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  • 08/12/15--06:01: Das gruseligste Ohr der Welt
  • Transplantation ist an sich ja eine großartige zivilisatorische Errungenschaft. Brandopfer bekommen neue Haut oder sehr unzufriedene Menschen größere Brüste. Bei Unfallopfern werden manchmal sogar ganze Körperteile wieder angepflanzt. Und normalerweise sollen diese Körperteile dann auch da wieder anwachsen, wo sie natürlicherweise hingehören. Zurecht blieb den beiden Moderatoren aus der australischen Today Show der Mund offen stehen, als ihr heutiger Gast seinen Unterarm entblößte: Unter der Haut des Künstlers wächst ein perfektes menschliches Ohr. Zumindest sieht es danach aus.

    Nur, dass dieses Ohr noch mehr können soll. „Sehr bald werde ich einen Sender einbauen, mit dem ich das Ohr überall im Internet einloggen und das Gehörte live übertragen kann“, sagt Stelarc, Performancekünstler und Professor in Perth in der Sendung. Schon in den frühen Neunzigern träumte er von einer solchen „Soft-Prothese“. So nennt man Transplantationen, die vom Körper angenommen werden und durch eigenständige Zellproduktion dreidimensional weiter wachsen. Das Ohr hat Stelarc schon 2003 auf verschiedenen Messen präsentiert, allerdings habe sein Körper die Prothese jetzt angeblich nach sechs Monaten angenommen. Der alienhafte Anwuchs wirkt tatsächlich so selbstverständlich mit seinem Unterarm verschmolzen, dass er damit gedankenverloren vor der Kamera herumspielt. Die Moderatoren reagieren angeekelt, aber auch fasziniert.
     
    https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=XrV-ULw2L6w

    So ganz überzeugt wirken die beiden zwar nicht, allerdings bereichert der Künstler die Sendung durch ein diabolisches Lachen, das mindestens genauso gruselig ist wie sein drittes Ohr. Der englische Ausdruck „to laugh up one’s sleeve“, sich ins Fäustchen lachen, bekommt bei Stelarcs Physiognomie eine ganz neue Bedeutung. Stelarc nimmt den Ekel mit Humor: „Ich deute die meisten Reaktionen der Menschen als Neugier. Aber ich glaube, wenn das Ohr erst mal Internetverbindung hat, werden sie seinen Nutzen verstehen und zu schätzen wissen.“ Der Medien-Künstler hat bereits verschiedene Preise für seine Projekte gewonnen, bei denen er immer wieder den eigenen Köper durch Technik, zuletzt einen zweihändigen Roboter-Arm, erweitert. An seinem Herzensprojekt, dem dritten Ohr, hätte er knapp zehn Jahre gearbeitet. Er wolle damit das negative Image der Prothese an sich aufpeppen: Cyborg-Ästhetik statt fleischfarbenem Plastik-Look.  

    [plugin imagelink link="https://pbs.twimg.com/media/CLDNms3UkAAA45S.jpg" imagesrc="https://pbs.twimg.com/media/CLDNms3UkAAA45S.jpg"] Cyborg-Äathetik statt Plastik-Prothese: Stelarcs Ohr soll Kunst sein.

    „Das Ohr ist nicht in erster Linie für mich gedacht. Ich hab ja schon zwei. Es soll ein Hörangebot für Menschen sein, die weit entfernt sind, zum Beispiel wenn ich auf ein Konzert gehe.“ Er träume außerdem von einem eingebauten GPS-Sender und einem Ohrläppchen aus eigenen Stammzellen, das fehle nämlich noch. Aber ob man das, was Sterlac so treibt, wirklich hören will? Schön wäre doch, wenn seine Follower aussuchen dürften, wer den nächsten Lauscher implantiert kriegt. Vorschläge?

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    Harte Schale, weicher Kern

    Die Vorurteile, mit denen wir in der Schule konfrontiert werden, beschäftigen uns das ganze Leben. Man braucht sich bloß die Texte aus der Deutschrapszene mal anzuschauen, dann wird klar: Auch die ganz harten Jungs haben da noch ordentlich dran zu knabbern. Und nichts ist so rührend wie Rapper, die sich noch Jahre später ihren Lehrern beweisen wollen.

    Wie zum Beispiel in “Panamera Flow” von Bushido und Shindy. Das Video in edlem schwarzweiß, eine schier endlose Kamerafahrt um den Porsche Panamera herum, beiläufig in die Luft geschnipste goldene Kreditkarten - und in der zweiten Strophe plötzlich Shindy, der “Panamera Tech Art, pechschwarz, Nappaleder/ schöne Grüße an den Hurensohn von Mathelehrer.” rappt. Und dabei der Kamera zwei Stinkefinger zeigt wie ein wütender, hochpubertärer Junge aus der Mittelstufe.  
    Warum tut er das? Shindy ist seit knapp zehn Jahren nicht mehr in der Schule gewesen und hat als Musiker so viel Geld gemacht, dass er sich den Porsche aus dem Video tatsächlich einfach so kaufen könnte. Er ist erfolgreich und ist im Laufe seiner Karrriere vermutlich zahllosen ebenso erfolgreichen Menschen begegnet - und trotzdem hat er das Bedürfnis, in einem Lied mit 19 Millionen Youtube-Clicks seinen früheren Mathelehrer zu beleidigen.

    Wenn man sich ein bisschen umhört - und das ganz wörtlich -, dann taucht dieser Gedanke überall im Deutschrap auf. Trotzdem: Kaum etwas ist so rührend, wie Rapper, die sich ihren früheren Lehrern beweisen wollen. Darum geht es nämlich: Zu zeigen, dass man es doch geschafft, dass man alle Erwartungen übertroffen hat und nicht ein Leben lang der pöbelnde Proll aus der letzten Reihe bleibt. Shindy ist da schon ein wirklich super Beispiel: “Alle meine Lehrer meinten, geh' und mach 'ne Maler-Lehre/ Jetzt verdien' ich so viel Geld, als ob ich deren Zahnarzt wäre”, heißt es zum Beispiel in “FVCKB!TCHE$GETMONEY”.

    Schlagfertig? Niedlich!

    Eko Fresh balanciert in “GD 4 Life” elegant zwischen Beleidigung und Prahlerei: “Damals hielten Lehrer mich für einen hoffnungslosen Fall/ Heute könnt ich ihre Tochter nur in Jogginghose knallen”. Und Kollegah, der Boss, garniert das Facebookfoto, das ihn diesen März mit zwei gewonnenen Echos zeigt, mit “Damals dachten Lehrer, dass ich als Dealer im Bezirk ende/ Heut sehn sie: man verleiht mir Echos wie Gebirgswände.”

    Sowas ist natürlich mal mehr, mal weniger schlagfertig. Und ziemlich oft: ungewollt niedlich. Etwa, wenn Kay One eine Frau Meier grüßt und meint, ihr erzählen zu müssen, wie er nach dem Ausschlafen täglich sein Geld zählt. Das wirkt dann fast so, als würde er mit fisteliger Stimme “Guck mal, ich bin doch nicht so blöd!” rufen. Das zeigt, wie viel Einfluss Lehrer ein Leben lang auf unser Selbstbild haben. Wie sehr es jeden von uns trifft, wenn man in der achten Klasse vor allen anderen bloßgestellt wird, weil man mit 13 immer noch nicht schriftlich dividieren kann. Da ist es dann egal, ob man später Gangsterrapper oder Bankangestellter wird. Völlig irrelevant auch, worum es tatsächlich gegangen ist - das Gefühl, das sich bei einer Demütigung durch einen Lehrer einstellt, brennt sich tief in die zarte Teenagerseele und wird nie, niemals vergessen. Wenn Rapper also über ihre Lehrer singen, dann ist das auf eine merkwürdige Art irgendwie sehr beruhigend.

    Denn: Wenn nicht einmal zwei Echos oder ein Porsche Panamera ausreichen, um die Komplexe aus der Kindheit auszulöschen, dann brauchen wir uns keine Gedanken machen, wenn wir selbst auch ab und zu an böse Lehrerworte zurückdenken.

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  • 08/12/15--09:00: Safer Sexting
  • Bloß keine Nacktfotos verschicken, heißt es immer. Die tauchen irgendwann irgendwo bestimmt wieder auf. Im schlimmsten Fall beim nächsten Vorstellungsgespräch. Ganze Kampagnen warnen vor den schädlichen Folgen von sogenanntem Sexting, dem Senden erotischer Nachrichten auf Whatsapp, Snapchat und Co. Da gibt es Merkblätter für Eltern, Abschreckungsvideos für Jugendliche und Erfahrungsberichte von Betroffenen. Zwei Psychologinnen aus Pennsylvania sind dem negativen Image der Erotiknachrichten nachgegangen und fanden heraus: So schlimm ist das alles gar nicht. Im Gegenteil!  

    Emily Stasko und Pamela Geller haben in einer Studieüber 870 Männer und Frauen zwischen 18 und 82 Jahren gefragt, wie oft sie schon mal einen Schnappschuss in Unterwäsche oder weniger gewagt haben. Nach der Definition der beiden fallen unter Sexting aber auch explizit erotische Text-Nachrichten. Tatsächlich haben über 80 Prozent der Befragten solche intimen Sehnsüchte innerhalb des letzten Jahres in Form von Bildern oder Nachrichten per Handy verschickt.  



    Sexting ist gut für ein gesundes Liebesleben. Das ist jetzt bewiesen.

    „Die Kritiker ignorieren die positiven Effekte, die Sexting auf eine Beziehung haben kann“, schreiben die Wissenschaftlerinnen in ihrer Studie. Viel zu oft würde Sexting mit zwielichtigen Datingportalen in Verbindung gebracht. Dabei werden 70 Prozent der schlüpfrigen Nachrichten innerhalb fester Beziehungen versendet. Und das wirkt sich positiv auf das Sexleben im Real-Life aus.  

    Genau das haben die Psychologinnen nachgewiesen: „Menschen, die mehr Sexting betreiben, haben auch ein erfüllteres Liebesleben“, schrieben sie. Und das unabhängig von allen anderen Variablen wie Alter, Geschlecht oder sexuelle Orientierung. So nüchtern die Studie auf den ersten Blick wirkt, sie bedeutet eigentlich:Kein Grund zur Panik. Denn zum Glück gibt es nämlich neben den zahlreichen Warnungen vor den gefährlichen Enthüllungen in diesem Internet auch genauso viele Anleitungen zum Safer Sexting.

    eva-hoffmann

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    Unsterblich sein ist ziemlich gut, sagt Marianne Kreuels. Die 28-Jährige hat in Philosophie promoviert. Ihre Doktorarbeit veröffentlichte sie unter dem Titel „Über den vermeintlichen Wert der Sterblichkeit“.  Darin fragt sie streng analytisch: Ist Unsterblichkeit erstrebenswert?



    Marianne Kreuels suchte sich ein ungewöhnliches Thema für ihre Doktorarbeit.  

    jetzt.de: Wenn ein Vampir kommt und mich beißen und zum Vampir machen will – sage ich ja oder nein?
    Marianne Kreuels: Ich finde die Vorstellung nicht so attraktiv, auf das Blut anderer Menschen angewiesen zu sein. 

    Aber die Unsterblichkeit, gäbe es sie ohne Blut, die sollte ich mitnehmen?  
    Ja, natürlich. Die Literatur behauptet zwar oft etwas anderes. Der Vampirmythos, um bei diesem Beispiel zu bleiben, wird in vielen Erzählungen eher tragisch verarbeitet. Aber auch Jorge Luis Borges zum Beispiel zeichnet in seinem Roman „Der Unsterbliche“ ein tristes Bild der Unsterblichen. Zu Unrecht. 

    Ist unsterblich zu sein denn nicht furchtbar langweilig? Irgendwann hat man doch alles gesehen. 
    Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Die Welt verändert sich. Es gibt immer neue interessante Dinge, immer neue Möglichkeiten, immer neue Bücher, die man gerne lesen möchte.  

    So viel Zeit. Das klingt nach massenhaft viel Prokrastination.  
    Glaube ich nicht. Manche Sachen will man einfach machen, egal wie viel Zeit man dafür hätte. Ich gehe ja morgen nicht ins Kino, weil ich bald sterbe. Ich gehe, weil ich den Film sehen möchte.

    Kann ich denn überhaupt glücklich sein, wenn ich zwar ewig lebe, aber um mich herum meine Lieben regelmäßig wegsterben? 
    Das ist ein zentraler Punkt. Ich würde schon wollen, dass andere Leute auch unsterblich sind. Aber ganz grundsätzlich ist Sterblichkeit für Glück nicht entscheidend. Ein unendlich langes Leben muss nicht anders erfüllend sein als ein endliches. Zumindest sehe ich auch nach eingehender Beschäftigung keinen Grund dafür.

    Sind Sie denn unsterblich? 
    Ich fürchte nicht.

    Wenn es nur ein Knopfdruck wäre – würden Sie sich unsterblich machen? 
    Wie gesagt: Nicht alleine. Die anderen müssten es auch sein. Aber dann wäre es eklatant viel besser, als sterblich zu sein.

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    Ich wohne in einem Hinterhof am Dreieck Clemens-, Belgrad- und Apianstraße, direkt zwischen dem Jennerwein und der X-Bar– zwei unverzichtbaren Münchner Kneipeninstitutionen. Die Clemensburg gehörte auch mal dazu, leider hat sie gerade dicht gemacht. Das X war mal ein Geheimtipp und es ist auch heute von außen kaum zu erkennen. Drinnen ist es düster, mit Kerzenleuchtern an den Wänden und roten Ledercouchen.



    Moe in seiner Straße. 

    Auch ein Schlangenterrarium gibt es. Neulich ist mal eine Schlange ausgebüxt. Das war blöd. Der Kellner, der an dem Tag da war, hat nämlich eine Phobie. Es musste also extra ein anderer Mitarbeiter angefahren kommen, um sie zu suchen und einzufangen. Die Kellner sind ohnehin alle ziemlich eigene Typen. Jeder hat so sein Jahrzehnt, das er darstellt: von den Zwanzigern über die Fünfziger bis zum Neunziger-Grunge ist alles dabei. Und es gibt Augustiner für drei Euro gradaus. Und zwar vom Fass.

    Regelmäßig trifft man hier auch Florian Post, den Bundestagsabgeordneten der SPD für Schwabing-West, und einmal hatte er auch Christian Ude und Gregor Gysi im Schlepptau.

    Ich liebe diese Ecke Schwabings, hier ist noch ganz viel vom alten Boheme-Geist zu spüren. In meinem Hinterhof hat sich ein Lichtdesigner seine Werkstatt in einer alten Kegelbahn eingerichtet: Markus Widmann. Der macht tolle Sachen und bestimmt bald dem Ingo Maurer Konkurrenz.

    Und komische Gestalten gibt’s hier im Eck eh zuhauf: Eine ziemlich durchgeknallte Heiratsschwindlerin hat zum Beispiel mal einen meiner Nachbarn auf dem Friedhof am Grab seiner verstorbenen Frau aufgegabelt. Die sah aus wie die Hexe Befana, bestimmt schon 70 und immer ein riesiges schwarzes Vogelnest auf dem Kopf. Morgens um drei Uhr putzte sie von außen die Fensterbänke unserer Wohnung im Erdgeschoss und dekorierte den Hof mit irgendwelchen Skulpturen. Manchmal war sie wochenlang verschwunden und tauchte dann plötzlich wieder auf.

    In der Clemensstraße befindet sich natürlich auch das Haus, in dem Rainer Werner Fassbinder gewohnt hat, und am 10. Juni 1982 tot aufgefunden wurde.

    Legendär ist auch das Schwabinger Straßenfest im Juli. Da tun sich das Jennerwein, das X und früher auch die Clemensburg zusammen und veranstalten ein ziemlich alternatives Sommerfest mit Punkbands und Rockern. Außerdem ist die Clemensstraße eine Zubringerstraße zur Leopold, und während der WM oder großen Fußballspielen ist hier eine großartige Stimmung – überall Bierbänke und Bildschirme auf der Straße. Aber alles etwas weniger anstrengend als auf der Leopold.

    Die Ecke ist also sehr lebenswert, was auch an den vielen Spätis und Restaurants liegt: Bei Sami’s Getränke zum Beispiel gibt es auch spät abends noch Bier, Wein, Saft und Knabbereien. Das Geilste sind die Preise. Die sind nämlich jeden Tag ein bisschen anders. Vier Biere kosten mal 3,67 Euro, mal einen anderen krummen Preis. Dass der Betrag oft überhaupt nicht durch vier teilbar ist: egal!

    Dann gibt es noch die Pizzeria Venezia– halb Supermarktregal mit kaltem Bier, Zigaretten und Drehtabakauswahl, Spüli und Klopapier, halb Pizzaservice. Manche Leute hier in der Straße nennen sie „Die Terrorzelle“. Bei Tante Emma, einem herzlichen italienischen Bistro an der Ecke, gibt es exzellenten Kaffee und die Preise sind angenehm moderat. Essen gehe ich beim Italiener Nabucco, beim Peruaner El Mirador, beim Vietnamesen Bonjour Vietnam (unbedingt probieren: H 8!). Supergeil ansonsten in der Nähe: Der Inder Dhaba, der Grieche Elia, der Österreicher Ö1 und die Burger von Effe und Gold.

    Ziemlich gern bin ich auch am Bayernplatz, die Verlängerung des Luitpoldparks, die viele gar nicht kennen, dabei ist die so schön. Und noch dazu ist sie – daher auch der Name – das erste Trainingsgelände des FC Bayerns gewesen. Und zwar von 1900 bis 1907.

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  • 08/13/15--05:20: Alter Finne!
  • Die Münchner Luise Grossmann, 30, und Felix Wunner, 32, sind nach Australien ausgewandert, um Surfbrettfinnen zu bauen, die aus wiederaufbereitetem Ozean-Müll gemacht wird. Für diese „ecoFin“ suchen sie nun per Crowdfunding Investoren. Die Dokumentation ihrer Reise – vom Müllsammeln an den Stränden Indonesiens bis zum ersten Surfausflug mit der Finne – zeigen sie am 4. September in München. Natürlich an der Eisbachwelle.
     




    jetzt.de: Wie kann eine Surfbrettfinne die globale Verschmutzung der Ozeane aufhalten?
    Luise: Kann sie nicht, zumindest nicht alleine. Aber sie kann zeigen, dass es eben nicht egal ist, was der Einzelne macht. Ein Bewusstsein für das Problem schaffen, aber auch für die Lösung: Upcycling, also die sinnvolle Wiederverwendung von Müll, funktioniert. Egal, wo man anfängt.
     
    Wie kamt ihr als meerlose Münchner auf diese Idee?
    Felix: Wir sind Surfer. Von ganzem Herzen. Wir haben schon immer so viel Zeit wie möglich in den Wellen verbracht. Überall auf der Welt. Und irgendwann hatten wir keine Lust mehr, durch Plastiktüten und -flaschen zu paddeln. Wer viel am Meer ist, kann vor diesem Problem nicht die Augen verschließen.
    Luise: Und weil wir beide durch unser Studium an der TU einen technischen Hintergrund haben, kam uns die Idee, etwas zu bauen. Aus Plastikmüll. Warum nicht etwas Kleines, etwas Machbares? Wie eine Finne!
     
    Und deswegen seid ihr extra nach Australien ausgewandert?
    Luise: Ja, auch wenn es nicht gerade um die Ecke liegt. Aber hier surft jeder zehnte. Surfen ist Nationalsport. Und die Surfer interessiert der Ozean. Der Chef der Universitätsklinik zum Beispiel, der uns Zugang zu seinem Labor für die ersten Materialtests verschafft hat – natürlich ein Surfer. Wir wussten: Wenn das Projekt eine Chance hat, dann hier.



    Felix und Luise in Indonesien.
     
    Der Müll kommt aber aus Indonesien.
    Felix: Genau. Nachdem wir uns in Australien mit ein paar Materialexperten und Surfbrett-Shapern getroffen hatten, merkten wir: Zuerst einmal müssen wir unsere Ressource verstehen. Also sind wir nach Bali, wo der Müll am Strand gesammelt wird. Und weiter nach Java, wo ein Familienunternehmen namens „Sumba Plastik“ schon lange versucht, aus dem Müll wieder einen Werkstoff zu schaffen.
     
    Ihr habt selbst mit angepackt?
    Luise: Es war uns wichtig, die gesamte „Supply Chain“ kennenzulernen. Also sind wir Müll sammeln und sortieren gegangen. Und weiter in die Fabrik. Dort landet Müll aus ganz Indonesien. Der Nachschub ist also erst mal gesichert.
     
    Ist das alles nicht ein Tropfen auf den heißen Stein?
    Luise: Klar, an sich schon. Aber unser Fernziel ist, mehr solcher Produkte auf den Markt zu bringen. Unseren Prozess kann man auf unzählige Produkte übertragen. Und theoretisch kann man alles recyceln. Die Finne und die Surfer sind nur der Ausgangspunkt, ein erster Start. Und hoffentlich bald ein Paradebeispiel für einen Upcycling-Prozess.



    Luise mit der Dokumentarfilmerin Franziska Link.
     
    Wo lasst Ihr die Finne an sich produzieren?
    Felix: In Australien. Die Qualität war uns einfach wichtig. Besonders im Recycling-Bereich muss das Produkt makellos sein, um sich gegen die aufwendig designte Konkurrenz zu behaupten. Deswegen produzieren wir hier, obwohl es teurer ist. Die Australier haben viel Erfahrung mit Surfbrettfinnen. So überzeugt unsere Finne auch durch Performance.
     
    Und jetzt braucht ihr Geld.
    Luise: Bisher haben wir alles aus eigener Tasche bezahlt – die Entwicklung, die Prototypen, die Reisen. Die Produktion auf großer Stückzahl ist aber finanziell anspruchsvoll. Und je mehr wir produzieren, desto stärker kann die Infrastruktur an sich wachsen. Das ist ja ein skalierbarer Prozess. Je mehr Finnen, desto mehr – beziehungsweise weniger – Müll. Und wir wollen am liebsten den Müll aus allen Ländern holen, nicht nur aus Indonesien.
    Felix: Die Menschheit hat mehr als genug Plastik produziert. Eigentlich brauchen wir kein Gramm mehr davon auf der Welt. Die Energie sollte man lieber in Recycling und Upcycling stecken. Das verbraucht 88 Prozent weniger Energie als die Herstellung von neuem Plastik aus Erdöl. Welches erst chemisch aufgearbeitet wird, meist weite Wege zurücklegt und am Ende 450 Jahre zum Verrotten braucht, und zwar in giftige Chemikalien.
    Luise: Wenn du aber eine Finne kaufst, die aus recyceltem Material ist, wirst du zweimal über eine Plastiktüte im Supermarkt nachdenken. So ein simples Produkt kann schon einen Bewusstseinswandel anschieben. Du kannst mit deinem eigenen Verhalten viel verändern. So pathetisch es klingt, aber Gandhi hatte Recht: „Be the change you wanna see in the world.“
     
    Ihr verkauft über Kickstarter aber mehr als nur die Finne.
    Luise: Ja, neben der Finne, die man für 60 australische Dollar vorbestellen kann, bieten wir viele verschiedene Produkte, auch für Nicht-Surfer. Eine Stainless Steel Flasche oder eine echte Performance-Frisbee aus recyceltem Plastik. Dazu einen Bildband und unsere Doku auf DVD.



    Surflegende Rusty Miller.
     
    Wieso braucht es denn jetzt auch noch eine Doku?
    Luise: Die Dokumentarfilmerin Franziska Link, eine Bekannte von uns, hat von unserem Projekt erfahren und gesagt: Okay, das ist spannend, ich filme das. Und dann haben wir mit Rusty Miller auch noch eine echte Surf-Legende als Erzähler gewinnen können. Das hätten wir nie gedacht. Der Mann ist ein Pionier, hat als erster die berüchtigte Welle von Uluwatu auf Bali gesurft, damals in den Siebzigern. Und die allerersten Finnen haben wir mit ihm getestet.
     
    Und, was sagt er zu den Finnen?
    Felix: Er findet sie super! Mit ihm zu surfen, auf unseren ecoFins, war ein Traum.

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  • 08/13/15--09:35: Ein Master in Männlichkeit
  • Der Soziologe Michael Kimmel, 64, gilt als führender Männerforscher weltweit. Vor zwei Jahren gründete er das "Center for the Study of Men and Masculinities" an der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York, das er seitdem auch leitet. Ab Herbst 2017 wird man dort einen Master in "Maskulinität" erwerben können.




    jetzt.de: Mr. Kimmel, haben Sie als Männer-Forscher eigentlich mehr weibliche oder männliche Studenten in Ihren Vorlesungen?

    Michael Kimmel: Wenn ich in der Soziologie-Fakultät lehre, dann sind dort etwa 70 Prozent der Studenten weiblich. Aber wenn ich meine eigenen Kurse über Maskulinität oder Gender gebe, dann ist die Geschlechterverteilung vielleicht 50/50. Das ist ziemlich gut.  

    Gender-Studies werden ja oft kritisiert, dass sie überflüssig seien. Männer und Frauen müssten doch wissen, heisst es, was es bedeutet ein Mann beziehungsweise eine Frau zu sein. 

    Ich lehre nicht, wie man ein Mann ist, sondern die verschiedenen Arten, wie unterschiedliche Gruppen von Männern Maskulinität wahrnehmen. Afroamerikanische, Muslime, Weiße, Asiaten. Wie Maskulinität unser politisches, soziales und wirtschaftliches Leben beeinflusst. Wie Maskulinität unsere Erfahrungen am Arbeitsplatz und unser Familienleben beeinflusst. Wie wir als Männer altern. Wie verschiedene Länder Maskulinität deuten. Ich gebe keinen „How to...“-Kurs. Wenn ich einen Kurs über Sexualität geben würde, würde ich ja auch nicht lehren, wie man besseren Sex hat.  

    Läuft denn Ihr Forschungszentrum, das "Center for Males and Masculinity", von den "Women and Gender Studies" Ihrer Universität getrennt?


    Nein. Gerade gibt es ein Programm über Women- und Gender-Studies an meiner Universität, und all meine Kurse laufen innerhalb dieses Programm, weil Gender sich ja natürlich auf beide Geschlechter und Transsexuelle bezieht.  Aber wir haben entschieden, als erste Universität einen speziellen Masterstudiengang für Maskulinität einzurichten. Nicht weil wir Männlichkeit von Weiblichkeit trennen wollen, sondern gerade weil das ja immer zusammen hängt.  

    Werden Sie als Feminismus-Gegner wahrgenommen?

    Kritik bekomme ich eigentlich nur von weißen rechten Männern, die meine Arbeit als zu feministisch wahrnehmen. Die denken, ich sei gegen Männer. Und dass Gleichberechtigung eine Null-Summen-Rechnung ist: Wenn Frauen gewinnen, verlieren Männer. Aber ich unterstütze Gleichberechtigung. Als Sozialwissenschaftler ist es für mich offensichtlich: Je gleichberechtigter die Gesellschaft ist, desto glücklicher sind sowohl Männer als auch Frauen.  

    Hat sich das Bild vom „echten“ Männern denn gewandelt? Was ist heute der „echte“ Mann?

     Ich denke, dass sich das Bild von „echten“ Männer sich enorm gewandelt hat. John Wayne, Vin Diesel oder Arnold Schwarzenegger werden heute von jungen Männern nicht mehr ernst genommen. Heute sind „echte Männer“ womöglich auch Athleten. Sie sind sehr stark. Aber sie können auch gut mit Frauen umgehen. Und zeigen ihre feminine Seite.  

    Spiegelt sich das in der Politik wieder? Ist Barack Obama auch deshalb Präsident?

    Obama repräsentiert tatsächlich eine neue Art von Maskulinität. Und viele sind nicht glücklich darüber. Die alte Maskulinität vom schwarzen Mann war der wütende Schwarze, der außer Kontrolle ist, voller Wut. Obama jedoch bricht mit diesem Bild. Er ist sehr ruhig und tut viele Dinge, die traditionell als feminin gelten. Er kümmert sich zum Beispiel um die Kranken. Also halten ihn viele nicht für einen „echten“ Mann. 

    Kann ein klassischer Macho wie Donald Trump sein Nachfolger werden?

    Ich kenne nicht viele, die Donald Trump wirklich ernst nehmen. Er ist eine Comicfigur, deshalb bekommt er so viel Aufmerksamkeit. Aber eigentlich hat er keine Chance. Donald Trump ist nur sehr erfrischend neben all diesen langweiligen Kandidaten, von denen man schon weiß, was sie als nächstes sagen. Man will dabei sein, wenn Trump wieder was Dummes äußert. Aber das ist nur ein Celebrity-Event. Wenn Brad Pitt kandidieren würde, würde auch er anfangs bei den Umfragewerten führen. Da ist das Männerbild egal.

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  • 08/14/15--04:56: Lass deine Kokswut zu Hause!

  • Bitte kein Koks bei der Arbeit. 

    Keine Frage, das Berufsleben ist hart. Menschen, die trotzdem jeden morgen aufstehen und zur Arbeit gehen wollen, sollten eigentlich gefeiert werden. Doch die Jobanzeigen, die momentan kursieren, sprechen eine ganz andere Sprache. Erstes Gebot: knallharte Ehrlichkeit. Statt vorgefertigter Managerattribute wie „Flexibilität“ oder „Teamfähigkeit“ wollen Arbeitgeber in der Hauptstadt lieber wissen, dass du kein Soziopath bist, bei der Arbeit keine Drogen nimmst und noch drei gute Gründe zu Leben aufzählen kannst.





    „Scheißegal“ (Zitat) ist es ihnen, ob du DJ bist. Wichtig ist dein Interesse an kaltem, harten Geld. Schön!

    So heißt es in einer Anzeige für zukünftige Millionäre/Teilzeit-Tellerwäscher: „Experienced and low bullshit diva stuff. We honestly dont give a shit if you are actually a DJ. We just need you to bust your ass washing dishes, and you will be given karma points and of course, cold hard cash. (...) send cv and three reasons for being alive."

    Dieser sehr ernüchternde Einblick in die Arbeitswelt, der sich auch andernorts zu bestätigen scheint, ist gleichzeitig auch sehr entspannend. Statt für den Job weiter über den perfekten Winkel beim Bewerbungsfoto nachzudenken oder passende Euphemismen für die fehlende Berufskenntnis („Horizonterweiterung“) oder Kündigung („kreative Differenzen“) zu finden, können Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich zumindest bei Teilzeitjobs einfach mal ganz ehrlich gegenübertreten. Denn Ehrlichkeit, wusste schon Hunter S. Thompson, ist bei der Jobsuche das höchste Gut. Warum also beim nächsten Bewerbungsgespräch nicht mal das chronische Zuspätkommen, Kettenrauchen oder die Drogensucht erwähnen? Kann in der modernen Welt scheinbar nicht schaden. Denn die ehrliche Jobanzeige tut vielleicht ein bisschen weh, hat aber einen Vorteil: Man weiß, woran man ist.

    Hier schon mal das zeitgemäße Bewerbungsschreiben zum Copy und Pasten:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ich kann Deutsch und Englisch.
    Zwischenmenschlicher Kontakt gelingt mir zumindest teilweise.
    Ob ich DJ bin, geht keinen was an.
    Ich liebe kaltes, hartes Geld.
    Ich kokse nur zu Hause.

    MfG
    sina-pousset



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  • 08/14/15--06:30: Die Autisten-Rocker

  • Autism rocks: Die „AutistiX".

    Er sieht aus, wie ein Rocker aussieht: lange Haare, Band-T-Shirt. Er liebt, was ein Rocker liebt: Gitarrenriffs und seine Band. Nur einen Unterschied gibt es. Jack ist Autist, ebenso wie seine zwei Bandmitglieder Saul und Luke. Sie gründeten 2010 ihre Band „AutistiX“, die erste autistische Rockband Großbritanniens. Die drei lernten sich über die Camden Society, einer Organisation für geistig und körperlich Behinderte kennen. Mittlerweile waren die drei Rocker mit ihrem Mentor Jim bereits in Spanien auf Tour und traten dieses Jahr bei „Autism‘s got Talent“, einer Talentshow für Autisten auf. Gerade veröffentlichte der Guardian eine Mini-Doku über die Musiker.

    http://www.youtube.com/watch?v=EFvyNzrqPYE

    „AutistiX“ – Ihr Name steht für ihre Identität: gleichzeitig für Einzigartigkeit aber auch für die Schwierigkeiten, die ihnen die Diagnose im Alltag bereitet. Jack hat das Asperger-Syndrom, Luke unter anderem noch ADHS. Schwierige Vorraussetzungen für eine Zusammenarbeit. Doch die drei sind Freunde geworden.

    Dabei ist das für Betroffene häufig unmöglich. Autismus erschwert es, soziale Kontakte zu knüpfen und sich zu öffnen. Genau das gelingt den Jungs über die Musik. Auf der Bühne wirken sie zufrieden, glücklich, losgelöst. Im ersten Song ging es um Mädchen, in anderen um Abnabelung oder darum, sich nicht ernstgenommen zu fühlen. Dinge, mit denen sich jeder in ihrem Alter identifizieren kann. „Wir wollen kein Mitleid, weil wir Autisten sind. Wir wollen, dass die Leute Spaß an der Musik haben.“, sagen sie. Und: „Headbangen kann man auch.“

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  • 08/14/15--06:49: blabla
  • Dann geht es nicht mehr darum, dass eine Person, die man gerne hat, aus dem Leben verschwindet, sondern neu dazukommt. Diese Person ist schon oder war lange in deinem Leben ein fester Bestandteil darin, aber ihre Rolle ändert sich schlagartig. Und damit deine auch. Es ist ja nicht so, als ob nicht immer mal wieder neue Menschen in deinem Beziehungsgeflecht landen, aber wenn bestimmte Menschen aus deinem Leben, aus ihrer bisherigen Rolle treten, merkst du, dass das etwas anderes in dir bewirkt. Das merkt man schon alleine daran, dass die Freude über die Nachricht nur für ein paar Sekunden anhält. Denn dein Leben war bisher dein Leben und du hast dieser Person einen bestimmten Platz und eine bestimmte Zeit darin gegeben, genau so wie sie dir.   So fragst du dich also, wie du eine weitere Person in die begrenzte Zeit zwischen nine-to-five Job, Beziehung und Freundesclique integrieren sollst. Ehrlich gesagt, ist das jetzt auch nicht das allerschlimmste und du gestehst dir auch ein, dass das total egoistisch ist, seine FreundInnen nicht teilen zu wollen. Aber man hat ja schließlich auch lange an dem sozialen Netzwerk gearbeitet und irgendwie passt der Freund deines alten Lebens auch nicht richtig in deine jetzige soziale Welt. Du musst den alten Freund nicht einfach nur kurz ins aktuelle Leben einführen, sondern du hast das Gefühl, du bist ihm schuldig, dass ab seinem Eintreffen alles super läuft und ihr die neuen allerbesten FreundInnen werdet. Die Beziehung zu diesem Schulfreund ist aber irgendwo zwischen Abi und letztem gemeinsamem Urlaub stehen geblieben, was so bisher auch nicht gestört hat. Aber jetzt wird an der etablierten Art von Beziehung gerüttelt und es macht doch was aus, dass man irgendwann nicht mehr den gleichen Weg gegangen ist, weil sich nicht in dieselbe Richtung entwickelt wurde. Ab und zu, aber regelmäßig, hat man sich getroffen, gerne sogar, in der Stadt der gemeinsam verbrachten Jugend, weil mal bei beiden der Besuch bei den Eltern fällig war. Oder man hat sich gelegentlich gegenseitig besucht und dann aufregende Dinge geplant, weil die Zeit zu zweit so besonders ist. Stundenlang konnte man nostalgisch über früher reden und die Besonderheit der Beziehung betonen. Eigentlich freust du dich ja darüber, dass ein Lieblingsmensch von dir nicht mehr so weit weg ist und sie endlich alles genauso erleben kann, wie du es sonst immer nur erzählst. Aber andererseits verliert es vielleicht seinen Charme, wenn du für deinen besten Freund nicht mehr Protagonistin deiner tollen Lebensstories bist.   Du machst dir Sorgen, ob diese Veränderung nicht eher etwas kaputt macht und du dieser ekligen unbequemen Lage ausgesetzt wirst, diese Situation cool zu lösen. Klar, der Freund ist erwachsen und wird sich selbst gut einfinden, aber was ist, wenn sie dich fragt, ob sie zu dir ziehen kann? Und dann suchst du gerade auch noch einen neuen Mitbewohner. Du fragst dich echt, ob du das willst und fühlst dich schlecht, dass du es eigentlich nicht willst. In dieses Leben von dir passt er nicht so gut. Wie früher kann es nämlich nicht sein, weil die neuen FreundInnen wegen der verschiedenen Lebensrealitäten nicht mit ihm klarkommen werden. Zu prollig werden sie denken und du wirst insgeheim zustimmen, weil du das schon oft gedacht hast, aber er ist halt er und deshalb war das bisher immer okay.

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    Liebe Mädchen,
     
    Wegen Feminismus mal wieder. Großes Thema. Wichtig. Bewegt sich was. Ist aber auch noch viel zu tun, eh klar. Uns interessiert jetzt mal das, was schon passiert ist. Das, man muss das ja aktiver formulieren, was ihr schon erreicht habt. Was ihr erkämpft habt. Denn dass das ein Kampf war, und immer noch ist, das wird jetzt einfach mal nicht mehr diskutiert.




     
    Das Ding ist aber nun: So ein Kampf geht ja selten ohne Spuren vorüber. Er hinterlässt etwas. Im besten Fall etwas Positives wie Normen, an denen man sein späteres Handeln orientiert. Im schlechteren Fall aber vielleicht auch ein paar Blessuren. Und mit ihnen vielleicht eine kleine Verbissenheit bei der Umsetzung der Normen. Wer Normen hart erkämpfen musste, der hält manchmal vielleicht dogmatischer an ihnen fest als er müsste. Oder?
     
    An dieser Stelle könnt ihr jetzt noch schnell widersprechen. Dann ist das Thema durch. Wenn ihr dieser Grundannahme jetzt aber auch nur ein kleines bisschen zustimmt, dann würden wir gerne noch etwas konkreter werden. Und fragen: Ist das mit dem Feminismus und euch in stillen Momenten vielleicht auch so? Gibt es ein paar Dinge, die ihr (manchmal) total gerne machen würdet, dann aber sagt: Nope, kann ich mir vor den Sistas nicht erlauben! Krieg ich volle Möhre auf den Sack von denen. Oder auch: No way, könnte ich nicht mehr in den Spiegel schauen! Oder auch: Shit, war ich da nicht schon weiter?!
     
    Wir meinen das jetzt mal nicht provokant. Wir fragen mit absoluter Naivität. Keine Ahnung, was das sein könnte. Sich mal für ne Woche nen Sugar Daddy gönnen? Sich von einem (älteren) Typen mit halb säftelnden aber auf eine eklige Art auch irgendwie charmanten Komplimenten einwickeln lassen? Unten liegen?
     
    Wir hätten da saugern mal nen Einblick. Oder geht der auch schon nicht?
     
    Eure Jungs

    >>>Die Mädchenantwort von martina-holzapfl<<<
    [seitenumbruch]

    Liebe Jungs,

    braucht ihr gar nicht so rumzudrucksen, ist eine berechtigte und gute Frage. Trifft mitten rein in diesen Konflikt, der da in mir brodelt und bestimmt auch in vielen anderen Frauen. Steht ja seit ein paar Jahren auch das ganze Internet voll von diesem Thema. Wahnsinnig anstrengend: Überall wird rumgezickt und rumgedruckst und überanalysiert und unteranalysiert – ein riesiger Titten- und Schwanzvergleich: Wer hat Recht? Wer ist der Klügste und Korrekteste und Reflektierteste?





    Ich selbst habe immer so meine Probleme mit dieser Art von Richtig-oder-falsch-Zankerei. Weil ich glaube, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, was sich grad gut anfühlt. Für mich fühlt es sich grad zum Beispiel gut an, mich weder als Feministin noch als Anti-Feministin zu bezeichnen. Vieles, was Diskriminierung vorbeugen soll, wirkt auf mich nämlich, als würde es Diskriminierung provozieren. Damit will ich nichts zu tun haben.

    Ich will einfach nur Ich sein. Auf meine ganz eigene Weise. So, dass man mich ernstnimmt und mir was zutraut, und ich mich von den Leuten, bei denen es mir was bedeutet, respektiert und anerkannt fühle. Wie genau mein Geschlecht da mit reinspielt oder meine weiße Haut oder mein Alter, ist mir ehrlich gesagt erst mal scheißegal. Das dauernd und jeden Tag mitzureflektieren und dann auch noch dauernd darüber zu sprechen und es zum Thema und zur Kategorie zu machen, kommt mir angestrengt vor und wichtigtuerisch. Und irgendwie auch nicht vollständig.

    In irgendeine Falle tappt man doch immer. Vielleicht wäre es am besten, das einfach mal wieder hochzuhalten: Entspannt euch Freunde, es „richtig“ machen, das geht sowieso nicht. Ich denke mir grad: Wer 'ne Tussi sein will, soll 'ne Tussi sein, wer ein krasser Typ sein will, soll ein krasser Typ sein. Alles dazwischen sowieso – muss doch jeder selber wissen.

    Aber natürlich bin ich da ganz tief innen drin auch nicht so entspannt, wie ich tue. Auch in mich haben sich diese ganzen Debatten und alten Bilder und eingesessenen Klischees eingebrannt.

    Heißt zum Beispiel: Natürlich freue auch ich mich, wenn ich mit meinem Verhalten irgendwelche ollen Klischees breche. Mich hart und rotzig und laut verhalte, und damit zeige: Ey Alter, pass mal auf, ich weiß was ich will und wie und bild’ dir bloß nicht ein, ich sei irgendwie unterzukriegen. Und natürlich ärgere ich mich, wenn ich mich allzu girly-mäßig verhalte und damit eine gewisse Unsouveränität ausstelle. Dann denke ich genau das, was du da oben schon so gut gesagt hast: Oh fuck, das kann ich mir doch jetzt vor den Sistas nicht erlauben.

    Was das für Momente sind? Hier eine Liste all meiner persönlicher #darfmanjanichtsagen-Momente:


    • Alte Männer, beziehungsweise Männer mit Gentleman-Club-Attitüde! Oh holy shit, hab ich ein Faible für Gigolos, die nach alter Schule Tür aufhalten, wissend zwinkern, mit rauher Stimme Dinge so sagen, als wären sie wahnsinnig weise und erfahren und einen herrlich begehrlich hofieren. Ich meine keine Malle-Proll-Männlichkeit, die dauernd nur Titten, Ficken, Arsch, Saufen, Fußball und Grillen brüllt. Die ist mir zuwider. Und ich meine auch keine Hugh-Hefner-Männlichkeit, die Girlys in Häschenoutfits braucht. Ich meine kluge, gestandende Gentleman-Männlichkeit, ein bisschen Stenz, ein bisschen weiser Vater, diese Art von smarter Männlichkeit, die einen ernstnimmt und dennoch keine Gelegenheit zur Charmanz auslässt. Darauf steh ich. Aber wenn man das mal offen sagt, dann mahnt es einem abschätzig entgegen: Das redest du dir doch nur ein, dass das Niveau hat, das ist doch immer dieselbe armselige Flachwichserei, eine ekelhafte 50er-Jahre-Selbstüberschätzung. Für die bist du nur ein süßes, junges Dingchen mit Knackarsch, Hirn egal. Mag sein, mag nicht sein. Irgendwie steh ich drauf. Ich fühl mich nicht automatisch degradiert, nur weil jemand charmant mit mir ist. Gibt ja immer solche und solche. Ich weiß ja, wer ich bin und was ich will. Und das Spiel mag ich trotzdem. Wenn alles angepasst und glatt geschliffen und verboten ist und jede spitze, provokante, anzügliche Irritation verschwindet – wie fucking langweilig ist denn dann bitte? Das ist doch dann schlimmer als jedes Diktator-Regime! Ich amüsier mich gern, fertig.

    • Hand- und Heimwerkerei: Oh, ich bin in meinem tiefsten Inneren so faul. Ich interessiere mich nicht dafür, wie Steckdosen in die Wand zu montieren sind, wie Stromkreisläufe funktionieren. Kreissägen sind mir viel zu laut, mir ist ja schon ein Staubsauger zu laut oder die Klospülung. Oder Kabel! Herrgott, lass mich doch mit Kabeln und Media Markt und Technikscheiße in Ruhe. Soll mein Freund für mich machen. Irgendein Typ, der auf so was steht, oder sich antrainiert hat, auf so was zu stehen, weil man das als Typ so machen muss. Genauso wie Auto reparieren, Fahrrad reparieren und alles andere, das dreckig ist und schmierig und man sich den Finger bei einklemmen kann. Aber das einfach mal so zu sagen? Unemanzipiert und prinzessinnenhaft! Geht nicht. 

    • Spinnen, Ungeziefer, Getier, merkwürdiger Dreck, Ekelkram: Wäh, bäh, igitt, kreisch, jammer, schluchz. Mach das jemand anders für mich weg. Darf man aber ja nicht mehr sagen, so. Muss man ja jetzt cool mit sein. Die Spinne hat mehr Angst vor mir als ich vor ihr. Amen. Stimmt ja einfach nicht, okay? Ich hab Angst, reale Angst, okay? Darf man aber niemandem erzählen.

    • Weich sein. Traurigsein. Erschöpft. PMS haben (Scheißwort!). Zu betrunken sein und nur noch in Babysprache reden können. Getragen werden müssen, zugedeckt, Frühstück ins Bett, Blumen nach Hause. 

    • „Ich kann das nicht“-Sagen. Egal ob beim Job oder beim letzten Schnaps, der eh schon drei zuviel ist. Immer alles gleich weibisch, unemanzipiert. Macht aber Spaß. Verantwortung abgeben macht auch Spaß. Gefangen werden von starken Armen, beflüstert von tiefen Stimmen, die sagen: Hey Kleine, hey Baby, ich mach das, ich hab das im Griff – oh, das ist doch herrlich! Aber: Verboten! Welch Schande!


    So, das wär’s fürs Erste. Das Thema Mode hab ich erstmal ausgelassen, da könnte man auch noch mal eine Abhandlung drüber verfassen. Hohe Schuhe, Kurze Röcke, Ausschnitte, Rückenzeigen, … oder Frisuren! Make-up! Alles Minenfelder. Die Katze der Emanzipation beißt sich überall in den Schwanz. Verwechselt viel zu oft Lust und Lebensfreude mit Souveränität. Es ist wirklich eine ganz schön verlogene Scheiße in vielerlei Hinsicht.

    Aber beim Schreiben der Liste ist mir natürlich auch wieder der ein oder andere Gegengedanke gekommen. Mein Gerede ist natürlich nicht wasserfest. Kein Gerede ist jemals wasserfest.

    Nehmen wir mal das Beispiel Handwerks-Faulheit und Desinteresse an Technik heraus. Ich könnt, wie gesagt, echt drauf verzichten, anzupacken. Weil ich aber schon das ein oder andere Mal aus reinem „Ich führ mich jetzt nicht so weibisch auf“-Affekt dann doch die Bohrmaschine in die Hand genommen habe, das Auto repariert oder den Computer, ist mir klar, dass immer auch die Regel gilt: Was dich nicht umbringt, macht dich stärker. Fühlt sich nämlich schon auch geil an, zu merken, dass das, was man ätzend fand, weil man zu faul war, sich damit auseinanderzusetzen, gar nicht schwer ist und sogar Spaß macht. Einfach, weil es Spaß macht, was zu können. Was in die Hand zu nehmen.

    Und wie lässt sich das jetzt noch mal auf mein vielleicht verbotenstes Faible für alte Gentleman übertragen? Vielleicht so, dass sich das gar nicht ausschließt, eine toughe Bitch zu sein, und trotzdem wahnsinnig drauf abzufahren, hofiert zu werden. „Objekt“ zu sein, wie das jetzt Genderkundige sagen würden. Ich finde, man ist als angebliches „Objekt“ überhaupt nicht immer Objekt. Sondern sehr oft heimliches Subjekt. Kann hypnotisieren und lenken und – naja, am Ende einfach nur völlig gleichberechtigt mitspielen eben. Und dann irgendwann das blöde Reflektiere über Macht und Nichtmacht auch einfach mal sein lassen und sich hingeben. Weil sich hingeben können, oh holy shit, das ist das Allerbeste.

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  • 08/14/15--07:45: Die Doofen
  •  Der Berliner Autor Malte Welding sammelt seit Jahren die lustigsten geistigen Aussetzer, die Menschen täglich passieren. Jetzt hat er ein Buch voller "Sekundenschafe" herausgegeben, wie er diese teilweisen Blackouts nennt. Ein Gespräch über Doofheit.
     
    Malte, eine einfache Frage zu Beginn: Bist du doof?
     
    Naja. Ich bin sicherlich eher doofer geworden, zumindest in meiner Wahrnehmung, seit ich mich mit der spontanen Doofheit der Menschen beschäftige. Weil mir viel mehr Aussetzer an mir selbst auffallen. Ich war mir lange selbst der beste Lieferant für Sekundenschafe. Das zog noch mal an, als ich Vater geworden bin. Aber das liegt wohl am Schlafmangel.
     
    Immerhin hast du ein Kind zeugen können.
     
    Dazu hat es gerade noch gereicht. Mein Lieblings-Schaf aus dem Buch geht übrigens so: Ein Mann will endlich mit seiner Frau ein Kind zeugen. Sie hat ihre fruchtbaren Tage, also macht er alles ganz besonders schön, bezieht das Bett frisch, zündet Kerzen an – und plötzlich fällt ihm voller Schreck ein: Ich habe die Kondome vergessen!
     
    Großartig. Was ist da schief gegangen?
     
    Wie in diesem Fall übernimmt in manchen Situationen oft ein Optimismus die Kontrolle über unsere Aufmerksamkeit. Und der Augenblick wird wichtiger als das Wissen, was eigentlich darum herum existiert.
     
    Kann man das verhindern?
     
    Ich glaube nicht. Man müsste sein eigenes Denken verlangsamen. Sich selber dabei zuschauen. Nein, unmöglich.
     
     
    Wird man denn dümmer, wenn man Dein Buch voller Dummheiten liest?
    Ich glaube, das ist wie beim Fernsehen. Als kluger Zuschauer werde ich klüger, weil ich was lerne. Als dummer Zuschauer, werde ich, naja, nicht klüger. Es wird jedenfalls lustiger, je mehr man liest, weil diese Häufung sich anfühlt, als hätte man leicht einen sitzen. Zudem ist dieses Buch ein Perpetuum Mobile der Doofheit. Ich bekomme massenhaft neue Einsendungen von Lesern.
     
     
    Albert Einstein hatte also Recht mit seinem Bonmot, dass zwei Dinge unendlich seien: Das Universum und die menschliche Dummheit?
    Jedenfalls könnte ich locker ein zweites Buch füllen, Arbeitstitel: "Return of the Mäh". Im Ernst: Es sind unendlich viele neue Geschichten, wenn sich auch gewisse Standard-Schafe wiederholen. Zum Beispiel: Meine Frau hat ihr Handy vergessen, ich schreib ihr eine SMS, um es ihr zu sagen. Solches Versagen kommt immer wieder. Oder der Klassiker, dass jemand etwas erfinden will, was es schon gibt – so etwas wie Socken, nur für die Hände.
     
    Warum schicken dir so viele Menschen Beweise ihrer geistigen Unzulänglichkeiten?
     
    Gute Frage. Es ist wirklich erstaunlich und erfreulich, wie die Leute mitmachen. Die haben ja nichts Handfestes davon, und ich habe ein Buch voller "user generated content." Das ist sehr großzügig.
     
    Aber irgendetwas wird sie ihnen doch bringen, die Entblößung ihres eigenen Schwachsinns.
     
    Ich vermute, es macht einfach Spaß, so eine lustige kleine Geschichte aufzuschreiben und veröffentlicht zu sehen. Man ist nicht mehr alleine, der Fehler bekommt einen Sinn. Mir macht das ja auch Riesenspaß.
     
    Wie kamst du zu den Schafen?
     
    Normalerweise vergisst man solche geistigen Faux-pas schnell wieder. Sind ja auch peinlich. Ich hab aber immer drüber geredet, warum auch immer. Und irgendwann gemerkt: Alle sind manchmal doof. Mein erstes Mal: 1986, es war Fußballweltmeisterschaft in Mexico. Ich war 12, und meine Schwester war auf Auslandssemester in den USA. Ich wusste, es gibt eine Zeitverschiebung, ich kannte die verschiedenen Zonen. Trotzdem oder gerade deswegen rief ich sie erfreut an, sie solle mir die Ergebnisse der Spiele doch bitte immer mit den paar Stunden Vorsprung durchsagen, die sie eben hatte.
     
     
    Malte, eine schwere Frage zum Schluss: Wo kommt die Dummheit her?
     
    Puh. Also, ich glaube, die Dummheiten, die ich gesammelt habe, könnte man sicher damit erklären, dass gewisse Synapsen feuern und andere nicht. Eigentlich ist das ja was Schönes: Man hat eine Lösung entdeckt! Nur vergisst man dabei, den Lösungsweg zu überprüfen.
     
     

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  • 08/14/15--08:59: Wir haben verstanden: KW 33
    • Kim Kardashian hat eine ziemlich smarte Namensdoppelgängerin: Kim Kashkashian hat 2013 den Grammy für ihr Bratschenspiel gewonnen. Kein Scheiß.

    • Die Kardashians, die in den USA jeden Tag in den Zeitungen und im Fernsehen sind, bringen erfahrene Nachrichtensprecher aus der Fassung.

    • Alltagsunfähige Menschen erkennt man daran, dass sie die Klopapierrolle IMMER falschrum aufhängen.





    • In Autokinos laufen nur immer so handlungsarme Action-Blockbuster, damit man mehr Zeit zum Knutschen hat.

    • Es gibt weiße Wale wirklich.

    • Wenn Babys schlecht träumen, träumt im Umkreis von drei Wohnungen erstmal keiner mehr.

    • Man trifft sich nie, wirklich nie, nur auf EIN Bier.

    • Österreich sieht auf der Landkarte aus wie ein Schnitzel.     

    • Ein Sommer, in dem die neue Sonnencreme Anfang August völlig aufgebraucht ist, ist ein guter Sommer.

    • Man trifft sich auch wirklich nie nur auf EINEN Wein.

    • Es gibt heiß, superheiß, scheissheiß, schweißheiß und wirklichvielzuheiß

    • Man kann an Körperstellen schwitzen, die einem zuvor noch nie aufgefallen sind (obere linke Stirnseite, unter der Unterlippe).

    • Es ist sehr gefährlich, alte Laster wiederzuentdecken.

    • Wenn's die Liebe schon nicht richtet: Ein neuer Lippenstift ist wie ein neues Leben.

    • Neues altes Lieblingssommergeräusch: Baumrauschen.

    • Im Sommer verlagern sich die Beziehungsdramen unüberhörbar nach draußen.        




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    Lieber Politiker, liebe Politikerin,

    uns jungen Menschen geht es im Sommer 2015 nicht gut. Warum? Du wirst es vielleicht bemerkt haben: In diesem Sommer kommen sehr viele Menschen zu uns, weil sie nicht mehr anders können. Die Glücklichen, die es bis hierher schaffen, müssen hoffen, bleiben zu dürfen. Müssen. Hoffen. Dürfen. Das ist ihr Leben. Wie furchtbar allein diese Aufzählung ist.

    Und wir? Wir versuchen zu helfen. Wir spielen Basketball mit ihnen in München, bringen ihnen Essen in Berlin, helfen nach Schichtende als Arzt in Dresden, entwerfen ein Buch ohne Buchstaben, mit dem auch Analphabeten Deutsch lernen können, schreiben und reden und fluchen darüber. Und sind uns einig: Es ist unsere verdammte Pflicht, diesen Menschen beizustehen.

    Unsere Hilfsbereitschaft, unser Mitleid genügen sicherlich nicht, um alle Probleme zu lösen. Aber wir haben da so ein Gefühl: Dass in solchen Momenten auch kleine Gesten darüber entscheiden, was für eine Gesellschaft wir sind. Und dass wir wissen, was für eine wir sein wollen. Und Du, lieber Spitzenpolitiker in Berlin? Weißt Du das auch? Warum sagst Du dann nichts? 

    Der Vizekanzler trifft sich im Winter mit Pegida und im Sommer mit Til Schweiger


    Vor 15 Jahren brannte der Eingang einer Synagoge in Düsseldorf. Niemand wurde verletzt. Der damalige Kanzler Gerhard Schröder forderte einen „Aufstand der Anständigen“. Der Satz ging in die Geschichtsbücher ein. Er hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Er hat gewirkt. Manchmal kann man politische Kultur in drei Wörtern zusammenfassen. Und manchmal tut das auch tatsächlich jemand.  

    Damals brauchte es keinen Sommer voller Anschläge auf Asylbewerberheime, keine Massenflucht, keine unmenschlichen Zustände in Auffanglagern, keine humanitäre Katastrophe und keine Leichen. Sondern nur das Gefühl, dass dieses eine Feuer schon zu viel ist.  Lieber Politiker: Worauf wartest Du heute? Dein Schweigen ist unerträglich laut. Was muss noch passieren, bis Du etwas sagst? 

    Ihr seid Opportunisten. Das wissen wir. Oder ahnen es zumindest, tief in uns drin. Wäre geschenkt. Aber ihr seid momentan ja nicht mal mehr darin gut. Der Vizekanzler trifft sich im Winter mit Pegida und im Sommer mit Til Schweiger. Statt sich einfach irgendwohin zu stellen und zu sagen: „In dem Land, bei dessen politischer Führung ich ganz vorne stehe, sind Flüchtlinge willkommen. Alle, die etwas anderes behaupten, liegen falsch.“ 

    Was ihr uns stattdessen bietet: Technische Begriffe rund um das Einwanderungsgesetzes. „Verteilungsschlüssel“, „Sichere Drittländer“, „Schnellere Verfahren“. Das sind wichtige Themen, keine Frage. Wir verstehen schon: Politik besteht aus kleinen Schritten. Aber was sollen wir mit diesen Begriffen anfangen, wenn wir am Hauptbahnhof in die nächste Gruppe Plastiktütenexistenzen rennen? 

    Die Bösen haben ihre kurzen, klebrigen Parolen


    Was du also tun sollst? Sag was. Jetzt. Und zwar laut. Vielleicht waren wir noch nie so empfänglich für ein Motto, eine symbolische Formel, unter der sich das, was wir fühlen, abspeichern lässt. Die Bösen haben ihre kurzen, klebrigen Parolen. Was haben wir – außer recht? Können wir nicht auch ein wenig Pathos, vielleicht sogar ein wenig Größenwahn? „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, heißt es im Netz-Kitsch oft. Wie viel mächtiger könnte diese Idee sein – als twitterbarer Satz? 

    Denk doch nur mal, was passierte, wenn Du, ja, genau DU, lieber Politiker, eine flammende Rede auf Facebook stelltest, vielleicht mit dem Handy gefilmt, so „authentisch“ – oder wie deine Berater das aktuell nennen – wie möglich. Und Du der erste bist, der den Mumm hat, aufzustehen und zu sagen: Es reicht! Deutschland sagt willkommen! Wir brauchen die Flüchtlinge! Wir müssen ihnen helfen! Deutschland ist bunt. Oder so ähnlich eben. 

    Der erste, der sich traut, die treffenden, emotionalen Worte auszusprechen, der sich vor die Flüchtlinge stellt, der diesem Gefühl, das wir alle haben, Ausdruck verleiht – der gewinnt. Und zwar uns. 

    Nicht für ewig. Wir sind ja nicht blöd. Wir schauen hin, was danach passiert. Ohne Taten sind alle Worte hohl. Natürlich sollt ihr alles unternehmen, um den Flüchtlingen zu helfen. Aber manchmal, in speziellen Momenten, sind die richtigen Worte selbst schon Taten. Wenn sie nur einen Wirrkopf davon abhalten, Scheiße zu bauen, ist das doch schon viel. 

    Was hast du also zu verlieren? Wenn die Lawine erst mal rollt – wer würde sich trauen zu widersprechen? Der „Mob im Netz“? Juckt der dich ernsthaft? Hast du wirklich Angst, Stimmen bei der nächsten Wahl zu verlieren? Die jener verwirrten Leute, die Angst vor Überfremdung haben? Ist dein Machttrieb so stark und rücksichtslos, dass du ihn auf dem Rücken von Flüchtlingen auslebst? 

    Das glauben wir nicht. Das wollen wir nicht glauben. Und du brauchst das auch nicht. Denn in dieser aufgewühlten Stimmung, in den digital-demokratisierten Medien, mit Gegenspielern wie Seehofer, der sich im Bierzelt heiser hetzt, reichte schon ein Gramm Größe – und statt einem Shitstorm erntete man einen Rührungsregen.  

    Der letzte Aufstand der Anständigen ist 15 Jahre her


    Sascha Lobo forderte neulich den „Zorn der Zivilisierten“. Das war nicht schlecht. Ein Busfahrer hieß Flüchtlinge in seinem Bus willkommen. Er wurde als Held gefeiert. Und der Polizist, der neulich in Freital einen zum Hitlergruß erhobenen Arm einfach runtergedrückt hat, der auch. Für eine Armbewegung. Eigentlich nur dafür, dass er seinen Job ausgeübt und eine Straftat verhindert hat. Warum, zum Teufel, verkörpern diese Leute eine politische Kultur, wie wir sie uns wünschen? Warum nicht du? 

    Wenn die rechten Terroristen den Arm zum Hitlergruß heben, in Internetforen, auf der Straße, nachts mit Brandsätzen – dann musst du ihn jetzt verbal runterdrücken. Die TV-Journalistin Anja Reschke hat es in der ARD vorgemacht: „Der letzte Aufstand der Anständigen ist 15 Jahre her“, hat sie gesagt. „Ich glaube, es ist mal wieder Zeit.“ Ihr Kommentar zur Hetze gegen Flüchtlinge wurde allein auf Facebook 133.000 Mal geteilt, 140.000 Mal geliket, mehr als sechs Millionen Mal gesehen. So viel Liebe kann politische Karrieren verändern. Und ein Land. 

    Mach es also alleine, mach es mit anderen zusammen. Mach es für die Flüchtlinge, oder mach es für den Fame. Das wird uns fast egal sein, so nötig wäre eine humanistische Faust auf dem Tisch, angesichts der Hetze und Brände und des Hasses und der leidenden Menschen. Es ist traurig genug, dass wir dir das moralisch Richtige andrehen müssen wie einen Gebrauchtwagen. Aber in diesem Fall heiligt der Zweck die Mittel hunderttausendfach.

    Uns jungen Menschen geht es im Sommer 2015 nicht gut. Denn in Deutschland gab es bereits mehr als 150 Anschläge auf Asylbewerberheime. Wir finden das unfassbar schlimm. Es ist eine Schande. Es darf nicht sein.

    Was ist mit Dir, lieber Politiker? Was machst Du so im Sommer 2015? Worauf verfickt noch mal wartest Du?

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    Wichtigster Tag:
    Woah, jetzt mach ich Eigenwerbung. Der wichtigste Tag der Woche ist natürlich Freitag, der 21. August, denn da kommt mein allererstes Buch in den Buchhandel, es heißt „Nachts“ und erscheint im Aufbau-Verlag. Jetzt, wo ich die Tage allmählich an einer Hand abzählen kann, bin ich so aufgeregt, dass mir glatt schlecht ist.

    Kulturelles Highlight: Wenn ich zum Erscheinungstermin meines Buches sowieso schon in Berlin bin, gehe ich noch schnell in die Fassbinder-Ausstellung im Gropius-Bau, die nur noch bis zum 23.8 läuft. Nicht auf diese Woche beschränkt, aber ein Anlass, endlich mal wieder ins Deutsche Museum in München zu gehen, ist auch die Ausstellung „Licht ist mehr“. Grad erst entdeckt. Licht ist magisch, finde ich und ich will noch viel mehr darüber wissen. So viel, dass ich mich ernsthaft für „Angewandte Lichtwissenschaften“ an der Uni einschreiben würde, wenn es dieses Fach denn gäbe.

    Kino: Im Sommer kann man sehr gut ins Kino gehen, finde ich, besser als in jeder anderen Jahreszeit. Ich will „Margos Spuren“ angucken, weil ich nämlich Cara Delivingne mal als Schauspielerin sehen will. Kann die das? Wer im Sommer nicht ins Kino geht, kann sich auf den neuen Tarantino im Winter freuen, Trailer hier:

    http://www.youtube.com/watch?v=WSk7_I-WHV8

    Soundtrack: Chance the Rapper hat zusammen mit der US-Newcomer Hip-Hopperin Noname Gipsy den Song „Israel“ rausgebracht, und ich hab echt keine Ahnung, was das popkulturell genau zu bedeuten hat, aber irgendwie geht der Track sofort rein: Ich lieg geistig gleich in der Hängematte und schau den Pflanzen im heißen Sommerwind zu. Zu heiß zum Denken, zu heiß zum Sprechen, genau richtig zum diesen Song hören und die Augenlider dabei nur halb geöffnet haben und sachte mit Fuß und Kinn wippen. Und irgendwann easy nach einem Drink verlangen. Per langsamstem Handzeichen der Welt.

    https://soundcloud.com/chancetherapper/israel-sparring-chance-the-rapper-noname-gypsy

    Wochenlektüre:„Die seltsamsten Orte der Welt“ von Alastair Bonnett, Untertitel: Geheime Städte. Verlorene Räume. Wilde Plätze. Vergessene Inseln. So etwas mag ich. Neulich erst hab ich meinem Bruder zum Geburtstag das Buch „Karte der Wildnis“ geschenkt und war ganz neidisch drauf. Bald lege ich mir auch noch den „Taschenatlas der abgelegenen Inseln“ von Judith Schalansky zu. Und dann hau ich ab. Vielleicht.

    Geht gut diese Woche: Bei mir: Üben, immer cool zu bleiben, obwohl was Krasses passiert (Buch! Buchparty mit viel Familien- und Sozialchaos! Viel Stolz, viel Angst, viel Champagner!) Bei anderen: Eh im Flow bleiben.

    Geht schlecht: Dieses neue Hipstereis von Schöller, das grad alle instagrammen, diese Wassermelone am Stiel. Schmeckt scheiße.

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  • 08/17/15--00:39: Der Punkrock-Richter
  • Wenn Schulklassen eine Verhandlung am Sozialgericht Berlin besuchen, begegnen sich Yonas’ beide Welten manchmal. Neulich stand nach der Sitzung mal wieder ein Mädchen vor dem Richterpult und hielt ein paar CDs in der Hand. Sie wollte ein Autogramm von ihm, dem Vorsitzenden Richter. Doch an dem Gericht herrschen Kontrollen wie am Flughafen. Und so hatten die Sicherheitsleute ihr den Filzstift abgenommen, bevor sie den Saal überhaupt erreicht hatte. Eine Anekdote, wie sie nur Yonas Farag erzählen kann - Deutschlands einziger Richter, der auch Punkrocker ist.


    Yonas Farag bewegt sich in zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. 

    Es ist Donnerstagvormittag in Berlin. In der Nähe des Wannsees fährt ein weißer Mercedes Sprinter auf einen Parkplatz. Dellen, Kratzer und Aufkleber-Reste, eine Schiebetür, die nur noch von außen aufgeht. Selten sieht ein Bandbus so sehr nach Bandbus aus. Yonas Farag, 33, nimmt noch einen Zug an seiner Kippe, hievt seinen Rollkoffer auf die Rückbank und steigt hinterher. Wenn er wie heute Morgen noch im Büro war, stößt er als letzter zur Band. Bassist Hirsch und Schlagzeuger Max Power sitzen schon da. Sie machen sich auf den Weg nach Cuxhaven. Am Abend spielen sie dort auf dem Deichbrand-Festival.
     
    Yonas Farag ist Gitarrist bei Montreal, einer der bekannteren deutschen Punkbands. Seit 2003 haben sie fünf Alben aufgenommen und sind durch 17 Länder getourt. In der gleichen Zeit hat Yonas auch Jura studiert, ist Rechtsreferendar geworden, dann Staatsanwalt. „Punk wird ja häufig verstanden als Dosenbier und Schäferhunde“, sagt er. „Davon sind wir weit entfernt.“ Heute ist er Richter am Berliner Sozialgericht. Und immer noch bei Montreal.

    Die Frage: Punk und Staatsdienst, ist das noch ein Widerspruch? Yonas arbeitet immerhin in einem Land, in dem der Fraktionschef der CDU nach dem Wahlsieg bei der Bundestagswahl 2013 einen Song der Toten Hosen gegrölt hat. Wie subversiv ist Punkrock noch? Und wie liberal der Justizapparat, wenn es um die Hobbys seiner Beamten geht? Die Geschichte von Yonas Farag zeigt, dass es im Jahr 2015 womöglich keinen besseren Job für Punkrocker gibt, als Beamter im Staatsdienst zu sein.

    Die Berliner Senatsverwaltung bestellt Yonas ein. Auf dem Tisch: Songtexte seiner Band


    Dabei macht Yonas zu Beginn seiner Juristenlaufbahn andere Erfahrungen. Als junger Staatsanwalt klingelt einmal das Telefon im Sitzungssaal. Die Senatsverwaltung für Justiz, die oberste Aufsichtsbehörde der Berliner Gerichte, bestellt Yonas für den nächsten Tag ein. Als er zum Termin erscheint, liegen Songtexte seiner Band ausgedruckt auf dem Tisch. Zum Beispiel der zum Song „Solang die Fahne weht“, die erste richtige Single von Montreal. Das Video läuft zu der Zeit auf MTV. Es geht um Anpassungsdruck in den Subkulturen. Eine Zeile lautet: „Hast du keinen Nietengürtel, bist du nichts in deinem Viertel“. „Meine Vermutung ist, die haben einfach den Titel gelesen und an die Neonazi-Wiking-Jugend oder so was gedacht“, sagt Yonas.

    Die Bedenken kommen nicht von irgendwoher. Tatsächlich arbeitete im oberfränkischen Lichtenfels bis vergangenes Jahr ein bekannter Neonazi als Richter. War den Behörden vorher irgendwie entgangen. In Baden-Württemberg wurde wiederum ein Lehrer und Death-Metal-Musiker 2010 von der Schulaufsicht gedrängt, sein Referendariat abzubrechen. Vorwurf: Seine Band Debauchery würde Gewalt und Missbrauch von Frauen verherrlichen.

    Yonas sitzt also in der Senatsverwaltung und erklärt, was Montreal so machen. Am Ende glauben sie ihm, dass die Band mit Rechtsextremismus nichts zu tun hat. „Ich dachte, die Sache hat sich damit erledigt.“ Doch bald darauf meldet sich das Vorzimmer des Generalstaatsanwalts, des obersten Staatsanwalts in Berlin. Yonas muss wieder antreten. Zwei Stunden dauert das Gespräch diesmal. Musik fällt unter die Kunstfreiheit und muss nicht als Nebentätigkeit genehmigt werden. „Ich glaube, er wollte mir ins Gewissen reden, dass ich das trotzdem besser bleiben lasse. Der hat das Reizwort Punk gehört und uns sofort in einer Ecke verortet.“ Später bekommt Yonas einen Brief, in dem nur steht: Einer Genehmigung bedarf sein Hobby nicht. Alles gut.

    Yonas und seine zwei Bandkollegen kommen aus der Kleinstadt Schwarzenbek östlich von Hamburg. 1999 fangen sie an, zusammen Musik zu machen, seit 2003 als Montreal. Da ist Yonas schon Jurastudent. „Nach dem Abi wollte ich erst mal Musik machen. Ich dachte, nebenbei kann ich noch was Sinnvolles tun. Dümmer wird man davon ja nicht.“ Der Band wegen bleibt er zum Studieren in Hamburg. Im vierten Semester erscheint das Debüt-Album „Alles auf Schwarz“.

    Das erste Staatsexamen schreibt Yonas 2006 – parallel ist er mit der Bloodhound Gang auf Tour


    Ankunft auf dem Deichbrand-Festival. Ausladen, Aufbau, Warterei und ein paar Wodka-Bull. Dann gehen Montreal auf die Bühne. Das Rockfestival gehört mit 45 000 Besuchern inzwischen zu den größten in Deutschland. Der Donnerstag ist ein Warmlaufen fürs Wochenende, noch sind nicht alle Besucher angereist. Zur Showtime um 19 Uhr ist das Zelt ordentlich gefüllt. Das Karohemd, mit dem Yonas morgens aus dem Büro gekommen ist, hat er abgelegt. Darunter trägt er ein weißes, ärmelloses Shirt. Es wirkt wie ein klassisches Unterhemd, wie es Leute mit Bürojob eben so tragen. Wäre da nicht der Schriftzug auf der Vorderseite: „Fass mir an die Füße“ – ein Fanshirt der befreundeten Punkband Das Pack. Dazu trägt Yonas immer noch eine graue Jeans und Leinenturnschuhe. Für die Verwandlung vom Richter zum Punkrocker muss er sich nicht umziehen.

    Das erste Staatsexamen schreibt Yonas 2006, parallel ist er mit der Bloodhound Gang auf Tour. „Am Montag hatte ich eine Prüfung, am Samstag zuvor haben wir in Nürnberg gespielt. Auf der Rückfahrt ist unser Bus liegengeblieben. Das war der Moment wo ich dachte: Jetzt geht’s zu Ende. Aber irgendwie sind wir nach Hamburg zurückgekommen und das war meine beste Klausur im ganzen Examen.“ Im entscheidenden Jahr seines Studiums spielen Montreal mehr als hundert Konzerte.

    >> Auch in anderen Punkbands spielen Musiker, die sonst für den Staat arbeiten <<
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    Was tun, wenn die Gerichtspräsidentin fragt, ob man auf der Weihnachtsfeier spielen möchte?



    Yonas’ Arbeitsplatz, das Sozialgericht Berlin, liegt direkt gegenüber des Hauptbahnhofs. Ein Neorenaissance-Bau von 1875, große schwere Eingangstür, alte Holztreppen führen nach oben. In Sitzungssaal 208 sitzt Yonas in Robe, neben ihm zwei ehrenamtliche Richterinnen. Eine Vertreterin des Versorgungsamts kommt mit Rollköfferchen herein, kurz darauf der Kläger, ein Rentner im gestreiften Hemd. Seit einem Herzinfarkt hat er einen Schwerbehindertenausweis, irgendwann kam noch Diabetes dazu. Er klagt auf einen höheren Grad der Behinderung. Yonas hört sich die Beschwerden des Mannes an, fragt nach, zitiert aus Gutachten. Die Sitzung gleicht mehr einem Beratungsgespräch als einer Verhandlung. In dem Fall sieht er keine Chancen für die Klage. Auf seinen Rat hin zieht der Kläger sie zurück. „Seien Sie vorsichtig“, sagt Yonas zum Abschied, langsam verlässt der Mann den Saal.

    Yonas’ Büro im Sozialgericht liegt in einem Anbau an das historische Gebäude. Eine kleine Topfpflanze steht darin, Wasserflaschen, auf dem Tisch liegen Akten, daneben ein paar überreife Bananen, die einen süßlichen Geruch verbreiten. Nichts deutet darauf hin, dass hier der Gitarrist einer Punkband seine Urteile tippt.

    Wenn Yonas direkt von der Arbeit in den Tourbus steigt, braucht er Zeit zum Umschalten. Auf weiten Strecken hat er manchmal Akten dabei. Die fünfstündige Fahrt zum Deichbrand nach Cuxhaven fällt auf eine ruhige Woche am Gericht. Yonas döst, blättert durch die Zeit und den Kicker. Die ersten Stunden spricht er wenig. „Bei uns wird zwar nicht groß rumgepöbelt und gesoffen, aber das sind halt meine besten Freunde und mit denen rede ich anders als mit Klägern oder Anwälten.“ In Yonas’ Beruf geht es um Menschen, die auf einen Schwerbehinderten-Parkausweis hoffen. Im Tourbus geht es darum, dass der Kaiser’s im Wedding abgerissen wird – „der einzige Supermarkt, den man mit dem Auto anfahren konnte, um nach Festivals das Leergut abzugeben. Da kommt ja schon immer einiges zusammen.“

    Ist er auf der Bühne und im Verhandlungssaal der gleiche Typ? Zumindest erfüllt er beide Rollen mit großer Unaufgeregtheit. Auf Tour haben Montreal nur einen Soundmischer dabei, sonst machen sie alles selbst. Sie gehen einfach auf die Bühne, sagen „Hallo“ und legen los. Nach dem Konzert posiert Yonas im Graben vor der Bühne für Selfies. Vor einer Gerichtssitzung reicht er den Beteiligten die Hand, fragt nach, ob die offenen Fenster okay sind. Dass bei seinem Eintritt in den Saal alle aufstehen, scheint ihm eher unangenehm zu sein. Manchmal sagt er sofort: „Bleiben Sie sitzen.“

    Im Backstage-Bereich eines großen Festivals geht es zu wie auf einem großen Familientreffen. Nur mit mehr Alkohol und weniger Frauen. Man begrüßt sich, trinkt ein Bier zusammen, spielt eine Runde Tischtennis. Irgendwann komme natürlich oft die Frage, was man sonst eigentlich so mache. „Manchmal gab es erstaunte Blicke zu meinem Beruf.“ Aber eine Diskussion darüber hat er noch nie geführt.

    Eigentlich ist sein Job sogar ziemlich praktisch für ein Musikerleben. Montreal waren im Frühjahr auf einer kleinen Deutschland-Tour, im Sommer spielen sie große Festivals, im Herbst nochmal eine Clubtour. Alle zwei Jahre gehen sie ins Studio. Um das Management kümmert sich zwar Hirsch, aber auch Yonas ist gut beschäftigt. Trotzdem reichen die Einnahmen nicht, dass alle drei Bandmitglieder davon leben könnten.

    Das Richterdasein bietet Yonas ein sicheres Einkommen mit vielen Freiheiten: Wenn nicht gerade Verhandlungen anstehen, deren Termine er selbst festlegt, hat er keine festen Arbeitszeiten. Niemand kontrolliert seine Anwesenheit am Gericht. Normalerweise geht er trotzdem jeden Tag ins Büro. „Für den Auftritt am Donnerstag hatte ich einfach zwei Tage vorher Urlaub beantragt.“

    Andere Jobs beim Staat sind ähnlich Band-kompatibel. Yonas kennt eine ganze Reihe Leute aus befreundeten Punkbands, die als Lehrer arbeiten: Der Sänger der Band Benzin, die sich im April nach zehn Jahren aufgelöst hat. Auf dem Deichbrand redet Yonas darüber mit den Jungs von KMPFSPRT, von denen gleich zwei als Lehrer arbeiten. Auch die Hamburger Skapunk-Legenden Rantanplan hatten lange einen Lehrer in der Band. Es gibt natürlich auch politische, linke Punkbands, die niemals einen Eid auf den Staat leisten würden. Aber viele Punkrocker führen ein erstaunlich bürgerliches Leben. „Was mir daran gefällt, ist die Narrenfreiheit, die man hat. Ich will aber auch nicht mit allen in einen Topf geworfen werden. Viel linker Punk ist stumpfes Parolengedresche.“

    Seit dem Termin beim Generalstaatsanwalt muss sich Yonas am Gericht nicht mehr für seine Musik rechtfertigen. Die Gerichtspräsidentin hat mit seinem Hobby kein Problem. „Als wir das letzte Mal mit Montreal in Berlin gespielt haben, waren sogar richtig viele Richterkollegen da.“ Sie habe ihn auch gefragt, ob er nicht auf der Weihnachtsfeier spielen könne. In solchen Momenten hält Yonas die beiden Welten dann doch lieber auseinander.

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    Das ist:


    Trip Lee, geboren als William Lee Barefield, 27-jähriger Rapper aus Texas und in den vergangenen Wochen immer populäreres Sprachrohr der Protestler von Ferguson, Missouri. Wir erinnern uns: Dort wurde vor einem Jahr der 18-jährige, unbewaffnete Michael Brown von der Polizei erschossen. Brown war schwarz, der Polizist weiß. Seitdem läuft die Rassismusdebatte in den USA mit neuer Härte, bei einer Gedenkveranstaltung zu Browns Tod fielen vergangene Woche wieder Schüsse.  

    Der kann...


    ... die Wut vieler Schwarzer in den USA in Worte fassen. Sein Song "Coulda been me" wurde bereits vergangenen Dezember veröffentlicht. Jetzt, wo die Tragödie sich jährt, ploppt er allerdings erst richtig hoch - weil Trip dort aus seiner subjektiven Sicht beschreibt, was der Tod von Michael Brown und die vielen weiteren rassistischen Übergriffe danach für ihn bedeuten ("Didn’t know Mike Brown / I ain’t know Trayvon (...) / But I know they life /Is worth more than they saying on the tv screen / I hate I got a long list, you finna see me scream.")
    Wie er sein Leben lang oft automatisch für einen Straftäter gehalten wurde, nach dem Motto "Ihr seht ja alle gleich aus" und ihn das wütend macht. Gleichzeitig ruft er allerdings die schwarze Jugend dazu auf, nicht in Hass zu verfallen. Sondern weiterhin den Mund aufzumachen und Probleme zu benennen - gewaltfrei ("I wanna say to all my young black men / I know it’s feeling like we just can’t win / But in your anger don’t sin / Don’t affirm what they thinking.")
    https://www.youtube.com/watch?v=qm3ZlUDFbT8  

    Der geht...


    ... mindestens jeden Sonntag in die Kirche. Trip hatte nämlich mit 14 die Eingebung, dass er anstatt über Frauen und Gangstas zu rappen, nur noch christlichen Hip-Hop machen möchte. Das hat er mehr als konsequent durchgezogen: Im Jahr 2012, nachdem sein Album "The Good life" auf Platz 3 der Billboard Charts war, kündigte Trip an, erstmal keine weiteren Gigs zu spielen. Stattdessen ließ er sich zum Pfarrer in einer christlich reformierten Kirche ausbilden, mittlerweile predigt er in einer Kirche in Atlanta und will auf seinem Blog jungen Menschen helfen, gottesfürchtig zu leben.

    Wir lernen daraus, dass...


    ... Conscious Rap nicht immer nur Show sein muss. Laut eigenen Angaben lebt Trip pornoabstinent und nach dem Willen Gottes. Seit seinem 20. Lebensjahr ist er zudem mit seiner Frau Jessica verheiratet, sie haben zwei gemeinsame Kinder.

    Nur Google weiß über ihn...


    dass Trip interessanterweise auch lernen musste, wie Rassismus umgekehrt, von Schwarzen gegen Weiße, ablaufen kann: Seine Frau Jessica ist nämlich weiß. Für diese Entscheidung wurde Trip so oft angefeindet, dass er sich irgendwann dazu veranlasst sah, einen Blogeintrag darüber zu schreiben.
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  • 08/17/15--05:55: Das Leben der Anderen




  • Jetzt.de:
    Wie kamst du dazu, dich für die Handyfotos von Fremden zu interessieren?
    Ivan Cash:Wer tut das nicht? Wenn man durch die Stadt läuft, ist man immer der gleichen Szenerie ausgesetzt: Menschen starren auf ihre Handys – ich selbst ja auch. Ich habe mich immer gefragt, was sie wohl gerade tun, mit wem sie in Kontakt sind. Jeder ist ja mit irgendwem durch sein Smartphone verbunden, aber dadurch ergeben sich eben weniger direkte Kontakte im Alltag.

    Was ist das genau, das dich an deinem Projekt so fasziniert?

    Die Realität ist oft verrückter, als man es sich ausdenken könnte. Menschen nach ihrem letzten Foto zu fragen, ist ein einfacher Weg, sehr intime Dinge zu erfahren. Man kann ganz ungefiltert in das Leben wildfremder Menschen schauen.

    Das ist auch ganz schön voyeuristisch. Wie oft kam es vor, dass sich Leute geweigert haben, dir ihre Fotos zu zeigen?

    Ungefähr jeder zweite hat sich erst gar nicht von mir auf der Straße ansprechen lassen. Aber nahezu jeder, dem ich mein Projekt erklärt habe, hat mir auch sein letztes Foto gezeigt.

    Wie lange arbeitest du denn schon an der „Last Photo“- Serie?
    Vor dem „Last-Photo“-Projekt ließ ich Fremde auf der Straße ihre letzte SMS vorlesen – das waren auch schon sehr interessante Geschichten. Dann ging ich 2013 dazu über, die Fremden auf der Straße nach ihren Fotos zu fragen. Ich fing hier in San Francisco an und nahm mir vor, in jeder Stadt, die ich besuche, ein Video zu drehen. Mittlerweile übernehmen Leute auf der ganzen Welt meine Idee – jemand hat zum Beispiel ein „Last-Photo“-Video von Berlin gemacht.

    Du musst mittlerweile ein Experte für Handyfotos sein– gibt’s da verschiedene Motive, die besonders häufig vorkommen?            
    Sicher. Fast jeder hat Fotos von seinem Essen, seinem Haustier, den Kindern oder den Großeltern in seiner Galerie. Jede Menge Selfies natürlich. Aber das ist gerade das Interessante: Viele Fotos sehen ähnlich aus, aber die Geschichte dazu ist immer eine andere.

    Du hast für deine Videos verschiedene Städte bereist, von Amerikas Ostküste bis zur Westküste. Mit London ist auch eine europäische Stadt dabei. Gibt es regionale Unterschiede, was die Smartphone-Galerien betrifft?
    Ich habe bewusst sehr gegensätzliche Städte besucht: Miami, Los Angeles oder Detroit etwa. Je mehr Städte ich besucht habe, desto bewusster wurde mir, dass es sehr viele Gemeinsamkeiten gibt, die     überall gelten. Es gibt natürlich jede Menge merkwürdige Motive, aber die sind ja nie repräsentativ für einen Ort.            

    Jetzt mal ehrlich: Wie oft bekommst du Nacktfotos zu sehen?
    Das passiert öfter mal. Eine Frau in London hatte zuletzt ein Penisfoto zugeschickt bekommen. In San Francisco hat jemand ein Foto von seinem One Night Stand gemacht, das hat er aber nur mir gezeigt und nicht der Kamera.            

    Manchmal hast du dann also nur du das Vergnügen?
    Genau. Ich gebe aber auch Workshops für Firmen und da gibt es eine Übung,  „Cameraroll-ette“, wo man blind durch die Galerie von jemand anderem scrollen muss und dann wahllos ein Foto öffnet – da war auch das ein oder andere Nacktfoto dabei.            

    Welche Rolle spielen denn überhaupt Handyfotos in unseren Leben? Sind das die modernen Erinnerungsalben unserer Generation?           
    Ich glaube, kaum jemand aus meiner Generation hat noch klassische Fotoalben zu Hause. Die Bilder auf Facebook und Instagram können diese ersetzen, oder eben die Fotos auf unseren Handy. Ich finde nicht, dass man alles immer dokumentieren muss, aber ab und zu ein Foto als Erinnerungsstütze ist natürlich super. Was wir zum Beispiel auf Instagram hochladen, ist immer schon vorgefiltert; unsere privaten Handygalerien bilden viel präziser die Realität ab.

    Was zeigt uns die Last-Photo Serie? Hast du selbst etwas gelernt?
    Vor allem habe ich gelernt, dass es unglaublichen Spaß macht, offen zu sein und mit fremden Menschen zu sprechen - das merke ich bei jedem meiner Projekte aufs Neue. Wenn man die Fotos sieht und die Hintergründe davon erzählt bekommt, dann wird klar: Das Gewöhnliche ist außergewöhnlich.

    Welches Bild ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

    In New York habe ich mit einem Typen namens Jazzsoon gesprochen. Insgesamt ein sehr hipper, männlicher Typ mit dem typischen Brooklyn-Akzent. Und der zeigt mir ein Foto von sich im Bademantel in einer Wellness-Therme, die er mit seiner Freundin besucht hat und sagt etwas wie: „Mann, wir trinken da Gurkenwasser und den ganzen Scheiß, du musst das Leben genießen am Wochenende, weißt du, was ich mein'?“ Das fand ich so lustig, dass ich später eine kleine Dokumentation über ihn gedreht habe.

    Jetzt schau doch bitte mal für uns nach: Was ist das letzte Foto auf deinem Handy?

    Oh, das ist sogar ein gutes! Das habe ich heute morgen zuhause gemacht. Da ist mir aufgefallen, dass ich meinen Kaktus zu sehr gewässert habe und dass der geschimmelt ist. Der Schimmel hat aber so eine gruslige Farbe, dass ich meiner Freundin ein Foto davon geschickt habe, um zu fragen, wie giftig so was ist. Sieht furchtbar aus, oder?

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  • 08/17/15--07:21: Star Wars auf Sommerfrische
  • Im Hintergrund schneebedeckte Berge, im Vordergrund eine Wiese voller Löwenzahn, Sonnenstrahlen reflektieren auch noch – kitschiger geht's nicht. Fehlt nur noch ein röhrender Hirsch, darum kann man sich so ein Foto an der Wand auch nur in einem gutbürgerlichen Wirtshaus oder einer Landarztpraxis vorstellen. Ganz anders sieht es aus, wenn in dieses schnulzige Motiv zwei Stormtrooper radeln, noch dazu auf einem Tandem – denn dann wird daraus so etwas wie Popkultur:  

    [plugin imagelink link="http://1.bp.blogspot.com/-6xd-MUgzB1E/Vc6BaexAETI/AAAAAAABNzk/SEuYwavZ6e4/s1600/Kyle-Hagey-04.jpg" imagesrc="http://1.bp.blogspot.com/-6xd-MUgzB1E/Vc6BaexAETI/AAAAAAABNzk/SEuYwavZ6e4/s1600/Kyle-Hagey-04.jpg"] (Foto: Kyle Hagey via Faithistorment.com)

    Der Künstler Kyle Hagey hat in seinem Etsy-Shop gerade eine ganze Serie mit Urlaubsbildern von Star-Wars-Charakteren veröffentlicht. Da ist der Super-Bösewicht Darth Vader, der auf einer Wiese mit abgespreiztem kleinen Finger eine Teetasse hält und von ihr nippt. C-3PO, der in einem Feld voll mit wilden Blumen tagträumt. Ein Kampfdroide, der mit einem Glas Wein verführerisch vor dem Sonnenuntergang posiert. Sinnfrei? Sicher. Aber auch ein großer Spaß. 

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    Es lohnt sich nicht nur ein Blick auf die Fotos, sondern auch in Hageys Erklärungen reinzulesen. "Gute Soldaten brauchen ein gutes Training", schreibt er etwa zu den Stormtrooper. "Ein Tandemrad verschafft Bewegung, Team-Building-Fähigkeiten und sinnliche Wadenmuskeln."

    [plugin imagelink link="http://1.bp.blogspot.com/-jP0Kf9C0geo/Vc6BZkrA-SI/AAAAAAABNzU/-e7p9ticC-4/s1600/Kyle-Hagey-01.jpg" imagesrc="http://1.bp.blogspot.com/-jP0Kf9C0geo/Vc6BZkrA-SI/AAAAAAABNzU/-e7p9ticC-4/s1600/Kyle-Hagey-01.jpg"](Foto: Kyle Hagey via Faithistorment.com)  

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  • 08/17/15--08:47: Hipster mit Selbstironie
  • Wie sehr sich das „echte“ New York doch verändert hat, beklagt die junge Frau, und dass die Zugezogenen nie verstehen werden, wie die authentisch bohemehaft und dynamisch New York mal war. Noch vor elf Monaten, als sie hier hergezogen ist.



     

    In Deutschland, wo sich Leute, die erst vor ein paar Monaten nach Berlin gezogen sind, über Gentrifizeriung beschweren, sind derartige Witzchen schon lange nicht mehr tragbar. In den USA vermutlich auch nicht - außer man macht das so charmant wie die Seite Millennials of New York der Webseite Elite Daily.

    Bereits im Mai startete das Parodie-Blog als Antwort auf die Seite Humans of New York, auf der Brandon Stanton hippe, dynamische Stadtbewohner portraitierte. "Millennials of New York" dagegen zeigt das Gegenteil von Bohème und Sophistication, und das in zig verschiedenen Facetten. Funktioniert nicht immer, aber wenn, dann ziemlich gut.






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