Are you the publisher? Claim or contact us about this channel


Embed this content in your HTML

Search

Report adult content:

click to rate:

Account: (login)

More Channels


Channel Catalog


Channel Description:

jetzt.de

(Page 1) | 2 | 3 | .... | 311 | newer

    0 0

    Duma stellt positive Äußerungen über Homosexualität unter Strafe.

    Moskau - Es war der Tag, an dem Jelena Misulina im Mittelpunkt stand. Weil sie für dieses Gesetz geworben hat, das auch zeigt, wie viel manchmal zwischen Russland und dem Westen liegt. Misulina ist Vorsitzende des Duma-Ausschusses für Frauen und Kinder und war maßgeblich daran beteiligt, dass das Parlament mit 436 Stimmen bei nur einer Enthaltung das Propagieren von Homosexualität gegenüber Minderjährigen unter Strafe stellte. Und sie ist auch Mutter eines Sohnes, der als Jurist in Belgien arbeitet. Dort also, wo Homo-Ehen erlaubt sind und sogar die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare. Dazu befragt, sagte sie, er müsse sich in Belgien nun mal "diesen Regeln unterordnen und tolerant sein".



    Russland verschärft die Gesetze für gleichgeschlechtliche Partnerschaften.

    Während in Deutschland über die steuerrechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften beim Ehegattensplitting debattiert wird, verschärft Russland die Gesetze. Wer Informationen verbreitet, die bei Kindern und Jugendlichen "auf eine nicht traditionelle sexuelle Einstellung abzielt", muss künftig bis zu eine Million Rubel (etwa 25000 Euro) Strafe zahlen. Betroffen ist auch die entsprechende "Propaganda" durch Ausländer. Sie können festgenommen und des Landes verwiesen werden. Hintergrund dürften Auftritte von Künstlern wie der von Madonna sein, die sich bei Konzerten in Russland öffentlich für Schwule und Lesben eingesetzt hat.

    Die russische Regierung sagt, sie wolle mit dem Verbot Kinder und Jugendliche schützen. Kritiker allerdings befürchten, dass in der Gesellschaft die Toleranz gegenüber Minderheiten weiter abnehmen werde. Wladimir Lukin, Russlands Menschenrechtsbeauftragter, warnte am Tag der Duma-Abstimmung, dass "die harte und unkluge Rechtsanpassung zu menschlichen Opfern und menschlichen Tragödien" führen könne. In den vergangenen Wochen wurden bereits mehrere Menschen Opfer eines verstärkten Schwulenhasses. Zuletzt wurde Ende Mai ein stellvertretender Flughafen-Direktor auf Kamtschatka ermordet und die Leiche verbrannt.

    Intoleranz gegenüber Homosexuellen ist im Osten Europas stark verwurzelt, Outings sind eine Seltenheit. Zwar ist eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft seit 1993 in Russland nicht mehr strafbar und seit 1999 auch nicht mehr im Kanon psychischer Störungen aufgeführt. Auch unter dem Druck der mächtigen orthodoxen Kirche aber ist der Widerstand gegen mehr öffentliche Toleranz stark. Schwulen-Paraden werden in Moskau und anderen Städten regelmäßig verboten. Und Präsident Wladimir Putin kündigte vergangene Woche beim EU-Russland-Gipfel bereits an, dass er auch ein Gesetz unterschreiben würde, dass die Adoption russischer Kinder durch homosexuelle Familien verbietet. Nach einer Umfrage des kremlnahen Instituts Wciom sind 88 Prozent für das neue Verbot, das in Russland "Anti-Schwulengesetz" genannt wird. Sie halten es offenbar eher mit dem Gouverneur des Kurgansker Gebiets, der von Kommersant Wlast mit den Worten zitiert wird: "Europa mit seiner Propaganda solcher Ansichten braucht nicht zu uns zu kommen. Sollen sie ihre Fäulnis bei sich verbreiten."

    Der Moskauer Erzpriester Wsewolod Tschaplin nutzte die Debatte über Homo-Ehen in Europa sogar dazu, den Niedergang der westlichen Zivilisation zu prophezeien. Wenn Russland zu moralischen Werten zurückkehre, könne es zeigen, dass es den Westen wieder zum Leben erwecken könne und Europa wieder christlich werde, sagte Tschaplin.

    Ein ehemaliger Mitarbeiter der Stadt Moskau outete sich zu Beginn des Jahres in einer Porträt-Reihe des Stadtmagazins Afischa mit den Worten: "Es kann sein, dass ich nach der Veröffentlichung entlassen werde." Er erzählte darin offen von seinen inneren Spannungen seit der Kindheit, weil er anders sei, seine Neigungen nicht offen sagen konnte und deshalb zusammen mit einer Frau "eine Familie vorspielte". Später gab er Cityboom ein weiteres Interview und beklagte sich darin, dass er wegen des Magazin-Artikels aus seinem Job gedrängt worden sei, dass es sehr wohl Diskriminierung von Schwulen und Lesben gebe, anders als von der politischen Führung dargestellt werde.

    Auch unter Russlands Künstlern ist die Vorsicht groß. Lediglich der beliebte Schlagersänger Boris Moissejew, Mitglied der Regierungspartei Einiges Russland, bekannte sich viele Jahre zu seiner Homosexualität. Später revidierte der Mann mit dem wasserstoffblonden Haar seine Haltung. Er habe all dies nur gesagt, um berühmt zu werden.

    0 0

    Die einen laufen jedem Euro hinterher, die anderen geben gerne mal ein Bier aus oder verleihen größere Summen. Wie spendabel bist du, wenn es um deine Freunde geht?

    Wenn meine Freunde und ich ein Bier trinken gehen, ist eigentlich immer eine Person dabei, die gerade zu wenig Geld hat. Dann strecke ich oder ein anderer es vor, obwohl jeder weiß, dass es beide Parteien spätestens bis zum nächsten Treffen vergessen haben werden. 



    Hast du Spendierhosen an oder bist du ein Pleitegeier - und welche Rolle spielt das in deinem Freundeskreis?

    Gerade wird eine App entwickelt, die das Schulden-Dilemma in Freundeskreisen beseitigen soll. Vergangenen Donnerstag startete das Crowdfunding des Unternehmens Lendstar. Die Münchner haben eine App erfunden, die es möglich macht, sich über das Internet Geld von Freunden und Verwandten zu leihen, anstatt einen Kredit bei der Bank aufzunehmen. Die Gründer wollen so das lästige Hin-und-Hertauschen von Bargeld beenden und auch das Vergessen von  Schulden soll Geschichte sein. Die App erinnert die Geldnehmer nämlich auch daran, den Betrag zu begleichen. Durch dieses Programm  sollen Leute, denen eine Bank keinen Kredit gibt, eine Chance haben, sich Geld zu leihen. Und den „Geldeintreibern“ soll das unangenehme Nachfragen erspart werden.
     

    Wie ist das bei dir? Trommelst du Freunde zusammen, um dir Geld zu leihen? Oder pflegst du finanzielle Beziehungen lieber nur mit der Bank? Wie ist dein Verhältnis zu Geld und Freunden? Bis zu welchem Betrag lässt du es noch unter den Tisch fallen, und ab wann erinnerst du den Schuldner daran? 

    0 0
  • 06/12/13--09:30: Kleine Sklaven
  • Weltweit müssen 215 Millionen Kinder Tag für Tag arbeiten, viele davon in Steinbrüchen und Bergwerken.

    Jahajs Kindheit war vorbei, als er zwölf Jahre alt wurde. Von dem Tag an wurde er in die Gerberei geschickt, um zu arbeiten. Seitdem geht er täglich ins Hazaribagh-Viertel in Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, wo es die vielen Gerbereien gibt. Jahaj muss Tierhäute in Chemikalien einweichen oder sie mit scharfen Klingen zurechtschneiden. Auch Maschinen hat er schon als Kind bedient.




    Der 12.Juni ist internationaler Weltag gegen Kinderarbeit.

    Vorarbeiten für die Luxusware der westlichen Welt.

    Jahaj ist heute 17. Er leidet unter Asthma, hat Hautausschläge, Juckreiz und Verätzungen. Er ist einer von vielen, die unlängst die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zur Arbeit in den Gerbereien Bangladeschs befragt hat. Der junge Mann klagte besonders über die harte Arbeit in den Gruben, in denen die Tierhäute aufbewahrt werden. 'Das Wasser in den Gruben brennt, wenn ich es mit der bloßen Haut berühre', sagte er. 'Aber wenn ich Hunger habe, spielt Säure keine Rolle. Ich muss essen.'

    Weltweit müssen 215 Millionen Kinder jeden Tag arbeiten, um sich und ihre Familien zu ernähren, schätzt die Internationale Arbeitsorganisation ILO. 115 Millionen Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis 17 Jahren verrichten sehr gefährliche Tätigkeiten in Steinbrüchen, Bergwerken oder in der Landwirtschaft. Sie arbeiten nachts, werden wie Sklaven gehalten oder zur Prostitution gezwungen. Allein 300000 Kinder, manche nicht älter als sieben Jahre, kämpfen derzeit in Kriegen und Konflikten, schätzt die Kinderrechtsorganisation Save the Children. Allein die Aussicht auf regelmäßiges Essen bringe viele dazu, als Kindersoldat in die Armee einzutreten.

    Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen prangerten zum Welttag gegen Kinderarbeit am 12. Juni die Ausbeutung von Minderjährigen an. Papst Franziskus appellierte an die internationale Gemeinschaft, mehr gegen die 'wahre Plage' der Arbeit und die Ausnutzung von Kindern zu unternehmen. In diesem Jahr steht besonders die Ausbeutung von Kindern als Hausangestellte im Mittelpunkt. Dieses Problem werde vor allem in armen Ländern immer größer, sagte der Papst. Dabei handele es sich um eine 'versteckte Form der Ausbeutung', die oft mit Missbrauch, Misshandlung und Diskriminierung einhergehe.

    Mehr als zehn Millionen Kinder arbeiten als Hausangestellte, und sie werden oft wie Sklaven behandelt, heißt es in dem jüngsten ILO-Bericht. Die UN-Organisation rief zu einem stärkeren Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern in Haushalten auf. Die kleinen Hausangestellten seien meist isoliert von ihren eigenen Familien und der Öffentlichkeit. 'Dies macht sie äußerst verwundbar für ausbeuterische Arbeitsbedingungen, für psychische, physische und sexuelle Gewalt. Letztlich droht so aus einer Arbeitsausbeutung häufig auch eine sexuelle Ausbeutung zu werden', schreibt die ILO in ihrem Bericht.

    Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, forderte größere Anstrengungen, um Kindern ein kindgerechtes Leben zu ermöglichen. Weltweit hätten 177 Staaten die Konvention zur Abschaffung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit ratifiziert. 'Aktuell sehen wir jedoch, dass Kinder weiterhin als billige Arbeitskräfte missbraucht und ausgebeutet werden, zum Beispiel auf Baumwollfeldern in Usbekistan, an Nähmaschinen in Bangladesch, bei der Herstellung von Lehmziegeln in Pakistan oder der Kakaoernte in Côte d"Ivoire.' Die Vorsitzende der Kinderkommission, Beate Walter-Rosenheimer, appellierte an die Kommunen, bei der Ausschreibung darauf zu achten, dass die Produkte nicht durch Kinderarbeit entstanden sind. Die EU kündigte an, weiter gegen Kinderarbeit zu kämpfen. 'Wir haben an alle EU-Mitgliedstaaten appelliert, die Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation 189 zu menschenwürdiger Arbeit, die am 5. September in Kraft treten wird, zu ratifizieren', teilte die Außenbeauftragte Catherine Ashton mit.

    Der Welttag gegen Kinderarbeit wird seit 2002 jährlich begangen. Die ILO will damit die Aufmerksamkeit auf das Schicksal vieler Kinder lenken.


    0 0
  • 06/12/13--09:30: Der geköpfte Brokkoli
  • Wie Monsanto mit Patenten den Gemüsemarkt kontrollieren will.


    München - Manche mögen es für einen Scherz halten, dem ist aber nicht so: Das Europäische Patentamt (EPA) hat der Monsanto-Tochter Seminis ein Patent auf "geköpften Brokkoli" erteilt. Dabei geht es nicht, wie sonst häufig bei dem US-Agrarkonzern, um eine genmanipulierte Pflanze, sondern eine gewöhnliche Züchtung. Einzigartiger Vorzug dieser Pflanze: Sie soll leichter zu ernten sein. Weil der Kopf des Brokkoli weit über die Blätter hinausragt, kann ihn eine Erntemaschine leichter köpfen. So zumindest steht es, vereinfacht ausgedrückt, in der Patent-Anmeldung.



    Ärger über den patentierten Brokkolii.

    Schon im Vorfeld sorgte das Gemüse für Ärger. Denn das Patent erstreckt sich vom Saatgut über die Pflanze bis zum "abgetrennten Brokkolikopf". Für das anmeldende Unternehmen kann sich ein solches Patent als Goldgrube erweisen. Nach Einschätzung von Experten ist es bestens geeignet, andere Brokkolizüchter vom Markt zu drängen und Verbraucher stärker zur Kasse zu bitten.

    Bei Verbraucherschützern stößt diese Form von Patenten auf heftige Kritik. Sie stellen die züchterische Leistung des Antragstellers grundsätzlich in Frage. Tatsache ist, dass sich Konzerne wie Monsanto ein Prinzip zu eigen machen, das in der Landwirtschaft seit Tausenden von Jahren praktiziert wird: Um einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen, werden nur die stärksten Pflanzen ausgesät. Viele Nahrungsmittelpflanzen, die heute angebaut werden, sind Ergebnis dieses Ausleseprozesses. "Wenn Konzerne wie Monsanto Züchter und Patente kontrollieren, wird es in Zukunft möglicherweise kaum noch Gemüse geben, das nicht patentiert ist", warnt Christoph Then von der Kampagne "Keine Patente auf Saatgut". Das Nachsehen haben die Verbraucher. Then verweist auf das erste Brokkoli-Patent, das 2002 erteilt wurde. "Als der Brokkoli unter der Marke Beneforte in britischen Supermärkten eingeführt wurde, kostete er 50 Prozent mehr als normaler", so Then.

    Er und andere Kritiker befürchten, dass die Grundlagen der Ernährung über kurz oder lang von einigen wenigen internationalen Konzernen kontrolliert werden könnten. Mehr als zwei Millionen EU-Bürger fordern in einer Unterschriftenaktion ein Verbot der Patentierung von Pflanzen aus herkömmlichen Züchtungen. Greenpeace hält das Brokkoli-Patent zudem für einen Verstoß gegen das EU-Patentübereinkommen, das Patente auf konventionelle Züchtungen verbietet. Doch die Realität sind anders aus. Bis zum Jahr 2020 soll der weltweite Umsatz mit patentierten Pflanzen aus konventioneller Zucht von derzeit 700 Millionen Dollar auf drei Milliarden Dollar steigen. Das geht aus einem Papier der Welternährungsorganisation FAO hervor. Die zuständige EU-Behörde, das Europäische Patentamt, hat bislang vor allem Patente auf Gentech-Pflanzen erteilt: von 2000 beziehen sich laut Then nur knapp 100 auf herkömmliche Züchtungen. Für den Anbau zugelassen seien in der EU aber nur zwei Gentech-Sorten: Mon810-Mais von Monsanto und die Industriestärke-Kartoffel Amflora von BASF. Darüber hinaus dürfen 47 Futter- und Lebensmittelpflanzen in die EU importiert werden.

    Obwohl der Widerstand gegen Gentechnik im Essen in der EU groß ist, betreibt Monsanto die Zulassung einer weiteren Gentech-Maissorte. Die gemeinsam mit der US-Firma Dow Agroscience entwickelte Pflanze SmartStax soll gegen zwei Unkrautvernichtungsmittel resistent sein und zugleich Gifte gegen sechs Schädlinge produzieren. Selbst in der Gentechnik gilt das als Novum. Umweltschützer halten die Pflanze wegen der massiven Eingriffe in das Genom der Pflanze für gefährlich. Sie befürchten unter anderem Risiken für die Gesundheit von Menschen. Monsanto hat jedoch gute Chancen auf eine SmartStax-Zulassung. Eine Abstimmung der EU-Mitgliedstaaten ging am Montag unentschieden aus. Eine weiter soll bald folgen. Einigen sich die Länder auch dann nicht, hat die EU-Kommission das Sagen - und die hat die Zulassung ursprünglich vorgeschlagen. Es ist also schwer vorstellbar, dass sie nun dagegen stimmt.


    0 0
  • 06/12/13--09:30: Zu viel Energie
  • Jeden Juni treffen sich in der verschlafenen norwegischen Kleinstadt Voss Extremsportler aus aller Welt, um mit den Elementen zu spielen.


    Das Best of-Video sieht aus wie ein Zusammenschnitt von Suizidversuchen. Ein paar Männer springen über eine Felsklippe in den Abgrund. Ein einsamer Kanute stürzt sich senkrecht ins weiß tosende Becken am Fuße eines gewaltigen Wasserfalls, gefolgt vom Schlauchboot einer tolldreisten Raftinggruppe. Mit Ellenbogenschonern gewappnete Jugendliche rasen auf Kickboards die verschlungenen Serpentinen einer Passstraße hinunter, während sich über ihnen Menschen aus Kleinflugzeugen in die kristallklare Luft des norwegischen Fjordlands stürzen.



    Norwegen im Adrenalinrausch.

    Das Video zeigt aber auch vor Glückshormonen strotzende junge Menschen, die mal ihre nackten Oberkörper den Strahlen der Mitternachtssonne darbieten, mal glücklich im strömenden Regen durch Moos und Farne stapfen wie ein Aufeinanderprall der Kataloginhalte sämtlicher Outdoor-Kleidungsfabrikanten. All das geschieht in Voss im westnorwegischen Fjordland, einem Städtchen, das gerade einmal 14000 Einwohner hat - und einmal im Jahr, während der "Extremsportwoche" Ende Juni, doppelt so viele beherbergt.

    Voss, in den Tagen vor dem Einbruch der Massen, das ähnelt einem Freizeitpark, in dem Norwegen auf engstem Raum nachgebaut ist: Da ist das Folkemuseum mit historischen Bauernhöfen, darüber die Gipfel, auf denen der Schnee schmilzt. Da sind die fischreichen Seen, zwischen denen sich der Ort erstreckt. Da sind die dunkelroten Züge auf dem Weg zwischen Oslo und Bergen, die ein paar Touristen ins Hotel Fleischer entlassen, ein Holzhaus, das mit all seinen Türmchen und Erkerchen aussieht, als hätte es in den mehr als 100 Jahren seines Bestehens keine Veränderung erfahren. Im Zentrum, rund um das Kirchlein, ist Blumenmarkt, im Café Tre Brør bestellen ein paar Biker Karottensuppe und Gemüsecouscous. Auf der weiten Uferwiese flanieren Pärchen. Möwen kreischen. Voss ist vieles, nur nicht extrem.

    Und doch beruft sich der Gründungsmythos der "Extremsportwoche" weniger auf den Kampf der örtlichen Jugend gegen zu viel Beschaulichkeit als auf das Ergebnis einiger Gläser Bier zu viel. Da saßen sie eines Herbstabends 1997 zusammen, Øyvind Kindem, Svein Oscar Moseid, Frode Solbakk und Even Rokne, Vorsitzende der örtlichen Paraglider, Kajakfahrer, Rafter und Skydiver, und überlegten, wie sie sich mit ihren jeweiligen Meisterschaften aus dem Weg gehen konnten. Bis einer auf die Idee kam zu fragen: "Warum legen wir all das nicht einfach zusammen?"

    Wer das gefragt hat, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass sich ein halbes Jahr später, vor exakt 15 Jahren, erstmals 200 Unerschrockene in Voss trafen, um Lüfte und Wasser herauszufordern. Sicher ist auch, dass schon damals der Versuch unternommen wurde, die kombinierten Meisterschaften mit kulturellen Highlights zu garnieren, was fürchterlich in die Hose ging: Die auf lokalen Hochzeiten geschätzte Sängerin Ulyd wurde von den Trendsportlern gnadenlos von der Bühne gebuht.

    In wenigen Tagen ist es wieder so weit. Voss ruft zu seiner 16. Extremsportwoche. Nur, dass inzwischen nicht mehr vier, sondern 13 Disziplinen ausgetragen werden, dass 1200 Sportler erwartet werden und 12000 Fans, die sich an die Ufer der Seen und Flüsse oder an den Fuß der Felsklippen setzen, um zu erleben, wie Menschen am Rande der Schallgeschwindigkeit an ihnen vorbeischießen.

    Einer der wenigen deutschen Teilnehmer ist der gebürtige Kasseler Sebastian Brück, der als Skydiver und im Downhill Race antritt. Der 35-Jährige schätzt die Atmosphäre in Voss: "Für die Einheimischen ist das, was wir treiben, völlig normal. Die wissen, einmal im Jahr besuchen uns ein paar Leute mit ein bisschen zu viel Energie." Eine Beschreibung, die auch auf die Geschäftsführerin der Extremsportwoche, Sofie Torlei Olsen, passt. Die ist gerade mal 30 und wirft jedem Interessierten gleich die Kernbotschaften ihrer "Marke" entgegen. Erstens: Spiele mit den Elementen! Zweitens: Fordere dich selbst und die Natur heraus! Drittens: Reduziere deine motorisierte Aktivität auf ein Minimum. Und viertens: Setze auf Nachhaltigkeit!

    Das mit der Nachhaltigkeit stimmt sogar. Denn was vier Männer einst so bierselig ersonnen haben, ist in eine gemeinnützige Organisation übergegangen, der Fauxpas, das Ganze im ersten Jahr "Pepsi-Max-Week" zu nennen, ist Geschichte. Auch die Herrschaften von Red Bull, die laut Olsen um ein Titelsponsoring buhlen, müssen sich mit einer kleinen Plattform im 4000 Menschen fassenden Festivalzelt begnügen, wo natürlich nicht mehr Ulyd auftritt, sondern norwegische Spitzenbands. Aus den Einnahmen wird das zweiköpfige Management finanziert, vor allem aber die Jugendarbeit der vier Trägervereine.

    Mindestens ebenso nachhaltig ist der Effekt auf den Tourismus in der Gegend. Das bringt auch dem einst so kleinen Rafting Club über seinen kommerziellen Ableger "Voss Rafting Senter" 10000 Buchungen pro Jahr ein. Wenn er nicht gerade Touristen über den Fluss Strandaelva manövriert, sitzt der sportliche Chef Allan Ellard dort über den Planungen der Rafting-Wettbewerbe der Extremsportwoche. Das Rennen, bei dem Vierer-Mannschaften auf einer fünfeinhalb Kilometer langen Strecke immer wieder neue Aufgaben gestellt werden, sind seine Domäne. Und Ellard verrät grinsend: In diesem Jahr werden sie kentern und wieder einsteigen müssen.

    Touristen können zum Glück vieles von dem, was sie während der Extremsportwoche in Voss zu sehen bekommen, in abgemilderter Familienversion buchen. Zu sehen gibt es diesmal neben den vier Gründungsdisziplinen auch: BMX-Fahrer und Mountainbiker, Freerider, Skateboarder und Freestyle-Kletterer, Base-Jumper und Hangglider. Sogar einen eigenen Triathlon haben sie ersonnen mit dem Namen "Hinunter vom Horgi". Der Lønahorgi, 1410 Meter hoch, ist ein besonders schöner Wander- und Aussichtsberg: Bergseen und Latschenkiefern, Felsen und Gletscher, so weit das Auge reicht. Ein Berg, von dem niemand so schnell wieder hinunter möchte, es sei denn, er gehört zu diesen Leuten mit ein bisschen zu viel Energie. Die nehmen vom Gipfel aus die Ski bis zur Schneegrenze, dann das Rad bis zum Fluss, dann das Kajak bis zum Ziel im Zentrum von Voss.

    Für Geschäftsführerin Olsen, die ein Budget von 1,3 Millionen Euro verantwortet, ist die Extremsportwoche ein Traumjob. "Ich sehe nichts weltweit, was größer wäre, auch nicht die Mountain Games in Vail", schwärmt sie. Und es soll noch größer werden: Überm Wasserfall am Prestegardsmoen ist eine Slackline gespannt, der örtliche Windpark lädt ein zum freien Flug im Windkanal. Wer immer etwas macht, was lebensbedrohlich und vergnüglich zugleich aussieht, ist eingeladen, bei Olsen vorzusprechen. Möglichst an einem der stilleren 358 Tage des Jahres. An einem der Tage, an denen man mitten in der Stadt das Rauschen der Birkenblätter hören kann. An einem der Tage, an denen die Zweitliga-Fußballerinnen das sportliche Geschehen prägen. Doch auch deren Trainer Nils Kvamme ist überzeugt davon, dass Voss nur profitieren kann vom weltweiten Aufsehen, das der jährliche Einfall der Extremsportler erregt.

    Damit alle 14000 Einwohner das auch weiterhin glauben und keiner auf die Idee kommt, die Idylle könne durch die Extremsportwoche bedroht werden, fährt während der diesjährigen Veranstaltung erstmals ein "Ekstrem Eldrebuss" durch die Gegend. Der sammelt über 65-Jährige ein, kutschiert sie gratis zu den Wettkampfstätten und anschließend zu kostenlosem Kaffee und Kuchen. In erlaubter Höchstgeschwindigkeit. Das hat Sofie Torlei Olsen versprochen.



    0 0
  • 06/12/13--09:30: Airbnb schlägt zurück
  • Das Internetportal kämpft um das Recht auf Untervermietung.


    Nach dem aufsehenerregenden Urteil gegen einen Nutzer der Online-Zimmervermittlung Airbnb gibt es ein Nachspiel, das richtungsweisend für Millionen Reisende werden könnte. So teilte Airbnb mit, dass es den Streit um die Untervermietung von Zimmern notfalls bis zum höchsten Gericht der USA ausfechten möchte. Dabei soll geklärt werden, wann Privatleute ihre Wohnung an Touristen vermieten dürfen. Zwar ist die Rechtslage in verschiedenen US-Städten unterschiedlich, doch könnte von dem Streit ein Signal an das restliche Land und sogar an Städte wie Paris oder Amsterdam ausgehen, in denen Airbnb-Nutzer ähnliche rechtliche Probleme haben.



    Falls Airbnb nicht weiter untervermieten darf, wäre so eine Couch für die eine Million Reisenden nicht schlecht.

    Ausgelöst wurde der Konflikt durch ein Urteil gegen den jungen Software-Ingenieur Nigel Warren. Er hatte sein Zimmer in Manhattan während eines viertägigen Ausflugs nach Colorado über die Webseite Airbnb für insgesamt 315 Dollar an eine russische Touristin vermietet. Nach Ansicht eines Verwaltungsrichters verstieß er damit gegen das 'illegal hotels law', das der US-Staat New York 2010 verabschiedet hatte. Demnach darf ein Mieter sein Zimmer nicht für einen Zeitraum von weniger als 30 Tagen untervermieten, wenn er selbst abwesend ist. Kritiker bemängeln, die Regelung schütze Hotels vor privater Konkurrenz. Hingegen loben Sozialpolitiker, das Gesetz helfe, Wohnraum zu bewahren, der sonst in inoffizielle Hotels umgewandelt würde. Tatsächlich konnte die Stadt so etwa gegen die Firma Smart Apartments vorgehen, die 50 Wohnungen gekauft und in inoffizielle Pensionen verwandelt hatte. Nun ist die Frage: Inwiefern gilt das Gesetz für Airbnb-Nutzer?

    Das Unternehmen zögerte lange, sich in den Streit einzumischen, da Gastgeber offiziell ihre Rechtslage selbst klären müssen. Doch hat Airbnb schlechte Erfahrungen mit passiven PR-Strategien gemacht und daher im Oktober David Hantman verpflichtet, der zuvor bei Yahoo die Abteilung für Regierungsbeziehungen geleitet hatte. Er will den Kampf mit den Behörden nun aufnehmen und holte dafür Hilfe von der Kanzlei Gibson Dunn. Sie vertritt Nigel Warren, wenn er nun vor dem Environmental Control Board in Berufung geht. Dort wird er argumentieren, dass er selbst zwar nicht zu Hause war, als die Russin zur Untermiete kam, dafür aber sein Mitbewohner, der Zweit-Mieter ist. Airbnb hofft nicht nur auf einen Freispruch für Warren. Das Unternehmen fordert auch eine Überarbeitung des Gesetzes gegen illegale Hotels und Klarheit für Millionen Menschen, die ihr Zimmer im Internet untervermieten.


    0 0
  • 06/12/13--09:30: Z wie zuklappen
  • Bertelsmann gibt die berühmte Brockhaus-Enzyklopädie auf. Ein kleiner Teil der Belegschaft bleibt erhalten, um die Online-Aktualisierung der Lexika zu betreuen, die noch bis zum Jahr 2020 laufen soll.


    Der Tod war schleichend und lange absehbar: Die 21. Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie in 30 Bänden, schweinsledern, mit Goldschnitt, im Jahr 2006 fertiggestellt und derzeit noch für 2820 Euro zu kaufen, wird die letzte Ausgabe des berühmten Lexikons bleiben. Das allerletzte Lemma - so heißt ein Lexikoneintrag in der Fachsprache - des letzten Bandes lautet 'ZZ Top'. Das erfolgreichste Album der bärtigen Bluesrock-Band dieses Namens hieß 'Eliminator'.

    Dass 'Der große Brockhaus' - so der Titel des Nachschlagewerks in früheren Auflagen - zuletzt auch auf einem einzigen kleinen USB-Stick zu haben war, das war bereits seit einigen Jahren Warnung genug gewesen. Schon 2009 hatte sich die Familie Brockhaus von ihren letzten Anteilen getrennt und damit eine über 200-jährige Tradition im Verlagsgeschäft beendet. Die Firma Bibliographisches Institut & F.A.Brockhaus AG, ansässig in Mannheim, wurde damals zerschlagen: Der 'Duden' ging an den großen Schulbuchverlag Cornelsen, der Brockhaus an ein Tochterunternehmen des Gütersloher Bertelsmann-Konzerns.



    Gut, wenn man einen zu Hause hat. Nach der aktuellen Auflage wird die Produktion des Brockhaus nämlich eingestellt.

    Der dortige Verlag mit dem, was die Printkultur angeht, bereits verräterischen Namen 'Wissenmedia' war seitdem durch zwei Ankündigungen aufgefallen: Man werde die Brockhaus-Inhalte, durch Werbung finanziert, komplett im Internet freischalten; und es werde auf jeden Fall doch noch eine neue gedruckte Ausgabe geben. Beide Vorhaben wurden nicht verwirklicht. Stattdessen wird jetzt der Betrieb, zu dem auch kleinere Nachschlagewerke gehörten, mangels Umsatz eingestellt. Knapp 200 Mitarbeiter sind betroffen, die nun möglichst innerhalb des Konzerns anderweitig unterkommen sollen. Ein kleiner Teil der Belegschaft bleibt erhalten, um die Online-Aktualisierung der Lexika zu betreuen, die noch bis zum Jahr 2020 laufen soll.

    Suchmaschinen und Wikipedia machen alphabetisch geordnete Referenzwerke, die einst im antiken Alexandria erfunden worden waren, weitgehend überflüssig. Die im 18. Jahrhundert begründete 'Encyclopúdia Britannica', deren Ausgabe von 2010 man noch gedruckt kaufen kann, wird fortan nur noch digital erscheinen. Wikipedia ist, trotz einigen politisch umstrittenen Einträgen und Autorenschwund, tatsächlich immer besser geworden, das gilt gerade für die deutsche Ausgabe. Und das in bürgerlichen Familien einst beliebte 'Lexikonspiel' ist durch Googeln beim Abendbrot ersetzt worden. Besonders schwer trifft es die großen Enzyklopädien. Die Trauer darüber hat allerdings etwas Symbolisches: Der ganz große Angeber-Brockhaus mag zwar manchem eine eifrig genutzte Bildungsquelle gewesen sein - er war aber in vielen repräsentativen Regalen auch 'Ikone einer profunden Ignoranz', wie es der Leipziger Universitätsbibliothekar Ulrich Johannes Schneider ausdrückt.

    Das Ende von Brockhaus - jedenfalls der Enzyklopädie, die Marke wird vielleicht weiterverkauft - bedeutet nicht, dass man mit Referenz- und Bildungsmedien gar kein Geld mehr verdienen könnte. Viele Fach- und Lehrwerke sind weiterhin lukrativ, ob gedruckt oder nur noch online. Das gilt auch für den Schulbuchmarkt, der von der deutschen Kleinstaaterei profitiert.

    0 0
  • 06/12/13--09:30: Kampf ums Netz
  • Die Telekom zieht die Tempo-Bremse und Vodafone will Kabel Deutschland übernehmen.


    München - Viele Kunden haben sich in den vergangenen Wochen beschwert, jetzt versucht die Telekom, sie zu besänftigen. Man werde die Übertragungsrate der Internettarife, die von 2016 an geplant sind, weniger stark senken als bisher beabsichtigt, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Überschreitet ein Kunde ein Datenvolumen von 75 Gigabyte, soll die Geschwindigkeit seines Anschlusses dann auf zwei Megabit pro Sekunde und nicht auf etwa 400 Kilobit pro Sekunde reduziert werden, wie ursprünglich angekündigt - so schnell war das Internet vor 15 Jahren, das ist zu langsam, um sich beispielsweise die Lieblingsserie im Netz anschauen zu können.

    Damit bleibt die Telekom aber grundsätzlich dabei, das Datenvolumen von 2016 an zu begrenzen - und viele Menschen werden sich weiter fragen, ob sie einen Vertrag mit dem Unternehmen abschließen oder lieber einen anderen Anbieter wählen sollen.

    Daher lohnt es sich für Kunden, sich bewusst zu machen, womit sie ihre Zeit im Internet verbringen, ob mehrere Familienmitglieder einen Anschluss gleichzeitig benutzen, und ob sie das von verschiedenen Geräten aus tun. Die Preise für einen Anschluss mit 16 Megabit pro Sekunde liegen derzeit zwischen etwa 20 und 30 Euro, die Telekom findet sich im Vergleich mit anderen Unternehmen am oberen Ende. Je nach Bedarf können Kunden sparen, wenn sie den Anbieter wechseln.



    Ein Knoten im System - mit ihrer Tempobremse brachte sich die Telekom in Rechtfertigungsnot.

    Interessant für Kunden ist auch, dass ein neuer Anbieter auf dem deutschen Markt entstehen könnte: Wie es aussieht, möchte der britische Mobilfunkkonzern Vodafone für zehn Milliarden Euro Kabel Deutschland übernehmen. Hierzulande entstünde dann ein Konkurrent, der es mit der Telekom aufnehmen kann. Kabel Deutschland ist der größte Kabelnetzbetreiber der Bundesrepublik, gemeinsam mit Vodafone böte das Unternehmen auch sehr schnelle Datennetze im Festnetz und Mobilfunk. Die mögliche Übernahme befindet sich allerdings noch ganz am Anfang, ein konkretes Angebot hat Vodafone Kabel Deutschland bisher nicht gemacht.

    Ein Grund für das Interesse: Vodafone hat in Deutschland zwar 32 Millionen Handy-, aber nur etwa drei Millionen Festnetzkunden; die DSL-Technologie des Konzerns ist auch veraltet. Kabelnetze, wie sie Kabel Deutschland nutzt, ermöglichen Internetgeschwindigkeiten von 150 Megabit pro Sekunde und können noch deutlich schneller werden - daher sind sie bei den Anbietern sehr begehrt. Auch mit einer neuen Technologie, Vectoring genannt, kann die Telekom solche Geschwindigkeiten nicht erreichen. Dass das Kabelnetz für Kunden immer attraktiver wird, stellen auch Vergleichsportale wie Verivox fest.

    Vodafone hat außerdem bislang immer betont, DSL-Geschwindigkeiten nicht absenken zu wollen. Kabel Deutschland begrenzt den Verbrauch dagegen heute schon laut Vertrag auf zehn Gigabyte - in Wirklichkeit lassen die Netze aber noch einen Verbrauch von 60 Gigabyte zu, erst einer von 1000 Kunden stoße an diese Grenze, heißt es aus dem Unternehmen. Auch 1&1, der drittgrößte Anbieter von Telefon- und Internetanschlüssen, verkauft seit zwei Jahren einen etwas günstigeren Tarif, bei dem ab einem monatlichen Verbrauch von 100 Gigabyte die Geschwindigkeit reduziert wird. Bezahlt ein Kunde mehr, passiert das nicht. Telefónica, dessen Tarife früher unter der Marke Alice liefen und heute als O2-Angebot verkauft werden, plant derzeit keine Begrenzung - schließt sie aber auch nicht aus.

    Kunden sollten außerdem beachten, dass, was im Vertrag festgeschrieben ist, nicht unbedingt der tatsächlichen Übertragungsgeschwindigkeit eines Anschlusses entspricht. Die Bundesnetzagentur hat vor kurzem in einer Studie festgestellt, dass die Geschwindigkeiten stark abweichen - und zwar bei allen Anbietern, Tarifen und Technologien. Bevor man einen Vertrag abschließt, sollte man sich also erkundigen, was der Anschluss wirklich schafft. Seit etwa einem Jahr müssen die Anbieter die Auskunft geben.

    0 0

    Eine durchgängige Schönwetterphase ist fürs Erste auch weiterhin nicht in Sicht. Egal! Wer gut plant, schafft alles, was es in München braucht, in weniger als 24 Stunden.

    Vorbereitung:
    Detaillierte Planung ist unerlässlich. Nur so lässt sich jede Minute des Tages optimal ausnutzen. Es gilt deshalb, die folgenden Dinge vorab zu klären und zu erledigen:




    • Im Idealfall in den Wochen vorher Hornhaut an den Fußsohlen bilden. Sommer ist barfuß, Sommer ist über Kieselsteine laufen.

    • Uhrzeit von Sonnenauf- und Sonnenuntergang rausschreiben.

    • Ein Fahrrad an der Tierparkbrücke positionieren und, falls vorhanden, ein Longboard am Seehaus. Sonst eben noch ein Fahrrad.

    • Mehrere Sommer-Lieblings-Outfits einpacken. Vor allem diverse Badeklamotten.

    • Tretboot am Bootsverleih Kleinhesseloher See reservieren.

    • Fußballmannschaft zusammenstellen und für 17 Uhr zur Wiese unterhalb des Monopteros beordern.


    Der Tag:

    4.54 Uhr: Aufbruch am Fuße des Olympiabergs. Ist früh, schon klar, aber einmal im Sommer muss man in die Berge und wandern (und dafür im Morgengrauen aufstehen). Eine ausgewachsene Bergtour mit Schotterwegen, Klettersteigen und Handwurst passt nicht in den Zeitplan. Deshalb müssen die 60 Höhenmeter zum Olympia-Gipfel genügen. Dort unbedingt vermeiden: Gipfelschnaps. Kräfte einteilen. 

    5.15-5.30 Uhr: Sonnenaufgang genießen. 

    5.30-5.45 Uhr: Abstieg und Barfuß-Gefühl Teil eins: über eine von Tau benetzte Wiese lustwandeln (ausgewogene Mischung aus Verträumtheit und Schneckenwachsamkeit finden). 

    5.45-5.55 Uhr: Noch kühlen, mitgebrachten Spezi trinken, wie es sich nach einer ordentlichen Bergtour gehört. Tipps gibt’s hier.

    5.55-6.10 Uhr: Erster Sportblock. Wir empfehlen: Federball mit G’schpusi – sieht zur goldenen Stunde besonders süß aus.




    6.10-6.34 Uhr: Fahrradfahrt zum Bäcker in der Volkartstraße 20 („Neulinger“; öffnet um 6.30 Uhr). Trödeln! Sommer heißt auch: Müßiggang. Selbst, wenn er in einen Tag passen muss. Unverschämt gutes Gebäck und Kaffee kaufen. 

    6.40-7 Uhr: Frühstück am Nymphenburger Kanal. Weiterer Müßiggang-Block und damit die beste Gelegenheit, das eine Buch, das man sonst den gesamten Sommer von Badesee zu Balkon schleppt, anzufangen. Geschmackssache: Enten und Schwäne mit Gebäckresten füttern.

    7.17-7.44 Uhr: S-Bahn-Fahrt Hirschgarten/Starnberg. Kein Müßiggang, sondern Vorbereitungs-Programm aus Luftmatratze aufblasen und Badeklamotten anziehen. So kann man nach der Ankunft direkt in den See springen. Wer sehr schnell pustet: Sommerlektüre fortsetzen.

    7.45-8 Uhr: Seebad, gemütliches: Treiben auf der Luftmatratze. Zu dieser Zeit fahren die Dampfer noch nicht. Gefahr droht höchstens von Frühaufstehern des Münchner Ruder- und Segelvereins: Die Herrschaften sind sakrisch schnell und rudern rückwärts! 

    8-10.30 Uhr: Radl-Tour von Starnberg nach Ambach. Etwa auf halber Strecke sollte eine Pause eingelegt werden, bei der man im Schatten eines Apfelbaums dösend auf einem Grashalm kaut. Ein Strohhut ist dabei nicht unbedingt Pflicht – aber angemessen. 

    10.30-11 Uhr: Arschbomben-Contest vom Ambacher Badesteg – am besten gegen die Schullandheim-Kinder. Wer freundlich fragt, darf vielleicht kurz mit einem der vielen Ruderboote rauspaddeln. Danach noch schnell die anderen Sprung-Disziplinen abhandeln, die man jeden Sommer einmal gemacht haben muss: Kopfsprung, bei Jungs unbedingt auch der Rückwärtssalto. 

    11-12 Uhr: Kurz vor der Mittagshitze. Da hält man es gerade noch aus, sich mal eine Stunde ausgiebig von allen Seiten zu bräunen. Wer nicht mehr kann, flaniert im Schatten an den Villen entlang und überlegt sich mit einer Mischung aus Neid und Größenwahn, welche er gerne hätte. 

    12-13 Uhr: Mittagessen beim Fischmeister. Vorsicht: Öffnet nur samstags, sonntags und an Feiertagen um 12, sonst um 16 Uhr. Natürlich hält man dort Ausschau nach Sepp Bierbichler (dem das Gelände gehört), und zwar mit dieser sonderbaren Mischung aus Hoffnung und Furcht, die nur besonders düster-charismatische Menschen in einem auslösen. Weil, wenn der Bierbichler einmal wirklich vor einem steht und „Servus“ sagt, dann ist das, wie wenn eine schöne Frau einen lange und eindringlich anschaut: Man will gerne wissen, was er denkt, und hat doch Angst vor der Wahrheit. Spätestens um 12.30 Uhr ein Taxi für 13 Uhr rufen und mit dem zur Waldwirtschaft Großhesselohe fahren. Natürlich ist das eigentlich viel zu teuer, aber es hilft ja nix. Ist ja nur heute Sommer. Bei der „WaWi“ nicht einkehren. Stattdessen gleich den kurzen Berg hinunter zur Isar gehen. 




    13.30-13.32 Uhr: Auf dem Weg aufmerksam lauschen, wie George Green’s Hotlineband (mit den grandiosen Saxofonisten Eddy Tailor oder Ernest Butler – einen samtigeren Ton gibt’s hier nicht) den „Banana Boat Song“ spielt. 

    13.32-14 Uhr: Freibeuter-Zeit: Wer sich erstens traut, von der Brücke am alten Mühlenhaus neben eines der fahrenden Flöße zu springen, und es zweitens schafft, aus dem Wasser heraus auf selbiges zu klettern, bekommt meistens eine Halbe geschenkt, die er oder sie innerhalb von maximal 200 Metern Fahrt austrinken sollte. Die anderen kaufen sich eben ein Bier bei Ronnies Kiosk. 

    14-14.30 Uhr: Schlauchboot-Fahrt zur Floßlände. Das Mitbringen und Aufblasen des Bootes muss man natürlich einem Mitfahrer überlassen. Unerlässliche Programmpunkte sind dabei erstens: Jede der im Schlauchboot anwesenden Personen muss mindestens zweimal über Bord gehen. Zweitens: Wasserpistolenschlacht mit der Besatzung eines anderen Schlauchboots. Drittens: Auf den letzten Metern in Richtung Floßlände sehr laut kreischen, wenn das Schlauchboot beschleunigt. Viertens: „Wo sind eigentlich meine Schuhe?“ 




    14.30-14.35 Uhr: Surfer-Watching und nebenbei einen wichtigen Anruf tätigen: Die anderen, die sich schon mit Grill und Fleisch zum Flaucher aufgemacht haben, nach ihrem Aufenthaltsort fragen. 

    14.35-14.50 Uhr: Die anderen, die sich schon mit Grill und Fleisch zum Flaucher aufgemacht haben, trotzdem eine Viertelstunde lang suchen, weil irgendwer das rechte mit dem linken Ufer verwechselt hat. 

    14.50-15.10 Uhr: Grill anheizen. Zehn Minuten davon vergehen mit der Debatte über die effektivste Methode. 

    15.10-15.45 Uhr: Grillen. Essen. Noch mal grillen. Noch mal essen. Viel zu viel. 

    15.45 Uhr: Nimm deinen Müll mit, du Saubär! 

    15.45-17 Uhr: Das vorher an der Tierparkbrücke positionierte Fahrrad nehmen und Richtung Englischer Garten radeln. Zu einem Sommer gehört ein Park-Kick, und die Fußballer warten um 17 Uhr auf der Wiese unterhalb des Monopteros. Diesmal – Achtung, Barfuß-Erlebnis, Teil zwei – ohne Schuhe. Auf diesem Weg noch zu erledigen: ein Eis beim Domori-Eiscafé kaufen und sich damit auf die Stufen unterhalb der Wittelsbacherbrücke setzen (ideal wäre natürlich ein Eis von Sarcletti oder Ballabeni, aber die liegen ja leider nicht an der Isar). Danach noch schnell aber gemütlich im Isar-Seitenarm unter der Brücke durchtreiben lassen. 




    17-17.05 Uhr: Bis alle Park-Kicker das Spielfeld gefunden haben und aufgelaufen sind, den Ball ziellos in der Gegend herumbolzen und dabei schon einen Großteil seiner Energie verbrauchen. 

    17.05-17.10 Uhr: Mannschaftswahl per Tip-Top. Ohne halbe Schritte. Wer diese Zeit sparen will, ruft stattdessen laut „Ich und der Marco gegen die Suppe.“

    17.08-17.10 Uhr: Tore aus Rucksäcken bauen, sich gefährliche Maulwurfshügel und andere Unebenheiten einprägen.

    17.10-17.25 Uhr: Erste Halbzeit. 

    17.25-17.30 Uhr: Halbzeitpause. Die eilig nutzen, um sich auf der anderen Seite des Schwabinger Bachs in einen Liegestuhl von den Sonnendieben zu fläzen.

    17.30-17.43 Uhr: Zweite Halbzeit (die bei Parkspielen immer kürzer ist als die erste). 

    17.43-17.50 Uhr: Abkühlen im Schwabinger Bach. Anschließend: Gänseblümchenkranz flechten. 

    17.50-18.10 Uhr: Auch, wenn’s langsam weh tut: mit dem Rad weiter zum Kleinhesseloher See (klare Barfuß-Strecke). Dabei vergönnt: eine Pause auf der jetzt.de-Parkbank. 




    18.10-18.30 Uhr: Tretboot-Fahren, und zwar am Ufer beim Seehaus entlang. Um die Zeit wird es minimal kühler, weshalb sich das sehr münchnerische Phänomen „Rosa-Pulli-über-die-Schultern-gehängt“ in großer Zahl beobachten lässt. Doch, da muss man durch. Nur weil Sommer ist, muss nicht alles schön sein. 

    18.30-18.50 Uhr: Ein Hendl im Seehaus wäre freilich toll, ist zeitlich aber nicht drin und eh ziemlich teuer. Stattdessen: Fahrt zurück in die Innenstadt, Hofgarten. Wenn vorhanden mit dem zuvor deponierten Longboard. Wenn nicht eben mit dem abgestellten Fahrrad. Unbedingt verboten sind allerdings Rollerblades, Snakeboard oder Einrad. 

    18.50-19 Uhr: Den Boulespielern zuschauen. Mitte Juli ist Hofgartenturnier. 

    19-19.15 Uhr: Um die Ecke am Odeons- platz im Brillenladen „Freudenhaus“ Sonnenbrillen anprobieren. Ob man wirklich eine braucht, ist Nebensache. Man will jeden Sommer mal schauen, ob man nicht eine schöne Sonnenbrille findet. Also auch heute. 

    19.15-19.30 Uhr: Zu Fuß, aber bitte mit Schuhen oder Sandalen zum Viktualienmarkt flanieren. 

    19.30-20 Uhr: Brotzeit, selbstmitgebrachte. Im Biergarten. Danach noch ein frisch gepresster Saft. 

    20-21 Uhr: Selbst zu planen. Wichtig aber: Den sehr gut gelegenen Balkon oder die Dachterrasse der WG eines (möglichst guten) Freundes aufsuchen. 

    21.05-21.20 Uhr: Sonnenuntergang genießen und dabei eine von besagtem (möglichst guten) Freund selbstgezogene Tomate essen. 

    21.20-21.45 Uhr: Eile! Schnell zum Reichenbachkiosk: Bier kaufen, um sich damit auf den Gärtnerplatz zu setzen. 

    21.45-22 Uhr: Anstehen am Kiosk. Nein, es gibt keinen charmanten Weg, sich vorzudrängeln. Aber, die Zeit lässt sich sinnvoll nutzen: Wenn sich bis hierhin noch keine dringend zu empfehlende Sommer-Romanze angebahnt hat, ist jetzt ein exzellenter Zeitpunkt, eine zu starten. Dazu ein Tipp: Vollkommen egal, wer einen angeblich unschlagbaren Anmachspruch empfohlen hat, der beste und eigentlich einzige Satz, um Unbekannte anzusprechen, ist „Hallo, ich bin …“. 

    22.05-22.15 Uhr: Zwei mal Gärtnerplatz umrunden auf der Suche nach den Freunden, mit denen du verabredet bist.

    22.15-23.15 Uhr: Dabei Unmengen an alten, sehr alten und neueren Freunden und Bekannten treffen, die im Idealfall von der Draußenfeier erzählen, die angeblich stattfinden wird. Hierbei gilt die „Zwei-Quellen-Regel“: Wenn mindestens zwei Personen aus zwei unabhängigen Freundeskreisen von derselben Party berichten, ist die Information vermutlich korrekt und du solltest sie dringend nutzen. 




    23.15-1.15 Uhr: Die Draußenfeier besuchen. Auf dem Weg dorthin vorsichtshalber schon mal bei „Alkoport“ anrufen – die Getränke werden ausgehen. 

    1-1.15 Uhr: Wenn die Polizei kommt: gehen. Es besteht keine Hoffnung, dass die Party weitergeht. Echt nicht. 

    1.15-1.45 Uhr: Sterne gucken. Ideal wäre natürlich die Volkssternwarte, aber die ist jetzt schon geschlossen. Deshalb muss man an einen möglichst dunklen Ort ausweichen. Wenn die Polizei schon da war, ist die Umgebung der Draußenfeier eine Option. Bald wird der Stromgenerator eh abgestellt und mit ihm das Licht. 

    1.45-2.15 Uhr: Heimweg. Am ehesten zu Fuß. Währenddessen unbedingt noch durch einen Brunnen rennen oder zumindest die Füße hineinhalten. Danach noch vom Gewitter überrascht werden und es ziemlich egal finden. Statt sich darüber zu ärgern, ausgelassen im Regen tanzen. 

    2.15 Uhr: Einschlafen. Erschöpft, aber glücklich. Und bei geöffnetem Fenster.

    0 0

    Das größte Festival für elektronische Musik in Europa hat Geburtstag: Das Sónar-Festival wird an diesem Donnerstag 20 Jahre alt. Ein Gespräch mit einer der Veranstalterinnen über Nischenmusik und Kultur in Zeiten der Eurokrise.





    Der Name ist beim Sónar Festival gewissermaßen Programm: Ähnlich wie der Sonar eines U-Boots suchen die Festivalmacher Jahr führ Jahr nach neuen Sounds und Künstlern unterhalb der Mainstream-Wasseroberfläche. Vor ein paar Jahren hat das Sónar den in London entstandenen Dubstep international bekannt gemacht. Die Zweiteilung in „Sónar by Day“ und „Sónar by Night“ und die einzigartige Lage in der Innenstadt Barcelonas bilden einen idealen Rahmen für kulturellen Austausch. Georgia Taglietti veranstaltet das Festival seit 19 Jahren mit. 


    jetzt.de: Georgia, sind Festivals eigentlich noch eine relevante Veranstaltungsform?  
    Georgia Taglietti: Aber sicher. Festivals sind heute wichtiger denn je. Musik ist ja überall verfügbar und die Bedeutung von sozialen Netzwerken ist enorm gewachsen. Deshalb haben viele ein gestiegenes Bedürfnis nach realen Live-Erlebnissen. Es ist ja schön, heute fast überall einen Stream verfügbar zu haben - aber die Leute sehnen sich danach, Musik wieder gemeinsam mit anderen zu erleben. Festivals sind das ultimative Offline-Erlebnis.     

    Was war anfänglich die Idee hinter dem Sónar?
     
    Das Besondere an Sonar ist, dass es von Anfang an mitten im Zentrum von Barcelona stattfand, bis heute. Das ist toll, denn die Stadt ist perfekt für das urbane Flair des Festivals. Die Grundidee war, eine Plattform für elektronische Musik und Kultur zu schaffen, die sich mit den kulturellen Entwicklungen im digitalen Bereich auseinandersetzt.  

    Gab es damals noch andere, vergleichbare Events?  
    Eigentlich nicht, außer vielleicht ein paar kleinere Sachen in Deutschland und Großbritannien. Unsere Idee war, eine Alternative zu den wenigen existierenden Festivals für elektronische Kultur wie Ars Electronica anzubieten...  
    ... das seit 1979 in Linz stattfindet...  
    ...indem wir uns hauptsächlich auf elektronische Musik konzentrieren. Heute sind wir ja dieser Hybrid aus Musik und digitaler Kultur.  



    Georgia Taglietti, seit 19 Jahren Teil des Sonar-Teams

    Wie entwickelte sich das Festival mit der Zeit?
     
    Die Publikumszahlen machten einen enormen Sprung. 1994 hatten wir 6000  Besucher, 2012 waren es 100.000. Für viele Fans und Künstler aus aller Welt ist es mittlerweile der wichtigste Termin des Jahres. In diesem Jahr haben wir Menschen aus 92 Ländern zu Gast. Unsere Arbeit hat bestimmt auch einige Trends gesetzt.    

    Elektronische Musik war ja noch nie so akzeptiert wie heute…
     
    Genau, und ich denke, das Sónar hat schon dazu beigetragen, dass elektronische Musik nicht mehr als diese nerdige Nischenmusik verstanden wird. Wir haben von Anfang an daran gearbeitet, stilistische Grenzen zu überschreiten. Diesem Anspruch wollen wir auch weiterhin gerecht werden.   

    Euer Untertitel ist seit dem Bestehen „Festival for Advanced Music“. Inwiefern siehst du das Sónar als eine Art Seismograf für neue Trends?
     
    Wir machen keine direkte Talentförderung, aber wir haben zum Beispiel eine Bühne für Newcomer. Wir suchen das ganze Jahr über nach neuen Talenten. Wenn wir helfen können, eine Karriere  voranzubringen, ist das natürlich toll. Aber einige Künstler wollen ja gar nicht einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden, sie möchten lieber ihr eigenes Ding durchziehen. Diese Art von Kunst akzeptieren und unterstützen wir auch.  

    Mittlerweile gibt es mit dem „Mutek“ in Montréal oder dem CTM-Festival in Berlin durchaus vergleichbare Festivals. Spürt ihr die Konkurrenz?
     
    Die Idee der Vernetzung, die wir verfolgen, ist ja nicht exklusiv. Wir teilen sie mit einer internationalen Community. Ich würde das Mutek zum Beispiel als ein Bruder-Festival bezeichnen, das uns sehr nahe steht. Es gab mal eine Zeit, in der es sehr viel Wettbewerb gab, aber eigentlich hat jedes Festival seine eigene Daseinsberechtigung. Ich denke aber, dass unser Event etwas Einzigartiges ist: vor allem was den Ort angeht, aber auch die Art, wie wir die Dinge anpacken. Wir haben seit 20 Jahren denselben künstlerischen Leiter, die meisten aus dem Team sind hier geboren. Für die Künstler selbst ist es eine einzigartige Auftrittsmöglichkeit, weil sie wissen, dass das Publikum hier sehr anspruchsvoll ist.  

    Kaum ein Land leidet so stark unter der Krise wie Spanien. Habt ihr das bei der Finanzierung gemerkt?  
    Wir sind ein unabhängiges Festival und werden in keiner Weise von der Stadt unterstützt. Aber seit 2007 haben wir große Probleme, geeignete Sponsoren zu finden. Was uns auch wirklich geschadet hat, war der Anstieg der Kultursteuer im letzten September...  
    ...die von der Regierung um 13 Prozent erhöht wurde...
     
    ...sodass wir in Spanien mittlerweile 21 Prozent Steuern auf alle Kulturangebote zahlen. Das betrifft nicht nur uns, sondern auch alle anderen Promoter, aber auch die Theater, Konzerthäuser und Kinos. Dadurch waren wir gezwungen, unsere Eintrittspreise wesentlich höher anzusetzen als in den vorherigen Jahren.    

    Das „Sónar by Day“ wird in diesem Jahr nicht mehr auf dem Gelände des Museums für Moderne Kunst in der Altstadt stattfinden. Warum gibt es eine neue Location?
      Wir hatten in den letzten Jahren zunehmend Platzprobleme. Außerdem wollten wir für das 20. Jubiläum eine größere Location haben. Mit dem Fira Montjuïc am Plaça d'Espanya haben wir ein tolles Gebäude gefunden, das sich auch im Stadtzentrum befindet. Dort findet auch das Sónar+D statt.  

    Was genau verbirgt sich dahinter? 
    Es ist eine Art Laboratorium, in dem Vorträge und Diskussionen stattfinden werden. Genauso wie auf den Bühnen tagsüber Newcomer performen, ist es ein Showcase für innovative Denker und Künstler. Sie können neue Ideen der digitalen Technik präsentieren und sich vernetzen. Das „+D“ steht für „Development“ und soll zeigen, wie elektronische Kultur sich immer wieder neu erfindet. Das zentrale Thema ist Mobilität. Musik ist ja heute längst ein zentraler Bestandteil unserer mobilen Welt und nicht selten kommunizieren die Künstler direkt mit ihren Fans. Viele der Projekte beschäftigen sich mit Intermedialität und gehen der Frage nach, wie Musikrezipienten heute mit Künstlern noch besser in Kontakt treten können.  

    Es wird auch Ausstellungen von Medienkünstlern geben. Welchen Schwerpunkt wird es da geben?  
     
    In den Ausstellungen geht es vor allem um Intermedialität und Interaktivität. Sehr interessant finde ich zum Beispiel das „Skrillex Variations“- Projekt von Robert Sakrowski. Es ist eine Multiscreen-Projektion von 16 verschiedenen Youtube-Videos des Songs „Scary Monsters And Nice Sprites" von Skrillex. Das Interessante ist, dass alle Videos von Fans gemacht wurden. Wirklich fantastisch finde ich auch die Ausstellung „Matter“ des italienischen Künstlers Quayola, auf der eine riesige digitale Skulptur als Reinterpretation des „Denkers“ von Auguste Rodin gezeigt wird.  

    Und welche Musiker sollte man auf keinen Fall verpassen?  
    Ich gehe am besten Tag für Tag vor (lacht). Am Donnerstag ist mein persönlicher Favorit auf jeden Fall Francesco Tristano. Am Freitag werde ich mir Jamie Lidell und das Ólafur Arnalds Trio aus Island anschauen. Am Samstag definitiv das DJ-Set von Mary Anne Hobbs. Ich liebe, wie sie auflegt. Nachts kann ich vor allem den Auftritt von Kraftwerk und am Sonntag das abschließende Set von Laurent Garnier empfehlen.     


    0 0

    James Hersey spielt am Donnerstag, 13. Juni, zusammen mit Seeed im Münchner Circus Krone. Jetzt.de verlost 50 Mal zwei Karten für das exklusive Konzert. Außerdem hat der Songwriter unseren Fragebogen ausgefüllt.




    Die Stadt verändert sich mit den Menschen, die kommen, und mit denen, die gehen. Diesmal hat James Hersey unseren Fragebogen ausgefüllt. Der Austro-Amerikaner lässt sich gut als Singer-Songwriter bezeichnen, erweitert den Begriff aber unter anderem um sehr glaubwürdige Electro-Elemente. Am Donnerstag, 13. Juni, spielt er zusammen mit Seeed im Rahmen von „Yahoo! On the Road“ im Circus Krone. Wir verlosen Karten. Wer bis 15 Uhr eine Mail mit dem Betreff "Seeed" an muenchen@jetzt.de schreibt, erfährt bis 17 Uhr, ob er oder sie in Begleitung auf der Gästeliste steht.

    Woher kommst du?
    Ich bin ein in Wien aufgewachsener Halb-Amerikaner – mein Vater (USA) war Lehrer an der American International School of Vienna, die ich mein ganzes Schulleben lang besucht habe.

    Was willst du hier?
    Meine alten Fans besuchen und viele neue dazu gewinnen!

    Was bringst du uns mit?
    Ein paar neue (unveröffentlichte!) Songs und natürlich meine Twins! Eineiige Zwillinge für seine Band zu gewinnen, die auch noch gleich groß sind (wir grenzen alle an die zwei Meter!), ist nicht so einfach, wie es klingt...

    Welchen Münchner oder welche Münchnerin würdest du gerne kennenlernen?
    Am meisten begeistern mich zielstrebige Kreative, die aus vorgegebenen Trampelpfaden treten und eigene Schienen legen.

    München bei Nacht – wo geht’s hin?
    Ich kenne das Münchner Nightlife noch nicht so gut. Aber wir hatten letztes Mal richtig Spaß im „Beverly Kills“, und ich habe Gutes übers „Ed Moses“ gehört.

    Welches Klischee über München ist dir das liebste?
    Trotz des nahezu unschlagbaren Käsekrainers mit Schwarzbrot freue ich mich jedes Mal erneut wie verrückt über eine gute Weißwurst mit Brez’n (und diesem genialen Senf).

    Wann gehst du wieder?
    Wir sitzen am 14. schon wieder im Auto nach Wien.

    Was müsste München tun, um dich zum Bleiben zu bewegen?
    Wir haben eine Schwäche für schöne Mädchen, die sich nach den Shows mit uns unterhalten. Letztes Mal war’s mein Bruder, der ein paar extra Tage in München verschollen ist, als er im Anschluss an ein Konzert einem besonders süßen Lächeln nacheiferte.

    Was soll dir mal nachgesagt werden?
    Ich möchte als authentischer, ehrlicher Songwriter in Erinnerung bleiben, der keine Angst hatte, die Ketten seines Genres zu brechen, und der aus breiten Einflüssen immer wieder überzeugende Sounds schmieden konnte.

    0 0
  • 06/12/13--09:30: Der Held in der Hängematte
  • Unsere Autorin wollte immer so sein wie ihr Bruder. Bis er sich für ein Leben als Hostelbesitzer in Kolumbien entschied. Seitdem führen sie komplett verschiedene Leben. Sie hat den geradlinigen Weg mit Studium und Sicherheit gewählt, er pflückt Mangos in seinem Garten. Aber ist er damit wirklich glücklich? Ein Briefwechsel





    Matthias ist der Held meiner Kindheit, naturgemäß. Denn er ist mein großer Bruder, fünf Jahre älter als ich. Wenn mich Matthias in der Grundschule vom Schwimmtraining abgeholt hat, haben meine Freundinnen getuschelt und ihn angehimmelt. Weil meine Eltern viel arbeiten mussten, hat er nachmittags oft auf mich aufgepasst. Mir Schokopfannkuchen gebraten, wenn ich auf das vernünftige Essen keine Lust hatte.  

    Ich wollte immer so sein wie er. Ich wollte aufs gleiche Gymnasium gehen, dieselben Bands hören, am liebsten hätte ich seine Klamotten angezogen. Bis zum meinem Abitur hat das ganz gut geklappt. Jetzt, vier Jahre später, könnte unser Leben kaum unterschiedlicher sein. Ich lebe in einem kleinen Vorort von München, er an einem Fluss in Kolumbien. Ich arbeite bei einer Zeitung und studiere, er betreibt ein kleines Hostel für Rucksacktouristen und hat Mangobäume im Garten.  

    Auch als ich älter wurde, war Matthias der Mensch, mit dem ich am liebsten über mein Leben gesprochen habe. Wie es gerade ist und wie es einmal sein wird. Heute leben wir auf zwei Kontinenten, in zwei verschiedenen Zeitzonen. Das macht es viel schwieriger, intensiven Kontakt zu halten. Seitdem er nach Kolumbien gezogen ist, haben wir uns einmal gesehen. Weil er mit seinem Rucksackhotel nicht viel Geld verdient, dass er in Flüge stecken kann, und weil ich in den Semesterferien arbeite, um mir mein Studium zu finanzieren.  

    Ich kenne sein Leben in Kolumbien nur aus knappen Erzählungen und Bildern. Ich kann mir seinen Alltag vorstellen. Wie sein Alltag wirklich ist und wie es ihm geht in diesem Leben, das auf Bildern so traumhaft aussieht, weiß ich nicht. Deshalb habe ich ihm einen Brief geschrieben (nächste Seite).  

    Hallo großer Bruder,  

    wahrscheinlich liegst du gerade in der Hängematte auf der Veranda. Und schaust in den Garten, durch den wir schon einmal mit der Webcam spaziert sind. Mit den vielen Schmetterlingen, mit den Orangen, den Blumen und den Mangos.  

    Alles was ich von deinem Leben weiß, kenne ich von Bildern. Deinen Alltag kann ich mir nur ausmalen. Ich weiß, wie das kleine Holzhaus aussieht, in dem du heute Morgen aufgewacht bist. Bestimmt war es schön, neben deiner Freundin Claudia im Bett zu liegen. Sie macht dich glücklich, das höre ich, wenn du von ihr erzählst. Aber wahrscheinlich fröstelst du morgens immer ein bisschen, denn zwischen den Holzstämmen deiner Hauswand sind ganz schöne Lücken. Da pfeift es bestimmt herein.  

    Du hast nie viel Wert auf Klamotten gelegt. Vielleicht schnappst du dir diesen weiten Wollpulli, den du so liebst, und stapfst durch den Garten zum Gästehaus. Frühstück machen. Putzen. Mittagessen kochen. Putzen. Mit Claudia in der Hängematte liegen.  

    Wie sieht der Himmel über dir aus? Ist er oft blau in Kolumbien? Strahlend blau? Ewiger Frühling, so beschreibst du es. Nie heiße Sommertage, an denen die Hosen an den Beinen kleben. Nie richtige Kälte. Deswegen kannst du ja so oft Mangos ernten. Und in dem Fluss schwimmen gehen, der sich an deinem Haus entlang schlängelt.  

    Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, so nah mit den Gästen zusammenzuwohnen. Mit all den Menschen, die Holzohrringe und Ethnorucksäcke tragen und dich immer wieder auf ihren Bildern verlinken. Stört es dich, dass sie sich immer wieder in dein Leben drängen? Eine Woche bleiben, mit dir Zeit verbringen wollen, danach wieder verschwinden? Allerdings warst Du immer hungrig auf Abwechslung. Viel hungriger als ich.  

    Vielleicht ist das der Grund, warum unsere Leben heute so unterschiedlich sind. Ich weiß noch, wie du mitten in der Nacht angerufen hast, mir gesagt hast, dass du in Kolumbien bleiben wirst. Nicht nach Hause fliegen wirst, wie es eigentlich geplant war. Ich habe dich nie stärker bewundert. Du warst wieder mein großer Bruder. Der in die Welt hinausgeht, immer zuversichtlich ist. Der Mensch, für den Zukunft nicht wie bei mir auch mit vielen Ängsten verbunden ist, sondern vor allem mit der Chance auf Glück.  

    In dieser Nacht habe ich aber zum ersten Mal gespürt, dass ich dir nicht mehr folgen kann. Nicht mehr folgen möchte. Ich liebe meine Wurzeln zu sehr. Nicht einen Ort, sondern Menschen und Gefühle, die ich schon jetzt in meinem Leben habe. Nie habe ich das deutlicher gefühlt als bei dem Telefonat: Weil du eine meiner Wurzeln warst, die in diesem Moment abgeschnitten wurde. Manchmal spüre ich jeden Kilometer zwischen uns.   Du bist glücklich in Kolumbien. Und darauf kommt es an. Aber bestimmt ist es schwer, mit so viel Unsicherheit zu leben. Ohne Wurzeln. Oft auch mit wenig Geld. Macht es dir Angst, dein Leben in Deutschland für Claudia und Mangos aufgegeben zu haben?  

    Du fehlst. Aber das weißt du.  

    Deine kleine Schwester.  

    Auf der nächsten Seite liest du den Antwortbrief.


    Hallo kleine Schwester, 

    ich liege in der Hängematte. Mit Blick auf grüne Täler, den Fluss und meine zwei Hunde. Sorgen habe ich trotzdem. Gerade sind ein paar Gäste da, mit denen ich nicht nah zusammenwohnen möchte. Die sind sich in ihrer Art immer ähnlich: bekifft, auf der Suche nach anderen Sachen und müffelig. Dann wird es viel zu eng hier. Schließlich sitzen sie nachmittags im Gartenstuhl neben meiner Hängematte. Wollen mit Claudia und mir reden, mit uns zu Abend essen. In einem kleinen Haus in der kolumbianischen Einöde kann man sich schlecht ausweichen.  

    Aber sie zahlen ihre paar Euro und ich brauche das Geld. Manchmal kommen genügend Gäste, manchmal so wenige, dass Claudia und ich kaum genügend Geld für die Miete und das Essen verdienen. Obwohl ich mich für einen sehr entspannten Menschen gehalten habe, merke ich: Ein bisschen Sicherheit muss man sich erkaufen, um glücklich sein zu können. Sonst verrennen sich die Gedanken.  

    Fehlende Sicherheit ist auch der Preis, so weit entfernt von seinen Wurzeln zu leben. Die Luft hier ist immer warm, auch der Wind, der morgens in mein Haus pfeift. Aber nichts wärmt so sehr wie Familie. Am meisten vermisse ich es, mit euch am Esstisch zu sitzen und euch von meinem Tag zu erzählen. Mir fehlt die Normalität.   Manchmal wünschte ich mir, dass ich all meinen Freiheitsdrang eintauschen könnte. Er kostet mich so viel. Aber vor vier Jahren habe ich gespürt, dass ich nicht anders kann. Mir wurde Deutschland zu klein, die Menschen zu engstirnig. Die Zeit prasselte an mir vorbei, die Wochen, die Monate. Das Fernweh war immer da. Dann kam ich nach Kolumbien und habe es endlich nicht mehr gespürt. Ich passe hierher. In die Gemächlichkeit, in meinen Garten mit den Mangobäumen. Es ist das Tempo, das mir gut tut. Hier bin sogar ich den anderen Menschen oft zu schnell oder zu unruhig, wenn ich morgens ins Nachbarhaus schlappe, putze und koche.  

    Kolumbien mit all seinen Orangen, Mangos und Flüssen müsste näher an Deutschland liegen. Damit ich nicht mehr so viel verpasse von eurem Leben. Ich würde dir gerade gerne einen Schokopfannkuchen braten. Aber das weißt du.  

    Dein großer Bruder

    0 0
  • 06/12/13--09:30: Die fröhliche kleine Vulva
  • Ein Computerspiel soll Frauen zeigen, wie sie am besten masturbieren, und gleichzeitig das Thema Selbstbefriedigung enttabuisieren. "HappyPlayTime" ist ein Beispiel für zu gut gemeinte "Serious Games", die das Gegenteil von dem erreichen, was sie wollen.

    Dieses Computerspiel ist rosa. Alles daran. Die Schrift, die Grafik, ja sogar die Sprache ist rosa. Die Protagonistin natürlich auch. Sie heißt „Happy“, hat einen herzförmigen Mund und springt fröhlich auf und ab. Happy ist aber kein rosafarbenes Mädchen oder ein rosafarbenes Tier. Sie ist: eine Vulva.  

    Gemeinsam mit Happy sollen Mädchen und Frauen lernen, wie sie richtig masturbieren. „Richtig“ meint in diesem Falle wohl einfach „so, dass es sich gut anfühlt“. Dafür umkreisen sie im Spiel “HappyPlayTime“ zum Beispiel mit der Maus den Teil von Happy, der die Klitoris darstellt. Das klingt genauso seltsam wie es auf den ersten Screenshots, die es von dem noch nicht fertig gestellten Spiel (für das sich Interessierte zur Alpha-Phase anmelden können) aussieht. Die Designerin Tina Gong hat es erfunden. Ihr Ziel: Über weibliche Masturbation aufklären und diese enttabuisieren. „Wie sollst du Lust mit jemandem austauschen können, wenn du nicht weißt, was dein eigener Körper mag?“, heißt es auf der HappyPlayTime-Webseite, „darum sind Masturbation und das Lernen von Masturbation so eine fundamentale Lebenslektion.“ Leider gebe es für viele Frauen ein „kulturelles Stigma“, das die Selbstbefriedigung blockiere. Das Spiel soll dabei helfen, das zu ändern.  



    Das Masturbations-Spiel "HappyPlayTime" ist noch nicht fertig, aber es gibt schon erste Screenshots der aktuellen Entwicklungstufe.

    Obwohl „HappyPlayTime“ wohl auch ein bisschen lustig gemeint ist (eine Figur wie „Happy“ kann niemand wirklich ernst meinen), kann man es zum Genre der „Serious Games“ zählen. Das sind Spiele, bei denen man gleichzeitig etwas lernen soll, aber angeblich viel motivierter ist als beim normalen Lernvorgang, weil man Aufgaben erfüllen, Rätsel lösen und Punkte sammeln muss, die den eigenen Fortschritt ganz konkret zeigen. Serious Games sind seit einiger Zeit ziemlich beliebt und es gibt sie für fast alles. Bei „Amnesty the Game“ kann man Menschenleben retten und für Gerechtigkeit kämpfen, bei „Re-Mission“den Krebs erschießen und bei „X-Plane“ das Fliegen üben. Wie viel solche Spiele bringen, darüber wird diskutiert. In einem Artikel der „Zeit“über Serious Games sagte der Spieleexperte Michael Wagner, die Spielidentität sei abgespalten von der realen. Darum sei es sehr schwer, im Spiel erworbenes Wissen auf das Leben zu übertragen. Er hält den Serious Games aber immerhin zugute, dass sie „die Wissenskonstruktion als solche“ trainieren, man also lerne, zu lernen. Manche als Serious Games getarnte Spiele sind aber auch einfach nur unsinnig. Auf der Seite von „Germany’s Next Topmodel“ konnte man zum Beispiel als Vorbereitung auf das Modelleben in einem Spiel üben, über den Catwalk zu laufen, ohne runterzufallen, oder sich möglichst schnell umzustylen.  

    Das Ziel von „HappyPlayTime“ (Aufklären, Enttabuisieren) klingt eigentlich lobenswert. Die Webseite zum Spiel versammelt Statistiken zu weiblicher Masturbation: In welchem Alter Frauen sich am häufigsten selbst befriedigen, in welchem Alter sie damit anfangen, wie oft in der Woche, im Monat oder im Jahr sie masturbieren. Tina Gong meint es gut, aber sie wird ihr Ziel vermutlich nicht erreichen. Man kann am Computer kaum lernen, sich selbst zu befriedigen. Immerhin geht es hierbei ja um eine sehr individuelle Sache. Für jeden fühlt sich etwas anderes gut an und was, das findet man sicher nicht heraus, indem man am Bildschirm mit der Maus auf einer Comicfigur herumkreist. Aber auch die Idee, mit dem Spiel Aufmerksamkeit auf ein Tabu zu lenken und es zu durchbrechen, hat ihre Tücken.  

    Auf dem Computerspiel-Blog Kotaku schreibt die Autorin Patricia Hernandez, dass über weibliche Sexualität zu lachen (wozu das Spiel ja eindeutig einlädt) sie abwerte. Und auch die Statistiken, die zum Vergleich anregen, sieht sie kritisch – denn was sei denn eigentlich ein „normales Maß an Masturbation“? Die Game-Entwicklerin mit dem Künstlernamen Auntie Pixelante ist ebenfalls nicht überzeugt von „HappyPlayTime“. Die von ihr (wie auch von Hernandez und auf der Games-Seite gamification.co) kritisierte  Überschrift einer der Statistiken, “46.6% of women masturbate less than once a month every year. Gals, you can do better!”, ist zwar mittlerweile wieder von der Seite des Spiels verschwunden – die Erfinderin hat eingesehen, dass Masturbation kein Wettkampf ist und niemand dazu gezwungen werden sollte. Der Kritikpunkt bleibt aber trotzdem aktuell: „Unsere Gesellschaft“, schreibt Auntie Pixelante, „gameifiziert Sexualität sowieso schon und sorgt für absurde Erwartungen an uns und unsere Körper. (...) Die Scham wird definitiv nicht überwunden, indem man Frauen für das verurteilt, was sie nicht mit ihrem Körper tun.“ 

    Worin alle Kritiker sich einig sind: Masturbation wird oft stigmatisiert - ein rosafarbenes Spiel ist aber nicht der richtige Weg, das zu ändern. Genauso wie auch „Amnesty the Game“ niemandem beibringen kann, wie man politische Häftlinge vor der Todesstrafe rettet, kann „HappyPlayTime“ niemandem beibringen, wie man masturbiert. Aber während das Amnesty-Spiel immerhin darauf aufmerksam machen kann, dass es politische Häftlinge gibt, könnte der Wunsch von „HappyPlayTime“, Masturbation zu enttabuisieren, nach hinten losgehen. Am Ende werden wie beim „Germany’s Next Topmodel“-Spiel irgendwelche absurden Vorstellungen davon reproduziert, wie man bitte sein soll. Also vielleicht doch lieber weiterhin trockene, seriöse Aufklärung statt Serious Games.

    0 0
  • 06/12/13--23:00: Der Vorverurteilungs-Ticker
  • Eigentlich sollte man an die Unschuld einer Person glauben, bis ihre Schuld bewiesen ist. Wenn Politiker wie jetzt Thomas de Maizière in der Kritik stehen, fällt das aber oft schwer. Wie schnell fällst du dein persönliches Urteil?

    Sechs Seiten, schwarz auf weiß – der Verteidigungsminister hat sie am 6. Dezember 2012 bekommen, er hat den Erhalt dieser sechs Seiten quittiert, deshalb ist anzunehmen, dass er sie auch gelesen hat. Thomas de Maizière war viel früher schriftlich über die Risiken bei der Zulassung der Drohne informiert als bisher zugegeben wurde.  



    Glaubwürdig oder nicht? Der Verteidigungsminister

    Wenn ich solche Meldungen lese wie sie derzeit über de Maiszière zu lesen sind, überkommt mich jedes Mal ein Déjà-vu-Gefühl: ein Politiker, dem nachgewiesen wird, was er zuvor dementiert hat – das hat es ein paar Mal gegeben in den vergangenen Jahren. Meistens sprach Merkel den beschuldigten Politikern ihr vollstes Vertrauen aus, meistens traten sie dann kurze Zeit darauf zurück.  

    Deshalb hat mein Déjà-vu-Gefühl einen Begleiter: Die Vorverurteilung. Einem Politiker, der mit Vorwürfen konfrontiert wird und sagt, er habe nichts gewusst oder nichts getan, nehme ich diese Aussage nicht ab. Ich weiß, dass das höchst ungerecht ist. Man sollte an die Unschuld glauben, bis die Schuld bewiesen ist, auch wenn der Boulevard längst in grellem Rot „Skandal!“ auf die Titelseiten druckt.  

    Aber es geht hier um Vertrauen und Glaubwürdigkeit, und diese Dinge beinhalten nun mal gewisse irrationale Komponenten. Deshalb kann ich mich nicht dagegen wehren, ziemlich misstrauisch zu werden, sobald ein Politiker einen Vorwurf dementiert. Guttenberg, Schavan – zu oft schon hat man erlebt, dass Politiker nur zugeben, was ihnen ohnehin schon nachgewiesen werden kann. Andererseits: Es wird auch gerne skandalisiert, nicht jeder Vorwurf lässt sich halten. Von den strafrechtlich relevanten Anschuldigungen gegen Christian Wulff zum Beispiel blieb am Ende nicht viel übrig.   

    Wie ist es um dein Skandalverhalten bestellt? Neigst du zu Vorverurteilungen? Schreibst du Politiker schon ab, sobald ihnen ein Fehlverhalten vorgeworfen wird? Oder glaubst du ihren Unschuldsbekundungen?

    0 0

    Jeden Samstagabend guckt Fußball-Deutschland auf Sven Voss und sein aktuelles Sportstudio. Aber was guckt der Moderator selbst? In der TV-Kolumne erklärt der 36-Jährige, warum er den Hype um die Simpsons nicht versteht und warum er DSDS lieber nicht moderiert.

    Herr Voss, wissen Sie noch, was lief, als Sie zum ersten Mal fern sahen?
    Sven Voss: Wenn ich ehrlich bin: nein. Aber ich bin mir sicher, dass es – bei den damals nur drei Programmen, die wir hatten -, das Sommerferienprogramm mit Anke Engelke war. Da liefen so coole Klassiker wie „Captain Future“ und „Doctor Snuggles“. Ich weiß auch noch, wie es im Studio aussah. Alles war ziemlich bunt, Luftballons flogen herum, und dazwischen hat uns eine fröhliche Anke Engelke begrüßt. 

    Fanden Sie Fernsehen generell super? Oder haben Sie damals lieber draußen gespielt?
    Ich komme ja vom Land, von daher spielte sich viel draußen ab. Aber gerade in den Ferien haben wir auch viel fern gesehen. Das lag auch daran, dass ich nicht gerne gelesen habe. Ich fand Fernsehen immer cooler. Und der Konsum nahm zu.  

    Wie sehr?
    Ich wurde in meiner Jugend geradezu zum Fernseh-Junkie. Vor allem Serien hatten es mir angetan, „Hart aber herzlich“, „Ein Colt für alle Fälle“, „Knight Rider“ - eigentlich alles, was Ende der 80er groß war.  

    Was fanden Sie an den Serien besonders gut?
    Bei „Ein Colt für alle Fälle“ natürlich Jody, Howie und Colt! Die gucke ich mir heute noch manchmal an, wenn ich auf YouTube eine Reminiszenz suche. Die meisten Serien hatten außerdem tolle Titelmelodien.  



    Sven Voss, 36, moderiert seit 2011 das "aktuelle Sportstudio" im ZDF.


    Was war damals mit Sport?
    Sport habe ich natürlich auch gesehen. Mein Vater hat viel Sport geguckt, und ich habe mich immer daneben gesetzt. Und auch wenn es jetzt nach einem Klischee klingt: ich durfte dann auch mit ihm zusammen das „Sportstudio“ gucken. Sportliche Großereignisse wie Olympia und Fußballweltmeisterschaften habe ich auch oft mit Schulfreunden geguckt.  

    Wann haben Sie Ihren ersten eigenen Fernseher bekommen?
    Den habe ich mir von meinem Konfirmationsgeld gekauft, also mit 15. Das war so ein kleines Grundig-Gerät, aber immerhin schon mit Fernbedienung.  

    Gab es Sendungen, die Sie alleine gucken mussten, weil Ihre Eltern keine Lust darauf hatten? Meiner Mutter gingen die ganzen amerikanischen Serien bald auf den Keks. Wenn da immer wieder dieser schwarze Trans Am mit dem roten Licht herum fuhr, konnte sie das irgendwann nicht mehr leiden. So was musste ich dann für mich gucken. Genau wie Western, die ich immer gerne gesehen habe, und die in der Regel auch erst spät am Abend kamen.  

    Irgendwelche damaligen TV-Vorlieben, die Ihnen heute peinlich sind?
    Ja, „Bravo TV“ fand ich super (lacht). Das ist mir jetzt tatsächlich ein bisschen peinlich.  

    Was gefiel Ihnen daran?
    Da waren immer ganz schicke Moderatorinnen. Und diesen Promi-Klatsch, der Teil der Sendung war, fand ich auch ganz witzig.  

    Und heute? Irgendwelche Ihnen eher unangenehmen Lieblingsshows?
    Ich gucke ganz gerne „Germany’s Next Topmodel“. Auch so eine Sendung, mit der man in der Kneipe vor den Kumpels nicht unbedingt angeben kann (lacht). Die vergangene Staffel habe ich allerdings schon nicht mehr so sehr verfolgt, wie die zuvor.

    Warum sehen Sie sich die Show an?
    Die Sendung ist gut gemacht. Eine hochprofessionelle Show, genau wie übrigens auch „Deutschland sucht den Superstar“.  

    Das gucken Sie auch?
    Ja, ich saß sogar schon mal im Publikum bei „DSDS“. Mich fasziniert, wie gut zugeschnitten diese Formate auf diejenigen sind, die davor sitzen. Die Musik, die Blickwinkel, das Spiel mit Emotionen – das finde ich als Fernsehmacher hochinteressant.  

    Könnten Sie sich vorstellen, eine Sendung wie „DSDS“ selbst zu moderieren?

    Ich glaube, es ist kein Hexenwerk, aber ich mag an sich eher Sendungen, in denen man mit Leuten sprechen und etwas über sie erfahren kann. Ich möchte nicht nur jemanden fragen, ob sein Auftritt seiner Meinung nach gut oder schlecht war. Dieses stereotypische Abfragen ist im Fußball zwar oft ähnlich, aber im „Sportstudio“ habe ich dann doch etwas mehr Zeit für einen Gast und kann ihn in Ruhe ausreden lassen.  
    Klingt, als wären Sie ein Fan der klassischen Talkshow.
    Ja, ich mag „3nach9“ und die „NDR Talkshow“, in denen man Leuten auch mal länger zuhören kann. Von so einem Talk lasse ich mich gerne mal berieseln.   

    Schalten wir den Fernseher jetzt mal ein.
    Es ist früher Abend, wir zappen ein bisschen herum, und Sie können stopp sagen, wenn Sie bei einer Sendung kurz reinschauen möchten. Los geht’s. ARD: es läuft „Verbotene Liebe“.
    Die peinlichen Sendungen, die ich gucke, habe ich schon genannt. Diese gehört nicht dazu. Von daher: weiter.  
    RTL: „RTL Exclusiv“.
    Kann ich nichts mit anfangen.  
    ProSieben: die „Simpsons“.
    Den Hype darum kann ich nicht mehr verstehen. Hat sich für mich überholt, brauche ich nicht mehr.  
    Arte: Doku über den Great Escape von Alcatraz.
    Oh ja! Da ich kürzlich in San Francisco war, würde ich mir das auf jeden Fall mal angucken. Arte macht ja auch ganz allgemein gute Sachen.  

    20.15 Uhr. Wir haben folgende Auswahl: „Wer wird Millionär?“, „James Bond - Casino Royal“, eine Doppelfolge „Two And A Half Men“. Was wird geguckt?

    Da brauche ich nicht lange zu überlegen: James Bond. Obwohl ich schon alle Bond-Filme gesehen und auch einige zu Hause habe.  

    Was mögen Sie an Bond?
    Es hat für mich etwas wahnsinniges Beruhigendes, wenn ich diesen einsamen Agenten durch die Welt laufen sehe, wie er gegen das Böse kämpft und meist das Richtige tut. Das ist total platt, ich weiß, aber ich find’s super! Ich kann mit dieser Art von Heldentum etwas Anfangen, auch wenn es das - ganz rational gesehen - so nicht gibt.  

    Wenn Sie um diese Uhrzeit den Fernseher einschalten, finden Sie immer etwas, das Ihnen zusagt? Oder fehlt Ihnen etwas im deutschen Fernsehabendprogramm?

    Am Wochenende finde ich ab 20.15 Uhr eigentlich immer etwas. Und den „Tatort“ gucke ich auch gerne. Aber unter der Woche finde ich es manchmal schwer, etwas zu finden. Da bin ich froh, dass ich einen Festplattenrekorder habe, wo Sachen laufen, die eigentlich zu anderen Zeiten kommen.

    Was gucken Sie da so?

    Im Moment zum Beispiel die erste Staffel der Serie „Magic City“. Die kommt normalerweise zu später Stunde auf ZDFneo.  

    Manchmal kommt ja auch nur Mist. Schon mal darüber nachgedacht, den Fernseher rauszuwerfen?
    Es wäre ja absurd, wenn ich das jetzt mit „ja“ beantworten würde. Ich kann es mir auch nicht vorstellen, keinen Fernseher zu haben. Dazu mag ich Fernsehen zu sehr. Ich finde, Fernsehen gehört als Informations- und Unterhaltungsquelle irgendwie zu uns dazu. Fernsehen kann viel Spaß machen und ist in meinen Augen auch noch absolut zeitgemäß.

    0 0

    Wie öffnet man eine Weinflasche ohne Korkenzieher? Wie bekommt man alte Kartoffelchips wieder knusprig? Das Netz kann helfen, solche Probleme zu lösen und dein Leben besser zu machen. Diese neue jetzt-Rubrik zeigt die besten Lifehacks aus dem Web




    Man muss Danny O'Brien sehr dankbar sein. Er gilt als Vater des Begriffs Lifehack und hat damit einer Bewegung einen Titel gegeben, die seit der ersten Verwendung des Titels im Jahr 2004 enorm gewachsen ist: Menschen überall auf der Welt erleichtern sich ihr Leben mit Hilfe von Lifehacks. Die meisten wissen gar nicht, dass sie einen Lifehack anwenden, wenn sie auf diese eine Art ihre Kopfhörer aufrollen oder ein Garagentor öffnen. Aber immer mehr Leute sind sich bewusst darüber, dass sie ihren Alltag mit kleinen Tricks einfacher machen können. Sie lifehacken nicht nur, sie berichten auch im Netz darüber.

    Wer sich ein wenig auf die Suche begibt, findet all über all im Web Hinweise auf kleine Abkürzungen und Tricks, die Alltagsprobleme zu beseitigen helfen - auf eine Art und Weise, auf die man selbst nie gekommen wäre. Sie heißen Ikea-Hacks oder Lifehacker, sie sind ziemlich gaga und manchmal wirklich nützlich. In jedem Fall machen sie ziemlich viel Spaß - sogar dann, wenn sie als Großmutter-Tipps im Deutschen daher kommen.

    Deshalb fangen wir heute damit an, besondere Lifehacks und Tricks auf jetzt.de zu sammeln: Im Label "Wie das Internet..." zeigen wir künftig, wie das Internet Probleme löst. Dabei geht es um eine ständig wachsende Sammlung von digitalen Problemlösungen, die man im Web findet.

    Auf der nächsten Seite: Folge 1: Wie man eine Flasche Wein ohne Korkenzieher öffnet.

    Wenn du auch ein Lifehacker bist, kannst du dabei gerne mitmachen: Sag uns, welche Tricks du anwendest. In den Kommentaren unter diesem Eintrag oder unter den einzelnen Lifehacks, die wir hier künftig zeigen werden.




    Das Problem: Du hast eine Flasche Wein und Lust auf den Inhalt. Aber keinen Korkenzieher.

    Die Internet-Lösung: Ein Schuh. Dieser junge Franzose zeigt, wie ein Schuh als Korkenzieher eingesetzt wird: Weinflasche in den Schuh stellen und den Schuh so gegen die Wand schlagen, dass der Korken langsam rauskommt. Dann den Korken rausziehen.

    Hilft dir das? Wie öffnest du eine Weinflasche ohne Korkenzieher?

    0 0
  • 06/13/13--09:30: "Sehr weich und lecker"
  • Bei Tengelmann empfehlen Mitarbeiter neuerdings ihre Lieblingsprodukte. Nirgends ist besser zu beobachten, wie sich der Trend der Personalisierung gerade in sein unsinniges Gegenteil verkehrt

    Früher wurden Prominente als Werbefiguren herangezogen, wenn es darum ging, dass jemand mit seinem Namen für etwas stehen sollte. Heute stehen Müllmanner mit ihren Gesichtern für ihre Viertel, Ärzte beteuern auf großen Plakaten mit ernster Miene, dass sie wirklich sie selbst sind und ihren Beruf lieben und in Magazinen werden Texte immer öfter mit Autorenfoto und Autorenzeile gedruckt, in denen der Schreiber eine vertrauliche Hintergrundanekdote zum Besten gibt. Bei Shell gibt es auf einmal wieder Tankwarte und auf der Plakatwerbung der Rheinbahn in Düsseldorf werden Bus- und Bahnfahrer mitsamt ihres Hobbys vorgestellt. In einer Welt, die in ihrer ständigen Verfügbarkeit von allem und jedem nicht unübersichtlicher und unpersönlicher sein könnte, sind  „Authentizität" und die Technik der persönlichen Empfehlung anscheinend die einzige Möglichkeit, überhaupt noch jemanden zu erreichen. Und tatsächlich kann auch niemand bestreiten, dass es ein schönes Gefühl ist, an die Hand genommen zu werden und gesagt zu bekommen: "Nimm das, geh dahin, vertraue mir, es ist gut für dich."

    Bei Tengelmann zeigt sich das Ansinnen, mehr Menschlichkeit in die Welt des Konsums zu tragen, derzeit von seiner vielleicht absurdesten Seite. Die neue Marketingidee der Kette lautet: Mitarbeiter empfehlen ihre Lieblingsprodukte. Das Ganze läuft unter dem Slogan: Tengelmann – immer eine gute Idee! Wer durch die Regale wandelt, entdeckt unter manchen Produkten kleine Zettelchen, auf denen mit Kugelschreiber Sachen geschrieben stehen wie: „Das darf beim Grillen nicht fehlen! Steak Sauce. Eine Idee von: C. Tanner." Oder: „Nesquik Cacao-Snack. Sehr weich und lecker! Eine Idee von: Yaslak."





    Die Wirkkraft der Kampagne entspricht in etwa der Präzision ihrer kulinarischen Beschreibung: Egal bis verstörend. Wer ist dieser C. Tanner? Wer ist Yaslak? Ein Junge, ein Mädchen, ein Nachname, ein Vorname? Das Mädchen im zu großen Kittel, das gerade die Schattenmorellen zurecht rückt? Der Typ an der Kasse, der gleich einschläft? Will den Cacao-Snack sonst keiner haben?

    Das Prinzip, nach dem die Produkte ausgewählt werden, leuchtet nicht so richtig ein. Zumal die Empfehlungen nicht gerade nach ehrlicher Begeisterung klingen. Im Gegenteil: Verdächtig nach Pflichtübung und einem Zettel, der im Pausenraum des Supermarktes aushängt, auf dem die Mitarbeiter aus einer Reihe an „Sie könnten z.B dies schreiben"-Formulierungsvorschlägen auswählen sollen. Es schreibt ja keiner: „Coca Cola, der geilste Scheiß unter diesem Himmel, ohne kann ich nicht leben!!!!!!!". Stattdessen werden vornehmlich Produkte beworben, die einem im Supermarkt noch NIE aufgefallen sind oder bei denen man sich sowieso schon gefragt hat, wer die eigentlich kauft. Dass direkt neben den kleinen Zettelchen, die da im Kühlregalwind flattern, andere Zettel vom gleichen Format sind, auf denen aber steht: „Ich muss raus!", und die auf reduzierte Produkte hinweisen, macht die Sache nicht gerade Vertrauen erweckender.

    Wenn ein Buchhändler auf seine Lieblingsbücher handgeschriebene Kärtchen legt, auf denen steht, warum er das Buch lesenswert findet, vermittelt das ein stimmiges Gefühl. Ein Buchverkäufer liebt Bücher, eine eingesessene Buchhandlung ist ein sehr emotionaler Ort. Empfehlungen von Leuten, die etwas ernsthaft lieben, sind nicht nur eine wirkliche Bereicherung, ihnen haftet auch immer ein wenig von einem Geheimtipp an, und Geheimtipps verteilt man eigentlich nur an Menschen, die man mag. Wenn man eine Empfehlung bekommt oder in irgendeiner Form die persönliche Zugewandtheit einer Person spürt, fühlt man sich auch immer ein bisschen geliebt. Empfehlungen erzählen im besten Fall Geschichten und bewirken das Gegenteil des Gefühls, dass einem hier jemand etwas verkaufen will.

    Der städtische Supermarkt war bisher mit seinen allwöchentlich wechselnden Angeboten, dem gekennzeichneten Restpostenkorb, Pappaufstellern für neue Produkte oder der gelegentlichen Anwesenheit einer Kostprobenvertreterdame einer der ehrlichsten und effektivsten Orte des Konsums. Hier strömen die Menschen in morgendlicher oder feierabendlicher Eile rein und raus und sind auf nicht viel mehr als auf sich und ihren Einkaufszettel bedacht. Ein deutscher Stadtsupermarkt ist kein Ort des Treibenlassens, sondern der einer handfesten Erledigung. Es riecht nach einer Mischung aus Plastik, Kühlregal und abgestandenem Leergut und wenn man alles hat, ist man auch ganz froh, wieder raus zu sein. Beratungen, die über ein „Wo steht denn bei euch die Trockenhefe?" hinausgehen, sind hier nicht nötig. Jeder, der hier reingeht, weiß ungefähr, was er braucht.

    So abwegig es in Zeiten der flächendeckenden Vertraulichkeit scheint, aber: Es reicht, dass die Produkte einfach nur in ihren Regalen stehen und darauf warten, abgeholt zu werden. Es gilt die alte Regel, dass Läden und Produkte aus sich selbst heraus überzeugen müssen. Es gibt einfach keinen nachvollziehbaren Grund dafür, dass mir irgendein Mitarbeiter, von dem ich noch nicht mal weiß, wie er aussieht, für was er sich sonst noch so interessiert und ob er jetzt eher so der kulinarische Steak-für-den-Toaster-Typ oder vielleicht doch der Büffelmozarella-Gourmet ist, mir mit einer austauschbaren Blabla-Floskel sein „Lieblingsprodukt" erfolgreich ans Herz legt. Die Wirkung ist die eines Tourimeilen-Kellners, der einen mit dreist-vertrauter Ich-hab-da-schon-mal-was-für-Sie-vorbereitet-Manier in sein Restaurant ziehen will: Im Zweifel eher abschreckend. 

    0 0

    Eigentlich haben sich Kemalisten, Kurden und andere Gruppen stets gegenseitig bekämpft. Im Zuge der türkischen Aufstände kommen sie sich näher. Yusuf As vom Jugendverband DIDF erzählt, wie die deutsch-türkische Community die aktuellen Ereignisse erlebt.

    jetzt.de: Auf eurer Homepage berichtet ihr fast täglich über die Situation in Istanbul und ruft zu Soli-Aktionen auf. Wie sehen diese aus?
    Yusuf As:
    Bundesweit werden in vielen Städten Demos und Mahnwachen organisiert. In einigen Städten mittlerweile fast täglich. Die Demos sind zum Teil sehr groß – in Köln und Berlin waren es etwa 5000 - 10000, in Mannheim und Stuttgart einige tausend Menschen. Uns ist aufgefallen, dass auf den Demos vor allem Jugendliche stark vertreten sind. Es herrscht unter ihnen eine große Solidarität mit der kämpfenden Jugend in der Türkei.

    Wie sieht die Solidarität aus?
    Wir erleben seitens der Jugend große Unterstützung für die Proteste. Normalerweise machen wir nicht die besten Erfahrungen bei politischen Veranstaltungen, etwa wenn es um Angriffe auf Gewerkschaften in der Türkei geht. Eigentlich interessieren sie sich nicht wirklich für die Politik der Türkei. Aber wenn wir zu den Protesten in Istanbul etwas machen, merkt man, dass die Jungendlichen diesbezüglich sehr offen sind. Sie sind sehr interessiert und sprechen uns an, wenn wir etwa vor Schulen flyern. Sie wollen alle möglichen Dinge über die aktuelle Situation in der Türkei wissen.




    Yusuf As ist Büroleiter der DIDF Jugend, der Föderation demokratischer Arbeitervereine.

    Gibt es auch deutsch-türkische Jugendliche die nicht hinter den Protesten stehen? Ja. Aber die kommen meist aus der Jugend der alten islamischen Szene. AKP-nahe Organisationen, wie etwa die in Deutschland ansässige, islamische Organisation DITIP, oder die länderübergreifende aktive Organisation Millî Görüş (Anm. d. Red.: vom Bundesamt für Verfassungsschutz als „antidemokratisch" eingestuft), distanzieren sich von den Protesten. Man sieht das etwa auf Facebook, da versuchen sie, ihre eigenen Jugendlichen vor den Protesten zurückzuhalten und machen Propaganda für die AKP.

    Sieht man in Deutschland auch zerstrittene Gruppen wie etwa Aleviten, Sunniten und Kurden gemeinsam demonstrieren?

    Ja, aber erst seit kurzem. Kemalisten, Kurden und andere haben sich gegenseitig stets bekämpft. Die kamen selten auf einen grünen Zweig. In Deutschland war das ähnlich. Es war nahezu unmöglich so unterschiedliche Gruppen und Organisationen an einen Tisch zu bringen. Jetzt sind auf den Soli-Demos plötzlich Türkei- und Kurdistanfahnen zu sehen. Hin und wieder kommt es aber schon zu kleinen Wortgefechten zwischen den Teilnehmern und sie werfen sich blöde Sprüche an den Kopf. Im Großen und Ganzen funktioniert das Miteinander aber gut. Der Protest bringt uns zusammen.

    Von wem werden die Soli-Demos organisiert?
    Meistens werden die Demos von türkischen Organisationen veranstaltet. Es gibt manchmal aber auch spontane Protestaufrufe von türkischen Jugendlichen. Die Teilnehmer sind dann meist Leute, die zum ersten Mal auf einer Demo sind.

    Kommen mehr Junge oder Alte auf die Demos?
    In der Türkei sind ja die Jugendlichen an vorderster Front, die haben einfach mehr Kraft dafür. Das spiegelt sich auch hier. In Deutschland sind die Proteste aber im Gegensatz zu Istanbul, wo die Demonstranten von der ersten Minute an von der Polizei mit exzessiver Gewalt angegriffen wurden, friedlich. Hier in Deutschland muss man nicht gegen die Polizei ankämpfen. Die Jungen sind generell auch hier motivierter als die Älteren. Sie nehmen schon mal schneller ein Transpi oder eine Fahne in die Hand und gehen vorne mit.


    0 0

    In den USA erstreiten die Eltern einer Zehnjährigen vor Gericht, dass ihr Kind die Lunge eines Erwachsenen bekommt.

    Um das Leben ihrer Tochter zu retten, haben Eltern in den USA alle Register gezogen. Damit die an Cystischer Fibrose erkrankte Zehnjährige eine Spenderlunge erhält, zogen sie sogar vor Gericht - mit Erfolg. Am Mittwoch wurde Sarah in Philadelphia die Lunge eines erwachsenen Organspenders transplantiert, auf die das Kind ohne den eine Woche zuvor erfolgten Richterspruch keinen Anspruch gehabt hätte. Die Familie sei außer sich vor Freude, erklärte Sarahs Mutter: "Wir sind begeistert, dass dieser Tag gekommen ist." Sie sei glücklich, dass die Familie des Organspenders in den Stunden ihrer Trauer entschieden habe, Sarah das Leben zu schenken. "Sie sind heute die wahren Helden."



    Streit um Transplationen in den USA.

    Die Zehnjährige stand ganz oben auf der Warteliste für die Spenderlunge eines Kindes, die in den USA strikt getrennt von der Warteliste für erwachsene Organe geführt wird. Allerdings sind Organe von Kindern viel seltener als solche von Erwachsenen. Und obwohl Sarahs Tod nahe war, durfte sie nicht auf die Warteliste der Erwachsenen wechseln: Die US-Regierung lehnte trotz anhaltender Proteste von Bürgern, die für Sarah eintraten, einen Eingriff in die gültigen Regeln ab.

    In Deutschland käme keine Familie in eine solche Situation. "Kinder werden auf der Warteliste für Spenderorgane sogar bevorzugt", erklärt Axel Rahmel, medizinischer Direktor der Organ-Verteilungsstelle Eurotransplant. So waren im Jahr 2012 in Deutschland nur 22 Kinder Organspender, 149 Kinder aber haben ein Organ bekommen. Gleichwohl ist der Fall auch für deutsche Patienten interessant. Denn er zeigt, dass sich Betroffene mit richterlicher Hilfe womöglich über Verteilungsregeln hinwegsetzen können. In Deutschland werden diese Regeln von der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer gemacht. Sie entscheidet, ob Alkoholkranke sechs Monate trocken sein müssen, bevor sie Anspruch auf ein Organ haben; ob Patienten mit einem großen Krebs noch transplantiert werden; und auch, in welchem Ausmaß Kinder bevorzugt werden. Weil es dabei um Lebenschancen geht, will der Bundestag mehr öffentliche Mitsprache. So soll das Bundesgesundheitsministerium künftig einen Genehmigungsvorbehalt für die Richtlinien haben.

    Das Urteil des Richters war für Sarah ein Glück. Gleichwohl hat sie ein Organ bekommen, das nach US-Recht einem Erwachsenen zugestanden - und diesem auch besser gepasst - hätte. Das Urteil könnte nun für diesen Menschen den Tod bedeuten. "Was ist gerecht? Das ist die große, ungelöste Frage in der Transplantationsmedizin, der wir uns immer wieder stellen müssen", sagt Axel Rahmel. Die Entscheidung des US-Gerichts rief denn auch Kritik hervor, etwa vom Medizinethiker Arthur Caplan von der New York University: "Es stellt sich die Frage, ob man durch Klagen oder PR-Aktionen an die Spitze der Warteliste gelangen sollte."

    0 0

    Opfer von terroristisch motivierten Entführungen im Ausland können künftig nicht mehr damit rechnen, von ihren Heimatregierungen mittels Lösegeldzahlungen freigekauft zu werden.

    Berlin - Die Staats- und Regierungschefs führender Industrienationen sollen nach dem Willen der britischen G8-Präsidentschaft auf dem Gipfel in Nordirland nächste Woche eine Ächtung solcher Zahlungen beschließen. Damit soll potenziellen Entführern der Anreiz genommen werden, Ausländer zu verschleppen. Der britische Premierminister David Cameron hatte jüngst angekündigt, er wolle in dieser Frage mit den Teilnehmern des Gipfels zu einer "deutlich sichtbaren Übereinkunft" kommen.



    Potenziellen Entführern soll der Anreiz genommen werden.

    In Berlin hieß es, Deutschland unterstütze das Vorhaben. Es handele sich um einen umfassenden Ansatz, bei dem es nicht nur um Forderungen an Staaten gehe, sondern auch an Unternehmen, deren Mitarbeiter entführt wurden. Damit wären auch Reedereien betroffen, deren Schiffe und Besatzungen vor der Küste Afrikas von Piraten überfallen werden, um Lösegelder zu erpressen. Allerdings kann es keine völkerrechtlich verbindliche Regelung für ein Verbot von Lösegeldern geben, weil dies in mehreren Ländern zu Konflikten mit nationalen Verfassungsregelungen führen würde. So regelt in Deutschland Artikel 2, Absatz 2 des Grundgesetzes das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.

    Nach einem im Frühjahr veröffentlichten Bericht britischer Sicherheitsbehörden sollen seit 2008 mehr als 150 Ausländer in verschiedenen Staaten von islamistischen Terrorgruppen gekidnappt worden sein, davon allein 50 Personen im Jahr 2012, was eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2011 darstelle. In den vergangenen fünf Jahren seien rund 50 Millionen Euro an Lösegeldern bezahlt worden. Solche Entführungen gelten als zunehmend beliebtes Instrument für Terrorgruppen, um Geld insbesondere für Waffenkäufe zu erpressen. Auf ihrem Gipfel in Camp David 2012 hatten die G8-Staaten bereits erklärt, es komme entscheidend darauf an, der Finanzierung des Terrorismus zu begegnen, einschließlich der auf Lösegeld ausgerichteten Entführungen. Nach Angaben aus Berlin drängt Cameron nun vehement auf eine weitergehende Formulierung.

    Die Regierung in London nimmt für sich in Anspruch, entführte Briten nicht freizukaufen. Deutsche Regierungen haben in den vergangenen Jahren mutmaßlich in mehreren Fällen Staatsbürger auf direktem oder indirektem Weg freigekauft. Allerdings wird dies von Regierungsseite nie bestätigt, um keine Nachahmungstäter zu animieren. Vor allem im Irak, in Afghanistan und im Jemen waren wiederholt Deutsche entführt worden. Zu den spektakulärsten Fällen gehören die Entführungen der Archäologin Susanne Osthoff 2005 in Bagdad, die nach drei Wochen freigelassen wurde, sowie im selben Jahr die Entführung des früheren Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, der nach drei Tagen aus der Hand jemenitischer Geiselnehmer freikam.


(Page 1) | 2 | 3 | .... | 311 | newer