Are you the publisher? Claim or contact us about this channel


Embed this content in your HTML

Search

Report adult content:

click to rate:

Account: (login)

More Channels


Channel Catalog


Channel Description:

jetzt.de

older | 1 | .... | 250 | 251 | (Page 252) | 253 | 254 | .... | 311 | newer

    0 0

    [plugin zuordnen Bild1="Bild2" Bild3="Bild4" Bild5="Bild6" Bild7="Bild8" Bild9="Bild10" Bild11="Bild12" Bild13="Ergebnis" Bild14="Ergebnis" Bild15="Ergebnis" Bild16="Ergebnis" Bild17="Ergebnis" Bild18="Ergebnis" FarbeLinks="#123456" FarbeRechts="#bed7f9" FarbeErgebnis="#33AA33"]

    0 0

    Wile E. Coyote zum Beispiel. Gott, konnte der würdevoll verlieren. Gargamel auch, allerdings galliger, nicht mit dieser Nonchalance des großen Genies. Pinkys Freund Brain sowieso: Einer der größten Scheiterer der Cartoon-Geschichte. Noch im härtesten Rückschlag aufrecht, Blick immer sofort wieder nach vorne. Nicht mal Jerrys Antagonist Tom konnte Niederlagen so gut wegstecken.

    Und Niederlagen sind es ja, die diesen Figuren ihre Existenzberechtigung in den Serien geben. Die Getriebenen, die, die im Leben genau ein Ziel verfolgen und es nie, niemals erreichen werden, sind es ja, die alles interessant halten. Ohne Lohn oder auch nur Hoffnung. Bislang.

    [plugin imagelink link="http://ak-hdl.buzzfed.com/static/2015-06/7/10/enhanced/webdr02/anigif_enhanced-16973-1433687954-14.gif" imagesrc="http://ak-hdl.buzzfed.com/static/2015-06/7/10/enhanced/webdr02/anigif_enhanced-16973-1433687954-14.gif"]

    Für den wohl aufrechtesten Verlierer der Simpsons, Sideshow Bob (hier bekannt als Tingeltangel Bob), könnte sich das ändern. Zumindest machte Serien-Produzent Al Jean beim ATX Television Festival in Austin Andeutungen, Krustys ehemaliger Sidekick könne sich seinen großen Traum erfüllen: Bart töten! Angeblich während der Halloween-Folge von Staffel 27.

    Wobei die Formulierung denkbar vage ist. Man werde erleben, sagte Jean, dass Sideshow Bob etwas tut, das er schon seit sehr langer Zeit tun will. Was das konkret heiße? Nun: Er, Jean, gehöre zu den Leuten, die schon immer wollten, dass der Coyote den Road Runner frisst. „You can see where this is going.“

    [plugin imagelink link="http://ak-hdl.buzzfed.com/static/2015-06/7/10/enhanced/webdr06/anigif_original-grid-image-8622-1433687648-5.gif" imagesrc="http://ak-hdl.buzzfed.com/static/2015-06/7/10/enhanced/webdr06/anigif_original-grid-image-8622-1433687648-5.gif"]

    Kann man. Tote in Halloween-Folgen zählen schließlich nie. So ist Jeans zweite Ankündigung für Fans vielleicht noch interessanter: Angeblich kommt Spider-Schwein auch zurück. Und jetzt alle:

    http://www.youtube.com/watch?v=Huh8IXPjO4Q

    jakob-biazza

    0 0
  • 06/08/15--09:30: Die nächste Bitte!
  • Jazz Jennings taucht als Meerjungfrau durch den Pool, ein bisschen reflektiert die Schwanzflosse im Licht. Wäre sie wirklich eine Meerjungfrau, wäre vieles leichter. Sie müsste sich viele Fragen nicht stellen, denn Meerjungfrauen haben dort, wo Jazz einen Penis hat: nichts. Bei der 14-Jährigen ist das anders, und deshalb muss sie sich Gedanken machen: über die Operation oder die Hormontherapie, die sie nun beginnen muss, wenn sie ihre Pubertät aufhalten will, damit sie nicht noch mehr zum Mann wird. Sie ist zwar als Junge geboren, hat sich aber als Mädchen gefühlt, seit sie sich erinnern kann.

    Als sie das Meerjungfrauenvideo vor einem Jahr auf Youtube hochlädt, ist Jazz in den USA bereits bekannt – für ihre Videos und Interviews, in denen über ihren Alltag als Transgender-Mädchen erzählt: von Geburtstagspartys und ihrem Glitzer-Badeanzug, von Zweifeln und Hänseleien. Jetzt wurde Jazz das Gesicht der internationalen Kampagne von „Clean&Clear“. Der Claim: #SeeTheRealMe. Als erstes Transgender-Mädchen der Welt steht sie für einen amerikanischen Großkonzern, den Hauptkonkurrenten von Clerasil.

    Moment mal: Seit wann geht es in Anti-Pickel-Werbung um so heikle Angelegenheiten? Waren da nicht eben noch bartlose Jungs, die sich aufgeregt fürs erste Date fertig machen und rufen: „Oh Nein! Ein Pickel! Ausgerechnet jetzt!“?



    Jazz Jennings ist das erste Transgender-Mädchen, das Werbung für einen großen US-Konzern macht.

    Das Thema scheint gerade ohnehin sehr präsent zu sein. Aydian Dowling steht kurz davor, als erster Transgender-Mann auf das Cover der Männerzeitschrift Men’s Health gewählt zu werden. Das Londoner Kaufhaus Selfridges eröffnete Anfang des Jahres den gender-neutralen Concept Store „Agender“ und wirbt mit dem Transgender-Model Hari Nef. Ebenso das Luxuskaufhaus Barneys, das vergangenes Jahr 17 Transgender-Models für seine Frühjahrskampagne posieren ließ. Vogue.com fragte in einem Artikel gerade, ob sich Transgender mittlerweile fest in der Modebranche etabliert hätte.

    Eine ganze Branche, die Geschlechterrollen mehr und mehr infrage stellt, ein Konzern, der Millionen von Teenagern mit einem Transgender-Werbegesicht für sich gewinnen will, eine Männerzeitschrift, die vielleicht bald eine ehemalige Frau auf dem Cover zeigt – es scheint, als hätte sich da was getan in letzter Zeit. Paula-Irene Villa ist Professorin für Genderstudies an der LMU München. Sie bestätigt den Trend: „Das Spiel mit Tabubrüchen, mit Uneindeutigkeit ist in der Werbung nicht neu. Die explizite Thematisierung von Transgender dagegen schon.“ Und das scheint eine allgemeine gesellschaftliche Tendenz zu spiegeln: „Geschlecht ist ein flüssiges Konstrukt, das in Zukunft womöglich immer irrelevanter werden wird.“ Warum aber glauben die Werbeleute, gerade jetzt damit junge Menschen erreichen zu können?

    Wenn eine Marke sich als fortschrittlich darstellen möchte, hilft es, traditionelle Rollenbilder anzufechten.


     
    Marketing und Werbung haben schon oft versucht, aktuelle gesellschaftliche Diskurse für sich zu nutzen. „Werbung greift schon immer auf zwei bewährte Stilmittel zurück, um Glaubwürdigkeit und Aufmerksamkeit zu erzeugen: auf Authentizität und Provokation“, erklärt Ralph Poser von der Hamburger Werbeagentur Kolle Rebbe. „So erzeugen Marken Nähe und Relevanz. Besonders für junge Menschen sind Fragen nach Individualität und Abgrenzung sehr wichtig.“ Wenn eine Marke sich als jung und fortschrittlich darstellen möchte, hilft es also, bei einem gesellschaftlich diskutierten Thema traditionelle Rollenbilder anzufechten.

    >>>>>>>>Jazz Jennings oder Hari Nef: eine Art werbetechnischer Home-Run. [seitenumbruch]
    Benetton zelebrierte unter dem Slogan „United Colors“ schon in den Neunzigern die Vielfältigkeit der Gesellschaft. Auf den Plakaten posierten Models verschiedenster sexueller Orientierung und Hautfarbe nebeneinander, ein sterbender AIDS-Kranker sollte für die Krankheit sensibilisieren. Auch Gender-Stereotypen stehen bereits länger im Fokus von Werbeagenturen. Dove fotografierte 2004 „echte Frauen“ in Unterwäsche, um daran zu erinnern, wie falsch weibliche Schönheitsideale in Zeiten von Photoshop sind – und verkaufte damit Pflegeprodukte für straffe Haut. Gerade ließ das Unternehmen für die Hashtag-Kampagne #ChooseBeautiful weltweit zwei Schilder über Eingangstüren anbringen. Über einer stand das Wort „Schön“, über der anderen „Durchschnitt“.  Ankommende Frauen mussten sich entscheiden, durch welche Tür sie gehen und wählten reihenweise die Durchschnitts-Tür. Die Werbung floppte, denn das Ergebnis war ebenso erwartbar, wie die Gedanken, die sich Frauen danach vor laufender Kamera machten. „Einseifen“ würde der Konzern seine Kundinnen damit, schrieb die Zeit.

    Das ewige Herumreiten auf dem weiblichen Defizit funktioniert offenbar nicht mehr. 2004 konnte Dove damit noch provozieren, heute nicht mehr. Deswegen sind Marken auf der Suche nach neuen Themen, die eine ähnliche Botschaft vermitteln.

    Jazz Jennings oder Hari Nef sind momentan also eine Art werbetechnischer Home-Run. 



    Gender-Nonkonformität ist so ein Thema. In den vergangenen Jahren ist es verstärkt in den Fokus gerückt. Auf Facebook lassen sich 58 Optionen unter „Geschlecht“ auswählen – auch Transgender ist eine davon. Jazz Jennings wurde vom Magazin TIME 2014 zu einer der einflussreichsten Jugendlichen der Welt gewählt. Gleichzeitig ist Transgender aber noch immer Tabuthema genug, um garantiert für Aufmerksamkeit zu sorgen, wenn man es es offensiv in einer Kampagne verwendet. „Zynisch gesagt, war einfach keiner mehr übrig, mit dem der Diskurs noch spannend gewesen wäre“, erklärt Werbefachmann Poser. „So gesehen sind Transgender-Models lediglich eine weitere Variante einer sehr zeitgemäßen Marketing-Inszenierung.“ Hautkranke, Dicke, Homosexuelle oder Transgender-Models – „alle haben für eine gewisse Zeit das gängige Bild von Schönheit und von Normalität ins Wanken gebracht und zu neuer Normalität erweitert“.

    Jazz Jennings oder Hari Nef sind momentan also eine Art werbetechnischer Home-Run. Sie sind nicht nur Vorbilder für die Community, die sich für die Rechte von Homo- und Bisexuellen und Transgender einsetzt, sie verkörpern auch das weltoffene Image der Unternehmen, für die sie werben. Die können damit das alte „Sei wie du bist“-Gefühl, das schon Dove vor einem Jahrzehnt benutzte, erneut verbreiten.

    Und wenn auch das irgendwann langweilig und durchschaubar geworden ist, geht es weiter zur nächsten Minderheit. 

    0 0
  • 06/08/15--09:30: Erzählen zählt
  • Bald ist es so weit. Bald verreise ich zum ersten Mal alleine. Das habe ich bisher nie gemacht. Nicht etwa, weil ich Angst habe, alleine überfallen zu werden oder mich zu verirren. Vor allem will ich nicht alleine reisen, weil ich immer zu irgendjemandem „Das ist aber schön!“ sagen muss, wenn etwas schön ist. Ich kann etwas Schönes nämlich erst dann wirklich schön finden, wenn ich es jemandem mitteile.

    Ich bin eine Kommunikationsmaschine. Ich muss mich dauernd äußern. Manchmal macht mich das wahnsinnig, manchmal will ich mir selbst den Mund verbieten, die Klappe halten, einfach mal still sein. Still genießen oder meinetwegen auch still leiden, je nachdem, was gerade ansteht. Ich habe eigentlich gelernt, dass das der richtige Weg ist. Denn als Kind habe ich viel geplappert, ich wurde dafür von den Erwachsenen oft verspottet oder mit Sätzen wie „Wenn der Kuchen redet, haben die Krümel Sendepause!“ um Ruhe gebeten. Schweigen, das schien eine Tugend zu sein. Die ich bis heute nicht beherrsche. Stattdessen weiß immer irgendwer, wie es mir geht, was mich bewegt, was ich gemacht habe. Ich muss es erzählen, damit es real wird und damit ich es begreifen und einordnen kann. Als nähme es Gestalt an, indem ich es ausspreche, als bekäme es eine Textur und ich könnte es befühlen und wüsste dann, was ich davon zu halten habe – ob es weich, hart, rau, glatt, kalt, warm, schwer oder leicht ist. „Erzählen bedeutet, Dinge in den Griff zu bekommen“, das hat die kluge Autorin Katharina Hartwell mal gesagt. Ich glaube, sie hat Recht.

    Wenn ich mich umschaue, dann glaube ich auch: Ich bin damit nicht alleine. Etwas erzählen, das ist ein Ding meiner Generation. Zum Glück – zumindest zu meinem – hält sie nichts mehr von Schweigen als Tugend. Was früher Besitz war oder Mobilität, das ist heute Kommunikation. Wir bauen keine Häuser mehr. Wir kaufen uns keine Autos. Wir haben Smartphones in der Tasche und leidlich teure Laptops auf dem Schoß. Nichts nutzen wir in unserem Alltag mehr als diese Geräte. Und was machen wir damit die meiste Zeit? Wir kommunizieren. Es macht für uns keinen Unterschied mehr, ob wir uns Face-to-Face oder elektronisch mitteilen. Hauptsache wir kommunizieren.

    Wir schreiben unseren Freunden im Messenger, einzeln oder vielleicht sogar in einer Gruppe. Wir posten ein Foto auf Instagram, sei es der Abendhimmel, das Essen oder ein lustiges Verkehrsschild. Wir schreiben in den Facebook-Status, wie es uns geht, und zeigen auf Pinterest, was uns gefällt. Das alles sind Teile einer großen Erzählung und mit dieser Erzählung formen wir unsere Leben und uns selbst. Manchmal formen wir vielleicht auch nur die Wunschvorstellung unseres Lebens und von uns selbst, aber das macht nichts, denn in der Erzählung ist sie real und nimmt Gestalt an. 

    Das Schlimmste, was wir einander sagen können, ist: „Ich möchte nicht darüber sprechen.“


    Wir kommunizieren so viel, dass ältere Generationen darüber oft den Kopf schütteln. Sie verstehen das nicht. Sie finden, man müsse auch mal den Mund halten. Oder das Handy weglegen. Sich einfach nur tief in die Augen sehen. Oder in die Landschaft starren. Manchen wir manchmal auch. Aber dann machen wir noch ein Foto von der Landschaft, um unseren Blick mit anderen zu teilen.

    Unser Lebensmotto hat ein Mann erfunden, der zwar zu einer älteren Generation gehört, aber als Schriftsteller ohne das Erzählen nicht sein konnte: Gabriel García Márquez. Er nannte seine Memoiren „Leben, um davon zu erzählen“. Ein Satz, den ich auf der Stirn tragen könnte, ebenso wie viele meiner Freunde. Denn wenn wir nicht erzählen, dann stimmt etwas nicht. Mit das Schlimmste, was wir einander sagen können, ist: „Ich möchte nicht darüber sprechen.“ Das ist zum einen eine Absage an das Vertrauen, es bedeutet: „Ich möchte es nicht mit dir teilen.“ Zum anderen wird dadurch versucht, etwas aus der Welt zu schweigen. Nicht umsonst heißt es „totschweigen“. Was wir nicht aussprechen, hört auf zu existieren. Es verliert seine Gestalt.

    Ich will nicht, dass all das Schöne, das ich auf meiner Reise sehen werde, seine Gestalt verliert, weil ich niemandem davon erzählen kann. Meine Freunde werden darum von mir hören. Ich werde mein Smartphone aus der Tasche ziehen und „Ich habe etwas so Schönes gesehen!“ schreiben. Und dann davon erzählen.

    0 0
  • 06/08/15--09:30: Gut aufgenommen
  • Eine Erweckungsszene wäre jetzt toll, gell? Einer von diesen in Zeitlupe ablaufenden Erkenntnismomenten mit Halleluja-Chören, in denen alles, was vorher neblig und nicht zu greifen war, eine bergseehafte Klarheit bekommt. Aber so war’s nicht. So etwas wie einen Erweckungsmoment gibt es im echten Leben nämlich nicht. Nie. Hollywood hat das erfunden, weil die Gedanken und Gefühle der Protagonisten nun mal irgendwie in Bilder übersetzt werden müssen. Deshalb das Brimborium mit den Engelsgesängen. In Wirklichkeit lässt sich die Bedeutung von Ereignissen nur im Rückblick ermessen. Alles andere rechnet unser Gehirn nachträglich in die Erinnerungen hinein. Behaupte ich jetzt jedenfalls mal.

    Als eine Kassette (ja, damals bekam man Musik noch auf Tapes raubkopiert) mein Leben verändert hat, legte sich jedenfalls kein Slowmotion-Effekt über die Welt. Was vielleicht auch an mir lag. An meiner Überforderung. Ich hörte damals hauptsächlich die Erste Allgemeine Verunsicherung und den Song „Looking For Freedom“. In der Version von David Hasselhoff. Und auf der Kassette waren zwei der zehn wichtigsten Alben der Neunzigerjahre: „Check Your Head“ von den Beastie Boys und das selbstbetitelte Debüt von Rage Against The Machine. Wenn man die mit EAV-Sozialisation ohne Vorwarnung hört, dann ist das, wie mit grober Mau-Mau-Regelkunde Schach zu spielen. Engel hörst du da jedenfalls keine.  

    Junkies haben schon recht: Wenn du mal das echte Zeug genommen hast, gehst du nicht mehr zurück zur Einstiegsdroge.


    Das Tape hat Nicole mir aufgenommen. Nicole hat im Laden meiner Eltern gearbeitet, und ich kann nicht mal mehr sagen, ob ich Geburtstag hatte oder ob es einfach so war. Seltsamerweise erinnere ich mich aber sehr gut an den Satz, mit dem sie es mir gegeben hat: „Kannst ja mal schauen, ob dir das gefällt.“ Und wenn ich jemals einen Erziehungsberater schreiben sollte, ich würde ihn mit diesem Satz beginnen. Denn er war sehr klug, gerade weil er nicht klug sein wollte. Dazu aber gleich mehr. Zwölf oder 13 dürfte ich damals gewesen sein. Und es war Sommer. Wahrscheinlich der letzte, in dem noch manchmal richtig schlechte Musik bei mir lief.

    Denn Junkies haben schon recht: Wenn du mal das echte Zeug genommen hast, gehst du nicht mehr zurück zur Einstiegsdroge. Und was für echtes Zeug das war, das ich da auf „Check Your Head“ plötzlich gehört habe: Drums, die klingen, als würde man mit einem dicken Metallrohr auf verschiedene Stellen einer Mülltonne eindreschen (auch in der Attitüde), Bässe wie Kettensägen in sehr trockenem Holz, heiser hingehustete Orgeln, Synthies wie ein Zahnarztbohrer, der ein paar Schichten Schmelz fräst. Dazu diese wahnwitzigen Raps, wie durch eine sämige Marihuanawolke gefiltert. Gigantisch! Ich habe in dieser Zeit gemerkt, was Musik eigentlich auslösen, welchen Humor sie haben und was für eine todernste Sache sie trotzdem sein kann.





    Das weiß ich heute. Damals konnte ich das alles noch nicht erfassen. Intellektuell. Es hing ein paar Ebenen zu hoch. Aber irgendwie spürt man ja doch, wenn man große Kunst vor sich hat. Ich zumindest wurde von etwas erfasst, von einer Art Sog. Fern noch, nicht sehr stark – aber er gab eine Richtung vor. Und so wurde dieses Tape zu einem Nordstern meiner popkulturellen Orientierung. Zu einer im Hintergrund immer präsenten Referenz. Sie bewahrte mich davor, schlechte Musik aus Versehen gut zu finden, weil ich unterbewusst alles mit dieser Referenz abglich. Ich hatte gespürt, wie man Musik auch produzieren kann – ohne auch nur irgendeine Idee davon zu haben, was das heißt: produzieren.

    Das schützt einen davor, Kay One oder Die Atzen für Rap zu halten. Man merkt, dass mit deutschen Pop- und vor allem Rock-Produktionen etwas noch nicht stimmen kann, wenn die Guano Apes das Äquivalent zu Rage Against The Machine sein sollen. Vielleicht fröstelt man auch etwas beim Gedanken, dass Die Toten Hosen manchmal immer noch als Punk gelten.

    Möglicherweise kommt man aus alldem sogar zu der Erkenntnis, dass es so etwas wie ein absolutes, objektives „Gut“ in der Musik gibt – in der Kunst überhaupt? Eines, das sogar ein 13-Jähriger irgendwo tief drinnen empfindet, obwohl er bis dato mit Hasselhoff nach Freiheit gesucht hat. Vielleicht wäre mir das aber auch schon zu viel Pathos.

    Etwas ganz anderes – und damit kommen wir wieder zu dem sehr klugen Satz von oben zurück – habe ich übrigens noch sehr viel später realisiert. Um ehrlich zu sein, war es vor fünf Absätzen: Ich habe mir wohl immer so etwas wie einen Mentor gewünscht. Jemanden, mit dem man – zum Beispiel jetzt – grundsätzliche Fragen zu Stil und Haltung diskutieren kann: Hip-Hop oder Rock? Hemd oder T-Shirt? Gauloises oder Marlboro? So Kram eben. Tatsächlich hatte ich ja einen Mentor. Der war nur so dezent, dass ich es nie gemerkt habe: „Kannst ja mal schauen, ob dir das gefällt.“ Wie groß das ist! Man sollte Kindern alles mit diesem Satz unterjubeln. Er bietet nämlich an, statt aufzudrängen. Er nimmt ernst, statt von oben herab zu behandeln. Er spricht einem eine selbständige Meinung und einen eigenen Geschmack zu.

    Deshalb versteige ich mich jetzt auch nicht zu der These, dass alles anders gekommen wäre ohne dieses Tape. Dass ich womöglich nie Bands gegründet und nie größere Teile meines Lebensunterhaltes mit dem Schreiben über Musik verdient hätte. Die Anlagen waren vermutlich schon da. Wahrscheinlich wären sie auch so irgendwann rausgekommen. Aber Himmel: Viel schlechte Musik hätte ich bis dahin halt doch gehört. Laut und womöglich sogar öffentlich. Wer einen vor so etwas bewahrt hat, verdient Dank. Laut und womöglich sogar öffentlich. Also: Danke!

    0 0
  • 06/08/15--09:30: Auf Spurensuche
  • Ich kenne Laura seit zehn Jahren. Und ich schwöre, dass keine Sekunde mit ihr langweilig war. Als ich sie mitten in der schlimmsten Nacht meines Lebens anrief, wegen einer anderen Frau natürlich, sagte sie nur, dass sie jetzt vorbeikommen würde. Sie setzte sich ins Auto, fuhr durch halb Berlin, nahm mich in den Arm, verfluchte diese elende Herzensbrecherin und schaute sich mit mir bescheuerte Youtube-Videos an, bis ich wieder lachen konnte. So eine ist das. 

    Ich dachte immer, dass wir alles über einander wüssten, die besten und die schlechtesten Geschichten des anderen kennen. Bis sie mir vor etwa zwei Jahren erzählte, dass sie sich während vieler unserer gemeinsamen Momente nicht sicher war, ob sie existiert. „Das hat nichts mit dir zu tun“, sagte Laura, wie immer in schwarz und weiß gekleidet, in einer der Bars, in die wir ständig gingen. „Aber ich habe oft das Gefühl, als würde ich in einem Video agieren. Mein Körper macht zwar irgendwas und das auch bewusst, aber er ist mir dabei so fremd, als wäre er ein Roboter.“

    „Also, wenn ich jetzt deine Hand anfasse, dann gehört sie gerade nicht zu dir, oder wie?“, fragte ich. Sie schaute mich lange mit ihren braunen Knopfaugen an. Wie sich das genau anfühle, das könne man kaum in Worte fassen, sagte sie. Darüber wäre sie schon oft verzweifelt. 

     „Was ist bloß mit mir los?“ – diese Frage habe sich immer tiefer in sie hineingebohrt, jahrelang. Wenn sie sang und ihre Stimme sich wie die eines anderen anhörte; wenn sie mit Freunden zusammen saß und redete und lachte und es sich auf einmal anfühlte, als würde ihr ganzer Körper langsam entschwinden, bis es ihr so war, als säße sie auf dem Mond und würde mit einem Fernrohr auf die Welt und sich selbst schauen. Darüber sprechen konnte sie mit niemandem, auch mit mir nicht. „Aus Scham“, sagte sie. Da war ich fast beleidigt. „Du musst dich doch vor mir nicht schämen“ – „Das weiß ich ja. Eigentlich. Aber ich konnte das ja selbst kaum verstehen. Wie sollten das dann andere können? Ich habe deswegen lieber Leute gemieden und das versteckt.“ 

    Im Internet begann sie selbst nach einer Diagnose zu suchen. Erst fünf Jahre später hatte sie Gewissheit, dass sie mit ihrem Problem nicht allein ist. Dass noch  viele andere Menschen unter ähnlichen Zuständen leiden. Und dass es einen Namen dafür gibt: Depersonalisation.

    Eine schwache Form von Depersonalisation haben die meisten Menschen wohl schon einmal erlebt. Nicht umsonst gibt es Redensarten wie „neben sich stehen“. 


    Dabei – und bei der ihr ähnlichen Derealisation – handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts als eine der ersten psychischen Erkrankungen detailliert beschrieben wurde. Der österreichische Psychoanalytiker Paul Schilder definierte sie 1914. „Trotzdem ist sie bis heute wenig erforscht“, sagt Matthias Michal. Er ist Oberarzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Mainz. Er leitet den einzigen Standort in Deutschland, wo das Phänomen intensiv erforscht und behandelt werden. Depersonalisation nennt Michal es, wenn der Patient sich selbst in einer allumfassenden und verwirrenden Form als fremd und unwirklich empfindet; von Derealisation spricht man, wenn er seine Umgebung als irreal wahrnimmt.

    Eine schwache Form davon haben die meisten Menschen wohl schon einmal erlebt. Nicht umsonst gibt es Redensarten wie „benebelt sein“ oder „neben sich stehen“. Problematisch wird es, wenn diese Zustände sehr oft oder gar permanent auftreten und die Betroffenen diese Redensarten nicht symbolisch verwenden, sondern sie vollkommen ernst meinen. Und das tun erstaunlich viele. Nach Auswertungen der Krankenkassen sind zwar nur 0,007 Prozent der Menschen in Deutschland davon betroffen. Psychologische Studien aus Deutschland und den USA schätzen die tatsächliche Zahl aber weit höher ein. „Wir gehen von knapp einem Prozent der Gesamtbevölkerung aus“, sagt Michal. Das entspricht etwa der Anzahl von Magersüchtigen oder Epileptikern.

    Diese extreme Lücke zwischen Vorkommen und diagnostischer Erfassung der Störung ist fast so rätselhaft wie sie selbst. „Wahrscheinlich hat das mit dem Krankheitsbild zu tun“, sagt Michal. Selbst schwerste Zustände von Depersonalisation und Derealisation seien den Patienten oft nicht anzusehen. Sie litten ja auch nicht unter einer psychotischen Krankheit wie etwa Verfolgungswahn. „Die Betroffenen wissen, dass ihr Empfinden nicht real ist“, sagt Michal. Manche meistern sogar die anspruchsvollsten Berufe scheinbar mühelos, auch wenn sie dabei das Gefühl haben, den Verstand zu verlieren. Was ihnen explizit fehlt, können sie oft selbst nicht genau erklären. Das Problem ist, dass es viele Psychiater, Therapeuten und Professoren auch nicht können. Die meisten, sagt Michal, wüssten nicht einmal, dass die Diagnose der Depersonalisationsstörung überhaupt Teil der gängigen internationalen Klassifizierungssysteme ist.

    Für die Betroffenen hat das schlimme Folgen. Sie fühlen sich alleingelassen mit der sich immer verschlimmernden Angst, ganz und gar die Kontrolle über ihren Verstand, ihr Verhalten und letztendlich den Kontakt zu den Mitmenschen zu verlieren. Oder sie werden falsch behandelt. „Oft werden die Symptome zu Unrecht als Schizophrenie oder Depression interpretiert und den Patienten werden Medikamente verabreicht“, sagt Michal. Mit dem Resultat, dass sie nicht nur unter der Störung, sondern auch noch unter den Nebenwirkungen der Psychopharmaka leiden.





    Laura weiß, wovon Michal spricht. An den Beginn ihrer Leidensgeschichte kann sie sich noch genau erinnern. An Neujahr 2007 war sie 21 Jahre alt und hatte die Zukunft vor sich. Eigentlich ein Grund zu feiern. Ihr machte das Datum aber eher Angst. Sie wusste nicht, wohin in ihrem Leben.  Also wollte sie sich Silvester „so richtig abschießen.“ Bei der ersten Party war ich auch dabei, Laura schien gut drauf zu sein. Dank Alkohol und Koks, wie sie mir später sagte. Als ich schon längst im Bett war, hatte sie gerade erst angefangen. Morgens um halb zehn schluckte sie in einem Hamburger Club eine Ecstasy-Pille. Sie wusste nicht genau, was es war, aber irgendwie fühlte es sich anders an als sonst, wenn sie Drogen genommen hatte. Naja, dachte sie sich. Einmal richtig ausschlafen, wieder runterkommen, dann wird das schon wieder.

    Aber es wurde nicht. Bis heute nicht. Sie suchte mehrere Therapeuten auf, keiner konnte ihr helfen. Wenn selbst die sie und ihren Zustand nicht verstehen, was sollen dann ihre Familie und ihre Freunde dazu sagen? Laura begann, ihren Zustand zu verheimlichen. Konzentrierte sich darauf, normale Dinge zu tun und nicht aufzufallen. Das gelang ihr gut. So gut, dass auch ich nichts von ihrem Zustand ahnte. Klar, mit den seelischen Dingen war das nicht immer einfach bei Laura. Aber sie hatte ja auch viel durchgemacht, dachte ich. Und dieses Tiefschürfende, ständig Hinterfragende mochte und mag ich ja auch an ihr.

    Laura kann sich verlieben, aber keine emotionalen Bindungen aufbauen. „Ich kann meinen Freund verlassen, auch wenn ich ihn gern habe. Einfach so.“


    Als sie mir in der Bar davon erzählte,  verstand ich vieles besser. Zum Beispiel, warum ihre Beziehungen immer in die Brüche gingen. Warum immer sie es war, die ging. Sie schaffte es einfach nicht, emotionale Bindungen aufzubauen. „Ich habe mich von meinen Freunden getrennt, ohne eine Träne darüber zu vergießen“, sagt sie. „Auch bei meinem aktuellen Freund empfinde ich im Grunde gar nichts. Ich habe mich zwar verliebt, aber es ist wie immer: In dem Moment, wo ich mit der Person zusammen bin, löst sich das auf. Ich kann jemanden verlassen, einfach so – auch wenn ich ihn eigentlich sehr gern habe, bedeutet es mir trotzdem nichts. Ich erschrecke selbst darüber, wie kühl ich dann bin.“

    Auch in Ausbildung und Beruf hatte sie immer Probleme, trotz ihrer vielen Begabungen. Sie begann ein Kunststudium in Hamburg, hatte Erfolg und brach es ab. Sie besuchte eine private Popmusikschule in Berlin, reüssierte und brach sie ab. Sie nahm ein Album auf mit Liedern, die mehrere Produzenten begeisterten, und stellte es nie fertig.

    Das ganze Dilemma fasst sie so zusammen: „Auf mein künstlerisches Schaffen hat das einen sehr schlechten Einfluss, was mich vielleicht am traurigsten macht. Weil der Zustand oft so dominierend ist, dass er einen emotional abschottet. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass ich nur darüber Musik schreibe. Und man kann doch nicht die ganze Zeit darüber schreiben, dass man nichts empfindet für die Person, die neben einem liegt. 

    >>>> Die Therapie ist ein Erfolg - zumindest kurzfristig [seitenumbruch]Einen kleinen Durchbruch gab es, als sie 2012 bei einer Studie der Berliner Charité zum Thema Depersonalisation mitmachte und ihr bewusst wurde, dass dort genau beschrieben wurde, was mit ihr los war. Ein Jahr später, mit 27 Jahren, begann sie eine elfwöchige stationäre Therapie in der Universitätsmedizin Mainz.

    Dort erklärten ihr die Therapeuten, dass die Ecstasy-Pille zwar der Auslöser gewesen sein könnte. Letztlich aber würden, wie bei anderen seelischen Störungen auch, mehrere Faktoren eine Rolle spielen: biologische, soziale und psychologische. Wie sie zusammenwirken, sei noch nicht ausreichend erforscht, sagt Michal. Er erlebe es aber häufig, dass die Betroffenen keine innige Beziehung zu den Eltern hätten. Dass diese emotional nicht so präsent waren oder sie sogar beschämten oder demütigten. So hätten die Kinder im Lauf der Zeit gelernt, sich von ihren eigenen Gefühlen zu distanzieren. Lauras Eltern trennten sich früh, vor allem das Verhältnis zu ihrem Vater ist ein kompliziertes Wirrwar aus Unterstützung und Erwartungen, die sie nicht erfüllen konnte. Sie sagt: „Sobald ich an meinen Vater dachte, hatte ich das Gefühl, meine Beine werden immer kürzer. Bis ich zum Zwerg wurde.“

    In der Klinik besteht die Therapie aus einer Mischung von Gesprächen und Achtsamkeitsmeditationen. Dabei geht es darum, sich des Atems und nacheinander jedes Körperteils bewusst zu werden. „Wir wollen den Patienten so das nötige Rüstzeug für das weitere Leben mit der Störung mitgeben“, sagt Michal. Und auch wenn viele Betroffene verzweifeln und es 20 Jahre dauern könnte: „Der Zustand ist veränderlich.“

    Laura ist sich da nicht so sicher. Immerhin, da war dieser eine Moment. Sie sprach mit einer Therapeutin über das Verhältnis zu ihren Eltern. Die fragte immer weiter nach, bohrte immer tiefer. Dann wollte sie wissen, wie es jetzt mit den Symptomen sei. „Und da waren die weg. Da konnte ich zum ersten Mal seit sieben Jahren klar sehen. Auf einmal fühlte sich alles an wie ich.“ Zwar war nach drei Sekunden schon wieder alles vorbei. „Aber diesen Moment zu erleben, das war die Therapaie fast schon wert.

    Jetzt überwiegt bei Laura ein Gefühl der Enttäuschung. Man merke eben, dass sich die Forschung noch am Anfang befindet, sagt sie.  „Eigentlich sitzen alle da und keiner weiß, was man machen soll.“ Sie fühlt sich, als hätte sie in Mainz eine Box öffnen können, die die ganze Zeit geschlossen gewesen war. Darin konnte sie einige Dinge über sich und ihr Leben sehen, die ihr vorher verborgen gewesen waren. „Aber ich weiß nicht, wohin mit all den Sachen, die ich gefunden habe. Deshalb schiebe ich sie weg – was die Angelegenheit eher wieder verschlimmert.“ 

    Zumindest muss sie jetzt nicht mehr danach suchen, was sie kaputtgemacht hat. Erst einmal ist sie weggefahren. Weg von all dem Scheitern in Deutschland, weg von ihren Eltern. In Schottland will sie mit 29 als Musikproduzentin ein neues Leben anfangen. Sie glaubt nicht, dass es irgendeine Therapie gibt, die ihr helfen kann. Trotzdem: Der Aufbruch hat sie gestärkt, und wenn sie länger drüber nachdenkt, dann auch die Klinik. Dort ist ihr klar geworden, dass sich ihr Zustand vielleicht nie verbessern wird – und schon gar nicht von heute auf morgen. Dass sie sich dafür aber nicht schämen oder verstecken muss. „Ich erkenne jetzt an, dass es mir nicht gut geht und dass ich damit zu leben habe. Bislang habe ich so getan, als wäre alles gut, auch wenn eigentlich alles scheiße war."

    Und manchmal, manchmal wird es sogar besser. „Es ist, als würde eine Mauer um mich aufbrechen und Licht hineinlassen. Ich kann mich wirklich freuen. Wenn ich die Sonne sehe, kann ich dazu etwas empfinden und sagen ‚schön’“. 

    Und wenn es doch mal wieder zu dunkel ist, soll sie mich anrufen, habe ich ihr gesagt. Ich komme dann vorbei. Und dann schauen wir Youtube-Videos.

    0 0
  • 06/08/15--09:32: Harte Kerlchen
  • Am Telefon ist Sören ziemlich nett. Er spricht mit angenehm norddeutschem Zungenschlag („Moin“), erzählt von seinem Studium (Jura in Hannover), von seiner Freundin (begleitet ihn zu Diskussionen) und überlegt mehrmals laut, wie er einem noch bei der Recherche weiterhelfen könnte. In einem Video, das man auf Youtube sehen kann, wirkt Sören auch sehr nett, mit seinen roten Wangen, dem akkurat gebügelten Hemd und der Stimme, die vor Kamera-Nervosität manchmal ein wenig höher wird. Nur, wenn man dann zuhört, was seine Stimme genau sagt, wird es schwer, ihn uneingeschränkt nett zu finden.

    Sören Hauptstein ist 23 Jahre alt und Vorsitzender der Jungen Alternative für Deutschland (JA) in Niedersachsen. In besagtem Video, das in der Beschreibung als „Dokumentation“ bezeichnet wird, spricht er über den Bildungsplan der rot-grünen Regierung in Niedersachsen. Der sieht vor, zukünftig an Schulen über alternative Partnerschaftsmodelle aufzuklären, Kindern also im Unterricht zu sagen, dass es auch schwule und lesbische Paare gibt und wie sie Sex haben. Sören ist dagegen. Und in dem Video gibt es noch eine zweite Ebene. Zwischen den Interviews mit Sören und vielen älteren Männern, die sich über die Schäden frühkindlicher Sexualisierung auslassen, werden immer wieder Animationen eingeblendet. Da brennen dann das Venus- und das Marssymbol, die gängigen Zeichen für die Geschlechter, wie man sie von Toilettentüren kennt. Die dramatische Orchestermusik im Hintergrund würde besser zu einer Seeschlacht in „Fluch der Karibik“ passen als zu einer Dokumentation.

    Die JA ist der Überzeugung, die aktuelle Politik wolle die Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern zerstören. Und das findet sie nicht gut. „Gleichmacherei anstatt Gleichberechtigung“ nennt Sören das am Telefon. Da sagt er auch, dass die kürzlich eingeführte Frauenquote eine Ungleichbehandlung von Männern sei. Dass er selbst sich als Antifeminist bezeichnen würde, weil Feministen heutzutage oft so tun, als gäbe es keine Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen und Männern und Frauen. Sören findet: Es gibt Unterschiede – und die sollen sich ruhig in der Gesellschaft wiederfinden.  

    Männerrechtler kleben wie ein siamesischer Zwilling an ihrem verhassten Gegenstück: dem Feminismus 


    Dass er mit dieser Meinung nicht alleine ist, zeigen die Klickzahlen des Videos: Mehr als 50.000 Mal wurde es angesehen. Sören und seine Einstellung zu Geschlechterunterschieden sind Teil eines Phänomens, das in den vergangenen Jahren stetig mehr Bedeutung bekommen hat. Vermutlich, weil Männerrechte wie ein siamesischer Zwilling an ihrem verhassten Gegenstück festkleben: dem Feminismus. Und der ist seit einer Weile wieder stark präsent: Frauen werden bei gleicher Eignung in der Jobvergabe bevorzugt. Der Hashtag #Aufschrei gegen Alltagssexismus gewann den renommierten Grimmepreis. Politiker, die Frauen gegenüber anzügliche Sprüche machen, werden abgewählt. Und jetzt gibt es seit März dieses Jahres auch noch eine festgeschriebene Frauenquote für die Vorstände von großen Wirtschaftsunternehmen. Aus Sicht von Feministinnen alles große Erfolge. Aus Sicht von Männerrechtlern Beweise, dass Frauen in der Gesellschaft besser gestellt sind als Männer. Und dass man dagegen etwas tun sollte.

    Deshalb wird die „Gender-Dokumentation“ der JA momentan auch auf zahlreichen Blogs geteilt, die von Antifeministen oder sogenannten „Maskulisten“ betrieben werden. Der Begriff bezeichnet grob Anhänger der in den Siebzigerjahren entstandenen, antifeministischen Männerrechtsbewegung. Und diese Maskulisten vertreten auch mal vollkommen rückwärtsgewandte Parolen wie „Frauen zurück hinter den Herd.

    Sören von der JA würde sich selbst natürlich nicht als Männerrechtler bezeichnen. „Das klingt nach einem Heulsusenverein“, findet er. Er ist Antifeminist. Seine Partei wurde wegen der wenigen weiblichen Mitglieder oft als „Männerpartei“ bezeichnet. Dass sie jetzt auch noch Maskulisten und Antifeministen anzieht, nimmt er zumindest in Kauf.

    Die neuen jungen Männerrechtler sind nicht offensiv wütend. Sie tragen saubere Hemden, haben gute Manieren und sagen ruhig und freundlich Sätze wie: „Frauen interessieren sich nicht für Politik.“


    Es gibt generell Hinweise darauf, dass Jungs momentan öfter das Gefühl haben, ihr Geschlecht könnte ein Nachteil für sie sein. Sie fühlen sich abgehängt. Philipp Ikrath ist Vorsitzender des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien und untersucht die Lebenswelten von Jugendlichen. „Insbesondere bei Fragen zur Arbeitsmarktsituation geben manche junge Männer an, dass sie sich von Frauen in die Enge gedrängt fühlen“, sagt Ikrath. Vor allem in Szenen, die als extrem männlich dominiert gelten, verwandle sich diese Unsicherheit manchmal und trete als Wut auf Frauen an die Oberfläche. Die erfolgreichen Computerspiele-Entwicklerinnen Zoe Quinn und Brianna Vu zum Beispiel wurden vergangenes Jahr derart brutal anonym von Männern beschimpft und bedroht, dass sie Polizeischutz brauchten. Der Vorwurf: Sie seinen Feministinnen und hätten in der Welt der Computerspiele nichts zu suchen.

    Der Streit wurde später als #gamergate diskutiert und ist symptomatisch für Antifeminismus, wie er bisher stattfand: anonym und im Netz. So ist es leichter, radikale Positionen zu vertreten. Aus Ikraths Sicht kommt aber noch etwas dazu: Gerade junge Menschen wollen sich immer weniger an Institutionen binden. Antifeministischen Vereinen oder frauenfeindlichen Stammtischen, wie es sie derzeit zum Beispiel in Hamburg und Berlin gibt, stehen sie skeptisch gegenüber. Deren Sprecher und Aktivisten sind dementsprechend eher alt. Das macht es leicht, Männerrechte als Thema ewig gestriger alter Männer abzutun, die eh bald aussterben. Aber das ist falsch. Die neuen Männerrechtler haben sich nur einen neuen Ort für ihre Aktivitäten gesucht – das Netz. Und wenn sie dann doch für ihre Themen die Öffentlichkeit suchen, dann im seriösen Gewand. Der amerikanische Soziologe Michael Kimmel hat die Verteidiger der Männerrechte mal als „Angry white men“ beschrieben.





    Aber die neuen jungen Männerrechtler sind nicht offensiv wütend. Sie kommen nicht aus irgendeinem Keller, um dann laut „Frauen zurück hinter den Herd“ zu deklarieren. Sondern sie tragen, wie auch Sören bei seinem Auftritt in der Dokumentation, saubere Hemden und haben gute Manieren. Und dann sagen sie ganz ruhig und freundlich Sätze wie: „Frauen interessieren sich nicht für Politik“ oder „Frauen wollen gar keine Führungspositionen“ – versehen mit dem Zusatz, dass das nun mal die Natur der Frau sei und man nicht zwanghaft mit Gleichmacherei dagegen vorgehen dürfe. Das ist geschickt. Es klingt, als würden Antifeministen den Frauen etwas Gutes tun, wenn sie deren Eigenheiten wieder achten, die bei all dem Gerede über Gleichstellung abgeschafft werden sollen. Mit diesen Positionen sortieren sie sich unauffällig irgendwo zwischen den Extrempositionen Feminismus und Frauenhass ein – und deshalb muss man sie aus Sicht von Jugendforscher Ikrath zukünftig genau beobachten und schauen, in welche der beiden Richtungen sie am Ende ausschlagen. In den USA, die ja auch bei der ersten Welle der Frauen- und Männerbewegung Vorreiter war, sei die Diskussion dazu bereits in vollem Gange. Und diese nutzen auch die AfD und die JA geschickt für sich.

    Auch Reimond Hoffmann trägt auf dem Foto unter einem seiner Artikel Hemd, Krawatte und Jackett. Der Text trägt den Titel „Die Quotennation“ und wurde in der Mitgliederzeitung der Jungen Alternative für Deutschland veröffentlicht. Reimond ist ihr stellvertretender Baden-Württemberg-Vorsitzender. In dem Text vergleicht er Politikerinnen, die nur der Frauenquote wegen in Führungsgremien sitzen, mit weiblichen Ampelmännchen „die nur da sind, weil sie da sein müssen.“ Der 27-Jährige hat ein Gespür für konsensfähigen Antifeminismus. Vergangenes Jahr hat er eine Kampagne organisiert, die in den Medien viel Aufmerksamkeit bekam. Zumeist negative, parteiintern soll sie aber ein voller Erfolg gewesen sein, erzählt Reimond am Telefon. Als Reaktion auf eine feministische Juso-Kampagne hatte Reimond JA-Mitglieder aufgefordert, auf Pappschilder zu schreiben, warum sie eben keine Feministen seien, und sich damit zu fotografieren. Manche dieser Bilder kann man immer noch auf Facebook sehen. Ein Mädchen mit schwarzen Haaren und rosa Trainingsjacke schreibt: „Ich bin kein Feminist, weil jede Frau selbst entscheiden kann, ob sie Hausfrau wird.“ Auf dem Schild eines Jungen steht, dass er Antifeministinnen attraktiv fände, weil nur wahre Weiblichkeit wunderschön sei.

    Reimond sagt deutlich, dass er persönlich nicht jeden dieser Sätze unterschreiben würde. Die Bezeichnung „Antifeminist“ aber schon: „Weil die jetzige dritte Welle des Feminismus aus meiner Sicht wenig mit ihren Ursprüngen zu tun hat. Es geht nicht mehr um die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, die haben wir bereits vor Jahrzehnten erreicht. Sondern um die radikale Auflösung der Geschlechter. Und das finde ich falsch. Frauen müssen Frauen und Männer Männer bleiben dürfen“, sagt er. Und dass viele in der JA, aber auch in der Mutterpartei AfD, diese Meinung teilen würden. Er sagt er auch: „Ich glaube zum Beispiel schon, dass Frauen aufgrund ihrer Hormone anders ticken und deshalb statistisch betrachtet häufiger soziale Berufe wählen als Männer. Dann sollte man sie doch nicht zwingen, in der Stahlindustrie zu arbeiten. Und umgekehrt auch nicht.“ Es klingt sehr wie das, was auch sein Kollege Sören aus Niedersachsen gesagt hat: Gleichberechtigung statt Gleichmacherei. Der Satz lässt sich übrigens auch häufig im Internet finden – Männerrechtler schreiben ihn auf Maskulistenblogs. Mit denen wollen die jungen AfDler zwar offiziell nichts zu tun haben. Ihre Stimmen bei der nächsten Wahl haben sie aber ziemlich sicher.

    0 0
  • 06/09/15--05:40: Retro-Rassismus
  • "Du musst dich nicht schick machen und Trinkgeld gibt’s auch keins." Auf dem Plakat sitzt eine afro-amerikanische Familie im Fastfood-Restaurant. Die Eltern essen zufrieden ihren Burger, die Kinder haben Spaß mit Pommes. Trotzdem wirkt irgendetwas in dieser Anzeige absurd. Vielleicht sind es die weggelassenen Gs am Ende der meisten Wörter. Zum Beispiel in "Dinnertimin" (Abendessen). McDonald's will damit den Afro-Slang der Arbeiterbewegung imitieren, schwarze US-Bürger sollen sich also angesprochen fühlen und am besten gleich einen Cheeseburger kaufen. Tatsächlich steht das "G-Dropping", das weggelassene G, im Englischen aber eher für Gangstertum, mangelnde Bildung und Proll-Gehabe. Nachdem auch Obama in einer Rede zum Amtsantritt vor seiner schwarzen Wählerschaft exzessiv die Gs wegließ, forderte Samuel L. Jackson: "Stop dropping your G’s and be f***ing presidential."

    [plugin imagelink link="https://cdn.theatlantic.com/assets/media/img/posts/2015/06/McDonalds_120/898ac79d0.jpg" imagesrc="https://cdn.theatlantic.com/assets/media/img/posts/2015/06/McDonalds_120/898ac79d0.jpg"] (Quelle)

    1974 war es neu, dass Werbung überhaupt schwarze Kunden ansprach. Schon zehn Jahre vorher, 1964, wurde die "Rassentrennung" in den USA offiziell abgeschafft und schwarzen US-Bürgern die Gleichberechtigung zugesprochen. McDonald’s wandte sich in den Siebzigern erstmalig auch an Schwarze. Auf den Plakaten war von Rassengleichheit aber noch nichts zu sehen: Auf Plakaten waren meistens entweder schwarze oder weiße Menschen zu sehen. 

    [plugin imagelink link="https://cdn.theatlantic.com/assets/media/img/posts/2015/06/Image_134/bcfa9155b.jpg" imagesrc="https://cdn.theatlantic.com/assets/media/img/posts/2015/06/Image_134/bcfa9155b.jpg"] (Quelle)

    Die Kampagnen von damals werden in diesen Tagen wieder in sozialen Netzwerken geteilt. Dabei sind stereotype Abbildungen und Formulierunge kein Vintage-Relikt der Vergangenheit: McDonald’s betreibt seit 2010 eine eigene Homepage für schwarze US-Bürger. Unter dem Titel "365Black" wird schwarzer Lifestyle zelebriert, mit dunkelhäutigen Testimonials und verschluckten Gs. Auf der offiziellen McDonald's-Homepage beißt übrigens ein weißer Mann in einen BigMac.

    0 0
  • 06/09/15--06:52: Viagra im Joint
  • Karyn Wagner rauchte einen Joint und hatte Sex. Damit fing alles an. Es war nämlich sehr guter Sex. "Ich sagte danach: Honey, das war perfekt! Heb das fürs nächste Mal auf." Also schrieb Karyn Wagners Partner mit dem Filzstift "Sex Pot" auf das Tütchen mit dem Gras, aus dem sie den Joint gerollt hatten. 

    [plugin imagelink link="http://pixel.nymag.com/imgs/fashion/daily/2015/06/01/01-sexpot-2.w529.h793.jpg" imagesrc="http://pixel.nymag.com/imgs/fashion/daily/2015/06/01/01-sexpot-2.w529.h793.jpg"]

    Karyn Wagner witterte ein Geschäft. Sie lebt in Kalifornien und vertreibt medizinisches Marihuana. Seit 1996 darf Marihuana in Kalifornien unter bestimmten Voraussetzungen verkauft werden. Wagner weiß also um Vor- und Nachteile verschiedener Grassorten, um Maßeinheiten für THC-Gehalt und dessen Auswirkung auf den Konsumenten. 

    Jetzt merkte sie: Das "Sex Pot", das sie soeben getestet hatte, war ideal, um die Lust von Frauen beim Sex zu steigern. Sie wusste aus eigener Erfahrung: Bekifft fühlen sich Frauen oft zu verballert oder zu sensibel, um sich noch auf Geschlechtsverkehr konzentrieren zu können. Sie notierte also die genaue Sorte (eine schwache Version der Hanfsorte "Mr. Nice") und begann sie zu züchten, abzupacken und unter dem Namen "Sexxpot" zu verkaufen. 



    Der geringere THC-Gehalt soll Frauen helfen, den Sex mehr zu genießen. 


    Dass Kiffen generell luststeigernd wirken soll, ist schon länger bekannt. Der bekannte Astronom Carl Sagan schrieb Ende der 60er Jahre einen aufsehenerregenden Essayüber das Thema. Fazit: "Marihuana erhöht auf der einen Seite die Sensibilität - und zögert auf der anderen Seite durch die Ablenkung der Sinne den Orgasmus angenehm heraus."

    Allerdings trifft dieses Phänomen offenbar eher auf Männer zu. Im New York Magazine erklärte vor ein paar Tagen eine "Cannabis-Therapeutin", dass Frauen grundsätzlich weniger THC vertrügen. Im Zusammenhang mit Sex sei starkes Gras außerdem ungünstig für Frauen, weil es hemmend auf die Östrogen-Ausschüttung wirke (auch wenn sie zugibt, dass die Forschung dahingehend noch lückenhaft ist). Die Sorte, die Karyn Wagner vertreibt, hat 14 Prozent THC-Anteil - normalerweise bevorzugen Konsumenten einen Gehalt von 18 bis 20 Prozent. Deshalb, so die Therapeutin, sei Sexxpot für Frauen ein "Gamechanger".

    Auch wenn andere Weed-Experten bezweifeln, dass ausschließlich der THC-Gehalt die aphrodisierende Wirkung beeinflusse (es könnte auch einer von hunderten anderen Bestandteilen von Marihuana sein) - in einem scheint sich die Branche einig zu sein: Karyn Wagner hat mit ihrem Sexxpot eine geniale Marktlücke aufgetan. Und wenn sie dazu führt, dass künftig mehr Frauen in Marihuana-Dispensaries kommen, hat die ganze Branche was davon.

    jan-stremmel

    0 0

    Apple startet einen Musikstreamingdienst. Hat das Unternehmen am Montag verkündet. Die Keynote in San Francisco war aber gleichzeitig auch eine Modeschau - wenn auch eher versehentlich. 

    Erstes Model war Eddy Cue, der Senior Vice President von Apple. Er stand auf der Bühne und stellte Apple Music vor - aber Twitter sprach vor allem über sein Outfit: Er trug ein lachsfarbenes, aggressiv ungebügeltes Hemd, das aus seiner Hose schlabberte und (für die modekritischen Zuschauer auf Twitter) mindestens einen Knopf zu weit geöffnet war.



    Geht mal gar nicht: Das Outfit von Vize-Chef Eddy Cue.  


    Dann kam Drake auf die Bühne, einer der illustren Gäste, die eingeladen waren, um das neue Produkt zu loben - und die modekritischen Zuschauer auf Twitter brachen plötzlich in Jubel aus: Er trug eine Collegejacke mit dem bunten Apple-Logo aus den 90ern. Sowas trugen vermutlich Mac-Verkäufer im Außendienst. 



    Ein Must-have, ein irres Stück, wuaah: Drake und seine Apple-Verkäuferjacke. 


    Seither, berichtenTech-Blogs, will jeder im Internet die Jacke haben. Auf Ebay gibt es ein ähnliches Modell für 499,99 Dollar. Für jeden, dem das zu teuer ist, gibt es hier dankenswerterweise noch eine Liste an Second-Hand-Kleidung, die ähnlich aussieht. 

    Zum Beispiel dieses hübsche Nicki-Jäckchen:




    Oder dieser Nylon-Windbreaker (mit 49,99 Dollar der günstigste): 




    Alternativ in Denim




    Sollte das mit Apple Music nix werden - Apple Fashion wäre auf jeden Fall eine Idee wert.

    0 0
  • 06/09/15--08:19: Das Rap-Rezept



  • Was haben Jan Böhmermann und das Polish National Radio Symphony Orchestra gemeinsam? Sie haben gerade Youtube-Hits gelandet, und zwar mit etwas, das nicht ihr Kerngeschäft ist: mit Hip Hop.
     
    Jan Böhmermann veröffentlichte vor eineinhalb Wochen seine „Deutsche Rapgeschichte“. Das 11-Minuten-Video, in dem er und Dendemann sich nach Vorbild von Jimmy Fallon und Justin Timberlake (A History of Rap) durch die deutsche Sprechgesangshistorie arbeiten, haben bislang mehr als 1,1 Millionen Menschen gesehen. Böhmermann war wieder in aller Facebook-Timelines. Das polnische Orchester streicht und bläst sich ebenfalls durch die Meilensteine des Genres und wird dafür seit ein paar Tagen bejubelt, durch die Blogosphäre gereicht und geteilt.

    http://www.youtube.com/watch?v=iKsa41Ly1m8

    http://www.youtube.com/watch?v=_3QH7_0JV38

    Bitte nicht falsch verstehen, das soll jetzt nicht nach Meckern und Mäkeln klingen. Aber: Eigentlich ist dieser Erfolg doch verwunderlich. Nicht, weil es an der Qualität was zu beanstanden gäbe. Das Orchester spielt exakt und professionell, J Bizzy, wie sich Böhmermann als Rapper nennt, ist besser als mancher MC, der das Rappen seinen Beruf nennt. Aber trotzdem: Warum so ein Begeisterungssturm, wenn ein Moderator und ein klassisches Orchester ein paar Handvoll Rap-Hits der vergangenen Jahrzehnte aneinanderreihen? Warum waren auch Fallon und Timberlake mit ihrer Rap-History so erfolgreich, dass sie der Erstausgabe fünf weitere Auftritte folgen ließen?
     
    Für den ersten Teil der Antwort muss man auf die Reaktionen der Zuschauer achten. Auf die Schreie und den Applaus, die zuverlässig genau dann erklingen, wenn die Musik gerade von einem Lied ins nächste gewechselt hat und das Publikum den Song erkennt. Die Menschen freuen sich dann, weil sie eine Überraschung erleben. Weil die Spannung, welcher Track als nächstes kommt, sich auflöst. Man kennt das Gefühl aus dem Club: Auch da jubeln wir, wenn der DJ beim Übergang von einem Lied ins nächste den Crossfader ganz auf die Seite der neuen Platte schiebt. Je bekannter und beliebter der Song, desto größer der Jubel, wenn er für die Feiernden klar erkennbar wird. Die Medleys reihen solche Freudenmomente in kurzen Abständen aneinander: Das Orchester presst 29 Songs in acht Minuten, Böhmermann schafft 35 in elf Minuten – die Videos sind ein Schnellfeuergewehr für Songerkennungs-Endorphine.

    Wir wollen keine rückwärtsgewandten Oldtimertypen sein - warum teilen wir es dann trotzdem?


    Der zweite Teil der Antwort hat etwas mit Nostalgie zu tun. Mit der ist es ja immer etwas kompliziert. An die gutenZeiten von früher denken wir alle gerne – einerseits. Andererseits wollen wir keine rückwärtsgewandten, hängengebliebenen Oldtimertypen sein, die sich nur an das krallen, was vor zehn Jahren geil war. Bei Nostalgie kommt es also sehr auf die Dosierung und die Haltung an. Und beides stimmt bei Böhmermann, Fallon und dem Symphonieorchester bis ins letzte Detail. Die einzelnen Songs werden gerade lange genug angespielt, dass man sie erkennen und sich freuen kann. Ehe man merkt, dass „Susanne zur Freiheit“ vielleicht doch nicht der klügste Track aller Zeiten war, fährt schon der Beat von Afrobs „Reimemonster“ rein. Und ehe man sich erinnert, dass die Massiven Töne nicht nur die Urheber von „Unterschied“ sind, sondern auch die von „Wir Cruisen“, hört man schon die 5 Sterne Deluxe. Vielleicht noch wichtiger: Man muss eben nicht die alten Songs noch mal in ihrer Originalversion hören. Man bekommt sie in neuem Gewand serviert, von einem klassischen Orchester oder eben diesem Moderator, den cool zu finden gerade sowieso zum guten Ton gehört.
     
    Dabei teilen wir nicht jedes Video, das uns erheitert, glücklich macht oder sonst irgendwie bewegt. Wir teilen ein Video, wenn es uns vor unseren Freunden gut aussehen lässt. Wenn es jemandem, der den Post in seine Timeline gespült bekommt, zeigt, dass wir Humor und Geschmack haben. Und genau das schaffen diese Rap-Medleys vorbildlich. Sie lassen uns als Rap-Kenner erscheinen, die es zu würdigen wissen, dass jemand diese Meilensteine der Popkultur so trefflich geremixt hat. Trefflich heißt dabei auch: in einer Art, die klar macht, dass das alles nicht hundertprozentig ernst oder gar dogmatisch gemeint ist. Und das hat vor allem einen Grund: Selbstdarstellung.

    0 0
  • 06/09/15--09:17: Der Duft des Hasses
  • Würde es einen Duft geben der „Eau de Strache“ heißt, wäre es wohl kein guter. Es wäre einer, der viel zu süß und viel zu billig riecht. Ein Parfum, das einen die Luft anhalten lässt, weil es so penetrant ist. Und eines, von dem man Kopfweh bekommt.



    Heinz-Christian Strache ist der Parteichef der FPÖ. Auf seiner Facebook-Seite sammeln sich menschenfeindliche Kommentare. Alex und Nina wollen das dokumentieren.

    Ein Parfum namens „Eau de Strache“ gibt es zum Glück nicht, dafür aber einen Blog der so heißt. Er wird von Alex und Nina* aus Wien betrieben. Die beiden wollen anonym bleiben, um sich vor rechtsextremen Angriffen zu schützen. Auf eaudestrache.at veröffentlichen sie jeden Tag Kommentare, die sie unter Facebook-Posts der rechtspopulistischen FPÖ finden. Zum Beispiel auf der Seite von Parteichef Heinz-Christian Strache. Alex und Nina meinen, dass Strache „eine „gewisse Aura versprüht, die Menschen stark anzieht“, deswegen haben sie ihren Blog auch „Eau de Strache“ genannt. Was sie mit „Aura“ meinen, wird schnell klar, wenn man sich durch den Blog scrollt: „Nur ein toter Moslem ist ein guter Moslem“, „OfenAnAsylAus" oder „Rottet das Gesindel aus“ liest man dort. Das ist nicht einmal mehr verklausuliert rechtspopulistisch sondern offen menschenfeindlich.

    Alex und Nina wollen zeigen, wie Menschen, die mit der FPÖ sympathisieren, denken. Sie wollen aber auch darauf aufmerksam machen, wie die rechtspopulistische Partei gezielt mit Postings Stimmung gegen Flüchtlinge und Migranten macht. Denn die ausgewählten Kommentare finden sich meist unter hetzerischen Postings der Partei zum Thema Flüchtlingspolitik.

    Schon mehr als 1000 solcher Zitate haben sie gesammelt und auf den Blog gestellt. Ohne Erklärung oder Kommentar, nur umrahmt von einem unschuldigen Design, das an die Optik des Parfums "Chanel Nr. 5" erinnert. „Die Zitate sollen für sich selbst sprechen“, sagt Alex. Unter ihnen findet man nur den Vornamen des Zitierten und einen Link. Folgt man diesem, gelangt man zum Original-Posting und findet noch mehr Hasskommentare. „Man soll sich selbst ein Bild machen“, meint er. Von einer Partei, die bei den nächsten Nationalratswahlen die meisten Stimmen bekommen könnte. Einer Partei, die in den vergangenen Tagen für Wirbel sorgte, weil sie große Wahlerfolge in zwei Bundesländern erlebte. In einem davon, dem Burgenland, wurde sie von den Sozialdemokraten sogar in die Landesregierung geholt.

    Dass die FPÖ Zuspruch aus rechtsextremen Kreisen bekommt, ist nichts Neues. Stammen aber Aussagen wie „sofort und ohne Verhandlung aufhängen“ oder „Gammelfleisch aus Deutschland verfüttern“ wirklich nur von Menschen aus der Neonazi-Szene? Alex und Nina glauben das nicht. Sie denken, es sind Menschen die Angst haben und sich von einer bestimmten Politik beeinflussen lassen: „Die FPÖ macht Stimmung gegen Flüchtlinge. Sie macht eine Politik die Hass, Neid und Angst schürt“, sagt Alex. Er und Nina sehen sich die Profile der Hassposter genau an. Die meisten von ihnen verwenden auf Facebook ihren Klarnamen. Von 100 Kommentaren seien den Blogbetreibern zufolge vielleicht 30 klar der Neonaziszene zuzuordnen.

    (*Name von Redaktion geändert)

    >> Warum bestimmte Kommentare in Österreich eigentlich verboten sind und warum FPÖ-Politiker von diesem Verbot bisher nicht betroffen sind >>
    [seitenumbruch]


    „Die FPÖ setzt systematisch eine Strategie der Online-Hetze ein, um Wähler zu mobilisieren"


    Dabei gibt es in Österreich sogar ein Verbotsgesetz  - alles, was die nationalsozialistischen Verbrechen verharmlost, rechtfertigt oder gutheißt gilt als "nationalsozialistische Wiederbetätigung." Kommentare wie „erschiessen und vergasen“ oder „das KZ muss seine Türen wieder öffnen“, müssten somit also strafrechtlich verfolgt werden. Faktisch ist das aber nicht immer der Fall.

    Der Polizist und Datenforensiker Uwe Sailer beschäftigt sich seit Jahren mit fremdenfeindlichen Hasspostings. „Viele Menschen, die rechtsextreme Ansichten haben, fühlen sich nicht als Rechtsextreme und kennen das Verbotsgesetz nicht“, sagt er. „Sie denken, sie können alles sagen was sie wollen und berufen sich dabei auf die Meinungsfreiheit.“ Sailer engagiert sich bei der Initiative „Heimat ohne Hass“, die die Facebookaktivitäten am rechten Rand der FPÖ überwacht. Im vergangenen Jahr hat er 100 Facebook-Kommentare zur Anzeige gebracht, 70 davon wurden vor Gericht verurteilt. Bei den meisten Fällen handelt es sich aber nicht um Verstöße gegen das Verbotsgesetz, sondern um Verhetzung religiöser oder ethnischer Gruppen, die in Österreich mit bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug geahndet wird.

    „Es herrscht Krieg im Internet“, sagt Sailer. Vor allem im vergangenen Jahr habe der Online-Hass stark zugenommen. „Die FPÖ setzt systematisch eine Strategie der Online-Hetze ein, um Wähler zu mobilisieren. Deswegen finde man solche Kommentare auch selten auf den Facebookseiten anderer Parteien, sondern vor allem bei der FPÖ“, so Sailer. Seine Recherchen zeigen, dass es oft kleine Parteifunktionäre oder Gemeindepolitiker sind, die auf Facebook bewusst dafür sorgen, dass es unter den Posts eskaliert.

    Oftmals werde dadurch auch der Zorn der Globalisierungsverlierer geweckt, der sich dann gegen Asylanten richte, sagt Sailer. Dabei fällt es im Internet natürlich leichter, manche Dinge auszusprechen: „Diese Hasskommentare sind vergleichbar mit Stammtischparolen, die Leute von sich geben wenn sie unter Gleichgesinnten sind. Sie bekommen Schulterklopfer und fühlen sich endlich akzeptiert.“ Sailer ist sich aber trotzdem sicher: Das, was die Hassposter von sich geben, das meinen sie auch so. Ihr Weltbild lässt sich deswegen nur schwer ändern.

    Dennoch müsse Hetze aus seiner Sicht grundsätzlich verboten werden, egal, gegen wen sie sich richtet und auch wenn sie aus dem Parlament kommt. Politiker sind derzeit durch ihre Immunität vor einer Verurteilung geschützt. „Erst dann hätte die FPÖ keine Daseinsberechtigung mehr und müsste Sachpolitik betreiben“, sagt Sailer. „Hetze steht zuerst, dann folgen die Gedanken und dann die Taten. Irgendwann wird sie  zur Wahrheit“, sagt Sailer.

    Nach den nächsten Nationalratswahlen könnte die Wahrheit so aussehen, dass Österreich offiziell den Duft „Eau de Strache“ trägt. Kopfschmerzen wären dann das geringste Problem.

    0 0
  • 06/10/15--06:11: Verreferenzt
  • Wer es noch nicht kennt: Erstmal dieses wahnsinnig tolle Video anschauen.

    http://www.youtube.com/watch?v=TU-PXfzsj4o

    Das ist der Trailer zum "Breaking Bad"-Finale, der auch dann super ist, wenn einem "Breaking Bad" egal ist. Die Bilder, der Sound, Bryan Cranstons Stimme, die klingt, als würden die Steine der Wüste New Mexicos darin aneinanderknirschen, das ist sehr gut gemacht. Und die knirschende Stimme liest ein berühmtes Gedicht: "Ozymandias", geschrieben von Percy Bysshe Shelley 1818 in England. Es erzählt von der zerstörten Statue eines Pharaos, auf deren Sockel Worte stehen, die seine Macht unterstreichen sollen: "My name is Ozymandias, king of kings: Look on my works, ye Mighty, and despair!" Thema: Hybris und Vergänglichkeit. Klar. Passt auch gut zum Ende von "Breaking Bad". Die drittletzte Folge wurde darum auch nach dem Gedicht benannt.

    Nun ist es so, dass die amerikanische Popkultur aktuell anscheinend einen kleinen Narren  an "Ozymandias" gefressen hat. Das Gedicht wird da gerne zitiert oder man nimmt irgendwie Bezug darauf. Es taucht zum Beispiel in Breaking Bad, Mad Men und How I Met Your Mother auf, Woody Allen verweist in zwei Filmen darauf und es wird in einem Trailer zum Videospiel "Borderlands" zitiert. Das ist an sich ja nicht schlimm. Hochkultur in der Popkultur zitieren ist immer ein guter Kniff, es gibt dem ganzen einen schön intellektuellen Resonanzkörper, mehr Relevanz und Gewicht. Es kann aber auch böse enden, wenn falsch zitiert wird – oder der Zusammenhang einfach nicht passt. Im Falle von "Ozymandias" ist das jetzt passiert.

    In einem spitzen, kleinen Text des amerikanischen Online-Magazins Salon.com klagt der Autor Scott Timberg darüber, dass literarische Klassiker in der Popkultur verscherbelt, weil oft falsch zitiert werden – aber es sei schon okay, weil sie so wenigstens irgendwie erwähnt würden. Timberg hat aber eine Entdeckung gemacht, bei der ihm das Auf-Teufel-komm-raus-Klassiker-Referenzen-Machen dann doch etwas zu weit geht: Es gibt da dieses News-Magazin für Millenials, das gerade extrem gute Zahlen schreibt, mehr als zehn Millionen Unique Users im Monat hat und das schnell und immer seiner Zeit voraus sein will. "We’re trying hard to be that place that vaults you ahead of the news – to show you things that are 12 or 15 months ahead", sagt der Herausgeber Carlos Watson. Und dieses Online-Magazin heißt: OZY. Benannt nach Watsons Lieblinsgedicht "Ozymandias".

    Und da knirscht es dann aber gewaltig zwischen Referenz und Referenzrahmen, mehr als alle Steine der Wüste New Mexicos je knirschen könnten. Denn was bitte soll das bedeuten, wenn sich ein Magazin, das seiner Zeit voraus sein will, auf ein Gedicht bezieht, das die Vergänglichkeit besingt? Heißt das jetzt, dass die Erfinder damit rechnen, dass sie sich gnadenlos überschätzen und es sowieso irgendwann wieder bergab geht? Hat man den Herrn Watson auch gefragt. Der gab dann seine Interpretation des Gedichts zum Besten: "Watson said the lesson he takes from it is that you have to dream big." Ach so.

    "Let’s hope the next time someone riffs on a Shelley poem it’s someone who actually gets it", schreibt Timberg auf Salon.com. Ja, hoffen wir auch. Bis dahin: einfach noch mal das obenstehende Video anschauen.

    Nadja Schlüter

    0 0
  • 06/10/15--06:56: Liebelei mit der Polizei
  • Auf den Demonstrationen der G-7-Gegner in Garmisch gab es viele erhitzte Gemüter. Eines davon gehört einem jungen Mädchen aus dem Ort. Sie hatte während des Einsatzes einen Polizisten kennengelernt – und sich in ihn verliebt. Die Mutter der Sechzehnjährigen kontaktierte daraufhin die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bayern, die sich der Sache angenommen hat. Über Twitter hat Thomas Bentele, Social-Media-Redakteur der GdP Bayern, nach dem jungen Kollegen gesucht, der offenbar in Nordrhein-Westfalen lebt.

    Jetzt.de: Wie oft kam es bei Ihnen schon vor, dass Verliebte nach Polizisten oder Polizistinnen gesucht haben?
    Bentele: Das war für mich absolut das erste Mal. 

    Und was war Ihre erste Reaktion, als sich die Mutter des Mädchens bei Ihnen gemeldet hat?

    Ich bin Vater einer fünfzehnjährigen Tochter, da kann ich mich gut in die Lage der Mutter reinversetzen. Man möchte natürlich das Beste für sein Kind. Unter dem Gedanken habe ich mich der Sache angenommen.




    Man könnte meinen, die Gewerkschaft der Polizei macht das alles nicht nur aus Nächstenliebe: Sind verliebte Polizisten die besseren Polizisten?
    Also ich denke, das ist wie in allen Bereichen im Leben: Wenn jemand gut gelaunt ist, geht er mit einem besseren Gefühl und einer besseren Grundstimmung an seine Arbeit. Dann macht ihm seine Arbeit vielleicht auch mehr Spaß. Das müsste dann auch für Polizisten gelten.

    Wie müssen Polizisten reagieren, wenn Sie im Dienst angesprochen oder sogar angeflirtet werden? Gibt es da eine Vorschrift?

    Das kommt natürlich immer darauf an, in was für einer Situation das Ganze geschieht. Je nach Auftrag ist da mehr oder weniger Raum. Aber in einer normalen Situation, wo eher wenig Stress herrscht, ist das eigentlich kein Problem.

    Auch wenn es sich um eine Demonstrantin handelt?

    Warum denn eigentlich nicht? Also in der Uniform steckt ein Mensch und solange da eine gewisse professionelle Distanz gewahrt wird, sehe ich da keinen Hinderungsgrund.

    Wenn ein Polizist im Dienst z.B. nach seiner Handynummer gefragt wird, darf er sie dann rausgeben?

    Das müsste man ihm selbst überlassen. Das ist mal mehr mal weniger sinnvoll.

    Es kann ja auch manchmal ein bisschen weiter gehen als das persönliche Gespräch. Dürfte ein Polizist im Dienst eine Person in zivil küssen?
    Das ist eher nicht schicklich. Das ist auch nicht professionell. Ich denke, das würde dann disziplinarrechtlich geprüft werden. Natürlich nicht im Sinne eines förmlichen Disziplinarverfahrens, aber er würde sicherlich dafür gerügt werden.

    Wie viel Annäherung ist denn erlaubt?

    Ein Gespräch würde ich sagen. Körperkontakt ist eher zu vermeiden. Da wäre dann die Grenze der professionellen Distanz überschritten.

    Aber so eine Rüge kann man ja auch mal in Kauf nehmen, wenn sie der Liebe dient.

    Das muss der Kollege selbst wissen, ob er das riskieren möchte.

    Für Verliebte kann die Kennzeichnungspflicht ja ungeahnte Vorteile haben, weil man die Polizisten damit leichter wiederfinden kann.

    Ich denke, das sollte eigentlich nicht der Hintergrund der Kennzeichnungspflicht sein. Das  persönliche Gespräch ist bei diesen Themen sicher der bessere Weg.



    Thomas Bentele, Social-Media-Redakteur der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bayern

    Welche Freiheiten haben die Polizisten denn auf Einsätzen wie in Garmisch nach Dienstschluss? Dürfen sie den Ort verlassen, um sich zum Beispiel mit jemandem in der Kneipe zu treffen?

    Wenn jemand in dieser Zeit Freizeit hat – es ist ja so, dass nach einer gewissen Dienstleistung Freizeit eingebracht wird – in dieser Zeit kann er tun und lassen, was er möchte. Er muss nur dafür Sorge tragen, dass er am nächsten Tag ausgeruht und nüchtern zu seinem Dienst antreten kann.

    Da sind ja schon hübsche Burschen und Mädels dabei. Spielt Aussehen bei der Auswahl der Polizisten eigentlich eine Rolle?

    Nein.

    Aber Sportlichkeit?

    Man muss natürlich eine Sportlichkeitsprüfung ablegen als Polizist, ob das sich dann jedes Mal positiv auf das Aussehen auswirkt, das sei mal dahin gestellt.

    Würden Sie einen Polizisten als Schwiegersohn empfehlen?
    Das kann ich nur mit "Ja" beantworten.

    Mittlerweile konnte der junge Kollege übrigens identifiziert werden, er hat sich auch bei der Familie des Mädchens gemeldet. Die beiden haben auch Kontakt über Facebook aufgenommen. Leider ist er vergeben. Schade.

    0 0
  • 06/10/15--08:53: Der Hipster ist tot!
  • Jetzt also der Yuccie. Der "Young Urban Creative". Ein neuer Begriff, vielleicht bald ein neues Schimpfwort.

    Den Namen hat sich der amerikanische Autor David Infante ausgedacht. In seinem Artikel auf Mashable, den das Netz seit Dienstag furios diskutiert, fordert er eine neue Bezeichnung für die Gruppe von Menschen, die immer noch als "Hipster" gelten: Weltgewandte, modebewusste, erfolgreiche Menschen zwischen 25 und 35. Die als Social-Media-Berater arbeiten oder Start-ups für nachhaltige Brillengestelle aus Bambus gründen. Mit denen sie dann aber (Achtung!) Geld verdienen.

    Es sind Menschen wie er selbst: Im ersten Drittel des Lebens stehend, gut ausgebildet. Aufgewachsen im Komfort der Generation Y und durchtränkt von der Überzeugung, dass die eigenen Ideen es verdient haben, umgesetzt und angemessen entlohnt zu werden. Und dass ein Job zwar Geld abwerfen, aber auch sinnvoll sein muss.



    Wenn sogar CSU-Minister Hornbrillen tragen, brauchen Individualisten eine neue Bezeichnung.


    Der Hipster, sagt Infante und zieht ein längst überfälliges Fazit, ist nur noch ein totes Gerippe. Der Begriff ist ein Kampfbegriff, und er beschreibt längst nicht mehr die Realität. American-Spirit-Zigaretten, Tattoos, iPhones - die Konsumgewohnheiten, aus denen heraus vor ungefähr zehn Jahren der Hipster als viel verspottete Randgruppe entstand, sind heute Mainstream: Fußballprofis tragen Sleeve-Tattoos, CSU-Minister Hornbrillen und der Bild-Chefredakteur Vollbart. Wenn aber jeder Individualist ist, ist es in Wahrheit niemand mehr. Für die neuen Individualisten braucht es also dringend eine neue Bezeichnung.

    Denn mit dem Hipster von damals hat der junge, gut ausgebildete Stadtbewohner von heute nur noch oberflächlich Ähnlichkeiten – den Schnurrbart vielleicht, das demonstrative Interesse an Nischenmusik oder den Job im Grafikbüro. Er hat aber, und das ist neu, wieder deutliche Gemeinsamkeiten mit dem Yuppie. Also dem "Young Urban Professional" der Neunzigerjahre. Der "Yuccie" ist eine kulturelle Mischung aus beiden.

    "Wir wollen erfolgreich sein wie Yuppies und kreativ wie Hipster", schreibt David Infante. Yuccies definierten sich über Konsum, wie die beiden anderen Gruppen. Entscheidend sei dabei aber weder der Preis, wie beim Yuppie, noch der Geschmack, wie beim Hipster. Dem Yuccie geht es um Preis und Geschmack. Er kauft sich Jogginghosen für 80 Dollar oder ein Sixpack Craft Beer für 16 Dollar. Er reist zu teuren Indie-Festivals und nimmt sich dort ein Hotel. Der Preis ist ihm unwichtig, wenn das Konsumgut den eigenen Intellekt unterstreicht.

    Der Yuccie hat keine Tattoos und keine Schulden - der Hipster hätte ihn verachtet. 



    Woher kommt das? Der Yuccie war noch jung und in der Vorstadt bei den Eltern, als der Hipster in den Großstädten entdeckt wurde – der Yuccie beobachtete also, wie der bärtige Individualist sich gegen den inhaltsleeren Lifestyle der Yuppies wandte, sich die Handrücken tätowieren ließ und eine schlecht laufende Messerschmiede in der Bedford Avenue in Williamsburg aufmachte. Auf der anderen Seite erlebte der Yuccie, wie im Silicon Valley aus blassen Ivy-League-Studenten über Nacht Milliardäre wurden. Mit der technologischen Entwicklung der Nullerjahre ließen sich plötzlich gute Ideen in Reichtum verwandeln.

    Aus beiden Eindrücken destillierte der junge Yuccie sein Ziel: Geschmackvolle Individualität bewahren, dabei aber auch die eigene Kreativität lohnend vermarkten. "Ich habe keine Tattoos und keine Schulden", schreibt David Infante, "dafür eine Zahnzusatzversicherung. Echte Hipster hätten mich als Yuppie verachtet."

    Woran man einen Yuccie außerdem erkennt:
     
    • Er mag in der Theorie die Gentrifizierung nicht – liebt aber in der Praxis hausgemachte Donuts

    • Er vermeidet sichtbare Tätowierungen (kein kluger Karriere-Move)

    • Er hat eine Wochenzeitung im Abo, liest aber keine Nachrichten

    • Er war mal Angestellter, hat aber seine Leidenschaft zum Beruf gemacht (destilliert jetzt Bio-Wodka)


    Wenn man ehrlich sei, schreibt der Autor, ist der Yuccie ein ziemlich ekliger Typ. (Im Englischen lässt sich da ein Wortspiel mit "yucky" machen.) Der Yuccie ist privilegiert. Und dabei so selbstzentriert, wie man es nur sein kann, wenn man noch nie echte Not kannte. Im Kern geht es dem Yuccie immer um Bestätigung. Er nimmt in Kauf, weniger Geld zu verdienen, wenn der Job ihm Bestätigung gibt. Er will wissen, dass sein Talent ausgeschöpft wird. Dass er einen Fußabdruck hinterlässt, egal wo, egal wie groß – Hauptsache, er stammt von ihm.

    Was David Infante schreibt, deckt sich in vielen Punkten mit dem, was Soziologen seit Jahren über die Millennials sagen: Die Ego-Zentrierung, die Sinnsuche im Beruf. Er hat also nicht unrecht. Trotzdem sammelt der Artikel im Sekundentakt wütende Kommentare. Häufigster Vorwurf: Der Autor selbst sei ein Hipster – sonst nichts! Er mache da schließlich, was alle Hipster machen: Irgendwas einen neuen Namen geben, das es schon lange gibt. Und sich damit originell fühlen! Was zumindest eine These des Autors bestätigt: Der Begriff "Hipster" ist völlig überladen mit Bedeutung, er ist zur lebendigen Phrase erstarrt. Egal, wie wir uns also in Zukunft beschimpfen: Lasst uns wenigstens dieses Wort endlich streichen.

    0 0
  • 06/11/15--00:40: Schwer abhängig


  • Sommer ist, wenn man aus der Tür geht oder sich aus dem Fenster hängt und da keine Barriere mehr ist. Kein Temperaturunterschied oder wenn, dann nur der, bei dem es draußen wärmer ist als drinnen. Vom Asphalt strahlt die Hitze und in der Luft liegt eine kleine Kohlensäure, blumig und zitronig, und sie ruft: Komm mit mir! Sie zieht einen hinaus, Widerspruch unmöglich. Sie zwingt dazu, mit allem eins zu werden: dem extrablauen Himmel, den Menschen auf den Rädern, dem glucksenden Wasser im Eisbach, den warmen Treppenstufen eines öffentlichen Bauwerks.

    Im Sommer ist am besten dran, wer ein nicht sehr aufwendiges Studienfach studiert oder irgendeinem Beruf nachgeht, der sich auch liegend im Gras erledigen lässt. Dieser Luxus wird nicht allen zuteil, aber die Stadt gaukelt es einem vor: Überall, so scheint es, liegen, sitzen, hängen sie ab, die Menschen, und haben in der linken Hand ein Getränk und in der rechten ein Taschenmesser, mit dem sie sich gerade ein Stück Käse abgeschnitten oder eine Erdbeere zerteilt haben. Je tiefer die Sonne steht, desto hübscher sehen sie dabei aus, und jetzt dürfen sich auch all die Büromenschen dazu gesellen. Irgendwann sitzt die ganze Stadt auf der Straße: die WG-Feierabendbiere, die Stammtische, die Hauspartys. Im Sommer gilt: Was braucht der Mensch anderes als kein Dach überm Kopf, ein Stückchen Erdboden und ein Picknick in der Tasche?

    Hackerbrücke





    Jessica, 18, und Samiya, 18,
    kommen von der Theresienwiese und wollen noch zu Jessica nach Hause, Toast machen. Aber vorher muss entspannt werden, und das geht am besten durch Rumklettern
    auf der Hackerbrücke. Hat Jessica schon als kleines Kind gern gemacht, sie ist hier aufgewachsen. Die beiden sind überhaupt überall dort am liebsten, wo man klettern kann, zum Beispiel auf den Felsen im Olympiapark. Aber hier, auf der Brücke, ist es abends eben besonders schön. Samiya sagt,
    der Ort werde seit ein paar Jahren immer angesagter. Genaugenommen, seit es in der Jugend diesen „american style“ gebe, geprägt von Instagram und tumblr-Blog-Ästhetik.

    >>>Das Vorstellungsgespräch feiern am Odeonsplatz<<<
    [seitenumbruch]

    Odeonsplatz





    Till, 23, Aylin, 22, Sebastian, 22, und Michi, 23,
    treffen sich hier regelmäßig auf ein Feierabendbier, das sie vorher bei „ihrem“ Rewe in den Fünf Höfen besorgen. Sebastian und Michi waren in der Stadt unterwegs,
    um nach einem Fernseher zu schauen und einfach mal zu gucken, „was man sonst noch so gebrauchen kann“. Aylin hatte heute ein Vorstellungsgespräch. Lief super. Darauf wird jetzt angestoßen. Und später?
    Wird auf jeden Fall gechillt. Wo, steht noch nicht fest. Till findet, das hier sei der schönste Fleck der ganzen Innenstadt. Man hat ein super Panorama und fühlt so richtig, wie die bayerische Tradition auf die Moderne stößt. Hier oben an der Feldherrnhalle haben immerhin schon „sonstwelche“ historischen Menschen gestanden, und jetzt sitzt er hier, und schaut runter auf Läden wie den Mercedes-Benz-Store oder den Coffeeshop.

    >>>Jahrestreffen auf der Bierbank<<<

    [seitenumbruch]

    Maxvorstadt auf der Straße





    Martin, 24, Hans, 25, Markus, 25, Stefan, 25, Hermann, 23, sitzen hier schon seit nachmittags und sind schon mehrere Male der Sonne hinterhergezogen mit ihrer Bierbank. Sie haben Brotzeit und Bier dabei und wissen noch nicht, was der Abend bringt. Sie kennen sich alle noch aus der Heimat, sind zusammen zur Schule gegangen und haben jetzt alle woanders studiert. Heute treffen sie sich zum ersten Mal wieder und besprechen, was in der Zwischenzeit alles geschehen ist. Martin, dem die Bierbank gehört, sitzt hier oft mit Freunden – und es kommen immer nette Menschen vorbei. Einmal, als alle Läden schon zu hatten, hat ein alter Mann ihnen von zu Hause Bier gebracht.

    >>>Über die Kritikerin schimpfen auf dem Pathos-Gelände<<<


    [seitenumbruch]Pathos Gelände


    Simon, 29, und Felix, 29, stärken sich für ihre Aufführung im Schwere-Reiter-Theater mit Sushi und Limonade. Sobald man die beiden hier sitzen sieht, hat der Sommer begonnen, es ist nämlich ihr Stammplatz. Gerade besprechen sie eine Zeitungskritik über ihre Aufführung. Die Reporterin muss taub gewesen sein, glauben sie, denn sie hat in ihrem Text kein einziges Wort über die gespielte Musik verloren,
    und die war der Inhalt des Stückes.

    >>>Anstoßen auf der Theresienwiese - beim schönsten Sonnenuntergang der Stadt<<<


    [seitenumbruch]Theresienwiese


    Merlin, 27, und Felix, 29, treffen sich am liebsten auf der Theresienwiese, weil es hier einen der schönsten Sonnenuntergänge der Stadt zu sehen gibt. Heute Abend gibt es außerdem Neuigkeiten über Frauen auszutauschen und es muss dringend auf das Referat angestoßen werden, das Felix heute erfolgreich hinter sich gebracht hat.

    >>>Adieu, Parkhausdeck am ehemaligen Atomic<<<


    [seitenumbruch]Parkdeck am ehemaligen Atomic


    Am Parkdeck nahe des ehemaligen Atomic-Cafés konnte man sich vor nicht allzu langer Zeit immer sicher sein, ein paar Abhänger zu treffen. Doch heute findet man nur noch die eingeritzten oder mit Edding verewigten Namen auf dem Beton. Seit das Atomic weg ist, ist wahrscheinlich auch die letzte jugendkulturelle Energie hier verschwunden. Wer sich länger als fünf Minuten ohne sinnvollen Grund (geparktes Auto abholen) hier oben aufhält, wird von einem Parkhauswächter abgeholt und hinauskomplimentiert. Adieu, Parkhausdeck, du Ort so vieler verwegener Geschichten!

    0 0

    Niemand kennt eine Straße so gut wie die Menschen, die in ihr leben. Deshalb bitten wir hier regelmäßig junge Münchner, uns ihre Straße zu zeigen – die schönsten Ecken, die besten Läden, die schrulligsten Typen, die nettesten Anekdoten. Heute:
     

    Vilmos, 32, Mediengestalter


    Ich wohne seit neun Jahren in dieser Straße und habe fast die gesamte Baustellenzeit mitbekommen, in der sie untertunnelt wurde. Mein Wohn- und Schlafzimmer geht direkt zur Baustelle raus. Seither kann ich, egal wo ich bin, mit offenem Fenster schlafen. Lärm stört mich nicht mehr. Die Baustellenzeit war auch sehr anstrengend für die Läden hier. Man muss schon einen sehr guten Ruf haben, dass man so etwas unbeschadet übersteht. Viele Geschäfte sind eingegangen.




     
    Der Tankstellenbesitzer der Aral hat 2011 vor lauter Verzweiflung über die Baustelle und das schlechter werdende Geschäft sogar seine eigene Entführung vorgetäuscht, um irgendeinen Profit aus der Sache zu schlagen. Flog dann aber auf. Für mich ist es super, dass die Tankstelle heute noch da ist, denn sie hat rund um die Uhr geöffnet und gehört zu den Münchner Tankstellen, die eher einem kleinen Supermarkt gleichen.
     
    Das Eiscafé Buongiorno an der Ecke zur Mühlbauerstraße ist auch schon das dritte Geschäft in diesem Haus, seit ich hier wohne. Aber ich glaube, es wird Bestand haben. Es gibt hier hervorragendes selbstgemachtes Eis und frische Crêpes. Und im Sommer sitzen rundherum an den Tischen und auf den Grünflächen am Straßenrand Menschen und genießen die Abendsonne, die die Straße flutet.
     
    An der Ecke Stuntzstraße gibt es das Bistro Bella Luna, das ist das Herz der Straße und hat nur ganz wenige Gerichte auf der Karte. Die sind dafür aber alle günstig und top. An der Spontan-Cocktailbar kann man toll sehen, wie sich Ladenkonzepte an die Realität anpassen. Anfangs war alles total auf Cocktails ausgerichtet, aber das hat bei den Anwohnern überhaupt nicht gezogen. Im Laufe der Zeit haben sie die Cocktailauswahl auf fünf reduziert, schenken hauptsächlich Bier aus und spielen Schlagermusik. Jetzt ist das ein sehr geselliger, bodenständiger Anwohnertreff geworden, und wenn man mal einen Cocktail bestellt, merkt man, dass die Bedienungen damit mittlerweile selbst überfordert zu sein scheinen.
     
    Das Wirtshaus Naumanns Hüttenwirt kann ich ebenfalls empfehlen. Da gibt es sehr gute bayerische Küche. Seit einigen Jahren gibt es außerdem einen großen Rewe und einen Basic-Biomarkt in der Straße, bei dem ich mich immer ein bisschen über das Publikum wundern muss: Sich sehr „umweltbewusst“ wähnende Bio-Einkaufmuttis, die dann in ihrem SUV mal eben über den Gehweg noch zum Rewe rüberrollen und dort das besorgen, was sie im Bioladen nicht kriegen. Aber gut, die Gehwege sind hier halt auch sehr breit, selbst der DHL-Wagen benutzt ihn bei der Paketauslieferung als Straße.
     
    In der Richard-Strauss-Straße befindet sich übrigens auch das unfallbelastetste Haltestellenhäuschen Münchens – schon drei Mal habe ich miterlebt, wie da jemand reingefahren ist. Und ich verstehe es einfach nicht, denn es liegt auf völlig gerader Strecke.

     Mein liebster Abhängort ist der Böhmerwaldplatz. Da gibt es eine große Liegefläche und außen herum Bänke. Es sitzt sich schön dort und außerdem mischt sich das feine Bogenhausen in das einfachere Bogenhausen der Richard-Strauss-Straße.
     
    Was ich sonst toll finde, ist, dass die Stadt hier schon so dicht ans Land rankommt. Man ist ja nach dem Mittleren Ring praktisch direkt auf den Feldern, und wenn der Wind richtig steht, odelt es hier manchmal richtig. An der U-Bahn gibt es noch einen gut sortierten Obstmann und hier bleiben an klaren, sonnigen Tagen abends oft die Leute kurz stehen, bevor sie ins Untergeschoss abtauchen und machen ein Foto davon, wie auf dem Hypohochhaus am Ende der Straße die untergehende Sonne orange-golden reflektiert wird.

    0 0
  • 06/11/15--03:01: Riesige News!
  • Richard Matt hat einen Menschen zerstückelt, er ist zu 25 Jahren Haft verurteilt. Am Freitag ist er mit einem anderen Mörder aus einem Gefängnis im Bundesstaat New York geflohen. Seither: keine Spur! Zum Glück hat nun ein pensionierter Polizist, der Matt vor 18 Jahren schnappte, in einem Interview ein wichtiges Detail geliefert. Ein großes Puzzlestück von kaum zu überschätzendem Gewicht, ein dickes Ding, das dem Fall eine GIGANTISCH andere Richtung gibt!

    Eine aktuelle Presseschau.  
     




    Via Death And Taxes




    Via Metro News




    Via Gawker




    Via Barstool Sports




    Via Instinct Magazine




    Via Gawker




    Via GQ




    Via Saboteur 365




    Via Bro Bible




    Via Gawker

    jan-stremmel

    0 0

    Wäre es nicht schön, wenn es in einer fremden Stadt eine Wohnung gäbe, in der man umsonst schlafen kann? Ja, wäre es. Darum organisiert der „Travel Club“, eine in Serbien gegründete gemeinnützige Organisation für Individualreisende, jetzt zum vierten Mal das sogenannte „Travel House“. Ab dem 1. Juli soll es in Athen für acht Wochen eine Gratis-Wohnung für Reisende geben, die wie eine Mischung aus Airbnb, Couchsurfing und Jugendherberge funktioniert: Die Organisatoren mieten sie an und statten sie aus, mindestens einer von ihnen ist immer als Ansprechpartner anwesend, das Wohnen kostet nichts und jeder ist willkommen. Das Crowdfunding läuft noch.

    In den vergangenen drei Jahren gab es das Projekt schon in Istanbul, Granada und Tiflis. Kristina Ivsic, 30, aus Novi Sad (Serbien) ist eine der Organisatorinnen und erzählt, wie das Travel House funktioniert, was die Nachbarn sagen und wieso Reisende aus Balkanländern länger bleiben dürfen als andere.




    Kristina arbeitet eigentlich an der Uni in Novi Sad. In ihrer Freizeit hilft sie bei der Organisation des Travel House.

    jetzt.de: Ihr wollt das Travel House jetzt zum vierten Mal eröffnen. Wie viele Gäste waren bisher da?

    Kristina Ivsic: In Istanbul waren in acht Wochen 224 Gäste aus 36 Ländern da, in Granada 219 aus 40 Ländern und in Tiflis 341 Gäste aus 38 Ländern. Der älteste Gast bisher war 64 Jahre alt – und der jüngste 10 Monate. Manchmal wohnen bis zu 30 Leute auf einmal in der Wohnung.

    So viele! Bekommt da jeder einen Schlüssel?

    Das läuft sehr spontan – normalerweise ist die Wohnung ja nie leer, irgendjemand ist immer da. In Istanbul und Granada hatte aber glaube ich am Ende fast jeder einen. Da hatten wir dann ... vielleicht so 50 Schlüssel?

    Wie entscheidet ihr, in welcher Stadt es das Travel House geben soll?

    Wir versuchen immer in Städte zu gehen, von denen aus man auch gut an andere Orte kommt. Die Stadt darf auch nicht zu teuer sein, weil unser Budget ja begrenzt ist, und sie sollte kulturell interessant sein und so groß, dass man dort fünf Tage bleiben kann und es genug zu entdecken gibt.



    Im Travel House wird viel geteilt. Zum Beispiel das Essen.

    Wie findet man in einer fremden Stadt eine Wohnung, die geeignet ist – und einen Vermieter, der da mitmacht?

    Das ist immer ein sehr spontaner Prozess. Erstmal muss man ja abwarten, ob genug Geld zusammenkommt. Und dann muss man zehn Tage oder eine Woche vor Eröffnung des Travel House in eine Stadt, die man nicht kennt, und da Leute kontaktieren. Es ist wichtig, dass man sich einen Einheimischen sucht, der hilft, die Stadt kennt und die Sprache spricht. Und dann ist es halt auch sehr schwierig, eine Wohnung für nur zwei Monate zu mieten. In Istanbul wusste der Vermieter am Ende gar nicht, dass die Wohnung ein Travel House sein soll – wenn du jemanden sagst: „Hier werden über zwei Monaten ungefähr 200 Leute wohnen!“, dann vermietet dir ja keiner was...

    Zurecht?
    Also bisher ist nie was passiert, außer, dass wir am Ende mal ein bisschen draufgezahlt haben, weil gestrichen werden musste. Wir suchen auch immer nach einer Wohnung, die unmöbliert ist. Zum einen ist dann weniger da, was kaputt gehen oder schmutzig werden kann, zum anderen ist mehr Platz, um zu schlafen.

    Wie stattet ihr die Wohnung aus?

    Wenn es keinen Kühlschrank gibt, kaufen wir einen, und ansonsten versuchen wir, das Nötigste anzuschaffen, Sachen, die man als Reisender nicht immer mit sich rumtragen will, Shampoo, Seife, Toilettenpapier, so was.

    Auch Lebensmittel?

    Ja, dazu erzähle ich immer gerne eine Anekdote: Im ersten Jahr im Istanbul hat jeder was in den Kühlschrank getan und niemand hat vom Essen der anderen genommen. Manchmal, wenn Leute abgereist sind, haben sie ihre Reste dagelassen – die sind dann natürlich vergammelt. Irgendwann wollte keiner mehr den Kühlschrank aufmachen, weil es so gestunken hat. Und dann haben wir ein Fach im Kühlschrank zu einem allgemeinen Fach gemacht, aus dem sich jeder bedienen darf und in dem man seine Sachen lassen kann, wenn man abreist. Das haben wir in den anderen Städten dann auch so gemacht. Wenn man zum Beispiel spät ankommt und alle Läden geschlossen haben, gibt es so trotzdem noch was zu essen, das ist super.



    Feste Regeln gibt es keine. Aber abends sollte man schon leise sein, wenn man mit bis zu 30 Menschen eine Wohnung teilt.

    Gab’s, abgesehen vom stinkenden Kühlschrank, irgendwelche Probleme oder Konflikte?

    Im Haus nie, es gab nie Streit und es waren auch nie aggressive Gäste da. Das ist schön und gibt dir irgendwie das Vertrauen in die Menschlichkeit zurück, falls du es nicht mehr hattest (lacht). Aber wir hatten ein paar Probleme mit Nachbarn. Klar haben wir immer Bescheid gesagt, dass da mehr Leute sein werden als nur wir, aber ein paar Nachbarn fanden das lästig. Oder sie waren misstrauisch, wenn sie gesehen haben, dass Ausländer kommen. Aber bisher hat sich alles friedlich regeln lassen.

    Gibt es einen Regelkatalog oder so?

    Schon, aber ich nutze das Wort „Regeln“ eigentlich immer in Anführungszeichen. Es ist nicht so streng, es gelten halt die „Regeln“, die gelten, wenn man sich ein Haus teilt: Schuhe ausziehen, am Abend leise sein, jeder spült seine Sachen ab und macht mal sauber und so weiter. Und es funktioniert. Am Anfang dachten wir, wenn mal 20 Leute in einem Raum schlafen, das wird doch chaotisch. Aber in Istanbul war ich total erstaunt zu sehen, wie gut das funktioniert hat. Jeder hat jedem geholfen und es wurde viel geteilt. Das schöne am Travel House ist, dass es keine Gastgeber-Gast-Beziehung gibt: Jeder ist ein Gastgeber und jeder ist ein Gast.

    Darf man eigentlich so lange bleiben, wie man will?

    Nein, gibt eine bestimmte Anzahl von Tagen, damit möglichst viele kommen können. Wenn man einen guten Grund hat und Platz ist, kann man natürlich auch mal länger bleiben. Dieses Jahr in Athen werden es vier Tage sein für alle, die nicht aus dem Balkan und Ex-Jugoslawien kommen, für Reisende aus Balkan-Staaten sechs Tage.

    Wieso dürfen die länger bleiben?

    Der Travel Club, der das Travel House organisiert, wurde gegründet, um hier in der Region Individualreisen zu fördern. Die Leute aus den Balkan-Staaten hatten in der Vergangenheit wegen der Kriege und der schwierigen politischen Situation wenig Chancen zu reisen.

    Als nächstes dann also Athen. Wann geht’s los?

    In zehn Tagen werden zwei von uns nach Athen fahren und eine Wohnung suchen. Wir wollen am 1. Juli eröffnen und bald sollten die Anmeldeformulare auf der Webseite sein. Wir können die Adresse des Travel House ja nicht öffentlich auf die Webseite schreiben, aber wenn man sich anmeldet, bekommt man eine Mail mit allen Infos.

    Zum Schluss noch: Was war dein liebster Moment im Travel House?

    Oooh, das ist schwer, ich liebe das Travel House und bin da echt enthusiastisch! Ich genieße jeden Moment dort. Außer den, wenn ich am Ende den Boden putzen muss.

    0 0

    Der Papst würde sich freuen. Denn zumindest eine Tradition der katholischen Kirche bleibt in der „First Church of Cannabis“ erhalten: weißer Rauch ist heilig. Die erste Kiffer-Kirche, die gerade in Indiana gegründet wurde, meint es auch sonst ziemlich ernst. Immerhin geht es um ein Wundergewächs, das schon lange als Bewusstseinserweiternd gilt. 

    [plugin imagelink link="http://www.konbini.com/wp-content/blogs.dir/4/files/2015/06/IndianaAntiGayLaw-FirstChurchofCannabis1-810x506.jpg" imagesrc="http://www.konbini.com/wp-content/blogs.dir/4/files/2015/06/IndianaAntiGayLaw-FirstChurchofCannabis1-810x506.jpg"]
    (Quelle)

    Kurze Rückblende in die Kiffergeschichte: Cannabis wird traditionell beispielsweise im Buddhismus, schamanischen Glauben und indischen Atharva Veda als Halluzinogen mit heiliger Wirkung aufgeführt. Wird also höchste Zeit, dass sich der Sache mal jemand offiziell annimmt.  

    [plugin imagelink link="http://www.konbini.com/wp-content/blogs.dir/4/files/2015/06/BillLevin-810x455.jpg" imagesrc="http://www.konbini.com/wp-content/blogs.dir/4/files/2015/06/BillLevin-810x455.jpg"]
    (Quelle)

    Gründer Bill Levin ist vom Konzept überzeugt. Der Kifferpapst will Menschen ansprechen, die vom Glauben abgefallen sind und nun Trost in der Droge suchen. Ernüchtert vom Katholizismus? Probier es mit Gras. Er schreibt auf der Crowdfunding Page der Kirche über das Vorbild Rastafari-Religion und benutzt dabei sehr viele Großbuchstaben: „Has your faith left the standard church doctrine? Well I have an answer. I have created the FIRST CHURCH OF CANNABIS. A church based on LOVE and FAITH with the plant we know and love.“

    Eine Kirche für Kiffer: Über 40.000 Menschen finden das auf Facebook schon ziemlich gut, obwohl die Gründung der „First Church of Cannabis“ erst wenige Wochen her ist. Knapp 16.000 Dollar wurden bereits gespendet. Auf Kiffer ist also scheinbar doch Verlass!  

    Die 12 Gebote der Kirche sind übrigens auch ziemlich großartig.  

    1) Don’t be an asshole. Treat everyone with love, as an equal.
    2) The day starts with your smile every morning. When you get up, wear it first.
    3) Help others when you can. Not for money, but because it’s needed.
    4) Treat your body as a temple. Do not poison it with poor quality foods and sodas.
    5) Do not take advantage of people. Do not intentionally hurt anything.
    6) Never start a fight, only finish them.
    7) Grow food, raise animals, get nature into your daily routine.
    8) Do not be a “troll” on the Internet; respect others without name-calling and being vulgarly aggressive.
    9) Spend at least 10 minutes a day just contemplating life in a quiet space.
    10) When you see a bully, stop them by any means possible. Protect those who cannot protect themselves.
    11) Laugh often, share humor. Have fun in life, be positive.
    12) Cannabis, “the Healing Plant,” is our sacrament. It brings us closer to ourselves and others. It is our fountain of health, our love, curing us from illness and depression. We embrace it with our whole heart and spirit, individually and as a group. 

    Am 1. Juli soll der erste Gottesdienst in Indianapolis stattfinden – dann tritt der erneuerte Religious Freedom Restoration Act im Bundesstaat Indiana in Kraft. Er soll verbieten, Menschen bei der Ausübung ihrer Religion zu diskriminieren . Nur mit Weihrauch wird man sich beim Gottesdienst wohl eher nicht benebeln. Und die Bibel ziert ein grünes Pflänzchen. Vielleicht versteckt sich hier der Lösungsansatz für religiöse Konflikte: Erst mal alle in Ruhe einen durchziehen.


older | 1 | .... | 250 | 251 | (Page 252) | 253 | 254 | .... | 311 | newer