und wenn ich jetzt falle, wer fängt mich dann auf?
Irgendwo zwischendrin stehe ich manchmal. Zwischen meinen beiden Welten. Und zwischen all den Menschen. Manche machen mir Platz, dass ich durch gehen kann. Wohin auch immer. Manche versperren mir den Weg oder lassen mich stolpern.
Und während ich mich umsehe, strauchele, kommen mir Zweifel und Ängste und all diese blöden Dinge in den Sinn, die man schon als Kind hatte. Die Ängste verändern sich, aber sie bleiben. Immer wieder Angst vor anderen Dingen zu haben. Vor Verlusten. Vor Katastrophen die herein brechen (könnten). Ins eigene Leben. Weil man schon genügend erlebt hat. Erleben musste.
An mir rennen nicht nur die Menschen vorbei. Die Zeit. Die Erlebnisse. Die guten Zeiten. Die schlechten Zeiten. Die besonderen Momente. Und die Katastrophen. All das vergeht. Schnell. Zu schnell.
Das alles einzufangen zu können ist alles andere als leicht. Aber es ist schön. Das Leben ist schön. Das Leben ist einfangen, einsortieren und gut zu verstauen. Die bösen Sachen weit nach hinten, die guten nach vorne, damit man sie immer wieder rausholen kann. In Situationen, in denen man sich unwohl fühlt oder traurig ist.
Die Gesellschaft redet einem fast ein, dass man ein Psychofall ist, wenn man mal melancholisch ist oder einer Sache sehr hinterher trauert. Das ist Tagesformabhängig, auch Phasenabhängig. Mal sind wir total gut drauf, aus keinem besonderen Grund - wir genießen das jetzt und hier - wie man es eigentlich tun sollte. Wir sind glücklich. Mit den kleinen Dingen.
Und dann gibt es wiederum Tage, an denen die kleinen Dinge nicht auszureichen scheinen und die großen weit entfernt sind, denken wir. Wir sind so unglücklich mit allem, finden nichts ok und ersticken fast in Selbstmitleid.
Meiner Meinung darf man sich aber diese Phasen - seien es die guten oder die schlechten - rausnehmen, sie durchleben. Bewusst traurig sein, bewusst glücklich sein. Sich nicht zu sehr von anderen beeinflussen lassen, vor allem nicht von der Jammergesellschaft. Auch nicht von Freunden. Nicht zu viel von den Gefühlen preis geben, anfangs. Erst mal selbst auf den Punkt kommen. Wir teilen gerne alles. Und jedes Wort. Aber manchmal ist es besser, nicht zu teilen. Die Gedanken bei sich zu lassen. Bewusst bei sich zu lassen. Ohne sich zu belasten, im Gegenteil. Sich dann irgendwann davon befreien können.
Die Befreiung schlägt bei uns durch und durch. Im Körper, im Geist, in der Seele. Wir fühlen uns um Kilos leichter - können befreit aufatmen, ausatmen - wir haben wieder Luft. Zum Atmen. Wir haben mehr Zeit. Für uns und all die Dinge die wichtig sind, weil der Geist / der Kopf das Belastende abgeworfen hat. Oder schön hinten in unserem Schrank der Gedanken aussortiert hat. In die verstaubte Kiste, zu den anderen Dingen, die man nicht mehr braucht.
Die Seele ist ebenfalls leicht und kann beflügelt werden. Von uns selbst und unserer Umgebung.
Letztendlich soll das alles nichts anderes heißen als: LEBT! In jedem Moment, jeder Minute, jeder Sekunde, jeden Tag.
Wenn ihr traurig seid, weint. Seid traurig, schwelgt in Erinnerungen, holt euch den Schmerz und schickt ihn wieder weg, wenn ihr genügend Tränen vergossen habt. Ob dieser Mensch oder dieser Moment es wert war oder nicht. Wenn ihr das braucht, dann tut es. Befolgt keine Regeln, macht sie selbst. Bzw. lebt ohne Regeln, lebt nach eurem Gefühl. Wenn ihr das Gefühl habt, ihr könnt heute die ganze Welt erobern, weil ihr mit dem richtigen Fuß aufgestanden seid und die Sonnenstrahlen durch den Rollo geblinzelt haben - dann tut es. Erobert eure Welt, ihr habt es drauf.
Wenn euch zum Lachen ist, auch wenn es bei anderen nicht der Fall ist, lacht trotzdem. Setzt das Lachen frei, setzt die Glücksgefühle frei. Steckt euch und die anderen an. Mit guten Gefühlen.
Wenn ihr nachdenklich seid oder sein wollt, euch zurückziehen möchtet und die Dinge erst mal ordnen müsst - gebt euch die Zeit und die Geduld.
Wenn ihr ängstlich seid - setzt euch mit dieser Angst auseinander. Bekämpft sie oder versucht sie, zu überwinden. Alleine oder mit Hilfe der anderen. Es wird immer jemand da sein, der euch zuhört und euch helfen wird. In den guten und den schlechten Momenten.
Das Wichtigste ist aber: glaubt an euch. Und traut euch. Die Gefühle auszuleben, ihr selbst zu sein. Euch selbst zu finden.
Und wenn ihr mal fallen solltet, kann ich euch versichern, dass euch die richtigen Leute auffangen.
Ich wurde auch aufgefangen, nach all den Phasen des letzten Jahres. Den Glücksmomenten, den traurigen und den verzweifelten Momenten. Da gab es die richtigen Menschen, weil ich mir erlaubt habe, ich selbst zu sein. Alle anderen sind schon vergeben, mir bleibt nichts anderes übrig und genau das hab ich begriffen.
open your arms & spread love.