbezirk 3.


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  • 02/11/15--03:43: Teilweise geil!
  • Das Aphorismen-Bild







    Typischer Post:

    Ein Foto von einem Sonnenuntergang am Meer. Oder einem Regenbogen. Aber meistens einem Sonnenuntergang am Meer. Darüber steht in stark serifenhafter Schrift: "WENN DU AUFGIBST, WIRST DU NIE ERFAHREN, OB DU NICHT DOCH ANS ZIEL GEKOMMEN WÄRST." Eine Zeile darunter steht entweder "- unbekannt" oder "- Audrey Hepburn".

    Der Satz dazu:
    "So true." Oder gar keiner. Schließlich sagt das Zitat doch alles, oder? 

    Die Teilerin:
    Hat ihr Facebook-Profil sehr gewissenhaft ausgefüllt. Dort erfährt man fast alles über sie, von "Lieblingsbücher" bis hin zur Grundschule ("Volksschule Herbertshausen, class of 1995"). Nie bricht sie zu einem Wochenendausflug auf, ohne den Satz "Servus München!" und ein Foto aus dem Regionalzugfenster zu posten. Was sich nicht in biografischen Details und Likes ausdrücken lässt, kommuniziert sie über Aphorismen der Seiten "Inspirational Quotes" und "Love Quotes and positive Sayings". Facebook ist für sie ein Mädelsstammtisch und da sagt man doch auch, was einen so bewegt.

    Diese Leute liken es:
    Vera, Clara und Laura aus dem Hauptseminar. Die ahnen schon: Der Spruch "Fall in love when you're ready, not when you're lonely" kann nur eines bedeuten: Robert hat mal wieder Schluss gemacht.

    Das steht drunter:
    Clara: "Awww, Maus! Du bist so tapfer! <3<3<3"

    Das steht leider nicht drunter:
    "Awww, Mädchen! Schon mal was von Oversharing gehört?!"

    [seitenumbruch]

    Der gesuchte Fahrraddieb






    Typischer Post: 
    Ein verlinkter Artikel aus dem Gimmelsbacher Anzeiger: "Fahrrad-Diebstahl! Ein beiges Damenrad mit Korb wurde am Samstagnachmittag vor Rudi’s Daunenstudio entwendet. Über Hinweise aus der Bevölkerung freut sich Ihre Polizei unter Tel. 351." Dazu das Foto einer betroffen blickenden Frau mittleren Alters, die auf einen leeren Fleck vor der Tür des Daunenstudios zeigt. 
     
    Der Satz dazu:
    "Den Kerl muss doch einer erwischen!"

    Der Teiler:
    Ist Ende Vierzig, lebt im Speckgürtel einer Stadt mit Marktplatz und ist von den sozialen Netzwerken fasziniert. So richtig weiß er noch nicht, womit genau er sich darin beteiligen kann - daher versucht er es einfach mit regionalen Meldungen, die ihn persönlich ansprechen.

    Diese Leute liken es:
    Rudi, der Inhaber des Gimmelsbacher Daunenstudios. Und Botho, der den Post eigentlich teilen wollte, aber versehentlich auf den "Gefällt mir"-Button geraten ist.

    Das steht drunter:
     
    Botho: "Gefällt mir NICHT!!"


    Das steht leider nicht drunter:
    "Ach, Papa."


    [seitenumbruch]

    Der unwahrscheinliche Freistoß







    Typischer Post:

    Ein wackeliger TV-Mitschnitt eines chilenischen Drittliga-Derbys von vor drei Jahren. Die dusselige Angreifermannschaft tändelt den Ball nach einem Eckstoß sechsmal hintereinander an den Pfosten, bevor einer stolpert und den Ball versehentlich mit der Hüfte über die Torlinie schiebt. Dann jubeln alle wie irre.

    Der Satz dazu:
    "LÖÖL" oder "Schade, dass das Transferfenster schon zu ist, @FCBayern! :-D"

    Der Teiler:
    War früher ein großer Fan von "Bitte lächeln". Deshalb ist er bis heute ein großer Fan von allem, was innerhalb von fünf Sekunden einen Lachreiz setzt: Unerwartete Fürze, "Game of Thrones"-Memes, russische Dashcam-Videos von Verkehrsunfällen mit Ziegen. Facebook ist ein unendlicher Quell der Schadenfreude, sollen sich die anderen doch mal locker machen. Niveau ist schließlich keine Handcreme, hahaha!

    Diese Leute liken es:
    Tim, Torben und Tommy aus dem Sport-Leistungskurs, außerdem 41 Leute, deren Namen der Teiler nur von Facebook kennt. Weil eigentlich kennt er die meisten seiner Kontakte dort gar nicht persönlich.

    Das steht drunter:
    Tommy: "ahaha, erinnert mich an deine besten zeiten beim sc grafenau!!!"

    Das steht leider nicht drunter:
    "Wer bist du, was soll ständig dieser schadenfrohe Mist und wo kann man nochmal User blockieren?!" 
    [seitenumbruch]

    Der Giftfund


     



     
    Typischer Post: 
    Ein Link zum Artikel "Rückruf! Aluminiumphosphat in Hally-Happy-Windeln!" auf cleankids.de. In alarmistischem Tonfall warnt der Eintrag vor einem Produkt, bei dem man irgendeinen tschechischen Zulieferer mit "ganz eklatanten" Sicherheitsmängeln erwischt hat. Weshalb möglicherweise eine ganze Charge von Babybrei, Augentropfen oder Schinkenwürfeln mit Gift belastet ist.

    Der Satz dazu:
    "Ich glaub‘s nicht... Von wegen kindgerechtes Spielzeug!"

    Die Teilerin: 
    Ist eine jüngere Frau, häufig Mutter, in ernsteren Fällen: von Zwillingen. Schon im Studium (irgendein Fach, das mit "-logie" endet) warnte sie vor Aluminiumsalzen im Deo. Dafür erntete sie böse Witze, in denen "Körpergeruch" und "Achselhaare" vorkamen. Seit nun jeder Basic-Heini ein Weleda-Deo benutzt, freut sie sich insgeheim, dass sie recht behalten hat. Sie kämpft also von daheim aus für das Gute, immer im Wissen, dass es ihr "später schon noch alle danken" werden.

    Diese Leute liken es:
    Jutta, Heike und Lari aus der privaten Waldorf-Krabbelgruppe "Die Purzelbären". Aber auch "Lucky" Ganesh aus Rajastan, den sie von der letzten Indienreise aus dem Internetcafe kennt. Er liked aus Prinzip alles.

    Das steht drunter:
    Jutta: "Danke Liebes, für die Info! Bei mir kommen aus Prinzip gar keine Plastikschnuller mehr ins Haus. Die von Terra Natura sind aber leider auch nicht besser: (Gegenpost mit weiterem Giftfund)"
    Ganesh: "Long no see! Always smiling soooo nicely!"

    Das steht leider nicht drunter: 
    "Wein halt." 

     


    [seitenumbruch]
     Der Wirtschafts-Essay






    Typischer Post:
    Ein Blogeintrag des Economist mit dem Titel: "Why Syriza’s victory shows us how hard it is to fight the deflationary vortex that’s dragging down ... see more" Weiter liest aber eh keiner. Ist ja alles auf Englisch.



    Der Satz dazu:
    "Great analysis, except for the deflationary hypothesis, how about you @Ralf and @Martina?"

    Der Teiler:
    Studiert im Fachbereich Internationale Beziehungen, dafür muss man viel lesen. Auf Englisch. Und beim Lesen stößt der Teiler naturgemäß auf viel Interessantes. Interessant heißt bei ihm immer: "spannend". Den Essay von Paul Krugman in der New York Times über die Zerreißprobe der Republikaner – spannend! Die Geo-Visualisierung von islamistischen Tweets während der Charlie-Hebdo-Attacke – sehr spannend! Die Vorabmeldung zum Oxfam-Jahresbericht – hochspannend! Er sieht sich als eine Art postmoderner Herold, der das Licht der Aufklärung in die Filterbubble seines medienverdrossenen Freundeskreises bringt. Katzen- und Freistoß-Videos gibt es schließlich schon genug!

    Diese Leute liken es:
    Niemand. Außer Ralf und Martina (aus dem Fachbereich Internationale Beziehungen). Die müssen ja.

    Das steht drunter:
    Ralf: "Nice analysis, however I strongly suspect the relative strength of opposition will very likely ... see more"

    Das steht leider nicht drunter:
    "Warum schreibt ihr eigentlich auf Englisch?" 



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  • 02/11/15--06:17: Rein da!
  • In der amerikanischen Familien-Restaurantkette „Chuck E. Cheese“ gab es Bällebäder für Kinder. Aus denen haben einzelne Kinder immer wieder einzelne Bälle gestohlen – so viele einzelne Bälle, dass die Bäder dauernd zu leer waren, um noch benutzt werden zu können. Chuck E. Cheese hat die Bällebäder darum abgeschafft.

    Diese kleine Geschichte steht im Wikipedia-Artikel „Ball pit“ und ist genau so wie Bällebäder sind: ein bisschen lustig, ein bisschen niedlich und auch irgendwie albern. Das wird gerade wieder besonders deutlich, weil Bällebäder eine Art Renaissance erleben. Ende Januar ging ein Video viral, in dem ein Youtube-Prankster das Haus einer Familie mit einer Viertelmillion Plastikkugeln füllt, um die Freundin des Hausbesitzers zu erschrecken. Bevor die nach Hause kommt, tollen alle Anwesenden, erwachsene Männer und kleine Jungs, sehr ausgelassen in den Bällen herum. Das Video wurde mehr als 24 Millionen Mal angeschaut, die User kommentieren „THIS WOULD BE A DREAM COME TRUE!“ und „if I had the money I would 100% do this!“


    http://www.youtube.com/watch?v=7t0EtKlQxyo


    Ein Collegestudent in den USA hat seine Wohnung kürzlich ebenfalls in ein Bällebad verwandelt. Und seit einigen Tagen wird außerdem die Meldung herumgereicht, dass ein Designbüro aus London ein Bällebad für Erwachsene eröffnet hat, für einen guten Zweck: Pro Besucher spendet die Firma ein Pfund an eine Organisation, die mit Sportaktivitäten und Spielen Kinder in Armut und Krisenregionen unterstützt. Die Nachfrage ist riesig, die Badezeiten für Besucher sind schon komplett ausgebucht.

    Mit dem Småland fing es an – Google und die Piratenpartei machten weiter

    Das ist deswegen so kurios, weil man ja bisher als Erwachsener eigentlich nicht in Bällen gebadet hat – man hat bloß Scherze darüber gemacht. Fast jeder, der mal mit Freunden in einer Filiale dieser großen schwedischen Möbelhauskette war, hat schon mal folgenden Witz gehört: „Ich bleibe im Småland, ihr könnt mich da später im Bällebad abholen!“ Das Bällebad ist eine Art Running Gag, um eine Vorstellung absoluter Albernheit zu erzeugen. Man muss ja doch jedes Mal lachen, wenn man sich Freund X mit Chelsea Boots und schwarzem Hemd bekleidet in einem bunten Kugelmeer vorstellt. Aber: Ein Raum oder ein Haus voller Bälle wird zwar gerne als „Traum jedes Kindes“ bezeichnet – scheint aber insgeheim auch der Traum vieler Erwachsener zu sein. Dass man das jetzt so euphorisch und öffentlich zeigen darf, anstatt nur Scherze darüber zu machen, liegt wahrscheinlich an der von Google in die Arbeitswelt getragenen Idee, dass man sehr viel effektiver und kreativer sein könne, wenn man sich zwischendurch austoben darf. Darum gleichen Google-Büros seit einigen Jahren großen Spielplätzen. Und das Bällebad selbst hat es sogar in den noch ernsteren Politikbetrieb geschafft: Die Piratenpartei installierte eines auf ihrer „FlauschCon“, dem Parteitreffen für einen besseren Umgang miteinander, und setzte sich dafür ein, dass es auch bei sämtlichen Parteitagen genutzt werden kann.

    Bällebäder sind der ultimative Spielplatz: völlig angezogen irgendwo reinspringen und dort wühlen, strampeln, werfen, untertauchen, ohne nass oder schmutzig zu werden oder sich wehzutun, ohne sich koordiniert bewegen zu müssen. Wie Dagobert Duck im Geldspeicher. Das stellt man sich ungemein entspannend und befreiend vor. Und diese Mischung aus Ausgelassenheit und Albernheit passt ja sehr gut zu der in den letzten Jahren sehr in Mode gekommenen, halb ironischen, immer ein bisschen überzogenen „Arbeit ist nicht mal das halbe Leben“-Haltung der Menschen unter 30. Bällebäder sind wie Glitzerschminke und Konfetti, wie bunte Sonnenbrillen und Mottopartys: aus dem Kinderkosmos hinübergerettete, harmlose Details, die man auf keinen Fall ernst nehmen darf. Ein Befehl zum Spaßhaben. Ein eindeutiges Zeichen für: „Ab jetzt nur noch Quatsch! Wehe dem, der jetzt was über Steuererklärungen sagt!“ Das mögen die Menschen gerade sehr. Und darum wird es sicher bald noch mehr Bällebäder geben, auf irgendwelchen sehr hippen Partys in großen Städten. Und Hüpfburgen wahrscheinlich auch.

    (Und sollte irgendjemand dort dann keinen Spaß haben, muss der Befehl lauten: „ADD MORE BALLS!“)
    http://www.youtube.com/watch?v=ghnhVj8Ymm0


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